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Theophilus

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31

Montag, 6. August 2007, 15:31

Zitat

Original von Wulf

Na klar, für diejenigen, die den Film gesehen haben, Theo. Soll auch Leute geben, die den noch nicht gesehen haben. Du weißt doch: Nur HAL macht keine Fehler :beatnik:

Na ja, wenn du fragst, wem das aufgefallen ist, kannst du eigentlich nur jene adressiert haben, die den Film kennen. Oder bringe ich da etwas durcheinander? ;)


Zitat

Spaß beiseite. Die Deutung der Persönlichkeitsveränderung Siegfrieds klingt sehr interessant. Auf die Idee bin ich leider nicht gekommen. Aber ich bin ja in Sachen Wagner auch blutiger Anfänger *mal so als Ausrede* ;)

Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Jeder, der diese Inszenierung zum ersten Mal sieht, ist in diesem Punkt blutiger Anfänger. Ich versuchte eine mögliche Erklärung dessen, was hier zu sehen ist, und sie ist gar nicht so weit von Giselhers Meinung entfernt. Das Dumme ist nur, dass es nichts mit Wagners Siegfried zu tun hat...

;)

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

Wulf

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32

Montag, 6. August 2007, 15:41

Danke für die netten Worte, Theo.

Wie auch immer: Dem Monolithen kommt - wenn ich es recht verstanden habe - im Film noch eine wesentlich größere Rolle zu. Durch ihn kommt das Leben auf die Erde.

:hello:
Wulf
Carreras, I'll never stop saying Carreraaaas!
(Leonard Bernstein)

Herbert Henn

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33

Montag, 6. August 2007, 16:09

Wenn ich auf alle diese Regiefeinheiten während einer Vorstellung

achten soll, kann ich mich doch nicht auch noch auf die Musik

konzentrieren. Wagner schuf, soviel ich weiß den Begriff "Musikdrama",

nicht "Regiedrama".


:hello:Herbert.
Tutto nel mondo è burla.

Wulf

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34

Montag, 6. August 2007, 16:14

Ach Herbert,

ich bin kein Opernkenner - und ehrlich gesagt auch kein großer Liebhaber.
Aber selbst mir ist klar, daß ne Oper aus der Musik und der Inszenierung besteht. :rolleyes:

So schwer ist das außerdem nicht. Du nimmst sowieso beides zugleich wahr. Und die Musik wurde ja bewußt so geschrieben, daß Du nicht ständig entscheiden mußt, lausche ich jetzt dem außerordentlich komplexen Satz der Musik oder konzentriere ich mich aufs Bühnenbild.

:hello:
Wulf
Carreras, I'll never stop saying Carreraaaas!
(Leonard Bernstein)

Herbert Henn

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35

Montag, 6. August 2007, 16:21

Zitat

Original von Wulf

Ach Herbert,

ich bin kein Opernkenner - und ehrlich gesagt auch kein großer Liebhaber.
_________________________________________________________

Ach Wulff,

ersteres ist ja nicht so schlimm. :D

:hello:Herbert.
Tutto nel mondo è burla.

ulfk179

Schüler

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36

Montag, 6. August 2007, 16:24

Mir ist das 2001-Zitat erst beim zweiten Mal aufgefallen, obwohl ich den Film mehrmals gesehehn habe. Trotzdem kann man auch ohne Filmkenntnisse begreifen, dass der bisher in recht asozial gestalteten Bühnenbildern agierende Siegfried nun in eine hochherrschaftliche Welt eintritt, die die seinige nicht ist. Eine absolut treffende Umsetzung, wie ich finde....

Zwielicht

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37

Montag, 6. August 2007, 16:43

RE: Konstruktive Diskussion

Zitat

Original von Rideamus
Apropos Rheintöchter (bislang kann ich nur DAS RHEINGOLD aus eigener Kenntnis kommentieren): die Stuttgarter Lösung finde ich eine der gelungensten, die ich je gesehen habe, ganz zu schweigen davon, dass endlich auch einmal ersichtlich wurde, warum die für Alberich so attraktiv sind und er so maßlos wütend auf sie wird. Das ist sicher sehr oberflächlich gesehen, aber trotzdem ein Faktor. Noch relevanter scheint mir aber die vorzügliche Anpassung der Inszenierung an die Musik zu sein. Hier hat wirklich einmal jemand nicht nur den Text gelesen und sich überlegt, wie man den ganz "besonders" bringen kann. Wollte man aber Derartiges thematisieren, müsste man im Extremfall die Detail- und manchmal sogar Takt-für-Takt - Analyse nachvollziehen, die der Regisseur bei seiner Vorbereitung offensichtlich geleistet hat. Wer aber kann - oder will - das hier schon?



Hallo Rideamus,

das wäre sicher zu viel verlangt ;) - aber mehr oder weniger systematisch könnte man schon einige konkrete Beispiele für eine Kongruenz zwischen Musik und Regie zusammentragen. Wobei es sich ja (wie immer beim Zusammentreffen verschiedener Medien) um ein schwieriges Problem handelt: So wie die Musik den vertonten Text manchmal verdeutlicht bzw. "verdoppelt", aber ihm eben ggf. auch widerspricht (vgl. das berühmte, von Berlioz bewunderte Beispiel aus Glucks "Iphigénie en Tauride"), so kann auch die Inszenierung den Text und/oder die Musik akzentuieren bzw. konterkarieren.

Drei mehr oder weniger einfache, willkürlich herausgegriffene Beispiele aus dem Stuttgarter "Ring":

- Das "Erwachen" des gesamten Personals zu Beginn von Schlömers Rheingold-Inszenierung: die durch das Vorspiel suggerierte Erschaffung einer Welt wird hier metaphorisch mit dem "zum-Leben-Erwecken" der handelnden Personen analogisiert. Das ist nicht nur sinnfällig (in Hinsicht auf die "Bedeutung" dieses Regieeinfalls), sondern eben auch eine Szene von unmittelbarer Präsenz, die sich jedem mitteilt, der die Musik hört und das Geschehen verfolgt.

- Der von Nel inszenierte Walkürenritt: Diese Szene kann man sehr verschieden auffassen. Spätestens seit "Apocalypse Now" wird ja gerne auf die aggressive, kriegerische Seite hingewiesen. In Stuttgart sieht man aber eine ungeheuer komische "Choreographie", die sich gewissermaßen naiv stellt: sie überlässt sich einfach der ausgelassenen Stimmung der Walküren, die ja geradezu ("Hojotoho!") etwas Infantiles hat. Durch die Komik (die eben auch zum "Ring" gehört) wird eine Fallhöhe für den plötzlichen Umschlag ins Tragische geschaffen. Hier ist Nel übrigens ganz nahe bei Konwitschnys "Götterdämmerung", die ja auch (Rheintöchterszene!) gelegentlich zur Offenbachiade tendiert.

- Aus dieser Götterdämmerung nur ein ganz kurzer Moment: Seitdem ich die Oper kenne, habe ich im Vorspiel den Schluss der Brünnhilde-Siegfried-Szene (unmittelbar nach den sich immer mehr in die Höhe schraubenden "Heil!"-Rufen und vor der Rheinfahrt) als ein fast komisches "Ausflippen" der Musik empfunden, bei dem im Orchester mit höchster Lautstärke und größter Energie die diversen Motive durcheinandergewirbelt werden. Entsprechend habe ich die Stuttgarter Inszenierung an dieser Stelle schon beim erstenmal als eine Erfüllung meiner durch die Musik geweckten Erwartungen empfunden - das wilde Herumalbern der beiden Protagonisten, Siegfrieds Herumreiten auf seinem Steckenpferd. Der "Ring" ist eben nicht nur Wabern, Weihe und heiliger Ernst, sondern beinhaltet auch ganz andere Dimensionen.


Viele Grüße

Bernd
Was heut gehet müde unter, hebt sich morgen neugeboren.

Klawirr

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38

Montag, 6. August 2007, 17:03

RE: Konstruktive Diskussion

Lieber Bernd,

Zitat

Original von Zwielicht
- Der von Nel inszenierte Walkürenritt: Diese Szene kann man sehr verschieden auffassen. Spätestens seit "Apocalypse Now" wird ja gerne auf die aggressive, kriegerische Seite hingewiesen. In Stuttgart sieht man aber eine ungeheuer komische "Choreographie", die sich gewissermaßen naiv stellt: sie überlässt sich einfach der ausgelassenen Stimmung der Walküren, die ja geradezu ("Hojotoho!") etwas Infantiles hat.


und zugleich den tiefen Zynismus des »Heldensammelns« reflektiert. Denn auf dem Fließband fahren ja die lebensgroßen Statuen der von den Walküren »heimgeführten« Helden auf ihrem Weg in Wotans walhallige Gerümpelkammer vorüber; keineswegs heroisch sondern mit verdrehten und zerschundenen Leibern - das Ganze wirkt wie bei einer Schrottverwertung.

In dieser Verschränkung von Infantilität und Gewalt erhält der Stuttgarter Walkürenritt IMO eine ungeheure Suggestivität (und geht ja irgendwie sogar noch über den Zynismus von Coppola hinaus).

Herzlichst,
Medard

Jacques Rideamus

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39

Montag, 6. August 2007, 17:10

RE: Konstruktive Diskussion

Zitat

Original von Klawirr
Lieber Bernd,

Zitat

Original von Zwielicht
- Der von Nel inszenierte Walkürenritt: Diese Szene kann man sehr verschieden auffassen. Spätestens seit "Apocalypse Now" wird ja gerne auf die aggressive, kriegerische Seite hingewiesen. In Stuttgart sieht man aber eine ungeheuer komische "Choreographie", die sich gewissermaßen naiv stellt: sie überlässt sich einfach der ausgelassenen Stimmung der Walküren, die ja geradezu ("Hojotoho!";) etwas Infantiles hat.


und zugleich den tiefen Zynismus des »Heldensammelns« reflektiert. Denn auf dem Fließband fahren ja die lebensgroßen Statuen der von den Walküren »heimgeführten« Helden auf ihrem Weg in Wotans walhallige Gerümpelkammer vorüber; keineswegs heroisch sondern mit verdrehten und zerschundenen Leibern - das Ganze wirkt wie bei einer Schrottverwertung.

In dieser Verschränkung von Infantilität und Gewalt erhält der Stuttgarter Walkürenritt IMO eine ungeheure Suggestivität (und geht ja irgendwie sogar noch über den Zynismus von Coppola hinaus).

Herzlichst,
Medard


in der Oper folgt nach solchen Ensembleszenen mit Duett bei verständigem Publikum ein anerkennender Applaus, der hiermit zum Ausdruck gebracht worden sei.

:jubel: :jubel: :jubel:


Da ich mangels hinreichender Vertrautheit mit dem ganzen Ring und seiner diversen Inszenierungen nur weiß, dass ich nicht (genug) weiß, halte ich mich erst einmal raus, verfolge mit Spannung, wie dieses Libretto einer Diskussion weiter geht, und schau mir dann die anderen Teile mit offenerem Hirn an, sobald ich sie habe.

:yes: Rideamus
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Zwielicht

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40

Montag, 6. August 2007, 17:21

RE: Konstruktive Diskussion

Zitat

Original von Klawirr
Lieber Bernd,

Zitat

Original von Zwielicht
- Der von Nel inszenierte Walkürenritt: Diese Szene kann man sehr verschieden auffassen. Spätestens seit "Apocalypse Now" wird ja gerne auf die aggressive, kriegerische Seite hingewiesen. In Stuttgart sieht man aber eine ungeheuer komische "Choreographie", die sich gewissermaßen naiv stellt: sie überlässt sich einfach der ausgelassenen Stimmung der Walküren, die ja geradezu ("Hojotoho!") etwas Infantiles hat.


und zugleich den tiefen Zynismus des »Heldensammelns« reflektiert. Denn auf dem Fließband fahren ja die lebensgroßen Statuen der von den Walküren »heimgeführten« Helden auf ihrem Weg in Wotans walhallige Gerümpelkammer vorüber; keineswegs heroisch sondern mit verdrehten und zerschundenen Leibern - das Ganze wirkt wie bei einer Schrottverwertung.

In dieser Verschränkung von Infantilität und Gewalt erhält der Stuttgarter Walkürenritt IMO eine ungeheure Suggestivität (und geht ja irgendwie sogar noch über den Zynismus von Coppola hinaus).

Herzlichst,
Medard



Lieber Medard,

völlig einverstanden! Wobei die "Statuen" oder Puppen der toten Helden ja gewissermaßen eine konsequente "Weiterentwicklung" von Wotans Statuetten aus dem zweiten Akt sind.

In Herbert Wernickes "Ring"-Inszenierung blieben übrigens alle getöteten Figuren (beginnend mit dem Fasolt aus "Rheingold") bis zum Schluss der "Götterdämmerung" auf der Bühne liegen. Da sammelte sich ganz schön was an - um zu Brünnhilde zu gelangen, musste Siegfried erst einen Bannkreis aus Leichen durchschreiten...

Viele Grüße

Bernd
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Klawirr

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41

Montag, 6. August 2007, 17:25

RE: Konstruktive Diskussion

Lieber Bernd,

Zitat

Original von Zwielicht
Lieber Medard,

völlig einverstanden! Wobei die "Statuen" oder Puppen der toten Helden ja gewissermaßen eine konsequente "Weiterentwicklung" von Wotans Statuetten aus dem zweiten Akt sind.


:yes:

Zitat

In Herbert Wernickes "Ring"-Inszenierung blieben übrigens alle getöteten Figuren (beginnend mit dem Fasolt aus "Rheingold") bis zum Schluss der "Götterdämmerung" auf der Bühne liegen. Da sammelte sich ganz schön was an - um zu Brünnhilde zu gelangen, musste Siegfried erst einen Bannkreis aus Leichen durchschreiten...

Viele Grüße

Bernd


Den Wernicke-Ring kenne ich leider überhaupt nicht. Die von Dir angesprochene Idee finde ich hochinteressant! Gibt's das auf Konserve?

Herzliche Grüße,
Medard

Edwin Baumgartner

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42

Montag, 6. August 2007, 17:28

RE: Konstruktive Diskussion

Lieber Medard,
wobei ich Wotans Spiel mit den Heldenfiguren im Zweiten Akt in Beziehung zu den toten Helden setzte: Wenn ein Kriegstreiber ("Wenn kühn Kräfte sich regen...") mit Menschen, die ihm als Individuum nichts bedeuten, herumspielt, dann kommt eben dieser Tod am Fließband heraus. Die Walküren machen unreflektiert mit - wobei es für mich am schockierendsten ist, daß unter diesen Tanzgirlies des Todes wohl auch - bis jetzt - eine gewisse Brünnhilde zu finden gewesen sein dürfte. Umso stärker ihre Abnabelung von der Wotan-Welt!

---------------

Hallo Theophilus,

Zitat

Vielleicht wird durch den Eintritt in diese irrationale Atmosphäre auch eine Persönlichkeitsveränderung Siegfrieds begründet, denn die Witzfigur, die wir zuvor kennengelernt haben, kann ja nichts mit Brünnhilde und ihrer Erweckung zu tun haben.

Siegfried als Witzfigur könnte ganz amüsant sein, aber von welcher Inszenierung sprichst Du?

Bei Jossi Wieler ist Siegfried jedenfalls ein Spätpubertierender, mit einem Hang zur Gewalt. Eine Witzfigur kann ich in dieser Deutung nicht entdecken.

:hello:
...

Zwielicht

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43

Montag, 6. August 2007, 17:49

RE: Konstruktive Diskussion

Zitat

Original von Klawirr

Zitat

In Herbert Wernickes "Ring"-Inszenierung blieben übrigens alle getöteten Figuren (beginnend mit dem Fasolt aus "Rheingold") bis zum Schluss der "Götterdämmerung" auf der Bühne liegen. Da sammelte sich ganz schön was an - um zu Brünnhilde zu gelangen, musste Siegfried erst einen Bannkreis aus Leichen durchschreiten...

Viele Grüße

Bernd


Den Wernicke-Ring kenne ich leider überhaupt nicht. Die von Dir angesprochene Idee finde ich hochinteressant! Gibt's das auf Konserve?

Herzliche Grüße,
Medard



Lieber Medard,

leider, leider nicht! :no: Das war eine von Wernickes besten Arbeiten, die gewissermaßen das Gegenkonzept zum Stuttgarter "Ring" verkörperte. Ein Einheitsbühnenbild für alle vier Abende (eine Art Filmstudio mit Anklängen an den Obersalzberg), das mit ganz wenigen Requisiten auskam, die immer mehr Bedeutung in sich ansammelten: ein rotes Seil, ein Konzertflügel, einige Scheinwerfer usw. Trotzdem gelang es Wernicke, jedem Stück, ja jedem Akt seine eigene Farbe zu geben. Die Rezeptionsgeschichte wurde ganz unaufdinglich mitinszeniert - unvergesslich ist mir die dritte Szene des "Rheingolds", in der Alberich vor Wotan herumprahlt, währenddessen Loge schon den ganzen Hort einpackt - und mit lässiger Geste als letztes Stück eine Menora in den Sack wirft. Unvergesslich auch die durch Akteure verkörperten Tiere: Frickas Bodyguard-Widder, aber vor allem das durch den Tänzer Thomas Stache dargestellte Pferd Grane - mit wilder Akrobatik während der "Hojotoho"-Rufe Brünnhildes, traurig und vereinsamt im dritten Siegfried-Akt, ängstlich und verschüchtert in der "Götterdämmerung": wirklich anrührend! Und obwohl das Ganze mit einfachsten theatralischen Mitteln auskam, gab Wernicke doch dem Affen Zucker: nie wieder so eindrucksvoll gesehene Szenen waren der aus dem Bühnenboden hervorbrechende Wurm Fafner und - als großes Kintopp-Finale - das in sich zusammenbrechende Bühnenbild am Schluss der Götterdämmerung.

Ich könnte stundenlang schwärmen =). Die Inszenierung wurde zuerst 1991 (oder 1990?) am Ende der Ära Mortier in Brüssel nach Bayreuth-Manier auf die Bühne gebracht (also alle vier Premieren innerhalb einer Woche). Das wiederholte sich dann 1994 in Frankfurt, wohin Dirigent Sylvain Cambreling die Aufführung "mitgebracht" hatte. Damals u.a. mit drei verschiedenen Wotan-Darstellern (u.a. der früh verstorbene Monte Pederson), aber einer einzigen Brünnhilde (die wunderbare Janis Martin). Ich habe seinerzeit den kompletten Zyklus dreimal gesehen...

Viele Grüße

Bernd
Was heut gehet müde unter, hebt sich morgen neugeboren.

Klawirr

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44

Montag, 6. August 2007, 18:01

RE: Konstruktive Diskussion

Zitat

Original von Zwielicht
Ich könnte stundenlang schwärmen =). Die Inszenierung wurde zuerst 1991 (oder 1990?) am Ende der Ära Mortier in Brüssel nach Bayreuth-Manier auf die Bühne gebracht (also alle vier Premieren innerhalb einer Woche). Das wiederholte sich dann 1994 in Frankfurt, wohin Dirigent Sylvain Cambreling die Aufführung "mitgebracht" hatte. Damals u.a. mit drei verschiedenen Wotan-Darstellern (u.a. der früh verstorbene Monte Pederson), aber einer einzigen Brünnhilde (die wunderbare Janis Martin). Ich habe seinerzeit den kompletten Zyklus dreimal gesehen...


Lieber Bernd,
jetzt bin ich aber tatsächlich neidisch!!! :( ;( Allerdings hätten um 1994 wahrscheinlich nicht einmal Grane daselbst oder der leibhaftige Fafner mich in eine Wagneroper zu zerren vermocht... Gut, daß man sich ändern kann!!

Für Deine begeisterte und begeisternde Beschreibung danke ich Dir jedenfalls sehr! Ich sehe, was mir (selbstverschuldet :O ) entgangen ist...

Herzlichst betrübt,
Medard

Wulf

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45

Dienstag, 7. August 2007, 14:26

RE: Konstruktive Diskussion

Zitat

Original von Edwin Baumgartner

Siegfried als Witzfigur könnte ganz amüsant sein, aber von welcher Inszenierung sprichst Du?

:hello:


Hallo Edwin,

es geht um die Inszenierung des am So bei 3Sat gezeigten Stuttgarter Rings 2003 in der Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito.
Zum Ende gibt es ein "Kulissenzitat" - eine Anspielung auf die Schlussszene von Kubricks 2001 - kalter weißer bodengefliester Raum - Kontrast: Bett mit grünem Samt.
Ich fragte nach Deutungsmöglichkeiten. Warum dieses "Zitat"??

:hello:
Wulf

P.S. Mir ist das auch nur sofort aufgefallen, weil es den Film ein paar Tage zuvor im Fernsehen gab.
Carreras, I'll never stop saying Carreraaaas!
(Leonard Bernstein)

Edwin Baumgartner

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46

Dienstag, 7. August 2007, 14:52

RE: Konstruktive Diskussion

Lieber Wulf,
schon, aber bei Wieler ist Siegfried alles Andere als eine Witzfigur, weshalb mich Theophilus etwas ratlos machte.

Was das 2001-Zitat betrifft: Für mich betritt Siegfried hier einfach eine andere Welt, und zwar eine von Zeit und Raum gelöste Welt, die ihm die Möglichkeit gibt, seine pubertären Reaktionen auf eine kleinbürgerliche und faschistoide Umwelt zu überwinden und ein sich selbst erkennender und in dieser selbsterkenntnis liebender Mensch zu werden.

:hello:
...

severina

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47

Dienstag, 7. August 2007, 15:42

Ich habe jetzt mit großem Interesse eure Interpretationen studiert und werde mich in den nächsten Tagen mit diesem Hintergrundwissen erneut mit dem Ring beschäftigen, denn am Sonntag wollte sich die rechte Erleuchtung bei mir nicht einstellen. Womit ich (noch) nichts gegen die Inszenierungen sagen möchte, es lag schlicht und einfach an mir:
Ich habe zum ersten Mal :O :O :O :O :O den Ring gesehen (nicht ganz zwar...), hatte kein Libretto und verstand daher oft nur wenig vom Text und die Kenntnis der deutschen Götter- und Heldensagen sind bei einer so modernen Inszenierung nicht wirklich hilfreich. Also werde ich mich erst einmal mit dem Textbuch ausrüsten und dann das ganze in Ruhe noch einmal angehen. Leider fehlt mir der "Siegfried", und das scheint ja die interessanteste Inszenierung gewesen zu sein. Ich war aber ab dem Nachmittag nicht daheim und musste mich entscheiden, ob ich den Siegfried oder die Götterdämmerung aufzeichne, und als Konwitschny-Fan fiel meine Wahl natürlich auf ihn.
Wahrscheinlich fragt ihr euch jetzt, warum ich mich hier überhaupt zu Wort melde, wo ich doch eh keine Ahnung habe: Bernd hat mich im Eingangsposting unter denen zitiert, die sich den Ring anschauen wollten, und da dachte ich, ich müsste wenigstens kurz "Hier!" sagen, denn sonst wird mein Schweigen vielleicht als komplette Ablehnung interpretiert. Vorerst ist meine Unwissenheit aber so groß, dass ich weder ablehnen noch zustimmen kann.
Aber vielleicht schaffe ich ja in nächster Zeit den Durchblick!
lg Severina :hello:

pfuetz

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48

Dienstag, 7. August 2007, 15:52

Zitat

Original von severina
[...]
Ich habe zum ersten Mal :O:O:O:O:O den Ring gesehen (nicht ganz zwar...), hatte kein Libretto und verstand daher oft nur wenig vom Text und die Kenntnis der deutschen Götter- und Heldensagen sind bei einer so modernen Inszenierung nicht wirklich hilfreich. Also werde ich mich erst einmal mit dem Textbuch ausrüsten und dann das ganze in Ruhe noch einmal angehen.
[...]
lg Severina :hello:


Hallo, Severina,

ich fand es auch sehr traurig, daß 3Sat keine Videotext-Untertitel angeboten hat. Auf den DVD's gibt's aber die Texte, ich werde mich in den nächsten Wochen dann auch mal in Ruhe damit befassen. Ich hatte am Sonntag auch keine Zeit, zum Glück liegen die DVDs aber bei mir schon etwas länger rum, und warten auf Rezeption...

Gruß,
Matthias

Zwielicht

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49

Dienstag, 7. August 2007, 16:09

Zitat

Original von severina
Ich habe jetzt mit großem Interesse eure Interpretationen studiert und werde mich in den nächsten Tagen mit diesem Hintergrundwissen erneut mit dem Ring beschäftigen, denn am Sonntag wollte sich die rechte Erleuchtung bei mir nicht einstellen. Womit ich (noch) nichts gegen die Inszenierungen sagen möchte, es lag schlicht und einfach an mir:
Ich habe zum ersten Mal :O :O :O :O :O den Ring gesehen (nicht ganz zwar...), hatte kein Libretto und verstand daher oft nur wenig vom Text und die Kenntnis der deutschen Götter- und Heldensagen sind bei einer so modernen Inszenierung nicht wirklich hilfreich. Also werde ich mich erst einmal mit dem Textbuch ausrüsten und dann das ganze in Ruhe noch einmal angehen. Leider fehlt mir der "Siegfried", und das scheint ja die interessanteste Inszenierung gewesen zu sein. Ich war aber ab dem Nachmittag nicht daheim und musste mich entscheiden, ob ich den Siegfried oder die Götterdämmerung aufzeichne, und als Konwitschny-Fan fiel meine Wahl natürlich auf ihn.
Wahrscheinlich fragt ihr euch jetzt, warum ich mich hier überhaupt zu Wort melde, wo ich doch eh keine Ahnung habe: Bernd hat mich im Eingangsposting unter denen zitiert, die sich den Ring anschauen wollten, und da dachte ich, ich müsste wenigstens kurz "Hier!" sagen, denn sonst wird mein Schweigen vielleicht als komplette Ablehnung interpretiert. Vorerst ist meine Unwissenheit aber so groß, dass ich weder ablehnen noch zustimmen kann.
Aber vielleicht schaffe ich ja in nächster Zeit den Durchblick!
lg Severina :hello:



Hallo Severina,

nur Mut! Gerade Zuhörer und Zuseher, die das Werk noch nicht (oder nicht so gut) kennen, können hier bestimmt viel Sinnvolles beitragen. Wenn man dagegen schon ein paar Ring-Inszenierungen gesehen hat und die Tetralogie einigermaßen kennt, trägt man so viele Vorstellungen und Bilder mit sich herum, dass man einfach völlig voreingenommen ist.

Wenn Du Dich mit einem Textbuch ausgerüstet hast, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen (außer, dass Dir das Werk oder die jeweilige Inszenierung nicht gefällt :D). Ich glaube schon, dass es am sinnvollsten ist, wenn man ganz vorne, also beim "Rheingold" einsteigt. Aber vielleicht sollte man auch einfach da anfangen, wo es einen am meisten lockt.

Wahrscheinlich wird Dir von vier Liebhabern dieses "Rings" jeder eine andere Inszenierung als seine liebste benennen. Ich tendiere ja eher zu Konwitschnys "Götterdämmerung", finde aber auch die drei anderen Abende hervorragend (insb. Schlömers "Rheingold").

Viele Grüße

Bernd
Was heut gehet müde unter, hebt sich morgen neugeboren.

calaf

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50

Dienstag, 7. August 2007, 16:20

Zitat

Original von Zwielicht
Hallo Severina,

...
Wenn Du Dich mit einem Textbuch ausgerüstet hast, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen (außer, dass Dir das Werk oder die jeweilige Inszenierung nicht gefällt :D). Ich glaube schon, dass es am sinnvollsten ist, wenn man ganz vorne, also beim "Rheingold" einsteigt. Aber vielleicht sollte man auch einfach da anfangen, wo es einen am meisten lockt.

Viele Grüße

Bernd


Hallo,

ich empfehle dringend ein Textbuch zu nehmen, dass auch die jeweils gespielten Motive zeigt. Auf diese Weise lernt man die Motive quasi en passant.

LG,
calaf
Without deviation from the norm, progress is not possible.
[i][size=10](Frank Zappa)[/size][/i]

Herbert Henn

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51

Dienstag, 7. August 2007, 18:46

In diesem Fall würde ich aber eine CD-Aufnahme empfehlen,

weil man dann nicht von dem unsinnigen Geschehen auf

der Bühne abgelenkt wird.

:hello:Herbert.
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pbrixius

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Mittwoch, 8. August 2007, 09:10

Zitat

Original von severina
Ich habe zum ersten Mal :O :O :O :O :O den Ring gesehen (nicht ganz zwar...), hatte kein Libretto und verstand daher oft nur wenig vom Text und die Kenntnis der deutschen Götter- und Heldensagen sind bei einer so modernen Inszenierung nicht wirklich hilfreich. Also werde ich mich erst einmal mit dem Textbuch ausrüsten und dann das ganze in Ruhe noch einmal angehen.


Liebe Severina,

obwohl ich den "Ring" recht gut kenne, hatte ich auch Probleme mit der Textverständlichkeit. Ich habe erst die 1. Szene des Rheingolds gesehen. Die inszenatorische Lösung fand ich mehr als akzeptabel, mein Problem lag eher im Musikalischen. Aber die drei Rheintöchter waren eine Augenweide! Irgendwie ging mir allerdings das Staben auf den Geist. Ich muss einfach in einer ruhigen Minute noch einmal von vorne anfangen ...

Liebe Grüße Peter
Sie hätten's wenigstens nur sehen sollen. Das ganze mich in das Tanzen versunken.
(Goethe)

pbrixius

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53

Mittwoch, 8. August 2007, 09:15

Zitat

Original von pfuetz
ch fand es auch sehr traurig, daß 3Sat keine Videotext-Untertitel angeboten hat.


Hallo Matthias,

das sehe ich auch so. Dass man vergleichsweise so wenig vom Gesungenen verstehen konnte, liegt sicher auch am Dirigat. Ich habe alles deutlich transparenter im Gedächtnis. Was das Textbuch angeht, habe ich das Goldmann/Schott-Taschenbuch mit dem vollständigen Text und Notentafeln der Leitmotive. In der Randspalte sind dort immer die ertönenden Leitmotive angegeben. Man kann sich über die Benennung der Leitmotive - meiner Meinung nach zu Recht - sehr kritisch äußern, aber jeder kann sie ja noch seinem Gusto mehrfach und um-benennen.

LG Peter
Sie hätten's wenigstens nur sehen sollen. Das ganze mich in das Tanzen versunken.
(Goethe)

pbrixius

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Mittwoch, 8. August 2007, 09:24

Zitat

Original von Herbert Henn
In diesem Fall würde ich aber eine CD-Aufnahme empfehlen,

weil man dann nicht von dem unsinnigen Geschehen auf

der Bühne abgelenkt wird.


Lieber Herbert,

hast Du das nötig? Das "unsinnige" Geschehen steht im Textbuch - und die Inszenierung klärt da schon vieles auf. Man kann ja kritisch einer Inszenierung gegenüber stehen, deshalb braucht man aber nicht jede Gelegenheit zu nutzen, Benzin ins Feuer zu gießen.

Ich habe schon eine Reihe von "Ringen" in unterschiedlichen Inszenierungen gesehen. Über diese möchte ich mich erst äußern, wenn ich sie ganz gesehen habe. Aber schon die erste Szene des Rheingolds hat mich überzeugt, dass für einen "Neuling" das Ansehen dieser Inszenierung auf jeden Fall mehr von Wagner und seiner Magie überzeugt als das Abhören einer CD, das ja entscheidende Dimensionen auslässt. Gerade weil ich schon einer größeren Anzahl von Musikfreunden Wagner nahegebracht habe, darf ich mir diese Bemerkung wohl erlauben.

LG Peter
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Herbert Henn

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Mittwoch, 8. August 2007, 09:33

Lieber Peter,

mit unsinnigem Geschehen meine ich natürlich nicht das Libretto,

sondern was bei vielen Inszenierungen daraus gemacht wird.

(Übrigens bei Rheingold steht zu Beginn, im Textbuch:
Auf dem Grunde des Rheines).

:hello:Herbert.
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Emotione

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Mittwoch, 8. August 2007, 09:42

Hallo Peter,

ich finde die Einblendung von Text bei Opern wenig hilfreich, da hier ja nur Stichworte widergegeben werden können. Außerdem lenkt es mich von der Aufführung ab. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Zum Ring selbst habe ich bisher nur Rheingold und die Walküre ganz gesehen.
Rheingold hat mich von der Inszenierung beeindruckt, auch die Walküre. In Siegfried und Götterdämmerung habe ich ein bisschen hineingesehen und kann bei beiden inszenatorisch nicht in Begeisterung ausbrechen. Zumal wir hier in Wiesbaden (ja ich weiß, Provinz) eine sehr gute Götterdämmerung hatten.

Alles in Allem bleibe ich dennoch lieber bei Chereau.

Liebe Grüße

Emotione

@ Ich hatte in einem anderen Thread eine Frage an Dich, die Du bestimmt überlesen hast. Es ging um die Frage nach dem Verfasser eines Buches. Ich darf sie Dr noch einmal per PN stellen.
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Mittwoch, 8. August 2007, 09:49

Zitat

Original von Emotione
ch finde die Einblendung von Text bei Opern wenig hilfreich, da hier ja nur Stichworte widergegeben werden können. Außerdem lenkt es mich von der Aufführung ab. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.


Liebe Emotione,

es ist selbstverständlich nur eine Hilfslösung, die am Ende nicht befriedigt. Auf dem Bildschirm ist ein Untertext nicht mehr so diskret, wie er auf der Bühne sein soll. Aber immerhin kannst Du immer noch auf den Bildschirm schauen, während Du bei einem Textbuch immer wieder den Blick vom Bildschirm wenden musst. Deshalb schaue ich mir den Ring auf jeden Fall mindestens zweimal an, das zweite Mal werde ich den Text wohl wieder ausreichend präsent haben. Ich merke nur, wie lange mein letzter "Ring" zurück liegt.

Zitat

Alles in Allem bleibe ich dennoch lieber bei Chereau.


Das ist für mich - ehrlich gesagt - auch die "Referenz", nicht zuletzt auch wegen des Dirigats von Boulez.

Zitat

@ Ich hatte in einem anderen Thread eine Frage an Dich, die Du bestimmt überlesen hast. Es ging um die Frage nach dem Verfasser eines Buches. Ich darf sie Dr noch einmal per PN stellen.


Ja bitte, ich war jetzt einige Tage abwesend und nur kursorisch im Forum, da habe ich das leider übersehen.

LG Peter
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Edwin Baumgartner

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Mittwoch, 8. August 2007, 09:53

Zitat

Original von Herbert Henn
mit unsinnigem Geschehen meine ich natürlich nicht das Libretto,
sondern was bei vielen Inszenierungen daraus gemacht wird.
(Übrigens bei Rheingold steht am Beginn, im Textbuches:
Auf dem Grunde des Rheines).


Und gerade das finde ich ja so spannend an der Schlömer-Regie: Nichts, absolut nichts ist unsinnig. Es geht sich alles brillant mit dem Text aus. Verschiedene Handlungsstränge werden gerade durch diese Regie sehr gut begründet. Nicht nur Alberichs Gier nach den Rheintöchtern - man sehe sich etwa das Spiel mit den Riesen an: Schlömer interpretiert die Riesen als unterschiedliche Individuen, Fafner ist bei ihm ein karrieregeiler Handlanger, der auch einmal der Erste sein will. Der Mord an Fasolt bekommt dadurch eine längere Vorgeschichte, der Neid ist in Fafner bereits vorhanden, der Ring bringt ihn zur Explosion. Ich finde, das ist glänzend durchdacht und sehr klug von den Personen aus motiviert.

Daß der Boulez/Chéreau-"Ring" auch bei mir die Referenz bleibt, ist logisch (und sicherlich auch wegen Boulez). Aber es verkleinert den Boulez/Chéreau-"Ring" nicht, wenn man andere Deutungen ebenfalls schätzt. Der Stuttgarter "Ring" ist nicht "besser" oder "schlechter", sondern anders und ist durch seine radikalen dramaturgischen Ansatz eine szenisch gleichwertige Gegenposition zu Chéreau - wenngleich von diesem nicht unbeeinflußt.

:hello:
...

Klawirr

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59

Mittwoch, 8. August 2007, 10:57

Zitat

Original von Herbert Henn
(Übrigens bei Rheingold steht am Beginn, im Textbuches:
Auf dem Grunde des Rheines).

:hello:Herbert.


Lieber Herbert,
ich will nicht schon wieder eine (die dann wahrscheinlich 573.) Regietheater-Diskussion vom Zaun brechen - aber gerade diese schöne Regieanweisung gleich zu Beginn unseres hübschen vieroprigen Mammutwerkes macht doch eben deutlich, was eine Regieanweisung ist: eine Krücke, ein brüchiges Vehikel, auf dem ein Regisseur zu seiner Deutung/Inszenierung humpeln bzw. holpern muß. Wie soll man denn bitte - wenn Du schon Texttreue verlangst - eine Szene »auf dem Grunde des Rheines« auf die Bühne bringen? Unter Wasser ist schlecht mit singen... Oder?
Bitte entschuldige mein etwas simplifizierendes Posting - aber wenn man den Grund des Rheins ohnehin nicht naturalistisch darstellen kann (was Wagner sicherlich wußte - ich glaube nicht, daß er seine ersten Rheintöchter in ein großes Aquarium stecken wollte), dann ist keine, ich wiederhole: keine Ausdeutung der Anweisung »auf dem Grunde des Rheines« a priori »unsinnig«.
Ganz herzliche Grüße,
Medard

Herbert Henn

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60

Mittwoch, 8. August 2007, 12:28

Rheingold

Lieber Medard,
ich habe schon sehr viele Inszenierungen von"Rheingold"gesehen.
Natürlich sollte, wenn sich der Vorhang zur 1.Szene öffnet, kein
Wasser auf der Bühne plätschern.Meiner Meinung nach, gibt es
wunderbare Möglichkeiten, die Szenen die von Wagner genau
beschrieben sind, auch in den folgenden Bildern, mit modernen
Mitteln zu realisieren. Ich bin nicht der Meinung, daß die Szenen
naturalistisch sein sollten, aber etwas am Text könnten sie schon sein.
Dies ist die subjektive Meinung eines Gestrigen. :D

:hello:Herbert.
Tutto nel mondo è burla.