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der Lullist

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1

Montag, 31. Januar 2005, 08:47

Moderne Inszenierungen - Totengräber der Oper ?

Hallo Kollegen,

es würde mich mal interessieren welche Erfahrungen ihr mit modern inszenierten Opern habt.
Ich bin davon weniger begeistert (um es mal neutral auszudrücken) :stumm:
Mittlerweile entwickle ich auch langsam eine "böse" Abneigung gegen den Minimalismus. ( Vielleicht hängt das auch mit meinem Kunststudium zusammen, dort bin ich als superkonservativ verschrien...und bin stolz darauf :D) Aber ich empfinde es immer öfter als Vergewaltigung des Werkes wenn z.B. in einer Barockoper ( ich beschränke mich jetzt mal auf diesen Bereich) Jupiter als Penner auf die Bühne taumelt und in Rameau "Les indes Galantes" der Tanz der Wilden von ein paar Punkern "getanzt" wird. Die Liste ist endlos und ich empfinde soetwas als Mißachtung des Kunstwerkes, dann kann man sich auch die Instrumente sparen und alles über den Computer laufen lassen... (ich glaube soetwas in der Art hat Berio schon mit Monteverdis Orfeo gemacht :rolleyes:

Diese "Wünstler" (Original Zitat meines Zeichenlehrers - Wünstler = von Wollen aber nicht können :D) sind ständig der Meinung mit solchen Inszenierungen diese Werke aktuell machen zu müssen. Aber was soll das? Orfeo ist 400! Jahre alt, man übermal ja auch nicht die Gemälde von Rubens um sie Aktuell zu machen.

Es gibt allerdings auch einige wenige Aufführungen die annehmbar sind
z.B. Lullys Atys damals in den 80ern oder Händels Alcina in Genf, oder die Aufführung von Cavallis La Calisto.
Aber mir scheint, so etwas ist die Ausnahme.
Denn gerade was Barockopern anbelangt habe ich schon eine genaue Vorstellung (schließlich beschäftige ich mich seit über 10 Jahren damit).
Deshalb habe ich das Gefühl diese pseudo Bühnenbilder und Kostüme der Sänger - wenn sie denn überhauptmal was anhaben - sind nichts anderes als eine Entschuldigung für leere Kassen.

Von sinkenden Schiffen auf der Bühne, gewaltigen Maschinen die ganze Chöre auf Wolken schweben lassen, spektakuläre Verwandlungen wird man wohl nur noch träumen können.
Solange man diese Art der Inszenierungen fortsetzt sieht man mich nicht mehr in der Oper! :evil:

Aber mich würde dennoch interessieren welche Erfahrungen und Meinungen ihr habt - vielleicht habt ihr ja auch ein paar gute Tips, denn ich bin mittlerweile gefrustet.

GiselherHH

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Registrierungsdatum: 5. Oktober 2010

2

Montag, 31. Januar 2005, 10:02

Hallo,

ich bin regelmäßiger, wenn auch nicht fanatischer Opernbesucher (ca. 1 mal im Monat) und bin grundsätzlich auch für sehr moderne und avangardistische Regiekonzepte offen, solange sie sich mir ohne Lektüre des Programmheftes erschließen (das schließt allerdings eigenes Nach- und Mitdenken ein). Im wahrscheinlichen Gegensatz zu vielen, insbesondere wohl Wiener Mitgliedern des Forums :D, halte ich die Oper nicht für ein Museum, in dem brave Kulissenschieberei und gefälliges Sängerarrangement an der Rampe bereits eine "Regie" darstellt. Ich möchte in der Oper sowohl unterhalten, als auch an- und (vielleicht) aufgeregt werden. Wenn man seinen Kopf an der Garderobe abgeben und sich nur berieseln lassen will, sollte man in irgendeines der heute so populären Spektakel-Musical à la "Phantom der Oper" gehen.

Wesentlich wichtiger als das Bühnenbild ist mir die gelungene Personenregie zwischen den Sängern, das Agieren und Reagieren jenseits der sattsam bekannten Standardgesten (ein Arm hoch, zwei Arme hoch, Standbein-Spielbein etc.). Erst da zeigt sich die Meisterschaft eines wirklichen Regisseurs, der sein Handwerk versteht.

Zu Deinem Argument gegen Aktualisierungen eine Frage: warum tragen auf unzähligen bildlichen Darstellungen christlicher oder antiker Geschehnisse vom Frühmittelalter bis zum Ende des Barock die dort abgebildeten Menschen zeitgenössische Kleidung? Nur aus Unkenntnis?

Grüße

GiselherHH
"Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

peet

Fortgeschrittener

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Beiträge: 230

Registrierungsdatum: 11. August 2004

3

Montag, 31. Januar 2005, 10:28

Zitat

Original von GiselherHH

Zu Deinem Argument gegen Aktualisierungen eine Frage: warum tragen auf unzähligen bildlichen Darstellungen christlicher oder antiker Geschehnisse vom Frühmittelalter bis zum Ende des Barock die dort abgebildeten Menschen zeitgenössische Kleidung? Nur aus Unkenntnis?


Hallo GiselherHH,

dies ist eine schöne Frage. Ich denke, die Gründe dafür liegen im damals noch nicht vorhandenen Gefühl für die Geschichte, dafür, was später der Historizismus genannt wurde.

Gruß

ThomasBernhard

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Beiträge: 4 310

Registrierungsdatum: 21. Januar 2005

4

Montag, 31. Januar 2005, 11:29

Schönen Gruß nach HH, bin vollständig deiner Meinung, GiselherHH

Inszenierungen mit REIN historischen Kostümen und Kulissen mag ich nur noch als historisches Dokument auf DVD sehen.
Freilich wollen viele Regisseure immer so schrecklich aktuell sein (Frankfurt: Elektra, Dresden: Turandot), was mir bisweilen auf den Senkel geht, und dann gibt es natürlich noch die zwei, drei Regisseure, die jede Oper als Hardcoreporofilm inszenieren wollen. Aber selbst das kann u.U. aufgehen und besagt soweit noch nichts über die Qualität der Inszenierung. Schauen wir in die "Geschichte der modernen Inszenierung": Schon in der weimarer republik machte klemperer in berlin furore mit seinem modern inszenierten fliegenden holländer, der dann in der ausstellung entartete kunst gezeigt wurde. Ihr habt sicher mal den berühmten Ring von chereau/boulez im tv oder als dvd gesehen, das ist doch um längen interessanter als dieser staubige DGG-DVD Ring aus New York. Fischer-Dieskau oder so jemand sagte einmal, daß wotan heute öfter mit der aktentasche in der hand gesungen wird als mit dem speer. und genau so hat es wagner auch gemeint. wagner kritisierte mit seinem seltsamen götter- und Menschenvölkchen ja SEINE EIGENE Zeit und nicht die zeit des frühmittelalters in der die handlung spielt.
John Eliot Gardiner selbst inszenierte sehr schön Cosi fan tutte auf DGG DVD. Das sind zwar historische kostüme und kulissen aber die schauspieler agieren so keck und intelligent, wie ich das von einer "historischen inszenierung" aus dem Wien oder Salzburg oder Berlin von plusminus 1912 nie erwarten werde (abgesehen davon, das cosi fan eh ein heisses eisen war)
Ist gardiner jetzt eine "historische" inszenierung? ist doch egal? gut muß sie sein, das ist alles! und gute und langweilige inszenierungen gibt es auf beiden seiten und oft verschwimmen ja auch die grenzen, etwa wenn in einer vorwiegend "historischen" inszenierung abstrakte kulissenteile auftauchen oder anachronistisch-moderne ausstattungsstücke auftauchen - das macht doch nix!!! ausserdem mag ich "offene verwandlungen", gerade wenn man eine große drehbühne am haus hat.

so, ich hoffe, daß dieses forum viel zuspruch finden wird.

Gruß aus frankfurt
Frauen und Kinder zuerst

good night and good luck

thomasbernhards-1[ätttttt]yahoo[punkt]de

Alfred_Schmidt

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5

Montag, 31. Januar 2005, 11:37

Zitat

Zu Deinem Argument gegen Aktualisierungen eine Frage: warum tragen auf unzähligen bildlichen Darstellungen christlicher oder antiker Geschehnisse vom Frühmittelalter bis zum Ende des Barock die dort abgebildeten Menschen zeitgenössische Kleidung? Nur aus Unkenntnis?


Tatsächlich: JA

Man darf hier nicht ausser acht lassen, daß diese heute so berühmten Künstler in erster Linie Handwerker waren ohne tiefere Bildung, lediglich in der Renaissance versuchte eine gebildete Clique die Antike wiederzubeleben, ein Versuch, wenn man ihn an der eigentlichen Zielsetzung misst, kläglich gescheitert ist.

Zu Wien und dem "Wiener Musikgeschmack":
Wenngleich schon verwässert stellt Wien sicher noch eine Hochburg des guten Geschmacks dar, wo sehr lange Zeit "konservative" (soll heißen unverzerrte) Inszenierungen geboten wurden.

Auch in Österreich hat man bei Inszenierungen nicht nur Kulissen verschoben. man focht aber mit feiner Klinge, die historischen Proportionen blieben gewahrt. Wenn ich in die Oper gehe und Mozarts Zauberflöte anschauen möchte, dann erwarte ich ein Zaubermärchen aus dem späten 18. Jahrhundert, nicht eine abstrakte Aufführung wo das Bühnhnbild an ein weiß gekacheltes Badezimmer erinnert, auch keine aus dem Zirkus.
Jenen die sich an historischen Werken vergreifen, weil sie der Meinung sind die Stücke wären nicht mehr zeitgemäß, empfehle ich, ihre dreckigen Finger von diesen Stücken zu lassen, wir brauchen Euch nicht.
Es gibt genug Publikum, auch únter der Jugend, die die Stücke so sehen wollen wie sie geschrieben wurden, nicht manipuliert und in den Dreck gezogen, verbalhornt und lächerlich gemacht.
Glücklicherweise bahnt sich langsam aber sicher das Ende dieser Ära an, weil nämlich die Subventionen für derlei einfach nicht mehr vorhanden sind und sich nur selten Sponsoren für Aufführungen finden, wo die Theater leer bleiben.
In Wien hat man ein altehrwürdiges Theater, das Theater an der josephstadt, vor ca 2 Jahren "umbesetzt", d.h. man hat Helmut Lohner,
einen Theatermann und erstklassigen Schauspieler wider Willen in Pension geschickt. Voriges Jahr hat man ihn dann wieder zurückgeholt... :D

Ich erwarte von einer Inszenierung, daß sie mir das Stück so zeigt, wie es sich die Autoren vorgestellt haben, was heute insofern modernisiert werden kann, als man über Laserprojektionstechniken und andere Bühnentricks verfügt, die zu Zeiten der Uraufführung nicht vorhanden waren. Welche Möglichkeiten ...!!!

Wer vor alten Opern Angst hat, weil er sie als museal sieht, soll sich von ihnen fernhalten und neue inszenieren. Ich fürchte nur, da wird dann kaum jemand hingehen, zumindest nicht genug Leute, um diese Gattung unsubventioniert am Leben zu erhalten.

Ein letztes Wort noch zu Wien: Die Wiener Staatsoper hat derzeit eine Auslastung von 96 %, weltweit einzigartig. Darauf sei an dieser Stelle explizit hingewiesen.

Freundliche Grüße aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

GiselherHH

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6

Montag, 31. Januar 2005, 12:17

Hallo Alfred,

Deine Vorliebe für das "Konservative" in allen Ehren - aber verbirgt sich dahinter nicht doch eine Abscheu, gar Angst vor der Moderne? Ich für meinen Teil glaube nicht, daß man die heutige Welt aus der Oper aussperren kann und soll.

Die großen Werke der Opernliteratur halten allgemeingültige Aussagen über den Menschen und sein Leben bereit, die können in gepuderter Perücke ebenso präsentiert werden wie im Straßenanzug. Inszenierungen sind nun einmal vergänglicher Ausdruck ihrer jeweiligen Zeit, sind genauso wie musikalische Aufführungen Interpretationen, die immer nur einen Teil des Werkes beleuchten können. Nur deshalb werden sie wieder und wieder und immer anders inszeniert, eben weil es keine endgültigen Antworten auf unsere Fragen gibt. Gerade die Vielschichtigkeit und der Facettenreichtum der Stücke sind es doch, die unser Interesse an den Stücken wach halten und immer wieder erneuern. Wenn alles gesagt ist, gibt es keinen Grund, es noch einmal zu sagen.

Grüße

GiselherHH

P.S. Das hiesige "moderne" Opernhaus, in dem der ach so gefürchtete Herr Konwitschny bereits 10 mal inszeniert hat (und dessen Vorstellungen fast immer ausverkauft sind), hat eine Auslastung von immerhin 90 % vorzuweisen.
"Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

Alfred_Schmidt

Administrator

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7

Montag, 31. Januar 2005, 13:56

Hallo Giselher

Du schriebst:

Zitat

Deine Vorliebe für das "Konservative" in allen Ehren - aber verbirgt sich dahinter nicht doch eine Abscheu, gar Angst vor der Moderne? Ich für meinen Teil glaube nicht, daß man die heutige Welt aus der Oper aussperren kann und soll.

Abscheu vor der Moderne - Das ist das richtige Wort.

Da verbirgt sich auch nichts.

Man muß sich fragen als was Oper gesehn wird.

Als Lösungsversuch brennender Lebensfragen hab ich Oper nie gesehen, auch Theater nicht.

Für mich ergeben sich (vom musuikalischen mal abgesehen) 2 Aspekte:

a) der Unterhaltungsfaktor.
Rossinis Barbier setzt sich nicht mit brennenden Lebensfragen auseinander, es es eine lustige Klamauk-Geschichte mit Figuren der Comedia dell arte entlehnt.
Ein anderes Kaliber ist da schon der Figaro.
Man kann das Werk auf zwei Arten geniessen:
Uninformiert (ich behaupte das ist in der Regel der Fall) Dann haben wir ebenso eine harmlose Komödie vor uns, als solche hat Daponte sie ja Joseph II "verkauft"
Informiert: Leute die den geschichtlichen Hintergrund kennen, die gesellschaftlichen Spannungen des 18. Jahrhunderts, die Französische Revolution im Hintergrund, die werden Feinheiten im Text endecken, die man auch bei einer Inszenierung ohne Verfremdungen erzielen kann.
(Die Pariser Inszenierung ist IMO ein gelungenes Beispiel, wenngleich ich mir aufwändigere Bühnenbilder gewünscht hätte)

Wer aber weder am tändelnden Spiel, noch an der historischen Komponente Gefallen finden kann, der schaue sich Opern des 20. Jahrhunderts an, lasse aber die alten Werke in Ruhe.

Nachdem man zuerst das historische Gerippe entfernt (scheinbar waren die "Täter" mit Geschichte auf Kriegsfuss), dann den Text modifiziert
weil er nicht mehr passt, wird man schließlich auch noch die unzeitgemäße Musik der Opern entfernen.

Gegen moderne Werke, so sie denn jemand sehen will, ist nichts einzuwenden, allerdings bitte nicht auf Kosten der "etablierten" Werke.
und nicht in der Staatsoper. (Ich meine hier absolut zeitgenössisches, nicht Klassische Moderne)

Ich akzeptiere auch moderne Bearbeitungen alter Stücke: Die müssen aber dann als Bearbeitungen deklariert werden:

Als Beispiel:

Zitat

Chaos, Kriegsgäuel und Inquisition
völlig frei nach Don Carlos
Texte bearbeitet von Hansi Wurstinger
Verdis Musik adaptiert von Charles Mc.Krautkopf
Inszeniert von Benjamin Wichtigtuer
Bühnenbild: created by Minimal-Operndesign.



Schließlich gibt es noch einen Grund in die Oper zu gehen: Bühnenbild und Ausstattung. Der Legende nach verlangte ein berühmter Dirigent, der auch selbst inszenierte, gewisse Kostüme müssten aus echter Seide sein, weil das Publikum den Unterschied bemerken könnte. Die Zeitungen schrieben dazu, daß, wenn man den Preis dieser Kostüme
in Betracht ziehe, wahlscheinlich auch die Edelsteine drauf echt sein könnten.....

Persönlich interessiert mich der "Konfliktstoff"einer Oper herzlich wenig, ich kenne ihn ja schon. Was mich aber immer wieder (abgesehen von der Musik) begeistern kann, ist der Blick in vergangene Jahrhunderte, den speziell die alten Wiener Inszenierungen mit irrsinigem Aufwand vermitteln konnten.

Moderne Inszenierungen hingegen sind meist nur deshalb "modern" weil kein Geld mehr für Kostüme und Dekorationen ausgegeben werden kann. Das errinnert dann an schlechte Schüleraufführungen, und die interessieren mich nicht.

Ich bin auch keiner (mehr) der über "moderne" Iszenierungen wettert:
Ich gehe einfach nicht hin.


Beste Grüße aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Norbert

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8

Montag, 31. Januar 2005, 14:10

RE: Moderne Inszenierungen

Zitat

Original von der Lullist
Hallo Kollegen,

es würde mich mal interessieren welche Erfahrungen ihr mit modern inszenierten Opern habt.
Ich bin davon weniger begeistert (um es mal neutral auszudrücken) :stumm:


Ich denke, die Frage läßt sich pauschal nicht beantworten.

Die Hamburgische Staatsoper hatte in den letzten Jahren immer wieder Neuinszenierungen im Angebot, die für viel Gesprächsstoff sorgten.

Wenn der "Fidelio" ins KZ-Millieu gelegt wird, dann fange ich an zu gähnen, wenn Florestan an einem Kreuz hängt als er seine Arie singt (und ein sehr wohl beleibter Josef Protschka nicht recht ins Bild des ausgemergelten Gefangenen passen will), dann frage ich mich "was soill das?".

Wenn man in einer Inszenierung des Lohengrins von Peter Konwitschny bei Wagner mal schmunzeln kann und die mystifizierte Szenologie der Oper in ein Klassenzimmer verlegt wird, dann finde ich das sehr spannend.

Es kommt eben darauf an, ob es jemand um platte Provokationen geht oder ob sich der Regisseur Gedanken gemacht hat, die er unkonvntionell präsentiert. Wenn das Ergebnis stimmig ist, darf es gerne unkonventionell sein.

Zitat

Diese "Wünstler" (Original Zitat meines Zeichenlehrers - Wünstler = von Wollen aber nicht können :D) sind ständig der Meinung mit solchen Inszenierungen diese Werke aktuell machen zu müssen.


Dein Zeichenlehrer ist ein Plagiator ;) (nicht ernst gemeint). Das Oroginalzitat stamt von August Everding, der gesagt hat: "Kunst kommt von Können und nicht von Wollen. Käme sie von Wollen, hieße sie Wunst"
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Rocco

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9

Montag, 31. Januar 2005, 16:05

RE: Moderne Inszenierungen

Hallo,

moderne Inszenierungen verlangen meiner Meinung nach sehr viel Fingerspitzengefühl und oft läßt es das Thema garnicht zu. Allzugern werden aktuelle Alltagsproblematik wie Kriminalität, Drogenmissbrauch und sonstige Verrohungen mit eingebaut, die Darsteller mit geradezu lächerlichen Kostümen ausgestattet und haarsträubende Bühnenbilder entworfen.

Eine meiner Meinung nach gelungene Inszenierung bilden die Sellars-Aufnahmen der Da Ponte-Opern, insbesondere des Don Giovanni.

Im großen und ganzen haben mich die teilweise sehr utopisch anmutenden Aufführungen der letzten Zeit nicht vom Hocker gerissen und sondern mich eher dazu veranlasst, mein Oper-Abo zu kündigen. Ich mag keinen Siegfried auf einer Harley, der mit einer Kettensäge niedergestreckt wird. Ebensowenig mag ich einen Caspar, der als Skinhead daherkommt - alles dummes Zeug.
Beste Grüße aus Bonn
Matthias

Ich tu', was meine Pflicht gebeut, doch hass' ich alle Grausamkeit (ROCCO)

C.Huth

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10

Montag, 31. Januar 2005, 16:37

Hallo zusammen,

kein Thema, das in der Regel für einfache Diskussionen sorgt - und auch eines, das in vielen Foren (vorrangig Opernforen) immer wieder sehr kontrovers diskutiert wird. Ich habe keine große Lust, mich auf die Grundsatzdebatte noch einmal einzulassen, nur soviel: Für mich zählt am Ende nicht, wie eine Inszenierung "stilistisch" gemacht ist, sondern, ob sie im Ergebnis überzeugt. Also, für mich ist nicht entscheidend, ob die Kostüme alle historisch korrekt sind (in aller Regel werden in der Oper ja doch menschliche Konflikte behandelt, die zeitlos sind, jedenfalls in den Werken, die "überlebt" haben) oder ob das Bühnenbild abstrakt oder nicht ist. Wenn mich eine Inszenierung fesselt, die Personenführung überzeugt und ich (unter Umständen auch gegen anfänglichen Widerstand) das vermeintlich Bekannte neu sehen und hören lerne, bin ich's in der Regel zufrieden.

Ich denke jedenfalls, dass wir bestimmte Werke heute noch spielen, zeigt, dass sie uns etwas zu sagen haben: Und das gilt es zu zeigen. Die Möglichkeit des Scheiterns ist, wie immer in der Kunst, da einbegriffen. Das passiert.

Als "Bearbeitungen" muss man meiner Meinung nach auch eine Inszenierung nicht kennzeichnen, die in bestimmten Punkten vom Text abweicht: Das ist im Theater keineswegs etwas neues, auch nichts, was es erst seit 30 Jahren gibt. Sonst möchte ich auch jede gekürzte Figaro-Aufführung als solche gekennzeichnet sehen. Ich denke, wer ins Theater geht, weiss, was er dort bekommen kann: eine konkrete Aufführung.

Beste Grüsse,

C.

P.S.: @Der Lullist: Soweit ich weiss, hat Berio eine Bearbeitung von Monteverdis "Orfeo" erstellt, wie vor ihm auch schon etwa Orff, Respighi und Malipiero. Davon, dass darin die Musik vom Computer käme, weiss ich allerdings nichts. Ich glaube es eher nicht.
Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

der Lullist

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11

Montag, 31. Januar 2005, 19:49

Hy

also da mit man mich misversteht, mir persönlich geht es nicht um historische Genauigkeit - das ist ja auch völlig unrealistisch, mir geht es einfach darum dass man eine Aufführung auch etwas mit der Musik abstimmen muß, vielleicht habe ich nur miese Aufführungen erlebt und bin deshalb so feindlich gestimmt.

Für mich ist es wie mit einem Bild, wenn der Rahmen nicht stimmt dann zieht er den Rest auch mit runter.
Meine Beispiele verdeutlichen glaube ich was ich meine.

zu Berio, Du hast recht es war kein Computer, es war eine Rockband ich hab nachgesehen - aber ich finde es trotzdem ganz schlimm :D

Vielleicht ist auch meine Erwartungshaltung zu groß, ich weiß was damals möglich war und Heute bekommt man dann sehr reduzierte Kost vorgesetzt. Ich würde sogar sagen mir wären ab und zu konzertante Aufführungen lieber, dann würde man nicht "belastigt" werden :stumm:

Aber mal im ernst, wenn die Inszenierung passt, dann habe ich auch weniger was dagegen - nur ist das ziemlich selten.
Und ja mir geht es um Unterhaltung, aber das ist für mich nichts negatives. Ich kenne keinen Unterschied zwischen U und E Musik - ich finde es ehrlich gesagt lächerlich Musik so einzuteilen.

Zu der Bemerkung über die Darstellung der christlichen und antiken Sujets, es geschah wirklich aus Unkenntnis wie schon gesagt wurde.
Man wusste weder wie es in Jersusalem aussah - so findet die Kreuzigung schon mal vor einer mittelalterlichen Stadt mit Tannenbäumen statt und Antike Helden tragen Rüstungen und Gewänder die über die Jahrhunderte hinweg gleich blieben, das einzige was mit der Zeit sich veränderte war der Malstil und vielleicht das Schönheitsideal aber das eher im geringen Umfang.

Ich würde halt gerne mal auch eine Oper erleben in welcher sich der Regisseur nicht über das Werk stellt, denn ich habe es schon oft erlebt dass viele Besucher während der Aufführung unter Protest den Saal verließen, Pfiffe, und ein kleines Mädchen fing an zu weinen weil das Ballett alles andere als elegant war - es machte wirklich Angst.
Solche Sachen müssen nicht sein.

Ich wollte ich wäre auch noch so offen wie Ihr, aber als Student ist die Kasse knapp und da ist es schon ziemlich ärgerlich wenn man soetwas vorgesetzt bekommt.

Gibt es denn zur Zeit Inszenierungen die Ihr empfehlen könnt?

C.Huth

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Registrierungsdatum: 17. August 2004

12

Dienstag, 1. Februar 2005, 14:54

Hmm,

ob das Bild mit dem Rahmen für die Oper stimmt? Die Frage wäre doch: Ist die Szene nur der Rahmen für die Entfaltung der Musik? Wenn man das mit ja beantworten will (was ich nicht tue), dann müsste die Szene möglichst unauffällig hinter der Musik zurücktreten.

Aber ich glaube eben doch nicht, dass es sich so verhält: Oper ist doch in erster Linie eine Theaterform, bei der das szenische Element mit dem musikalischen mindestens gleichbedeutend ist. Und dann kann es schon mal sein, dass mal das eine, mal das andere die "Überhand" gewinnt, und der ganze Aufführungsabend eben daraus auch eine eigene Kraft zieht. Ich höre wirklich viel Oper von CD, aber für mich ist das ein sehr schlechter Ersatz für den szenisch-musikalischen Abend, den ich im Opernhaus habe. Szene und Musik können sich mal ergänzen, sie können aber mal auch gekonnt quer zueinander stehen - interessant ist doch am Ende, was die Aufführung als ganzes vermittelt.

Ansonsten werden hier wieder viele Fragen angesprochen, die doch an sich alt sind: Wie ist das, liegt ein Regisseur falsch, wenn es Unmutäusserungen im Publikum gibt? Oder erzählt das nicht zumindest auch etwas über die Befindlichkeit und Erwartung dessen, der seinen Unmut äussert? Ist Oper was für kleine Kinder? Darf ein Ballett, ja, darf Theater nicht auch Angst machen? (Im Kino ist das überhaupt keine Frage, das Angst auch unterhalten kann, ein ganzes Filmgenre lebt vom mehr oder minder gekonnten Grusel!) Wie ist das mit der Unterhaltung? Ich trenne auch nicht nach U oder E, sondern finde die Trennung auch eher absonderlich. Aber: Es gibt doch in der Oper solches und solches: Mal wird man einfach nur gut unterhalten, mal geht es aber auch um mehr. Man kann dann sagen: Interessiert mich nicht. Na gut. Ist aber nicht die Schuld des Regisseurs, der zeigt, dass es um mehr geht, sondern sagt wiederum - siehe oben - mehr etwas über die eigene Befindlichkeit.

Und ketzerisch gefragt: Warum wird eigentlich nur in der Oper so ungeheuer vehement Missfallen bekundet? Wenn im Konzert (oder auch auf CD) ein Dirigent, ein Pianist oder sonst wer schludert, oberflächlich arbeitet, schlecht einstudiert etc. entläd sich niemals so etwas wie der Buh-Orkan, den heutzutage schon fast rituell der Regisseur in der Oper aushalten muss (unabhängig davon oft, wie denn seine Inszenierung nun wirklich war). Kann es sein, dass man einfach nur *glaubt*, man könne in der Oper aber viel besser sagen, wie es sich richtig gehört?

So, und noch: Inszenierungen empfehlen. Ja, kann ich sicher. Wo kommst Du her, in welche Häuser gehst Du, wenn Du in die Oper gehst? Zum Beispiel hier in Saarbrücken gibt es aktuell eine wirklich tolle Inszenierung von Lucia di Lammermoor.

(NB: Man kann über das Thema vermutlich auch deshalb so schlecht im Netz diskutieren, weil man schon selten dieselben Produktionen sieht. Und wirklich drüber reden kann man meiner Meinung nach nur bei Betrachtung einzelner Produktionen.)

Beste Grüsse,

C.
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Rocco

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13

Dienstag, 1. Februar 2005, 15:32

Zitat:

"Und ketzerisch gefragt: Warum wird eigentlich nur in der Oper so ungeheuer vehement Missfallen bekundet? Wenn im Konzert (oder auch auf CD) ein Dirigent, ein Pianist oder sonst wer schludert, oberflächlich arbeitet, schlecht einstudiert etc. entläd sich niemals so etwas wie der Buh-Orkan, den heutzutage schon fast rituell der Regisseur in der Oper aushalten muss (unabhängig davon oft, wie denn seine Inszenierung nun wirklich war). Kann es sein, dass man einfach nur *glaubt*, man könne in der Oper aber viel besser sagen, wie es sich richtig gehört?"

Hallo,

kann es sein, dass der visuelle und damit optischer Eindruck leichter zu Emotionsäußerungen hinreisen kann, als ein gehörmäßiger? Liegt es daran, dass die Aufnahme von Tönen und deren Zusammensetzung in einer Komposition zunächst einmal für unser Gehirn abstrakt ist und damit mittelbarer? Ist nicht auch so, dass sich visuelle Eindrücke und deren Ge- oder Missfallen leichter in Worte fassen lässt, als Töne?

Um es mal einfach zu sagen:
Um ein Bühnenbild furchtbar grässlich zu finden, benötige ich zunächts einmal kein Hintergrundwissen. Ob ein Dirigent an einer gewissen Stelle schludert oder ein Pianist im Tempo daneben liegt, ist die höhere Kunst des Kunstsachverstandes.
Wie oft wird heutzutage technische und künstlerische Unzulänglichkeit mit dem Mäntelchen der künstlerisch-interpretatorischen Freiheit behängt?

Jetzt bin ich mal gespannt :D
Beste Grüße aus Bonn
Matthias

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C.Huth

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14

Dienstag, 1. Februar 2005, 15:51

Lieber Rocco,

Zitat

Original von Rocco
kann es sein, dass der visuelle und damit optischer Eindruck leichter zu Emotionsäußerungen hinreisen kann, als ein gehörmäßiger? Liegt es daran, dass die Aufnahme von Tönen und deren Zusammensetzung in einer Komposition zunächst einmal für unser Gehirn abstrakt ist und damit mittelbarer? Ist nicht auch so, dass sich visuelle Eindrücke und deren Ge- oder Missfallen leichter in Worte fassen lässt, als Töne?


Ja, ist es offenbar. Damit ist aber kein Werturteil über die Arbeit an sich fällbar, das ist oft genauso schwer, wenn nicht schwerer, wie bei einer musikalischen Interpretation, will ich meinen. Natürlich kann ich ein Bühnenbild scheusslich finden (ich kann auch das Kleid der Violinsolistin scheusslich finden), aber was sagt das über die Qualität der Aufführung?

Ein konkretes Beispiel: Die schon mal von mir genannte Saarbrücker "Lucia"-Inszenierung: Das Bühnenbild (Thomas Gruber) ist auf den ersten Blick völlig karg und vermutlich für viele eher "hässlich": Eine weitgehend leere Bühne, und darauf, in verschiedenen Konstellationen, zwei runde, halboffene Türme, einer bullig metallisch, einer schleierhaft durchschimmernd. So. Mehr nicht. Da kann ich gerne buhen, übersehe aber, dass das ganze im Konzept des Abends, in dem es - verkürzt gesagt - um das Gegeneinander von Männer- und Frauenwelt geht (das keineswegs harmonisch ist in dieser Oper), hervorragend aufgeht und sich geradezu kongenial mit der Regie (Matthias Kaiser) ergänzt.

Wichtig ist vielleicht auch noch, darauf hinzuweisen, dass der Regisseur (im Regelfall) nicht der Bühnenbildner ist. Was eine gute Personenführung ausmacht, was eine gründliche Einstudierung, was eine im Kontext schlüssige Charakterisierung der Figuren ist., das ist bei weitem nicht so schnell für "gut" oder "schlecht" zu finden (geschmacklich) wie ein Bühnenbild. (Vielleicht bezieht sich viele Kritik an Inszenierungen deshalb vorrangig auf das Bühnenbild?).

Zitat


Um ein Bühnenbild furchtbar grässlich zu finden, benötige ich zunächts einmal kein Hintergrundwissen.


Nein, aber um es in einen Bezug zu der Aufführung zu setzen, zu dem, um was es an dem betreffenden Abend geht, vielleicht doch schon, oder?

Beste Grüsse,

Claus
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Rocco

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15

Dienstag, 1. Februar 2005, 16:23

Hallo,

vielleicht fällt man aufgrund des visuellen Eindrucks schneller ein Urteil. Zu oberflächlich ist ohnehin schon alles geworden.

In einer Operinszenierung habe ich einen audiovisuellen EIndruck, als zwei Eindrücke, die das Gehirn erstmal verarbeiten und miteinander in Einklang bringen muss. Dies ist offenbar vielen nicht mehr möglich, woraufhin der Regisseur oft voreilig als der Buhmann hingestellt wird. Die Leistung der Sänger und des Orchesters bleiben das oft genug hinten an.

Ein Werturteil ist damit natürlich nicht fällbar, da ich Arbeit natürlich als Ganzes und in Bezug aufeinander sehen muss. Es scheint aber einfacher zu sein, den Don Giovanni so inszeniert zu sehen, wie seinerzeit 1787 als zwei farbige Zwillinge in der Bronx der 80er Jahre.
Beste Grüße aus Bonn
Matthias

Ich tu', was meine Pflicht gebeut, doch hass' ich alle Grausamkeit (ROCCO)

C.Huth

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16

Dienstag, 1. Februar 2005, 17:19

Lieber Rocco,

Zitat

Original von Rocco
Ein Werturteil ist damit natürlich nicht fällbar, da ich Arbeit natürlich als Ganzes und in Bezug aufeinander sehen muss. Es scheint aber einfacher zu sein, den Don Giovanni so inszeniert zu sehen, wie seinerzeit 1787 als zwei farbige Zwillinge in der Bronx der 80er Jahre.


Das mag sein. Aber es heisst nicht, dass es nicht erkenntnisreich sein kann, den Don Giovanni in der zweiten Variante (spielst Du auf eine konkrete Inszenierung an?) zu sehen. Die erste Variante ist - oft, nicht immer - auch die bequemere, weil sie in der Regel Vorurteile einfach bestätigen kann. Man kriegt eben, was man erwartet. Aber das ist - gottlob - nicht immer der einzige Weg in der Kunst. Ich lasse mich gerne überraschen ;)

NB: Oft werden auch nach akustischen Eindrücken sehr schnell ähnlich ablehnende Urteile gefällt wie ei "modernen" Inszenierungen, nämlich bei zeitgenössischer Musik. Mir scheint es manchmal, dass das ähnliche Gründe haben könnte. Das Ungewohnte ruft - unabhängig vom tatsächlichen künstlerischen Wert - möglicherweise oft zuerst Ablehnung hervor, weil es anstrengender ist.

Beste Grüsse,

C.
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Alfred_Schmidt

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17

Dienstag, 1. Februar 2005, 18:40

Hallo Claus

Welcher Opernbesucher legt schon, sagenwir mal 80 Euro auf den Tisch um sich anzustrengen oder gar zu frustrieren ?

HIER ist (vielleicht) der Unterschied von Konzert und Oper auszumachen: Das Konzerpublikum teilt sich in den Teil der sich unterhalten will und in jenen (kleineren) der eine Werk erarbeiten will, wobei der zweite Teil üblicherweise der Stehplatz ist.

Die Besucher einer Oper haben IMO andere Motive, ein Teil will seinen Lieblingssänger hören und vergleichen ob der nicht doch das hohe C besser singt als sein Rivale, andere wiederum wollen sich über ein Zeitfenster in andere Zeiten begeben (zu dieser Spezies gehöre ich) und die Gegenwart vergessen, man erwartet schöne Stimmen, eine geistvolle Inszenierung, naturalistische Dekorationen und Kostüme. Mit einem wort : Luxus.
Was bekommt man geboten ? Ein total entstelltes Werk, manchmal politisch unterminiert, und wenn,dann natürlich links. Ein Werk, das man nicht mehr erkennt, wenn ich eine Mozart Oper sehen will, dann hat die im 18. Jahrhundert zu spielel bzw in jener Zeit, die der Librettist bestimmt hat. Wenn ich Mozart (ist hier nur als Beispiel) so serviert bekomme wie "Wozzek", dann vergeht mir persönlich der Appetit auf die Oper.

Vielleicht noch ein nicht underheblicher Unterschied Oper-Konzert.
Moderne Kozerte werden IMO heutzutage kaum mehr angegriffen:
Sie sind nicht in der Lage das Althergebrachte zu verdrängen, laufen quasi nebenher, und wenn wir ehrlich sind, spielen alles in allem keine große Rolle. Anders ist das bei der Oper. Wenn ich den Harenberg Opernführer in die Hand nehme, und die darin abgedruckten Bühnenbilder sehe, packt mich immer das Grausen. Ausweichmöglichkeiten gibt es fast keine. Die Jugend lernt Oper nur mehr in der pervertierten Form kennen und glauben das gehört so.

Ein weiterer Vergleich.Niemand ist bisher auf die Idee gekommen Rembrandts zu übermalen, weil sie "nicht Zeitgemäß sind". Würde das aber jemand tun wäre der Widerstand ebenso laut und radikal wie bei der Oper. Ich habe aber die gute Hoffung, daß der Strom der Subventionen versiegt und der Geldgeber Publikum wieder das durchsetzt was es will. Denn, auch wenn es einige nicht hören wollen:
Die Oper ist fürs Publikum da und nicht zur Selbstverwirklichung einiger "Wünstler"

Wenn über eine Inszenierung einmal gestritten wird, dann ist sie IMO schon mißglückt. (Wobei ich hier Inszenierung und Aussatattung in einen Topf werfe) Ich erinnere mich gut an Bühnenbilder, wo das Publikum sofort nach Heben des Vorhangs spontanen Applaus spendete.

Aber ich weiß schon, in diesen Punkten werden wir uns nie einigen ;)

Beste Grüße aus Wien

Alfred

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GiselherHH

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18

Dienstag, 1. Februar 2005, 20:13

Hallo Alfred,

ja, ich bekenne mich! Ich gehöre zu den Wenigen, die glauben, daß man sich Kunst manchmal auch erarbeiten muß, um sie zu verstehen. Per aspera ad astra! Für mich ist Oper eben mehr als geistloses Nachtigallengeträller, das von einer Fan-Claque beklatscht wird oder Treffpunkt der scheinbaren "Elite" von Nerzmantelfraktion und Edelkarossenbesitzern.

Eine reine "Luxus"-Oper der Kulinarik für die gehobenen Stände wäre genausowenig subventionswürdig wie ein Rock- oder Popkonzert oder wie ein Fußballspiel. Wenn man so etwas will, dann soll man es so machen wie in den USA, mit allen Konsequenzen. Aber wenn dann Rumstehtheater à la Otti Schenk oder Zeffirelli-Materialschlachten die Bühne beherrschten, würde ich keinen Fuß mehr in eine Oper setzen!

Grüße

GiselherHH
"Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

Antracis

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19

Dienstag, 1. Februar 2005, 20:55

Hallo Alfred,

Zitat

Ich habe aber die gute Hoffung, dass der Strom der Subventionen versiegt und der Geldgeber Publikum wieder das durchsetzt was es will.


Ich hoffe inständig das es nicht so ist. :stumm: Wie arm wäre die Kunst, wenn sich lediglich nur alles durchgesetzt hätte, was nie umstritten und lediglich von der breiten Masse gewünscht worden wäre. Insofern gebe ich auch gerne zu, dass ich Deiner Einschätzung, dass eine Inszenierung bereits gescheitert sei, nur weil man sich in Ihrer Einschätzung aktuell strittig ist, beim besten Willen nicht folgen kann.

Dieses Thema scheint für Dich ja ein dunkelrotes Tuch darzustellen, denn eine derartig hasserfüllte (imho unschöne unangebrachte Sprachgewalt ) wie die Folgende kenne ich sonst gar nicht von Dir:

Zitat

Jenen die sich an historischen Werken vergreifen, weil sie der Meinung sind die Stücke wären nicht mehr zeitgemäß, empfehle ich, ihre dreckigen Finger von diesen Stücken zu lassen, wir brauchen Euch nicht.
Es gibt genug Publikum, auch únter der Jugend, die die Stücke so sehen wollen wie sie geschrieben wurden, nicht manipuliert und in den Dreck gezogen, verbalhornt und lächerlich gemacht.



Ich will jetzt lieber nicht genau nachforschen, wie eng denn das wir und wie weit gar das Euch dieser Aussage zu fassen sei, möchte aber zumindest Anstoß an Deiner immer wieder gern vorgebrachten Einschätzung zur Bedeutung der Moderne in der heutigen Zeit nehmen.

Zitat

Moderne Konzerte werden IMO heutzutage kaum mehr angegriffen:
Sie sind nicht in der Lage das Althergebrachte zu verdrängen, laufen quasi nebenher, und wenn wir ehrlich sind, spielen alles in allem keine große Rolle.


So oder ähnlich darf ich es immer wieder lesen in mannigfaltigen Formulierungen. Das ist meiner Ansicht nach eine Augenwischerei, bzw. einfach unwahr. Ich weiß nicht, wie es in Wien aussieht, aber ich kenne die Konzertprogramme in vielen anderen Städten, wo die Moderne als festes Element etabliert ist, das eben nicht nur nebenher läuft. Das deshalb niemand Beethoven missen möchte, halte ich für keinen Widerspruch. "Moderne" Inszenierungen prägen die Opernlandschaften und wenn hier in Deutschland immer mal wieder Stuttgart als Opernhaus des Jahres ausgezeichnet wird, dann sicher nicht wegen seines üppig barocken Bühnenprunkes.
Es mag sein, das ein oftmals hoffnungslos überaltertes Abonementpublikum daran Anstoß nimmt bzw. sich nicht darauf einstellen kann oder will, aber vor allem in den jungen Publikumskreisen ist man da offen und letztendlich wird dies zukünftig die Opernhäuser füllen müssen.
Du beklagst ja selber die "moderne" Ausstattung der Konzertführer. Sind Sie nicht das realistische Abbild der aktuellen Theaterszene, ( selbst wenn man die letzten 30 Jahre zugrunde legt ) und Deines ist durch legitimes Wunschdenken verzerrt ? Anders kann ich mir diese Einschätzungen teilweise nicht erklären. Qualitativ darf man die Moderne ja gerne subjektiv abwerten, aber die quantitative Bedeutung zu leugnen ist aus meiner Sicht zwecklos und nimmt in Ihrer Vehemenz schon fast klerikale Züge bei Dir an. ;)
Die Moderne bricht sich auch im Forum ihren Weg. Nicht immer da wo man es erwarten würde, mancher Thread bleibt verlassen. Und dann tauchen plötzlich wieder bei den Tipps für Einsteiger ungewöhnlich viele moderne Stücke auf. Die aktuell schaffende Menschheit, die Künstler also ist eindeutig überwiegend modern und dies, nicht der Publikumsgeschmack ist aus meiner Sicht entscheidend für die Entwicklung der Kunst.

Ich störe mich sicher nicht an Deiner ästhetischen Ablehnung der Moderne. Diese ist ebenso wie die persönliche Erwartungshaltung an eine Inszenierung jedem selbst überlassen. Nur: Sich auf Zeitreisen zu begeben sollte nicht der Weisheit letzter Schluss bei einem dramaturgischen Kunstwerk sein müssen.
Alles andere dann schlicht als Diffamierung des Künstlers/Kunstwerkes abzuwerten ist nicht legitim! Die Oper ein Politikum ? Unterminiert ? Zumeist links ? . Nun, viele bedeutende Opern erfeuten bei Ihrer Entstehung nicht gerade die Konservativen und so unpolitisch können sie bei den mannigfaltig überlieferten Verboten auch nicht gewesen sein. Man mag das begrüßen oder bedauern. Aber der Oper dies anzulasten ist nicht sinnvoll. So war sie immer und so wird sie immer sein.

Leider ist es uns unmöglich festzustellen, was die Künstler selber zu dem Thema der Interpretation (Hier sei angemerkt, dass der Vergleich mit Rembrands Bild gewaltig hinkt. Hier braucht es den Interpreten nicht, ganz im Gegensatz zu Oper und Konzert!) zu sagen hätten. Hätte Wagner Boulez´Ring gefallen ?

Darüber kann man eine weitere Diskussion vom Zaun brechen, sie wird ähnlich ergebnislos enden. An Ihrem Ende wird aber sicher nicht eine klare Aussage zuungunsten der modernen Inszenierungen stehen, soviel ist sicher. Ich persönlich kann durchaus auf eine Zeitreise in der Oper verzichten, brauche auch keine visuelle Erbauung durch prachtvolle Kostüme. Eine geistlose Interpretation eines Werkes ist mir aber zuwider, egal ob im barocken Ballsaal oder im schwarzen Raum mit zwei singenden Tenor- und Sopranwürfeln ( Stichwort Minimalismus :D )sich abspielend.
Letztendlich doch: Ästhetisch bevorzuge ich die Tenorwürfel. Wer das prunkvolle mag, dem sei es gegönnt. Wer die Interpretation nicht will, darüber darf man gerne streiten. Ich sehe es als Kastrierung des Werkes.

Was ich aber ablehne: Die moderne Interpretation pauschal mit Begriffen wie Pervertierung zu belegen, Sie als Angriff auf den Willen ihres Schöpfers zu sehen. Das ist sie nicht. Sie ist höchstens ein Angriff auf den individuellen Geschmack des Besuchers. Und in dem Falle, auch in Deinem scheinen mir da psychologisch einige Übertragungsprozesse abzulaufen, wo der Angriff gegen den eigenen Geschmack als Angriff auf die Kunstwerke an sich gesehen wird. Es ist nicht Deine Zauberflöte, sie gehört allen Menschen. Mozart hat Sie uns geschenkt. Ob ihm das gefällt, was wir damit machen, werden wir nie feststellen können. Wie es später mal eingeschätzt werden wird, was im Moment damit passiert, werden wir mangels zu kurzem Lebens auch nicht mehr erfahren können.
Wir können es also lieben oder hassen. Wir dürfen es auch bekämpfen oder fördern. Aber hier sozusagen die Moral ins Felde zu führen halte ich schlicht für unmoralisch. :D

Darüber hinaus wird es ebenso wie das Wegleugnen des Modernen nicht zum gewünschten Erfolg führen. Wenn Du schon auf den Schutz der Jugend verweist, dann wäre etwas mehr Toleranz durchaus dienlich.
Deinen schon fast inquisitorisch anmutenden Eifer in allen Ehren, er lässt sich sicher auf die große Liebe zu den Kunstwerken zurückführen. Und doch würde ich mir nicht allzu sicher sein, ob er im Sinne einer Weiterentwicklung der Kunst der dienlichste ist.
Mancher Regisseur hat sicher dreckige Finger, aber die hat er sich nicht beim Verletzen des individuellen Zuschauergeschmacks geholt. Und es gibt auch noch Kultur außerhalb von Wien.;) :)



Grüße aus dem verregneten Preußen :D

Anti

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20

Dienstag, 1. Februar 2005, 21:40

@anti

Mein Respekt, Anti! Eine sehr schöne Verteidigungsrede des modernen Regietheaters und mit so viel Geduld verfasst, wo sich die Widerstände doch ohnehin unbekehrt zum Gegenschlag formieren werden. Das war einer der schönsten Beiträge hier am Ort. Danke Dir.
Gruß aus Frankfurt am Main, kurzfristig ebenfalls eh. Preussen
Frauen und Kinder zuerst

good night and good luck

thomasbernhards-1[ätttttt]yahoo[punkt]de

reklov29

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21

Dienstag, 1. Februar 2005, 22:07

Moderne Inszenierungen

Hallo,

bin durch Zufall auf diesen Thread gestossen.

Ergiebige Beiträge durch das Forum, sehr kontrovers oder zustimmend die Meinungsvielfalt.

Will mit meinem Beitrag einmal auf folgenden heutigen örtlichen Zustand beitragen.
Die Oper wird z.Zt. grundlegend saniert und modernisiert. Das Ensemble konnte nicht nach Hause
geschickt werden, da Verträge einzuhalten sind. Nun war guter Rat gefragt, wie es weitergehen sollte.
Die Idee, laßt uns konzertante Opernaufführungen in die Konzerthalle (Oetkerhalle), berühmt wegen ihrer
sehr guten Akustik, verlegen.
Die Meinung in den örtlichen Medien war gespalten, geht so etwas, kann man ohne Bühnenbild eine Oper einfach in die Konzerthalle verlegen?
Nach der ersten konzertanten Aufführung war das Ergebnis so überwältigend, dass nur noch eine
Meinung vorherrschend war, das hat sich für alle gelohnt, weg vom Bühnenbild und nur noch die
Gesangssolisten und das Orchester vor dem Publikum, dies ergab ein ganz neues Opernerlebnis.

Das Hören wurde zu einem Genuss, da ein nicht vorhandenes Bühnenbild den Zuhörer nicht ablenkte und ihn ganz in den Banne des konzertieren lenkte.
Wenn es sein muss, kann auch diese Form der Operndarstellung ihre guten Seiten aufzeigen ohne grossen
Hickhack der Inszenierung ob nun in "Alter oder Moderner Form" !!!

Herzliche Grüße
reklov29
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

Rienzi

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22

Dienstag, 1. Februar 2005, 22:10

Moderne Inszenierungen, beispielhaft festgemacht:
Wenn sie schlüssig sind, warum nicht.
Als mein Parade-Beispiel die Cheraux (ist falsch geschrieben, möchte in nicht irgendwo herumkramen) -Inszenierung des Rings in Bayreuth der 80er Jahre.
Warum: Lese ich die Schriften Wagners, so gelange ich zur Erkenntnis, daß er ursprünglich ein Revolutionär war, der sich dann später gerne kaufen und verwöhnen ließ.
Deshalb glaube ich nicht, daß er das Märchen von den Riesen, dem Schatz, den ganz mutigen Helden so erzählen wollte. Die Entstehung des Werkes reicht in die Zeit eines menschenverachtenden Frühkapitalismus, den er m.M. nach sehr klar darstellt.

Wien und die Wiener Staatsoper als Hort der Reaktion?
Das ist natürlich ein sehr griffiges Argument, das halt so auch nicht stimmt.
Persönlich, und ich kenne die meisten Neuinszenierungen in der Wiener Staatsoper, habe ich den Eindruck, daß man von den "antiquiert-werktreuen (was ist werktreu?)" Inszenierungen wegwill, aber doch nicht so richtig wirklich. Das vergrault die Konservativen und befriedigt die Progressiven weniger.
Gelungene Beispiel von Neuinszenierungen sind für mich die "Jenufa",
"Die tote Stadt".
Mißlungen, da pseudomodern: Parsifal und Tristan
Was Schenk betrifft, so kenne ich schon viele Inszenierungen von ihm. "Stehtheater" kann man ihm nicht vorwerfen.

Summary - ganz pragmatisch:
Es kommt auf die Besetzung an.

Schlüssig modern ja, wenn die Besetzung paßt
Krampfhaft modern nein, jein, wenn die Besetzung paßt
Konservativ ja, wenn die Besetzung paßt
Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
(aus "Sprechen Sie Fußball?")

reklov29

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23

Dienstag, 1. Februar 2005, 22:38

@Alfred,
Zitat:
Die Oper ist fürs Publikum da und nicht zur Selbstverwirklichung einiger "Wünstler"
-----------------------------------------------------------------------
Hier stimme ich zu, was hat es schon an Skandalen in diese Richung gegeben. Vergraulte und verärgetes
Publikum.
Vor ca.30 Jahren begann eine neue Generation sich an die Opernregie zu wagen, ohne Hinterfragung, ob die Opernbesucher dieses "Moderne" mittragen möchten. Das Gegenteil genau trat ein, frustierte
Besucher die in hellen Scharen den Opernbesuch mieden. Das Ergebnis, die Oper wurde hier örtlich
von der Stadt nicht mehr mit den Geldern subvenzioniert, die ihr das Überleben sicherte.
Die Rückkehr zum Althergebrachten wurde wieder vollzogen und der Besucherstrom nahm das Angebot
dankend an.

Möchte ebenfalls auf einen Zustand aufmerksam machen, der mir das Grausen lehrt...

Tatort Hamburg, Bachs Matthäus-Passion wurde vor einigen Jahren mit dem dortigen Tanzensemble musikalisch ertanzt und feilgeboten. Über Geschmack lässt sich trefflich streiten, ob das im Sinne von
J.S:B. religiösem Oratorium in Einklang zu bringen ist??? Ich bezweifle es stark und kann mich damit nicht
anfreunden.

Herzliche Grüße
reklov29
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

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24

Mittwoch, 2. Februar 2005, 09:27

Hallo Alfred, hallo alle anderen,

nein, sicher werden wir uns in dieser Diskussion (ich konnte sie doch nicht lassen, typisch), nicht einig, aber das wird auch nicht die Absicht sein. Ich kann das von Anti gestern geschriebene vollumfänglich unterschreiben und mich praktischer- und faulerweise daher auf einige Aspekte beschränken, die ich sonst noch wichtig finde oder die ich noch aus meiner Sicht vertiefen möchte.

Zitat

Original von Alfred_Schmidt
Welcher Opernbesucher legt schon, sagenwir mal 80 Euro auf den Tisch um sich anzustrengen oder gar zu frustrieren ?


Abgesehen von den Bekenntnissen hier - denen ich mich auch anschliesse (ich würde sagen, dass sich "Unterhaltung" und "Anstrengung" nicht ausschliesst, warum auch) - nach meiner Erfahrung wesentlich mehr, als Du es suggerieren willst. Ich habe viele Publikumsgespräche, moderiert und unmoderiert erlebt, in denen mich die tatsächliche intellektuelle und manchmal auch rein emotionale Auseinandersetzung mit dem gesehenen mehr als beeindruckt hat (dasselbe gilt auch für Neue Musik, die Du, meine ich, unbedeutender reden willst, als sie ist). Oper ist längst nicht mehr (war sie es wirklich je) eine Luxusveranstaltungen für reiche Industrielle, die sich auf teure und luxeriöse Weise unterhalten wollen. Die gibt es (aber auch die sind aufgeschlossener, als man denkt), aber sie sind nicht das einzige Publikum der Oper. Und mir scheint es durchaus eine Pervertierung, mich in Wagners "Ring", dessen hochkomplexe und hochpolitische Handlung man nicht übersehen kann, zu setzen, um mich an dem Luxus zu freuen, dass ich's mir leisten kann. Dann setze ich mich besser zu André Rieux, der ist auch teuer, gefällt einer viel breiteren Masse (das Argument: gut ist, was der breiten Masse gefällt, gilt doch in der Kunst nun wirklich noch nie) und strengt einen ganz ganz sicher nicht an.

Auch Welt- oder Zeitflucht in der Oper mag es geben, ja. Aber es genügt ein kurzer Blick in die Theatergeschichte, um zu erkennen, dass Theater da doch eher das falsche Medium für ist. Man kann ja nicht oft genug betonen, dass Oper eine *Theater*form ist. Warum sie nicht politisch sein darf, geht mir freilich ebensowenig ein wie Anti: Wieviele Opern formulieren politische Aussagen? Ich würde sagen: eine erstaunlich große Zahl. Man kann die natürlich wegdiskutieren oder schlicht verleugnen (wie es die Pariser Figaro-Inszenierung in ihrer Nivellierung der Unterschiede zwischen den Ständen tat), das macht es sicher bequemer, ist aber dann wohl nicht so wirklich im Sinne des Werkes, das da aufgeführt werden soll. Man wird es der Kunstform Oper meiner Meinung nach nicht vorwerfen können, dass sie politisch ist und sich auch als politisch zeigt. Man kann sich daran reiben (auch aufgrund eigener politischer Einstellungen), aber unmoralisch ist es wohl kaum, dass es so ist. Auch Aristophanes "Die Vögel" ist politisch, und so gemeint (Werner Braunfels hat sie vertont, kennt kein Mensch, ist aber trotzdem ein schönes Werk BTW).

Zitat


Was bekommt man geboten ? Ein total entstelltes Werk, manchmal politisch unterminiert, und wenn,dann natürlich links. Ein Werk, das man nicht mehr erkennt, wenn ich eine Mozart Oper sehen will, dann hat die im 18. Jahrhundert zu spielel bzw in jener Zeit, die der Librettist bestimmt hat.


Du schwingst hier Deinen eigenen Geschmack und Deine eigene Erwartungshaltung zu einem Dogma hoch, würde ich sagen. Das mag, das Thema ist ein hochemotionales, ja angehen, aber letztlich formulierst Du ja selber, dass es Dich stört, wenn eine Oper nicht so ist, wie Du sie Dir vorab vorstellst. Das ist ja in Ordnung, aber allgemeingültige Formulierungen lassen sich doch daraus nicht ableiten. Mir ist es wurscht, ob man den "Figaro" nun in historischen Kostümen oder nicht macht, hauptsache, ich gehe am Ende raus und kann für mich etwas neues mitnehmen. Mag sein, dass ich das vorher gar nicht erwartet habe (so wie in der genannten "Lucia"-Inszenierung), aber wie bereits gesagt: Ich lasse mich gerne überraschen. Und meiner Meinung nach gehört das zu Kunst auch immer dazu.

Zitat


Ein weiterer Vergleich.Niemand ist bisher auf die Idee gekommen Rembrandts zu übermalen, weil sie "nicht Zeitgemäß sind". Würde das aber jemand tun wäre der Widerstand ebenso laut und radikal wie bei der Oper.


Der "Vergleich", der letztlich keiner ist, muss in einer solchen Diskussion zwangsläufig kommen. Aber er hinkt an allen Ecken und Enden: Ein Bild ist per se kein Kunstwerk, dass die Vermittlung durch einen Interpreten (wie Sänger, Schauspieler, Musiker, Dirigent, Regisseur etc) erfordert. Eine Oper freilich wohl (und so reizvoll konzertante Aufführungen sein können, sie berauben der Oper letztlich das ebenso wichtige und zur Vermittlung notwendige szenische Element). Man kann das nicht mögen, aber da ist immer noch einer zwischen dem Autor und dem Betrachter, das gehört zu der Kunstform dazu. Sonst wäre es der reinste Operngenuss, die Partitur des Ringes zu lesen. Häng sie mal in ein Museum, und dann schau mal, wieviele potentielle Opernzuschauer dabei einen Hochgenuss empfinden können ;)

(NB: Übermalungen in der Bildenden Kunst gibt es freilich meiner Kenntnis nach durchaus.)

Zitat

Original von Antracis Die aktuell schaffende Menschheit, die Künstler also ist eindeutig überwiegend modern und dies, nicht der Publikumsgeschmack ist aus meiner Sicht entscheidend für die Entwicklung der Kunst.


Das ist auch aus meiner Sicht so. Und nicht erst heute.

Beste Grüsse,

Claus
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C.Huth

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25

Mittwoch, 2. Februar 2005, 09:34

Hallo reklov,

Zitat

Original von reklov29
Vor ca.30 Jahren begann eine neue Generation sich an die Opernregie zu wagen, ohne Hinterfragung, ob die Opernbesucher dieses "Moderne" mittragen möchten.


Man kann freilich nicht wegdiskutieren, dass sich mindestens seit Beethoven die Künstler, wenn es darum ging, einer aus ihrer Sicht kümstlerischen Notwendigkeit zu folgen, kompromisslos nie hinterfragten, ob das Publikum diese Neuentwicklung wollte. Beethovens letzte Streichquartette hat das Publikum seiner Zeit wohl nicht wirklich verstanden (und wir tun uns bis heute nicht leicht mit diesen Stücken), auch schon bei den frühen Sinfonien gab es (aus heutiger Sicht) ungalublich komische Ablehnungen, ich habe sie schon zitiert. Ich würde sagen: Der Künstler hat zu machen, was er für notwendig hält. Wie das letztendlich in 200 Jahren beurteilt wird, ob es eventuell eine Sackgasse ist (das Experiment schliesst das Scheitern mit ein), das können wir aus unserer begrenzten Sicht kaum feststellen.

Das Argument, man müsse machen, was das Publikum wolle, muss letztlich und in der Konsequenz doch dazu führen, dass man alle Kunst abschafft und nur noch solche flauen Aufgüsse wie - sorry - Lloyd Webber (da kann man heute auch gerne pompöses Spektakel haben) oder André Rieux goutiert. Da wollen wir aber doch nicht hin, oder?

Beste Grüsse,

C.
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Rocco

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26

Mittwoch, 2. Februar 2005, 10:01

Zitat

Original von C.Huth
Lieber Rocco,

Zitat

Original von Rocco
Ein Werturteil ist damit natürlich nicht fällbar, da ich Arbeit natürlich als Ganzes und in Bezug aufeinander sehen muss. Es scheint aber einfacher zu sein, den Don Giovanni so inszeniert zu sehen, wie seinerzeit 1787 als zwei farbige Zwillinge in der Bronx der 80er Jahre.


Das mag sein. Aber es heisst nicht, dass es nicht erkenntnisreich sein kann, den Don Giovanni in der zweiten Variante (spielst Du auf eine konkrete Inszenierung an?) zu sehen.


Hallo Claus,

natürlich spiele ich auf die Inszenierung von Peter Sellars an. Ich halte seine Übertragung in die Moderne für äußerst gelungen, nicht nur den Giovanni sondern auch den Figaro. Allein schon die Idee, Leporello und Giovanni von den Zwillingen Eugene und Herbert Perry singen zu lassen, halte ich für genial, zumal der Rollentausch und die damit beabsichtige Täuschung Donna Elviras glaubwürdiger wird.

Leider ist diese Aufnahme wohl als Video nicht mehr und als DVD noch nicht erhältlich, weswegen ich dann zu meinem etwas betagten Mitschnitt greifen muss.
Beste Grüße aus Bonn
Matthias

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Theophilus

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27

Mittwoch, 2. Februar 2005, 11:14

Zitat

Allein schon die Idee, Leporello und Giovanni von den Zwillingen Eugene und Herbert Perry singen zu lassen, halte ich für genial, zumal der Rollentausch und die damit beabsichtige Täuschung Donna Elviras glaubwürdiger wird.


Was Rocco für eine geniale Idee hält, ist ein Gag der sich letztlich gegen sich selbst wendet. Wenn Leporello im Dunkeln in Don Giovannis Mantel und Hut und verstellter Stimme Donna Elvira gegenübertritt, ist physionomische Ähnlichkeit zu Don Giovanni abgesehen von der Statur unerheblich, wenn auch nicht schädlich.
Das ändert sich aber sofort in der Erkennungsszene, wenn Leporello Donna Anna und Don Ottavio in die Hände läuft. Da kommt es zur absurden Situation, dass die beiden den Zwillingsbruder von Don Giovanni, der noch dazu die Kleidung von Don Giovanni trägt, sofort richtig als Leporello erkennen und damit nicht in die ewigen Jagdgründe schicken. Wie soll das funktionieren?
Davon abgesehen ist die Peter Sellars Inszenierung interessant genug, um gesehen zu werden.

Ciao

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Rocco

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28

Mittwoch, 2. Februar 2005, 11:32

Zitat

Original von Theophilus

Zitat

Allein schon die Idee, Leporello und Giovanni von den Zwillingen Eugene und Herbert Perry singen zu lassen, halte ich für genial, zumal der Rollentausch und die damit beabsichtige Täuschung Donna Elviras glaubwürdiger wird.


Was Rocco für eine geniale Idee hält, ist ein Gag der sich letztlich gegen sich selbst wendet. Wenn Leporello im Dunkeln in Don Giovannis Mantel und Hut und verstellter Stimme Donna Elvira gegenübertritt, ist physionomische Ähnlichkeit zu Don Giovanni abgesehen von der Statur unerheblich, wenn auch nicht schädlich.
Das ändert sich aber sofort in der Erkennungsszene, wenn Leporello Donna Anna und Don Ottavio in die Hände läuft. Da kommt es zur absurden Situation, dass die beiden den Zwillingsbruder von Don Giovanni, der noch dazu die Kleidung von Don Giovanni trägt, sofort richtig als Leporello erkennen und damit nicht in die ewigen Jagdgründe schicken. Wie soll das funktionieren?
Davon abgesehen ist die Peter Sellars Inszenierung interessant genug, um gesehen zu werden.

Ciao


Hallo,

auf der anderen Seite habe ich es immer für äußerst unglaubwürdig empfunden, wenn ein Sänger mit einer gänzlich anderen Statur, Stimmtibre und Aussehen Donna Elvira derartig täuschen konnte. Wie soll das funktionieren? War es die Dunkelheit, der Liebesschmerz?

Aber jetzt kommen wir, so denke ich, etwas vom Topic ab. Wir können das aber gerne in einem Don Giovanni-Thread weiter vertiefen :)
Beste Grüße aus Bonn
Matthias

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29

Mittwoch, 2. Februar 2005, 11:33

Hallo Theophilus,

ich kenne die Sellars-Inszenierung nicht wirklich, aber ein Blick in den Text hilft: Leporello sagt, bevor die anderen ihn als Leporello erkennen, selbst, dass er nicht der ist, für den die anderen ihn halten:

"Quello io non sono; sbaglia costei!
Viver lasciatemi, per carità!"

Da geht der Gag wohl doch nicht so ganz gegen sich selbst los ;)

Beste Grüsse,

C.
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Mittwoch, 2. Februar 2005, 13:38

Hallo C.

Zitat

"Quello io non sono; sbaglia costei!
Viver lasciatemi, per carità!"

Dieser Hilferuf kann nur funktionieren, weil sie ihn dann wirklich als Leporello erkennen (auch im Duinkeln), nachdem er seine Verkleidung abgeworfen hat. Ansonsten wäre es ein plumper Rettungsversuch des Don Giovanni ("Ich sehe zwar aus, wie Don Giovanni, ich bin angezogen, wie Don Giovanni, aber ich bin nicht!!! Don Givanni"; das ist in einer Situation, wo ein aufgebrachter Gegner mit gezücktem Degen vor dir steht und dich abstechen will, eine ziemlich unglaubwürdige Ausrede. Da würde Don Ottavio wohl zuerst zustechen und dann Fragen stellen).

@Rocco
Don Giovanni und Leporello sollten von der Statur nicht zuweit auseinander sein (ansonsten muss man sich das eben so denken). Donna Elvira sieht im Dunkeln nur den Schlapphut und den weiten Mantel. Da ist eine Täuschung relativ leicht. Leporello ist es offensichtlich gewohnt, gelegentlich mit Don Giovanni die Rollen zu tauschen und hat Übung darin (denke an die Register-Arie; die beiden sind ein eingespieltes Team und mit dem Rollentausch kommt Don Giovanni an die Damen der 'niederen' Stände heran).

Und abschließend eine grundsätzliche Frage: Was glaubt ihr, welcher spanische Edelmann würde ganz offen einen Diener besitzen, der ihm zum verwechseln ähnlich sieht? Für mich ist das völlig undenkbar, er wird trachten, sich möglichst vorteilhaft von ihm zu unterscheiden.

Ciao

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!