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Bernward Gerlach

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301

Dienstag, 15. März 2011, 18:47

Freude schöner Götterfunken - Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr 9 in d-moll op 125

Du hast die Einspielung von Roy Goodman aufgeführt, dessen vorzügliche Gesamtaufnahme der Schubert-Sinfonien ich in meinem Bestand habe. kannst du mir Goodman auch für Beethoven empfehlen?
Ich schon, habe den Zyklus seit Erscheinen.

LG, Bernward

"Nicht weinen, dass es vorüber ist
sondern lächeln, dass es gewesen ist"
Waldemar Kmentt (1929-2015)


William B.A.

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302

Dienstag, 15. März 2011, 19:15

Freude schöner Götterfunken - Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 9 d-moll op. 125

Zitat

Zitat von Thomas:

Es gibt einige Stellen, von denen ich erwartet hätte, dass du sie nennst.
So lieber Thomas, die letzte Stunde habe ich damit verbracht, solche Stellen namhaft zu machen, und ich habe sie gefunden. Aber wieso sprichst du von solchen Stellen? Hast du etwa auch welche gefunden?

Ich bin folgendermaßen vorgegangen: ich habe den Finalsatz mit seinen Spielzeiten protokolliert bis zum Choreinsatz: "Seid umschlungen, Millionen", weil ich der Ansicht war, dass das ausreicht, um zu belegen, was ich meine, und ich habe die Zeiten Hogwoods mit den von John Eliot Gardiner verglichen:

1. Orchesterpresto: H: bis 5:39, G: bis 5:30; (5:39-5:30)
2. Basssolo und Chor: H: bis 9:00, G: bis 8:37; (3:21-3:07)
3. Marcia-Einleitung: H: bis 10:00, G: bis 9:14; (1:00-0:37)
4. Tenorsolo und Chor: H: bis 11:14, G: bis 9:59; (1:14-0:45)
5. Orch.-Zwisch-sp.: H: bis 13:33, G: bis 11:26; (2:19-1:27)
6. Chor "Freude......: H: bis 14:38, G: bis 12:07; (1:05-0:41)

In Klammern stehen jeweils die einzelnen Spielzeiten der o.a. Satzabschnitte. Bis zum Schluss des Orchesterprestos gibt es auch kaum nennenswerte Unterschiede zwischen der temporalen Gestaltung beider Dirigenten, und auch der Schwung der Hogwoodschen Aufnahme ist bis dahin ungebrochen. Selbst das Tempo des ersten Soloabschnittes (Bass und Chor) ist noch hinnehmbar. Bis dahin ist Hogwood im Kopfsatz 50 Sekunden langsamer als Gardiner, im Presto 24 Sekunden langsamer und im Adagio sogar 1:22 Minuten schneller.
Aber mit Beginn der Marcia-Einleitung fällt Hogwoods Tempo völlig in sich zusammen. Das ist weder "Froh", noch "fliegen" seine Sonnen, sondern eher "traurig", und sie "schleichen", und die Brüder "laufen" auch nicht, sondern sie "schleichen" ebenfalls, aber keineswegs "freudig wie ein Held zum Siegen", eher "traurig" zur "Niederlage.

Und bei den Chorpassagen habe ich noch einmal genau hingehört. Obwohl der London Symphony Chorus teilweise fast die doppelte Zeit für die Stellen braucht, ist er keineswegs deutlicher als der Monteverdi Choir, einer der besten Chöre der Welt, der in allen Passagen vorbildlich artikuliert, ebenso wie übrigens der Bass dieser Aufnahme, Gilles Cachemaille, der seinem Kollegen Reinhardt in allen Belangen überlegen ist.

Gardiner "rockt" richtig, Hogwood ist hier bestenfalls Slowfox.

Wenn du die Gardiner-Aufnahme ebenfalls hast, hör sie doch auch mal gegen, die Zeiten hast du ja jetzt. Dann müsste es dir eigentlich wie Schuppen von den Augen fallen.

Liebe Grüße

Willi :) :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Thomas Sternberg

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303

Mittwoch, 16. März 2011, 04:46

Hallo Willi,

du hast durchaus recht. Ab der Marcia-Einleitung lässt Hogwood die Zügel schleifen. Dafür höre ich aber nichts gegen, sondern kann wunderbar damit leben. Die Einschränkung ist für mich eher gering, ist aber durchaus eine "Schwachstelle". Übrigens ist die "Flüsterstelle" auch etwas "dünn", zu leise, zu zurückhaltend.

Viele Grüße Thomas

William B.A.

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  • »William B.A.« ist männlich

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304

Mittwoch, 16. März 2011, 12:57

Freude schöner Götterfunken - Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 9 d-moll op. 125

Danke, lieber Thomas, dass du meine Eindrücke bestätigen konntest. Dass du nun dem Choralteil nicht das Gewicht beimisst, wie ich es tue, ist dein gutes Recht. Wo kämen wir denn hin, wenn alle die gleiche Meinung hätten.
Dass ich nun den Schlusssatz für so wichtig halte, mag mehrere Gründe haben:

- Einmal hat mich dieser Choral über den größten Teil meines Lebens begleitet und immer tief beeindruckt, seit ich Ende der 50er Jahre als eine der ersten Langspielplatten die damals noch durchaus übliche Auskopplung des Finales der Neunten von Furtwänglers legendärer Aufführung 1951 in Bayreuth erhielt (der übrigens für dieses Finale offiziell exakt 1 Sekunde mehr braucht als Howood, aber für den Choralteil eineinhalb Minuten weniger). Seitdem habe ich mich immer mit der Neunten beschäftigt. Sie ist auch bis heute die Sinfonie, die ich am häufigsten live erlebt habe.

- Zum Anderen singe ich selbst seit ebenfalls fast 55 Jahren im Chor und habe auch von daher eine Affinität zu solchen Chorstücken.

- Zum Dritten habe ich in meinem Deutschunterricht auf dem Gymnasium gelernt, dass die Einheit von Gehalt und Gestalt für einen
Text unheimlich wichtig ist. Deswegen war ich hier der Meinung, dass das in diesem Choral nicht gegeben ist.

Aber es bleiben ja immer noch achtdreiviertel glänzend musizierte Sinfonien von diesem Zyklus übrig, insofern kann ich auch damit leben.

Liebe Grüße

Willi :)
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Thomas Sternberg

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305

Mittwoch, 16. März 2011, 17:08

Hallo Willi,

auch ich nabe dir zu danken. Deine Präzisierung ist für mich ein Beweis dafür, das ein ausführliches "Gespräch" und die intensive Beschäftigung mit einer Interpretation sich immer lohnen.
Wie schon gesagt: Ich kann mit diesen Stellen wunderbar leben.
Viele grüße Thomas

Norbert

Moderator

  • »Norbert« ist männlich

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306

Donnerstag, 17. März 2011, 09:59


@Hallo Norbert, Deine Eindrücke zu dieser Wahnsinnaufnahme stehen noch aus !?! Findest Du diese, wie weitgehend in einigen Kritiken zu lesen, nicht so angemessen ?
Die Masse der Hörer scheint auf die Konventionen zu stehen !


Hallo Wolfgang,

ich habe mir inzwischen die Aufnahme noch einmal zu Gemüte geführt.



"Wahnsinnsaufnahme" trifft den Charakter der ersten "dreieinhalb Sätze" schon ganz gut.

Beeindruckend bei Mackerras ist nicht nur die Präzision, die er in Bezug auf Ausarbeitung der rhythmischen und dynamischen Strukturen walten läßt, sondern insbesondere, daß die sehr schnellen Tempi nicht, wie so oft bei "hippen oder hip-orientierten" Dirigenten "nur schnell" sind (so wie z.B. bei Mackerras' späterer Aufnahme mit dem SCO), sondern daß sie in Spannung umgesetzt werden.

Spannung, die neugierig macht, auf das, was noch kommen wird (obwohl das bei Beethovens 9. längst bekannt ist ;) ), Spannung, die dem dritten Satz einen vorwärtsstrebenden und positiv nervösen Charakter verleiht. Der Satz ist weder verhuscht, noch "badet" er im gepflegten Schönklang, auch sterbt Mackerras keinen verinnerlichten, intim, zarten Charakter an wie Christoph Spering, er hat bei Mackerras einen ganz eigenen Charakter.

Große Abstriche gibt es leider im vierten Satz. Bloß für die kann Mackerras nichts, sie sind tontechnischer Natur.
Der Chor wirkt wie separat aufgenommen und schlecht mit dem Orchester zusammengemischt (zumindest, wenn man die Aufnahme über Kopfhörer hört). Der Frequenzbereich ist stellenweise in den unteren Frequenzen beschnitten, der Chor klingt "topfig", im Hall unnatürlich (besonders deutlich zu hören in den Tracks 7, 8 und 11). Das ist sehr bedauerlich, denn abgesehen von dieser tontechnischen Unzulänglichkeit wäre die 9. Sinfonie "Referenzneunte in einem Referenzzyklus".

Kleinere Abstriche sind bei Bryn Terfel in Bezug auf Intonationssicherheit und Stimmvolumen zu machen, es ist allerdings anzumerken, daß er zum Zeitpunkt der Aufnahme (1991) mit 25 Jahren noch sehr jung war. Seine Stimme war längst noch nicht ausgereift.

Zudem hört sich der Chor in der deutschen Aussprache stellenweise etwas "britisch" an, aber das sind Dinge, die angesichts der gravierenden Tonprobleme zu vernachlässigen sind.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

William B.A.

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307

Sonntag, 20. März 2011, 02:13

Freude schöner Gütterfunken : Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 9 d-moll op. 125

Liebe Beethovenfreunde,

nach meiner jetzigen Hörsitzung muss ich meine Referenzen, was die Neunte betrifft, neu ordnen:

mit an der Spitze steht nur folegende Aufnahme:



Charles Munch liefert hier die perfekte Aufnahme schlechthin ab, ein fantastisches Orchester (Boston Symphony), ein toller Chor (New England Conservatory Chorus) und wirklich gute bis legendäre Solisten (Leontyne Price, Sopran, Maureen Forrester, Alt, David Poleri (noch nie gehört, aber für diese Partie das nötige tenorale Fundament und in der Aussprache um Klassen besser als hier bereits besprochene Tenöre), sowie Giorgio Tozzi Bass, der so manchen wesentlich berühmteren Kollegen stimmlich locker in die Tasche steckt.

Seit Wochen diskutieren wir in diesem Thread über diese größte aller Sinfonien, und immer hatten wir an der einen oder anderen Interpetation etwas auszusetzen. Es entstanden Glaubenskriege zwischen den Anhängern der HIP- und der NON-HIP-Aufnahmen (Dirigenten).

Dieses ist eine NON-HIP-Aufnahme, aber eine der besten, die mir je begegnet ist. Die Dynamik ist unglaublich, das Tempo, sehr hoch, aber niemals überdreht, reißt den Hörer vom Hocker, die klangliche Transparenz dieser beinahe 53 Jahre alten Aufnahme läiut mancher wesentlich jüngeren Einspielung den Rang ab. Es ist aus dieser Sicht nicht verwunderlich, dass die aus der gleichen Zeit stammende Aufnahme des Violinkonzertes von Beethoven mit Jascha Heifetz, dem gleichen Orchester und dem gleichen Dirigenten, das sich schons eit 50 Jahren inmeinem Besitz befindet, nicht nur für mich schon seit Jahrzehnten auch hier zu den Refernezen zählt.

Liebe Grüße

Willi :thumbsup:
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Thomas Sternberg

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308

Sonntag, 20. März 2011, 07:46

Seit Wochen diskutieren wir in diesem Thread über diese größte aller Sinfonien, und immer hatten wir an der einen oder anderen Interpetation etwas auszusetzen. Es entstanden Glaubenskriege zwischen den Anhängern der HIP- und der NON-HIP-Aufnahmen (Dirigenten).


Hallo Willi,

Glaubenskrieg?

Zwischen HIP und Non-HIP?

Man sollte doch etwas vorsichtig bei der Wortwahl sein. Ich liege mit niemanden im Krieg. Krieg ist das, was zur Zeit in Lybien passiert.

Wir haben Aufnahmen diskutiert. Wir haben Stärken und Schwächen benannt und dies soll doch wohl auch ein Sinn dieses Threads zu sein.

Du scheinst ja nach der Jagd nach der perfekten Aufnahme zu sein. Mein Weg mit der Neunten ist ein anderer. Mich interessieren nur noch Aufnahmen dieses Jahrhunderts. Als nächstes habe ich die Interpretation von Osmo Vänskä mit dem Minnesota Orchestra ins Auge gefasst.

Viele Grüße Thomas

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

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309

Sonntag, 20. März 2011, 21:27

Freude schöner Götterfunken - Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 9 d-moll op. 125

Nun, vielleicht ist der Ausdruck "Glaubenskrieg" wirklich ein bisschen zu stark, und er war in dem Sinne von mir auch nicht negativ gemeint, wir haben ja wirklich nur Argumente ausgetauscht.
Das mit dem anderen Weg hast du treffend formuliert. Mein Weg ist der, dass ich mich für Spitzenaufnahmen der Neunten interessiere, egal aus welchem Jahrhundert sie stammen. Diese von mir zuletzt vorgestellte stammt eben aus der Mitte des 20. Jahrhunderts und war NON-HIP. Die Aufnahme Gardiners stammt aus dem Ende des 20. Jahrhunderts und ist HIP und zählt auch zu meinen Spitzenaufnahmen.
Und es ist gut, dass nicht jeder den gleichen Weg einschlägt, wichtig ist nur, dass man einen Weg hat, auch wenn er selbst das Ziel ist.

Viele Grüße

Willi :rolleyes:
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Joseph II.

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310

Dienstag, 3. Mai 2011, 19:00

Klemperer, 15.11.1957 LIVE: Eine Offenbarung

Ich zitiere mich mal selbst aus dem "Was hört ihr gerade jetzt?"-Thread:



Beethoven: Symphonie Nr. 9
Nordmo-Løvberg, Ludwig, Kmentt, Hotter
Philharmonia Chorus & Orchestra
Otto Klemperer
15.11.1957

Phantastische Aufnahme! Was der Paukist hier abliefert, verdient nichts geringer als das Prädikat "Weltklasse". Und auch sonst mit die beste Aufnahme der Neunten, die ich je hörte. Auf jeden Fall die beste von Klemperer, die ich kenne (neben 1957 Studio, 1960 live, 1964 live, 1970 live).

:jubel: :jubel: :jubel:


Wer kennt diesen Live-Mitschnitt aus der Royal Festival Hall noch?
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

William B.A.

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311

Dienstag, 3. Mai 2011, 19:17

Freude schöner Götterfunken - Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 9 d-moll op. 125

Nach dem Booklet nebenstehender Aufnahme zu urteilen, ist die Neunte der Gesamtaufnahme in der gleichen Besetzung nach der Liveaufführung in der Royal Festival Hall im November 1957 wohl einen Monat später in der Kingsway Hall aufgenommen worden. Besteht denn zwischen beiden Aufführungen ein signifikanter qualitativer Unterschied, lieber Joseph?

Liebe Grüße

Willi ?(
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Joseph II.

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312

Dienstag, 3. Mai 2011, 19:23

Hallo Willi,

wie ich mich grad belehren lassen mußte, ist dieser Mitschnitt kein Geheimtipp mehr. Allerdings mindert dies die hervorragende Aufnahme ja nicht.

Also der Klang ist m. E. ein "für das Aufnahmejahr sehr gutes Stereo". Johannes Roehl meinte grad sogar, es wäre evtl. besser als bei der Studio-Aufnahme. Auf jeden Fall sind die Pauken viel präsenter (für mich vorteilhaft). Und was die Spontaneität anbelangt, läßt "Klemp live" "Klemp Studio" weit hinter sich.

s.bummer kennt sich da aber bestimmt noch besser aus. Vielleicht meldet er sich hier ja noch.

LG
Joseph
:hello:
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Accuphan

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313

Dienstag, 3. Mai 2011, 21:11


...Was der Paukist hier abliefert, verdient nichts geringer als das Prädikat "Weltklasse"...


Wow, das ist ja was für mich! :)

Was macht der/ den Pauker so gut?

Wenn ich die CD finde, höre ich mal rein...

Beste Grüße
Accuphan
"mit Bravour"

Joseph II.

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314

Mittwoch, 4. Mai 2011, 00:17

Die Pauken sind sehr präsent und wunderbar durchhörbar. Der Paukist hatte offenbar wirklich einen sehr guten Tag. Besonders im Molto vivace vollführt er ein Musterbeispiel, wie das zu klingen hat. Ein einziger Hörgenuß von Anfang bis Ende. Ich meine beinahe, besser hörte ich diesen Satz bisher nicht. Danach wird man viele andere Aufnahmen langweilig finden. In den letzten Takten der Symphonie trumpfen die Pauken nochmal regelrecht auf. Der Applaus ist sehr herzlich. Kein Wunder.

Auch die Gesangsleistungen sind sehr hervorzuheben: Waldemar Kmentt sticht m. E. nochmal besonders hervor.
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s.bummer

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315

Mittwoch, 4. Mai 2011, 17:32

Klemp 1957

Zitat

s.bummer kennt sich da aber bestimmt noch besser aus.
Hallo, da gibt es nicht viel zu sagen:
Legge hatte für Oktober/November 1957 einen Livezyklus aller Sinfonien, Klavierkonzerte und des Violinkonzertes unter dem Dirigat Klemperers vorbereitet.
Parallel dazu konnte der alte Herr die Sinfonien vervollständigen (1,2,4,6,8 und 9).
Ebenfalls trat erstmal der Philharmonia Chorus unter Wilhelm Pitz auf.

Legge war ob der Konzerte schwerst begeistert, einige Aufnahmen (KK 3,4 und 5 mit Arrau), Sinfonien 2,4,5,7 und 9 sind bei Testament erschienen.
Weshalb die Eroica fehlt, ist mir schleierhaft, sie soll HvK in die Garderobe getrieben haben, nur um Klemp auzurichten, dass er hoffe lange genug zu leben, um einmal den Trauermarsch so hinzubekommen.

Ansonsten freue ich mich, Joseph, dass du nun den 50iger Jahre Beethoven Klemps entdeckst, ich finde ihn spannender als die späteren Aufnahmen.
Ach ja, bei der 9. bevorzuge ich (siehe oben) immer noch die aus Amsterdam.

Gruß S.
Johannes Richter: Neue Ideen setzen sich nur durch, weil die Anhänger der alten aussterben

Joseph II.

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316

Mittwoch, 4. Mai 2011, 19:20

Ich stimme zu. Die beste Klemperer-Neunte, die ich kenne.

Wo wir schon bei Old Klemp sind:

Kennt jemand eigentlich noch die Aufnahme von 1961? Die einzige, die bisher nicht erwähnt wurde, glaub ich. Im Gegensatz zu der von 1957 allerdings Mono:



Sie enstand nach dem Unfall 1958 und fiele ja in Klemperers "eher mäßige Phase" 1959-1962, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

teleton

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317

Donnerstag, 5. Mai 2011, 09:13

RE: Klemperer

Hallo Joseph,

ich hatte früher einmal die als Cd abgebilkdete Kemperer-EMI-Aufnahme mit dem Phillharmonia Orchestra auf LP. Diese war in einer aufwendigen Schalplatten-Kassette auf 1 1/2 Plattenseiten untergebracht - die 4.LP-Seite war leer :D .
Mir gefiel Klemperer damals gut und besonders der 2.Satz hatte es mir angetan, denn da war Klemperer auch mit den Pauken bestens aufgestellt (nicht wie in manchen seiner Bruckner-Aufnahmen aus der Zeit bei denen die Pauken fast unhörbar sind).

()
EMI, ADD

8) Aus heutiger Sicht würden mich allerdings die langsamen Tempi noch mehr stören als damals 17:03 - 15:38 - 15:01 - 24:36.

Deshalb greife ich aktuell heute llieber zu Mackerras (EMI) und Leibowitz (Chesky) ....
Gruß aus Bonn, Wolfgang

William B.A.

Erleuchteter

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318

Freitag, 22. Juli 2011, 00:56

Freude schöner Götterfunken - Ludwig van Beethoven, Sinfoniew Nr. 9 d-moll op. 125

Diese Aufnahme ist wirklich eine Freude, eine sehr große sogar. Charles Munch erzeugt mit seinen excellenten Bostoner Sinfonikern eine große Wucht, spielt ein zügiges Tempo und erzielt für das Ende der 50er Jahre ein absolut excellentes Klangergebnis. Nun ja- Living Stereo- davon habe ich etliche in meiner Sammlung, die erste vor über 50 Jahren. Er stellt mit seiner Aufnahme so eine Art virtuelle Synthese zwischen einem HIP- und einem konventionellen Sinfonie-Orchester dar- Transparenz- bis zum Anschlag, ohne die Intention, fehlendes Volumen (fehlende Musiker) durch künstliche Wucht ersetzen zu wollen (müssen), er hat die Wucht per se.
Der Chor ist natürlich ein amerikanischer Chor, je nun, aber er hat Leontyne Price und Maureen Forrester und einen unbekannten Tenor namens David Poleri sowie den sehr guten Bassisten Giorgio Tozzi.

Was wll man mehr?

Liebe Grüße

Willi :thumbsup:
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Norbert

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319

Freitag, 22. Juli 2011, 10:11

In der Tat, lieber Willi, Munchs Aufnahme ist jedem Beethoven-Freund zu empfehlen.

Es gibt (natürlich) Aufnahmen, die schneller sind als die Munchs, aber ich kenne keine, die von der ersten bis zur letzten Sekunde so glutvoll, so spannend und so mitreißend dirigiert wurde.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Accuphan

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320

Samstag, 23. Juli 2011, 12:19

Die Pauken sind sehr präsent und wunderbar durchhörbar. Der Paukist hatte offenbar wirklich einen sehr guten Tag. Besonders im Molto vivace vollführt er ein Musterbeispiel, wie das zu klingen hat. Ein einziger Hörgenuß von Anfang bis Ende. Ich meine beinahe, besser hörte ich diesen Satz bisher nicht. Danach wird man viele andere Aufnahmen langweilig finden. In den letzten Takten der Symphonie trumpfen die Pauken nochmal regelrecht auf. Der Applaus ist sehr herzlich. Kein Wunder.


Lieber Joseph, nun habe ich es endlich mal geschafft, diese Aufnahme mal zu hören, den 2. Satz, den Anfang und das Ende des 4. Satzes. Ich mag präsente Pauken sehr!
Was diese Aufnahme betrifft, so habe ich folgende Wahrnehmung: der Pauker ist ein solider, guter Musiker. Er spielt Details, die so nicht in den Noten stehen, die mir aber gefallen und die musikalisch auch sinnvoll sind, etwa zu Beginn der 4. Satzes, wenn er am Ende der einleitenden Presto-Phrase (bis zu den zwei Viertel-Schlägen, vor dem Einsatz der Bässe) ein Crescendo macht (ein gehörter "Wirbel" auf dem D, tatsächlich notierte Sechzehntel).
Im zweiten Satz spielt er eine ordentliche Pauke, ein Wunder aber ist das wirklich nicht. Den Rhythmus seiner markanten Paukenstimme hält er nicht konsequent durch, die Punktierung fällt immer wieder leicht anders aus. So ist es aber nicht geschrieben und v.a. nicht richtig. Das ist eine häufige, für den Laien womöglich nicht so gut nachvollziehbare, wahrscheinlich auch nicht wichtige, aber eben in Sachen Pauker-Leistung nicht mustergültige Nummer. Am besten gelingt es ihm an der Stellen, wo das "Pauken-Motif" etwas leiser gespielt wird: nach der Wdh. des ersten Teils, nach der Fermate, von Bläsern unterbrochen: damm-dada, 123456, damm-dada, 123456, damm-dada, 123456, damm-dada, 123456789 [und jetzt leiser:] damm-dada - ich hoffe, dass man diese "Musikbeschreibung" verstehen kann.
Übrigens: an dieser Stelle unterläuft Beethoven sehr hübsch seine eigene Spielanweisung und erwischt uns, wie so oft (und immer ganz ohne ungewöhnliche Taktarten...) gerne auf dem falschen Fuß: in der Partitur ist explizit "Ritmo di tre battute" notiert, um den Bezug zum "Puls" der Takte zu benennen. Es ist als Sequenz von drei Takten zu spielen, die als Gruppe zusammengehören, mit der Betonung auf dem ersten Takt. Mit der Verschiebung des letzten "damm-dada" um einen Takt nach hinten, wenn auch leiser, durchbricht er diese Logik, an die man sich gerade so gewöhnt hat. :P
Bei dieser Einspielung kommt dazu, dass die Pauken nicht schön klingen. Ein bisschen Pauke, ein bisschen Wurstkessel. Und beim Gesamtklang würde ich das durchaus den Instrumenten und dem Spieler zuschreiben. Insgesamt also eine schöne Präsenz, aber keine besondere, gar herausragende Leistung dieses Paukers.
Beste Grüße
Accuphan
"mit Bravour"

Accuphan

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321

Sonntag, 24. Juli 2011, 14:25

Noch eine Neunte mit prägnanten Pauken

Von der flotteren Gangart ist auch diese:

Ein hervorragender Zyklus, überzeugend gemacht, mit den bekannten "sehnigen" Stellen in den "historischen" Streichern, aber mit Fleisch und Blut, sozusagen. Die Pauken sind sehr schön gespielt, prägnant und durchweg gut. Allerdings wird auch hier der punktierte Rhythmus im Scherzo der Neunten an der "Drei-Takte-Stelle" nicht korrekt gespielt, nur manchmal, ebenso die Dynamikvorschrift, die an einer Stelle ignoriert wird - aber immerhin konsequent auch in der Wiederholung! ;)

Das ist wohl das Salzkörnchen für den Detailhörer. Chor super, Solisten ebenfalls. Eine klare Empfehlung, deutlich vor beiden Berliner Zyklen von Abbado.
Beste Grüße
Accuphan
"mit Bravour"

William B.A.

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322

Sonntag, 24. Juli 2011, 16:28

Freude schöner Götterfunken - Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 9 d-moll op. 125

Ich habe gerade mal die Hörproben durchgehört und bin von dem Gehörten durchaus angetan, lieber Accuphan. Allerdings finde ich das Tempo als nicht zu schnell, wohl schneller als so manche anderen Aufnahmen, die ich in meiner Sammlung habe. Ein sehr runder und kompakter Klang, nun habe ich hier an meinem Laptop nicht meinen besten Kopfhörer angeschlossen und meinen Verstärker auch nicht.
Ich habe Immerseel mit seiner Anima Eterna ja schon live erlebt, allerdings mit Mozart. Das Orchester hat mir damals schon gut gefallen.
Auch, was du über Chor und Solisten gesagt hast, kann ich durchaus nachvollziehen. Das ist auch für mich unverzichtbar, dass es hier stimmt.
Mit dem Zyklus könnte ich mich durchaus anfreunden.

Liebe Grüße

Willi :)
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William B.A.

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323

Sonntag, 24. Juli 2011, 17:52

Freude schöner Götterfunken - Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 9 in d-moll op. 125


Hallo Accuphan,
ich habe jetzt weitere Hörproben genommen. Dabei ist mir aufgefallen, dass Immerseel die Ouvertüren deutlich rascher nimmt als die Sinfonien, was aber gleichwohl einen positiven Eindruck auf mich macht. Ich sitze jetzt an meiner Originalhöranlage mit einem sehr guten Kopfhörer und Verstärker, und da ist der Klang doch deutlich transparenter. Das Orchester spielt mit ordentlicher Power. Ist im Booklet auch etwas über die Besetzungsstärke ausgesagt? Das klingt nicht nach kleiner Besetzung.

Liebe Grüße

Willi ?(

P.S. natürlich ausgezeichnete Pauken!
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Agon

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Sonntag, 24. Juli 2011, 19:54

Was die weiter oben besprochene Neunte mit Charles Munch betrifft, so bin ich noch im Besitz der "Great Conductors of the 20th Century" - Ausgabe, die so aussieht:



Es ist die Aufnahme vom 21./22.12.1958, Symphony Hall, Boston mit Price, Forrester, Poleri, Tozzi. Also die RCA-Studioaufnahme. Remastert wurde sie hier, wie die ganze Reihe, von Paul Baily, der auch für nahezu alle Testament-Veröffentlichungen verantwortlich zeichnet. Ich finde dieses Remastering ganz hervorragend gelungen, mich hat der Klang dieser Aufnahme auch völlig umgehauen. Nun würde mich interessieren, inwiefern das neue Remastering der Sony/RCA-CD von dieser Ausgabe abweicht. Also ich habe wirklich nicht vor, mir diese neue Ausgabe zuzulegen (das wäre völliger Unsinn), aber mich würden einfach eventuelle Abweichungen interessieren. Vielleicht kennt ja jemand beide Ausgaben?


Gruß,
Agon
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. (Theodor W. Adorno)

William B.A.

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Samstag, 6. August 2011, 03:21

Freude schöner Götterfunken - Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 9 d-moll op. 125

Eine sehr schöne Aufnahme von Carlo Maria Giulini mit dem London Symphony Orchestra und den Solisten Sheila Armstrong, Sopran, Anna Reynolds, Alt, Robert Tear, Tenor und John Shirley-Quirk, Bass. Giulini gehört zu den gemäßigteren im Lande, was das Tempo betrifft, nicht den Ausdruck. Der ist bei ihm, wie immer an der oberen Spannungslinie. Eine Aufnahme ohne Fehl und Tadel.

Liebe Grüße

Willi :)
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John Doe

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Freitag, 19. August 2011, 11:34

Hallo miteinander,

jetzt hab ich´s endlich gewagt und mir diese Aufnahme zugelegt:



vergrößerter Bläserapparat, erweiterte Instrumentierung, verdoppelte Pauken und eine äußerst forsche Herangehensweise, die man eher bei HIP, denn bei so etwas vermutet (knapp 59 min!), tun schon ihre Wirkung.
Und auf dass man sich nicht vollends in dieser "Beethoven-Orgie" verliert, die diversen Mahlerismen, die besonders bei den langsamen Stellen und den Bläsereinsätzen in den Vordergrund treten.
Ein bißchen ernüchternd wirkt auch der ein oder andere Solist, der seinen Part für meinen Geschmack doch ein bißchen zu harmlos rüberbringt. Es läuft da schon einer zum Siege, aber ob das ein Held ist?

Nichtsdestotrotz bedauere ich die Anschaffung dieser Aufnahme nicht, ist sie doch gleichermaßen für den Beethoven- wie für den Mahler-Freund höchst interessant.

Beste Grüße
John Doe
:hello:

zweiterbass

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Freitag, 19. August 2011, 13:03

Hallo John Doe,

ich kenne die Mahler-"Bearbeitung" nicht, werde sie mir auch gewiß nicht kaufen, bei aller Möglichkeit eines klangvollen Mehrreizes.

Aber allein die Tatsache, dass Mahler die 9. arrangiert, ist für mich ein Beleg seiner ausgeprägten Egozentrik, Geltungs- Grossmannssucht (um das Wort Größenwahnsinn zu vermeiden), was ich auch in seiner Larmoyanz höre, das ist für mich abstoßend - was meine ganz private Meinung ist.

Dass Stokowski Bach (aber eben nicht seine "Hohe Messe"!) für großes Orchester arr. hat, ist für mich etwas ganz Anderes.

Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

Accuphan

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Freitag, 19. August 2011, 16:55

Aber allein die Tatsache, dass Mahler die 9. arrangiert, ist für mich ein Beleg seiner ausgeprägten Egozentrik, Geltungs- Grossmannssucht (um das Wort Größenwahnsinn zu vermeiden)
Gilt das dann auch für Liszt, Busoni u.a.?
(Ein etwas simpler rhetorischer Trick ist es, das Wort "Größenwahn[sinn]" angeblich vermeiden zu wollen und es genau dabei zu erwähnen...)

was ich auch in seiner Larmoyanz höre, das ist für mich abstoßend
Wie kommst Du denn auf dieses Urteil?

was meine ganz private Meinung ist.
Was denn auch sonst??

Dass Stokowski Bach (aber eben nicht seine "Hohe Messe"!) für großes Orchester arr. hat, ist für mich etwas ganz Anderes.
Ach nein, die H-Moll-Messe ist etwas anderes als die Neunte?! Hätte ich ja nicht gedacht. Könnte es sein, dass der Vergleich mit der Missa Solemnis passender wäre? Hmmm... die hat Mahler aber nicht bearbeitet...
"mit Bravour"

zweiterbass

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Freitag, 19. August 2011, 18:47

Die Argumentationskette in dem letzten Absatz hat einen "Knick" - Beides, mein Zitat und Deine Antwort bitte genau lesen.
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William B.A.

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Samstag, 20. August 2011, 16:15

Freude schöner Götterfunken: Sinfonie Nr. 9 in d-moll op. 125

Zitat

zweiterbass: Aber allein die Tatsache, dass Mahler die 9. arrangiert, ist für mich ein Beleg seiner ausgeprägten Egozentrik, Geltuns- Großmannssucht (um das Wort Größenwahnsinn zu vermeiden).


Gilt das auch für Mozart (KV 572)?

Liebe Grüße

Willi ?(
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