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Liebestraum

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181

Freitag, 8. März 2013, 20:41

Nur auf dieser DVD singt Adam den Pizarro:



Die Mehta-DVD scheint kein professioneller Mitschnitt zu sein, daher von eher fragwürdiger Qualität!


:hello: LT
Arm bin ich auf die Welt gekommen,
alle meine Mitgift ist Haupt und Hand.
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Beharrlichkeit führt zum Ziel!
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Das wahre Genie wird bei Bewunderung des Fremden nicht dessen Nachahmer,
sondern erhält dadurch nur den schönen Anstoß, neue Bahnen zu finden.
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... wenn ich keine Oper unter den Fäusten habe ist mir nicht wohl!
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Soli deo gloria
(CMvW -- Carl Maria von Weber)

Harald Kral

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182

Freitag, 8. März 2013, 20:51

siehe Beitrag Nr. 168 - O welche Lust - Beethovens Fidelio

Auch hier auf dieser DVD singt Theo Adam den Pizzarro!

Aufnahme: 1977, live, Video, Orange
Dirigent: Zubin Mehta
Israel Philharmonic Orchestra
New Philharmonia Chorus
Label: Bel Canto Society #612, Better Opera OMD 005 (1 DVD)

Don Fernando: Juan Soumagnas
Don Pizarro: Theo Adam
Florestan: Jon Vickers
Jaquino: Misha Raitzin
Leonore (Fidelio): Gundula Janowitz
Marzelline: Stella Richmond
Rocco: William Wilderman
[Quelle: A. Ommer: Verzeichnis aller Operngesamtaufnahmen, S. 651]


LG
Harald

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William B.A.

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183

Freitag, 8. März 2013, 20:52

Da hast du natürlich vollkommen Recht, lieber liebestraum, und in Posting 174 habe ich das noch auf die Reihe gekriegt. Theo Adam singt den Pizarro natürlich in der Dresdner Aufnahme:

In der Berliner Aufnahme singt natürlich Gustav Neidlinger den Pizarro, und die Berliner Aufnahme gefällt mir natürlich trotz Gustav Neidlinger, der mir als Pizarro mehr böse guckt als böse singt, wegen einer ansonsten ähnlich illustren Sängerriege mit Greindl als Rocco Miljakovic als Marzelline und Grobe als Jacquino sowie wegen der ausgezeichneten Inszenierung von Gustav Rudolf Sellner.
Ich hoffe, dass das heute mein einziger fauxpas bleibt.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

William B.A.

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184

Freitag, 8. März 2013, 20:59

Zitat

liebestraum: Nur auf dieser DVD singt Adam den Pizarro:
Da scheine ich heute Abend ja wohl nicht der einzige "Irrländer" zu sein.

Liebe Grüße

Willi ?( ^^
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Liebestraum

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185

Freitag, 8. März 2013, 21:10

Wie gesagt, habe diese DVD nicht bei jpc gefunden, daher bestimmt fragwürdiger Ton und bescheidenes Bild (bestimmt Piraten-Aufzeichnung und nicht kommerziell). - Daher kein Irrläufer!

Und ehrlich gesagt, bin ich von Mehta (bis auf eine ganz winzige Anzahl von Aufnahmen) nie recht begeistert.

:hello: LT
Arm bin ich auf die Welt gekommen,
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William B.A.

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186

Freitag, 8. März 2013, 21:30

Ich kann natürlich auch nachträglich meinen Text korrigieren und so einen Fehler vertuschen. Wie kannst du sonst um 20.41 Uhr auf eine DVD Bezug nehmen, von der erst um 20.51 Uhr die Rede ist?
Und wenn es wirklich so wäre, dass die von Harald gepostete DVD von nicht so guter Qualität wäre, was ja längst nicht erwiesen ist, so ist es doch wohl eine DVD. Und wenn Harald sagt, dass Adam auch auf der DVD den Pizarro singt, so ist deine Behauptung, lieber Liebestraum, in Beuzug auf die Hamburger Aufnahme: "Nur auf dieser DVD singt Adam den Pizarro", schlichtweg falsch. Das kann man doch ruhig mal zugeben.
Übrigens kommt es schon mal vor, dass man eine Aufnahme beim Anbieter nicht findet, wenn sie nämlich nicht lieferbar ist.

Bei uns im Münsterland sagt man in Fällen, dass man einen Fehler nicht zugeben will, auch wohl: "Wenn de Buer nich schwemmen kann, dann ligg et anne Badebüxe".

Liebe Grüße

Willi :D
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Harald Kral

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187

Sonntag, 10. März 2013, 08:14

Wie gesagt, habe diese DVD nicht bei jpc gefunden, daher bestimmt fragwürdiger Ton und bescheidenes Bild (bestimmt Piraten-Aufzeichnung und nicht kommerziell).
Wenn ich recht verstehe, ist alles, was Du bei jpc nicht findest, Schrott.
Es soll im Netz aber noch andere Quellen geben, die durchaus hochwertige Musik liefern (bei amazon ist die DVD gelistet, allerdings ohne Bildchen, was die Sache natürlich kompliziert macht!) [hier]

Im Übrigen erstklassiges Bild (TV-Mitschnitt),
Ton Dolby-digital 5.1 bzw. LPCM Stereo,
Untertitel wahlweise deutsch, englisch oder spanisch
Mit ca € 35,-- auch kein Schnäppchen...

LG
Harald

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Rheingold1876

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188

Sonntag, 10. März 2013, 10:53

Auf diesen FIDELIO möchte ich noch einmal abheben. Es ist die Aufnahme mit dem natürlichsten Umgang mit den schwierigen gesprochenen Dialogen. Ja, das sollte auch einmal festgestellt werden. Denn die Dialoge sind oft der Schwachpunkt, aber sie gehören nun einmal dazu. Sie zu komponieren, wie es Bodanzky im Met-Mitschnitt mit Kirsten Flagstad von 1938 versucht hat, ist auch keine Lösung sondern aus heutiger Sicht ehr als Unikum zu werten. Die Hamburger Inszenierung unter Leitung von Leopold Ludwig ist so schön klar und übersichtlich, wenngleich im guten Sinne unspektakulär. Das schauspielerische Element, das in dieser singspielartigen Oper einen besonderen Stellenwert hat, habe ich auf einem so hohen Niveau nicht wieder gefunden. Anja Silja als Leonore ist auf ihre sehr individuelle Weise ein Ereignis. Hinreißen Lucia Popp als Marzelline. Der einzige Schwachpunkt ist in dieser Inszenierung Theo Adam. Er kann darstellerisch nicht mithalten. In dem Moment, in dem er um die Ecke biegt, ist alles hin. Er versucht sich als Bösewicht, wirkt in seiner Gockelhaftigkeit aber lächerlich. Gefährlich ist dieser Pizarro nicht. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich schätze Adam als Wagnersänger sehr, hier kommt er an seine Grenzen.

In diesem Thread gibt es durch die Bank sehr gute Beiträge, die Freude machen. Ich teile die Begeisterung mit dem Wiener Mitschnitt unter Bernstein, in dem die Janowitz fast zu Bruch geht, was die Dramatik des Werkes auf die Spitze treibt. Es ist als ob sie zerbricht. Das kommt in dem Mitschnitt aus Orange nicht so heraus. Vickers ist für mich einer der besten, wenn nicht der beste Florestan. Er singt die lange Kerkerhaft für mich am glaubhaftesten. Und er ist noch nicht zugrunde gegangen, weil er von einer unverwüstlichen Freiheitsidee beseelt ist. Alles das ist und kann Vickers. Die Einspielung mit Knappertsbusch mit der Jurinac ist zum Glück hier auch sehr gut weggekommen, sie hat es verdient.

In meiner Sammlung ist Fidelio eine der am stärksten vertretenen Opern. Schade, dass Aufnahmen mit vielen bedeutenden Sängern nicht offiziell zugänglich sind oder längst vergriffen. Ich möchte Sängerinnen der Titelpartie nennen: Inge Borkh, Ursula Schröder-Feinen, Gladys Kuchta, Julia Varady, Ute Vinzing, Ludmila Dvorakova (mit ihr gibt es neben einem Mitschnitt aus Bern, wo Windgassen der Florestan ist, auch tschechisch gesungene Szenen vom Prager Rundfunk), Teresa Kubiak, Ingrid Bjoner, Marion Lippert, Gertrude Grob-Prandl. Hanne-Lore Kuhse, die ich ganz besonders verehre, ist eine der wenigen Sängerinnen, die gleichzeitig auch in der LEONORE gesungen hat. Ein Mitschnitt des so genannten Ur-Fidelio aus den USA unter Leinsdorf dürfte bei dortigen Anbietern inzwischen auch auf CD erhältlich sein. Eine konzertante Aufführung wurde auch in Leipzig mitgeschnitten. Sie ist beim Deutschen Rundfunkarchiv zu beziehen, wo es auch eine Fidelio-Gesamtaufnahme mit der Kuhse gab, von der sich aber nur die Szenen der Leonore erhalten haben. Es gibt sogar einen französisch gesungen Fidelio mit Geneviève Moizan. Er wurde 1953 beim Französichen Rundfunk unter Inghelbrecht konzertant aufgeführt.

Eine sehr bewegendes filmisches Fidelio-Dokument ist der BBC-Film "Call to Freedom" über die Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper 1955 mit Fidelio, gesungen von Martha Mödl. Ausschnitte gibt es bei Youtube, die vollständige Fassung habe ich nicht gefunden. Kann mich jemand korrigieren? Im vollständigen Film sind nämlich die wichtigsten Szenen der Leonore enthalten.

Es grüßt Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

William B.A.

Erleuchteter

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189

Sonntag, 10. März 2013, 13:37

Zitat

Rheingold 1876: In meiner Sammlung ist Fidelio eine der am stärksten vertretenen Opern.
Bei mir, lieber Rheingold, ist sie sogar an erster Stelle mit 13 GA's, vor Don Giovanni (10) und Zauberflöte (9); dahinter ein Quartett (6), dessen erste Oper "Rheingold" heißt".

Liebe Grüße

Willi :)
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William B.A.

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190

Samstag, 16. März 2013, 23:12

Heute Abend war der Fidelio an der Reihe, den Karl Böhm im Dezember 1969 an der Deutschen Oper in Berlin aufgeführt hatte, und dessen Filmsequenzen am 9. bis 21. Februar 1970 bei der BUFA in Berlin hinzugefügt wurden. So konnte die Produktion am 16. Dezember 1970, dem mutmaßlichen 200. Geburtstag Ludwig van Beethovens, im Fernsehen gezeigt werden. Ich habe diese Aufnahme schon einige Male im Fernsehen gesehen, vorwiegend auf Classica, und ich war der Meinung gewesen, ich hätte einen Bericht darüber schon einmal im DVD-Thread gepostet. Dem war aber wohl nicht so.
Die Inszenierung stammt von Gustav Rudolf Sellner, die schon 1962 an der Deutschen Oper herauskam, an der Sellner damals Hausherr war. Das Bühnenbild stammte von Wilhelm Reinking. Beides war wirklich überzeugend.
Einige filmische Mittel waren nicht alltäglich. So wurde während der von Böhm aufregend gestalteten Ouvertüre eine Einführung in die Handlung gegeben mit Fotos und Untertiteln, einige Dialoge wurden nicht gesprochen, sondern nur von den Protagonisten "gedacht", und während der Orchestereinleitung zum zweiten Akt wurde ausführlich der Abgang der desillusionierten Gefangenen gezeigt, die gerade "frische Luft" geschnuppert hatten und nun zurück mussten in ihre Kerker, misstrauisch beobachtet von Don Pizarro, der ebenso misstrauisch plötzlich Leonore gegenüberstand, als ob er schon etwas ahnte.
Die gesanglichen Leistungen waren superb, auch Gustav Neidlinger gefiel mir nun schon besser. Olivera Miljakovic gab eine entzückende Marzelline und tat dies mit einer frischen, lyrischen Stimme. Donald Grobe kenne ich schon seit fünfzig Jahren als Jacquino, seit er diese Rolle zum ersten Mal unter Lorin Maazel gesungen hatte. Er ist ein überzeugender Jacquino. Dann natürlich Josef Greindl, den man als Rocco schon in einem Atemzug mit Gottlob Frick und Kurt Böhme nennen kann. Martti Talvela ist ein "geborener" Don Fernando, stimmlich und figürlich.
Gwyneth Jones erfüllt ihre Rolle mit sehr viel Leidenschaft und ist ihr auch stimmlich gewachsen. James King halte ich für einen der besten Florestans überhaupt, auf einer Höhe mit John Vickers, aber auch René Kollo, den ich in meinem letzten Fidelio-Posting am 8. März vorgestellt hatte, rechne ich zur Florestan-Spitze, ebenso wie Jonas Kaufmann.
Sehr überzeugend waren auch Barry McDaniel und Manfred Röhrl als Erster und Zweiter Gefangener. Auch der Chor der Deutschen Oper Berlin war stimmlich hervorragend, darstellerisch haben mich allerdings in der Aufnahme aus der Wiener Staatsoper unter Bernstein die Herren des Staatsopernchores etwas mehr überzeugt.
Allles in allem ist dies eine referenzwürdige Aufnhame.

Liebe Grüße

Willi :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:
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Harald Kral

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191

Freitag, 23. Mai 2014, 12:44

Uraufführung der Endfassung heute vor 200 Jahren

Fidelio,
Oper in 2 Akten
von Ludwig van Beethoven.
Text von Joseph Ferdinand von Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke
nach Jean-Nicolas Bouillys Léonore ou L'amour conjugal.
- Uraufführung der 1. Fassung in 3 Akten als Fidelio oder Die eheliche Treue: 20.11.1805 Wien, Theater an der Wien.
- Uraufführung der 2. Fassung in 2 Akten als Leonore oder Der Triumph der ehelichen Liebe: 29.3.1806 ebd.


Uraufführung der 3. Fassung als Fidelio: 23.5.1814 Wien, Kärntnertortheater,
mit Anna Milder-Hauptmann • Julius Radicki • Michael Vogl • Karl Friedrich Klemens Weinmüller • Ignaz Saal • Anna Bondra,
Dirig. Beethoven unter Assistenz von Ignaz Umlauff.

LG
Harald

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William B.A.

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192

Samstag, 18. Februar 2017, 05:52

Ich glaube, es wird mal wieder Zeit, nach 2 3/4 Jahren, wieder etwas in dieser Rubrik zu schreiben. Wieder einmal, ich weiß nicht, zum wievielten Male, habe ich mir in der ersten Nachthälfte die Aufnahme zu Gemüte geführt, die mein letzter Vorgänger in diesem Thread, Harald Kral, nur wenige Monate vor seinem Tode, gepostet hat zum 200järhigen Jubiläum der Aufführung der Endfassung am 23. Mai 1814 im Kärtnertortheater in Wien.
Ich habe die von Harald gepostete CD-Aufnahme als DVD gehört und gesehen:

Ludwig van Beethoven, Fidelio op. 72
Hans Helm: Don Fernando
Hans Sotin: Don Pizarro
Florestan: René Kollo
Leonore: Gundula Janowitz
Rocco: Manfred Jungwirth
Marzelline: Lucia Popp
Jaquino: Adolf Dallapozza
Erster Gefangener: Karl Terkal
Zweiter Gefangener: Alfred Sramek
Chor der Wiener Staatsoper: Norbert Balatsch
Orchester der Wiener Staatsoper
Dirigent: Leonard Bernstein


Welch eine Besetzung, und welch eine Aufführung! Ich habe mir mal die Mühe gemacht und den kurzen Artikel übersetzt, den die "Opernwelt" auf der Kassette abgedruckt hat:

Zitat

Opernwelt: Leonard Bernsteins Aufführungen 1978 von Beethovens einziger Oper haben als Meilenstein in die Geschichte der Wiener Staatsoper Einzug gefunden, brillant inszeniert von dem großen Wiener Otto Schenk und und aufgeführt von einigen der bemerkenswertesten Sängerinnen und Sänger dieser Zeit. "Jede Phrase, jede Artikulation, hatte ihre Bedeutung... so überzeugend und so richtig, dass da kaum Fragen irgendeiner anderen Interpretation auftauchten. An diesem Abend ereignete sich ganz einfach einer, Beethoven".

Gemeint mit "diesem Abend" ist der 29. Januar 1978, als diese Aufführung live im Fernsehen übertragen wurde und ich zum ersten mal dieses Wunder miterleben durfte. Erst viele Jahre später erwarb ich zuerst die CD-Aufnahme und nochmals Jahre später die DVD, die ich nun zum wiederholten Male genossen habe.
Ich will vorab mal den überragenden Star des Abends nennen: Leonard Bernstein, der mit niemals nachlassender Intensität, grenzenloser Leidenschaft und doch immerwährender Kontrolle das Orchester zu Höchstleistungen antrieb und es in den großen temporalen Steigerungen, z. B. in der endlich mal wieder aufgeführten Leonorenouvertüre III vor dem Schlussbild bis an seine Grenzen führte. Und ohne diesen formidablen Klangkörper, hinter dem die Wiener Philharmoniker stecken, hätte dieses Unterfangen nicht geklappt. Aber das Orchester folgte jeder Regung Bernsteins und bewältigte jede Klippe der Partitur in der von Bernstein vorgegebenen Zeit.
Sprechen wir nun über die Sängerinnen und Sänger, und beginnen wir mit Gundula Janowitz:
Es war sicherlich ein großes Wagnis, dass sie als lyrischer Sopran diese Rolle übernahm, und so kam sie natürlich in der großen Arie "Abscheulicher, wo eilst du hin?" in den dramtischen Sequenzen an ihre Grenzen, wirkte (zu) leichtgewichtig, aber mit welcher Leidenschaft und mit welchem Zauber in den lyrischen Sequenzen: "Komm Hoffnung, lass den letzten Stern der Müden nicht erbleichen" glich sie dieses stimmliche Manko aus und sang in dieser Direktübertragung auch mit vollem Risiko, was ihr in der dramatischen Höhe so manchen Kiekser einbrachte, der aber ihr sängerisches Engagement um so menschlicher machte. Ich habe selten eine Leonore gehört, die so in ihrer Rolle aufgegangen ist, und ich habe einge Dutzende in meiner Sammlung. Mein Eindruck von ihrer Leistung deckte sich mit dem Szenenbeifall und dem Schlussbeifall des Wiener Publikums, das gewiss nicht auf der Brennsuppen daher geschwommen ist.
Dann beeindruckt mich von Mal zu Mal Hans Sotin als sinistrer Don Pizarro mehr und mehr, vor dem Manfred Jungwirth als Rocco fast zitternd kuscht, und Jungwirth macht das toll. Vor allem diese zwielichtigen Züge seines Charkaters als Rocco, der Sucht nach dem "Gold" bringt er beeindruckend rüber.
Lucia Popp als Marzelline ist m. E. eine Idelabesetzung, fast eine "Überbesetzung". Sie muss sich sicherlich manchmal zurückhalten, um nicht den bedauernswerten Adolf Dallapozza als Jaquino an die Wand zu spielen. Wie anders ist die Figur doch in der Aufführung der Züricher Oper aus dem Jahre 2004 in der Regie von Jürgen Flimm gestaltet, in der Christoph Strehl einen Jaquino gibt, der alles unter Kontrolle hat,was seine Belange betrifft und dies auch äußerlich immer demonstriert mit der Waffe in der Hand.
Karl Terkal und Alfred Sramek sind mir nicht nur von meiner Tättigkeit im Erinnerungsthread her bekannt, sondern auch schon als erster und zweiter Gefangener begegnet, was mich zu der Feststellung führt, dass natürtlich auch der Wiener Staatsopernchor in dieser Aufführung grandios singt.
Bliebe noch René Kollo, der zuerst in meiner Sammlung auftauchte als Tannhäuser in der 1970er-Aufnahme unter Sir Georg. Damals sang er mit Christa Ludwig und Helga Dernesch, Auch Hans Sotin und Manfred Jungwirth waren schon mit von der Partie.
Worauf ich hinaus will, ist Folgendes: Im Tannhäuser schüttelte er sich diese bärenstarke Partie m. E. so aus dem Ärmel, und die Florestan-Partie 8 Jahre später ist zumindest in der phänomenlaen Arie zu Beginn des zweiten Aktes auch nicht so ganz ohne. Aber er war der Erste in meiner Sammlung, der diese Arie aus dem Pianissimo begann und ein grandioses Crescendo sang. Erst der Zweite aus der vorhin schon genannten Auffhührung der Züricher Oper unter Harnoncourt, Jonas Kaufmann, machte es ebenso. Andere sind mir nicht in dieser Weise erinnerlich. Mein erster Florestan vor 54 Jahren, James Mac Cracken, haute mir das "Gott, welch Dunkel hier" im Fortissimo nur so um die Ohren.

Bliebe als Schlussbemerkung, dass diese Aufführung aus Wien sicherlich eine der Besten ist, die ich in meiner Sammlung habe.

Liebe Grüße

Willi

Liebe Grüße

Willi

P. S.:Oben heißt es: "Leonard Benrsteins Aufführungen": die von Harald gepostete CD ist im Februar 1978 im Wiener Musikverein wohl konzertant aufgenommen worden. In der CD-Version singt nämlich Dietrich Fischer-Dieskau den Minister. Alle anderen Rollen sind identisch mit der Live-Aufnahme.
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Siegfried

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Samstag, 18. Februar 2017, 17:41

Vielen Dank, lieber Willi, du hast mich inspiriert, es dir nachzutun. Kollo war damals schon ein rechtes Pfund.
Und an Lucia Popp erinnere ich mich immer gerne, erlebte ich sie mit ihrer Engelsstimme doch mal als beseelte Pamina in München.
:hail:
Freundliche Grüße Siegfried

Erich Ruthner

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Samstag, 18. Februar 2017, 22:25

Vielen Dank, lieber Willi, für diese Lobrede auf eine wirklich große Aufführung. Auch ich stand damals in der jubelnden Menge am Stehplatz. Ich habe seither keinen vergleichbaren "Fidelio" mehr erlebt.

(Was gäben wir heute, wenn wir einen James McCracken in der damaligen Form hätten ..., Zartheit war seine Sache nicht)

Liebe Grüße -
Erich
Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

9079wolfgang

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Samstag, 18. Februar 2017, 22:47

Ich weiß nicht, Zufall oder nicht, über Mittag lief der folgende FIDELIO bei mir. Trotz ihres Alters, für mich eine der besten Aufnahme dieser Oper. Erstaunlich: Marcel Cordes als Minister!

W.S.

SenaJurinac

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Samstag, 16. Dezember 2017, 16:15

1955 Österreichische Verfilmung von Fidelio

Kennen sie diese 1955 Österreichische Verfilmung Fidelios, mit Claude Nollier, Richard Holm usw?

https://www.film.at/fidelio

Video: http://ingutesdeutsch.web.tv/video/fidel…55__ln6mrm9qoag

Dort gibt es auc Beethovens verfilmte Biografie mit Ewald Balser und Oskar Werner in die Hauptrollen: http://ingutesdeutsch.web.tv/video/eroic…49__vcafaaapete


Rheingold1876

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Samstag, 16. Dezember 2017, 16:45

Es ist lange her, dass ich mir den Fidelio-Film angesehen habe. In bester Erinnerung habe ich ihn nicht. Für mich konnte Felsenstein mit dem Medium Film nichts anfangen. Sein Metier war die Bühne. Deshalb hier nur der Zusatz, dass Schauspieler und Sänger nicht durchgehen identisch waren:

Don Fernando ERWIN GROSS, gesungen von ALFRED PÖLL
Pizarro HANNES SCHIEL, gesungen von HEINZ REHFUSS
Florestan RICHARD HOLM
Leonore, unter dem Namen Fidelio CLAUDE NOLLIER, gesungen von MAGDA LÁSZLÓ,
gesprochen von GRETE ZIMMER
Rocco GEORG WIETER, gesprochen von WOLFGANG HEBENSTREIT

WIENER SYMPHONIKER, WIENER STAATSOPERNCHOR

Musikalische Leitung FRITZ LEHMANN
Inszenierung WALTER FELSENSTEIN
Bühnenbild und Kostüme ROCHUS GLIESE, LEO METZENBAUER
Chorleiter HERMANN LÜDDECKE
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

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