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  • »Johannes Roehl« ist männlich
  • »Johannes Roehl« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 11 504

Registrierungsdatum: 12. August 2005

1

Mittwoch, 3. Dezember 2008, 22:22

Haydn, Joseph: Sinfonie Nr. 27 G-Dur

Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 27 G-Dur

entstand wahrscheinlich um 1760/61 noch vor der Anstellung bei Eszterhazy, ist also ziemlich verkehrt eingeordnet, wobei ältere Kommentatoren noch von einer Entstehungszeit um 1765 ausgegangen sind. (Nach meinem Höreindruck paßt sie aber wesentlich besser zu den um 1760 geschriebenen Stücken.)
Lessing hebt besonders den "italienischen Charakter" des Mittelsatzes hervor, aber das gesamte Werk hat Züge einer italienischen sinfonia. Auch der Kopfsatz erinnert mich mehr als andere Werke dieser Epoche an frühe Mozart-Sinfonien, die sich ihrerseits ja stark an den italienischen Stil, u.a. J.C. Bachs anlehnen.

Besetzung: je 2 Ob. und Hr., Streicher

1. Allegro
Beginnt mit einem schwungvollen, vom Dreiklang geprägten Hauptthema.
Eine lebhafte Überleitung mit einem rhythmisch prägnanten Motiv und Synkopen führt zum Seitensatz, der imitatorisch präsentiert wird.
Die kurze Durchführung beginnt mit dem Hauptthema, verarbeitet dann aber hauptsächlich das kleine Motiv und die Synkopenstelle aus der Überleitung.
In der Reprise kann ich keine signifikanten Veränderungen gegenüber der Exposition feststellen.


2. Andante. Siciliano
Alle heben die "italienische Cantabilität" (Lessing) diese Satzes besonders hervor. Er fällt jedenfalls sofort schon durch seine Klanglichkeit auf: Nur Streicher, die durchgehend mit Dämpfer spielen, dazu die pizzicato-Begleitung geben ihm den Charakter eines intimen Ständchens. (Angesichts eines solchen Satzes kann man gut verstehen, warum das "Serenadenquartett" op.3,5 Haydn zugeordnet werden konnte.) Das Stück lebt auch im Wesentlichen von dieser Klanglichkeit und der einschmeichelnden Melodik, die von den Geigen zu sehr schlichter Begleitung vorgetragen wird. Es gibt einen wenig kontrastierenden, ein wenig belebteren Gedanken als Seitensatz. Dieser A-Teil wird wiederholt. Es folgt dann eine Art "Durchführung", in der das Hauptthema in andere Tonarten ausweicht. Anschließend Reprise des A-Teils (vermutlich steht hier wieder ein Wiederholungszeichen).


3. Finale. Presto
Wie häufig in den frühen dreisätzigen Werken ein 3/8-Kehraus, aber kein Rondo, sondern in zweiteiliger (rudimentärer Sonaten-)Form /:A://:BA:/ Dabei fungiert als kontrastierender Teil (Durchführung) eine Mollvariante des Themas, die nur von den Streichern vorgetragen wird.

:hello:

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

Pius

Prägender Forenuser

  • »Pius« ist männlich
  • »Pius« wurde gesperrt

Beiträge: 3 644

Registrierungsdatum: 11. Mai 2005

2

Samstag, 6. Dezember 2008, 23:55

RE: Haydn, Joseph: Sinfonie Nr. 27 B-Dur

Hallo Johannes!

Zitat

Original von Johannes Roehl
Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 27 B-Dur


B-dur? Die ist doch in G-dur!

Zitat

Lessing hebt besonders den "italienischen Charakter" des Mittelsatzes hervor, aber das gesamte Werk hat Züge einer italienischen sinfonia. Auch der Kopfsatz erinnert mich mehr als andere Werke dieser Epoche an frühe Mozart-Sinfonien, die sich ihrerseits ja stark an den italienischen Stil, u.a. J.C. Bachs anlehnen.


Haydn hätte ich als Komponisten dieser Symphonie im Blindtest sicher nicht getippt. Der 1. Satz erinnerte mich stellenweise an Mozarts KV 183, diese wiederum geht ja auf Vanhal zurück.

Das Finale ist bei Fischer wiedermal für ein Presto zu gemütlich gespielt.

Viele Grüße,
Pius.

Don_Gaiferos

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  • »Don_Gaiferos« ist männlich

Beiträge: 1 276

Registrierungsdatum: 4. Juni 2013

3

Dienstag, 16. August 2016, 00:16

Diese Symphonie steht mir besonders nahe, insbesondere wegen des zweiten Satzes. Zuerst jedoch beginnt das Allegro in lebhafter, aufgeräumter Heiterkeit diese Symphonie. Ein Schwarm Vögel vor azurblauem Sommerhimmel, der bald hierhin, bald dorthin durch die Lüfte jagt, wäre meine Assoziation. Der zweite Satz ist ein einziges Wunder an inniger Zärtlichkeit. Wie Haydn hier die Streicher mit ihren schlichten, anrührenden Melodien behutsam ineinander zu einem hauchzarten Gespinst verwebt, lässt einen den Atem anhalten. Sachte tupft er ein paar Pizzicati dazu, um den gedämpften, sachten, raunenden Zwiegesang zu garnieren. Ein silbrig-subtiles Klanggewebe, flüchtig wie der Hauch des Atems, der sich auf einer Fensterscheibe niederschlägt, der laue Hauch des Windes unter einem Schmetterlingsflügel, das gleißende, in einem zitternden Tautropfen gebrochene Sonnenlicht. Der dritte Satz, bei dem auch die Bläser wieder beteiligt sind, wischt diese zauberhafte Stimmung wieder mit straffen, lebhaften Tanzrhythmen beiseite, auf die Entrückung folgt zum Ausklang ein fröhliches Gelächter.

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