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a.b.

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1

Mittwoch, 23. Mai 2007, 12:18

Malipiero: die Streichquartette

anlässlich der Wiederveröffentlichung der gesamten 8 Streichquartette von Malipiero durch das Orpheus String Quartet, damals bei ASV und nun wohlfeil bei Brilliant Classics, bitte ich um euere Erfahrungsberichte, welchen der Zyklen ihr bevorzugt: Jene des Orpheus String Quartet oder aber jenen des Quartetto d'Archi di Venezia? Danke!



Gruß ab

---
Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
J. Locke

Klawirr

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2

Donnerstag, 31. Mai 2007, 16:49

RE: Malipiero: die Streichquartette

Zitat

Original von a.b.
anlässlich der Wiederveröffentlichung der gesamten 8 Streichquartette von Malipiero durch das Orpheus String Quartet, damals bei ASV und nun wohlfeil bei Brilliant Classics, bitte ich um euere Erfahrungsberichte, welchen der Zyklen ihr bevorzugt: Jene des Orpheus String Quartet oder aber jenen des Quartetto d'Archi di Venezia? Danke!





Hallo a.b.,
zunächst mal muß ich gesetehen, daß ich die beiden Zyklen nicht vergleichen kann, weil ich die Einspielung des Quartetto d'Archi di Venezia nicht kenne. Die Aufnahme mit dem Orpheus-Quartett habe ich aber letzthin erworben und muß sagen: absolut zufriedenstellend - und für den Preis erst recht. Die vier Leutchen musizieren auf der Stuhlkante: blitzaufmerksam und hochengagiert und treffen dabei die zugleich lyrische und doch stets herbe Tonsprache Malipieros ganz genau.
Meiner Meinung nach mehr als empfehlenswert!!
Herzlichst,
Medard

Uwe Schoof

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3

Donnerstag, 14. Juni 2007, 22:49

Hallo,

leider kann auch ich nicht vergleichen.

Ebenso zufrieden (wie Klawirr) bin ich mit meiner Aufnahme des Quartetto d'Archi di Venezia, welche die einzige ist, die ich habe und auch kenne.

Ich finde diese technisch sauber und lebendig, unspektakulär und völlig in Ordnung. Wie gesagt: ich kenne keine Alternativaufnahmen, kann mir (zum jetzigen Zeitpunkt) auch nicht vorstellen, dass die Malipiero-Quartette besonders interpretationssensibel sind, da sie nicht so sehr aus großen und weiten Spannungsbögen bestehen.

Ich kenne den heutigen Preis nicht; vor einigen Jahren habe ich einiges für die CD bezahlt. Aber dies habe ich nicht bereut, da ich immer mal wieder diese Musik auflege.

Bemerkung: Malipiero gab gelegentlich von sich, dass es ihm nicht um die klassischen Formen ging (und er diese angeblich gerne vermied), sondern lediglich um spontane melodiöse Einfälle zur reinen Erquickung und Unterhaltung. Naja, ich finde, er komponierte, ich beziehe mich auf die Quartette, formtraditioneller als viele andere, und das sehr gut. Interessant in den Quartetten die lebendige Mischung zwischen horizontalen schönen Melodieführungen und breiten Akkorden, bei denen (wie ich glaube herauszuhören - ich kenne die Partituren nicht) gerne leere Saiten verwendet und so eine gewisse Weite erzielt wurden. Die Stimmung der Stücke ist so, wie man es sich von einem Südländer vorstellt; hat vielleicht auch etwas von Debussy und Ravel.

Die acht Quartette sind keine besonders großen Stücke, aber ziemlich stimmungsvoll. Sie dauern jeweils um die 15 bis 20 Minuten.

Uwe
Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

Matthias Oberg

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4

Montag, 14. April 2008, 19:30

Hallo,

einen Einfluß von Ravel kann ich hier eher nicht heraushören, wie Uwe Schoof, ein Einfluß von Debussy ist jedoch vor allem in den ersten beiden Quartetten klar auszumachen. Debussy hatte wirklich auch in anderen Werken einen großen Einfluß auf Malipiero. Auch der Strawinski der Sacre-Zeit hatte zeitweilig einen erheblichen Einfluß auf allerdings andere Werke Malipieros.

"Weite Spannungsbögen" im Sinne klassischer Themenverarbeitung lehnte Malipiero auch wirklich ab als einer "Italianita" nicht gemäß. Was immer man auch davon halten soll, er jedenfalls meinte, wo in Italien dieser Weg gegangen worden sei, sei er nicht wirklich geglückt. Insofern vermeidet er in den Streichquartetten auch die Sonatenform. Warum sollten sie deswegen, aber "nicht besonders interpretationssensibel" sein?
Und was auch immer es mit der "Größe" in der Musik aufsichhaben mag, jedenfalls finde ich insbesondere das 7. Quartett kontrapunktisch recht raffiniert. Auch in anderen Werken ist Malipiero einer der besten italienischen Kontrapunktiker. Nicht umsonst war Nono einer seiner Schüler, dessen Werk sicherlich bedeutender ist. Auch Dallapiccolla ist sicherlich "wichtiger" und ein mindestens ebenso guter Kontrapunktiker. Aber Malipieros Aussage, dass es sich bei seinen Streichquartetten "lediglich um spontane melodiöse Einfälle zur reinen Erquickung und Unterhaltung" handele, ist, so weit ich weiß, nur auf das erste bezogen gewesen und wohl auch eher als "fishing by compliments"-Argumentation zu verstehen. Das elegische, zweite, aus der Zeit, als Malipiero den Tod seiner Frau zu verarbeiten hatte, ist sicherlich nicht gemeint. Vor allem im ersten soll übrigens wirklich viel auf den leeren Saiten gespielt werden und die Komposition ist auch luftig genung, damit man das Schwingen der leeren Saiten auch hören können soll.
Dieses Ökonomische - hier hat wohl Nono ebenfalls von Malipiero gelernt - verbunden mit der etwas sperrigen Chromatik, häufig in Kirchentonarten, und erweiterter Tonalität oder häufig auch Bitonalität, ebenso häüfig verbunden mit Renaissance- und Frühbarock-Polyphonie macht für mich den Reiz vieler Werke, nicht nur der Streichquartette Malipieros, aus, läßt sie aber wohl auch, wie immer wieder beschrieben, etwas "spröde" wirken.

Im letzten, achten Quartett des 1964 82-Jährigen wird dann noch der Einfluß der 2.Wiener Schule auf Malipiero (etwa ab den 50er Jahren)sehr schön hörbar. Es ist zwar nicht streng zwölftönig, aber konstuierter und teilweise "atonal". Ebenso sind die Einzelstimmen hier am unabhängigsten.

Zur Ausgangsfrage des Threads, nach den beiden Interpretationen: Sie nehmen sich wirklich nichts. Sind beide sehr o.k., aber auch nicht mehr. Eine noch klangschönere, in vollerem Streichklang würde mir gerade im Kontrast zur "Sprödigkeit" der Kompositionen gut gefallen. Eine Aufnahme z.B. des Emerson-Quartets könnte ich mir gerade in den polyphonen Abschnitten toll vorstellen und würde ich mir sofort auch noch zulegen.

LG, Matthias
"Freiheit, Weitergehen, ist in der Kunstwelt, wie in der ganzen, grossen Schöpfung, Zweck." Beethoven

Uwe Schoof

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5

Mittwoch, 16. April 2008, 21:43

Hallo,

Zitat

Matthias Oberg schreibt: einen Einfluß von Ravel kann ich hier eher nicht heraushören, wie Uwe Schoof, ein Einfluß von Debussy ist jedoch vor allem in den ersten beiden Quartetten klar auszumachen. Debussy hatte wirklich auch in anderen Werken einen großen Einfluß auf Malipiero.


Nun, von Einfluss war in meinem Beitrag überhaupt keine Rede; aber dennoch wundert mich, gleichzeitig den Einfluss Ravels zu negieren und den Debussys klar auszumachen. Ich finde, dass sich die Streichquartette Debussys und Ravels in ihrer Sprache und ihrem Ausdruck sehr ähnlich sind; sie könnten geradezuzu von demselben Komponisten stammen, oder?

Zitat

Insofern vermeidet er in den Streichquartetten auch die Sonatenform. Warum sollten sie deswegen, aber "nicht besonders interpretationssensibel" sein?


Das habe ich ja nicht gesagt, sondern : "...kann mir (zum jetzigen Zeitpunkt) auch nicht vorstellen, dass die Malipiero-Quartette besonders interpretationssensibel sind, da sie nicht so sehr aus großen und weiten Spannungsbögen bestehen". Damit will ich die Musik weder auf- noch abwerten; ich habe mich über die Malipieroquartette ja positiv geäußert. Vielmehr meine ich, dass die Musik der Quartette ziemlich klar und festgelegt ist, motivische Zellen nicht durchgewalkt werden und es somit weniger Möglichkeiten für interpretatorische Bandbreiten gibt (ich habe nicht gesagt: keine). Ähnlich sehe ich z.B. die von mir sehr geschätzten Brahmsschen Streichquintette, die von verschiedenen Ensembles gespielt viel ähnlicher klingen als es z.B. bei den Violinsonaten des selben Komponisten der Fall ist. In letzteren Stücken glaube ich ausmachen zu können, dass sie sehr geprägt von Spannungs- oder Atembögen sind; dies ist ein fast wellenmäßiges Auf und Ab, und somit ist in den zu hörenden Interpretationen eine große Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten durch An- und Abschwellen von Tempo und Dynamik, durch leichte Verzögerungen etc. festzustellen. Die Quintette dagegen sind schon etwas gradliniger, die Quartette Malipieros noch viel mehr, und das Streichquartett in 4 Teilen von Cage noch mehr. Das hat mit der Qualität der Stücke nichts zu tun, lediglich mit dem Charakter.

Schöne Grüße,

Uwe
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a.b.

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6

Donnerstag, 17. April 2008, 09:52

Zitat

Original von Uwe Schoof
da sie nicht so sehr aus großen und weiten Spannungsbögen bestehen


Meine Erfahrung ist es, dass es einzig von den Interpreten abhängt, ob sie weite Spannungsbögen spannen oder im Kleinen verhaftet bleiben. Das liegt nicht am Werk. Deshalb, weil eine Tradtion besteht, gewisse Werke großbögiger zu spielen, kann ich doch nicht erkennen, dass dies an der Komposition liegt.
Gruß ab

---
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J. Locke

Matthias Oberg

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7

Donnerstag, 24. April 2008, 21:48

Zu a.b.: :yes: :yes:

:hello: Matthias
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8

Donnerstag, 25. November 2010, 12:11

Meine Erfahrung ist es, dass es einzig von den Interpreten abhängt, ob sie weite Spannungsbögen spannen oder im Kleinen verhaftet bleiben.

Das stimmt so natürlich nicht. Als Beispiele seien Petterssons 6. Sinfonie genannt und Weberns Bagatellen für Streichquartett - Pettersson spannt die weitesten mir bekannten Bögen und Webern spannt keine weiten Bögen, da er vorher aufhört.

Malipiero spannt tatsächlich keine weiten Bögen.
Naja, ich finde, er komponierte, ich beziehe mich auf die Quartette, formtraditioneller als viele andere, und das sehr gut.

Malipiero vermeidet die traditionellen Formen und setzt an deren Stelle eine lockere Folge von Abschnitten. Das gilt, glaube ich, für alle 8 Quartette.

Anderswo schrieb ich gestern:

Malipieros klassischer Zyklus der acht Quartette zeigt einen deutlichen Einschnitt zwischen den Quartetten 5-7 (1947-50) und dem 8. (1963-4). Die rhapsodische Reihung und der unverkrampft-abstrakte Ausdruckswert bleiben (also keine Bekenntnismusik und keine Orientierung an romantischen Vorbildern) aber die polytonale Diatonik weicht einer der Zwölftonschreibweise angenäherten stärker polyphon ausgebildeten Gestaltung, die auch in der größeren Reduktion, der Verwesentlichung jedes Details das Schönberg-Vorbild ahnen lässt. Trotz seines hohen Alters geht Malipiero also den Weg mit, bleibt nicht in einer zunehmend abgestandener werdenden Stilistik und bricht dennoch nicht mit seinem Stil sondern rundet seinen wichtigsten Zyklus mit einem weitertastenden, konzentrierten Alterswerk ab.

"Polytonal" ist wohl eher falsch, "bitonal" kommt eher hin.
:huh:

Ich glaube, meine Lieblinge sind Nr. 5 und Nr. 8.
^^

a.b.

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9

Donnerstag, 25. November 2010, 13:38

Zitat von »a.b.«
Meine Erfahrung ist es, dass es einzig von den Interpreten abhängt, ob sie weite Spannungsbögen spannen oder im Kleinen verhaftet bleiben.


Das stimmt so natürlich nicht. Als Beispiele seien Petterssons 6. Sinfonie genannt und Weberns Bagatellen für Streichquartett - Pettersson spannt die weitesten mir bekannten Bögen und Webern spannt keine weiten Bögen, da er vorher aufhört.


Gemeint war aber, dass es Streichquartettformationen gibt, die über viele Takte hinweg bei den Bagatellen einen romantischen einheitlichen Bogen suchen, und dass es Dirigenten gib, die kürzere (oder längere) Linien ziehen (oder zumindest zu ziehen versuchen), als es womöglich anderen - Pettersson eingeschlossen - in den Sinn käme. Das nennt man Interpretationsfreiheit, denke ich.
(Ich hörte einmal Sinopoli Mahler 3 dirigieren: da hat er die Musik in aseptische Einzelteile von Taktlänge zerhackt.)

Ich behaupte also tatsächlich, dass Musikwerke unbestimmt sind hinsichtlich einer einzigen "tatsächlichen" Spannungsbogenlänge.
Damit will ich aber keineswegs bestreiten, dass es nicht plausiblere Interpretationen gibt als andere. Sicher bin ich mir aber darin, dass diese Version, die der Komponist selbst im Sinn hatte, mitnichten immer die plausibleste sein muss.
:hello:
Gruß ab

---
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J. Locke

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10

Donnerstag, 25. November 2010, 14:05

Ich behaupte also tatsächlich, dass Musikwerke unbestimmt sind hinsichtlich einer einzigen "tatsächlichen" Spannungsbogenlänge.

Das ist eben eine Aussage, die ich so für falsch halte. Freilich kann ein Musikwerk selbst Spannungsbögen haben und ein anderes nicht.
Unabhängig vom Interpreten wird man in Petterssons 6. lange Bögen in der Partitur oder beim Anhören einer beliebigen Aufnahme (auch wenn die Ausführenden sie nicht adäquat umsetzen) erkennen können.

Und von langen Bögen kann etwa in Malipieros 8. Streichquartett nicht wirklich die Rede sein, das wäre mE ein Analysefehler, wenn man so etwas dort annähme - ich glaube nicht, dass es hier funktioniert, über die Abschnitte hinweg Spannungsbögen festzustellen, ein gewisses Maß an Kleingliedrigkeit und womöglich Kurzatmigkeit ist dem Musikwerk selbst eigen.

Dass Du etwas anderes meinst, ist mir schon klar, aber deshalb kannst Du nicht gut die Existenz von kürzeren oder längeren Bögen den Musikwerken selbst absprechen. Mich persönlich interessiert es relativ wenig, wenn Musiker wegen "interpretatorischer Freiheit" Bögen erzeugen, die durch Verstoß gegen Aufführungsanweisungen gewonnen werden. Aber ich bezweifle, dass es das bei Malipiero-Streichquartett-Aufnahmen gibt.

Alfred_Schmidt

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11

Montag, 21. November 2016, 00:56

Seit etwa 5 Jahren liegt die Gesamtaufnahme aller Streichquartette in dieser hier gezeigten Box ungehört in meinem Archiv. Ich kaufte sie damals in der Vorahnung, daß sie nicht ewig im Katalog sein würde, und mich der Komponist eines Tages interessieren könnte. Eine weise Entscheidung - denn in der Tat ist die Aufnahme bereits gestrichen.
Ich habe heute das erste der Quartette erstmals gehört und war angenehm überrascht. Die Musik, obwohl ich nicht das orten konnte, was man gemeinhin als "Thema" bezeichnet, klang bei aller Fremdartigkeit irgendwie vertraut und hörenswert. Vor allem aber gelingt es ihr, Interesse zu wecken und irgendwie mit "schönen Stellen" zu verführen, die zu den aktiveren, rhythmischen Stellen eine wunderbare Symbiose eingehen, Ich weiss nicht, ob diese Musik mich vor 30 Jahren fasziniert hätte - heute indes tut sie es - und wird zum Ankauf weiterer CDs mit Musik von Malipiero führen.
Das Streichquartet Nr 1 entstand im April 1920 in Rom und trägt den Titel "Rispetti e Strambotti". Von den folgenden Quartetten tragen weitere 5 ebenfalls einen Namen, welcher indes nach Angaben des Komponisten nicht als Programm zu verstehen ist. Zu guter Letzt noch ein Wort zur Aufnahmetechnik: Sie ist superb und trägt sicher viel zur Gesamtwirkung der Werkes bei, die Instrumente stehen plastisch im Raum, die Klangfarben sind unverfälscht, der Live-Effekt ist frappant. Aber natürlich ist es in erster Linie das Orpheus String Quartett, dessen Interpretation sowohl den lieblichen als auch den impulsfreudigen Stellen voll gerecht wird - und IMO mehr als das....

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

lutgra

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12

Montag, 21. November 2016, 12:24

Seit etwa 5 Jahren liegt die Gesamtaufnahme aller Streichquartette in dieser hier gezeigten Box ungehört in meinem Archiv.

Diese Box steht auch in meiner Sammlung und ich habe sie schon so lange nicht mehr gehört, dass ich nicht mehr erinnere, wie diese Musik klingt. Grund sich mal wieder damit zu beschäftigen.
Ich besitze auch noch die hier, bisher weitgehend ungehört. Symphonien und Orchesterstücke von Malipiero kamen seinerzeit vor allem bei Marco Polo heraus, einige davon habe ich und die Musik hat mir gefallen. Aber auch hier wäre eine Wiederbegegnung dringend erforderlich.