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Johannes_Krakhofer

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1

Donnerstag, 17. Januar 2008, 10:25

Stimmen, die wir niemals hören werden: Die schwedische Nachtigall-Jenny LIND

JENNY LIND-DIE SCHWEDISCHE NACHTIGALL


Auf Bitten von Fairy Queen, Musicophil und einigen anderen habe ich mich dazu entschlossen, meine Reihe „Stimmen, die wir niemals hören werden, mit dieser Grand Dame des 19. Jahrhunderts fortzusetzen:


Fotografie von Hermann Krone 1856

Geboren am 6. Oktober 1820 in Stockholm in ärmlichen Verhältnissen, zeigte sich ihr musikalisches Talent schon sehr bald, darum wurde sie auch schon 1829 (!) am Konservatorium in Stockholm aufgenommen.
1838 debütierte sie als Agathe in Webers Freischütz an der Hofoper zu Stockholm, zuerst mit mäßigem Erfolg. Sie wurde mit 20 Jahren Mitglied der Königlich Schwedischen Musikakademie in Stockholm und zur Hofsängerin ernannt und feierte große Erfolge, die sie sicherlich nicht nur ihrer Stimme zu verdanken hatte, sondern auch ihrer Schönheit. Denn das sie noch nicht ausgereift war zeigt die Tatsache, dass sie 1841 nach Paris zu dem berühmten Lehrer Manuel Patricio Rodriguez Garcia ging, um ihre Technik weiter zu verbessern und auszufeilen, da ihre Stimme bereits erste Abnutzungserscheinungen gezeigt hat.
Danach, sängerisch gereift, ging sie nach Dänemark und Schweden zurück. In Stockholm und Dänemark feierte sie große Erfolge, wurde von König Oscar I. von Schweden und Norwegen an den Hof eingeladen.
1843 bricht sie, ungewusst, das Herz eines Mannes, der später noch in der Welt von sich reden machen wird: Hans Christian Andersen, der sich unsterblich in die wunderschöne Frau mit der Engelsstimme und dem bescheidenen Wesen verliebt. Er schrieb im selben Jahr für sie die Geschichte „die Nachtigall“, was unweigerlich dazu führte, dass man sie ab nun die schwedische Nachtigall nennen sollte.
Ihre Bescheidenheit und Bürgerlichkeit machte sie sehr beliebt, da sie nicht wie viele andere Sängerinnen „einen unmoralischen“ Lebenswandel hatte und immer auf dem Boden blieb und kaum Allüren zeigte. Kurt Konolka sagte einmal über sie: „ Merkwürdige Primadonna! Es gibt gar keine Skandale von ihr zu berichten…

1844 reist sie nach Berlin, wo sie nach gigantischen Erfolgen mit Opern von Rossini, Bellini, Meyerbeer und Donizetti auch an den Hofe Friedrich Wilhelm IV. von Preussen eingeladen wird, der ihr sofort zu Füßen liegt und von ihrer Stimme sehr angetan war.
Von nun an sollte ihr Siegeszug nicht mehr aufzuhalten sein. Sie reist durch ganz Europa: London [Privatkonzert bei der Queen], Paris, Wien.

Ihre Paraderollen waren die Norma, die Lucia di Lammermoor, die Schlafwandlerin und viele andere. Hier eine Darstellung als Sonnambula:


Im April 1846 schreibt die Queen in ihr Tagebuch, nachdem sie Lind gehört hatte:
The great event of the evening…was Jenny Lind’s appearance and her complete triumph. She has a most exquisite, powerful and really quite peculiar voice, so round, soft and flexible.

Danach1846 finden wir sie in Wien, wo ihr Grillparzer ein Gedicht widmete:

"Und spenden sie des Beifalls Lohn /
Den Wundern deiner Kehle /
Hier ist nicht Körper, Raum, noch Ton /
Ich höre deine Seele."


In Wien, und nicht nur da, brach in regelrechtes „Lind-Fieber“ aus, vergleichbar mit dem „Rossini-Fieber“ ca. 25 Jahre vorher. In Wien trug sich folgende Geschichte zu:
Johann Strauß Vater und sein Sohn Johann waren zerstritten und jeder hatte ein eigenes Orchester, beide wollten ihr nach einer Meyerbeer-Aufführung ein Ständchen mit ihrem Orchester widmen. Johann Strauß Sohn postierte sich als am Bühnenausgang und wartete auf den Star. Sein Vater aber kannte einige wichtige Personen und diese ließen ihn in das Theater ein. So bekam er die Gelegenheit ihr ein Ständchen zu spielen. Er spielte ein Stück von Meyerbeer ihr zu Ehren. Sie freute sich aber nicht sonderlich, da sie immer so „bejubelt wurde“. Als sie nach einiger Zeit das Haus verlassen wollte, stand dort das Orchester des Sohnes und spielte ihr ebenfalls ein Ständchen. Doch Johann Sohn, war schlauer als sein Vater, er hatte einen Bühnenarbeiter befragt, was der Vater drinnen spielte. Johann spielte ein neu komponiertes Stück und die Menge (nicht vergessen; wir sind mitten in der Stadt) [mehrere Tausend Leute] bejubleten das Ständchen und ließen Lind und Strauß hochleben. Ein großes Vivat ertönte durch die ganze Stadt, sehr zum Ärger von Johann Strauß Vater, der den Kürzeren gezogen hatte.


1848 finden wir sie in London, wo sie nun ihr Herz verlieren sollte. Nämlich an diesen Mann:


Fredric Chopin
Sie verliebte sich von ganzem Herzen in ihn und wollte ihn ehelichen. In Paris 1849 machte sie ihm Avancen, um seine Frau werden zu können, doch Chopin, immer mehr von Krankheit und Halluzinationen geplagt, weist ihre Avancen zurück.
Das hat ihr einen großen Knicks versetzt, noch größer aber war die Trauer über den Tod des Geliebten am 17. Oktober 1849. Daraufhin entschloss sie sich, von Trauer und Schmerz verzweifelt, nie mehr auf die Opernbühne zu gehen.

Ab 1849/50 trat sie nur noch als Oratoriensängerin und Liedsängerin auf, trotzdem war ihr Ruf immer noch intakt und sie wurde gefeiert.

1850-52 reiste sie nach Amerika, wo sie von 30000 Menschen und einer Serenade von einem 130 Mann großem Orchester empfangen wurde. Sie reiste durch ganz Amerika und die Eintrittskarten für ihre Konzerte waren so gefragt, dass sie versteigert werden mussten. Höchstpreise von 225 Dollar, damals ein Vermögen, wurden bezahlt.

Ihr erster Auftritt in Amerika war in New York, hier ein Bild davon:


Ihre Einfluss in Amerika war so groß, dass das erste Opernhaus in San Francisco in „Jenny Lind Opera House“ benannt wurde. Ebenso finden sich in vielen Orten Straßen, die ihren Namen tragen. Ebenso gibt es eine Insel von Neuengland, die den Namen Jenny Lind-Island trägt.

1852 heiratete sie in Boston Otto Goldschmidt, ihren Pianisten und kehrte mit ihm nach Dresden zurück. 1856 ging sie dann für den Rest ihres Lebens nach London.
In London gebar sie 2 Söhne und eine Tochter.

1862 stiftete Jenny Lind einen Preis für junge schwedische Musiker, der mit einer dreijährigen Förderung verbunden war. Heute wird der Jenny-Lind-Preis jährlich an eine junge schwedische Sängerin vergeben und ist mit zwei Monatstourneen in den USA und in Schweden sowie mit einem Stipendium verbunden.
1870 tritt sie zum letzten Mal öffentlich auf. Beim rheinischen Musikfest in Düsseldorf sang sie die Sopran-Partie des Oratorium „Ruth“, das ihr Gatte für sie komponiert hatte.

In den Jahren 1883-86 leitete sie in London die Meisterklasse für Gesang.

Am 2. November 1887 starb sie in Malvern bei London und wurde einige Tage später in dem großen Begräbnis in London am Poet´s Corner beigesetzt.


Immer noch wird in Schweden das Andenken an diese beeindruckende Frau, die immer bescheiden blieb, keine ausschweifenden Lebenswandel führte, viel an Armenhäuser und Spitäler spendete hochgehalten. (siehe Jenny Lind-Preis)
und auch hiermit:


Ebenso gibt es einen Film aus dem Jahre 1941 über sie „Die Nachtigall“- Hauptrolle Ilse Werner, gesungen von Erna Berger

Ich hoffe ihr hattet Spaß beim Schmökern und konntet viel über diese beeindruckende Frau lernen!

LG joschi

PS: @ Fairy Queen: Ich hoffe, ich habe deinen Wunsch für das Jahr 2008 erfüllt! :D

PPS: Auch die anderen Threads aus der Reihe „Stimmen, die wir niemals hören werden, wollen gelesen werden:,
Giulia Grisi
Caffarelli
Senesino
Gaetano Berenstadt
Den Mozart und den Wagner hör´ich gerne, wenn ich jausen
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Rienzi

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2

Donnerstag, 17. Januar 2008, 10:42

RE: Stimmen, die wir niemals hören werden: Die schwedische Nachtigall-Jenny LIND

Lieber Basilio,

Habt Dank, Ihr habt mich sehr erquickt.
Eine fantastische Präsentation dieser Sängerin (bis zu Deinem Artikel kannte ich Namen und Beinamen von JL, sonst nichts).

Darf man sich weitere Portraits wünschen?

G
Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
(aus "Sprechen Sie Fußball?")

Johannes_Krakhofer

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3

Donnerstag, 17. Januar 2008, 11:11

RE: Stimmen, die wir niemals hören werden: Die schwedische Nachtigall-Jenny LIND

Zitat

Original von Rienzi
Lieber Basilio,

Habt Dank, Ihr habt mich sehr erquickt.
Eine fantastische Präsentation dieser Sängerin (bis zu Deinem Artikel kannte ich Namen und Beinamen von JL, sonst nichts).

Darf man sich weitere Portraits wünschen?

G


Schon mal die Links am Ende begutachtet?? :D
Den Mozart und den Wagner hör´ich gerne, wenn ich jausen
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Walter Krause

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4

Donnerstag, 17. Januar 2008, 12:27

RE: Stimmen, die wir niemals hören werden: Die schwedische Nachtigall-Jenny LIND

Lieber Joschi und Cie.,

Im Wien der 1860er Jahre wurde Jenny Lind vor allem mit Giacomo Meyerbeer in Verbindung gebracht. Ein dann allerdings nicht berücksichtigter Programmvorschlag zur Ausstattung des Zuschauerraums in der Wiener Oper sah vor, Linds Porträt diesem Komponisten zuzuordnen.
Ausgeführt wurde das Lind-Porträt dann als Reliefmedaillon an der Logenbrüstung, wo es im 2.Weltkrieg leider zugrundeging. Welche Bedeutung ihr zuerkannt wurde, geht daraus hervor, daß sie damals noch lebte, noch gar nicht sooo alt war und trotzdem auf diese Weise bereits eine Art öffentliches Denkmal in prominentestem Rahmen erhielt.

LG

Waldi
Homo sum, ergo inscius.

pbrixius

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5

Donnerstag, 17. Januar 2008, 12:39

Hier Fontanes Hymne auf Jenny Lind (aus "Der Stechlin"):

»Und Sie konnten wirklich nicht besser wählen«, unterbrach Melusine. »Schwedischer Punsch, für den ich ein liking habe. Wie für Schweden überhaupt. Da Doktor Wrschowitz nicht da ist, können wir uns ungestraft einem gewissen Maß von Skandinavismus überlassen.«
»Am liebsten ohne alles Maß«, sagte Woldemar, »so skandinavisch bin ich. Ich ziehe die Skandinaven den sonst ›Meistbegünstigten‹ unter den Nationen immer noch vor. Alle Länder erweitern übrigens ihre Spezialgebiete. Früher hatte Schweden nur zweierlei: Mut und Eisen, von denen man sagen muß, daß sie gut zusammenpassen. Dann kamen die ›Säkerhets Tändstickors‹, und nun haben wir den schwedischen Punsch, den ich in diesem Augenblick unbedingt am höchsten stelle. Ihr Wohl, meine Damen.«
»Und das Ihre«, sagte Melusine, »denn Sie sind doch der Schöpfer dieses glücklichen Moments. Aber wissen Sie, lieber Stechlin, daß ich in Ihrer Aufzählung schwedischer Herrlichkeiten etwas vermißt habe. Die Schweden haben noch eins – oder hatten es wenigstens. Und das war die schwedische Nachtigall.«
»Ja, die hab ich vergessen. Es fällt vor meine Zeit.«
»Ich müßte«, lachte die Gräfin, »vielleicht auch sagen: es fällt vor meine Zeit. Aber ich darf doch andrerseits nicht verschweigen, die Lind noch leibhaftig gekannt zu haben. Freilich nicht mehr so eigentlich als schwedische Nachtigall. Und überhaupt unter anderm Namen.«
»Ja, ich erinnere mich«, sagte Woldemar, »sie hatte sich verheiratet. Wie hieß sie doch?«
»Goldschmidt – ein Name, den man schon um ›Goldschmieds Töchterlein‹ willen gelten lassen kann. Aber an Jenny Lind reicht er allerdings nicht heran.«
»Gewiß nicht. Und Sie sagten, Frau Gräfin, Sie hätten sie noch persönlich gekannt?«
»Ja, gekannt und auch gehört. Sie sang damals, wenn auch nicht mehr öffentlich, so doch immer noch in ihrem häuslichen Salon. Diese Bekanntschaft zählt zu meinen liebsten und stolzesten Erinnerungen. Ich war noch ein halbes Kind, aber trotzdem doch mit eingeladen, was mir allein schon etwas bedeutete. Dazu die Fahrt von Hyde Park bis in die Villa hinaus. Ich weiß noch deutlich, ich trug ein weißes Kleid und einen hellblauen Kaschmirumhang und das Haar ganz aufgelöst. Die Lind beobachtete mich, und ich sah, daß ich ihr gefiel. Wenn man Eindruck macht, das behält man. Und nun gar mit vierzehn!«
»Die Lind«, warf die Baronin etwas prosaisch ein, »soll ihrerseits als Kind sehr häßlich gewesen sein.«
»Und auf welche Veranlassung hin, lieber Stechlin?«
»Weil ich ein Bild von ihr kenne. Wir haben es, wie bekannt, seit einiger Zeit von einem unsrer besten Maler auf unsrer Nationalgalerie. Aber lange bevor ich es da sah, kannt ich es schon en miniature, und zwar aus einer im Besitz meines Freundes Lorenzen befindlichen Aquarelle. Diese Kopie hängt über seinem Sofa, dicht unter einer Rubensschen Kreuzabnahme. Wenn man will, eine etwas sonderbare Zusammenstellung.«
»Und das alles in Ihrer Stechliner Pfarre!« sagte Melusine. »Wissen Sie, Rittmeister, daß ich die Tatsache, daß so was überhaupt in einem kleinen Dorfe vorkommen kann, Ihrem berühmten See beinah gleichstelle? Unsre schwedische Nachtigall in Ihrem ›Ruppiner Winkel‹, wie Sie selbst beständig sich auszudrücken lieben. Die Lind! Und wie kam Ihr Pastor dazu?«
»Die Lind war, glaub ich, seine erste Liebe. Sehr wahrscheinlich auch seine letzte. Lorenzen saß damals noch auf der Schulbank und schlug sich mit Stundengeben durch. Aber er hörte die Diva trotzdem jeden Abend und wußte sich auch, trotz bescheidenster Mittel, das Bildchen zu verschaffen. Fast grenzt es ans Wunderbare. Freilich verlaufen die Dinge meist so. Wär er reich gewesen, so hätt er sein Geld anderweitig vertan und die Lind vielleicht nie gehört und gesehen. Nur die Armen bringen die Mittel auf für das, was jenseits des Gewöhnlichen liegt; aus Begeisterung und Liebe fließt alles. Und es ist etwas sehr Schönes, daß es so ist in unserm Leben. Vielleicht das Schönste.«
»Das will ich meinen«, sagte die Gräfin. »Und ich dank es Ihnen, lieber Stechlin, daß Sie das gesagt haben. Das war ein gutes Wort, das ich Ihnen nicht vergessen will. Und dieser Lorenzen war Ihr Lehrer und Erzieher?«
»Ja, mein Lehrer und Erzieher. Zugleich mein Freund und Berater. Der, den ich über alles liebe.«
»Gehen Sie darin nicht zu weit?« lachte Melusine.
»Vielleicht, Gräfin, oder sag ich lieber: gewiß. Und ich hätte dessen eingedenk sein sollen, gerade heut und gerade hier. Aber soviel bleibt: ich liebe ihn sehr, weil ich ihm alles verdanke, was ich bin, und weil er reinen Herzens ist.«
»Reinen Herzens«, sagte Melusine. »Das ist viel. Und Sie sind dessen sicher?«
»Ganz sicher.«


LG Peter
Sie hätten's wenigstens nur sehen sollen. Das ganze mich in das Tanzen versunken.
(Goethe)

Fairy Queen

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Donnerstag, 17. Januar 2008, 12:59

Lieber Joschi, ja, Du hast mir wahrlich einen Wunsch fürs neue Jahr hier wunderbar erfüllt. Danke!!!!! :angel: :jubel:

Und dieser so schöne Text von Peter ist ja noch "la cerise sur le gateau"(Tûpfelchen auf dem i) dazu... hach nein, ist das alles so romantisch :angel: :angel: :D

Im Ernst: bei Jenny Lind und ihrer Geschichte werde ich wirklich zur unverbesserlichen Romantikerin-das ist einfach zu schön!

Mir ist sie bisher vor allem als Muse von Andersen und auch als Liedsängerin begegnet. Clara und Robert Schumann und Felix Mendelssohn haben sie z.B. tief verehrt und Lieder für sie komponiert, die sie dann auch uraufführte. Zum Beispiel den berühmten Liederkreis op 24 "Myrthen"(Clara zur Hochzeit gewidmet) der die jubilierende emphatische "Widmung" enthält.
Ihre Person und Stimme müssen einfach unglaublich anrührend gewesen sein und dem damaligen Ideal entsprochen haben. Sie mit Bellini oder Donizetti hören zu können wäre mein Traum, ich habe so eine Ahnung, dass das genau die Stimme und Person war, die zu diesen Rollen gehörte.

Irgendwo gibt es sogar Kochrezepte ,die ihr gewidmet sind( ich muss mal suchen und hoffe, es handelt sich nciht um geschmorte Nachtigallenzungen) und sie war einer wirklich der grossen Stars des 19 Jh, wie auch die Malibran und Pauline Viardot.
In der Biedermeierzeit konnte man das auch anscheinend noch ganz ohne Skandale werden...... :D
Was ihre unglückliche Liebe zu Chopin angeht: da er mit der sehr dominanten und mütterlichen "Mann-Frau" George Sand liert war, kann man fast annehmen, dass Jenny Lind eher nicht sein Typ war.
Immerhin konnte sie nach dieser Erfahrung noch eine Familie gründen und evtl auch den unglückichen Andersen, der das eben nicht geschafft hat, verstehen.
Ein Jammer, dass wir ihre Stimme wirklich niemals hören werden ;( ;( ;(


Leben zeugt Leben, Energie erschafft Energie. Man wird reich , indem man sich verschwendet. (Sarah Bernardt)

musicophil

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7

Donnerstag, 17. Januar 2008, 13:28

Lieber Joschi,

:jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

Johannes_Krakhofer

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8

Donnerstag, 17. Januar 2008, 13:58

Zitat

Was ihre unglückliche Liebe zu Chopin angeht: da er mit der sehr dominanten und mütterlichen "Mann-Frau" George Sand liert war, kann man fast annehmen, dass Jenny Lind eher nicht sein Typ war.


Zu diesem Zeitpunkt nicht mehr: Die Liaison ging 1847 in die Brüche, er war also solo, als er Lind traf. Er hätte also annehmen können, aber wie du schon sagtest, sie war ihm wohl zu brav. :D

Zitat

Sie mit Bellini oder Donizetti hören zu können wäre mein Traum, ich habe so eine Ahnung, dass das genau die Stimme und Person war, die zu diesen Rollen gehörte.

Hören ja, aber ich hab bei meiner Recherche einige Kritiken gefunden, die ihr mangelnde Darstellungskraft und Schauspielkenntnisse vorwerfen. Sie punktete eher durch ihren Charme, als durch ihre Darstellungskunst. Die Grisi wahr stimmlich sicherlich genauso gut, konnte einerseits besser schauspielern, andererseits führte sie doch ein "wilderes" Leben, was sie beim "Volk" unbeliebter machte.

LG joschi
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Fairy Queen

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9

Donnerstag, 17. Januar 2008, 15:19

Lieber Joschi, die Malibran und die Viardot haben ein SEHR wildes Leben geführt und waren trotzdem beliebte Weltstars-von Sarah Bernardt als Schauspielerin mal ganz zu schweigen. Aber vielleciht wurden diese Damen dann eher von der "Bohème" angebetet als vom "Volk"? :D

Was die Kritiken von Jenny Linds Stimme angeht: als Liedsängerin muss sie wahnsinnig gut gewesen sein. Zumindest wurde sie von den Schumanns, die ja sicher was davon verstanden, als ideale Interpretin betrachtet. Aber da ist ja auch dann weniger Durchschlagskraft und Schauspieltalent wie in der Oper gefragt.
Mich würde sie trotzdem als Bellini-Interpretin sehr interessieren, denn wenn ihre Stimme genauso sanft und lieblich wie die ganze Frau waren, MUSS sie einfach eine ideale Amina oder Elvira oder Giulietta gewesen sein. :yes:

F.Q.
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Theophilus

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10

Donnerstag, 17. Januar 2008, 15:23

Zitat

Original von DonBasilio
...
Zu diesem Zeitpunkt nicht mehr: Die Liaison ging 1847 in die Brüche, er war also solo, als er Lind traf. Er hätte also annehmen können, aber wie du schon sagtest, sie war ihm wohl zu brav. :D
...

Vor allem war er zu diesem Zeitpunkt bereits todkrank!

Ciao

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Fairy Queen

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11

Dienstag, 8. Juli 2008, 08:42

Ich lese gerade zwei sehr interessante Biographien über die Schwestern Garcia (auch als Malibran und Viardot bekannt) und darinnen kommt auch Jenny Lind vor.
Pauline Viardot, die auch mit George Sand und Chopin eng befreundet war, begegnete Jenny Lind in London, als Letztere in einer schweren Stimmkrise steckte und ihre Stimme ganz zu verleiren drohte. Wenn man sich vor Augen führt, welchen unglaublichen Belastungen diese per Schiff und Kutsche durch Europa reisenden Primadonnen des 19 Jh ausgesetzt waren, ist das kein Wunder.
Ohne eine eiserne Gesundheit war da gar ncihts zu machen-denn der Komfort , den wir heute in Bezug auf Reisen, Unterbringung, Ernährung und vor allem medizinische Versorgung haben, war vollkommen unbekannt.
Selbst schwangere Sängerinnen mussten bis zuletzt auf den Brettern stehen.(sieh Aloysia Lange , dei von Joseph II nciht mal kurz vor den Entbindungen Urlaub bekam)
Die Mailbran hatte z.B. etliche Fehlgeburten und Abtreibungen (die Pille gab es ja nicht und diese Sängerinnen waren nun nicht eben ungeliebt...) und starb auch letzlich an den Folgen eines Reitunfalls im schwangeren Zustand, den sie nicht auskurierte und statt dessen weiter Desdemona(Rossini) und Amina sang.

Jenny Lind, um zu ihr zurückzukommen, wurde von niemand Anderem als Garcia Junior, dem Bruder der Malibran und Viardot, geheilt. Er hatte den Kehlkopfspiegel erfunden und war der berühmteste und erfolgreichste Gesangspädagoge seiner Zeit. Er hat auch seiner Schwester Pauline kurz vor dem stimmlichen Zusammenbruch geraten, ins Alt-Mezzo Fach zu wechseln und die hohen Koloraturpartien nciht mehr zu singen.
Sie wurde dann schliesslich der erste weibliche Orpheus der Operngeschcihte - eigens von Berlioz für ihre Stimme eingerichtet.
Auch für Jenny Lind entwickelte er ein Übungsprogramm, das ihr erlaubte, die Nachtigallenstimme weiter erklingen zu lassen.

Wenn Interesse besteht und es jemanden gibt, der mir Photos einstellen kann und vor allem sagen kann wie das mit Copyright etc ist, würde ich diese Serie hier sehr gerne mit Malibran und Viardot weiterführen!

Fairy Queen
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pbrixius

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12

Dienstag, 8. Juli 2008, 08:50

Zitat

Original von Fairy Queen
Wenn Interesse besteht und es jemanden gibt, der mir Photos einstellen kann und vor allem sagen kann wie das mit Copyright etc ist, würde ich diese Serie hier sehr gerne mit Malibran und Viardot weiterführen!


Mach ich

Liebe Grüße Peter
Sie hätten's wenigstens nur sehen sollen. Das ganze mich in das Tanzen versunken.
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Ulli

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13

Dienstag, 2. Juni 2009, 17:43

Hallo,

Jenny Linds späterer Lehrer Isak Berg (1803-1886) gastierte im November 1827 in Wien. Bei dieser Gelegenheit hörte Franz Schubert einige Lieder aus dessen Feder, u.a. das Lied Se solen sjunker, welches Schubert offenbar derart faszinierte, daß er es sezierte und Teile daraus in der Winterreise wie auch im Klaviertrio Es-Dur verwendete.



:hello:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

Harald Kral

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14

Freitag, 2. November 2012, 14:09

vor 125 Jahren gestorben

Heute ist ihr 125. Todestag:


Jenny Lind (* 6. Oktober 1820 in Stockholm als Johanna Maria Lind; † 2. November 1887 in Malvern, Worcestershire); schwedische Opernsängerin (Sopran), die wegen ihrer kometenhaften, kontinentübergreifenden Karriere auch als „Die schwedische Nachtigall“ in die Musikgeschichte einging.
Sie starb am 2. November 1887 im Badekurort Malvern und wurde in London in der Westminster Abbey am Poet's Corner begraben.

LG
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)