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Edwin Baumgartner

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1

Dienstag, 21. Februar 2006, 23:10

Zitat

Edwin, da G.G. ja zu deinen Favoriten gehört, solltest du dir das mal anhören!


Du - das ist genau die Aufnahme, die ich davon habe. Und so mag ich den "Porgy" eigentlich auch am liebsten.

Du hast völlig recht: Auch Berglund ist einer der Übersehenen, auch der von mir sehr geschätzte Herbert Blomstedt und auch Sixten Ehrling - und bei den Deutschen natürlich Herbert Kegel und Othmar Suitner (der eigentlich Tiroler,also Österreicher, ist),bei den Franzosen Georges Pretre und Serge Baudo. Das sind jene glänzenden Kapellmeister, wobei ich diesen Ausdruck im allerbesten Sinn meine, die im Grunde das Repertoire schaffen. Und teilweise Interpretationen hinlegen, die um Klassen besser sind als die der Stardirigenten. Wenn ich an Kegel denke... - es wird Zeit für einen Thread, ich werde mir einmal ein paar Daten zusammensuchen.
...

Norbert

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2

Mittwoch, 22. Februar 2006, 00:24

Zitat

Original von Edwin Baumgartner

Du hast völlig recht: Auch Berglund ist einer der Übersehenen, auch der von mir sehr geschätzte Herbert Blomstedt und auch Sixten Ehrling - und bei den Deutschen natürlich Herbert Kegel und Othmar Suitner (der eigentlich Tiroler,also Österreicher, ist),bei den Franzosen Georges Pretre und Serge Baudo. Das sind jene glänzenden Kapellmeister, wobei ich diesen Ausdruck im allerbesten Sinn meine, die im Grunde das Repertoire schaffen. Und teilweise Interpretationen hinlegen, die um Klassen besser sind als die der Stardirigenten. Wenn ich an Kegel denke... - es wird Zeit für einen Thread, ich werde mir einmal ein paar Daten zusammensuchen.


Mir fallen spontan Hans Swarowsky und Hans Schmidt-Isserstedt ein, die ebenfalls fast vergessen sind.

Seit längerem versuche ich einen Thread zu eröffnen, in dem über diese Art Dirigenten (die "zu unrecht vergessenen") diskutiert wird, aber es fehlt leider Zeit für Recherche... Deswegen möchte ich meine Gedanken auch als Anregung verstanden wissen... ;)

Zum Thema: Von Abravanel kenne und besitze ich lediglich Mahlers 2., mit der ich noch nicht so recht "warm" wurde. Nach den guten Kritiken, die er hier bekam, werde ich mir die Aufnahme allerdings mal wieder vorknöpfen.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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3

Mittwoch, 22. Februar 2006, 00:52

Zitat


Seit längerem versuche ich einen Thread zu eröffnen, in dem über diese Art Dirigenten (die "zu unrecht vergessenen") diskutiert wird, aber es fehlt leider Zeit für Recherche...


Das verstehe ich nur zu gut. Auch ich würde (wie Edwin) eine Lanze für Blomstedt brechen wollen, und für die Herren Kegel und Suitner, deren teilweise wunderbaren DDR-Aufnahmen für nahezu obszöne Tiefstpreise verhökert werden. Und als norddeutscher NDR-Patriot steht mir auch Schmidt-Isserstedt nahe, wenngleich ich manche Aufnahmen nicht so mag, andere dafür umso mehr. Franz Konwitschny könnte ich noch nennen, der, so wurde wir zugetragen, ein ernsthafter Kandidat war, Furtwänglers Erbe in Berlin anzutreten, was dann leider ein anderer Herr schließlich tat. Beethovens Siebte von Konwitschny zum Beispiel ist restlos begeisternd! So könnte mancher die Liste fortsetzen, was vielleicht in einem Abravanel-Thread unangebracht ist...aber vielleicht anderswo?!

Gruß
B.
"Once you've seen your face on a bottle of salad dressing, it's hard to take yourself seriously."
Paul Newman

Norbert

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4

Mittwoch, 22. Februar 2006, 11:22

Hallo Barbirolli,

ich mache es mir/uns jetzt ganz einfach: Wenn Edwin einverstanden ist, trenne ich unsere Unterhaltung über andere vernachlässigte Dirigenten ab und mache einen eigenen Thread daraus.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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Edwin Baumgartner

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5

Mittwoch, 22. Februar 2006, 13:18

Hallo Norbert!
Ausgezeichnete Idee - ich hab schon gedacht, ob ich das vorschlagen soll. Von mir aus sehr gerne!
LG
...

Norbert

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6

Mittwoch, 22. Februar 2006, 13:42

So, erledigt. Ich lasse meine Kommentare bestehen, damit ein Zusammenhang gewahrt bleibt.

Sinn und Zweck dieses Threads soll es sein, an Dirigenten zu erinnern, die -warum auch immer- nicht so gewürdigt wurden wie sie es "verdient hätten".

Namen wurden genannt, möge die Diskussion fortgeführt werden... ;)
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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Edwin Baumgartner

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7

Mittwoch, 22. Februar 2006, 15:20

Der einfach ausgelagerte Thread macht es mir leichter, einen Einstieg zu finden (danke, Norbert :hello: ).
In ein paar Threads sind nämlich immer wieder die Namen von Dirigenten aufgetaucht, die zu den größten Interpreten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gerechnet worden wären, wenn nicht...

Ja, wenn nicht zwei Namen die Musikwelt polarisiert hätten: Leonard Bernstein und Herbert von Karajan. Sie zogen alle Aufmerksamkeit auf sich. Nur der große unnahbare und unberechenbare Carlos Kleiber wurde wahrgenommen, ein paar Bruckner Fans verkündeten den Ruhm von Celibidache und Wand, ein paar Modernskys (sag ich einmal so, ich bin ja selbst einer davon gewesen) den von Pierre Boulez. Aber im Großen und Ganzes war's das.

Und damit wurden Dirigenten buchstäblich übersehen, die weder die Musikgottesdienste Karajans noch die Weltumarmung Bernsteins vollziehen konnten oder wollten - und die dennoch zu den Großen gerechnet werden müssen.

Natürlich wird am Anfang ein Regen von Namen auf diesen Thread niederprasseln - daher eine Bitte zur Herstellung von Übersichtlichkeit: Vielleicht kann man dieser Thread mit Dirigenten des deutschsprachigen Raums weiterführen und einen anderen für das restliche Europa und die USA eröffnen, ich nehme an, die Fülle des Materials trägt das locker.

Ich will einsteigen mit der Nennung jener Dirigenten, die mir besonders am Herzen liegen.

1) Herbert Kegel

Der große streitbare Mann im Osten: 1920 geboren, 1990 durch Selbstmord gestorben. Was hat er nicht alles für die Neue Musik getan! Mit seinem feinen Gefühl für den Aufbau eines Werkes konnte er selbst weniger gewichtige Kompositionen darstellen, als wären es Meisterwerke. Und die wirklichen Meisterwerke leuchteten unter seiner Leitung auf völlig neue Weise. So gibt es eine einzigartige Aufnahme von Wagners "Parsifal" voller expressionistischer Glut und einer zum Zerreißen gespannten Dramatik. Und es gibt ein paar Mahler-Einspielungen, die die gefeierten Aufnahmen bekannter Stardirigenten bei weitem übertreffen, etwa die 1. und die 4. Symphonie sind unvergleichlich.
Kegel war auch ein Sturkopf, wenn es um die Sache der Musik ging: Als die SED-Behörden die Aufführung von Henzes "Floß der Medusa" nicht zulassen wollten (ausgerechnet...), gab Kegel so lange nicht nach, bis er das Stück durchgesetzt hatte.

2) Kurt Eichhorn

Orff-Fans wissen, dass der bayerische Dirigent seinen Landsmann mit einer kernigen Deftigkeit, einer wilden, fast urtümlichen Sinnlichkeit ausstattete, dass alle anderen Aufnahmen sich dagegen blass ausnehmen. Der 1908 geborene und 1994 verstorbene Dirigent war aber auch ein Bruckner-Spezialist, und es ist eine Tragödie, dass sein Zyklus mit dem Linzer Bruckner-Orchester nicht mehr fertig wurde. Der ursprüngliche Plan war, nicht nur alle Symphonien aufzunehmen, sondern auch alle Fassungen. Bei der 2. hat's geklappt. Dann wurde das Projekt reduziert auf eine Gesamteinspielung in jeweils einer Fassung - aber auch das konnte Eichhorn nicht mehr vollenden.
Bruckner unter Eichhorn: Das ist die große Tradition der Bruckner-Exegeten mit weiträumigen Dispositionen. Bei Eichhorn kommt aber auch eine rhythmische Urgewalt dazu, wie man es selten erlebt hat. Bruckner als Vorläufer Orffs? - Man muss sich einmal anören, wie besessen Eichhorn bei Bruckner die Ostinati vorantreibt und die Bläser auf die Zweiunddreißigstel genau die Höhepunkte schmettern lässt. Das mag eigenwillig sein, erregend ist es in jedem Fall!

3) Franz Konwitschny

1901 geboren, 1962 gestorben. Ursprünglich Bratschist, in der NS-Zeit Opernchef in Frankfurt, nach dem Krieg Chef des Gewandhausorchesters Leipzig und der Ostdeutschen Staatsoper Berlin. Als Kulturaushängeschild der DDR von deren Machthabern gefördert. Konwitschny ist einer der letzten großen intuitiven Musiker, insoferne von Knappertsbusch und Furtwängler herkommend. Seine Opern-Aufführungen sind impulsiv, dramatisch, von der Logik des Affekts beherrscht. Aber wenn Konwitschny Bruckner dirigiert, spürt man auch sehr genau abgezirkelte Tempi, einen klaren Aufbau und beharrlich entwickelte Steigerungen. Wie Kegel und Eichhorn so besaß auch Konwitschny ein feines Ohr für die Balancen im Orchester und schuf einen leuchtenden Klagstil.

Und damit übergebe ich jetzt einmal die Stafette meinen Mit-Taministen.
...

Holger_Grintz

unregistriert

8

Mittwoch, 22. Februar 2006, 15:48

ein schöner Thread... ich möchte Edwins Reihe der "Bruckner-Dirigenten" gerne fortsetzen mit dieses zwei Herren:


4) Volkmar Andreae



Volkmar Andreae, * 5. Juni 1879 in Bern, † 19. Juni 1962 in Zürich
Studium bei K. Munzinger und in Köln, Konservatorium ab 1900 Korrepetitor und Dirigent in München, später desgl. in Winterthur und Zürich. Leider gibt es viel zu wenige Tonaufzeichnungen von ihm, aber das, was ich habe, hat mich überzeugt.


5) Heinz Wallberg



*16. März 1923 in Herringen, † 29. September 2004 in Essen, gehörte während vier Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Dirigenten seiner Generation. Träger der Bruckner Medaille (neben Giulini und Abbado).
Obwohl es etliche Schallplattenaufnahmen mit ihm gibt, ist er dennoch eher ein "fast vergessener", zu Wallbergs Tod gibt es hier einen Thread.

AcomA

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9

Mittwoch, 22. Februar 2006, 16:49

hallo Holger,

ich erlebte wallberg noch live mit den essener philharmonikern. sehr gut.

gruß, siamak
Siamak

Misha

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10

Mittwoch, 22. Februar 2006, 16:59

Ich erinnere mich noch gut an die "Meistersinger" unter Wallberg im neuen Aalto in Essen Ende der 80er. Zum ersten Mal (ich hatte die Meistersinger noch nicht oft erlebt) erschien mir der Orchesterklang transparent, nicht, wie ich es zuvor oft gehört hatte, als lärmender Brei, z.B. in der Prügelfuge. Da die Inszenierung IMO schlimm war, hab' ich über lange Strecken nur zugehört.
res severa verum gaudium

Herzliche Grüße aus Sachsen
Misha

Norbert

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11

Mittwoch, 22. Februar 2006, 17:02

Bruckner ist ein gutes Stichwort: In die Reihe der fast vergessenen Ex-DDR-Dirigenten reiht sich imo Heinz Rögner ein.



Geboren am 16.Jan.1929 in Leipzig, gestorben am 10.Dez.2001 ebendort.

Ein paar biographische Daten:
-1961-1973 ständiger Dirigent der Staatsoper Unter den Linden
-1973-1993 Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin (Ost)
-1978 wurde er Ständiger Gastdirigent des Yomiuri Nippon Symphony Orchestra Tokyo, 1984 erfolgte die Berufung zum Principal Conductor und 1990 zum Special Guest Conductor des Yomiuri Nippon Symphony Orchestra
-ferner pädagogisch tätig: Fast 20 Jahre lang war er künstlerischer und pädagogischer Leiter der Sommerkurse für Nachwuchsdirigenten in Gotha, 1985 und 1990 war er Leiter des Internationalen Musikseminars im Fach Dirigieren in Weimar.

Obwohl Rögners Diskografie umfangreich war ( hier nachzusehen), finden sich nur noch vereinzelte Aufnahmen von ihm, darunter eine nicht mehr erhältliche Zusammenstellung von edel classics mit Werken Anton Bruckners (Messen, Sinfonien Nrn. 4-9), Mahlers 3. Sinfonie, sowie des Siegfried-Idylls und der Sinfonie von Richard Wagner.

Ein wenig brav-bieder blickt er uns an, der Herr Rögner, aber seine Bruckner Interpretationen waren genau das Gegenteil. Kein anderer mir bekannter Dirigent brachte einen derart rasanten Bruckner zustande (u.a. Sinfonie Nr. 5: 68'26'', Nr. 9: 54'17'').
Trotzdem klang nichts verhetzt, sondern genau ausbalanciert. Daß bei Rögners rasanten Tempi kein weihevoller Bruckner entstand, dürfte auf der Hand liegen. Leider genügte das Orchester nicht höchsten Ansprüchen.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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Michael Schlechtriem

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12

Mittwoch, 22. Februar 2006, 18:42

Hallo Norbert,
Ich habe zweimal unter Rögner spielen dürfen.

Er war ein äßerst netter Mensch und auch ein sehr guter Dirigent.
Er war in der Lage, das Orchester zum Zuhören und zum Singen zu bringen.

Wegen seiner umgänglichen und kollegialen Haltung gegenüber dem Orchester war er äußerst beliebt.

Leider muß ich dann aber auf der Minusseite die absolut langsamste und langweiligste Brahms 4.Sinfonie verbuchen, welche ich je spielte.
Dasselbe bei Rachmaninoffs 2.Sinfonie, die Tarantella des letzen Satzes zog sich im Schneckentempo hin.

Dies war kurz vor seinem Tode, vielleicht war sein Temperament schon etwas erloschen, ich weiß es nicht.

Er hat übrigens ohne Taktstock dirigiert, was ich persönlich ausgesprochen schön fand.



Viele Grüße,

Michael
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Norbert

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13

Mittwoch, 22. Februar 2006, 19:07

Hallo Michael,

interessant, denn auf dem Cover der von mir angesprochenen Sammlung ist er mit Taktstock zu sehen.

Es war übrigens sehr schwer, überhaupt an biographische Daten Rögners heran zu kommen. Er scheint leider sehr in Vergessenheit geraten zu sein.

Zu Herbert Kegel fällt mir folgendes ein: Eine gewisse Bekanntheit erlangte er dadurch, daß er den ersten digitalen Beethoven-Sinfonien-Zyklus herausbrachte (auf dem Label Capriccio).
Im Zuge der Beschäftigung mit seiner Aufnahme der 1. Sinfonie Mahlers (die ich im entsprechenden Thread näher beleuchtete) hatte ich mich ein wenig mit seiner Vita befaßt. Er war zu Lebzeiten ein auch im Ausland bekannter, aber nicht unbedingt berühmter Dirigent. Auch wenn es spekulativ ist, wurde vermutet, daß sein Suizid eine "Auslandskarriere" zunichte machte.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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Edwin Baumgartner

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14

Mittwoch, 22. Februar 2006, 19:42

Hallo Norbert!

Kegels Auslands-Karriere ist eine heikle Sache. Kegel stand politisch links, seine Biografin, mit der ich öfter sprach, meint, er sei ein "Linker aus dem Bauch heraus" gewesen - wie er an alles mit äußerster Leidenschaft heranging, ohne lange zu hinterfragen, ob das richtig war oder nicht.
Als dann in den letzten Zügen der DDR sich immer mehr Künstler vom "Arbeiter- und Bauernparadies" abwandten, war Kegel bereits in einer Art Depression gefangen, die ihm jedes taktische Kalkül unmöglich machte. Dadurch wurde er in den Augen des Westens zum "Künstler eines Unrechtsregimes".
Und damit wurde Kegel zu einer Unperson in Deutschland, eigentlich auch in Europa. Auch die estagenturen rümpften die Nase, mit dem "Kommunisten Kegel" wollte man nicht so recht was zu tun haben - wieviele Werke er gegen den Willen der SED aufgeführt hat, galt nichts; dass er eine unbequeme Erscheinung war,die immer wieder aneckte - gleichgültig.
Die einzige Chance, die sich für Kegel bot, war in Japan, wo man sich für ihn zu interessieren begann (übrigens gibt es auf japanischer Pressung eine fabelhafte 2. Mahler unter Kegel).
Aber das Ende war nicht mehr aufzuhalten. Kegel wurde stets von Depressionen heimgesucht. So sagte er nach einem Konzert, als ihm alle gratulierten: "Wieder ein Fest vorbei".
Dann kam zu dem künstlerischen noch ein privates Debakel - ein im menschlichen Umgang bequemer Mensch war Kegel ja nun wirklich nicht. Und das löste dann die finale Tragödie aus.
Das Seltsame ist für mich nur, dass gerade um Menschen mit solcher Biografie ein gewisser Mythos entsteht - nichts davon bei Kegel. Berlin Classics hat die Chance, einzigartige Einspielungen zum Billigpreis zu verramschen (bzw. hat man die Möglichkeit, einzigartige Einspielungen kostengünstig zu erwerben). Aber es geht eindeutig in Richtung Vergessenwerden.

LG
...

Michael Schlechtriem

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15

Mittwoch, 22. Februar 2006, 22:54

Hallo Edwin,

stimmt, was Du sagst,
ich wollte mich nämlich nochmal an einen meimer Exprof's wenden, der Solocellist unter Kegel war.
Dieser hatte mir seinerzeit die Umstände um Kegels Selbstmord geschildert, aber ich hatte sie vergessen-bis jetzt......

Die DDR-Dirigenten sind schon ein Thema für sich, besonders wenn es um die Schicksale "Systemkonformer" Dirigenten geht.
Gab es da nicht auch den recht bekannten Olaf Koch, der dann sang und klanglos von der Bildfläche verschwand?

Gruß,

Michael
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16

Mittwoch, 22. Februar 2006, 23:30

Beim Stichwort "DDR-Dirigent" fällt mir als erstes Helmut Koch ein.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Norbert

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17

Donnerstag, 23. Februar 2006, 00:09

Zitat

Original von Edwin Baumgartner
Das Seltsame ist für mich nur, dass gerade um Menschen mit solcher Biografie ein gewisser Mythos entsteht - nichts davon bei Kegel. Berlin Classics hat die Chance, einzigartige Einspielungen zum Billigpreis zu verramschen (bzw. hat man die Möglichkeit, einzigartige Einspielungen kostengünstig zu erwerben). Aber es geht eindeutig in Richtung Vergessenwerden.


Beim Billiglabel CCC ist immerhin die ein oder andere Aufnahme enthalten, darunter seine "legendary recordings" auf 15 CDs. Amazon listet auch einiges auf; natürlich viele Sampler, aber auch zum Beispiel seine wuchtige wunderbare Aufnahme des Deutschen Requiems von Brahms.



Da alles bös klein ist, die Daten: Es singen Mari Anne Häggander und Siegfried Lorenz sowie der Rundfinkchor Leipzig. Herbert Kegel dirigiert das RSO Leipzig.

Natürlich ist das discographische Vermächtnis nicht groß, aber vergessen wird Herbert Kegel hoffentlich nicht.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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Andrew

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18

Freitag, 12. Mai 2006, 21:11

Hans Schmidt-Isserstedt

Für mich gehört in diesen Thread auch Hans Schmidt-Isserstedt. Vermutlich ist da bei mir auch ein gewisser norddeutscher Lokalpatriotismus im Hintergrund. Schmidt-Isserstedt ist aber Berliner gewesen. (Ist Berlin auch Norddeutschland? Dazu müssten die Berliner/innen unter uns einmal Laut geben ...)



Hans Schmidt-Isserstedt stammt aus Berlin. Dort wurde er am 05. Mai 1900 geboren. Er studierte Musik und Musikwissenschaft und schrieb seine Doktorarbeit über die frühen Mozartopern: "Die Einflüsse der Italiener auf die Instrumentation der Mozartschen Jugendopern". Nikisch inspirierte ihn, Dirigent zu werden. Wichtige Stationen seiner Laufbahn waren Elberfeld, Rostock, Darmstadt, Hamburg und Berlin, wo er 1942 Direktor der Deutschen Oper wurde.



Gleich nach dem Krieg wurde Hans Schmidt-Isserstedt, der weder Parteimitglied noch Sympathisant der Nationalsozialisten war, von der britischen Besatzungsregierung mit dem Aufbau des NDR-Sinfonieorchesters beauftragt. Die Gründung des Orchesters erfolgte schon 1945. Über ein Vierteljahrhundert prägte Schmidt-Isserstedt dieses Orchester, das zu einem weltberühmten deutschen Orchester wurde.



Wichtige, noch erhältliche Aufnahmen, die mir persönlich gut gefallen, sind die Sinfonien und Konzerte Beethovens (die Klavierkonzerte mit Backhaus zählen wohl als eine der Referenzaufnahmen von Beethovens Klavierkonzerten) und die Brahms-Sinfonien.

Gelobt werden in der Kritik auch seine Hindemith-Einspielungen und Aufnahmen von Mozart, Dvorak und zeitgenössischer Musik.



Hans Schmidt-Isserstedt starb am 28. Mai 1973. Das NDR-Sinfonieorchester kann man als sein Lebenswerk ansehen. Seine letzte Aufnahme vor dem Tod war die vierte Symphonie von Johannes Brahms.

Mit freundlichen Grüßen aus Norddeutschland, Andrew
„Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

petemonova

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19

Freitag, 12. Mai 2006, 21:52

Hallo Andrew,

Zitat

Ist Berlin auch Norddeutschland?


Ich würde das für meinen Teil verneinen wollen.
Gut, ich bin kein echter Berliner, mein Vater war aber einer und irgendwie fühle ich mich schon wie einer.
Für mich fängt Norddeutschland aber erst mit MeckPomm an. Dann natürlich Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und der nördliche Teil von Niedersachsen (Hannover, Braunschweig, Wolfsburg gehören schon zu Mitteldeutschland IMO).

Noch was zum Thema: Ich kenne Schmidt-Isserstedt nur dem Namen her, die Brahms-Aufnahmen würden mich aber schon interessieren.

:hello:


Gruß, Peter.
Musik zu hören ist zweifellos eine der extravagantesten Arten, sein Geld auszugeben.
- Mauricio Kagel

vitelozzo-tamare

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20

Freitag, 12. Mai 2006, 22:52

Zu Kegel:

Eines seiner größten Verdienste war sicherlich Aufbau des Rundfunkchors Leipzig bzw. dessen Formung zu einem der besten Chöre der Welt, ich würde sogar fast den Superlativ wagen: zum besten deutschsprachigen Chor der Nachkriegszeit. Er wurde zu unzähligen Schallplattenaufnahmen der DDR herangezogen und stellt m.E. eine besondere Stärke vieler Eterna-Platten dar. Dies lässt sich auch gerade am beschriebenen Brahms-Requiem nachvollziehen. Als ich diese Aufnahme vor etwa 15 Jahren das erste Mal hörte, erschien sie mir etwas maniriert: überakzetuierte Konsonantenablaute, sehr offene Aussprache waren damals meine Eindrücke. Kürzlich hörte ich sie wieder, inzwischen mit mehr Hörgewohnheiten ausgestattet, und war begeistert: welch eine Sprachverständlichkeit, welch eine Dramatik!

Eine besondere Kostbarkeit ist m.E. zudem Kegels Einspielung von Schönbergs Moses und Aaron, auch die Gurrelieder gefallen mir sehr gut. Er war ein Dirigent, von dem ich mir viele Werke des 20. Jahrhunderts, die nur in wenigen oder unbefriedigenden Aufnahmen vorliegen, wünschen würde.

Gruß von
vitelozzo-tamare

Edwin Baumgartner

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21

Freitag, 12. Mai 2006, 23:26

Zitat

Eine besondere Kostbarkeit ist m.E. zudem Kegels Einspielung von Schönbergs Moses und Aaron


In meinen Augen absolut unvergleichlich! In allen Details exakt und doch leidenschaftlich. Noch dazu von allen Beteiligten glänzend gesungen. Selbst der von mir über alles geschätzte Pierre Boulez der Sony-Einspielung bleibt hinter Kegel zurück, weil bei letzterem nicht nur alles mit extremer Deutlichkeit vollzogen wird, sondern auch mit mit einer einzigartigen Glut der Leidenschaft erfüllt ist. Wer immer noch glaubt, Zwölftonmusik sei ein Konstrukt, höre sich diese Aufnahme an - er wird eines Besseren belehrt werden!
...

heldenbariton

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22

Samstag, 13. Mai 2006, 12:08

Ein zu Unrecht vergessener Dirigent ist OSWALD KABASTA (29.12.1896-6.2.1946; Selbstmord), von 1938-44 Chefdirigent der Münchner Philharmoniker; begann 1926 in Graz(seine Lehrer waren Karl Muck und Franz Schmidt, ab 1930 Rundfunktätigkeit in Wien, dann München. Er war Uraufführungsdirigent der 4. Sinfonie und des Oratoriums "Das Buch mit den sieben Siegeln" von Franz Schmidt.
Eine besondere Beziehung hatte er zum Werk Anton Bruckners, davon zeugen die Aufnahmen der 4. und 7. Sinfonie, zwei Aufnahmen, die auch heute noch bestehen können.

Auf eine Aufnahme der 4. Sinfonie von Bruckner unter dem in diesem Thread schon erwähnten VOLKMAR ANDREAE mit den Wiener Symphonikern (19.1.53, bei Orfeo) möchte ich ebenfalls hinweisen.

Gruss Heldenbariton
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Norbert

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23

Samstag, 13. Mai 2006, 12:29

Zitat

Original von petemonova

Noch was zum Thema: Ich kenne Schmidt-Isserstedt nur dem Namen her, die Brahms-Aufnahmen würden mich aber schon interessieren.

:hello:


Gruß, Peter.


Die Auseinandersetzung mit Schmidt-Isserstedts Brahms lohnt sich. Allerdings ist die 1. Sinfonie (Live-Aufnahme vom 05.06.1967) mono. Bis auf die Akademische Festouvertüre und die 3. Sinfonie handelt es sich übrigens generell um Live-Aufnahmen.

Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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Theophilus

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24

Samstag, 13. Mai 2006, 12:41

Zitat

Auf eine Aufnahme der 4. Sinfonie von Bruckner unter dem in diesem Thread schon erwähnten VOLKMAR ANDREAE mit den Wiener Symphonikern (19.1.53, bei Orfeo) möchte ich ebenfalls hinweisen.

Jetzt ist es endlich heraußen! Andreae dirigiert auf diesem Live-Mitschnitt die beste Bruckner-Wiedergabe, die ich kenne. Und dieser Mann hat keine Plattenaufnahmen gemacht...

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

heldenbariton

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25

Samstag, 13. Mai 2006, 17:59

Dann stehe ich mit meiner Meinung nicht allein..
Eine Aufnahme "für die Insel".
Kennst du noch etwas von ihm (Rundfunkaufnahmen) ?

Gruß Heldenbariton :hello:
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musicophil

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26

Sonntag, 21. Mai 2006, 00:32

Hans Schmidt-Isserstedt

Er hat ja auch die sehr schöne Mozartoper "Gärtnerin aus Liebe" dirigiert, die damals von Philips auf Schallplatte ausgebracht wurde und später in die Philipsreihe "Alle Mozartwerke" auf CD ausgebracht wurde.



Auch hat er (mit Schock??) noch die Entführung aufgenommen.

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

Theophilus

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27

Sonntag, 21. Mai 2006, 02:16

Hallo Heldenbariton

Die Seite "http://abruckner.com" listet noch Live-Mitschnitte der ersten drei Symphonien. Diese sind mir allerdings noch nie auf CD untergekommen. Lediglich die Orfeo-CD ist eigentlich schon seit 20 Jahren immer im Programm.
Die einzige weitere Platte von der ich weiß und die gelegentlich vorkommt, ist ein Beethoven-Konzert mit Friedrich Gulda. Man kann nur hoffen, dass sich noch einiges in Rundfunkarchiven verbirgt (vor allem beim Schweizer Rundfunk), das noch irgendwann das Licht der Welt erblickt.
Da er immerhin über 40 Jahre Chef des Tonhalle-Orchesters war und z.B. 1936 das Internationale Brucknerfest organisierte, wo alle Symphonien und sonst noch einiges von Bruckner aufgeführt wurden, könnten die Hoffnungen nicht vergeblich sein. Zum Glück gibt es aus seiner Wiener Tätigkeit mit den Symphonikern offensichtlich doch ein paar Dokumente. Die 4. bei Orfeo ist schlicht und einfach eine Offenbarung.

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

Edwin Baumgartner

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28

Sonntag, 21. Mai 2006, 10:35

Hallo Theophilus!
Ich habe die Erste Bruckner unter Andreae auf einer ominösen Schallplattenausgabe in elender Tonqualität. Was man heraushören kann, ist ein geradezu stürmischer, aufgepeitschter Bruckner, der dennoch nicht gegen die Musik dirigiert wird. Sehr beeindruckend!
LG
...

Anna-Beate

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29

Dienstag, 1. August 2006, 13:23

Ich habe eine Aufnahme von Mozarts "Jubilate, exultate" mit dem Berliner Radio-Symphonie-Orchester unter der Leitung von Creed.
Ich habe von diesem Dirigenten ansonsten noch nie etwas gehört, weiß auch überhaupt nichts von ihm. Ist er irgend jemandem hier bekannt? Wie ist er von seiner Art und Qualität her einzuschätzen?
Anna-Beate

Norbert

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30

Freitag, 16. Mai 2008, 20:56

Um den Thread mal wieder zu bleben: Zu den zu unrecht fast vergessenen zähle ich Ferdinand Leitner.

Die Biographie habe ich vollkommen legal Wikipedia entnommen:

Zitat

Ferdinand Leitner (* 4. März 1912 in Berlin; † 3. Juni 1996 in Zürich) war ein deutscher Dirigent.


Leben

Leitner studierte bei Franz Schreker, Julius Prüwer, Artur Schnabel und Karl Muck. Als Pianist vor allem in der Rolle des Begleiters, stieg er durch Fritz Busch in den dreißiger Jahren auch als Dirigent auf und war, obwohl im Dritten Reich von der tonangebenden Schicht im Kulturleben hintangestellt, 1943 bis 1945 Dirigent des Theaters am Nollendorfplatz in Berlin. 1945 bis 1946 in Hamburg, 1946 bis 1947 in München, fand er ab 1947 als Generalmusikdirektor in Stuttgart eine Stelle, in der er bis 1969 blieb, als er ans Opernhaus Zürich ging, das er erst 1984 wieder verließ. Gleichzeitig war er von 1976 bis 1980 in Den Haag tätig.


Kunst

Bekannt ist er vor allem als Operndirigent (Lieblingskomponisten: Wagner, Richard Strauss, Mozart), der sich auch der Oper des 20. Jahrhunderts annahm (Carl Orff, Karl Amadeus Hartmann). Als solcher wirkte er nach Erich Kleiber 1956 auch am Teatro Colón in Buenos Aires bei der Aufführung deutscher Opern. 1950 und 1980 leitete er die Uraufführung von Bühnenwerken Hermann Reutters.

Seine über 300 Schallplattenaufnahmen umfassen aber auch die Sinfonien der Romantik.



Von den "über 300 Schallplattenaufnahmen" waren mir bisher nur zwei bekannt:


-als Dirigent der Chorfantasie mit Jörg Demus und


-als feinsinniger, "romantischer" Begleiter von Wilhelm Kempff in einer der "Klassiker" von Beethovens Klavierkonzerten.

Da gerade beim Südwestdeutschen Rundfunk günstig erhältlich, kaufte ich mir vor ein paar Tagen zwei andere Aufnahmen:


und


Überraschendes war zu hören bei Werken, die ich mehrfach besitze und die zu meinen Favoriten zählen:

Bruckners 6 weiß durch einen sehr gut durchhörbaren und gesanglichen Ansatz zu gefallen. Leitner schafft es, die komplizierten Rhythmen des 1. Satzes hörbar zu machen, aber dabei dennoch den musikalischen Fluß zu bewahren (ein Kunststück, das nicht vielen Dirigenten gelingt).

Bruckners 9. wird mit hörbarer Leidenschaft ohne falsches Pathos gespielt. Der 1. Satz besticht (oder verwirrt, je nach "Bruckner-Typ") durch einen aggressiven Klangsansatz, der stellenweise mit brachialer Gewalt durchgeführt wird. Des Weiteren läßt Leitner im Adagio aufhorchen, da die dreisätzige Sinfonie zum Schluß endlich nicht einmal bis zum Stillstand verlangsamt wird, sondern ruhig fließend ausklingt.

Hartmann ist nicht so mein Fall, wurde aber von anderen Taminoranern sehr gelobt.

Ich werde beide Aufnahmen demnächst in den entsprechenden Threads würdigen, denn sie haben es verdient gehört zu werden.

Wer kennt mehr hörenswertes von Ferdinand Leitner?
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler