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reklov29

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31

Montag, 28. Februar 2005, 19:33

RE: Was höre und sehe ich zur Zeit an DVD

Hallo Sagitt,

Dein Zitat:
Aber sowas könnte man eigentlich für 7.99 in den Handel geben. Oder ? Insbesondere dann, wenn gar keine technische Bearbeitung erfolgt.
--------------------------------------------------------------------------------------------

Hier stimme ich Dir zu, der Preis ist zu hoch, für ca. 14,00 € als DVD könnt man nicht mäkeln....
Bin immer wieder von der Klangqualität begeistert, deswegen öfters im Player....


Herzliche Grüße an meine alte Heimat Bremen
reklov29
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

reklov29

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32

Freitag, 4. März 2005, 21:24

RE: Was höre und sehe ich zur Zeit an DVD

Z.Zt. im Player:

Beethoven - Symphonie Nr. 3 & 9


Naxos Deutschland 122 Min./ 25,50 €

Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 3 Es-Dur Op. 55 "Eroica"
Sinfonie Nr. 9 d-moll Op. 125 "An die Freude"

"Interpreten"
Karita Mattila - Sopran
Violeta Urmana - Alt
Thomas Moser - Tenor
Eike Wim Schulte - Bass
Schwedischer Rundfunkchor
Eric Ericson Kammerchor
Berliner Philharmoniker
Leitung: Claudio Abbado

"Fernsehregie"
Bob Coles

"Aufnahme"
2000&2001 - Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Rom
und Philharmonie Berlin

Die Aufnahme entstand im Februar 2001 unter der Leitung von Claudio Abbado mit den Berliner
Philharmonikern in Rom, wo er sämtliche Beethoven-Sinfonien aufführte - im Rahmen der Europakonzerte.
Die DVD besticht klanglich und bildlich. Ein besonderes Bon Bon erfährt man durch die sogenannte
Dirigentenkamera, die den Dirigenten von vorne zeigt, aus der Sicht der Musiker.


Grüsse
reklov29
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

reklov29

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33

Samstag, 5. März 2005, 16:57

RE: Was höre und sehe ich zur Zeit an DVD

Nach Nova Stravaganza (Graupner)

nun im DVD-Player: Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847)
Gala-Conzert aus dem Gewandhaus in Leipzig



Overture zu "Ein Sommernachtstraum" op.21
Violinkonzert op. 64; c-moll
Symphonie Nr. 3 a-moll, op.56 "Schottische"
Hochzeitsmarsch aus "Ein Sommernachtstraum"
mit dem Gewandhausorchester Leipzig,
Leitung: Kurt Masur
Sound: PCM Stereo / Dolby Digital;Bild: 4:3
22,99 € bei jpc
Aufnahme von 09/2000

Das Galakonzert aus dem Gewandhaus zu Leipzig widmete sich wesentlich Kompositionen aus dem
Gesamtschaffen vom F.Mendelssohn-Bartholdy.
Unter dem Titel "Mendelssohn in Leipzig" sind nicht nur seine schönsten und bedeutensten Kompositionen zusammengefasst, es wurde auch auf einen Kanon von Werken geachtet, die
allesamt in einem engen Zusammenhang mit der Stadt Leipzig und seinem Gewandhausorchester
stehen, für dieses geschrieben und von ihm aus der Taufe gehoben wurden...

Eine gelungene Aufzeichnung aus dem Gewandhaus, erwähnenswert das Violinkonzert in e-moll,
op.64, vom Geiger Frank Michael Erben, 1. Konzertmeister des Leipziger Gewandhausorchesters.
Die anspruchsvolle Solopartie setzt er virtuos und gekonnt um.
Das Orchester wieder einmal besonders zu erwähnen hiesse Eulen nach Athen zu tragen.....
Gelungen umgesetzt und interpetiert sowie klanglich sehr ausserordentlich anzuhören unter dem Dirigat
eines Kurt Masur.
Empfehlenswerte DVD, bildlich und klanglich sehr gut gelungen....


Grüsse
reklov29
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Zitat: J.E.G.

Theophilus

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34

Sonntag, 6. März 2005, 02:55

Mozart
Così fan tutte
John Eliot Gardiner


Ciao

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Radagast

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35

Sonntag, 6. März 2005, 13:16

Zitat

Original von Theophilus
Mozart
Così fan tutte
John Eliot Gardiner



Moin Theophilus,

darf ich Dich um eine Meinung zu dieser Aufnahme bitten, da sie zur Zeit auf meinem Wunschzettel steht!
Grüsse aus Rhosgobel

Radagast

Theophilus

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36

Montag, 7. März 2005, 01:33

Ja gerne, aber bitte noch ein oder zwei Tage Geduld, da ich bislang nur die erste DVD angeschaut habe.

Ciao

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ThomasBernhard

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37

Dienstag, 8. März 2005, 01:35

Hatte gerade mal einen ersten Quer-Blick in meine Neuerwerbung der
Meistersinger-DVD von James Levine geworfen.

Ouwweia! Das ist ja tatsächlich Slowmotion-Jimmi wie er singt und lacht. Welche Pillen hat der verschrieben bekommen? Nein, Spaß bei Seite, man muß sich an die langsamkeit gewöhnen, dann kann das bestimmt noch ein netter Operngenuss werden. Das Vorspiel zum dritten akt ist zwar extrem-zeitlupe, aber hat auch was!, und man hat ja zum glück noch alternativeinspielungen.
James Morris als Sachs hat mich jetzt auf den ersten Blick nicht umgehauen, aber ich glaube, in dem Ensemble gibt es keine Totalausfälle, die sind alle gut.
Ich mag zwar eher das "Regietheater", kann mit dieser Inszenierung in absolut historischen Bühnenbild aber auch meine Freude haben (zumal sich für die Meistersinger nur eher schwierig schlüssige moderne Regiekonzepte finden lassen)
Bild und Ton OK.
Noch was witziges: Als zum zweiten Akt der Vorhang aufging, gabs einen kleinen Applaus für das Bühnenbild - die spinnen, die Amis...!?
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Alfred_Schmidt

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38

Dienstag, 8. März 2005, 01:44

Was ist da witzig ?

Bühnenbildapplaus war in Wien in meiner Jugend gang und gäbe, - Leider gibt es heutzutage auf diesem Gebiet nichts mehr zu applaudieren....

Beste Grüße

aus Wien

Alfred

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ThomasBernhard

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39

Dienstag, 8. März 2005, 11:26

Aber lieber Alfred,

Man sollte doch nun wirklich nicht in das laufende Vorspiel reinklatschen, sobald der Vorhang aufgeht um so ein einfallsloses Bühnenbild ("historische" nürnberger Gasse) zu würdigen.
Gruß, Markus
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Theophilus

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40

Dienstag, 8. März 2005, 14:44

Hallo Markus

Zitat

Man sollte doch nun wirklich nicht in das laufende Vorspiel reinklatschen, sobald der Vorhang aufgeht um so ein einfallsloses Bühnenbild ("historische" nürnberger Gasse) zu würdigen.

Ein Bühnenbild, bei dem der Ausstatter ins Textbuch geschaut hat, die kargen Anweisungen ernst genommen hat, daraus ein unmittelbar erkennbares Bühnenbild gemacht hat, und zwar offensichtlich so gut, dass es zu spontanen Beifallskundgebungen führte - so ein Bühnenbild nennst du einfallslos?

Und die Musiker im Orchestergraben, die die Noten von der Partitur abspielen, sind wohl auch einfallslos, oder?

Die Sänger, die den Text singen, der im gleichen Libretto steht, aus dem der Bühnenbildner seine Information bezieht, sind wohl auch einfallslos?

Und die Regisseure, die die Regieanweisungen eben desselben Librettos ernst nehmen, sind natürlich erst recht einfallslos.

Was sind das eigentlich für Maßstäbe, wenn Künstler madig gemacht werden, die es wagen, dass Inszenierungen nicht nur musikalisch, sondern auch optisch zu gefallen wissen, und die es sich nicht zur Aufgabe gemacht haben, zu Opern unpassende und schwer verständliche Bilderrätsel zu liefern?

Der spontane Bühnenbildapplaus, wenn der Vorhang aufgeht und das Bühnenbild frei gibt, ist (war?!) an jedem Opernhaus eine Selbstverständlichkeit. Es ist ein fatales Zeichen für die Opernkultur, und für jene Inszenierungen, die du gesehen hast (sehen musstest!), das dies in einigen Gegenden offensichtlich völlig in Vergessenheit geraten ist.

Spontaner Applaus für erfreuliche Leistungen auf der Opernbühne ist lebendige Oper (und komme mir jetzt bitte nicht mit Parsival - die einzige wahrscheinlich wirklich gültige Ausnahme bei ca. 50000 Opern!) - wie übrigens bei jeder Art Theater oder Live-Darbietung. In diesem Punkt lobe ich die Amerikaner, die in Bezug auf Beifallskundgebungen viel unverkrampfter sind als die oft schon sehr zurückhaltend gewordenen Europäer. Aber glaube mir, die Künstler sind sehr empfänglich für jede Art Beifall.

Und zum Abschluss: Ein Bühnenbild für den 2. Akt Meistersinger, das wirklich im alten Nürnberg spielt, alle Erfordernisse der Handlung erfüllt und obendrein optisch so gelungen ist, dass es Beifall hervorruft, hat ganz bestimmt mehr Überlegung und Einfallsreichtum erfordert, als beispielsweise auf finsterer Bühne ein paar Reihen Maschendrahtzaun aufzustellen, wie es im unseligen Stuttgarter Siegried zu sehen ist (jetzt habe ich doch glatt den Lautsprechermasten vergessen!).

Ciao

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GiselherHH

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41

Dienstag, 8. März 2005, 15:10

Hallo Theophilus,

ich habe die DVD auch gesehen. Es war eben das Postkarten-Nürnberg-Klischee, das die Bustouristen aus USA und Japan mit so unwiderstehlicher Zwangsläufigkeit in die kleineren und größeren Städte des schönen Frankenlandes kohortenweise einfallen läßt. Die "Inszenierung" auf dieser DVD ist von jener Art gefälliger und oberflächlicher Opern-Routine, die man vielleicht bei inhaltlich weniger schwerwiegenden Stücken durchgehen lassen kann, aber nicht bei Wagner, wo es eben nicht reicht, Sänger in Kulissen zu arrangieren.

Übrigens: Der letzte Bühnenbildapplaus, dessen Zeuge ich geworden bin, fand in der "Don Carlos"-Inszenierung von Konwitschny statt (mittlerweile ja auch erfolgreich von der Wiener Staatsoper übernommen), nämlich bei der hinreißend komischen Pantomime "Ebolis Traum" (zur sonst nicht gespielten Balletmusik).

Grüße

GiselherHH
"Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

ThomasBernhard

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42

Dienstag, 8. März 2005, 16:01

Hallo Theophilus,

entschuldige, das klingt jetzt vielleicht etwas schnippisch, ist aber nicht bös gemeint: Wäre es dir lieber, wenn jede Meistersinger-Inszenierung auf der weiten Welt in den Kulissen von Wagners Uraufführung und in den selben verranzten Kostümen gespielt wird? :D
Ich finde Otto Schenks Inszenierung sogar richtig schön, die Personenregie finde ich lebendig und gut, die Bühne gefällt auch - aber da steckt mehr drin, in den Meistersingern.
Die Prügelei im zweiten Akt kommt richtig harmlos daher, da erwarte ich eingentlich eherlich gesagt verstörende Brutalität, ds paßt dann zum Wahn-Momolog im dritten akt und ist eine Notwendige Auseinandersetzung mit der offiziellen oper der Reichsparteitage.

Nix für ungut, ich werde mir die Schenk-Inszenierung trotzdem noch oft mit genuß ansehen, aber eine reine Umsetzung der Regieanweisung wagners ist mir nicht genug.
Wie ich schon an anderem Ort sagte: Im Ring des nibelungen geht es ja auch nicht um Wotan und andere abgwrackte Götter, sondern sie sind ein Bild für eine Gesellschaftsrevolution im Neunzehnten Jahrhundert, und das setzt Chereaus "moderne" Bayreuther Inszenierung genial um. Ich will keinen Wotan im Bärenfell sehen, so wie es Wagner schon bei der uraufführung AUCH NICHT GEFALLEN hat!
Gruß, Markus
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Alfred_Schmidt

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43

Dienstag, 8. März 2005, 17:11

Zitat

Die Prügelei im zweiten Akt kommt richtig harmlos daher, da erwarte ich eingentlich eherlich gesagt verstörende Brutalität,


Ja, hier an dieser Stelle ist bildlich gesprochen die deutsch/österreichisch Landesgenze wobei Bayern dann wahrscheinlich noch zu Österreich gehört. :D :stumm:

Kein zahlendes Publikum will verstört werden.


Zitat

sondern sie sind ein Bild für eine Gesellschaftsrevolution im Neunzehnten Jahrhundert, und das setzt Chereaus "moderne" Bayreuther Inszenierung genial um
.

das glaube ich nicht, das wurde nachträglich so gedeute, von jenen, die sich eine Gesellschaftsrevolution gewünscht hätten. In Wahrheit fand die nämlich nur scheinbar statt. Die Leute arbeiten zu billig und die Konzerne diktieren.

Aber wie dem auch sei: Wenn ich mir eine Geschichte anschau, dann will ich sie so sehen wie sie geplant war. Natülich sieht eine Aufführung heute anders aus als etwa um 1890. Aber auf künstliche Verfremdungen auf politische Anspielungen, die mit dem Stück nichts zu tun hatten kann ich persönlich verzichten.

Es gibt Werke, die extra zu diesem Zweck geschrieben wurden, aufzurüttenl und zu verstören. Das Publikum, das sich mehrheitlich noch jenem Bildungsbürgertum verpflichtet fühlt, welches es angeblich gar nicht mehr gibt, boykottiert dies jedoch, was dazu führt, daß solches überproprtional subventioniert werden muß - eine Praxis, die auf die Dauer nicht finanzierbar ist und derlei von Spielplan fegt.
Daher versuchen die "Modernisierer" es jetz durch die Hintertür mittels "politisch ausdeutender Inszenierungen" von berühmten Werken.

Wenn das Wort "gefällig", daß sich ja von "gefallen", als für schön befunden werden, ableitet als Negativattribut verwendet wird, wenn Tradition als verwerflich gesehen wird, dann kann ich dem nicht folgen, nein besser gesagt, ich WILL es gar nicht.
Wir leben in einer hässlichen Welt, einer hässlichen Zeit. Das Ziel des Theaters und der Oper ist aus meiner Sicht, das vergessen zu machen, nicht zu betonen.

Aber ich sehe, wir kommen vom Thema ab......

Gruß aus Wien

Alfred

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Theophilus

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44

Dienstag, 8. März 2005, 17:26

Hallo Giselher,

ich habe schon auf deinen Einwand gewartet. Er musste ja kommen. Ich freu mich sooo!

Zitat

Es war eben das Postkarten-Nürnberg-Klischee, das die Bustouristen aus USA und Japan mit so unwiderstehlicher Zwangsläufigkeit in die kleineren und größeren Städte des schönen Frankenlandes kohortenweise einfallen läßt.

Ja und? Wenn es gekonnt rübergebracht wird, kann ein Klischee wunderbar sein. Und wie wir gehört haben, hat es vielen Leuten gefallen.
Und ich verstehe auch nicht, warum ihr so auf der Bedeutung des Bühnenbilds herumreitet. Es ist das letzte Glied in der Kette einer Opernaufführung. Zuerst kommt die Musik, dann der Gesang, dann die Aktion und am Ende erst das Bühnenbild. Es gibt lediglich den Rahmen ab, innerhalb dessen die Handlung abläuft. Daher ist es kein großes Problem, eine Inszenierung z:B. auf ein Minimum zu reduzieren, innerhalb dessen die Handlung plausibel erzählt werden kann. Aber wenn sie alles erfüllt, was der Komponist vorgeschrieben hat, und das auf eine für die Mehrheit nachvollziehbar gelungene optische Weise, dann sollte man froh darüber sein.
Wenn aber die Inszenierung gegen das Stück spielt, wenn die Sänger dazu passend agieren, und damit ständig in Diskrepanz zu dem handeln, was sie singen, dann haben wir absurdes Theater. Das ist nicht fortschrittlich, sondern die Vergewaltigung der Oper.



Zitat

Die "Inszenierung" auf dieser DVD ist von jener Art gefälliger und oberflächlicher Opern-Routine, die man vielleicht bei inhaltlich weniger schwerwiegenden Stücken durchgehen lassen kann, aber nicht bei Wagner, wo es eben nicht reicht, Sänger in Kulissen zu arrangieren

Das ist aber jetzt an Plattitüden nicht mehr zu überbieten! Ob es in diesem Fall um Opern-Routine handelt, kann ich nicht beurteilen, durchgehen lassen darf man Opern-Routine nie!!! Nicht bei Wagner, nicht bei Verdi und nicht einmal bei Donizetti! "Donizetti? - Zweitklassiger Komponist, mach ma mal jetzt die dazu passende zweitklassige Inszenierung!" So geht es nun wirklich nicht, und ebensowenig sollen Sänger in Kulissen arrangiert werden, nicht bei Wagner, nicht bei Verdi und du weisst schon, wo auch sonst nicht. Und wenn du jetzt suggerieren wolltest, dass Otto Schenk Sänger einfach auf der Bühne drapiert, dann kaufe ich dir das nicht ab, das gibt es bei ihm nicht!



Zitat

Übrigens: Der letzte Bühnenbildapplaus, dessen Zeuge ich geworden bin, fand in der "Don Carlos"-Inszenierung von Konwitschny statt (mittlerweile ja auch erfolgreich von der Wiener Staatsoper übernommen), nämlich bei der hinreißend komischen Pantomime "Ebolis Traum" (zur sonst nicht gespielten Balletmusik).

Das glaube ich dir, wenn das die Zuschauer nicht irgendwie aus der Reserve lockt, weiss ich nicht mehr, was man noch machen muss. (Nörgler könnten einwenden dass die Pantomime irgendwie nicht recht ins Stück passte, aber das kann man fast auch über die Ballettmusik sagen. Rückblickend kann ich sagen, dass Peter Konwitschnys erster Versuch mit einer Opernpantomime in der Grazer Aida - während des Triumphmarsches - inhaltlich besser im Stück integriert war).

Ciao

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Theophilus

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45

Dienstag, 8. März 2005, 18:19

Hallo Markus

Zitat

Entschuldige, das klingt jetzt vielleicht etwas schnippisch, ist aber nicht bös gemeint: Wäre es dir lieber, wenn jede Meistersinger-Inszenierung auf der weiten Welt in den Kulissen von Wagners Uraufführung und in den selben verranzten Kostümen gespielt wird?

Nein, wie kommst du darauf? Wagner verlangt für den zweiten Akt eine Straße, eine Seitengasse, zwei Häuser und einen Fliederbusch. Wenn du davon irgendetwas weglässt, wird es im Laufe des 2. Aktes logisch zu klemmen beginnen, und sei es nur die Tatsache, dass Sachs ein Loch in die Luft starrt, wenn er den Fliederbusch besingt. Auf der anderen Seite sind diese Forderungen in keinster Weise irgendeine Einschränkung, man kann sich daran begeistern und die tollsten Sachen erfinden, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und wenn es wirklich wie Nürnberg im 15. Jhdt aussieht, herrlich! Und wenn der Regisseur meint, er braucht Nürnberg in the year 2525, ansonsten aber nicht in die Handlung pfuscht, wird man halt auch damit leben, nur was bringt es? (Man könnte im letzten Fall die Kurve kratzen, indem gerade während des Stücks im Jahre 2525 in Nürnberg ein Kongress der "Freunde der Meistersinger im Deutschland des 15. Jahrhunderts" läuft, damit die musikalischen Zeitbezüge nicht so ganz verloren wirken ;) ).
Wenn ich aber statt dessen Dresden nach dem Bombardement auf der Bühne sehe (ich weiß, dass war in einer anderen Wagner Oper und ist hier nur ein Beispiel), dann weiß ich, dass der Regisseur sich in Wirklichkeit gedrückt hat. Er hat seine Unfähigkeit, einen konstruktiven Beitrag zur Realisierung des Stückes zu leisten, dadurch kaschiert, dass er etwas völlig Unsinniges inszeniert, im Wissen, dass es ihm ja ohnehin niemand nachweisen kann. Und günstigstenfalls wird er dadurch sogar noch bekannt!


Zitat

... aber da steckt mehr drin, in den Meistersingern ...

Fein, dass du das realisiert hast. Aber das sollte sich in deinem Kopf abspielen. Auf der Bühne braucht nur die eigentliche Geschichte ablaufen, je besser desto lieber. Aber was darüber hinaus noch drin ist, das zu erkennen und zu erfahren ist ja der eigentliche Reiz der Oper, weil die vielen zusammenspielenden Sinneseindrücke mehr ergeben als die Summe der Einzelteile. Und das Letzte was ich dabei brauche, ist ein Regisseur, der mir dabei Nachhilfeunterricht gibt und glaubt, mir seine Erkenntnisse vorkauen zu müssen.



Zitat

Die Prügelei im zweiten Akt kommt richtig harmlos daher, da erwarte ich eingentlich eherlich gesagt verstörende Brutalität, ds paßt dann zum Wahn-Momolog im dritten akt und ist eine Notwendige Auseinandersetzung mit der offiziellen oper der Reichsparteitage.

Wenn du das so siehst, will ich grundsätzlich nicht dagegen diskutieren, es mag aus deiner Sicht eine legitime Frage sein, für Deutschland!
Auf der anderen Seite finde ich es ausgesprochen anmaßend von dir, dass du von den Amerikanern in ihrem Opernhaus verlangst, deutsche Vergangenheitsbewältigung zu inszenieren. Weißt du eigentlich, was du da verlangst? Den Amis ist der Reichsparteitag ziemlich schnuppe, eine Verbindung zwischen Meistersinger und dem dritten reich wird 99% drüben unbekannt sein, und die sollen sich das anschauen?



Zitat

... aber eine reine Umsetzung der Regieanweisung wagners ist mir nicht genug.

Du weichst nur aus. Ich nehme einmal an, du verlangst von den Musikern die reine Umsetzung der Partitur, mir ist keine Neufassung des Textes zu Wagners Werken von dir bekannt, aber seine Regieanweisungen sind dir nicht genug? Ich möchte dich dabei sehen, wie du das Wagner ins Gesicht sagst! :D
Was du da so sallopp von dir gibst, ist nichts anderes, als die Missachtung des Wagnerschen Werkes, du nimmst es nicht ernst. Gerade bei Wagners Gesamtkonzeption von Bühnenwerken kannst du die einzelnen Komponenten nicht auseinanderdividieren, ohne dass das Werk schaden erleidet. Du kannst nicht sagen, "Tolle Musik, schleißiger Text, Regieanweisungen zum Kotzen". Entweder du nimmst ihn, wie er ist, oder du vergehst dich an ihm.



Zitat

Wie ich schon an anderem Ort sagte: Im Ring des nibelungen geht es ja auch nicht um Wotan und andere abgwrackte Götter, sondern sie sind ein Bild für eine Gesellschaftsrevolution im Neunzehnten Jahrhundert, und das setzt Chereaus "moderne" Bayreuther Inszenierung genial um. Ich will keinen Wotan im Bärenfell sehen, so wie es Wagner schon bei der uraufführung AUCH NICHT GEFALLEN hat!

Das ist Unsinn. Wagners Konzeption ist so allgemeingültig, dass du aus ihr ein Bild jeglicher gesellschaftlichen Änderung in den letzten 5000 Jahre machen kannst. Das war ja auch der Grund, warum er bewusst in eine archaische Zeit verlegt wurde. Chereaus Konzept des 19.Jahrhunderts ist bei genauer Betrachtung nicht stichhaltig und spießt sich in vielen Details mit der Partitur, kommt dem Stück aber nicht wirklich in die Quere, und die vielen Vorzüge kommen letztendlich voll zum Tragen (es hat aber auch 5 Jahre gebraucht, bis das Ergebnis stand, das wir alle kennen; es soll anfangs viel schlechter gewesen sein).

Ciao

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GiselherHH

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46

Dienstag, 8. März 2005, 19:22

Hallo, Theophilus!

Zitat

Original von TheophilusUnd ich verstehe auch nicht, warum ihr so auf der Bedeutung des Bühnenbilds herumreitet. Es ist das letzte Glied in der Kette einer Opernaufführung. Zuerst kommt die Musik, dann der Gesang, dann die Aktion und am Ende erst das Bühnenbild. Es gibt lediglich den Rahmen ab, innerhalb dessen die Handlung abläuft. Daher ist es kein großes Problem, eine Inszenierung z:B. auf ein Minimum zu reduzieren, innerhalb dessen die Handlung plausibel erzählt werden kann.


Das ist genau die Art von Opernauffassung, die Wagner zeitlebens bekämpft hat - in "Oper und Drama" schreibt Wagner von der "Vernichtung der Oper" im konventionellen Sinne, damit auf deren Trümmern sein "Musikdrama" entstehen könne. Und wie der Begriff schon andeutet, stellen für Wagner "Musik" und "Drama" (Schauspiel) gleich wichtige Bestandteile dar (deswegen fiel es ihm ja auch so schwer, gleichermaßen musikalisch wie schauspielerisch begabte Sänger zu finden, die seinen hohen Ansprüchen genügten). Deswegen gilt für Wagner eben nicht "prima la musica..."

Zitat

Ob es in diesem Fall um Opern-Routine handelt, kann ich nicht beurteilen, durchgehen lassen darf man Opern-Routine nie!!! Nicht bei Wagner, nicht bei Verdi und nicht einmal bei Donizetti! "Donizetti? - Zweitklassiger Komponist, mach ma mal jetzt die dazu passende zweitklassige Inszenierung!" So geht es nun wirklich nicht, und ebensowenig sollen Sänger in Kulissen arrangiert werden, nicht bei Wagner, nicht bei Verdi und du weisst schon, wo auch sonst nicht. Und wenn du jetzt suggerieren wolltest, dass Otto Schenk Sänger einfach auf der Bühne drapiert, dann kaufe ich dir das nicht ab, das gibt es bei ihm nicht!


Im Prinzip gebe ich Dir Recht: langweilige Routine sollte es eigentlich nicht geben. Leider kommt es an allen Opernhäusern aber immer wieder zu sich mühsam dahinschleppenden Repertoirevorstellungen, zumal dann, wenn die Inszenierung 30 Jahre alt ist und nur noch mühsam vom Abendspielleiter zusammengehalten wird, falls dessen Anweisungen von den anreisenden "Gaststars" überhaupt beachtet werden und die nicht sowieso ihr eigenes "Ding" durchziehen, auch wenn das den ursprünglichen Intentionen des Regisseurs zuwiderlaufen sollte. Dazu noch ein lustlos herumstehender Chor und ein überforderter Kapellmeister aus der dritten bis vierten Reihe - schon haben wir einen unsäglich langweiligen Opernabend.

Über die dramatischen Qualitäten einer durchschnittlichen Donizetti-Oper will ich mich hier nicht auslassen :D, deswegen nehme ich mal den "Barbier von Sevilla" von Rossini, ein tolles Stück, schwungvoll, leicht, mit Verve zu inszenieren, so wie ich es vor ein paar Wochen in einer Übertragung auf ARTE gesehen habe (mit Florez als Almaviva).
Verglichen mit den Meistersingern ist das relativ leicht auf die Bühne zu bringen: man braucht nur einen guten Regiehandwerker, der etwas vom richtigen Timing der Bühnenauftritte versteht und Solisten, die südlichen Witz und Charme versprühen und gern auch mal etwas chargieren. Dann funktioniert das Stück!

Aber daran hängen eben nicht solche Gewichte wie an den "Meistersingern": Wagners Idealstaat einer herrschaftslosen Kunst-Republik, sein eigenes Doppel-Portrait als junger (Stolzing) und "altersweiser" (Sachs) Künstler inklusiver Verarbeitung seiner "Wesendonck"-Affäre ("Tristan"-Motiv), herbeigeträumter Gründungsmythos des Bürgertums, die Inszenierungsgeschichte als "Nationaloper" und ihr Ge- bzw. Mißbrauch im Nationalsozialismus usw.
Über all das und noch viel mehr sollte sich ein Regisseur seine Gedanken gemacht haben und das sollte auch in seiner Regie zu sehen sein. Bei Herrn Schenk ist davon jedenfalls nichts zu merken, er bleibt bequem an der gemütlichen Oberfläche der Regieanweisungen und überläßt es den einzelnen Sängern, ob sie etwas aus ihren Rollen machen oder nicht. Und das führt eben z.B. bei einem unterdurchschnittlichen Darsteller wie James Morris zu hilflosem Rückgriff auf Standardgesten, ganz besonders schmerzlich zu sehen in der Szene des 2. Aktes mit der so großartig agierenden Frau Mattila. Da kommt nichts von der eigentlich innigen Beziehung Sachs-Eva rüber und das ist für mich ein schwer zu verkraftender Ausfall. Gerade hier hätte es der streng führenden Hand eines wirklichen Meisters der Personenregie bedurft. Und das ist Schenk zumindest bei Wagner nicht (als weiterer Beweis ließe sich noch der statuarisch hingeklotzte "MET"-Ring anführen, wo die Sänger zudem in lächerliche und dabei noch häßliche Kostüme gezwängt werden (Christa Ludwig mit widdergehörntem Helmchen!)).

Grüße

GiselherHH
"Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

Rienzi

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47

Dienstag, 8. März 2005, 20:21

Die Meistersinger von Tamino

Halt! Meister! Nicht so geeilt!
Nicht jeder Eure Meinung teilt. -
Wollt Ihr nach Regeln messen,
was nicht Eurer Regeln Lauf,
.....
Ich weiß, es paßt zwar nicht wirklich, ist aber aus den Meistersingern.
Für mich muß es Platz dafür geben, daß Neu und Alt einem gefallen können.
Beispiel: In der Wiener Volksoper gibt es die moderne Mielitz-Inszenierung, in der Staatsoper die Schenk-Inszenierung. Beides gesehen, beides gefällt.
Müßte ich mich entscheiden, dann eher für die Nürnberger Fremdenverkehrsvariante. Ein Grund dafür ist, daß ich diese Stadt sehr mag.
Völlig d'accord mit der Cheraux-Inszenierung bin ich beim "Ring", den ich als Parabel auf die wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Revolutionen des 19. Jahrhunderts sehe.
Über die Verwirklichung der "herrschaftslosen Kunstrepublik" können wir auch trefflich philosophieren. Pogner wird als sehr reich und kunstliebend gesehen, andere der Meistersinger kommen eher in den Geruch der Beschränktheit.
Bei den Figuren Sachs und Walter sieht sich Wagner wohl in beiden verwirklicht. Der junge Draufgänger (hat nicht nur Eva, sondern wohl auch das Erbe im Kopf), der weise, über allem stehende Schiedsrichter Hans Sachs mit der großen Beliebtheit bei alt und jung (woher?).
Stören tut eigentlich nur der Gebildete (Walter, Sachs und Wagner können das nicht so ganz von sich behaupten).
Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
(aus "Sprechen Sie Fußball?")

Theophilus

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48

Mittwoch, 9. März 2005, 00:20

Hallo Giselher

Zitat

Das ist genau die Art von Opernauffassung, die Wagner zeitlebens bekämpft hat - in "Oper und Drama" schreibt Wagner von der "Vernichtung der Oper" im konventionellen Sinne, damit auf deren Trümmern sein "Musikdrama" entstehen könne. Und wie der Begriff schon andeutet, stellen für Wagner "Musik" und "Drama" (Schauspiel) gleich wichtige Bestandteile dar (deswegen fiel es ihm ja auch so schwer, gleichermaßen musikalisch wie schauspielerisch begabte Sänger zu finden, die seinen hohen Ansprüchen genügten). Deswegen gilt für Wagner eben nicht "prima la musica..."


Natürlich gilt es auch bei ihm, ja wahrscheinlich noch mehr als bei jedem anderen. Aber um Missverständnissen vorzubeugen, und damit es auch jeder versteht:

1. Die Partitur ist die Grundlage jeder Aufführung. Gerade bei Wagner gilt: was nicht in der Partitur ist, ist nicht im Stück. Folgerichtig könnte man schon aus dieser These heraus den größten Teil der Genieblitze moderner Regisseure zum Teutates oder sonst wohin schicken (aber wer will den schon sooo konsequent sein...).

2. Der Gesang folgt der Linie der Musik. Das heisst n i c h t , dass er weniger wichtig ist, sondern nur, dass er sich nicht verselbständigen darf. Auf der Bühne sollte nicht heitere Stimmung herrschen, während aus dem Orchestergraben der Trauermarsch ertönt und ähnliches mehr. So trivial Regel 2 erscheint, so häufig wird sie vom Regietheater missachtet, weil dem Regisseur zu einer Szene irgendeine neue Deutung einfällt, die die Stimmung verändert. Dem Sänger kann er vorschreiben, wie er sie neu singen soll, dem Dirigenten kann er es nicht, so dass man immer wieder seltsame Diskrepanzen vernimmt.

3. Die Aktion des Sängers folgt seinem Gesang. Singen und Handeln bilden eine Einheit, und da Gesang und Musik bereits eine Einheit bilden (sollten), entspricht die Handlung auch der Musik. Das heißt n i c h t, dass das Agieren weniger wichtig, sondern .... siehe 2.
Punkt drei einzuhalten scheint bei manchen Regisseuren schon den Rang einer Todsünde erklommen zu haben, denn sonst kann ich mir das häufige Agieren gegen den gesungenen Text einfach nicht erklären.

4. Das Bühnenbild (inklusive Kostüme) ist der Rahmen der Handlung, gemäß den Vorgaben des Textbuches. Es sollte den plausiblen Ablauf der Handlung ermöglichen und darf ihr n i e in die Quere kommen! Das heißt n i c h t , dass es weniger wichtig ist, aber es muss sich den drei Vorbedingungen unterordnen und sie nicht konterkarieren.
Punkt vier hat insoferne eine Sonderstellung, als ihm eine wesentlich größere Bandbreite offen steht als den ersten drei Punkten. Die Anweisungen bezüglich des Bühnenbildes sind meist auf die wichtigsten Punkte beschränkt und geben im Allgemeinen dem Leading Team unendliche Freiheiten der Realisierung. Von minimalistisch bis zur großen Ausstattungsoper ist prinzipiell alles möglich. Die Argumentation, dass bei Befolgung des Textbuches sozusagen zwangsläufig immer wieder die gleiche Vorstellung herauskommt, ist absolut lächerlich. Es ist lediglich viel einfacher, ein völlig anderes Stück zu inszenieren, als sich im vorgegebenen Rahmen zu bewegen, und dennoch so viel Einfallsreichtum zu beweisen, dass ein unterhaltsames und spannendes Ergebnis herausschaut.
Punkt vier zu negieren scheint mancherorts conditio sine qua non zu sein. Und da der Regisseur, der wiederum oft nichts von Musik zu verstehen scheint, die Handlung seiner Akteure dem aus der Reihe tanzenden Bühnenbild anpasst, erleben wir immer wieder Inszenierungen, wo zwischen dem was wir hören und dem was wir sehen erschreckend wenig Übereinstimmung herrscht.


Abgesehen davon solltest du nicht zuviel Wagner zitieren. Wagner in seinen Schriften und Wagner in seinen Werken sind durchaus zwei Paar Schuhe. Aber wenn wir gerade dabei sind, du kommst mir jetzt argumentativ mit Wagners eigenen Thesen. Auf der anderen Seite bekennst du, den Stuttgarter Siegfried zu lieben, eine Inszenierung, in der Wagners Geist phasenweise mit Füßen getreten wird und in dem das Schlimmste passiert, das man mit einem Kunstwerk machen kann - dass man es der Lächerlichkeit preisgibt.

Wie also hältst du es mit Wagner, o Giselher?



Zitat

Leider kommt es an allen Opernhäusern aber immer wieder zu sich mühsam dahinschleppenden Repertoirevorstellungen, zumal dann, wenn die Inszenierung 30 Jahre alt ist und nur noch mühsam vom Abendspielleiter zusammengehalten wird, falls dessen Anweisungen von den anreisenden "Gaststars" überhaupt beachtet werden und die nicht sowieso ihr eigenes "Ding" durchziehen, auch wenn das den ursprünglichen Intentionen des Regisseurs zuwiderlaufen sollte. Dazu noch ein lustlos herumstehender Chor und ein überforderter Kapellmeister aus der dritten bis vierten Reihe - schon haben wir einen unsäglich langweiligen Opernabend


Das klingt wie vieles von dir im ersten Moment recht plausibel, aber bei genauerem Hinsehen meine ich, dass es nur eine Auifzählung von Klischees und Unwahrheiten ist.
Repertoirevorstellungen, die sehr lange am Spielplan stehen, laufen natürlich Gefahr, einer gewissen Routine zu unterliegen. Das mit den 30 Jahre alten Inszenierungen ist etwas schwierig, die sind aber wohl nicht represäntativ, oder? ;) Ich selbst habe nur drei so alte Inszenierungen gesehen: Pique Dame (1949!) und Boris Godunow (ca. 1960) als Bolschoi-Gastspiel, sowie Ariadne auf Naxos in der WSO (1974, damals auch verfilmt). Eine schöner und prachtvoller als die andere!
Das mit den gastierenden Stars ist wieder ein anderes Problem. Es ist aber auch ein Zeichen des Könnens eines Regisseurs, wenn die Inszenierung praktikabel ist und ein Ersatz sich relativ leicht einfügt. Regisseure, die Inszenierungen erabeiten, die praktisch nur mit dem geprobten Team realisierbar sind, sollten zum Film gehen. Im Opernalltag ist so etwas problematisch.
Aber in dreißig Jahren Opernbesuche habe ich nie einen gelangweilt herumstehenden Chor gesehen und nie einen wirklich überforderten Kapellmeister erlebt (wie auch, 'Anfänger' bekommen ohnehin nur relativ einfache Stücke, die ein gestandenes Opernorchester notfalls auch mit dem Konzertmeister durchziehen kann). Es gab bessere Vorstellungen und es gab weniger gute, aber immer haben alle Beteiligten ehrlich versucht, eine gute Show abzuliefern. Im Gegenteil, oft haben die letzten Vorstellungen eines Stückes ihren eigenen Reiz, da es da oft Neubesetzungen z.B. mit jungen Kräften gibt, die etwas frischen Wind hineinbringen, oder aber die eingespielten Sänger fangen ein wenig zu improvisieren an, schließlich darf man nicht vergessen, dass in jeder Vorstellung etwas anderes schief geht. Das Schlimmste, was ich erlebt habe, war eine Martha als veritable Stehparty, deren Unbeholfenheit schon etwas Rührendes hatte, sowie eine Tosca, die dermaßen daneben ging, dass sie vom Publikum massiv boykottiert wurde und vorzeitig vom Spielplan musste. Aber in keinem Fall war es die Schuld der Ausführenden.



Zitat

Aber daran hängen eben nicht solche Gewichte wie an den "Meistersingern": Wagners Idealstaat einer herrschaftslosen Kunst-Republik, sein eigenes Doppel-Portrait als junger (Stolzing) und "altersweiser" (Sachs) Künstler inklusiver Verarbeitung seiner "Wesendonck"-Affäre ("Tristan"-Motiv), herbeigeträumter Gründungsmythos des Bürgertums, die Inszenierungsgeschichte als "Nationaloper" und ihr Ge- bzw. Mißbrauch im Nationalsozialismus usw.

Das ist doch lächerlich! Dein enzyklopädisches Wissen über die Zusammenhänge in den Meistersingern ehrt dich, bei jedem Satz der gesungen wird, laufen in deinem Kopf 25 Assoziationen ab, die deinen Genuss an der Sache noch erhöhen, wieso musst du dir das auch noch optisch vorkauen lassen? Noch dazu, wo es sowieso nicht sinnvoll möglich ist. Wollte ein Regisseur alles das in eine Inszenierung packen, würde das Ergebnis entweder unsäglich komisch oder erschreckend langweilig, auf jeden Fall aber müsste der Großteil der potentiellen Opernbesucher zuvor einen dreiwöchigen Abendkurs an der Volkshochschule besuchen ("Leitfaden zur Interpretation schwer verständlicher Operninszenierungen").



Zitat

Gerade hier hätte es der streng führenden Hand eines wirklichen Meisters der Personenregie bedurft. Und das ist Schenk zumindest bei Wagner nicht

Das ist jetzt schon fast eine böswillige Unterstellung. Otto Schenk hat die Inszenierung vor mehr als zehn Jahren gemacht, mit Donald Mclntyre, Francisco Araiza, Karita Mattila, Hermann Prey und Jan-Hendrik Rootering (und es gibt ein Interview mit Araiza, indem er von der Arbeit mit Schenk schwärmt). Mach ihn nicht für James Morris' wenig überzeugende schauspielerische Leistung verantwortlich. Möglicherweise leidet gerade diese Inszenierung an dem von dir beschriebenen Alterungssyndrom.
Ich habe vor Kurzem nach dem Desaster von Stuttgart in die Siegfriede von Kupfer und Schenk hineingeschaut, beide vergleichsweise ein Wunder an Regiekunst. Der erste Akt bei Schenk ist von der Personenregie wunderbar gelungen, noch dazu wo Siegfried Jerusalem nicht unbedingt für sein darstellerisches Talent berühmt ist. Und denke an die kleine Szene Alberich-Mime vor der Drachenhöhle, ein echtes Kabinettstück. Weiters das schon fast als genial zu bezeichnende Minidrama, wenn Mime Siegfried nach dem Kampf töten will - Heinz Zednik anbetungswürdig, d a s ist Oper in höchster Vollendung.
Was dir an Otto Schenk im Vergleich zu Chereau und Kupfer möglicherweise abgeht, ist, dass er nicht ständig Wagner verbessert. Beide Herren glauben ständig nette Einfälle präsentieren zu müssen, glücklicherweise zumeist passende, aber dennoch entsteht eine Art optischer Reizüberflutung, die nicht wirklich notwendig wäre (oder vielleicht doch?! können wir heute ohne diese Zusatzreize nicht mehr auskommen?). Schenk ist da wesentlich ökonomischer und vertraut mehr auf die Wirkung des vorhandenen. Daher sagt meines Erachtens eine derartige Kritik mehr über die objektiv nicht richtige Erwartungshaltung des Kritikers aus als über Otto Schenks Regiekunst.

Noch ein Wort zum MET-Ring. Niemand verlangt von dir, dass er dir gefalle. Aber er ist der einzige, der ehrlich versucht, Wagners Vision in einem ursprünglichen Sinn auf die Bühne zu bringen. Da nicht zu erwarten ist, das wir ähnliches je wiedersehen, wird er wahrscheinlich als eine Art Urmass bestehen bleiben. Und ich träume davon, dass dabei ein Mann vom Kaliber Karl Böhms am Pult gestanden hätte...


Ufff

Ciao

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Mittwoch, 9. März 2005, 12:31

Lieber Theophilus,

woher nimmst Du denn die geradezu methaphysische Gewißheit, mit der Du hier scheinbar eherne Theater- und Aufführungsregeln postulierst? Das, was Du hier anführst, mag Deine Theaterauffassung sein bzw. die des ausgehenden 19. Jahrhunderts, sie ist deswegen aber keineswegs heute mehr verbindlich. Wenn Musik, Gesang und Aktion bei Wagner in eins fallen würden, wäre beispielsweise die "Kommentarfunktion" des Orchesters hinsichtlich der sogenannten "Leitmotive" gar nicht möglich, denn erst diese erhellen das scheinbar eindeutige Bühnengeschehen und weisen erst auf die wahren Motive der Personen hin (das Nicht-Synchrone-Inszenieren wurde seinerzeit ja auch schon Wieland Wagner vorgeworfen - heute werden seine Inszenierungen von der "Werktreue"-Fraktion als leuchtende Beispiele vorbildlichen Musiktheaters genannt).

Als Beispiel die von Dir angeführte Szene vor Erschlagung Mimes. Hier wäre es nun absolut falsch, wenn der Mime-Sänger sofort abgefeimt die Hände ringend Siegfried heimtückisch umtänzeln würde. Im Gegenteil, er muß erst zurückhaltend-einschmeichelnd spielen, er will Siegfried ja in Sicherheit wiegen, um ihm so den tödlichen Trank einflößen zu können. Denn "normalerweise" würde Siegfried das alte einschmeichelnde "Starenlied" hören, wenn er nicht vom Drachenblut gekostet hätte und so, vom Waldvogel gewarnt, durch den Schleier der Lügen die wahren Absichten seines Ziehvaters erkennen könnte. Also: Orchester spielt "einschmeichelnde" Mime-Litanei, Mime-Sänger singt "wahre Tötungs-Absichten" und spielt aber gleichzeitig den "Einschmeichler" - also eine von Wagner selbst so konzipierte Diskrepanz zwischen Musik, Gesang und gestischer Handlung auf der Bühne.

Im übrigen gebe ich Dir recht, daß der Siegfried bei Schenk noch einer der relativ gelungendsten Ring-Abende ist - was aber wohl eher am genialischen Zednik (der das auch schon bei Chereau toll gemacht hat) und dem auch nicht ganz so schlechten Darstellungstalent Jerusalems liegt. Ansonsten erinnere ich mich nur noch an dieses lächerlicheTentakel-Monster, das wohl Fafner darstellen sollte. Wie ich höre, hat die MET das Vieh durch etwas Passenderes ersetzt. Und wenn ich dann noch an die schauspielerischen "Leistungen" des pelzbesetzten Gary Lakes und der matronenhaften Jessye Norman denke... Aber das Faß mach ich jetzt nicht auch noch auf! :stumm: :D Ich bin jedenfalls froh, daß der Otti (den ich als Schauspieler und Autor durchaus schätze) als Opernregisseur mittlerweile Pensionist ist.

Für mich sind jedenfalls Szenenanweisungen hauptsächlich theaterpraktische Hinweise, die mit zeitlichem Abstand zur Uraufführung ebenso schnell veralten und daher keinesfalls sakrosankt sind (dabei wäre noch zu fragen, welche Szenenanweisungen Wagners denn verbindlich sein sollen - die in der Partitur vermerkten oder die wesentlich ausführlicheren in den reinen Textausgaben der Werke?).

Wenn Du schon meine Anmerkungen bezüglich des Stuttgarter "Siegfried" aus dem Wagner-Forum gelesen hast, dann solltest Du sie auch richtig zitieren. Ich habe nie behauptet, den Wieler-"Siegfried" zu "lieben" (den Terminus möchte ich für mich auf reale Personen beschränkt wissen), sondern ich fand ihn handwerklich sehr bzw. recht gelungen (musikalisch war es schon weniger gut) und stellte abschließend fest, daß ich, verglichen mit den für mich eher enttäuschenden beiden ersten Ring-Abenden aus Stuttgart, mit diesem "Siegfried" zufrieden war. Ich kann wirklich keine Zuwiderhandlungen gegen den Geist Wagners erkennen (außer wenn man sich an der Oberfläche nicht buchstabengetreuer Bühnenbilder aufhält). Im Gegenteil: was Wieler hier aus den Sängern herausgeholt hat (gerade beim sonst sehr unbeholfenen und tapsigen West), ist bemerkenswert und die Charakterzeichnung entspricht immer der von Wagner intendierten. Aber es ist halt eine sehr ehrliche Inszenierung ohne falsche Tabus und das verstört sicher manchen, für den gewisse Dinge aus "Anstandsgründen" nicht auf die Bühne gehören.

Falls Du in 30 Jahren Opernbesuch nie eine schlechte Aufführung gesehen hast, kann man Dir ja nur zu Deinem Glück gratulieren. Ich jedenfalls kann das, bei halb soviel Jahren als Zuschauer, von mir nicht behaupten. In dieser Hinsicht unvergeßlich bleibt mir eine "Trovatore"-Aufführung an der Hamburgischen Staatsoper, in der wirklich vieles danebenging. Da war der ostentativ lustlos auf- und abtretende Chor (mehrere männliche "Zigeuner" glänzten im wahrsten Sinne des Wortes mit ihren im Scheinwerferlicht blinkenden Fielmann-Brillen) und das wirklich sinnlose "Bühnenbild", bestehend aus einem Rundhorizont mit Projektionen und drei Holzhaufen, die im Laufe des Abend unterschiedlich angeordnet wurden. Kein sog. "Regietheater", sondern historisch-konventionell (Kettenhemden, Schwerter, Rüstungen, Helme etc.)! Von den anreisenden Gaststars wurde mehr oder minder munteres Rampengesinge geboten. Unvergessen eine Szene, die ich von meinem Platz im Parkett gut beobachten konnte. Der Dirigent des Abend, Michael Halasz (kein großer Dirigent, aber doch ein recht kompetenter Kapellmeister), versuchte mit wechselndem Erfolg, Sänger und Orchester auf ein gemeinsames Tempo einzuschwören. Als die Leonora des Abend, Olga Romanko, am Bühnenrand die Hände rang, blickte Halasz nach oben und gab ihr heftig gestikulierend zu verstehen, daß sie nicht so schleppen solle. Doch in gewohnter Diven-Manier zog Frau Romanko ihren Stiefel durch und so blieb Herrn Halasz nichts anderes übrig, als sich kopfschüttelnd in die Rolle des Taktschlägers zu fügen.

Noch eine Bemerkung zur "Meistersinger"-DVD. Sicher, es ist kein Premieren-Mitschnitt, sondern die kommerzielle Verwertung eines PBS-Mitschnittes mehr als 10 Jahre danach. Dennoch hätte ich mich als Regisseur trotz Ruhestand nochmal daran gemacht, das Ganze fernsehgerecht zu überarbeiten und schwache Darsteller wie Morris an ihre Grenzen bzw. darüber hinaus zu führen. Offensichtlich hat Herr Schenk an so etwas kein Interesse, denn sonst hätte er darauf bestanden, auf der DVD den Zusatz "nach einer Inszenierung von Otto Schenk" hinzuzufügen.

Grüße

GiselherHH
"Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

Theophilus

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Dienstag, 15. März 2005, 02:23

W. A. Mozart
Così fan tutte
John Eliot Gardiner



Aufzeichnung einer Aufführung im Théatre du Châtelet im Herzen von Paris. Gardiner wurde für diese Inszenierung auch die Regie angeboten, und er hat zugegriffen, und war auch für die Besetzung verantwortlich. Im Begleitheft meint er, besonders bei der Così sei es ihm sehr wichtig, nicht mundtot im Orchestergraben sitzen und zusehen zu müssen, wie der Regisseur das Stück vermurkst.

Wie man jetzt schon erwarten kann, erfüllt die Personalunion einige wichtige Forderungen für eine erfolgreiche Opernaufführung:

1. Der Dirigent ist der Chef im Ring. Das Dirigat ist zügig, straff, federnd und schlank, doch davon später mehr.

2. Der Regisseur Gardiner pfuscht dem Dirigenten Gardiner nicht ins Handwerk. Die Sänger können immer ungehindert der orchestralen Linie folgen, und tun dies mit Einsatz und Freude.

3. Die Besetzung ist gut und Ausgewogen, gesungen wird auf einem recht guten Niveau (kann aber legendäre Besetzungen der Vergangenheit nicht ins Vergessen stürzen). Die schauspielerischen Leistungen sind sehr gut, es wird keine echte Buffa gegeben, sondern das Stück durchaus ernst genommen, so dass auch sparsam und "schlank" agiert wird, aber dennoch ist die Aufführung sehr unterhaltend.

4. Gardiner hat einen Ausstatter gefunden, der es nicht unter seiner persönlichen Würde fand, ein passendes und optisch oft sogar schönes Bühnenbild zu entwerfen. Auch die Kostüme fügen sich perfekt in die Inszenierung ein.


Vier Punkte, die zu einem ungemein erfreulichen Opernabend führen (wieso kommt mir das so bekannt vor? Ich kann es im Moment aber nicht einordnen.....).

Wer also nach einer DVD-Aufnahme von Così fan tutte von Mozart und nicht nach Mozart sucht, kann hier bedenkenlos zugreifen!


Nach den Lobpreisungen noch ein wenig Kritik, denn wir wollen ja noch Raum für bessere Aufnahmen lassen. Sie richtet sich in erster Linie gegen das Dirigat. Gardiner ist recht flott unterwegs, erzeugt einen sehr schlanken Orchesterton und scheut das Rubato wie der Teufel das Weihwasser. Zusammen mit den schlanken Stimmen ergibt dies eine Aufführung, der es gegenüber berühmten Beispielen aus der Vergangenheit etwas Substanz aber vor allem Sinnlichkeit fehlt.

Musikalisch beginnt der Abend etwas ungewohnt. Die Sinfonia kommt ungemein angespannt daher, man beginnt sich schon etwas unrund zu fühlen, merkt aber an der ersten Szene, dass dies wohl beabsichtigt war, denn wir erleben eine veritable Streiterei zwischen den drei männlichen Hauptdarstellern. Es ist also nicht die Stammtischplauderei, oder von mir aus eine weinselige Laune, aus der heraus die Geschichte entsteht, sondern die Herren wollen einander etwas auf die harte Tour beweisen. Diese Spannung bleibt bis zur ersten Szene Dorabella/Fiordiligi, wo sie verswchwindet und nicht wiederkehrt. Je länger der Abend, desto entspannter wird musiziert. Es ist so, als würde Mozarts Geist die Musiker bezwingen, im zweiten Akt passiert es gar, das Gardiner bei der Begleitung der Sänger durchaus zu variablen Tempi fähig wird!

Eine Besonderheit der Inszenierung ist erwähnenswert und durchaus diskussionswürdig. Ferrando und Guglielmo sind in den beiden ersten Szenen identisch gekleidet und nicht unterscheidbar. Das ändert sich erst, wenn sie als ausländische Freier auftreten. Fiordiligi und Dorabella wiederum sind Zwillinge, die anfangs ebenso identisch gekleidet sind und damit nicht unterscheidbar sind. Sie werden im Laufe des Stücks sukzessive unterscheidbarer, immer mehr zu individuellen Persönlichkeiten. Das ist zwar interessant, aber in meinen Augen eher verwirrend, da das Bäumchen-Wechsle-Dich-Spiel optisch überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Ausserdem habe ich den ersten Eindruck, dass dies die gesamte Verantwortung für das folgende Geschehen den Schwestern aufbürdet, was man so sehen kann, aber nicht muss.

Summa summarum ein kleines, feines Mozart-Fest.

Ciao

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51

Dienstag, 15. März 2005, 22:40

z.Zt. im Player:



J.S. Bach

Toccata & Fuge BWV 565
Toccata,Adagio & Fuge BWV 564
Fantasie & Fuge BWV 542
Präludium & Fuge BWV 543
Kantaten BWV 603,605,614,618,622
+The Magic Of Slovak Caves (Bildimpressionen)
Miklos Spanyi,Orgel (62 Min.) Sound:DSS 5.1 Bild:4:3

DVD-Video 5,99
richtig gelesen, für den Preis kann grossartiges nicht gefordert werden.

Grüsse
reklov29
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

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52

Freitag, 18. März 2005, 21:43

RE: Was höre und sehe ich zur Zeit an DVD

Der Passionszeit entsprechend wieder einmal im Player:



Johannes-Passion BWV 245,
Leitung Masaaki Suzuki,
Blaze, Türk, MacLeod, Urano, Collegium Japan,
Bach at the Suntory Hall in Tokyo
aufgenommen in 2000.

Wie bereits in dem Thread Johannespassion erwähnt, wirkt die Aufnahme aus der riesigen Konzerthalle
in Tokyo nicht zu Herze gehend für dieses grossartige Werk von J.S. Bach.
Die Bemühung Masaaki Suzuki, dieses Werk in Japan aufzuführen ist zwar rührenswert, doch sollte
bei der Auswahl der Gesangssolisten, Chor und der Instrumentierung ein gewisses Niveau eingehalten
werden.
Bewunderswert für Fernost, der Zulauf zu diesem Konzert, eine ausverkaufte Halle und ein frenetischer
Beifall zum Schluss.
Der Bekanntheitsgrad von J.S. Bach und seinen Werken hat in den letzten 20-30 Jahren in Japan einen
ungheuren Aufschwung genommen, umsomehr wäre es zu begrüssen, wenn einmal mehr westliche
Musikvereinigungen diese Werke dem Publikum mit unserem Standard gemessen, dort aufführen
würden.

Diese DVD muss man nicht unbedingt besitzen aus o.a. Argumenten....

Grüsse
reklov29
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Zitat: J.E.G.

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53

Samstag, 19. März 2005, 21:21

RE: Was höre und sehe ich zur Zeit an DVD

Hallo,

z.Zt. sehe und höre ich:



Ludwig van Beethoven:
Klaviersonate Nr. 29 "Hammerklavier" +Rondo op. 51, 2
+Werksdiskussion der Hammerklaviersonate
Wilhelm Kempff

solo ohne Orchester
eine ungewöhnliche DVD zu einem stolzen Preis von 42,99 Teuro (In Alfreds Sprachangabe)

später mehr, erst einmal hören und ansehen.....


Grüsse
reklov29
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Zitat: J.E.G.

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54

Samstag, 19. März 2005, 22:08

Sir Thomas Beecham
Maestro Tempestoso

CD1:
Ouvertüren von Weber, Wagner, Brahms
Peer Gynt Suite


Ciao

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Freitag, 25. März 2005, 15:34

RE: Was höre und sehe ich zur Zeit an DVD

Zur Zeit sehe und höre ich entsprechend zur Passionszeit am Karfreitag:

Aufnahme aus der Klosterkirche Alpirsbach/Schwarzwald



J.S. Bach Matthäus-Passion,
Bach-Collegium München
Neubeurer Chorgemeinschaft
Tölzer Knabenchor

hervorzuheben folgende Gesangssolisten:
Margaret Marshall (Sopran)
Jard van Nes (Alt)
Cllaes Häkon Ahnsjo (Tenor, Evangelist)
Anton Schäringer (Bass)
Hermann Prey (Bariton, Jesus) 1998 +

Leitung: Enoch zu Guttenberg
Aufnahme von 1990 als DVD



Der Leiter: Enoch zu Guttenberg:
studierte Komposition und Dirigieren in München und Salzburg. 1967 gründete er die Chorgemeinschaft Neubeuern/Bayern und führte sie innerhalb weniger Jahre zu internationaler Anerkennung.
Sie steht in der mehr als hundertjährigen Musiktradition des oberbayerischen Dorfes Neubeuern, aus dem die meisten Mitwirkenden stammen. Diese von ganzen Familien getragene Musikalität lebt in Gesangs- und Volksmusikensembles innerhalb des Chores fort; sie ist Grundlage für Neubeuerns unverwechselbaren Stil.

1997 wurde Guttenberg Mitbegründer des Orchesters der "KlangVerwaltung München", der Beginn
einer höchst produktiven Zusammenarbeit mit dem Ziel, ein stilistisch orientiertes Orchester
zu etablieren.
Guttenberg gilt als herausragender Interpret der großen Oratorienwerke zwischen Barock und
Romantik.
Sein ebenso eigenwilliger wie eingenständiger Stil verbindet Elemente der historischen Aufführungs-
praxis mit modernem und vitalen Ausdruck.


In dieser DVD-Aufnahme wird die von Bach gleichzeitig aufführungstechnischen Möglich-
keiten verwirklicht, die musikalische Konzeption der Passion: zwei Chöre, zwei Orchester und zwei
Orgeln zu nutzen.
Diese Doppelchörigkeit ist ein dramaturgisches Prinzip, das allerdings schon in der Textvorlage ange-
legt ist.
Die Dialogstruktur des Textes zwischen "Tochter Zion" (dem Symbol der christliche Kirche) und den
"Gläubigen" wird durch den Chor I und Chor II musikalisch umgesetzt.

Ein Rückfall in die Aufführungspraxis eines Karl Richters der 60er Jahre mit dieser Einspielung von 1990?
Grosser Doppelchor, ca. 120 Sänger, grosses Doppelorchester!!!
Trotz der oben erwähnten Kritik bin ich fasziniert von dem gut aufspielenden und klingenden Bach Collegium, München.
Der Massenchor besticht durch saubere Intonation in den Chorälen.

Die Auswahl an Gesangssolisten ist als gelungen anzusehen.

Hier überragend hervorzuheben die Christusworte, gesungen vom Bariton Hermann Prey.
Die Rezitative mit so einer Inbrunst und Qualität an Klangfülle und Gesangskultur gesungen, die einem das Herz begeisternd öffnen und erschauern lässt....
Wo ist solch ein Bariton heute noch zu hören?

Aus diesem Grunde als eine historische DVD einzuordnen, aus den erwähnten Gründen.

Herausragend die Sopranistin Margaret Marshall, betörend schön gesungene die Arie Nr. 13 im 1.Teil,
"Ich will dir mein Herze schenken"

Die Interpretation und Umsetzung der Matthäus-Passion durch Enoch zu Guttenberg passt nicht mehr
in die heutige Zeit, wo vorherrschend die barocke Form und Umsetzung gepflegt wird.

Für Freunde einer opernvoluminösen Aufführungspraxis durchaus sehr empfehlenswert....

Möchte auf die Konzertrezension: Konzertbesuche und Bewertung
- J.E.Gardiner Matthäus-Passion am 6.3.2005 in Königslutter - , hinweisen.

Schöne Ostertage an alle im Forum
und Grüsse
reklov29
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Zitat: J.E.G.

Rienzi

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Dienstag, 29. März 2005, 21:00

Carlos Kleiber - The Legend

Der Osterhase hat mir das Package "Carlos Kleiber - The Legend" auf DVD gebracht.
Davon wurde gehört und gesehen:

Konzert aus dem Herkulessaal der Münchner Residenz aus 1996
Beethoven, Mozart und Brahms

Konzert aus dem Wiener Musikvereinssaal 1991:
Mozart und Brahms
(Bildqualität etwas blaß - ist aber bei diesem Konzert sehr egal)

Neujahrskonzert 1989

Die DVDs sind die Investition wert. Kleiber genießt Mozart und lebt Beethoven und Brahms.

Dann noch mein Osteroratorium: "Das Leben des Brian" mit dem ergreifenden Chor-Schluß "Always Look on The Bright Side of Life"
Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
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ThomasBernhard

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57

Dienstag, 29. März 2005, 21:30



ich werde mich darin üben, mich an die langsamkeit zu gewöhnen.
Frauen und Kinder zuerst

good night and good luck

thomasbernhards-1[ätttttt]yahoo[punkt]de

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Samstag, 2. April 2005, 17:13

RE: Was höre und sehe ich zur Zeit an DVD

@Peter,
etwas für Dein Musikstudium?




The Great Composers -
Felix Mendelssohn (DVD + 2CDs)

Dokumentarfilm über Leben & Werk von Mendelssohn.
à EUR 11,99

Die beiden Musik-CDs enthalten einen repräsentativen
Querschnitt aus Mendelssohns Schaffen, eingespielt von namhaften Interpreten.

Bei jpc hinsichtlich des Preises ein Muss für Dich @Peter, als Mendelssohn-Bartholdy-Liebhaber, sie
zu erwerben oder auf der persönlcihen Wunschliste ganz oben zu placieren..........

Grüsse
reklov29
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Zitat: J.E.G.

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59

Samstag, 2. April 2005, 17:17

Hallo Reklov,

welche Werke werden eingespielt und werden sie komplett oder nur ausschnittsweise gezeigt?
Und: Welche Sprache?


Gruß, Peter.
Musik zu hören ist zweifellos eine der extravagantesten Arten, sein Geld auszugeben.
- Mauricio Kagel

petemonova

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Registrierungsdatum: 6. Dezember 2004

60

Montag, 4. April 2005, 14:07

Ich mache mir jetzt an:



Peter Ruzicka: Tallis
Johannes Brahms: Doppelkonzert a-Moll; Sinfonie Nr. 2 D-Dur

Mit Gidon Kremer, Marta Sudabra und Giuseppe Sinopoli


Gruß, Peter.
Musik zu hören ist zweifellos eine der extravagantesten Arten, sein Geld auszugeben.
- Mauricio Kagel