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teleton

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61

Donnerstag, 2. April 2015, 11:40

Swetlanow

Ich habe die von Dir erwähnte Eurodisc-LP-Ausgabe dieser 1968er-Aufnahme mit Swetlanow. Meine Erste, die ich viele Jahre sehr zufrieden genossen habe. Wie ich heute weiß, gehört diese zu den grandiosesten Einspielungen der Leningrader, wie Lutgra auch bestätigt.



Ca. vor einem halben Jahr hatte ich diese Doppel-LP (mit der Sinf. Nr. 6 unter Kondraschin) mal wieder rausgeholt um nach Jahrzehnten wieder reinzuhören.
Da habe ich gemerkt wie klangverwöhnt man heute ist: grottenschlechter flacher Klang; wenig Hörspassfaktor vom Klang her - Int referenzwürdig. Ich habe alsbalb die STOP-Taste meines Plattenspielers gedrückt, weil es kein Spass machte. Warum auch, wenn man die klanglich haushoch überlegene Swetlanow-Aufnahme von 1978 (WARNER) auf CD hat = Abb in Beitrag 59.
Trotz meiner Vorbehalte In Beitrag 59 zum etwas ausgewalzteren Tempo in der Aufnahme LIVE 1978 (gegenüber der 1968er), gehört diese ebenfalls zu den absoluten Referenzen für die Leningrader!
Gruß aus Bonn, Wolfgang

lutgra

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62

Samstag, 22. April 2017, 23:00


Wenn man bereit ist, den (guten) Monoklang von 1957 zu akzeptieren, dann ist das hier eine ganz heiße Interpretation. Die knisternde LP werde ich ersetzen. Die 7. wird langsam aber sicher meine Lieblingsymphonie von DSCH.

teleton

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63

Donnerstag, 25. Januar 2018, 14:51

Die Leningrader mit Leonard Bernstein / Chicago SO

:!: Dieser Therad hat sich als ein ganz hervorragendes "Nachschlagewerk" für die Leningrader entwickelt - sowohl was Aufnahmen, wie auch Informationen über diese Sinfonie angeht.
*** Ich erinnere nur einmal an den alles umfassenden Beitrag 23 von Thomas Norderstedt !

Zur "Leningrader".
Ich liebe Bernstein sehr, ich verehre ihn sogar dann, wenn er ein Werk völlig auf seinen eigenen Stil zurecht biegt, wenn er, wie etwa im Schlussatz der DG-Aufnahme von Tschaikowskijs Sechster, die Musik nahezu anhalten kann. Seine Aufnahmen von Werken Schostakowitschs sind für mich die Ausnahmen: Ich finde sie grauenhaft! Zu larmoyant, zu süß, zu kitschig.


Der zweite Satz ist meiner Meinung nach die notwendige Gegenthese zu ersten: Der Rhythmus hat etwas Tänzerisches, dennoch merkt man eine latente Spannung. Der dritte Satz mit seinen dissonierenden Choral-Eckpfeilern und seinem so seltsam gehetzten Mittelteil scheint mir Schmerz, aber auch hastiges Vorandrängen zu signalisieren. Und der vierte Satz mit dem gellenden Finale, das sich erst im Schlussakkord zu stabilem C-Dur durchringt, ist für mich ein Ausdruck von Freude unter Tränen des Schmerzes. Ich habe das Gefühl, dass hier auch Klage und Anklage mitschwingt, wie es dann in der Achten noch extremer wird.

Jedenfalls hatte ich bei dieser Siebenten nie das Gefühl der Befreiung, der Apotheose, sondern immer das Gefühl, dass auch der Schluss fast eine Art Schmerzensschrei ist. Dann las ich bei Wolkow, dass Schostakowitsch auch die Siebente im Subtext gegen Stalin gerichtet hat, und der Schluss dem Sieg des einen verbrecherischen Diktators über den anderen verbrecherischen Diktator gilt. Mag sein, dass Wolkow die oder einige Aussagen Schostakowitschs gefälscht hat. Aber das Gefühl der Belastung, der Bedrohung, des unfreien Jubels, stellte sich bei der Siebenten offenbar auch bei Wolkow ein.

Natürlich ist die Aufnahme unter Jewgenij Mrawinskij ein Muss - aber sie ist technisch eben ein Kind ihrer Zeit (1953). Ich schätze sehr die unter Hochdruck gespielte Aufnahme unter Kondraschin, die kantigere, aggressivere unter Roschdestwenskij. Und ich, der ich eher kein Janssons-Fan bin, bin fasziniert von dessen Einspielung mit den St. Petersburgern. Da hat man das Gefühl, sie wissen in jedem Moment, worum es geht, sie spielen diese Aufnahme wie ein aktuelles Vermächtnis. Natürlich kenne ich nicht alle Aufnahmen dieses Werkes, aber die, die ich sonst habe oder gehört habe (Haitink, Järvi, Masur, Caetani, Bychkov) scheinen mir zu sehr auf den Effekt ausgerichtet und daher ein Missverständnis gegenüber einem keineswegs glatten und sicherlich nicht hurra-patriotischen Werk.


Trotz der Vorbehalte von Edwin gegenüber Bernstein´s Schostakowitsch-Aufnahmen allgemein, sollte man diese Aufnahmen eben mit diesem Wissen doch nicht vernachlässigen. Wer sich trotz mancher "Missverständnisse in Bernsteins Schostakowitsch-Interpretationen" (ehemaliges Zitat Edwin) auf Bernstein einlässt, wird nicht enttäuscht werden, denn :angel: diese Emotion, dieses aussergewöhnliche Einfühlungsvermögen in diese Werke, ja - dieser Wahnsinn, das ist schon ganz grosse Megaklasse. Man hätte ganz klar etwas verpasst, wenn man auf diese wahnsinnigen Emotionen verzichten würde.

Michael hatte im Thread zu Schostakowitsch´s GA von Berglunds herausragenden Aufnahmen der Sinfonien Nr.7 und 11 (EMI) geschrieben. In der entsprechenden Amazon-Kritik dieser Berglund-CD lese ich auch heute, dass die "14 Jahre später entstandene Bernstein-Aufnahme absolut unvergessen bleibt und an Berglund nicht in dieser Grösse heranreicht. Die Blechbläser des CSO sind denen aus Bournemouth weit überlegen". Ich fühle mich durch diese Aussagen in meinen Eindrücken bestätigt. Wie Bernstein die Sinfonie Nr.7 bereits im 1.Satz entwickelt, aufbaut und die totale Katastrophe spüren und ausbrechen lässt, das geht den meisten Aufnahmen ab.

:thumbup: Keine Frage, die beiden Swetlanow-Aufnahmen von 1968 und 1978 bleiben auch für mich die Referenz ! Die sind "auf den Punkt gebracht".
Auch die Spielzeiten liegen mir bei Swetlanow mehr als die auch hier wieder sehr ausgewalzten typischen Bernstein-Tempi seiner Spätphase.
Spielzeiten Bernstein = 31:43 - 14:50 - 19:25 - 18:51
Spielzeiten Swetlanow= 28:20 - 10:59 - 18:15 - 18:25

Den ganz grossen Vorteil moderner digitaler Klangtechnik mit einer unglaublichen Dynamic, den hat allerdings Bernstein mit dem Chicago SO zur Verfügung.
:hail: Eine der ganz grossen Aufnahmen der Leningrader. :angel: Für mich ist das Gänsehaut pur !
8-) Die Aufnahme wäre ( ;) im Prinzip) ein weiterer Kandidat für den Thread "Grosse Schallplattenaufnahmen der Digitalära".


DG, 6/1988 LIVE, DDD


Auch die Sinfonie Nr.1 hat es mit Bernstein absolut in sich !
Aber da bleibt bei mir die straffere mit Kondraschin (Melodiya/AULOS) mein Favorit, die mich wie keine Andere geprägt hat.
Gruß aus Bonn, Wolfgang

64

Donnerstag, 25. Januar 2018, 15:22

Wie ich gerade zu meiner Überrschung auf amazon (link rechts) gelesen habe, ist die (bemerkenswerte!) Aufnahme, die Konstantin Iwanow zugeschrieben wird, in Wirklichkeit von Kondraschin, da es angeblich gar keine Iwanow-Aufnahme der Leningrader gibt.

Sport lässt Menschen besser aussehen - Wein aber auch.

WoKa

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65

Freitag, 30. März 2018, 16:54

Hallo!

Zum Verständnis der Bedeutung der Sinfonie im Zusammenhang mit der Belagerung Leningrads durch die Deutschen hat das Erste dieser Tage eine hervorragende und erschreckende Mischung aus Spielfilm und Dokumentation gessendet:

"Das Wunder von Leningrad"

Der Film ist sicherlich noch in der Mediathek.

Im Anschluss daran habe ich die 7te in dieser Einspielung gehört:



Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

timmiju

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66

Freitag, 30. März 2018, 17:51

Zum Verständnis der Bedeutung der Sinfonie im Zusammenhang mit der Belagerung Leningrads durch die Deutschen hat das Erste dieser Tage eine hervorragende und erschreckende Mischung aus Spielfilm und Dokumentation gessendet: "Das Wunder von Leningrad". Der Film ist sicherlich noch in der Mediathek.

Den Film gab es vorher auf arte, wo ich ihn gesehen habe. Für mich gab es da zu viel Kriegsgeschehen im Vergleich zur Werkgeschichte. Aber er hinterlässt schon einen Endruck, wie Musik Menschen, die unglaubliches Leid ertragen müssen, einen Halt geben kann. Die Sinfonie wurde im belagerten Leningrad unter schwierigsten Bedingungen am 9. August 1942 mit dem Rundfunkorchester unter dem Dirigenten Karl Eliasberg, der einer der Assistenten von Mrawinskij bei der Leningrader Philharmonie war, aufgeführt. Wer sich dafür interessiert, wie es dazu kam, sollte das Buch "Der Dirigent" von Sarah Quigley lesen.
Das ist ein sehr bewegender aufschlussreicher Roman, der sich auch gut liest und zeigt wie schwierig es war, die Aufführung zu ermöglichen.
:hello:
Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP