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reklov29

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31

Sonntag, 23. Januar 2005, 15:39

RE: Intonation und Registrierung

Hallo Karsten,

wie ich in meinem obigen Beitrag erwähnte, ist es ein Begriff von Rezensenten, die hier in den örtlichen
Zeitungen immer wieder benutzt wird. Da ich die Orgelkonzerte persönlich besuche, sind mir die Rezensionen wichtig, um meine persönliche Meinung, unabhängig von den Kritiken, dagegenhalten zu können.l
Wahrscheinlich ist der Begriff der Registierung den örtlichen Rezensenten abhanden gekommen?
Ist in meiner Sicht auch eine eindeutigere Aussage und Kritikpunkt.....

Mit freundlichem Gruß
reklov29
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

Karsten

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32

Sonntag, 23. Januar 2005, 15:53

RE: Intonation und Registrierung

Zitat

Original von reklov29
Wahrscheinlich ist der Begriff der Registierung den örtlichen Rezensenten abhanden gekommen?


Das könnte durchaus sein, nicht selten glauben Kritiker und Rezensenten ja nur, Ahnung zu haben ;)
Ich würde jedenfalls bei der Besprechung von Orgelaufnahmen von der Verwendung des Begriffs "Intonation" in Zusammenhang mit dem SPiel des Interpreten abstand nehmen, dann ist man auf der sicheren Seite.

Etwas anderes ist es hingegen, wenn man den Klang der Orgel an sich beschreiben oder kritisieren will. Beispiel: "Die Flöte ist sehr kräftig intoniert." Dann bezieht man sich aber auf die Arbeit des Orgelbauers. Der Organist selbst kann nichts dafür, DASS die Flöte kräftig klingt, man kann ihm höchstens vorwerfen, dass er sie (un-)passend im Stück einsetzt (also registriert).

Hoffe jetzt sind alle Klarheiten beseitigt ;)

Gruß
Karsten

reklov29

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33

Sonntag, 23. Januar 2005, 18:17

RE: Intonation und Registrierung

Hallo Karsten,

finde ich Köstlich:
Hoffe jetzt sind alle Klarheiten beseitigt
Du hattest sicher Unklarheiten gemeint, aber Danke für Deine ausführliche Interpretation.
Werde es in Zukunft zu schätzen wissen.

Schönen Sonntagabend
und Grüße
reklov29
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

Karsten

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34

Sonntag, 23. Januar 2005, 18:30

RE: Intonation und Registrierung

Zitat

Original von reklov29
finde ich Köstlich:
Hoffe jetzt sind alle Klarheiten beseitigt
Du hattest sicher Unklarheiten gemeint, aber Danke für Deine ausführliche Interpretation.

Ich habe das schon bewusst so geschrieben: ist eben die (ich glaube gar nicht so unbekannte) "ironische" Fassung der altbekannten Redewendung. :)

Gruß
Karsten

reklov29

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35

Montag, 24. Januar 2005, 23:23

Mozart verhinderter Orgelkomponist?

Hallo Taminoaner,

zu dem bisher gesagten ist mir heute ein Artikel zu Händen gekommen, der folgendes beinhaltet:

Gemeinhin werden auf Schallplatten Mozarts 17 "Kirchensonaten" in einem editorischen Atemzug unter
dem Oberbegriff "Orgelmusik" mit den wenigen Kompositionen zusammengefaßt, die Mozart für die
Orgel komponiert hat. Zwar hat Mozart die Orgel als sein Lieblingsinstrument bezeichnet und auch von
ihr auch den Gemeinplatz vom "könig aller instrumenten" bemüht...

Ist die zuletzt genannte Aussage als richtig anzusehen?

Weiter geht es in der Textpassage... dass Mozart vom 9.8.1772 bis zum 28.8.1977 beschäftigt, als Domkonzertmeister
im Dienst des Fürsterzbischofs zu Salzburg vom Amt 1977 zurücktrat, um seine mehrjährigen Reisen antreten zu können.
Das Unternehmen geriet zum Fiasko, sodass Mozart 1779 wieder um ein Amt in Salzburg nachsuchte.

Er erhielt in erweiterter Form die Stellung als Hof und D o m o r g a n i s t , die er für zwei Jahre
bekleidete. (1781)
In dieser Tätigkeitszeit der letzten 2 Jahre weist Mozart dem Orgelpart konzertierende Virtuosität zu -
hier schrieb er für sich selbst als Solisten.....

Diese Aussagen waren für mich neu, zumal seine Tätigkeit als Domorganist (1779 bis 1781).

Diese neuen Hinweise wollte ich dem Forum nicht vorenthalten...!!

Ich hätte nur zu gern Antworten darauf, ob die Orgel wirklich Mozarts Lieblingsinstrument
gewesen ist...????

Herzliche Grüße
reklov29
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

Ulli

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36

Montag, 12. September 2005, 23:57

Aber er konnte...

Salut, lieber reklov29

ich möchte kurz auf Deine Fragen eingehen und noch etwas zu Mozarts Orgelspiel anfügen.

Zunächst Leopold Mozart über seinen Sohn bei einem Besuch in Ybbs 1762:

[...] [wo] sich unser Wolferl auf der Orgel so herumtummelte und so gut spielte, daß die P. P. Franziskaner, die eben mit einigen Gästen bey der Mittagstafel saßen, samt ihren Gästen das Essen verließen, dem Chor zulieffen, und sich fast zu Todt wunderten. [...]

Dann weiter aus Wasserburg, nachdem der Vater dem Sohne das Pedalspiel zeigte:

[...] Davon er dann gleich stante pede die Probe abgeleget, den schammel hinweg gerückt, und stehend preambulirt und das pedal dazu getreten…als wenn er schon viele Monat geübt hätte. [...]

1787 war Mozart in Prag. Dort kostete er die Gelegenheit aus, auf der Orgel der Prämonstratenserabtei Strahov zu spielen. Der damalige Organist des Klosters, der Mozarts Improvisationen niederschrieb [KV Anh. C 27.03], beschreibt:

Er bestieg den Sitz und machte pleno choro durch beiläufig 4 Minuten meisterhafte Akkorde und ließ durch diese [...] jeden Kenner wahrnehmen, daß er mehr als ein gemeiner Organist sey ... Nun fing er ein 4stimmiges Fuga Thema an, welches um so schwerer auszuführen war, weil es und die Verfolgung desselben aus lauter Mordenten bestund, welche auf einer so schwer zu drückenden Orgel außerordentlich hart auszudrücken sind.

...und von Mozart selbst; er schreibt während seines Dresdenaufenthaltes am 16. April 1789 [16ten Aprill 1789 :D] an seine Frau:

[...]Nach tisch wurde ausgemacht auf eine Orgel zu gehen. - um 4 uhr fuhren wir hin - Naumann war auch da; - er ist ein schüller von einem Schüller von Bach. - seine force ist die Orgel, und das Clavier |: Clavikord :| - Nun glauben die Leute hier, weil ich von Wien komme, daß ich diesen Geschmack und diese Art zu spielen gar nicht kenne. - ich setzte mich also zur Orgel und spielte. - der fürst Lichnowsky |: weil er Häßler gut kennt :| beredet ihn mit vieler Mühe auch zu spielen; - die force von diesem Häßler besteht auf der Orgel in füssen, welches, weil hier die Pedale stuffenweise gehen, aber keine große Kunst ist; übrigens hat er nur Harmonie und Modulation vom alten Sebastian Bach auswendig gelernt, und ist nicht im Stande eine fuge ordentlich auszuführen - und hat gar kein solides Spiel - ist folglich noch lange kein Albrechtsberger.[...]

und zum Schluß:

Die orgl ist in meinen augen und ohren der könig aller instrumenten
[Brief an den Vater aus Ausburg, 17./18. Oktober 1777]

Über das Datum 09.08.1772 habe ich in Kürze nicht gefunden [lediglich die altbekannte Info, daß M. an diesem Tag die Dienstverpflichtung als Konzertmeister mit 150 Gulden Gehalt antrat], richtig ist aber, dass Mozart am 28.08.1777 [nicht 1977 :D] antragsgemäß aus erzbischöflichen Diensten entlassen wurde:

Auf die Hofkammer mit deme, daß der Vater und Sohn nach dem Evangelio die Erlaubniß haben ihr Glück weiter zu suchen.

Der Vater Leopold wurdem vom vor Zorn geplatzten Erzbischof gleich mitentlassen, was aber im September dann wieder gradegebogen wurde...

Am 17. Januar 1780 wird Mozart per Dekret als Hof- und Domorganist [lt. Köchel] mit einem jährlichen Gehalt von 450 Gulden [~ 8.000 bis 9.000 €] angestellt.

Trés amicalament
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
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Ulli

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37

Dienstag, 13. September 2005, 22:20

Domkonzertmeister

Salut reklov29,

wie ich soeben bei Recherchen zu den Kirchensonaten lese, wurde Mozart am 9. August 1772 zum Domkonzertmeister ernannt.

Beste Grüße
Ulli
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reklov29

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38

Samstag, 17. September 2005, 17:01

RE: Domkonzertmeister

Hallo Ulli,

das verflixte Internet..... mein geschriebener Beitrag ist weg. Melde mich wieder!


Grüsse reklov29
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

reklov29

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39

Samstag, 17. September 2005, 23:44

RE:W.A. Mozart Domkonzertmeister in Salzburg

Lieber Ulli,

vielen Dank für Deine umfangreichen zusätzlichen Ausführungen zu diesem Thread. Einen Beitrag hatte
ich schon verfasst, dann stürzte beim Abspeichern im Forum mein Internet wieder einmal ab.Z.Zt. ist das eine Katastrophe sich einmal wieder ohne diese Befürchtungen im Forum bewegen zu können. Aber nun zum eigentlichen Thema, Dein Zitat:Er bestieg den Sitz und machte pleno choro durch beiläufig 4 Minuten meisterhafte Akkorde und ließ durch diese [...] jeden Kenner wahrnehmen, daß er mehr als ein gemeiner Organist sey ... Nun fing er ein 4stimmiges Fuga Thema an, welches um so schwerer auszuführen war, weil es und die Verfolgung desselben aus lauter Mordenten bestund, welche auf einer so schwer zu drückenden Orgelaußerordentlich hart auszudrücken sind.-------------------------------------------------------------------------Leider war zu der Zeit von W.A.Mozart die Blütezeit der Orgel im Süden, (einmal ausgenommen der Norden) einfach vorbei. Wie sonst hätte er nur so wenige Orgelkompositionen schaffen können, zumal er sich doch über das Instrument so lobend geäußert hat. Von seinem Vater Leopold Mozart, bekam ich im August im Klagenfurter Dom durch den Oesterreichischen Organisten Konstantin Reymaier ein Orgelstück zu Gehör, und war davon absolut begeistert.Es handelte sich um seine Orgelkomposition: „Concerto in D-Dur, Andante, Allegro“ Meine Ausführungen dazu können hier nachgelesen werden!Einen Orgelthread über Leopold Mozart werde ich in den folgenden Tagen verfassen. Herzliche Grüsse ins Elsaß und schönes Wochende reklov29
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Zitat: J.E.G.

Ulli

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40

Sonntag, 18. September 2005, 22:48

RE: RE:W.A. Mozart Domkonzertmeister in Salzburg

Salut,

nun ja, die Orgel ist in Mozarts Werken schon durchaus messbar vertreten; die Messen, Oratorien, Litaneien, Offertorien, Requiem, Einzelwerke, Epistelsonaten...

In Mozarts Salzburger Zeit hat der damalige Kirchenchef Colloredo [der "Erzesel" :D ] keine - oder kaum - Musik geduldet, gerade soviel als nötig. So hatten die Messen eine absolut maximale Dauer von 45 Minuten zu haben, die Kirchensonaten wurden nach Beendigung von Mozarts zweitem Anlauf in Salburg abgeschafft. Gerade hatte Mozart die Orgel solistisch ins Spiel gebracht... Es gab also keinen Grund, solches zu komponieren, zumal es sich beim Komponieren um einen Broterwerb handelte und Aaufträge in diesem Genre gab es halt [für Mozart] nicht...

Davon abgesehen hat Mozart auf fast jeder Reise in irgendeiner Kirche an der Orgel improvisiert. Es gibt jedoch nur ein Werk, welches [angeblich] überliefert ist [s.o.].

Liebe Grüße
Ulli
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41

Freitag, 25. November 2005, 22:36

Zitat

Es ist natürlich unstrittig, dass diese Orgelwalzenwerke auf einer guten Kirchenorgel phantastisch klingen, aber eigentlich völlig fehl am Platze sind, wenn man es genau nimmt.


danke für die Meinungsäußerung!!
hab in Wien peinliche Diskussionen und Streitereien erlebt, wie denn das Werk richtig aufgeführt werde....

Extremisten spielen es z.B: nur mit 8' und 4' und gekoppeltem Pedal... langweilig...

andere Registrierungen greifen dafür in die Struktur des Werkes ein = Transskriptionen...(die Pedalstimme muß verändert werden...) vom Schluß der f-Moll Fantasien gibt es mehrere Fassungen...
Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
(frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

Ulli

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42

Samstag, 26. November 2005, 08:12

Zitat

Original von tastenwolf

Zitat

Es ist natürlich unstrittig, dass diese Orgelwalzenwerke auf einer guten Kirchenorgel phantastisch klingen, aber eigentlich völlig fehl am Platze sind, wenn man es genau nimmt.


danke für die Meinungsäußerung!!
hab in Wien peinliche Diskussionen und Streitereien erlebt, wie denn das Werk richtig aufgeführt werde....

Extremisten spielen es z.B: nur mit 8' und 4' und gekoppeltem Pedal... langweilig...

andere Registrierungen greifen dafür in die Struktur des Werkes ein = Transskriptionen...(die Pedalstimme muß verändert werden...) vom Schluß der f-Moll Fantasien gibt es mehrere Fassungen...


Salut,

die Frage ist ganz einfach zu benatworten:

Man bestücke eine "Walze in eine kleine Orgel" und lasse diese Orgelwalze die Stücke spielen, das wäre dann HIP. :P

Ganz neu für mich war die Fassung für zwei Klaviere, welche ich kürzlich von unserem obsi als "Genesungs-CD" erhielt. Diese Fassung dürfte m. E. nach der Orgelwalzenfassung am authentischsten sein, da Mozart die Stücke wohl am Clavier komponiert hat [in vier Systemen notiert].

Liebe Grüße
Ulli
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sebastian

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43

Montag, 28. November 2005, 19:56

Allerdings - brauchen wir überall diese manchmal wirklich verdammenswerte HIP? Ich habe keinerlei Problem damit, dass man sich darüber bewusst sein muss, wie es früher wohl geklungen haben dürfte bzw welche Parameter man bei der Interpretation dieser Stücke einberechnen muss, sollen sie "authentisch" klingen.
Aber da habe ich schon die ersten Probleme: Orgelwerke von Buxtehude oder von Bach authentisch gespielt, hieße eigentlich, sie an einer Schnitger- oder Compeniusorgel zu spielen. Und dann viel Spass mit der Temperierung.... Einige Stücke sind da schlicht unmöglich. Wenn die Orgel dann aber schon in der Temperierung Beschränkungen auferlegt, die ja man notwendigerweise, will man die Stücke aufführen, durch den Gebrauch neuer, wohltemperierter Instrumente umgehen muss, warum umgeht man dann auch viele klangliche Beschränkungen (als da wären Äqualverbot, kein Absatz-Spiel, strenge Regeln beim Registrieren, Rücksichtnahme auf leichte Registrierbarkeit sowie "normale" Klänge) nicht? Denn im Prinzip ist dies nichts anderes - nur eben auf einer anderen Ebene, die man als Hörer vielleicht auch als wichtiger empfindet...
Ich sage so: HIP ist sehr schön, ich liebe es, auf historischen Orgeln "historisch" zu spielen (aber auch zu experimentieren!!!), aber auf einer modernen Orgel mit modernen Registern, einer modernen Temperatur und moderner Technik habe ich ganz andere Möglichkeiten (aber auch viele Einschränkungen, was zB den Adel und das Leben des Tons angeht), und ich denke, dass es sicher NICHT im Interesse von solch progressiven und schöpferischen Kräften wie Bach, Buxtehude und Mozart liegt, dass man sich halbwegs bemüht, so zu klingen bzw das zu ziehen wie man es früher WOHL GEMACHT HAT... (man vergleiche zB den Klang der Wenzelsorgel Naumburg mit dem der Orgel in der Lutherkirche Wiesbaden - letztere ist alles andere als barock...).
Es kann sein, dass es wieder sehr provokativ klingt, aber: Mozart auf einer modernen Orgel: Warum nicht gespielt wie von Guillou?!
Viele Grüße
Bach ist Anfang und Ende aller Musik

44

Montag, 28. November 2005, 21:38

Strenge Registrierregeln

Hallo Sebastian,

schön, daß du das ansprichst, dieses Verbot von Manualwechsel oder Registeränderung empfinde ich an modernen Orgeln als quälend...
den Plenoklang einer alten Orgel hält man vielleicht 15 Minuten lang aus, aber z.B: den stumpfen, geraden Riegerklang...?
am schlimmsten ist es bei der Passacaglia...vielleicht freut sich reklov29, wenn ich berichte, daß ich manchmal nach der A.Schweitzer Registrierangabe aus dem Bach Buch spiele...

Pedalspiel ohne Absatz finde ich großteils kein Problem...außer z.B: beim Solo der C-Dur Toccata...das wäre mir zu schwierig

Beim Temperierungsproblem machen es sich die meisten zu leicht... der Grundsatz: barocke Stimmung = 415 Hz. ist doch Unsinn... da gibt es verschiedenste Varianten...wahrscheinlich auch höhere Stimmungen als 440 und noch tiefere...

provokativ finde ich eher die Einschränkungen bzw. die Abwertungen, die von Seiten der "Spezialisten" vorgebracht werden...
Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
(frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

BigBerlinBear

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45

Freitag, 2. Dezember 2005, 23:02

In Abwandlung eines alten Sprichwortes sage ich:

"Es ist einfacher, auf einer Schnitger-Orgel Messiaen zu spielen als auf einer Klais-Orgel Buxtehude ! :D


PS: Klais steht hier stellvertretend für Rieger, Schuke usw....
Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

reklov29

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46

Montag, 5. Dezember 2005, 21:52

Hallo sebastian,
Zitat:
Aber da habe ich schon die ersten Probleme: Orgelwerke von Buxtehude oder von Bach authentisch gespielt, hieße eigentlich, sie an einer Schnitger- oder Compeniusorgel zu spielen.
------------------------------------------------------

Hier wird mir zu oft die Historie zitiert, wenn sich ein Organist bemüht, sein Werk historisch aufzuführen
ist es sein Problem, wo gibt sie es noch die wirklich barocken Prachtstücke an alten Orgeln, irgendwo sind
die Orgelbauer der Neuzeit doch dabei, irgend etwas neuzeitliches dazu zu murcksen.Von einem alten
historischen Klangideal kann doch unmöglich noch gesprochen werden.
Umso mehr kann sich der Besucher doch freuen, wenn ein Organist sich bemüht, klanglich der Historie
etwas näher gekommen zu sein.

Grüsse
reklov29
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

reklov29

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47

Montag, 5. Dezember 2005, 22:04

RE: Strenge Registrierregeln

Hallo Wolfgang,
Zitat:
am schlimmsten ist es bei der Passacaglia...vielleicht freut sich reklov29, wenn ich berichte, daß ich manchmal nach der A.Schweitzer Registrierangabe aus dem Bach Buch spiele...
---------------------------------------

Finde ich phänomenal von Dir, warum soll nicht auch einmal ein A.Schweitzer herhalten, so ganz unrecht
waren seine Meinungsäußerungen zum bachschen Orgelspiel seinerseits auch nicht.
Wenn es ein Interpret versteht, seine Interpretation mit Herz zu spielen, merkt der Besucher das sofort. Viele grandiose Organisten der Neuzeit verstehen ihr Spiel doch nur noch weltmeisterlich, technisch
brilliant und herzlos kalt herunter zu spulen.

Grüsse
reklov29
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Zitat: J.E.G.

sebastian

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48

Dienstag, 6. Dezember 2005, 16:55

....Ein Wunder, wenn man bei vielen Lehrern nichts anderes mehr lernt...
Bach ist Anfang und Ende aller Musik

49

Donnerstag, 15. Dezember 2005, 22:33

RE: Strenge Registrierregeln

Zitat

Viele grandiose Organisten der Neuzeit verstehen ihr Spiel doch nur noch weltmeisterlich, technisch brilliant und herzlos kalt herunter zu spulen.



Hallo Reklov,


muß zu dem harten Vorwurf doch noch Stellung nehmen...

die Entwicklung der Ausbildung der letzten Jahrzehnte hat bei den Musikern ähnliche Leistungen hervorgebracht wie im Sport... vergleichbar mit Rekorden im Laufen...


dadurch hat sich das Gefühl für Schnelligkeit - bei Interpreten und Publikum - geändert. Bei Wettbewerben zählt das langsamere Tempo mit Sicherheit als mangelnde Beherrschung des Instruments, nicht als künstlerische Aussage...

Vielleicht ist die Entschaidung, langsamer zu spielen als der Durchschnitt ähnlich revolutionär wie die Blattspiel-Konzerte des Swjatoslaw Richter...

da muß man schon Persönlichkeit mitbringen, um sich das zu trauen


diesen Satz würden bestimmt einige hier unterschreiben - leider ist er zweischneidig...


Es reicht nicht aus, auf einmal wieder langsam zu interpretieren, man muß dem langsamen Tempo - - - dem Stück Sinn verleihen
Man muß ja erst die Begründung dafür liefern, warum das Stück nicht im Höchsttempo exekutiert wird...

EIn zusätzliches Problem bieten ja die zahlreichen Aufnahmen, (Tastenwolfs Lieblingsthema)... das Argument: heutzutage spielt man das Stück xy so und so... ist ja genaugenommen Schwachsinn, dafür existieren ja die Aufnahmen aus früheren Zeiten...
allerdings:
es reicht ja nicht aus, sich wieder Schweitzer, Walcha oder Richter zum Vorbild zu nehmen und zu behaupten, man habe den Stein der Weisen neu entdeckt...

Kopien gibt es genug - wir brauchen Originale...

Und allerdings (Gegenargument) kann man an der heutigen Zeit nicht vorbei gehen - ich hab einmal die Bach Triosonaten von Matthias Eisenberg (nur als ein Beispiel) gehört... Geschwindigkeitsrekord, nochdazu kann er sein gewähltes Tempo nicht halten und wird schneller...
aber das spiegelt nunmal den Stand unserer technischen Fähigkeiten am Instrument, das kann man nicht vernachlässigen...


IMO ist hauptsächlich die "Perfektion" schuld, der tontechnische Wahn einer Präzision, die man von Aufnahmen her gewohnt ist...
Ich stelle mir vor, daß sämtliche Interpreten, die vor der Tonträgerzeit gelebt haben, ganz andere Kriterien hatten... (Hier muß das abgedroschene Beispiel von den falschen Tönen bei Alfred Cortot herhalten - wer kann sich das heute leisten, so zu spielen?)
Abgesehen davon, daß es bei "Liveaufnahmen" auch Nachaufnahmen gibt, um die Fehler rauszuschneiden...
Diese veränderte Einstellung gibt dem Studium eine einseitige Ausrichtung, die Prüfungsprogramme werden ständig erweitert, um den "Standard zu heben" (in meiner Studienzeit gabs eine solche Änderung, die bewirkte, daß für die prüfung nach dem 1.Studienabschnitt fast so viel verlangt wurde wie für die 2. Diplomprüfung der früheren Studienordnung...

Schade, daß auch im Satz von Sebastian diese Resignation zu spüren ist... Jene Lehrer - bei denen man nichts anderes lernt, als schnell zu spielen - sitzen ja in den Kommissionen und Jurys und beeinflussen für weitere Jahrzehnte den Musikbetrieb mit ihrer Meinung...


Für Vorschläge, um aus der Misere raus zu kommen, bin ich dankbar...


PS. sorry wegen der Themenabweichung
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Ulli

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Donnerstag, 15. Dezember 2005, 22:40

RE: Strenge Registrierregeln

Vorschlag: Durchsetzten und Prügel kassieren...

aus Erfahrung grüßt
Ulli
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Freitag, 16. Dezember 2005, 08:38

;)

...und eine eigene Schule gründen?
Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
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reklov29

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52

Montag, 19. Dezember 2005, 22:15

RE: Strenge Registrierregeln

Hallo Wolfgang,

Deinen Situationsbericht eines heutigen Orgel-Studiums habe ich mit sehr grossem Interesse verfolgt.
Da ich nur als Amateur ein wenig Klavier zum Hausgebrauch spiele und nicht Orgelspieler bin,
kann ich die Situation nur als ein Aussenstehender wahrnehmen.

Dein Zitat:
Für Vorschläge, um aus der Misere raus zu kommen, bin ich dankbar...
---------------------------------------------

Wenn Du schon so weit sein solltest und es Dir zutraust ein eigenständiges Orgelkonzert zu geben, so schicke mir eine PN in der wir uns diesbezüglich austauschen könnten.

Grüsse
reklov29
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Karsten

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53

Mittwoch, 11. April 2007, 23:37

RE: Mozart verhinderter Orgelkomponist?

Ohne die Frage warum oder warum nicht Mozart so viel oder so wenig für Orgel geschrieben hat, möchte ich auf folgende Mozart-Orgelaufnahme, die vor einigen Monaten erschien, aufmerksam machen:



Mozart, Wolfgang Amadeus (1756-1791)
Kirchensonaten für Orgel solo
KV 67, 69, 144, 212, 224, 244, 328, 336, 594, 608, 616
Gerhard Gnann
Seifert-Orgel (2005) Sankt Mariä Empfängnis Essen
organum classics
DDD, 2006

Gnann hat für organum schon eine wirklich sehr schöne Bach-Orgel-CD eingespielt. Hier hört man außer den drei "großen" Orgelwerken einige Epistelsonaten für Orgel-solo bearbeitet. Alles wunderschön musiziert und die Orgel klingt nicht nur Dank der hervorragenden Aufnahmetechnik fantastisch.
Und ein kleines "Osterei" gibt's auf der CD auch noch (mehr wird nicht verraten ;) ).

Besonderes Lob möchte ich für die fantastische Gestaltung des Booklets austeilen. Neben "Standards" wie der Disposition, Künstlerbiografie und Programm findet man auch eine ausführliche Beschreibung der Orgel und einen ZEHN (!)-seitigen Text von Lothar Heinle über Mozart und die Orgel, die Epistelsonaten und die Werke für Orgelwalze.

Eine sehr zu empfehlende CD!

Gruss
Karsten

musicophil

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54

Mittwoch, 11. April 2007, 23:55

RE: Strenge Registrierregeln

Zitat

Original von tastenwolf
Und allerdings (Gegenargument) kann man an der heutigen Zeit nicht vorbei gehen - ich hab einmal die Bach Triosonaten von Matthias Eisenberg (nur als ein Beispiel) gehört... Geschwindigkeitsrekord, nochdazu kann er sein gewähltes Tempo nicht halten und wird schneller...
aber das spiegelt nunmal den Stand unserer technischen Fähigkeiten am Instrument, das kann man nicht vernachlässigen...

Hallo Tastenwolf,

In Deinem interessanten Beitrag fehlt m.E ein Punkt.
Welche Geschwindigkeit erlaubte die Orgel von Bach damals, als er jene Triosonaten komponierte.
Soll man bei Tempobeurteilung das damalige Instrument nicht berücksichtigen?

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

Ulli

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Dienstag, 15. April 2008, 23:14

Sonate all'Epistola

Hallo,

was ganz Feines ist die da - höchste Kunst auf engstem Raum:



Wolfgang Amadé Mozart [1756-1791]
Chamber Sonatas
[Sonate all'Epistola / Kirchensonaten]

London Barowue
Charles Medlam


Gespielt wird auf historischen Instrumenten in angemessener Kleinstbesetzung:

Ingrid Seifert, Violine Jacobus Stainer, Absam 1661
Anne Röhrig, Violine Fedele Baria, Venise, 1771
Charles Medlam, Violoncello Finnocchi, Perugia c1720
William Hunt, Violone Robert Eyland, 1983 [nach Busch c1640]
John Toll, Orgel William Drake, 1984

Einzig meine Lieblingssonate KV 336 will mir nicht so recht munden - etwas zu behäbig gespielt, dazu eine sehr unpassend registrierte und komponierte Kandenz... sehr schade!

Ansonsten aber eine wirklich hoch zu lobende Einspielung! :jubel: :jubel: :jubel:

Die Kirchensonaten erhalten hier durchaus Unterhaltungswert - würde man die Sonate dell'Epistola wieder in die Messe integrieren, wäre dies ein Grund für mich, mal wieder eine Kirche außerhalb des historischen Interesses zu betreten...

:hello:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
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bachiana

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Sonntag, 31. August 2008, 23:22

Ich hab schon seit meinen Teenagerjahren ein großes Faible für die Werke, die Mozart für eine Orgelwalze schrieb, und höre diese sehr gerne auf großen (und auch weniger großen) Kirchenorgeln gespielt. Auch wenn es sich dabei um Auftragswerke handelte, die hauptsächlich Mozarts Kasse auffüllen sollte, steckt meiner Meinung nach zu viel Qualität und musikalische Substanz in diesen Stücken, als dass man sie Musikautomaten überlassen sollte, auch wenn sie dafür geschrieben sein mögen.

Zitat


Original von tastenwolf
danke für die Meinungsäußerung!! hab in Wien peinliche Diskussionen und Streitereien erlebt, wie denn das Werk richtig aufgeführt werde.... Extremisten spielen es z.B: nur mit 8' und 4' und gekoppeltem Pedal... langweilig...


Ganz meine Meinung! Sonst immer sofort für HIP zu haben, will ich hier vor allem die f-moll-Fantasie KV 608 voll und kräftig registriert hören. Da ist mir ganz wurscht, was früher an Pfeifen in solche Uhrwerke eingebaut wurde. :angel: Durch Zufall gab's mal diese CD sehr günstig, die neben den späten Werken auch noch einiges an früheren Werken enhält, die Mozart - so vermute ich - wohl zu Studienzwecken geschrieben hat, zum Teil auch Bearbeitungen und Komplettierungen unvollendeter Werke. Die Zusammenstellung ist abwechslungsreich zu hören.

[amx=B000H305X2]300[/amx]

Vernet spielt auf der Aubertin-Orgel von Saint-Louis en l'ile in Paris von 2004 (?), wie ich mit meinen unzulänglichen Französischkenntnissen dem Booklet entnehme. Vernets Spiel gefällt mir ausgezeichnet, der Klang der Orgel ist sehr charaktervoll und ihr Farbenreichtum wird durch Vernets Registrierung gut demonstriert.

Möglicherweise ist dies nicht das optimale Instrument für diese Literatur? Egal, ich bin sehr zufrieden. :yes:

Ulli

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Montag, 1. September 2008, 08:10

Hallo Bachiana,

für die Wiedergabe in heutiger Zeit ist die Kirchenorgel sicherlich die richtige Wahl. Allerdings ist für mich die Welt der Musikautomaten des 18. Jahrhunderts von besonderem Interesse - diesbezüglich sei auch das im Schloß Bruchsal integrierte Musikautomatenmuseum sehr empfohlen.

:hello:

Ulli
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bachiana

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Mittwoch, 3. September 2008, 22:43

Hallo Ulli,

dein Interesse an den Musikautomaten kann ich voll und ganz nachvollziehen - das finde ich auch hochinteressant und würde ich auch gerne mal live hören.

Mir ging's eher darum, dass ich schon öfter auf die Auffassung gestossen bin, dass Mozarts Werke "für eine Uhr" a) aus Geldnot und b) für eine seelenlose Musikmaschine geschrieben wurden, und allein aus diesem Grunde keine besondere musikalischen Qualität besitzen könnten. Da sind wir doch bestimmt einer Meinung, dass das Quatsch ist, oder? :hello:

Daher gibt's meiner Meinung nach keinen Grund, diese Werke nicht als vollwertige Musikstücke zu betrachten. Und gut gespielt höre zumindest ich sie immer wieder gerne!

Ulli

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Mittwoch, 3. September 2008, 22:51

Hej,

Mozart hatte nicht wirklich Spaß an der Komposition, wenn man seinen Worten glauben darf:

[...] ich habe mir so fest vorgenommen, gleich das Adagio für den Uhrmacher zu schreiben, dann meinem lieben Weibchen entwelche Ducaten in die Händ zu spielen; that das auch – war aber, weil es mir sehr verhaßte Arbeit ist, so unglücklich, es nicht zu Ende bringen zu können – ich schreibe alle Tage daran – muß aber immer aussetzen, weil es mich ennuirt - und gewis, wenn es nicht einer so wichtigen Ursache willen geschähe, würde ich es sicher ganz bleiben lassen … Ja, wenn es für eine große Uhr wäre und das Ding wie eine Orgel lautete, da würde es mich freuen; so aber besteht das Werk aus lauter kleinen Pfeifchen, welche hoch und mir zu kindisch lauten.

Wobei mir zu "kindisch" einfällt: Wer im Glashaus...

Aber Mozart hat die Arbeit doch sehr ernst genommen, sonst wären nicht diese wunderbaren Werke entstanden, die wir heute ersatzweise auf irgendwelchen Tasteninstrumenten zu hören bekommen.

Leider gibt es keine Originalen Flötenuhren mehr, welche die von Mozart komponierten Stücke abspielen. Präziser: Die Uhren gibt es schon noch, nur die bestifteten Walzen sind komischer Weise abhanden gekommen. Theoretisch wäre dies aber m. E. rekonstruierbar. Einen [miesen] Eindruck vermittelt diese CD:



KV 608
Mozarts Allegro und Adante (Fantasie in f) für eine Orgelwalze im "Laudon Mausoleum"
Eine virtuelle Rekonstruktion


Mit "virtuell" ist hier leider midi-Sound gemeint... :no:
Die beigefügten Texte allerdings sind äußerst interessant [und widerlegbar :D ].

Origineller ist da schon diese CD:



Tondokumente aus dem Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Mechanische Musikinstrumente. Vol. 3: Wiener Flötenuhren um 1800


welche Aufnahmen von abspielenden Originalinstrumenten beinhaltet. Etwas Mozart ist auch dabei, aber wiederum keine Originalkompositionen. Dafür bietet die CD jede Menge Originalkompositionen von Haydn und auch Beethoven u.a. Komponisten. Natürlich klingen die "Instrumente" nicht mehr so ganz frisch, manche werden während des Spiels schneller oder langsamer... das muß man bei der Liebe zu diesen originellen Dingern schon ertragen können.

:hello:

Ulli
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Ulli

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Mittwoch, 10. September 2008, 22:37

zu KV 594

Hallo,

soeben finde ich in meinem Fundus noch eine leider offenbar nicht mehr aufzufindende CD des Titels "Der unbekannte Mozart" mit DG-Aufnahmen aus den 50er- bis 80er Jahren, vertrieben von Universal Marketing Group GmbH (c)2002.

Diese CD enthält KV 594 in einer Einspüielung mit Lilly Berger und Fritz Neumeyer [demnach vierhändig] an Mozarts Hammerflügel.

:jubel: :jubel: :jubel:

Eine wunderbare Einspielung, ein herrlicher Klang!

:jubel: :jubel: :jubel:

Und vom Prinzip her zwar nicht HIP, dafür aber HIK [historische Kompositions-Praxis], denn es kann als sicher gelten, daß Mozart das Werk an diesem Instrument selbst spielte... möglicher Weise mit Constanze.

:D

Ulli
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