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Uwe

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  • »Uwe« ist der Autor dieses Themas

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1

Freitag, 28. Januar 2005, 18:18

Paul Hindemith

Hallo Taminos

Paul Hindemith scheint im alltäglichen Musikleben nicht mehr so richtig präsent zu sein - wenn er es denn überhaupt jemals gewesen ist.

1895 geboren gehörte Hindemith zu den Komponisten, die mitten in den sich abzeichnenden Umbruch ins Leben traten. Hindemith erkannte, dass sich die Musik erneuern musste, lehnte aber jede Atonalität vollokommen ab ("Auch im wildesten Trubel der Klänge muss noch SInn und Ordnung herrschen").

Oft wird Hindemith mit Bartok und Stravinsky in einem Atemzug genannt.
Wie Stravinsky hat auch Hindemith (der auch ein professioneller Bratschist war) seine eigenen Werke dirigiert - vor allem aus dem Grund, dass er seine Musik von anderen nicht richtig aufgeführt sah. Er war der Meinung, der Dirigent sollte ein Diener des Werkes sein und keine eigenen, individualistischen Vorstellungen haben.


Um seine Veröffentlichungen haben sich cpo und Wergo verdient gemacht. Und auch die DG erinnerte sich im Rahmen ihrer Wiederverwertung des Namens Hindemith und grub dieses aus:



Auuf dieser 3er-Box sind einige wichtige Werke vereint (und man kann man sich ein Bild davon machen, wie Hindemith seine Werke verstanden wissen wollte).

Welche Aufnahmen / welche Werke kennt und empfehlt ihr?

Gruß
Uwe

Gerrit_Stolte

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  • »Gerrit_Stolte« ist männlich

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2

Sonntag, 30. Januar 2005, 09:57

Ich kann die von Dir genannte Box uneingeschränkt empfehlen. Eine Perle in der Resteverwertung.

Darüber hinaus das Violinkonzert:



Hindemith dirigiert, Oistrakh begeistert an der Geige. Darauf noch die Metamorphosen mit Abbado und der Mathis mit Kletzki.

Auch die Klaviermusik ist nicht zu verachten:


(leider vergriffen)

die Streichquartette habe ich in dieser Aufnahme:



es gibt aber auch noch Aufnahmen vom Julliard SQ



das Hornkonzert:



Und schließlich, die Kammermusiken:



Kurz: ich habe ziemlich viel Hindemith und höre ihn immer wieder gern.
Gruß,
Gerrit

Uwe

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  • »Uwe« ist der Autor dieses Themas

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3

Sonntag, 30. Januar 2005, 12:59

Hallo Thorsten,

Zitat

Original von Thorsten_Mueller
Ich kann die von Dir genannte Box uneingeschränkt empfehlen. Eine Perle in der Resteverwertung.

...ja, kann man wirklich nur jedem ans Herz legen. Zumal bei 2**1 derzeit sehr günstig zu haben... (leider haben sie die Markevitch-Box nicht im Angebot ;( )


Zitat

Original von Thorsten_Mueller
Darüber hinaus das Violinkonzert:
Hindemith dirigiert, Oistrakh begeistert an der Geige. Darauf noch die Metamorphosen mit Abbado und der Mathis mit Kletzki.


....aaargh, die Empfehlung kam 12 Stunden zu spät. Gestern habe ich gerade meine letzte jpc-Bestellung abgeschickt.Werde ich aber notieren!

Wie sind die Kammermusiken mit dem concerto Amsterdam? Ich kenne nur die Aufnahme mit Chailly / Concertgebouw.

Güße aus Hamburg
Uwe

Gerrit_Stolte

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4

Sonntag, 30. Januar 2005, 15:33

Hallo Uwe,

aus der Erinnerung kann ich nicht allzuviel sagen. Damals erschien mir dein Einspielung sehr gut, weil sie eine nervöse Spannung verbreitete. Nicht so glatt poliert und das bekommt Hindemith ganz gut. Vielleicht komme ich in den nächsten Jahren ja mal dazu, die Scheiben noch mal aufzulegen :D
Gruß,
Gerrit

Uwe

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  • »Uwe« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 912

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5

Sonntag, 30. Januar 2005, 15:54

@Thorsten,

danke für die Rückmeldung. Beruhigt mich immer wieder ungemein, dass ich nicht der Einzige bin, der gar nicht soviel Hören kann, wie es eigentlich notwendig ist :D

Gruß
Uwe

MStauch

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  • »MStauch« ist männlich

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6

Montag, 31. Januar 2005, 01:42

Zur Hindemith-Instrumentalmusik möchte ich auf zwei Aufnahmen hinweisen:

Vor einiger Zeit günstig erworben, weil viele Einzelaufnahmen sehr positiv besprochen wurden:

:

die Gesamtaufnahme der Sonaten Hindemiths.

Und seit langen Jahren habe ich bereits die Sonaten für Viola solo und Viola und Piano mit Kim Kaskashian und Robert Levin (ECM 1988). Exzellent eingespielt und interessant seit Stücke von 1919 bis 1939 enthalten sind und deshalb der Stilwandel Hindemiths verdeutlicht wird.



MfG

Matthias
Tobe Welt, und springe,
Ich steh hier und singe.

teleton

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7

Montag, 31. Januar 2005, 10:18

Hallo Hindemith-Freunde,

von Hindemith gibt es ein paar ganz exquisite Einzelaufnahmen mit Leonard Bernstein / New Yorker PH auf SONY:
Sinfonie in Es, Metharmorphosen, Mathis der Maler-Sinfonie; Violinkonzert mit Isaac Stern, Konzertmusik op.50.

Wenn ich mich für einen Komponisten interessiere, möchte ich nätürlich alle wichtigen Werke von diesem Komponisten haben. Das ist bei Hindemith schwierig gewesen, bis von CPO diese Orchesterwerke-Gesamtaufnahmen mit Werner Andreas Albert herauskamen:


Orchesterwerke Box 1
(Original-CDs Vol. 1-6 im Schuber)
Amor & Psyche;Nobilissima Visione;Philh.
Konzert;Weber-Metamorphosen;Lustige Sinfonietta;Rag Time;Symphonic Dances;Nusch-Nuschi
Tänze;Concert Music for Strings & Brass;
Symphonie "Die Harmonie der Welt";Ouvertüre zu
"Neues von Tage";Symphonie in B f. Blasorch.;
Symphonie in Es;Vorspiel zu "When Lilacs";
Symphonie "Mathis der Maler";Sinfonia Serena;
Konzert für Orchester;Pittsburgh Symphony;
Marsch über den alten "Schweizerton" mit dem
Queensland SO, Melbourne SO, Sydney SO,
Werner Andreas Albert

Die Aufnahmen sind durchweg gut und bieten einen guten und präzisen Einblick in Hindemith´s schaffen.

:] Die o.g.Einzel-CD´s mit Bernstein sind allerdings für mich unverzichtbar, da Bernstein mit ungleich mehr Energie und Temprament an die Werke herangeht.

:) Auch diese Ormandy - CD ist erstklassig:


Die Konzertmusik op.50 wird gehört zu den ganz großen Aufnahmen des Werkes.

:) Die von T.Müller genannte Eloquence CD mit dem Violinkonzert unter Oistrach habe ich auch - ein Eloquence-Edelstein schon wegen Oistrach.
Die Metharmorphosen mit Bernstein und auch Ormandy geben für meinen Geschmack aber noch mehr her.

Gruß aus Bonn
Wolfgang
Gruß aus Bonn, Wolfgang

teleton

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8

Dienstag, 7. Juni 2005, 09:10

Hallo Taminoaner,

ich möchte nochmal an Hindemith erinnern und habe jetzt das Cover der ultimativen Hindemith-CD mit Bernstein gefunden:


Dies ist ein Edel-und Meilenstein in der CBS-Schallplatten/CD-Geschichte.

Was Bernstein aus den drei Werken
Sinfonie in ES,
Sinfonische Metharmorphosen
und der
Konzertmusik für Trompete und Streicher op.50 herausholt hat Referenzcharakter und beeindruckt mich bei jedem Hören immer wieder.

Wer kennt die Aufnahme ?
Gruß aus Bonn, Wolfgang

GiselherHH

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9

Dienstag, 7. Juni 2005, 10:47

Hallo teleton,

ich kann Dir in der Beurteilung dieser CD nur zustimmen. Die dort versammelten Aufnahmen dürften zu den besten Einspielungen gehören, die Bernstein je gemacht hat. Man wird vom atemberaubenden Kopfsatz der Sinfonie in Es (der genauso atemberaubend vom NYSO gespielt wird) von Höhepunkt zu Höhepunkt geführt. Als Hindemith-Liebhaber muß man diese CD unbedingt haben.

Grüße

GiselherHH
"Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

Maik

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10

Montag, 4. Juli 2005, 01:47

Hallo allerseits,

zunächst einmal zu den Aufnahmen, die genannt wurden, bzw. eine davon:



Mir gefällt das Hornkonzert sehr gut! Eine wie ich finde gelungene Aufnahme.


Nun zu dem, was ich eben gelesen hab.
Eigentlich hab ich ja ne Partitur im Internet gesucht, aber dabei stieß ich auf einen Artikel.
Dort habe ich auch nur einen Namen gelesen, der mir bekannt vorkam: Wittgenstein.
"Irgendwo in diesem Forum hatte ich diesen Namen doch schon Mal gehört...ihn kennengelernt".
Es war übrigens im Bolero-Thread.
Danach wollte und habe ich den Artikel gelesen oder eher nebenbei, da ich ziemlich lang im Forum recherchiert hab, was noch so über ihn zu finden ist...

Ihr fragt euch sicher, warum ich was über Wittgenstein im Hindemith-Thread poste ?( Weil es natürlich mit Hindemith im Zusammenhang steht ;) :]

Wittgenstein verlor seinen rechten Arm, wollte aber dennoch Klavier spielen.
Also schrieben Ravel oder Prokofjew, aber eben auch Hindemith, für ihn Klavierstücke für die linke Hand.
Und im letzten Jahr wurde von Hindemith eines "gefunden", welches Wittgenstein erhielt, aber nie aufführte. 1923 bekam er es und erst im letzten Jahr, am 9.12.04, wurde es von Fleisher uraufgeführt. Ganze 81 Jahre nach dem Komponieren!
Klaviermusik mit Orchester (Klavier: linke Hand) ist der einzige Name, den ich gefunden hab...keine genaueren Spezialisierungen.

Gruß, Maik
Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.

Sirach 32, 7

teleton

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11

Freitag, 24. Februar 2006, 08:36

Hindemith mit Mrawinsky

Hallo Hindemith-Freunde,

im Respighi-Thread sind wir vom Thema abgewichen - deshalb hier an richtiger Stelle weiter.
Von Edwin:

Zitat


Das nenne ich eine Zusammenstellung - Du glaubst gar nicht, was Mrawinskij aus dem Honegger macht! Und der Hindemith - unfassbar. Wenn im letzten Satz die Trompeten einsetzen und schon im piano vor Energie vibrieren - das nenne ich aufregendes Musizieren!

Ich weiß, dass es nicht so gerne gesehen wird, wenn man Geschäftsadressen hersetzt, aber in diesem Fall, Alfred, bitte eine Ausnahme zulassen: Zu bekommen (nebst allerhand anderer Mrawinskijs und vieler sonst teilweise vergriffener CDs aus dem russischen Raum) bei http://www.musicabona.com. Das ist ein tschechischer Laden, der zwar nicht unbedingt schnell und auch nicht ganz billig ist, aber was sie anbieten, können sie in der Regel auch liefern.


Von Michael:

Zitat

Hallo Edwin,
ich besitze zwar die orginal Melodya-Schallplatten, die auch klangtechnisch durchaus beachtlich sind, möchte mich aber trotzdem für den Link bedanken und auf diesem Wege auch allen Forianern dringendst ans Herz legen, sich diese Einspielung zu besorgen.

Die Interpretationen sind derartig energiegeladen, daß ich seinerzeit beim ersten Hören im Autoradio meinen Wagen abstellen mußte, weil ich sonst unweigerlich einen Unfall gebaut hätte.

Schönen Gruß,
Michael


Die CD interessiert mich aufs äußerste, da meine Aufnahme der
Hindemith: Sinfonie "Die Harmonie der Welt" in der CPO-Hindemith-Gesamtedition eher schwach ist.
Werner Andeas Albert liegert insgesamt mit den australischen Orchestern einen sauberen Hindemith, der zum Kennenlernen OK ist.
Vergleiche ich aber einzelne Einzelaufnahmen mit meinen genialen Bernstein-Aufnahmen (siehe auch in diesem Thread weiter oben), dann verblassen die CPO-Aufnahmen total. Mit Bernsetin gibt es die Harmonie der Welt leider nicht.

Was meine hochgeschätzte Honegger: Sinfonie Nr.3 angeht, so lohnt auch ein Blick in den Honegger-Thread.
Hier habe ich noch nichts besseres gehört als Ansermet´s beide Aufnahmen auf Decca und Orfeo.

Von Mrawinsky lasse ich mich nun gerne positiv überraschen.

:] Die CD habe ich gestern bei amazon bestellt ! Dort gibt es noch die Melodia-Version mit einem anderen Cover.
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Michael Schlechtriem

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12

Freitag, 24. Februar 2006, 14:54

Hallo Wofgang,

na, jetzt habe ich mir doch auch noch bei Amazon die CD-Fassung zugelegt,bei den Meolyia-Schallplatten weiß man ja nie, wie lange sie noch halten......

Diese Aufnahmen sind an Intensität nicht zu toppen, auch wenn gerade beim Hindemith dann auch mal deutlich zu hoch intoniert wird.
Das ist mir persönlich völlig egal, es steigert sogar für mein Befinden die Spannung nochmals.
Die Trompeten vibrieren tatsächlich, wie schon von Edwin beschrieben, schon im Piano for Spannung.
Ob dies wohl auch an dem einladenden Gesicht des Maestro gelegen hat? :)

Nur darf man diese Aufnahmen keinem deutschen Trompeter zeigen, ich habe dies einmal gemacht und es wurde sich mit Grausen abgewendet :)

Beste Grüße,

Michael
"I should never have switched from Scotch to Martinis.“
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Edwin Baumgartner

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13

Freitag, 24. Februar 2006, 16:53

Ich habe einmal einem russischen Trompeter, der auch unter Mrawinskij gespielt hat, gesagt, wie sehr ich von dem Stil des Orchesters begeistert bin, vor allem von der Spannung - und da speziell eben auch vom Blech.
Antwort: "Natürlich steht man bei den leisen Stellen unter totaler Spannung. Mit solchen Instrumenten leise spielen - das ist die wahre Herausforderung!"

Mittlerweile, höre ich mit Schrecken, wird auch in Russland der Klangstil allmählich umgebaut. Und damit gehen die letzten wirklich individuell klingenden Orchester verloren. Das ist die Globalisierung des Klanges. X(
...

teleton

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14

Montag, 27. Februar 2006, 12:31

Hindemith mit Mrawinsky

Hallo Michael,

ich habe die Hindemith-Mrawinsky-BMG-CD am Freitag schon bekommen.
Meine Erwartungshaltung beim ersten Hören war durch Deine Worte sehr hoch. Danke für diese Empfehlung - es hat sich sehr gelohnt !

:] Zuerst kam die Hindemith-Sinfonie "Die Harmonie der Welt" dran. Schon die ersten Takte zeigten, das hier was großes geboten wird, was weit von den "sachlichen" CPO-Aufnahmen mit W.A.Albert entfernt ist.
Die Spannung und der Gänsehautfaktor waren ungebrochen vorhanden.
Wenn bei Albert zum Schluß des letzten Satzes nur ein orchestrales gewusel zu hören ist, baut sich bei Mrawinsky in der Coda unterstützt durch die Pauken noch eine weitere Steigerung auf, die trotz der Emphase noch klar durchhörbar ist - fantastisch. Solche postiven Beispiele könnte man auch an anderer Stelle der Sinfonie noch massig aufführen.
Die Aufnahme von 1965 ist sehr klar und natürlich, was sicher auf das 20-Bit-No-Noise-Remastering zurückzuführen ist.

:]Auch die Honegger: Sinfone Nr.3 ist eine TOP-Aufnahme mit Mrawinsky, die neue Akzente setzt und neben Ansermet/Orchestre de la Suisse Romande auf Decca zu den besten Aufnahmen der Sinfonie gehört.

Ich habe Plasson auf EMI (im ganzen zu zahm), Ansermet auf Orfeo, der mehr auf Durchhörbarkeit setzt und die Steigerung im 3.Satz nicht so schnell aufbaut und Karajan auf DG, der auch eine TOP-Aufnahme liefert, zum Vergleich gehört.
Das einzige was wieder auszusetzten wäre - es ist eine Liveaufnahme vom Februar 1995 - Husten und Erkältung der Konzertbesucher sind nicht zu überhören. Aber das tritt bei Mrawinsky´s Glanzleistung in den Hintergrund.

Gruß aus Bonn, Wolfgang

Michael Schlechtriem

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15

Montag, 27. Februar 2006, 14:13

Hallo Wolfgang,

ich freue mich sehr über Deine positiven Antworten!

Auch ich habe die CD bereits(das ging sehr flott!), kann sie aber im Augenblick nicht hören(ich berichtete ja hier und da schon mal über meinen Hörsturz...), aber ich möchte bestätigen, daß auch die orginalen Schallplatten hervorragendst sind.

Große Dynamik und sehr gut durchhörbar, ich persönlich hoffe, daß die CD da mithalten kann. :)

Viele Grüße,

Michael
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16

Mittwoch, 14. Juni 2006, 14:53

Zitat

Original von teleton
Wenn ich mich für einen Komponisten interessiere, möchte ich nätürlich alle wichtigen Werke von diesem Komponisten haben. Das ist bei Hindemith schwierig gewesen [...]


Nun, ich fürchte, es ist bei Hindemith immer noch schwierig, weil der Herr sehr viel geschrieben hat. Da ich gerade angesichts Hindemiths "Unaufhörlichem", Bartoks "Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta" und Schostakowitschs 5. Symphonie neugierig wurde, was Hindemith in den 30ern sonst noch geschrieben hat, habe ich mal ins Wikipedia geschaut:

# 1930er zahlreiche Lieder, Chor- und A-cappella-Werke, von denen manche durch raue Tonalität und Textwahl Anstoß erregten (z.B. Schundromane lesen)
# 1931 Uraufführung des Oratoriums Das Unaufhörliche, zusammen mit Gottfried Benn
# 1934 Uraufführung der Symphonie Mathis der Maler über das Schicksal Matthias Grünewalds unter Wilhelm Furtwängler in Berlin
# 1936 Entstehung der drei Sonaten für Klavier
# 1936-1955 je eine Sonate für jedes gängige Orchesterinstrument und Klavier, die meisten zwischen 1936 und 1942
# 1938 Uraufführung der Oper Mathis der Maler in Zürich

Wenn das nur die wichtigsten Werke sind, ist es immer noch etwas viel. Mich würde interessieren, inwiefern man Hindemiths "Vertheoretisierung" seines Tonsatzes ab Mitte der 30er wirklich hörend mitbekommt, besonders herausragend unter den ersten Werken dieser Phase sollen die Klaviersonaten sein (die wergo-Einspielungen dürften sehr gut sein).

Aber ein Lied übers Schundromane-Lesen und je eine Sonate für JEDES gängige Orchesterinstrument (und die meisten davon gleich in sechs Jahren abgehandelt) - das ist schon eine höchst interessante Produktion!

BigBerlinBear

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17

Mittwoch, 14. Juni 2006, 18:04

Unübersichtlicher Quinten-Paul ?

Es stimmt: Hindemith ist in Deutschland nach 1945 nie wieder richtig "heimisch" geworden. Er war während der Nazizeit das persönliche Hassobjekt von Joseph Goebbels, welcher ihn für den Inbegrff eines "Kulturbolschewisten"hielt. Im Ausland jedoch und hier widerum besonders in den englischsprachigen Ländern gilt er nach wie vor als einer der großen europäischen Komponisten im 20. Jahrhundert und er wird da auch "gut aufgeführt" !

Um sich ein brauchbares Bild seines vielfältigen (und qualitativ unterschiedlichen) Schaffens zu machen, genügt die Grundkenntnis folgender Werke:

bis 1930:

Streichquartett, op. 22
Mörder, Hoffnung der Frauen, op. 12 (Kokoschka)
Cardillac (1926)

1930-1950
Das Unaufhörliche (Benn)
Symphonie Mathis der Maler
Mathis der Maler (Oper, 1938 )
Ludus Tonalis (Fugensammlung für Klavier)
Symphonische Metamorphosen von Themen Carl Maria von Webers
When Lilacs Last in the Dooryard Bloom'd (Whitman) 1946

nach 1950:
Die Harmonie der Welt (1957)
The Long Christmas Dinner (1960, Th. Wilder)
A-cappella-Messe (1963)

Wessen Neugier dann noch nicht gestillt ist, der wird von ganz allein weitersuchen und möglicherweise auch finden.
Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Edwin Baumgartner

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18

Mittwoch, 14. Juni 2006, 19:19

RE: Unübersichtlicher Quinten-Paul ?

Zitat

Er war während der Nazizeit das persönliche Hassobjekt von Joseph Goebbels


Ich kenne die Geschichte etwas anders: Hitler besuchte Hindemiths Oper "Neues vom Tage", in der bekanntlich eine Koloraturarie in der Badewanne gesungen wird. Diese Szene brachte den bezüglich Parodie immer etwas tumben Hitler dermaßen in Rage, daß er verlangte, Hindemith unter die "Entarteten" aufzunehmen. Prinzipiell hätte nämlich nichts gegen Hindemith als den Parade-NS-Komponisten gesprochen - was man auch daran sehen kann, daß Hindemith-Läufer wie Bresgen, Wagner-Regeny, Gerster etc. durchaus willkommen waren.
...

BigBerlinBear

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19

Mittwoch, 14. Juni 2006, 19:32

Hallo Edwin,

kann gut sein, aber Goebbels war letztendlich doch dafür ausschlaggebend, daß Hindemith nach Ankara ging. Ob man sein Komponieren nach 1930 ein "Sichanbiedern" nennen kann, vermag ich nicht zu sagen: geholfen hats ihm nichts, seine "Vergangenheit" holte ihn ein !

Möglich auch, daß die braunschwarzen Herrschaften der "Wandlung" nicht trauten. Furtwängler bekam auch den Zorn der Allmächtigen zu spüren, was natürlich BEIDE nicht zu Dissidenten macht !

Bresgen, Wagner-Regeny, Gerster waren gegen Hindemith eh nur 2te Garnitur, wobei ich von Bresgen ausser pseudromantischen "Volks"-Liedern nichts kenne: von Wagner-Regeny gibts interessante Werke nach 1945 und von Gerster solltest du dir mal sein "Eisenhüttenkombinat Ost" anhören, eine Art "Lied von den Wäldern" für ganz arme !

Mein Lieblingswerk von Quinten-Paul ist seine Messe aus 1963 und "The long Christmas-Dinner" aus 1960 hat auch was...

LG
Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Edwin Baumgartner

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20

Mittwoch, 14. Juni 2006, 19:59

Hallo BBB,
schau an, da präferieren wir bei Hindemithdie gleichen Werke. Dieser herbe Spätstil ist wirklich höchst interessant und eröffnet auch neue Perspektiven.
Was Hitler und das NS-Regime betrifft: Ich glaube, daß Hindemith kein wirklich politischer Komponist war - Anbiederung? Ganz ehrlich: Beim "Mathis-Libretto habe ich mitunter das Gefühl. Die Botschaft "Künstler, scher dich nicht um die Politik" klingt für mich ein wenig nach Friedensangebot.
Wie dem auch sei - Quinten-Paul ging in die USA und erzog dort eine Generation von Quarten-Boys. Aber die Messe und das "Weihnachtsmahl" sind wirklich toll!

"Eisenhüttenkombinat Ost" muß ich wirklich einmal hören. Ich kenne eine Ouvertüre und eine Symphonie, die mir stellenweise Tränen des Lachens in die Augen treiben. Der ostdeutsche Chrennikov! (Nur in der Musik, vom Charakter weiß ich nichts.)

Wagner-Regeny hat eine nicht uninteressante Kantate "Genesis" und ein spätes, nicht sehr langes symphonisches Werk geschrieben, an dessen Titel ich mich leider nicht mehr erinnere - beides Werke, die nicht übel sind. "Johanna Balk" hingegen nötigt mir ein heftiges Kopfschütteln ab.

:hello:
...

Blackadder

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21

Samstag, 6. Januar 2007, 23:16

Cardillac

Ich hatte letztens die Möglichkeit, Goulds Einspielung der Hindemithschen Klaviersonaten zu hören und sie gefielen mir ausgesprochen gut. Nun sehe ich, dass er eine Oper namens "Cardillac" geschrieben hat, die auf der Erzählung von E.T.A Hoffmann "Das Fraulein von Scuderi" basiert. Desweiteren soll im dritten Akt in der Oper eine Aufführung von Lullys "Phaeton" eine Rolle spielen. Das klingt für mich sehr verlockend. Gibt es Aufnahmeempfehlungen. Oder wenigstens eine? Ich sah "am großen Fluss" Keilberth stehen.
Danke im voraus
:hello:
[COLOR=darkred]Dieses Schreiben wurde maschinell erstellt und ist ohne Unterschrift gültig[/COLOR]

Edwin Baumgartner

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22

Sonntag, 7. Januar 2007, 10:32

RE: Cardillac

Hallo Blackadder,
Hindemith hat vom "Cardillac", wie auch vom "Marienleben", zwei Fassungen komponiert, wobei in beiden Fällen die zweite praktisch eine Neukomposition ist, in der er seine Erfahrungen mit seinem harmonischen system einfließen lässt, daß er bei der Komposition der Erstfassungen noch nicht systematisiert hatte.
Nur in dieser Zweitfassung gibt es den "Phaeton".
Allerdings: Diese Zweitfassung ist nie aufgenommen worden, sowohl Keilberth als auch Albrecht haben die Erstfassung eingespielt.
Während bei "Marienleben" aber beide Fassungen nebeneinander bestehen können, ist das beim "Cardillac" leider anders: Während die erste eine fabelhafte, brillant gemachte Oper ist, in der expressionistische und neoklassizistische Elemente einen wilden Tanz eingehen, ist die Zweitfassung ein gesittetes Musikwerk, das ohne Erregung des Blutes gehört werden will. Kurz: Die totale Verwässerung eines Geniestreichs.
:hello:
...

Uwe Schoof

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23

Freitag, 12. Januar 2007, 21:13

Hallo,

Zitat

Paul Hindemith scheint im alltäglichen Musikleben nicht mehr so richtig präsent zu sein - wenn er es denn überhaupt jemals gewesen ist.

Das sieht in der Tat so aus - allerdings ist Hindemith umindest bei mir zu Hause sehr präsent; er gehört zu meinen am meisten bewunderten und gehörten Komponisten.

Allerdings sehe ich sein Werk geteilt in zwei Blöcke: die großen Werke sowie die kleineren, die eher dem häuslichen Musizieren gelten.

Zitat

Wie Stravinsky hat auch Hindemith (der auch ein professioneller Bratschist war) seine eigenen Werke dirigiert

Sein Hauptinstrument war sicherlich die Bratsche, allerdings konnte er sehr viele, wie ich es im Gedächtnis habe: fast alle Instrumente des üblichen Orchesters spielen, war hierin außerordentlich begabt und interessiert. Sein weiteres Interesse galt im Großen und Ganzen dem Vordringen der Musik in die Häuser, zu den Menschen. So komponierte er auch für Kinder sowie Laienformationen.

Neben einigen bereits genannten Aufnahmen möchte ich an dieser Stelle noch drei interessante Aufnahmen vorstellen, die ich gerade zur Hand habe:



Hier handelt es sich um eine wunderbare Aufnahme zweier Gedichtvertonungen: "Die junge Magd" für Altstimme, Flöte, Klarinette und Streichquartett sowie "Des Todes Tod" für Frauenstimme, 2 Bratschen und 2 Celli. Tolle, intime Musik in seltener Besetzung.




Hierbei handelt es sich um eine Aufnahme, die ich im aktuellen Vertrieb leider nicht finden konnte. Sie beinhaltet die Mathis-Sinfonie unter William Steinberg, die klanglich superinteressante "Konzertmusik für Streichorchester und Blechbläser" sowie den "Schwanendreher" für Bratsche und kleines Orchester; beide letzteres Werke unter Daniel Barenboim. Sollte es wirklich so sein, dass diese CD nicht mehr vertrieben wird? Das wäre schade, naja, ich habe sie ja.




Diese CD beinhaltet die sechs Streichquartette Hindemiths, eingespielt vom Kocian Quartett. Besonders für das fünfte in Es-Dur habe ich eine große Schwäche, viele (von den wenigen, die sich diese Musik überhaupt anhören) dürften eher die frühen Quartette vorziehen.

Schöne Grüße,

Uwe
Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

rappy

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24

Montag, 9. April 2007, 13:28

Hallo,

wie ihr schon jemand erwähnt hat, soll Hindemith ja für jedes gängige Orchesterinstrument eine Sonate geschrieben haben.
Ich wollte mal hören, was ihr über diese Sonaten zu sagen habt. Sind sie gut? Ich kenne die 2. und 3. Klaviersonate... faszinierende Werke, auch wenn ich sie nicht verstehe.
"Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

Gerald

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Freitag, 26. Oktober 2007, 16:22

Hindemtih: Konzert für Orchester op. 38

Ich möchte die Hindemith-Diskussion in diesem Forum wieder ein bisschen beleben und dafür auch gleich eines seiner schönsten Werke vorstellen:
Das Konzert für Orchester op. 38 strömt wirklich über von musikalischen Einfällen und lebensfreudiger Kraft. Gleich der erste Satz (Mit Kraft, mäßig schnelle Viertel) wird in schwungvoller Polyphonie zuerst in den Streichern, dann in den Bläsern vorgestellt, und dann dem konzertierenden Trio von Sologeige, Oboe und Fagott gegenübergestellt. Die Musik ist dabei völlig unkünstlich und erfrischend, teilweise auch sehr herb. Es folgt ein dahinwirbelndes, geradezu elektrisierendes Scherzo (Sehr schnelle Halbe) und ein sehr eigenartiger Marsch für Holzbläser (Nicht zu langsame Viertel), anstelle des lanmgsamen Satzes. Der Schlusssatz ist ein großer Ostinatosatz (Schnelle Viertel) im 7/4-Takt. Über der eindringlichen und eintaktigen Bassfigur erhebt sich ein schwungvolles Fugato, dass sich aber bald im Stimmgewirr verliert un dann umso wirkungsvoller im ganzen Orchester zu erklingen.
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Das in Hindemiths eigener Einspielung nur 12'26 Minuten dauernde Werk ist ein gelungenes Beispiel für Hindemiths neobarocken Stil. Es hat naturgemäß keine langwierigen Stellen und ist ein einziger Freudentaumel. Unbedingt als Einstiegsdroge zu empfehlen!



Liebe Grüße,
Gerald
"Das Höchste in der Kunst - vor Gott besagt's nicht viel.
Hat doch die Welt zuletzt nur ein moralisch Ziel."
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miguel54

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Freitag, 26. Oktober 2007, 23:46

Hindemith-Stiftung

Allen Interessierten sei ein Besuch der Internetseiten der Hindemith-Stiftung wärmstens empfohlen. Sie gibt u.a. zweimal jährlich die Zeitschrift Hindemith Forum heraus, die über neuste Literatur und Tonträger, Veranstaltungen und Projekte informiert, sehr lesenswerte Interviews mit Interpreten seiner Musik und wenig bekannte Details aus seinem leben veröffentlicht (z.B. seine Leidenschaft für Spielzeugeisenbahnen: köstliche Lektüre!). Man klicke auf "Publikationen" für die Inhaltsverzeichnisse - das Blatt gibts umsonst vom Frankfurter Hindemith-Institut! (Adresse auch dort zu finden.)

Hindemith hatte einen wunderbaren Humor - ich erinnere mich noch an eine Ausstellung seiner skurilen Zeichnungen, in der ich herzhaft gelacht habe. Seine Briefe an seine Frau Gertrud gab es mal als Piper-Taschenbuch - ebenso köstliche Lektüre! ('Das private Logbuch'. Briefe an seine Frau Gertrud.)

Gerald

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27

Freitag, 2. November 2007, 20:21

Cardillac: alt oder neu?

Zitat

Während bei "Marienleben" aber beide Fassungen nebeneinander bestehen können, ist das beim "Cardillac" leider anders: Während die erste eine fabelhafte, brillant gemachte Oper ist, in der expressionistische und neoklassizistische Elemente einen wilden Tanz eingehen, ist die Zweitfassung ein gesittetes Musikwerk, das ohne Erregung des Blutes gehört werden will. Kurz: Die totale Verwässerung eines Geniestreichs.


Zwar ist dieses Zitat schon einige Monate alt, aber darüber möchte ich schon noch ein wenig diskutieren, bzw. den Komponisten selbst zu Wort kommen lassen. Nachdem Hindemith 1948 einer Aufführung seiner Oper "Cardillac" in Venedig beiwohnte, schreibt er dem Verlag: "Vielleicht ändere ich demnächst den ganzen Cardillac um, Text und (teilweise) Musik. Ideen sind angelangt!!" Tatsächlich ändert Hindemith v.a. das Libretto: Die ungelöste Schuldfrage des mordenden Caridllac, sowie des Volkes , das Cardillac ermordert werden bearbeitet und Hindemith versucht, den zeittypischen Expressionismus des Autors Lion durch eine allgemeinere Aussage zu ersetzen. Auch die Musik möchte er veredeln.
Als die Neufassung des Cardillac bei der Uraufführung am 20. Juni 1952 in Zürich nicht die erwartete Anerkennung erzielt, ist Hindemith enttäuscht. Schließlich kann Georg Solti die überarbeitete Oper 1953 doch in Frankfurt erfolgreich aufführen. Hindemith kommentiert: "Immerhin, man tut dem Stück doch die Ehre an, es für ein vollwertiges Theaterbuch mit ebensolcher Musik zu bewerten, ohne sich klarzumachen, dass es da nicht mit rechten Dingen zuging: eigentlich kann man ja gar nicht einen fertigen Text wegoperieren und einer zum größten Teil fertigen Musik eine neue handlung mit gänzlich anderen Worten unterlegen. Ein beurteiler, der sich dieser Schwierigkeit bewusst ist, hätte selbst mit einer nur mäßigen Lösung des Problem zufrieden sein müssen." Als die kritiker das Werk aber eher ästhetisch als schwächer und kraftlos bezeichnen, resigniert Hindemith: "Wenn ich einem eigenen Werk, das mir ans Herz gewachsen ist, eine neue Fassung gebe, so sollte ich soviel Kredit haben, dass man die Änderungen ernst nimmt. Ich rede nicht vom Text, ich rede von der Musik. Wenn diese meinen Freunden aus der damaligen Zeit heraus etwas Besonderes bedeutet hat, so will ich, der sie ja geschrieben aht, es dankbar verstehen. Wenn ich aber heute nach einer sehr bewussten Weiterentwicklung...eine Umformung vornehme, so sollte dies gerade meine Freunde nachdenklich machen. Ich habe aber den Eindruck, als ob ein großer Teil meiner ehemaligen Anhänger, vor allem aber diejenigen, die sich erstmalig mit der per "Cardillac" befassen, sich gar nicht die Mühe nähmen, die beiden Fassungen ernsthaft miteinander zu vergleichen, sondern mein damaliges Werk aus historischen Gründen gegen mich ausspielten. Ich bin sicher, dass ich aus künstlerischen Gründen am Ende mit der Neufassung recht behalten werde." (Nach G. Schuberts Hindemith-Biografie, Seite 120 ff.)

Ich fände es sehr interessant, was Edwin dazu sagt...

Liebe Grüße, Gerald
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miguel54

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Samstag, 3. November 2007, 17:06

Zitat

Original von rappy
Hallo,

wie ihr schon jemand erwähnt hat, soll Hindemith ja für jedes gängige Orchesterinstrument eine Sonate geschrieben haben.
Ich wollte mal hören, was ihr über diese Sonaten zu sagen habt. Sind sie gut? Ich kenne die 2. und 3. Klaviersonate... faszinierende Werke, auch wenn ich sie nicht verstehe.


Eine Gesamtaufnahme aller Sonate betitelten Werke hat das Ensemble Villa Musica in den Jahren 1996 und 1997 für Dabringhaus und Grimm gemacht, 7 CDs, die am Ende dann als preisgünstigere Box herauskamen - lieferbar sind aber offenbar nur noch die einzelnen CDs.
Ich muss sagen, gelangweilt oder abgestoßen hat mich nichts in dieser Sammlung, im Gegenteil: die Vielfalt der Stilmittel, die instrumentengerechte Kompositionsweise bei gleichzeitiger sehr persönlicher Tonsprache, sind schon sehr faszinierend. Die bewußte Auseinandersetzung mit der Musik, die Balance von äußerst solidem Handwerk und Expressivität - Hindemith hat dem literarischen Expressionismus zeitweise sehr nahe gestanden und Bezüge zu Texten hergestellt - das alles ergibt einen sehr persönlichen Komponisten, dem man m.A. in der Kammermusik schneller begegnet als in der orchestralen. Die biografischen bezüge sind auch nicht zu unterschätzen - die meisten Sonaten entstanden in der Schweiz nach seinem Rückzug aufgrund des Berufsverbots durch die Nazis und reflektieren seine Auseinandersetzung mit seiner persönlichen Situation in Musik und Gesellschaft wie ganz allgemein betrachtet. (Anfangen würde ich aber mit der Musik für Klavier solo in der Einspielung von Siegfried Mauser bei Wergo, die ich ganz fantastisch finde.)

Im Moment höre ich z.B. die Sonate für zwei Klaviere - da stehen fast minimalistische Elemente neben sehr nachdenklichen, motorische neben fast meditativen, trotzdem ist das alles nicht einfach aneinandergereiht sondern wirkt am Ende durch einen tief verborgenen Faden innerlich verbunden. Die Fuge am Ende ..... Hindemith hat ganz tolle Fugen geschrieben, der Ludus Tonalis gehört dem WTC an die Seite gestellt!
Ich finde seine Musik sehr persönlich, und die Kammermusik ganz besonders, in der er sich auch gegen den routinierten Musikerbetrieb gewehrt hat, den er ja aus eigener Erfahrung nur zu gut kannte.

Zum Thema "Verstehen": Mir haben die Beiträge in den Beiheften der Wergo- und MDG-CDs und im o.a. Hindemith-Forum sehr geholfen.

miguel54

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29

Samstag, 3. November 2007, 17:32

RE: Unübersichtlicher Quinten-Paul ?

Zitat

Original von BigBerlinBear
Wessen Neugier dann noch nicht gestillt ist, der wird von ganz allein weitersuchen und möglicherweise auch finden.


z.B. hier: Schott Verlag

oder hier: CDs von WERGO etc,

oder hier: MDG

oder hier: CPO

Die CDs bei WERGO, MDG, und CPO sind alle zu empfehlen - aber der gute Mann hat viel komponiert - ohne ein Vielschreiber zu sein!

miguel54

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30

Samstag, 3. November 2007, 18:25

Zitat

Original von Uwe Schoof


Diese CD beinhaltet die sechs Streichquartette Hindemiths, eingespielt vom Kocian Quartett. Besonders für das fünfte in Es-Dur habe ich eine große Schwäche, viele (von den wenigen, die sich diese Musik überhaupt anhören) dürften eher die frühen Quartette vorziehen.


Das müssen doch 3 CDs sein??? Und es gibt doch 7 Quartette ...

Ich habe sie zumindest auf 3, vom Danish String Quartet auf CPO, auch nicht übel:

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