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Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 18 870

Registrierungsdatum: 9. August 2004

1

Dienstag, 29. Januar 2008, 02:31

Ferdinand RIES - Aus dem Schatten Beethovens - Die Streichquartette

Es ist kein Geheimnis, daß der Beethoven-Schüler Ferdinand Ries mir sehr viel bedeutet. Ganz besonders schätze ich seine beethovenartigen Sinfonien die wohl einzigartig in der Musikgeschichte sind. Die mir bekannten Klaviersonaten und Klavierkonzerte fallen dagegen doch ein wenig ab.
Umso überraschender war die Bekanntschaft mit seinen Streichquartetten, von denen Ries immerhin 26 geschrieben , aber nur 11 wurden auch gedruckt.
Ries´Streichquartette erinnern nur mehr wenig bis gar nicht an Beethoven, er hat sich weitgehend von seinem Vorbild gelöst. Vereinzelt meinte ich bei einem dieser Werke Ähnlichkeiten mit Schubert (Quartett "Rosamunde") heraushören zu können - aber es war eher die Stimmung, denn eine tiefergehende Ähnlichkeit.




Dankenswerterweise hat cpo begonnen die Quartette auf CD herauszugeben, zumindest sind schon 2 Folgen erschienen, was Hoffnung auf weiteres macht.
Immerhin sind einige dieser eingespielten Werke, diejenigen, welche bisher nie in Druck erschienen sind.

Sowohl Interpreteation, als auch Tontechnik sind IMO ein Grund zum Jubeln: Der wundervolle Klang des Schuppanzigh-Quartettes (auf Originalinstrumenten) ist von der Tontechnikhervorragend festgehalten worden. Aber ich gerate ins Schwärmen .....

mfg aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Radagast

Prägender Forenuser

Beiträge: 1 511

Registrierungsdatum: 1. März 2005

2

Samstag, 2. Februar 2008, 17:18

Moin,

auch ich bin seit ein paar Wochen glücklicher Besitzer der Vol. 1. Und ich kann Alfred nur voll zustimmen.

Bisher habe ich die Cd zu wenig gehört , um ein Urteil bzgl. der Werke abgeben zu wollen, allerdings haben sich die Schuppis spätestens mit dieser Cd in die Topklasse der Streichquartettensembles gespielt. :jubel: :jubel:
Grüsse aus Rhosgobel

Radagast

Pylades

Schüler

  • »Pylades« ist männlich

Beiträge: 183

Registrierungsdatum: 20. Mai 2007

3

Dienstag, 12. Februar 2008, 21:37

Ferdinand Ries - Aus dem Schatten Beethovens - Die Streichquartette

Ferdinand Ries, das war bis vor einiger Zeit für mich der, über den ich in diversen Beethoven-Biographien gelesen hatte: Schüler Beethovens, später sicher ein guter ausführender Musiker und Musik-Organisator. Es gibt ja einige, wahrscheinlich wahre Anekdoten über ihn (zum Beispiel die, wo er sich bei der Uraufführung der Eroica über den verdammten Hornisten ärgert, der nicht zählen kann und völlig falsch einsetzt – um dann beinahe von Beethoven eine Ohrfeige einzufangen, weil der arme Kerl doch nur das spielt, was der Maestro sich höchstpersönlich ausgedacht hat), und in denen er fast ein wenig tumb wirkt, obwohl man ihm auch in diesen Geschichten nicht nachsagen kann, er rede seinem Lehrer nur nach dem Munde.
Beethoven hat viel für Ries getan (so z.B. ihn vor dem Militärdienst für die Franzosen bewahrt), das wäre nicht der Fall gewesen, hätte er Ries nicht zumindest menschlich sehr geschätzt.
Aber Alles in Allem: sich mit Ries zu befassen hielt ich mehr oder minder für Zeitverschwendung – wo es doch so viele bedeutende Komponisten gibt.

Vor einiger Zeit kam eine Aufnahme des Linos-Ensembles mit dem Grand Septour op. 25 und dem Grand Otetto op.128 heraus, welches ich mir, durchaus wegen der geschlossen überragenden Kritiken in der Fachpresse, angeschafft habe und seither recht häufig mit großer Bewunderung – nicht nur für die Interpretation, auch für die Komposition – höre.



Ich halte dies für Musik vom Niveau der groß besetzten Kammermusik eines Schubert, Spohr oder Mendelssohn – aber immer noch hielt ich dies gewissermaßen für „einen Glückstreffer“.

Und nun habe ich den Beitrag von Alfred gelesen und mir die von ihm empfohlenen Ries-Streichquartett-Aufnahmen beschafft - und, weil preiswert, noch eine CD mit Klarinettensonaten und einem Klarinettentrio (mit Dieter Klöcker, Armin Fromm und Thomas Duis auf CPO)



und bin wieder sehr beeindruckt. Also: entweder habe ich bei der Auswahl von Ries-Aufnahmen das „goldene Händchen“ – oder der Mensch wird als Komponist gnadenlos unterschätzt! Das Alles ist überaus hörenswerte Kammermusik vom Feinsten, und sie ist von großer persönlicher Eigenart. Von Beethoven- oder irgend einem anderen Abklatsch kann nicht im Entferntesten die Rede sein.

Sehr empfehlenswert!! Ich hoffe sehr, dass die Ries-Quartettreihe mit dem Schuppanzigh-Quartett fortgeführt wird.

Und: lieber Alfred, vielen Dank für den Tipp! Tamino-Lesen ist halt doch manchmal für etwas gut. Zumindest, wenn man sich an die Beiträge vom Häuptling hält. Genug gesülzt?

Gruß
Pylades

miguel54

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  • »miguel54« ist männlich

Beiträge: 1 747

Registrierungsdatum: 12. September 2007

4

Donnerstag, 17. April 2008, 01:33

Wenn hier auch andere Kammermusik von Ries empfohlen wird: Auf der zweiten CD des Nepomuk Fortepiano Quintett bekommt man das Klavierquintett von Ries in ausgezeichneter Interpretation und Aufnahmetechnik zum Spottpreis (Brilliant Classics):


petemonova

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  • »petemonova« wurde gesperrt

Beiträge: 4 186

Registrierungsdatum: 6. Dezember 2004

5

Donnerstag, 17. April 2008, 23:30

Ich hatte die Möglichkeit, zuletzt in das Vol. 1 der cpo-Edition der Streichquartette zu hören und war sehr positiv überrascht von der Originalität der Werke.
Mir hat das ausnahmslos gut gefallen und so hab ich mir die CD mal auf die imaginäre Merkliste gesetzt.


LG, Peter.
Musik zu hören ist zweifellos eine der extravagantesten Arten, sein Geld auszugeben.
- Mauricio Kagel

Matthias Oberg

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  • »Matthias Oberg« wurde gesperrt

Beiträge: 815

Registrierungsdatum: 7. April 2008

6

Donnerstag, 11. September 2008, 20:16

Alfreds unermüdliches Werben für Ries hat auch mich neugierig gemacht. Ich habe jetzt den Anfang mit dem Vol. 2 der Streichquartette gemacht und bin überaus angetan. Es wird nicht bei diesem Anfang bleiben!

Sehr gut gefallen mir die Art und Weise der vielen harmonischen Wechsel in der thematischen Verarbeitung, welche sehr dazu beitragen, die Musik voller Überraschungen zu halten und ebenso voller Stimmungswechsel. In euren Chor, der Ries die Originalität bestätigt, falle ich jetzt gerne ein. Das ist kraftvolle, wunderschöne Musik und das Schuppanzigh-Quartett spielen in der Tat wunderbar!

:hello: Matthias
"Freiheit, Weitergehen, ist in der Kunstwelt, wie in der ganzen, grossen Schöpfung, Zweck." Beethoven

lutgra

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  • »lutgra« ist männlich

Beiträge: 5 092

Registrierungsdatum: 9. April 2013

7

Dienstag, 12. Januar 2016, 14:09

Die beiden CDs mit Ferdinand Ries' Streichquartetten stehen seit längerem bei mir im Regal, gehören aber zur Kategorie: ungehört. :untertauch: Ferdinand Ries ist sowieso noch ein fast weißer Fleck auf meiner musikalischen Landkarte. Das soll sich in naher Zukunft ändern, denn das Thema Ries scheint ja hier gerade wieder aktuell zu sein. Wie ich sehe ist die Serie mit dem Schuppanzigh Quartett nicht fortgesetzt worden, ich kann auch keinen Hinweis darauf finden, ob es das Quartett überhaupt noch gibt. Hat da jemand mehr Informationen? Vermutlich war es auch eher ein gelegentlicher Zusammenschluss von Musikern aus der Kölner Alte-Musik-Szene, denn ein Vollzeitquartett.

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

Beiträge: 16 197

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

8

Dienstag, 12. Januar 2016, 15:39

Zitat

lutgra: ...das Thema Ries scheint ja hier gerade wieder aktuell zu sein.

Und morgen denken wir an Ferdinad Ries' Todestag.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Dieter Stockert

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  • »Dieter Stockert« wurde gesperrt

Beiträge: 962

Registrierungsdatum: 27. September 2014

9

Dienstag, 12. Januar 2016, 19:14

Danke für den Hinweis. Dadurch bin ich erst auf diese Diskussion aufmerksam geworden und das hört sich doch so gut an, dass ich mir demnächst einiges von Ries bestellen werde.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

lutgra

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  • »lutgra« ist männlich

Beiträge: 5 092

Registrierungsdatum: 9. April 2013

10

Dienstag, 12. Januar 2016, 23:10

Streichquartett WoO 37 C-dur

Ries hat 26 Streichquartette komponiert, von denen aber 15 nicht publiziert wurden. Vermutlich sind das die Werke ohne Opus Nummern. Warum diese Werke nicht veröffentlicht wurden, entzieht sich meiner Kenntnis, vielleicht war es eher zufällig. Das WoO 37 ist jedenfalls sein drittletztes und wurde 1827 komponiert. Das war das Todesjahr Beethovens. Mit dessen kurz vorher entstandenen späten Quartetten hat das Ries'sche Werk nichts gemein.
Der Aufbau ist klassisch viersätzig mit einem Andantino an zweiter und einem Menuett an dritter Position. Das Quartett hat eine Spieldauer von 25 min. Der Kopfsatz erinnert mich - wenn ich ihn mit denen der drei Klassiker vergleiche - am ehesten an die op. 18 Quartette von Beethoven. Was durchaus als Kompliment gemeint ist. Das Andantino hingegen erinnert gar nicht an den Freund und ehrlich gesagt halte ich es für einen ziemlich schwachen Satz. Menuett und Finalsatz sind dann wieder deutlich besser und hier findet Ries vielleicht am ehesten zu sich selbst. Von Schubert höre ich hier nichts. Wenn man mal vom zweiten Satz absieht, ein schönes und hörenswertes Werk. Das Schuppanzigh Quartett agiert auf historischen Instrumenten auf hohem Niveau in sehr angenehmer Weise, trotzdem könnte ich mir vorstellen, dass einige Passagen mit mehr "Saft", den aber nur moderne Instrumente liefern können, noch besser rüberkommen würden. Das ist aber sicher Geschmacksache.

lutgra

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  • »lutgra« ist männlich

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Registrierungsdatum: 9. April 2013

11

Mittwoch, 13. Januar 2016, 18:37

Streichquartett WoO 10 in Es-Dur

Das 2. Streichquartett auf obiger CD entstand wesentlich früher nämlich 1805, am Ende der Lehrzeit von Ries bei LvB. Dieses Werk klingt überhaupt nicht nach dessen op. 18 Quartetten, das Vorbild hier ist eindeutig Joseph Haydn. Es umfasst vier Sätze, das Menuett steht - wie häufig bei Haydn - an zweiter Stelle und wird gefolgt von einem Adagio cantabile. Es ist ein rundum gelungenes Werk mit vier schön proportionierten Sätzen, alle mit frischen ansprechenden Themen und sehr schön gearbeitet. Es könnte als Musterbeispiel für ein klassisches Streichquartett dienen. Dieses Werk hätte auf jeden Fall ein Platz im Repertoire verdient.

lutgra

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  • »lutgra« ist männlich

Beiträge: 5 092

Registrierungsdatum: 9. April 2013

12

Dienstag, 19. Januar 2016, 11:11

Die zweite CD des Schuppanzigh Quartetts enthält die Streichquartette op. 70, 2 & WoO 48. Opus 70.2 entstand um 1816 und ist ein heiter-klassisches Werk, das IMO Ohren wieder Haydn als Vorbild ausweist. Ganz anderes WoO 48, das letzte Quartett von Ries, das gut 20 Jahre später entstand. Der Tonfall ein völlig anderer, Schubert und später Beethoven sind rezipiert und teilweise in dieses 5-sätzige Werk eingeflossen, das Themen enthält, die spätestens beim zweiten Hören im Ohr hängen bleiben.

Den ewig Skeptischen sei hier die Kritik von FF Fachkraft Markus Stäbler beigegeben: "Für meine Ohren sind die hier eingespielten Werke von Ferdinand Ries die seit Jahren spannendste Repertoire-Entdeckung in der klassischen Quartettliteratur - und zwar mit einigem Abstand. Dass diese kammermusikalischen Meisterwerke - das sind sie wirklich! - eine so suggestive Wirkung entfalten können, liegt allerdings nicht an den Fähigkeiten von Ferdinand Ries allein, sondern auch am maßstäblichen Niveau der Interpretationen. Die Mitglieder des Schuppanzigh-Quartett zählen nicht umsonst seit einigen Jahren zu den aufregendsten Formationen auf dem Gebiet der historisch informierten Aufführungspraxis - und begeistern hier mit einer vielfarbigen, äußerst lebendigen Aufnahme. Ein großer Wurf!"

Wem das nicht 7,99 wert ist, dem ist nicht zu helfen. :thumbsup: