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Ulli

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Registrierungsdatum: 16. Januar 2005

1

Samstag, 25. Februar 2006, 09:18

Das wohltemperierte Clavier: I oder II?

Zitat

Original von AcomA

eine interessante diskussion: was ist besser gelungen, das WTK I oder II ?( man sollte diese erörterung im entsprechenden thread mal lostreten. denn diese frage ist nicht lapidar zu beantworten. IMO ist der grundtenor beider zyklen deutlich unterschiedlich, form und stimmung betreffend.


Salut,

dann wollen wir hier mal diskutieren!

Cordialement
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

2

Samstag, 25. Februar 2006, 11:14

nun, den zweiten Teil finde ich überwiegend sterbenslangweilig, keine Lust, sowas zu üben, oder hören...

...den ersten Teil werd ich irgendwann aufführen...
Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
(frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

Ulli

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Beiträge: 17 130

Registrierungsdatum: 16. Januar 2005

3

Samstag, 25. Februar 2006, 11:27

Salut,

bei mir ist es eher umgekehrt, ohne dass ich die beiden Teile "bewerten" mag: Ich finde im zweiten Teil [subjektiv] reizvollere Praeludien und Fugen. Wenn man im Klavierunterricht sich das wohltemperierte Clavier vorknöpfen muss, kommt man in der Regel nicht einmal durch den ersten Teil ganz durch, geschwige denn über die ersten drei hinaus... Daher ist für mich der zweite Teil einfach "interessanter", weil unbekannter.

Zum Üben habe ich so oder so keine Lust.

Cordialement
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

4

Samstag, 25. Februar 2006, 11:46

der Tastenwolf hat sich durch beide Teile gefressen... und bleibt lieber bei den saftigeren Stücken...im ersten Teil
Natürlich gibt es auch solche im 2.Band...D-Dur, g-Moll

andererseits ist mein Bewetung etwas in die Jahre gekommen, muß ich gestehen...bin ja doch länger kein Student mehr

der Hit f-Moll hats ja in die Pop Ranglisten geschafft...
Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
(frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

AcomA

Profi

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Beiträge: 563

Registrierungsdatum: 8. Juli 2005

5

Samstag, 25. Februar 2006, 12:13

hallo,

vom hörverhalten aus betrachtet kann ich eindeutig behaupten, dass ich den ersten zyklus häufiger höre. durchschnittlich finde ich die fugen im 2. band konstruierter bzw. mehr auf die architektonik als auf den klang ausgerichtet. die präludien im 2. band verhalten sich ähnlich abstrakt.

IMO zeichnet sich der erste band durch eine deutlich größere vielfalt an Rhythmik, klang und stimmungsgehalt aus. wenn man alleine schon die ersten vier präludien/fugen-paare aus dem WTK I nimmt (BWV 846-849).

valery afanassiev, der beide zyklen einspielte und schon als kind auswendig beherrschte, schrieb zu seiner aufnahme des WTK II: "ich nahm das zweite buch auf einem anderen klavier auf, das zufällig zwanzig jahre später in hamburg hergestellt worden war (bach beendete das WTK I 1722, während das WTK II zwanzig jahre später erschien !), als das, auf dem ich das erste buch aufgenommen hatte. und ich spielte natürlich anders, beeinflusst von bachs und meinem eigenen zeitgestalteten anderssein. diese präludien sind gewissermaßen strenger, unausweichlicher. und weniger 'schön' im allgemeinen sinn des wortes, worin auch der grund für ihre relative unbekanntheit liegen könnte."



imo setzen sich schon die letzten präludien und fugen des WTK I ab, insbesondere h-moll. ich konnte das vor wenigen jahren in der aula der essener folkwanghochschule live verfolgen ! boris bloch präsentierte das WTK I mit seinen meisterschülern an einem abend. man teilte sich die arbeit. der meister selbst ließ es sich nicht nehmen, die ersten beiden nummern und die letzte in h-moll zu spielen. er hatte zwei unterschiedliche flügel aufstellen lassen. ein neueres instrument und ein deutlich älteres, dass offensichtlich von der mechanik und dem obertonreichen klang schwieriger zu spielen war, so dass nur bloch selbst auf dem älteren instrument aktiv wurde. zusätzlich gab es eine art licht-choreographie (man erinnerte sich spontan an scriabin !). es war ein großartiges erlebnis. jeder der fortgeschrittenen schüler gab sein bestes und die präsentationen waren alle aufnahmereif ! desto weiter der zyklus fortschritt, desto mehr war eine art verinnerlichung erreicht. höhepunkt sicherlich blochs präsentation von nr.24. deutlich wurde auch die ungeheure vielfalt des gesamten zyklus.

während im ersten zyklus äußerliche virtuosität und klangeffekt ausgespielt werden und gelegentlich diese 'vollkommene verinnerlichung' zum ausdruck kommt, ist letzteres im zweiten zyklus an der tagesordnung.

gruß, siamak :rolleyes: :rolleyes:
Siamak

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 488

Registrierungsdatum: 12. August 2005

6

Samstag, 25. Februar 2006, 12:59

Meinem Eindruck nach (das scheint auch Stand der Forschung zu sein) ist der 2. Teil uneinheitlicher und unsystematischer. Zwar hat Bach wohl auch schon für den ersten Teil etliche ältere Stücke überarbeitet oder nur transponiert; der zweite ist aber wohl zum Größtenteil so entstanden: die Stücke wurden also nicht um 1740 komponiert, sondern teils schon Jahr(zehnt)e vorher.
(Hier weiß aber sicher einer der Experten besser Bescheid)
Dem Reiz der einzelnen Präludien und Fugen tut das natürlich gar keinen Abbbruch. Ich kann aus dem Stand auch nicht sagen, ob man im ersten Teil merkt, dass etwa bestimmte Fugentypen systematisch abgedeckt werden.
Meine persönlichen Favoriten verteilen sich über beide Bücher; ich greife vielleicht ein wenig häufiger zum Zweiten, weil ich das erste schon etwas länger kenne.

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

SMOB

Profi

  • »SMOB« ist männlich

Beiträge: 482

Registrierungsdatum: 5. Januar 2005

7

Samstag, 25. Februar 2006, 17:30

Ich kann auch mit dem ersten Zyklus mehr anfangen, der vielleicht weniger
konstruiert ist als der Zweite.


Für mich stimmt die Mischung optimal im WTK 1:

Sowohl eher ernste Fugen (cis-moll; h-moll; f-moll, b-Moll(auch Präludium !) ...) treffen hier
auch auf leichtere Gute-Laune-Stücke (fis-moll-Präludium; E-Dur-Präludium...).

Allerdings möchte ich den zweiten Teil auch nicht missen!
"Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten" Gustav Mahler

  • »Daniel Behrendt« ist männlich
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Registrierungsdatum: 19. Dezember 2005

8

Samstag, 25. Februar 2006, 23:32

Salomonisches Urteil: Ich empfinde den ersten Band des WTC als geschlossener (weil er in einer wesentlich kompakteren Arbeitsphase entstanden ist?), den zweiten dafür als anregender - er hat für mein Empfinden irgendwie "Steinbruch-" bzw. "Laborcharakter" - mir kommt das wohl eher entgegen.
Grundsätzlich würde ich mir nie anmaßen, beurteilen zu wollen, welche dieser beiden Sonnen heller leuchtet. Angela Hewitt schreibt dazu:
"Von vornherein zum Scheitern verurteilt ist der Versuch, zu bestimmen, welcher Band des WTC der bessere ist. Beide enthalten Juwelen in vielen verschiedenen Farben." - dem ist eigentlich nix hinzuzufügen!

Schöne Grüße!
Daniel

Ulli

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Registrierungsdatum: 16. Januar 2005

9

Samstag, 25. Februar 2006, 23:53

Salut,

ich habe mal in irgendeiner Analysis gelesen, dass der zweite Teil "beweist", dass eine Fuge mit jedem musikalischen Thema möglich ist. Ich habe schon den halben Tag mit Suchen verbracht... irgendwann werd ich es finden!

Cordialement
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
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m-mueller

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10

Mittwoch, 31. Januar 2007, 01:36

finde persönlich das zweite Buch besser, vor allem die phantastische f-moll-Fuge. Aber auch die anderen Fugen erscheinen mir im Wesentlichen variantenreicher und interessanter zu sein als im ersten Teil.

Bezüglich der Präludien ist es eher umgekehrt, aber die Unterschiede sind dann doch nicht so groß, daß man sich nicht auf ein diplomatisches Patt einigen könnte.

m-mueller

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11

Mittwoch, 31. Januar 2007, 01:42

wer an den "technicalities" des Aufbaus und der Interpretation interessiert ist:

weh weh weh -personal.umich.edu/~siglind/text.htm

Wolfgang

unregistriert

12

Samstag, 3. Februar 2007, 18:54

Hallo allerseits,

den beiden Bänden des WTK liegen nach m.E. unterschiedliche Konzepte zugrunde, sie sind auch meistenteils unterschiedlichen Kompositionsphasen Bachs zuzuordnen. Die Stücke des ersten Bandes sind durchweg homogener, auch deswegen, weil Bach sie bis zur Fertigstellung seiner Sammlung immer weiter verbessert hat und der erste Band wohl auch als Zyklus konzipiert ist (Forkel berichtet hierzu einiges in seiner Biographie). Der zweite Band scheint mehr auf Vielfältigkeit hin komponiert zu sein, in der Art einer Sammlung unterschiedlichster Stücke (wie es vielleicht ein wenig auch bei der H-Moll-Messe der Fall ist); so findet sich ganz modernes (Es-Dur und f-moll-Präludium, die schon vorklassisch sind) neben solch artifiziellen Kompositionen wie der b-Moll-Fuge, die in ihrer Kompliziertheit von kaum einer Fuge Bachs erreicht wird (ist teilweise eine richtiggehende Spiegelfuge). Allerdings fehlt Bach im zweiten Band zuweilen eine gewisse Frische oder Tiefe, die man im ersten Band in vielen der berühmtesten Stücke verspürt (z.B. b-moll, es-moll-Fuge, cis-moll-Fuge).

Insgesamt fällt mir die Entscheidung daher sehr schwer; beide Teile haben ihre Stärken.

Grüße aus Stuttgart
Wolfgang

m-mueller

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Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

13

Montag, 5. Februar 2007, 02:03

hallo Wolfgang,

herzlich willkommen in diesem schönen Forum.

Möge Differenziertheit und Geduld mit Dir sein !!