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Misha

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31

Montag, 11. Juni 2007, 16:08

Der Freischütz ist ja vielen "verdächtig", "deutschtümelnd" (was immer das sein mag) zu sein. Also traf die Kleiber Aufnahme den Zeitgeist, und sie hat (IMO z.B. in der Wolfsschlucht, da "geht die Post ab") musikalisch ihre Meriten, wenn mir auch der spezifisch romantische Ton in der Musik fehlt. Schreier ist jedoch als Max eine der krassesten Fehlbesetzungen auf Konserve; und auch Adam, den ich sehr schätze; ist einfach ein 0815 Bösewicht - ohne dämonische Größe wie z.B. Böhme.
Ich bevorzuge die Aufnahmen mit Schock, wobei mir die unter Matacic aus den von Walter Krause genannten Gründen zu Unrecht unterbewertet scheint.
res severa verum gaudium

Herzliche Grüße aus Sachsen
Misha

Walter Krause

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32

Montag, 18. Juni 2007, 17:30

Lieber Misha,

Danke für die Unterstützung! Du weißt nicht, wie gut das tut, wenn man sich mit seiner Meinung so ganz allein auf weiter Flur fühlt und im Stillen schon an den Ohrenarzt denkt, und plötzlich kommt ein guter Geist und klopft einem auf die Schulter. Matacic liefert für mich genau jenes Maß an Romantik, das weder übertrieben noch unterkühlt wirkt.

LG

Waldi
Homo sum, ergo inscius.

Siegfried

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33

Donnerstag, 21. Juni 2007, 20:13



FonoForum 11 / 67 schreibt: "Lovro von Matacic beweist mit der ganzen Interpretation sein Feingefühl für die innereren und äußeren Steigerungsmöglichkeiten der Partitur. Rudolf Schock singt mit dem Max eine seiner Paraderollen. Es war gut, diesem profilierten Max keine jugendlich naive - sondern eine ebenso reife, fast möchte man sagen frauliche Agathe gegenüberzustellen, wie sie Claire Watson verkörpert. Lotte Schädle gestaltet ihre Partie zu einer wohl schelmischen aber aufrichtig mitfühlenden Freundin. Kein Musikfreund, dem an einer gediegenen, charaktervollen und aufnahmetechnisch erstklassigen Einspielung gelegen ist, wird von dieser Aufnahme enttäuscht werden."


Mir gefällt Gottlob Frick besonders, aber auch Rudolf Schock hat eine für sein damaliges Alter erstaunlich gute Leistung geboten. :angel: :angel:
Freundliche Grüße Siegfried

Harald Kral

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34

Dienstag, 26. Juni 2007, 21:23

Der Freischütz

Im „teutschen“ Walde....“

Ich bin ebenfalls der Meinung, dass es keine „Freischütz“-Aufnahme gibt, die in allen Punkten perfekt ist. In einer vergleichenden Diskographie im „fonoforum“ vor ein paar Jahren hat der Autor angeregt, sich selbst aus den vorhandenen Einspielungen sein persönliches „Optimum“ zusammenzustellen, z. B. mit Peter Seiffert als Max, Elisabeth Grümmer als Agathe, Walter Berry als Kaspar, Rita Streich als Ännchen, Kurt Moll als Eremit usw. je nach eigenem Gusto.
Ommer hat in seiner Liste 33 Gesamtaufnahmen erfasst, ich selbst besitze – incl. Querschnitten und Videos bzw. DVDs über 50 verschiedene Aufnahmen. Jede davon hat ihre Meriten, ganz perfekt ist wohl keine. In den bisherigen Beiträgen zu diesem Thema ist immer nur von ca. einem halben Dutzend Alternativen die Rede, aber es gibt wirklich eine große Anzahl weiterer Aufnahmen, die durchaus hörenswert sind. Bei den neueren denke ich da an die Einspielung aus Berlin von 1994 mit Peter Seiffert, Kurt Rydl, Ruth Ziesack unter Marek Janowski. Interessant ist auch eine (Schulfunk-)Produktion des Norddeutschen Rundfunks von 1958 mit Sandor Konya, Melitta Muszely, Arnold van Mill unter Brückner-Rüggeberg – letztes Jahr als Prämie für Opernwelt-Abonennten neu aufgelegt.
Die älteste mir bekannte Gesamtaufnahme stammt aus dem Jahre 1939 – vom Reichssender Breslau mit Erich Kunz, Käthe Heidersbach, Marie Madlen Madsen unter Treffner. Schon damals sang Kurt Böhme des bösen Kaspar, den er später noch mindestens 10mal auf Platte gesungen hat! Sehr hörenswert ist auch eine Produktion der Edinburger Festspiele von 2004 unter Charles Mackerras mit Jonas Kaufmann als Max. Bei den Video-Aufnahmen ist die ORF-Produktion von den Bregenzer Festspielen 1983 sehenswert, mit Robert Schunk, Karl Ridderbusch, Mechtild von Gessendorf, Sona Ghazarian unter Adam Fischer sowie eine Aufzeichnung von den Eutiner Schlossfestspielen 2005 unter Griffiths (mit der reizenden Anke Krabbe als Ännchen)! Nicht zu vergessen die Loriot-Inszenierung aus Ludwigsburg und die von Achim Freyer aus Stuttgart und natürlich die Kozub-Aufnahme aus Hamburg.

Zum Schluß möchte ich noch eine Lanze brechen für Peter Schreier, der so geschmäht wird. In der „Referenzaufnahme“ unter Carlos Kleiber macht er seine Sache doch ganz gut. Auf der Bühne wäre die Stimme zu klein für den Max, aber im Plattenstudio hat er sich doch wacker gehalten! Negativ bewerte ich übrigens die Philips-Aufnahme aus Dresden von 1990 unter Colin Davis. Die Staatskapelle spielt unter seiner Leitung wie die Feuerwehrkapelle aus Kleckersdorf! Dabei sind die Sängerleistungen eigentlich ganz ordentlich.

Soviel für heute, man könnte dieses Thema aber noch Stunden weiterführen...
Grüße aus dem Rheinland
Harald Kral
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)

Walter Krause

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35

Mittwoch, 27. Juni 2007, 12:42

RE: Der Freischütz

Lieber Harald,

Zunächst herzlich willkommen im Forum! Deine Kenntnisse und Deine rekordverdächtige Sammlung (streiche das "verdächtig"!) lassen viel erwarten.
Könntest Du noch ein paar andere gute "Freischütze" etwas ausführlicher charakterisieren? Ich glaube, das Interesse dafür ist gar nicht so klein.
Robert Schunk habe ich aus einer Stuttgarter "Freischütz"Aufführung in Erinnerung. Die Inszenierung war infantil, aber die Stimme recht beeindruckend. War Schunk nicht der, dem die eigenen Nerven der Karriere zu sehr im Weg standen?
Peter Schreier hat sicher das Pech, bewußt oder unbewußt immer an Fritz Wunderlich gemessen zu werden. Ihm fehlte auch das Timbre für die ganz großen Partien seines Fachs.

LG

(vom abstammungsmäßigen Halbdüsseldorfer) Waldi
Homo sum, ergo inscius.

Maggie

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36

Mittwoch, 27. Juni 2007, 13:04

Hallo zusammen,

gerade per Post gekommen.



Ich hoffe er hält was er verspricht.

Ottokar- Hermann Prey
Kuno-Ernst Wiedemann
Agathe-Elisabeth Grümmer
Ännchen-Lisa Otto
Kasper-Karl-Christjan Kohn
Max- Rudof Schock
u.a.

LG

Maggie
:hello:

Harald Kral

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37

Mittwoch, 27. Juni 2007, 15:36

RE: Der Freischütz

Hallo Waldi,

angefangen hat das ganze bei mir mit dem „Freischütz“ von über 40 Jahren mit einem Querschnitt der Electrola-Keilberth-Aufnahme sowie einem DG-Doppelalbum mit der Jochum-Aufnahme. Als dann 1973 die Carlos-Kleiber-ufnahme erschien, musste ich die natürlich auch haben! Als „bekloppter“ Sammler gabs dann nur ein Ziel: ALLE Aufnahmen zu besitzen! So kamen dann im Lauf der Jahre auch kuriose Platten in meinen Besitz, z.B. in italienischer Sprache aus Turin mit Boris Christoff als Max unter Gui (1955), in französisch (in der Bearbeitung von Hector Berlioz) von Harmonia Mundi France usw. Erwähnenswert ist auch noch eine Remington-Platte aus USA mit einer Einspielung aus Linz von ca. 1952 mit Kurt Wehofschitz als Max! Historisch sind auch 2 Aufnahmen aus Dresden, einmal von 1944 unter Elmendorf mit Lorenz Fehenberger und Margarete Teschemacher unter Karl Elmendorf und von 1949 mit Bernd Aldenhoff und Elfriede Trötschel unter Rudolf Kempe. Bei beiden singt Kurt Böhme den Kaspar. Von 1950 habe ich noch einen Freischütz mit Heinrich Bensing und Maud Cunitz, eine Radioproduktion, bei der Georg Hann den Kaspar und den Eremiten singt. Dirigent war Müller-Kray (ist jetzt bei Walhall billig zu bekommen).

Wer auf „moderne“ Inszenierungen steht, der ist neben der Züricher DVD, die vorher schon erwähnt wurde (Peter Seiffert, Inga Nielsen, schräge Stahlträger als deutscher Wald), bestens bedient bei der DVD von Arthaus mit der Aufführung der Hamburger Staatsoper in der Inszenierung von Peter Konwitschny. Alfred Dohmen singt den Kaspar, Charlotte Margiano die Agathe, Jorma Silvasti den Max, es dirigiert Ingo Metzmacher.

Robert Schunk ist mein Jahrgang und Professor an der Musikhochschule in Köln. Ich lernte ihn bei meinen Recherchen zu der Ernst-Kozub-Biographie kennen, er ist mit Kozub befreundet gewesen und sammelt sämtliche Aufnahmen von ihm. Er ist schon seit 1979 als freischaffender Künstler ohne festes Engagement tätig, spezialisiert auf „Einspringen“, wenn irgendwo in der Welt ein Heldentenor ausfällt! So sprang er schon 1977 in Bayreuth für den erkrankten Peter Hofmann ein und hatte riesigen Erfolg als Siegmund in der Walküre. So ist das wohl noch heute.

Soviel für den Moment,
Viele Grüße
Harald Kral
Harald

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Maggie

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38

Mittwoch, 27. Juni 2007, 18:03

Hallo zusammen,

ich habe mir meinen gerade erworbenen Freischütz angehört und bin begeistert.

Die Musik ist an Dramatik kaum zu übertreffen und die Sänger haben mich allesamt überzeugt. (Ich gebe ja zu, dass ein Anfänger leicht zu überzeugen ist, aber ich denkte ich stehe mit meiner Meinung nicht allein da.)
Besonders beachtlich finde ich Rudolf Schock, der die Angst und die Verzweiflung die Max durchlebt, mit zum Teil fast kläglich, zitternder aber dennoch fantastisch warmer Stimme wiedergibt.

Für mich ein Kauf den ich sicher nie bereuen werde.

LG

Maggie

Siegfried

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39

Donnerstag, 28. Juni 2007, 06:41

RE: Der Freischütz

Zitat

Original von Harald Kral
Nicht zu vergessen die Loriot-Inszenierung aus Ludwigsburg und die von Achim Freyer aus Stuttgart und natürlich die Kozub-Aufnahme aus Hamburg.
Grüße aus dem Rheinland
Harald Kral


Beide hab ich gesehen und kann mich Haralds Ausführung nur anschließen.
Die Ludwigsburger Aufführung mit
Nancy Johnson, Ulrike Sonntag, Uwe Heilmann, Siegmund Nimsgern, Michael Ebbecke sowie dem Ludwigsburg festival Orchester geleitet von Wolfgang Gönnenwein erschien bei DG 072-026-3 (VHS). 1988

Die Stuttgarter Produktion gibts auch zu kaufen:

Freundliche Grüße Siegfried

Knusperhexe

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40

Freitag, 29. Juni 2007, 11:21

RE: Der Freischütz

Zitat

Original von Harald Kral
Im „teutschen“ Walde....“


Humpf - Der Freischütz spielt in Böhmen.
Regietheater? Nein, danke!

Alviano

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41

Freitag, 29. Juni 2007, 11:51

"Freischütz" Freyer/Stuttgart

An den "Freischütz" aus Stuttgart in der Inszenierung von Achim Freyer habe ich noch gute Erinnerungen. Ich fand die szenische Lösung damals wirklich massstabsetzend. Die Arbeiten von Nel oder Berghaus kamen ja erst viel später.

Und: mit Caterina Ligendza und Toni Krämer waren auch recht ordentliche Sänger/innen zu hören.
Alles was ist, endet

Harald Kral

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42

Freitag, 29. Juni 2007, 17:54

RE: Der Freischütz

......klar spielt der in Böhmen....
aber kurz nach dem 30jährigen Krieg - damals war das "Teutsch"

Sonst hätte ihn bestimmt Smetana oder Dvorak komponiert!

H.K.
Harald

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Basso

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43

Freitag, 13. Juli 2007, 20:13

Ich habe mir eine DVD der Aufführung der Hamburger Staatsoper aus dem Jahre 1968 zugelegt ... Aufführung ist falsch, es dürfte eine der ersten Inszenierungen für das Fernsehen sein. Die Besetzung ist nach meiner Meinung hervorragend:

Max - Ernst Kozub
Kaspar - Gottlob Frick
Kilian - Franz Grundheber (!)
Kuno - Toni Blankenheim
Agathe - Arlene Saunders
Ännchen - Edith Mathis
Ottokar - Tom Krause (!)
Eremit - Hans Sotin (!)
Samiel - Bernhard Minetti (!)

Das Ganze wirkt auf mich sehr homogen und kommt einem Ideal schon sehr nahe ...
Viele Grüße aus dem Bergischen Land
Basso

Gerald

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44

Freitag, 13. Juli 2007, 20:33

Vor kurzem genossen:

[JPC]4002778 [/JPC]

Die Musik unter Harnoncourt hat mir dabei sehr gefallen, wenn auch die Inszenierung etwas schwächer ist. Ansonsten besitze ich die folgende "Highlights"-CD für alle "Schlager" und "Hits":

[JPC]8424543 [/JPC]
"Das Höchste in der Kunst - vor Gott besagt's nicht viel.
Hat doch die Welt zuletzt nur ein moralisch Ziel."
(Hans Pfitzner)

Harald Kral

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45

Freitag, 13. Juli 2007, 21:16

Freischütz Hamburg aud DVD

@basso
Bei diesem Freischütz handelt es sich um eine Inszenierung der Hamburger Staatsoper. In Zusammenarbei mit dem damaligen Intendanten Rolf Liebermann hat der NDR-Regisseur Joachim Hess insgesamt ein Dutzend Opern verfilmt, wobei die Aufnahmen nicht im Opernhaus, sondern im Studio Hamburg erfolgten.
Es ist großartig, dass die Fa. Arthaus diese historischen Fernseh-Opern jetzt auf DVD herausbringt. Vorher waren diese nur schwer zu bekommen. Meine Freischütz-DVD stammt von der japanischen Fa. Dreamlife (mit japanischen Untertiteln!) und wurde von mir mit viel Geld und Aufwand importiert. Vorher hatte ich nur eine miese Video-Kopie der Fernsehsendung, die mir die Leihbücherei des Goethe-Institus in Guatemala (!) zur Verfügung gestellt hatte (übrigens für die Recherchen zu einer Kozub-Biographie).
Harald

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Fairy Queen

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46

Donnerstag, 19. Juli 2007, 18:47

RE: Freischütz Hamburg aud DVD

Ich habe gerade diesen Thread aufgesucht, weil mein Korrepetitor mir heute nachmittag zum weiteren Studium einer Ännchen-Arie eine Freischûtz DVD in die Hand gedrückt hat und es ist eben diese aus Hamburg 1968- :yes:
HIER findet man wirklich alles, :jubel: denn eigentlich wollte ich fragen, ob jemand die kennt und wie sie ist.
Falls also jemand über diese DVD diskutieren môchte, ich sehe sie mir heute abend an.

F.Q.
Leben zeugt Leben, Energie erschafft Energie. Man wird reich , indem man sich verschwendet. (Sarah Bernardt)

Basso

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47

Freitag, 20. Juli 2007, 19:19

RE: Freischütz Hamburg aud DVD

Zitat

Falls also jemand über diese DVD diskutieren môchte, ich sehe sie mir heute abend an.


... und wie war`s?
Viele Grüße aus dem Bergischen Land
Basso

Fairy Queen

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48

Freitag, 20. Juli 2007, 19:40

RE: Freischütz Hamburg aud DVD

Habe bisher nur den ersten Akt und den Anfang des dritten Aktes gesehen.
Also ganz ehrlich:
Die Inszenierung finde ich öde ..... :untertauch:
Die Frauen singen gut bis sehr gut(EdithMathis ganz toll! :jubel:), der Tenor gefällt mir überhaupt nciht, die Anderen Männer finde ich überwiegend gut.
Durch die in meinen Augen viel zu folkloristisch-veraltete Inszenierung langweilt mich das Ganze ziemlich schnell, bekommt auch eine unfreiwillig parodistische Komponente und ich mag eigentlich dann nur noch die Highlights hören.
Ich habe vor Jahren eine ganz furchtbare Regietheater-Inszenierung des Freischütz gesehen, in dem in der Anfangsszene die Jäger zu Kinderschändern wurden, das war zum Weglaufen (bin ich dann auch) aber SO wie auf dieser DVD mag ich diese Oper auch nciht sehn. Da muss einfach eine gute Inszenierung her, um sie mir wirklich endlich schmackhaft zu machen. Die Musik ist sehr schön, keine Frage. Einzelne Passagen finde ich sogar ganz hinreissend.
Soweit mein erster Eindruck aus dem Bauch raus.
FairyQueen
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raphaell

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49

Dienstag, 4. September 2007, 02:57

RE: Carl Maria von Weber: Der Freischütz

Hallo,

Zitat


sie gehört zum Genre der "Gruselopern", die aber im Gegensatz zu Wagners "Hölländer" und Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen" einen positiven Ausgang hat.


Findet ihr, dass der Holländer ein wirklich schlechtes Ende hat?! Und hat der Schreifritz ein gutes? Ich finde, es hätte besser ausgehen können für Max. Das Ende bleibt ja mehr oder weniger offen - was ich sehr schön finde. Es gibt zunehmend Inszenierungen, in denen das ende im streit und unsäglichem elend Endet - Das hinterlässt gleich doppelt schalen Nachgeschmack.

Und noch eine Frage - es wird immer behauptet, dass Libretto des Freischütz sei grottig schlecht - stellenweise kann ich das wohl nachvollziehen, aber generell ist es doch eine sehr spannende Geschichte und ich finde den Text auch überweigend wenig kitschig. Gut, dass volkstümliche und das Heidi-Bergidyll mag man heute als Inbegriff des Kitsches empfinden, doch mag ich besonders den Kontrast zwischen dem Ausgelassen-harmonischen und der düsteren, nach schwefel Stinkenden Wolfsschlucht. Wie ist eure Meinung zum Freischütz-Libretto? Wenn ihr der Meinung seid, es sei der letzte Schund, fände ich einie Textzitate zur veranschauung schön!

Viele Grüße,

Raphael

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50

Dienstag, 4. September 2007, 04:30

RE: Carl Maria von Weber: Der Freischütz

Zitat

Original von raphaell
Findet ihr, dass der Holländer ein wirklich schlechtes Ende hat?! Und hat der Schreifritz ein gutes? Ich finde, es hätte besser ausgehen können für Max. Das Ende bleibt ja mehr oder weniger offen - was ich sehr schön finde. Es gibt zunehmend Inszenierungen, in denen das ende im streit und unsäglichem elend Endet - Das hinterlässt gleich doppelt schalen Nachgeschmack.


Lieber Rafael,

ich finde nicht, dass der Holländer ein schlechtes Ende hat (wie hätte er besser ausgehen können?). Das Ende des Freischütz ist offen, es kommt darauf an, wie weit man den singenden Protagonisten glaubt. Aber - bei aller modernen Skepsis - eigentlich stellen alle, die Max kennen, ihm ein gutes Zeugnis aus, auch an die Liebe von Max und Agathe kann man glauben. Was sollte sich jetzt nach einem Bewährungsjahr noch ändern? Dass man als Regisseur eine offene Frage anders beantworten darf, die Unsicherheit artikulieren, ist für mich in Ordnung. Aber die Korrektur, die Knd/Weber an der zugrundeliegenden Geschichte gemacht haben, zeigt doch in Richtung verschobenes Happy End.

Zitat

Und noch eine Frage - es wird immer behauptet, dass Libretto des Freischütz sei grottig schlecht - stellenweise kann ich das wohl nachvollziehen, aber generell ist es doch eine sehr spannende Geschichte und ich finde den Text auch überweigend wenig kitschig. Gut, dass volkstümliche und das Heidi-Bergidyll mag man heute als Inbegriff des Kitsches empfinden, doch mag ich besonders den Kontrast zwischen dem Ausgelassen-harmonischen und der düsteren, nach schwefel Stinkenden Wolfsschlucht. Wie ist eure Meinung zum Freischütz-Libretto? Wenn ihr der Meinung seid, es sei der letzte Schund, fände ich einie Textzitate zur veranschauung schön!


Mit dem Libretto habe ich keine Probleme, ich bin sozusagen damit aufgewachsen, es war eine meiner ersten Opern und ich kannte das Libretto in- und auswendig. Dass mit dem Bewusstsein für historische Aufführungspraxis seltsamerweise die Fähigkeit verloren gegangen scheint, historische Texte richtig zu verstehen, verwundert mich immer wieder. Ohne Kind hätte es nicht die einzige große bühnenfähige Oper Webers gegeben (ansonsten gilt das nur noch für den "Abu Hassan").

Wer aber seine Vorstellung von "heiler Welt" in die Oper hineinprojiziert - meiner Meinung nach kann man die in der Oper nicht finden - wird "Biedermeierliches" kritisieren, den aufklärerischen Optimismus am Ende der Oper nicht akzeptieren - und da der Text dies alles trägt, wird er den Text nicht mögen. Das liegt aber nicht am Text, meine ich.

LG Peter
Sie hätten's wenigstens nur sehen sollen. Das ganze mich in das Tanzen versunken.
(Goethe)

Rosenkavalier

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51

Dienstag, 4. September 2007, 08:28

RE: Carl Maria von Weber: Der Freischütz

Zitat

Original von pbrixius

Zitat

Original von raphaell
Findet ihr, dass der Holländer ein wirklich schlechtes Ende hat?! Und hat der Schreifritz ein gutes? Ich finde, es hätte besser ausgehen können für Max. Das Ende bleibt ja mehr oder weniger offen - was ich sehr schön finde. Es gibt zunehmend Inszenierungen, in denen das ende im streit und unsäglichem elend Endet - Das hinterlässt gleich doppelt schalen Nachgeschmack.


Lieber Rafael,

ich finde nicht, dass der Holländer ein schlechtes Ende hat (wie hätte er besser ausgehen können?). Das Ende des Freischütz ist offen, es kommt darauf an, wie weit man den singenden Protagonisten glaubt. Aber - bei aller modernen Skepsis - eigentlich stellen alle, die Max kennen, ihm ein gutes Zeugnis aus, auch an die Liebe von Max und Agathe kann man glauben. Was sollte sich jetzt nach einem Bewährungsjahr noch ändern? Dass man als Regisseur eine offene Frage anders beantworten darf, die Unsicherheit artikulieren, ist für mich in Ordnung. Aber die Korrektur, die Knd/Weber an der zugrundeliegenden Geschichte gemacht haben, zeigt doch in Richtung verschobenes Happy End.


Mein Opern-Abo hat mir letzte Woche den Freischütz beschert und bei der Inszenierung ist mir besonders das Ende aufgefallen. Max feuert frustriert seine Mütze auf den Boden - das ist die gleiche Geste, mit der er nach dem erfolglosen Wettschießen am Anfang auftritt. Ich würde dies dahin deuten, dass er nicht weiter ist als am Anfang der Oper - aber auch nicht schlechter dran. Er kann Agathe noch nicht bekommen, aber die Sache ist nicht aussichtslos. In meinen Augen durch die Abschaffung der Prüfung sogar weniger aussichtslos als am Anfang der Oper. Zumal sein Rivale, der von Ottokar kurz ins Spiel gebracht wird ("...habt Ihr ja noch einen ältern Jägerburschen, Kuno! dem, wenigstens den Jahren nach, der Vorzug gebührte.") seinem eigenem Spiel zum Oper gefallen ist.
In der Inszenierung an der Staatsoper eilt Agathe zum Schluss auch nochmal zu Max auf die Bühne, beide sehen nicht sehr glücklich aus, aber sie sind zusammen.

Gruß
Rosenkavalier
Ich glaube, dass es in jedem Sänger einen einzigen, reinen und kleinen Ton gibt, welcher der wahre Ton der Stimme ist, und was immer man tut und wie man seine Stimme auf diesem Ton aufbaut, man muss zu ihm zurück kehren können, sonst ist es aus.
Agnes Baltsa

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52

Dienstag, 4. September 2007, 08:49

RE: Carl Maria von Weber: Der Freischütz

Zitat

Original von Rosenkavalier
Mein Opern-Abo hat mir letzte Woche den Freischütz beschert und bei der Inszenierung ist mir besonders das Ende aufgefallen. Max feuert frustriert seine Mütze auf den Boden - das ist die gleiche Geste, mit der er nach dem erfolglosen Wettschießen am Anfang auftritt. Ich würde dies dahin deuten, dass er nicht weiter ist als am Anfang der Oper - aber auch nicht schlechter dran. Er kann Agathe noch nicht bekommen, aber die Sache ist nicht aussichtslos. In meinen Augen durch die Abschaffung der Prüfung sogar weniger aussichtslos als am Anfang der Oper. Zumal sein Rivale, der von Ottokar kurz ins Spiel gebracht wird ("...habt Ihr ja noch einen ältern Jägerburschen, Kuno! dem, wenigstens den Jahren nach, der Vorzug gebührte.") seinem eigenem Spiel zum Oper gefallen ist.


Am Anfang der Oper (s. Ouvertüre und nachfolgende Arie) müsste er verzweifelt sein, die trotzige Geste am Schluss kann aber die Bedeutung nicht haben - und dass er nicht weiter ist als am Anfang der Oper, heißt, dass die Inszenierung wohl nichts zwischendurch zuwege gebracht hat, oder?

Zitat

In der Inszenierung an der Staatsoper eilt Agathe zum Schluss auch nochmal zu Max auf die Bühne, beide sehen nicht sehr glücklich aus, aber sie sind zusammen.


Ein Zyniker könnte sagen, dass sie nun auf das wirklich schlechte Ende zueilen - auf die Ehe. Aber solche Inszenierungen müssten bei dem Geburtenrückgang im Interesse unserer Altersversorgung unter Kuratel gestellt werden ...

Liebe Grüße Peter
Sie hätten's wenigstens nur sehen sollen. Das ganze mich in das Tanzen versunken.
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Ingrid

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Dienstag, 4. September 2007, 09:31

RE: Carl Maria von Weber: Der Freischütz

Zitat

Original von pbrixius

Zitat

Original von raphaell
Findet ihr, dass der Holländer ein wirklich schlechtes Ende hat?!


Zumindest in München sehen das einige so, da Senta alle/s in die Luft sprengt, das Publikum für einige Zeit geblendet und taub ist und der Erlösungsschluss sich so anhört, als käme er aus einem schepperigen Radiogerät, das die Explosion gerade so eben überstanden hat.

:hello: Ingrid

Rosenkavalier

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54

Dienstag, 4. September 2007, 09:38

RE: Carl Maria von Weber: Der Freischütz

Zitat

Original von pbrixius

Am Anfag der Oper (s. Ouvertüre und nachfolgende Arie) müsste er verzweifelt sein, die trotzige Geste am Schluss kann aber die Bedeutung nicht haben - und dass er nicht weiter ist als am Anfang der Oper, heißt dass die Inszenierung wohl nichts zwischendurch zuwege gebracht hat, oder?


Ich habe nur das gedeutet, was ich gesehen habe. Die Gesten waren identisch. Dass in der Handlung viel passiert heißt ja nicht automatisch, dass sich tatsächlich etwas an der Situation verändert. Allerdings habe ich ja die Einschränkung gemacht, dass die Situation am Ende evtl. weniger aussichtlos ist als am Anfang. Es stellt sich die Frage, ob ein Jahr Bewährung schwerer zur erfüllen ist als die ursprüngliche Aufgabe der Schießprüfung.

Zitat

Original von pbrixius

Original von Rosenkavalier
In der Inszenierung an der Staatsoper eilt Agathe zum Schluss auch nochmal zu Max auf die Bühne, beide sehen nicht sehr glücklich aus, aber sie sind zusammen.

Ein Zyniker könnte sagen, dass sie nun auf das wirklich schlechte Ende zueilen - auf die Ehe. Aber solche Inszenierungen müssten bei dem Geburtenrückgang im Interesse unserer Altersversorgung unter Kuratel gestellt werden ...

Liebe Grüße Peter


Na, wer wird denn zynisch sein ;)....

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55

Dienstag, 4. September 2007, 09:40

RE: Carl Maria von Weber: Der Freischütz

Zitat

Original von Ingrid
Zumindest in München sehen das einige so, da Senta alle/s in die Luft sprengt, das Publikum für einige Zeit geblendet und taub ist und der Erlösungsschluss sich so anhört, als käme er aus einem schepperigen Radiogerät, das die Explosion gerade so eben überstanden hat.


Liebe Ingrid,

wenn man die 1001 möglichen Schlusseinstellungen nimmt, die Regisseuren ob beim Holländer oder beim Freischütz einfallen können, und zusammenrührt, bleibt am Ende nur noch ein grauer Brei. Natürlich reizt es bei einer Oper wie dem Freischütz schon, über das Ende hinauszudenken (beim Holländer geht es doch nur um "nichts" oder "alles", also um sehr Uninteressantes). Aber da sagt eben dieses Weiterdenken mehr über den Interpreten als über den Komponisten. Beim Holländer steht am Ende eine Apotheose, beim Freischütz das Vertrauen in den himmlischen Vater mit einem klaren C-Dur-Akkord. In der Partitur steht noch das "Soli Deo gloria", bei Wagner braucht man nicht lange nachzudenken, mit wem er das Wort "Gott" ersetzt hätte ...

Liebe Grüße Peter
Sie hätten's wenigstens nur sehen sollen. Das ganze mich in das Tanzen versunken.
(Goethe)

pbrixius

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Dienstag, 4. September 2007, 09:44

RE: Carl Maria von Weber: Der Freischütz

Zitat

Original von Rosenkavalier
Ich habe nur das gedeutet, was ich gesehen habe. Die Gesten waren identisch.


... und ich habe nur ein wenig gegen die Inszenierung polemisiert ...

Zitat

Dass in der Handlung viel passiert heißt ja nicht automatisch, dass sich tatsächlich etwas an der Situation verändert. Allerdings habe ich ja die Einschränkung gemacht, dass die Situation am Ende evtl. weniger aussichtlos ist als am Anfang. Es stellt sich die Frage, ob ein Jahr Bewährung schwerer zur erfüllen ist als die ursprüngliche Aufgabe der Schießprüfung.


Nun ja, Verlobungszeiten konnten in den guten alten Zeiten sich schon ein wenig hinziehen. Da kann auch Don Ottavio ein Lied davon singen. Ich setze auf jeden Fall ein paar Sous mehr auf Max und Agathe ...

Liebe Grüße Peter
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Rosenkavalier

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Dienstag, 4. September 2007, 10:08

RE: Carl Maria von Weber: Der Freischütz

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Original von pbrixius

Nun ja, Verlobungszeiten konnten in den guten alten Zeiten sich schon ein wenig hinziehen. Da kann auch Don Ottavio ein Lied davon singen. Ich setze auf jeden Fall ein paar Sous mehr auf Max und Agathe ...

Liebe Grüße Peter


Da würde ich nicht dagegen wetten, Don Ottavio wartet wahrscheinlich heute noch.....

LG
Rosenkavalier
Ich glaube, dass es in jedem Sänger einen einzigen, reinen und kleinen Ton gibt, welcher der wahre Ton der Stimme ist, und was immer man tut und wie man seine Stimme auf diesem Ton aufbaut, man muss zu ihm zurück kehren können, sonst ist es aus.
Agnes Baltsa

GiselherHH

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Dienstag, 4. September 2007, 10:44

Hallo Peter,

wenn ich das noch richtig im Kopf habe, endet die Volkssage vom "Freischütz" aus Apels "Gespensterbuch", die Kind und Weber als Vorlage diente, allerdings äußerst grausam und pessimistisch: die Braut wird erschossen, Satan triumphiert. die Eltern des Protagonisten sterben aus Gram, der Schütze selbst landet im Irrenhaus. Weber und Kind fürchteten nun, dass eine genaue Umsetzung dieser Vorlage die damals übliche Theaterzensur nicht passieren und ihnen den Vorwurf einbringen würde, den Unglauben zu propagieren. Deshalb wurde die Figur des Eremiten eingeführt, der, da aus ihm der "Höhere" spricht, das Ende gottgleich christlich-optimistisch zurechtrückt und für den erwartungsgemäßen C-Dur-Jubel sorgt. Kind selbst hat die dramaturgische Schwäche dieses Endes gespürt, daher wollte er die Rolle des Eremiten stärken, indem er ihm in seinem Librettoentwurf zusätzliche Szenen gab. Weber bestand jedoch auf der deus-ex-machina-Lösung.

Insofern finde ich es gut und folgerichtig, wenn dieses Ende in Inszenierungen problematisiert wird, etwa in Konwitschnys Hamburger Regie, wo der Eremit als reicher Sponsor im Frack aus dem Publikum heraus auf die Bühne geht, Champagner ausschenken lässt und goldene Kreditkarten verteilt.

:hello:

GiselherHH
"Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

pbrixius

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Dienstag, 4. September 2007, 11:03

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Original von GiselherHH
Insofern finde ich es gut und folgerichtig, wenn dieses Ende in Inszenierungen problematisiert wird, etwa in Konwitschnys Hamburger Regie, wo der Eremit als reicher Sponsor im Frack aus dem Publikum heraus auf die Bühne geht, Champagner ausschenken lässt und goldene Kreditkarten verteilt.


Lieber Giselher,

nichts gegen die Konwitschny-Inszenierung, die ich auch mag. Einen "guten" Schluss heutzutage glaubwürdig auf die Bühne zu bringen, bedürfte es schon eines Genies. Ich unterscheide da schon, was in dem Werk steht und was nun Sache von (unterschiedlichen) Interpretationen ist. Da braucht es keine Rechtfertigung, aus welchen Gründen nun welcher Schluss gewählt wurde.

Sobald ich aber nicht die Inszenierung betrachte, sondern das Werk, muss ich die Vielfalt möglicher Deutungen einschränken. Welches Ende ein Stoff in der Vorlage genommen hat, ist ziemlich unerheblich, es gilt die gewählte Version des Komponisten (Ezio ist auch nicht - wie bei Metastasio - den Nachstellungen des Kaisers Valentiniano entkommen, sondern wurde in der Geschichte eigenhändig umgebracht). Weber steht ja nicht nur zu der gefundenen neuen Lösung, er hat sie ja auch von Anfang an in die Oper hinein komponiert. Und in den letzten C-Dur-Akkorden ist kein Zweifel, die stehen ziemlich fest auf dem Boden.

Die Frage ist nur: Wollen wir das noch heute dem Komponisten abnehmen - darauf muss es auf jeden Fall - so oder so - eine einleuchtende Antwort geben. Dass es eine Reihe verschiedender Antworten gibt, finde ich eher erfreulich.

LG Peter
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Dienstag, 4. September 2007, 11:34

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Original von GiselherHH
Weber und Kind fürchteten nun, dass eine genaue Umsetzung dieser Vorlage die damals übliche Theaterzensur nicht passieren und ihnen den Vorwurf einbringen würde, den Unglauben zu propagieren.


Lieber Giselherr,

doch noch eine Nachbemerkung: Der Vorwurf des "Unglaubens" findet sich in einer 1843 veröffentlichen (also deutlich postum) Darstellung, die etwa Kinds Kenntnis der Fassung von Franz-Xaver von Casper unterschlägt, dessen Lösung Kind übernommen hat. Der Eremit stammt u.a. von Casper. Der Streit ging um die 1. Szene, nicht um die Schlussszene der Oper. Kind wollte in der ersten Szene schon den Schluss vorbereiten (Agathe erhält dort vom Eremiten die rettenden Blumen).

LG Peter
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