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miguel54

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61

Dienstag, 17. Juni 2008, 11:33

Zitat

Original von Daskalos
..... alle Haydnsonaten bei 2001 ( 10 Cds) für etwa 20.- kaufte. Die Pianisten sind mir unbekannt:
Bart van Oort, Ursula Dütschler, Stanley Hoogland, Yoshiko Kolima, Riko Fukuda.

Mir sind vier der fünf hier ein Begriff als gute bis sehr gute HIP-PianistInnen - auf der Website von Brilliant Classics sind genaue Angaben zu den Originalinstrumenten bzw. Nachbauten und alle diskographischen Details - vorbildlich!



10 CDs - also nur die Sonaten. Was mir bei Christine Schornsheim das Hören so kurzweilig macht, sind die zwischendurch eingefügten Variationszyklen usw. - immer nur eine Sonate nach der anderen finde ich manchmal etwas anstrengend zu hören. Mir gefällt die Schornsheim-Box ausgezeichnet!

Aber diese Brilliant-Box reizt mich doch auch ..... :rolleyes:

Zwielicht

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62

Samstag, 13. September 2008, 22:10

Allmählich ist Haydns Klavierwerk auf dem Tonträgermarkt ganz gut vertreten. Die von Ronald Brautigam seit 1998 auf einem (mehreren?) Hammerklavier(en) eingespielte Gesamtaufnahme ist jetzt in einer preiswerten Box mit 14 CDs erhältlich, einschließlich der Klavierfassung der "sieben letzten Worte". Schornsheim bleibt aber immer noch preiswerter.





Viele Grüße

Bernd
Was heut gehet müde unter, hebt sich morgen neugeboren.

Ulli

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63

Sonntag, 14. September 2008, 09:23

Zitat

Original von Zwielicht
Schornsheim bleibt aber immer noch preiswerter.


...aber dafür auch ohne die "Sieben letzten..."

:hello:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

Klawirr

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64

Sonntag, 14. September 2008, 10:11

Hm, wenn man diese beiden Kistchen kauft:



hat man doch (soweit ich sehe) eigentlich auch alles - incl. der sieben letzten - für roudabout 30 Euronen.

Viele Grüße,
Medard

Ulli

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65

Sonntag, 14. September 2008, 10:45

Zitat

Original von Klawirr
Hm, wenn man diese beiden Kistchen kauft:

[...]

hat man doch (soweit ich sehe) eigentlich auch alles - incl. der sieben letzten - für roudabout 30 Euronen.


...die vierhändigen Sachen...?
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

Klawirr

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66

Sonntag, 14. September 2008, 10:54

Zitat

Original von Ulli

Zitat

Original von Klawirr
Hm, wenn man diese beiden Kistchen kauft:

[...]

hat man doch (soweit ich sehe) eigentlich auch alles - incl. der sieben letzten - für roudabout 30 Euronen.


...die vierhändigen Sachen...?


Nee, stimmt, die sind nicht mit drin. Habe ich also doch zu kurz gesehen.

Viele Grüße,
Medard

Alfred_Schmidt

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67

Samstag, 13. Dezember 2008, 00:59

Im Hinblick auf das Haydn-Jahr 2009 legt Lotos-Records die seit Jahren vergriffene Haydn-Klaviersonaten CD von Markus Schirmer wieder auf.

Markus Schirmer beweist einmal mehr , daß Aufnahmen von Haydn Klaviersonaten auf modernem Instrument (in diesem Fall ein wunderbarer Fazioli) nicht nur ihre Berechtigung haben, sondern unter gewissen Umständen sogar farbig und dynamisch differenzierter klingen können....
Schirmer bringt den Flügel zum Blühen, setzt feine Akzente, versteht aber auch kräftig zuzugreifen, wo es Sinn macht.



Die CD ist erst in einigen Tagen lieferbar...

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

gueze

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Registrierungsdatum: 10. März 2007

68

Dienstag, 28. April 2009, 08:32

Nochmal zurück zu Walter Olbertz ...
wer von Euch kennt seine Gesamteinspielung der Haydn-Klaviersonaten?
Die Hörbeispiele (AuM) klingen für mich recht gut, aber ist es insgesamt als "Inspirationsvorlage" für den "Klavierschüler" brauchbar?
Oder habt Ihr einen anderen Vorschlag für mich?
LG
Günter
Ja ja, nicht jeder, der die Bretter, die die Welt bedeuten, betritt, merkt, dass er auf dem Holzweg ist. (Heinz Erhardt)

KH Günst

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69

Freitag, 26. Juni 2009, 19:59

Ragna Schirmer als Haydn-Interpretin wurde in diesem Thread bereits - ohne Reaktion - erwähnt. Ich präsentiere sie erneut, mit ihrer neuesten Haydn-Einspielung:





Ich hatte in den letzten Wochen wg Haydn-Jahr die Gelegenheit, eine gehörige Dosis auch an Haydn-Klaviersolo-Werken zu mir zu nehmen: 8 Abende, auch Hammerklavier (Schornsheim, Lonquich). Insgesamt betrachtet (Radio- und CD-Interpretationen kamen noch dazu) ist für mich zumindest eine Frage vorerst geklärt:
Haydn auf dem modernen Konzertflügel? Auf jeden Fall, zumindest wenn Schirmer spielt!

Ich ertappte mich im Schirmer-Konzert, mit geschlossenen Augen hörend, bei dem Gedanken, Alfred Brendel beim Wiederöffnen auf dem Podium vorzufinden. Allerdings einen ungewöhnlich präzis spielenden Brendel. Ragna Schirmer verbindet exzellent Hirn und Gefühl, setzt genial Verzierungen ein, hat eine sensationelle Technik, das Timing stimmt - einfach perfekt. Und sie liebt diese Musik ganz offensichtlich, hat dazu viel zu sagen.

Bis zur Reinkarnation unseres lieben Alfred Brendel ist sie es, die das Vakuum füllen kann. Bei Haydn, wohlgemerkt.

Und sage mir keiner, daß keiner der Taminos davon bisher Notiz genommen hat ......bei aller Hochachtung für die hier bisher Genannten.

gueze

Anfänger

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Registrierungsdatum: 10. März 2007

70

Samstag, 27. Juni 2009, 11:53

Wer in diese CD (und andere von Ragna Schirmer) reinhören möchte ...
http://www.amazon.de/Haydn-Revisited-Rag…shvl_po_3_title
Werde ich mir sicher näher anhören, auch wenn ich die recht überschwengliche Beurteilung noch nicht ganz teile.
Ja ja, nicht jeder, der die Bretter, die die Welt bedeuten, betritt, merkt, dass er auf dem Holzweg ist. (Heinz Erhardt)

Garaguly

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71

Samstag, 27. August 2011, 18:48

Nach langer Zeit des Brachliegens möchte ich diesen Thread um einen weiteren neuen Interpreten erweitern: Jean-Efflam Bavouzet. Bei CHANDOS liegen bereits zwei Einzel-CD's mit Haydn-Sonaten vor, eine dritte erscheint in wenigen Wochen (September 2011).



Ich selbst besitze zur Zeit nur die zweite der Bavouzet-CD's, aber seine Interpretation kommt dem Ideal (meinem???) einer leicht-spielerisch-nachdenklichen Herangehensweise am nächsten. Und ich glaube dieses Ideal ist schwer zu treffen. Die Gefahr bei Haydns Sonaten liegt bestimmt auch darin, sie zu leicht zu nehmen. Hier wurde bereits Hamélins Einspielung hoch gelobt - was ich, bevor ich Bavouzet kennenlernte, auch getan habe. Nur, Bavouzet übertrifft Hamelin in seinem Zugang zu den Haydn-Sonaten meiner Meinung nach. Denn im direkten Vergleich der beiden wird dann Hamelins 'Herkunft' aus der spätromantisch-wuchtigen Pianistik doch wieder deutlich - auch wenn er sich bei seinem Haydn ganz gut im Griff hat. Doch der Vergleich mit Bavouzet bringt's an den Tag. Nicht, dass Missverständnisse aufkommen: Hamelin ist natürlich ganz oben dabei. Doch für meine Begriffe geht die Krone nun über auf Bavouzet.



Beste Grüße,

Garaguly

Hüb'

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Registrierungsdatum: 9. Juli 2007

72

Mittwoch, 19. Oktober 2016, 08:22

Hallo zusammen,


Joseph Haydn (1732-1809)
Sämtliche Klaviersonaten

Klaviersonaten H. 16 Nr. 1-16, 18-52; H. 16: G1 (alte Nr. 4);H. 17: D1 (alte Nr. 7); H deest in Es (alte Nr. 17);H deest in Es (alte Nr. 18)
+Variationen H. 17 Nr. 2, 3, 5-7; Alternativfassung zu H. 17 Nr. 2

Rudolf Buchbinder
10 CDs
Telefunken/Warner, ADD, 1973/74

Ich konnte im Forum auf die schnelle insgesamt drei Themen zu den Haydn'schen Klaviersonaten entdecken, wovon dieser Faden hier der Älteste und mit den meisten Beiträgen versehene ist:
Haydns "kleine Sinfonien" - Die Klaviersonaten
Sind Haydns Klaviersonaten unterschätzt ?
Meine liebsten Haydn-Klaviersonaten

Der insgesamt letzte Beitrag datiert vom 21. April 2013, somit durchaus Zeit, für eine kleine Erinnerung an das Topic. Ich muss gestehen, die Beiträge in den Threads bisher nicht gelesen zu haben (vielleicht hole ich das nach) und möchte hier eigentlich nur ein paar Eindrücke loswerden. Ich nehme dazu dieses Thema, da am ältesten und am längsten.
Mein Zugang zu den Werken Haydns ist ein wenig problematisch. Natürlich nicht, weil die Musik grundsätzlich Zugangsschwierigkeiten bereitet, sondern vielmehr weil es in den jeweiligen Subgenres so viel gibt, was er komponiert hat. Die Fülle der Klaviersonaten, Sinfonien, Klaviertrios und Streichquartette ist kaum "beherrschbar". Hierin begründet liegt auch der subjektive und leise Verdacht, ob das alles denn von hoher Qualität sein kann und ob ein Komponist überhaupt (selbst in einem langen Leben) genug Ideen auffahren kann, damit die verschiedenen Werke einer Kategorie hinlänglich unterscheidbar und interessant erscheinen mögen?
Erschwerend - und wiederum ganz subjektiv - kommt hinzu, dass Haydns Musik oftmals ein gewisses schelmisches, augenzwinkerndes, humorvolles Moment innewohnt, welches von der Ernsthaftigkeit und Güte der Werke ablenken mag - die eben auch enthalten ist! Für denjenigen - wie mich - der vorwiegend nach schwelgerischen, romantischen und melancholischen Kompositionen "giert" etwas, dass man als Hürde empfinden kann.
Wenn ich nun versuche, mich der oben gezeigten Gesamtaufnahme durch Rudolf Buchbinder möglichst vorurteilsfrei zu nähern, dann komme ich zu dem Ergebnis, dass es sich in Summe um ganz wunderbare Musik handelt. Spätestens ab den mittleren Sonaten schält sich eine hohe Eigenständigkeit der Kompositionen heraus. Im zeitlichen Verlauf gewinnen Sie an Wiedererkennungswert und ihr Profil wird schärfer, auch experimentierfreudiger. Da ist vieles dabei, was ich (man) häufiger hören möchte und sollte. Es würde sich durchaus lohnen. die einzelnen Sonaten genauer zu betrachten, die Musik und die einhergehenden Empfindungen näher zu beschreiben - allein mir fehlt für so etwas die liebe Zeit.
Wie nun die Interpretation durch Buchbinder, der - neben der alten Eterna-D"D"R-Produktion von Walter Olbertz - sicher einen der frühesten Zyklen vorgelegt hat, nun zu bewerten ist, mag ich nicht sagen. Vielleicht reicht es auch, festzuhalten, dass die Interpretation meine Voreingenommenheit gegenüber der Musik überwunden hat und mich sogar für diese begeistern konnte.
In klanglicher Hinsicht scheinen mir die Einspielungen gelungen, auffällig allenfalls im Diskant bei lauten Passagen einiger (weniger) Sonaten. Hier neigt der klang zu leicht "hysterischer" Aggressivität. Ich müsste das via Kopfhörer noch einmal abhören, um zu verifizieren, ob es sich tatsächlich um übersteuerungsbedingte Verzerrungen handelt, wie vermutet.
Unterm Strich bleibt jedenfalls ein dickes Plädoyer für Haydns Klaviersonaten. Sie waren mir eine große Hörfreude, die bei Gelegenheit vertieft werden wird.

Viele Grüße
Frank

Alfred_Schmidt

Administrator

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73

Sonntag, 11. Dezember 2016, 05:20

Ich freue mich, daß dieser Alte Thread wieder aufgegriffen wird.
Er eignet sich zudem als einziger der bestehenden, das Thema in der Weise fortzusetzen, die mir vorschwebt.
Ich möchte mich hier nämlich - soweit möglich- mit den Klaviersonaten Haydns EINZELN befassen. Ich gerhe davon auss, daß Einzelthreads nicht auf genügend Resonanz stiessen, schon bei den Sinfonien war das einigermaßen schwierig.
Vorerst aber einige Vorbemerkungen: Es wurde immer wieder behauptet, die Cembalo- bzw Klaviersonaten Haydn seien erst ab einem bestimmten Zeitpunkt "hochwertig". Das ist IMO eine veritable Fehleinschätzung, auf dem heutigen Zeitgeschmack basierend. Es wird stets eine "Innovation" erwartet, eine Abkehr vom Herkömmlichen. In Haydns Jugend war das anders. Es war keine "revolutionäre" Musik gefragt, keine "geniale", sondern gefällige, vorzugsweise zur Unterhaltung des Adels. Haydn hatte einen Auftraggeber, der gewisse Vorstellungen von Kunst hatte und auf deren Umsetzung beharrte ( vergl. Baryton-Trios) Die Zeiten,, wo man mit 8 oder 9 Sinfonien oder einigen wenigen Klaviersonaten zu Weltruhm gelangen konnte waren noch nicht angebrochen. Man vergleiche hier beispielsweise die englisch Lauten- und französiche oder italienische Cembalomusik, die für viele weitgehend gleich klingt. Ob die Zeitgenossen die Differenzierung dieser Werke besser beherrschten oder aber ob eine solche gar nicht erst angestrebt wurde, das weiß ich nicht, ich neige allerdings zu letzterer Annahme. Haydn ist also nicht, wie oft (fälschlich?) behauptet wird, mit den Jahren immer besser geworden, sondern er hat sich den Anforderungen der jeweiligen Zeit stets gestellt und hat sich angepasst. Die Werke wurden immer individueller und der Wiedererkennungswert stieg.
Das immer wieder behauptete humoristisch-Schelmische Moment in Haydns Werken ist eine Entdeckung (Erfindung?)
neuerer Zeit - ich kann mich nicht erinnern, daß vor 45 Jahren derlei behauptet wurde.

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Hüb'

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74

Montag, 12. Dezember 2016, 10:05

Hallo Alfred,

Das immer wieder behauptete humoristisch-Schelmische Moment in Haydns Werken ist eine Entdeckung (Erfindung?)
neuerer Zeit - ich kann mich nicht erinnern, daß vor 45 Jahren derlei behauptet wurde.
das mag so sein. Zum Glück reicht meine Erinnerung nicht so weit zurück... :D
Auch wenn der "Humor" in Haydns Musik ein aktuelles Klischee sein mag - ich vermeine bei ihm tatsächlich nicht selten ein komponiertes Augenzwinkern zu hören. Und das ist in seinen Werken für mein Empfinden so ohrenfällig, dass es ein Unterscheidungsmerkmal zu vielen anderen Werken seiner Zeit ist. Aber da wir an dieser Stelle über ein "Empfinden" reden, ist das natürlich subjektiv und wird von anderen Hörer anders wahrgenommen werden.


Zitat

Haydn hatte einen Auftraggeber, der gewisse Vorstellungen von Kunst hatte und auf deren Umsetzung beharrte
Heißt im Umkehrschluss, die Entwicklungen hin zu den späteren Sonaten sind den Anforderungen der Haydn'schen Auftraggeber nach moderneren Werken geschuldet?

Ich will diese Sachzwänge gar nicht verurteilen - die Diskussion über Popularität und Kommerzialität scheint in Bezug auf Musik zeitlos - aber mir persönlich gefällt die Vorstellung eines sich selbst in der Musik verwirklichenden Komponisten besser, als Künstler die (allzu sehr) nach dem Markt schielen (auch wenn Letzteres ganz sicher der Treiber für viele Meisterwerke war, die es in uns bekannter Form möglicherweise heute nicht gäbe).

Viele Grüße
Frank

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75

Montag, 12. Dezember 2016, 11:52

Das Problem bei sozialhistorischen "Erklärungen" ist, dass sie die Besonderheiten der Musik oft eher verdunkeln. Oft sind sie auch obendrein falsch. Haydn war fest bei Eszterhazy angestellt. Er musste bestimmte Dinge in etwa so machen, wie es der Dienstherr erforderte. Aber er war z.B. nicht in eine kommerzielle "Mühle" eingespannt wie viele Opernkomponisten (schon Händel, besonders Rossini, Donizetti und vermutlich auch die Broadway/Musical-Komponisten im ersten Drittel des 20. Jhds.)

Seine Klaviersonaten waren typischerweise höchstens ein Zubrot. Natürlich wurden sie an Verleger verkauft und sie waren auch (meist adligen) Damen aus Haydns Umgebung gewidmet, es könnte sogar sein, dass Haydn hier vereinzelt auf bestimmte Wünsche dieser Personen eingegangen war. Aber insgesamt ist es schon sachlich unwahrscheinlich, dass Adlige ihren Leibkomponisten reingeredet hätten. Denn die Experten waren ja die Komponisten. Als Haydn den Fürsten damit überraschen wollte, dass man auf dem Baryton auch außerhalb D-Dur spielen kann, war der nicht groß verwundert, sondern soll gesagt haben: "Haydn, das müssen Sie wissen". Das Publikum wollte durch geniale und neuartige Musik "unterhalten" werden, anders wären wohl kaum die schroffen und kühnen Sinfonien, die Haydn um 1770 komponierte, erklärbar. (Ob man das nun "revolutionär" oder "genial und neuartig" nennt, ist eher egal.) Solche Werke finden sich in den Klaviersonaten zwar nur vereinzelt, aber doch eine Reihe, etwa die Sonaten in Molltonarten oder auch die empfindsamen in As-Dur, die CPE Bach nahestehen.

Die Rede von der "Unterhaltungsmusik" im 18. Jhd. ist m.E. irreführend, weil wir mit dem Ausdruck etwas ganz anderes verbinden. Wir denken an Schlager der letzten ca. 100-120 Jahre (von Operettenevergreens bis zu Deutschland sucht den Superstar). Aber bis zum Beginn des 19. Jhds war ein sehr großer Teil dieser "Unterhaltung", nämlich fast alle Clavier- und Kammermusik, auch oder hauptsächlich zum eigenen Musizieren der zu unterhaltenden Adligen gedacht. Der Fürst wollte keine Schlager hören, sondern ungefähr jede Woche ein neues Barytonstück zusammen mit Haydn und anderen seiner Hofmusiker selber spielen. Sicher wollte er obendrein auch noch ab und zu neue Sinfonien und Opern hören, aber genau wie bei den Stücken, die er selbst spielte, musste er sich, als solider, aber unprofessioneller und nicht selbst komponierender Musiker darauf verlassen, dass sein Kapellmeister ihn positiv überraschte.

Das vielleicht manchmal übertriebene Klischee des besonders witzigen Komponisten Haydn hat ja eine unstrittige und offensichtliche Basis in "Gags", die etlichen Werken ihre Beinamen, die oft schon von Zeitgenossen verliehen wurden ("Joke" op.33/2, "Sinfonie mit dem Paukenschlag" usw.), verschafft haben. Ohne Zweifel gibt es viele Werke, auf die das weniger zutrifft. Aber es gibt eben auch sehr viele, auf die es zutrifft (und nicht nur die mit offensichtlichen Beinamen).