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Alfred_Schmidt

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1

Mittwoch, 29. September 2004, 12:16

Charismatische Persönlichkeiten in der klassischen Musik

Lieber Klassikfreund, liebe Forianer

Manchmal liegen die Themen geradezu auf der Straße, äh will sagen im
Forum herum.

Ich möchte mich heute mit dem Thema "Ausstrahlung" von Künstlern befassen, Sängern, Solisten, Dirigenten, aber auch Komponisten.

Ispiriert wurde ich duch folgendes Statemant von " Klassikliebhaber ":

Zitat

aber ich meinte mit Ausstrahlung eher optisches Erscheinen/Auftreten/Aussehen (wieder mal unglückliche Wortwahl).
Und da schreckt er IMO die Leute auf dem 1. Blick ab (vor allem jüngere).
Anna Netrebko...DIE hat Ausstrahlung!


Findest Du ???

Die sieht vielleicht gut aus. Aber Ausstrahlung ?

Hier sieht man, wie subjektiv solche Eindrücke verarbeitet werden.
Peter Ustinov (durch seinen Beitrag beim "Karneval der Tiere" hier nicht OT :yes: ) DER hatte Ausstrahlung, das "Sir" brauchte er gar nicht, er selbst war "Sir" mit oder ohne Titel)

Ausstrahlung, Aura, oder Charisma, das lässt sich schwer definieren, IMO kann man es zwar im PR Bereich künstlich vortäuschen, allerdings platzt dieser Schein oft beim ersten gesprochen Satz, oder (mehr noch) durch ein Lachen. Charisma kann aber auch schweigend wirken, es kann zudem, so bereits vorhanden, durch Kunstkniffe "verstärkt" werden, bzw "focussiert". Man danke beispielsweise, an die alten Schallplattencover, wo Herbert von Karajan, dunkel gekleidet, vor fast ebenso dunklem Hintergrund, mit erhobenem Takstock, bedeutungsschwer in die Kamera blickt. (Rembrandt malte ähnliche Bilder von seiner Klientel, und verfehlte nur selten sein Ziel)

Als ich das erste Mal Karajans Stimme hörte, war es mit seiner Ausstrahlung für kurze Zeit) vorbei. Nach einigen Minute jedoch, erlag auch ich wieder dem Zauber der Person, er konnte in relativ knappen Worten Situationen treffend beschreiben, ohne Informationsverlust (etwas das ich in keiner Weise beherrsche).

Interessant ist, daß MASSIVE Kritik an seinem Dirigat, erst dann einsetzte (Einzelstimmen gab es schon immer) als er persönlich nicht mehr präsent war.

Aber es geht in diesem Thread nicht um Karajan, da gibt es einen eigenen. Vielmehr möchte ich das Unmögliche wagen, zu analisieren
WAS denn eigentlich Ausstrahlung ist, und welcher Künstler auf Euch Ausstrahlung besitzt-- und warum.

Hier ergibt sich noch die Frage, inwieweit sich, abgesehen vom Cover unenem Sugestiven Booklettext, Ausstrahlung, zumindest andeutungsweise, auf Tonaufnahmen übertragen, festhalten oder vermitteln lässt.

Ein hochinteressantes Thema, wie ich meine, zudem allen jenen gewidmet, die meinen, sie würden gerne öfter schreiben, ihre Sammlung wäre aber nicht ausreichend groß, überall mitzumachen (Das kann ich gut nachvollziehen)

Wer will, kann auch am Ende des Beitrags die seiner Meinung nach 3 charismatischesten Künstler nennen. Da werde ich dann an einem flaueren Tag eine Auswertung machen und den "Charismatischesten Künstler des Forums" ermitteln, eine Soielerei, mehr nicht.
Aber wie heisst es so schön:
Alles ist Spiel auf Erden

Freundliche Grüße aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Klassikliebhaber

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2

Dienstag, 5. Oktober 2004, 08:56

Wie gesagt...finde ich,dass Netrebko eine tolle Ausstrahlung hat.
Desweiteren finde ich,dass Angela Gheorghiu auch eine tolle Ausstrahlung hat.


Bei beiden habe ich das Gefühl,wenn sie die Bühne betreten (und singen),dass ein Engel erscheint,ein helles Licht,ein Leuchten,welches meine Ohren und mein Herz mit Freude erfüllt.
Das ist unerklärlich.

Beide Sängerinnen sind zudem sehr attraktiv. :)

Noch ein weiteres Beispiel: Cecilia Bartoli! Auch wenn sie die Bühne betritt,kommt bei mir Freude auf. :)

Alfred_Schmidt

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3

Sonntag, 24. Oktober 2004, 13:17

Hallo,

Ich habe eigentlich jene Ausstrahlung gemeint, die nicht erklärbar ist.
Klar, daß Leute die jung und gutaussehend sind gewinnend wirken, das war immer schon so, und das wird immer so sein.

Wenn wir uns aber Paganinis Züge, wie sie uns überliefert sind, ansehen, dann muß dieser Virtuose etwas gehabt haben, daß sich nich über eine freundliche blickende Larve definieren lässt, auch nicht über ein gewinnendes Wesen (Er war sehr mißtrauisch und bewahrte, wenn er aus Reisen war, Solonoten und Orchesterpartitur seiner Konzerte getrennt auf, aus Angst, Konkurrenten könnten seine Noten stehlen und ebenfalls damit auftrteten,,,)
Franz Liszt, in der Jugend wirklich bildschön, konnte aber auch im Alter, abgesehen von seinem phänomenalen Spiel, die Leute begeistern.
Wenn man Herbert von Karajan in einem Interview zuhört, so hatte er wenig dämonisierendes, er war IMO eher sehr sachlich, fachlich fundiert, eher kühl, manchmal sogar leicht abweisend... Dennoch- Er hatte Charisma
Celibidache-das ziemliche Gegenteil von Karajan IMO- zog sich einerseits vom Medienrummel zurück -- und war gerade deshalb immer wieder in den Medien. Er schaffte es, ein geachtetes aber nicht als "erstklassig" eingeschätztzes Orchester (das es aber IMO ist) ganz nach vorne zu katapultieren.Spätestens durch die Veröffentlichung der Bruckner-Aufnahmen, weiß alle Welt, welch herrliche Bläser die in München haben.
Aber da wir bei Charisma sind, sind mir soeben die Wiener Philharmoniker
eingefallen. Wenn ich zuerst geschrieben habe "erstklassig und "nicht erstklassig", dann war eigentlich nicht unbedingt die reale Orchesterleistung gemeint, sondern der "Ruf" eines Orchesters.
Wir haben in Wien zwei führende Orchester: Die Wiener Philharmoniker und die Wiener Symphoniker. Eines der beiden Orchester gilt als "eines der Weltbesten" Das andere, von dem hinter vorgehaltener Hand gesagt wird, es wäre vom berühmteren nicht zu unterscheiden, hat sich nie den Platz im internationalen Schallplattengeschäft sichern können, den es wahrscheinlich verdient hätte. :stumm:
Hier kann man wirklich vom Charisma eines Orchesters sprechen. :yes:

Aber die eigentliche Frage, wer heutzutage als charismatisch, im eigentlichen Sinne zu betrachten ist ist damit noch nicht beabtwortet.
Ich würde mal sagen, sie ist nicht beantwortbar, weil es heute keine charismatischen Personen mehr gibt.

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Rocco

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4

Montag, 25. Oktober 2004, 17:08

Hallo,

Charisma - Ausstrahlung. Ja, diese kann natürlich sowohl negativ als auch positiv auf den Beschauer wirken.

Bespielsweise soll Furtwängler eine sehr starke Ausstrahlung auf Musiker gehabt haben. Angeblich soll sich der Klang des BPO schon geändert haben, wenn ein anderer als Furtwängler am Pult stand und dieser den Raum betrat. Er ist ja mit einem Minimum an Anweisungen ausgekommen, was wohl das ein oder andere mal zu Verwirrung geführt haben soll.

Welcher Musiker ein Charisma par Excellence hatte, war zweifelsohne Leonard Bernstein, eine Musikant schlechthin, der die Musik lebte und erlitt.

Eine Negativismum soll Richard Strauss gewesen sein, der mit seiner schläfrigen Art zu dirigieren wohl auch die Musiker "ansteckte". Von ihm soll der Satz überliefert sein, dass es ja nicht so schlimm wäre, wenn man die ein oder andere Note nicht spielen würde, dass würde eh keiner merken. In der Tat wirken seine Dirigate alles andere als lebendig und man hat den Eindruck, als würde er immer langsamer werden.

Ein gewaltiges Charisma, schon allein aufgrund seines feurgen Tempraments wagen, war sich Toscanini, dessen Wutausbrüche ja berühmt sind. Nicht umsonst musste für ein eigenes Orchester gegründte werden, da es auf Dauer kein Musiker mit diesem Choleriker aushielt.
Beste Grüße aus Bonn
Matthias

Ich tu', was meine Pflicht gebeut, doch hass' ich alle Grausamkeit (ROCCO)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Rocco« (25. Oktober 2004, 17:09)


sagitt

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5

Dienstag, 2. November 2004, 15:43

RE: Charismatische Persönlichkeiten in der klassischen Musik

Ich will nur ein Beispiel bringen. Das Charisma ist offensichtlich, aber worin ist es begründet. Carlos Kleiber war ein charismatischer Künstler. Alle Orchester, mit denen er es zu tun hatte, konnte er offensichtlich elektrisieren. Bild-oder tonaufnahme- egal. Sie spielen, als wären sie von einem anderen Stern, ob es Beethoven 5 und 7, Brahms 2 und 4 oder Freischütz, Traviata, Tristan sind. Aber was ist es ? Was ist das Geheimnis eines Kleiber. Er explodiert nicht auf dem Podium wie Bernstein oder Harding. War er besonders streng, war er sehr gefürchtet ? Wenn man Aufnahmen von Proben sieht, kann man dies nicht bestätigt finden. Kein Toscanini- Typus, der mit zerbrochenen Geigenbögen wirft.
Ich bin auf Anregungen sehr gespannt und schreibe am Schluß nur noch eine kleine Geschichte zu Kleiber. Mit einem Freund, der ein Leben lang die zweite Brahms-Sinfonie eher befremdlich fand, habe ich zusammen die Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern gesehen. Dieser Freund ist seit vielen Jahren Klassik-Freak, also abgehärtet. Aber am Ende dieser Sinfonie ist er begeistert von seinem Sitz gesprungen, was das doch für ein herrliches Werk sei. Kleiber macht es möglich, und dies nicht einmal live.

Was ist sein Geheimnis ?

Alfred_Schmidt

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6

Dienstag, 2. November 2004, 21:12

Hallo,

Wer immer das Geheimnis des Charismas lüftet ist ein reicher Mann, wenn er es nur an die richtigen Leute verkauft.

Ich glaube es gibt kein eigentliches Geheimnis.

Man kann es auch selbst nicht beeinflussen. Natürlich kann man via PR vortäuschen jemand hätte Charisma, allerdings zerplatzt diese Illusion dann wie eine Seifenblase, je näher man dem gefakten "Charismatiker" kommt.

Charisma ist übrigens eine wertfreie Eigenschaft, die Geschichte kennt durchaus Charismatiker, die Massenmörder waren, Feldherrn die hunderttausende in den Tod schickten, Religöse Fanatiker, Weltverbesserer etc.

Ein Charismatiker muß auch nicht unbedingt Sympathie ausstrahlen.
Er strahlt lediglich Stärke und Überzeugunggskraft aus.
Es muß sich um ein Urprinzip von zwischenmenschlichen (-Tierischen)
Beziehungen handeln. ("Zeig uns den Weg - Wir folgen Dir")
Wichtig ist, daß der Charismatiker nie schwäche zeigen darf, sonst frisst ihn die Meute auf. (Sehr gut zu beobachten im Falle Karajan, wo die Mehrzahl seiner Kritiker erst nach dessen Tod, jedoch frühestens als der Maestro bereit schwer gesundheitlich angeschlagen war, aus ihren Löchern kam)

Der momentane Mangel an charismatischen Persönlichkeiten ist leicht erklärt: Man lässt solche Menschen nicht hochkommen, weil sie sich schon in der Vergangenheit als schwer bis nicht manipulierbar herausgestellt haben und weil man vor ihnen Angst hat.

So ergibt sich die paradoxe Situation, daß die Musikindustrie (und nicht nur sie) mit Charismatikern nicht zusammenarbeiten will und ohne sie nicht existieren kann.

Freundliche Grüße
aus Wien
Alfred

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fuchsbuhl

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7

Mittwoch, 12. Januar 2005, 14:34

Netrebko, Celibidache

Ich finde, dass Netrebko sexy ist :yes: und vielleicht hat sie dadurch eine Ausstrahlung. Z. B. eine sexy Ausstrahlung. Sie singt auch sehr schön (doch keine Jahrhundertstimme wie die Callas!) und die Rollen passen zu ihr. Vielleicht könnte man diese Diskussion jetzt auch im anderen Forum "sex sells" weiterführen, denn da habe ich schon gesprochen von Künstlern & Talenten wie A.S. Mutter, Baiba Skridde, Hillary Hahn (man schaue sich nur einmal den Blick der Hilary Hahn auf Ihrer Mendelsohn Violinkonzert Platte an -> übrigens ist das auch eine Empfehlung für's Mendelssohn-Violinkonzert Forum!!!) oder eine Anna Gourari oder eben Sophie Mautner.

Aber Personen mit einer geistlichen Ausstrahlung sind mir da ehrlich gesagt lieber (z.B. Dinu Lipattis Bach) , weil sie tiefer gehen und zu einem hinter der Oberfläche liegenden Ziel führen. So jemand war z.B. der Dirigent Sergiu Celibidache. Er hatte Charisma und eine schon abnormale bannende Kraft in sich. Vielleicht auch Furtwängler, sicher nicht Karajan, er war mehr aus dieser Welt. Sehr weltabgewand spielt auch Radu Lupu, der für mich eine unglaubliche Ausstrahlung in der beschriebenen Art & Weise besitzt, Grigory Sokolov eifert ihm nach, auch wenn Kaiser ihn in seinem Buch "Große Pianisten" noch düpiert. Sokolov hat ungemein an Ausstrahlung hinzugewonnen.
Ausstrahlung ist für mich die Fähigkeit, seine Aussage so bedingungslos vorzutragen, dass man dieser folgen muss.Celibidache sprach davon, dass es nur e i n e gültige Möglichkeit gebe, ein Werk zu interpretieren. So - oder gar nicht! :hello:

8

Mittwoch, 12. Januar 2005, 17:24

Hallo alle zusammen,

ein guter Vergleich bzw. Beispiel ist das Konzert vom 7ten July 1990 in Rom – Carreras, Domingo, Pavarotti. ( Und Metha )
Wenn alle drei auf der Bühne stehen ist Pavarotti doch immer derjenige der „präsenter“ ist (wir meinen jetzt nicht seine Leibesfülle). Er hat eine enorme Ausstrahlung und wenn er das „Nessun dorma“ singt ( kann man das so überhaupt sagen? – Er lebt es ) verschlägt es einem die Sprache. Uns geht es auf jeden Fall so. Gänsehaut OHNE ENDE.

Und weil wir gerade dabei sind, Metha spielt bei diesem Konzert ebenfalls eine tragende Rolle (haben seitdem leider kein Konzert unter ihm mehr gehört). Während wir die ersten 10000 Male ausschließlich auf Carreras, Domingo und Pavarotti geachtet haben, gilt unser Augenmerk jetzt eher Metha, der mit unglaublicher Einsatzfreude dieses Konzert dirigiert.


Viele Grüße

Bettina und Wilfried
Wen man durch Wohltun nicht für sich gewinnen kann, den soll man sich vom Halse schaffen

Selim

Alfred_Schmidt

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9

Mittwoch, 12. Januar 2005, 21:27

Ja das ist ein Probem:

jeder definiert Charisma anders.

@fuchsbuhl

Wenn jemand (angeblich) gut aussieht, oder "sexy" ist, dann hat das mit Charisma, wie ich es verstehe, nicht zu tun.

Charisma ist IMO völlig selbständig, unabhänging äusseren (und wahrscheinlich auch inneren) Werten.

Diktatoren waren oft charismatische persönllichkeiten, ohne jeden Anspruch an gutes Aussehen, Intelligenz oder Sympathie.

von den Von Dir genannten Personen würde ich lediglich folgenden Charisma zuerkennen.

ZUm ersrten wäre da Hilary Hahn.
Sie hat auch auf mich ausStrahlung, uind zwar nicht wegen ihres guten Aussehens sondern trotzdem Ihre Augen glühen gewissermassen fanatisch, ein inneres Feuer schein zu sagen: Ich glühe für die Musik.

Mutter wirkt auf mich kalkulierend und intelligent, aber kühl, wie Mautner auf mich wirkt schreibe ich besser nicht......

Celibidache, der große alte Mann, war zumindest im Alter kiene Schönheit mehr, er kan auch nie in den Ruf großer Toleranz und Liebenswürdigkeit. Dennoch - der Mann hate eine Ausstrahlung.
Das wusste er auch, und er fürchtete, wennn diese Ausstrahlung wegfiele (auf CDs), daß die Leute seine Interpretationen nicht mehr so schätzen würden. Wie sich nach seinem Tod herausgestellt hat war diese Sorge unbegründert....

Karajan. Selbstverständlich hatte er Charisma, auch wenn er "von dieser Welt" war. ich würde sogar sagen er war einer der ganz großen Charismatiker des vergangenen Jahrhunderts. Er hatte es geschafft, zum Inbegriff für Klassiche Musik schlechthin zu werden.

Beste Grüße aus Wien

Alfred

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petemonova

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10

Mittwoch, 12. Januar 2005, 21:39

Thomas Quasthoff

Wenn jemand Charisma und Ausstrahlung besitzt, ist das doch sicherlich Thomas Quasthoff.
Auch, wenn er als Lehrer vielleicht nicht ganz so nett ist und auch mal "laut" werden kann, hat er doch etwas ganz Sympathisches.
Das liegt sicher auch an seiner Contergan-Erkrankung, aber was er daraus macht, das ist schon erstaunlich und aller Rede wert!


Gruß, Peter.
Musik zu hören ist zweifellos eine der extravagantesten Arten, sein Geld auszugeben.
- Mauricio Kagel

Theophilus

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11

Donnerstag, 13. Januar 2005, 01:47

RE: Netrebko, Celibidache

Zitat

(doch keine Jahrhundertstimme wie die Callas!)

Die Callas hatte keine Jahrhundertstimme, ganz im Gegenteil. Sie war eine Jahrhundertinterpretin, und das ist etwas fundamental Anderes!

Ciao

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

Uranus

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12

Donnerstag, 13. Januar 2005, 10:23

RE: Netrebko, Celibidache

Hallo,
ich habe nicht sehr viel Ahnung von der Oper und ihren Interpreten, aber das sehe ich genauso - Callas' Stimme war meines Erachtens keinesfalls makellos schön, aber markant und in der Interpretation einzigartig. Sie ist die einzige Opernsängerin, die ich egal bei welcher Musik sofort erkenne.
Gruß
Achim
Herzliche Grüße
Uranus

fuchsbuhl

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13

Donnerstag, 13. Januar 2005, 15:48

RE: Thomas Quasthoff

Also Thomas Quasthoff ist einer der besten Sänger überhaupt. Seine Brahms Lieder sind so voll Emotion, seine Stimme so glutvoll, sein Timbre so faszinierend - da kann man nicht anders als begeister sein. Auch seine Lortzing-Platte (mit Christiane Ölze) fand ich erste Klasse. Jetzt singt er Wagner und ich glaube, da wird er auch ganz groß rauskommen! :]

@ theophilus Erklär mir mal den Unterschied zwischen Jahrhunderstimme und Jahrhundertinterpretin! Wenn die Callas - von der ich leider viel zu selten Platten höre - keine Jahrhundertstimme gehabt hätte, wäre sie keine Jahrhundertinterpretin geworden... Ähnliches gilt für Caruso oder? Hat denn die Bartoli eine Jahrhundertstimme für Dich ?

Alfred_Schmidt

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14

Donnerstag, 13. Januar 2005, 16:48

Darf ich für Theophilius einspringen, solange bis er wieder da ist ? :D

Eine "Jahrhundertstimme" hat kaum was mit Interpretation zu tun, ja (IMO) nicht mal mit Gesangskultur, lediglich mit "schöner" Stimme, "von Gott gegeben". Der Besitzer solch einer Stimme kann abe im Gegensatz dazu durchaus ein mittlemäßger Interpret sein, einer bei dem das Gesungene nicht "unter die Haut" geht weil der Interpret entweder zum Text, bzw Rolle selbst keine Beziehung herstellen konnte, oder
es zumindest nich "rüberbringen" konnte.

Ein Jahrhundertinterpret ist nicht von solch einer Stimme abhängig, er (sie) scheut auch nicht schrille oder unangenehme Töne zu produzieren, wenn es dazu dient den Inhalt besser zu transportieren.


Beste Grüße

Alfred

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Gerrit_Stolte

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15

Donnerstag, 13. Januar 2005, 23:13

RE: Netrebko, Celibidache

Zitat

Original von fuchsbuhl
Sehr weltabgewand spielt auch Radu Lupu, der für mich eine unglaubliche Ausstrahlung in der beschriebenen Art & Weise besitzt, Grigory Sokolov eifert ihm nach, auch wenn Kaiser ihn in seinem Buch "Große Pianisten" noch düpiert.


Zwei Anmerkungen dazu: Es ist ziemlich egal, ob ein Herr Kaiser ihn düpiert oder nicht. Das macht sein Spiel nicht besser oder schlechter. Dass Sokolov Lupu nacheifert, kann allerdings nicht unwidersprochen bleiben. Zum einen, weil beide ungefähr zur selben Zeit studiert und "promoviert" haben, zur gleichen Zeit die ersten Plattenaufnahmen gemacht haben und zu bekannten Konzertpianisten wurden (ein Nacheifern ist da ziemlich schwer, weil beide wahrscheinlich "andere" Vorbilder hatten), zum anderen weil Sokolov an seiner Austrahlung in den letzten 30 Jahren nichts verändert hat. Beide, Lupu und Sokolov, sind sehr individuelle Pianisten und wie man - wenn man deren Aufnahmen gehört hat - irgendwie auf "Nacheifern" schließen kann, ist mir nicht nachvollziehbar - ganz unabhängig vom verschiedenen Repertoire.
Gruß,
Gerrit

Theophilus

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16

Freitag, 14. Januar 2005, 02:39

RE: Thomas Quasthoff

@fuchsbuhl

Hi,

Ich werde versuchen, es an zwei Beispielen zu demonstrieren.

Wie allgemein bekannt, ist Edita Gruberova der führende Koloratursopran der letzten 25 Jahre. Sie kommt in diesem Forum vor allem als Königin der Nacht vor, aber auch ihre Lucia ist schon genannt worden. Etwas vor Gruberova (die Karrieren überschneiden sich) finden wir in Amerika die Koloraturspezialistin Beverly Sills. Die beiden haben ein bemerkenswert ähnliches Repertoire und zählen sicherlich zu den Top Ten der Koloraturstimmen des 20. Jahrhunderts (Sills war wirklich gut, vielleicht in mancherlei Hinsicht sogar besser als Gruberova). Und obwohl Sills viele beeindruckende Plattenaufnahmen hinterlassen hat, gibt es kaum eine Rolle, die besonders mit ihrem Namen verbunden ist. Dazu fehlte einfach die Gestaltungskraft. Gehen wir 20 Jahre in die Zukunft. Eingefleischte Gesangsliebhaber werden sich an Beverly Sills erinnern und ihre Aufnahmen immer noch schätzen, aber die breite Masse der Musikliebhaber wird sie entweder völlig vergessen haben, oder sich an sie generalisierend als einstigen Koloraturstar erinnern. Aber Gruberovas Zerbinetta ist unsterblich, und man wird sich an ihre Königin der Nacht, an ihre Lucia und vielleicht auch an ihre Traviata und Gilda erinnern, und auch nicht vergessen haben, dass sie einen ganzen Schwung von Donizetti-Opern wiederbelebt hat.

Beim zweiten Beispiel komme ich wieder auf Maria Callas zurück. Sie ist eine stark polarisierende Künstlerin gewesen. Du brauchst dir nur einmal die Argumente der 'Gegenseite' anschauen: ein eigentlich unschönes Timbre (euphemistisch ausgedrückt), schlechte Verblendung der Register, daraus folgend oft unschön gefärbte Vokale, vom Forte aufwärts unfähig, einen schönen Ton zu produzieren, mangelhafte Intonation, Probleme mit dem Piano in unteren Lagen; der Stimmcharakter so ungewöhnlich, dass er eigentlich zu keiner Rolle idiomatisch passen will. Und der Witz ist: das alles stimmt! Willst du so eine Jahrhundertstimme definiert wissen?
Eine seltsame Duplizität der Dinge führte dazu, dass ein Jahr, bevor Maria Callas' Stern am italienischen Opernhimmel aufging, bereits ein anderer aufgegangen war. Zusammen leuchteten sie für 15 Jahre, als der von Maria zu sinken begann. Der andere leuchtete noch 10 Jahre weiter. Das war der Stern von Renata Tebaldi. Beide hatten in den Fünfzigern eine unvorstellbare Popularität, noch größer als die heute von Domingo und Pavarotti. Und was dem Ganzen noch zusätzlichen Anreiz gab, war die Tatsache, dass sie zu wesentlich stärkeren Konkurrentinnen hochstilisiert wurden, als dies bei den beiden Tenören der Fall war. Es gab ein Callas-Lager und ein Tebaldi-Lager, und die konnten sich durchaus heftig befehden. Dabei sangen sie ein recht unterschiedliches Repertoire, hatten aber genügend Schnittpunkte, so dass es sich trefflich darüber streiten ließ, wer denn nun die bessere Tosca, Traviata oder Gioconda sei.
Renata Tebaldi hatte alles, was Maria Callas fehlte: eine berauschend schöne Stimme, perfekt verblendet, mit runder und expansiver Höhe, schwebende Pianissimi, hohe Eleganz im Vortrag, und was ganz selten ist: selbst bei höchster dramatischer Intensität war die Stimme durch einen selten zu hörenden Wohlklang gekennzeichnet. Einige ihrer Arien aus dem Spinto-Fach sind technisch und von der Schönheit her eigentlich nicht zu übertreffen. (z.B. die Nilarie). DAS war eine Jahrhundertstimme.
Wenn man an Tebaldi etwas aussetzen will, ist es vielleicht die Tatsache, dass man gelegentlich durchaus den Eindruck hat, ihr gehe Wohlklang über dramatische Gestaltung. Hin und wieder scheint es sogar, als wäre sie Mitten im Produzieren der schönsten Klänge ein wenig unbeteiligt oder distanziert. Nichts davon bei Maria Callas. Sie hat die größere Stimme und in Verbindung mit einer stupenden Koloraturtechnik und enormem Krafteinsatz bringt sie eine Glut in den Vortrag, der in krassem Gegensatz zu fast allen Konkurrentinnen steht (und ihr letztendlich auch zum Verhängnis wurde). Sie stellt so Figuren von höchster Intensität und unverwechselbarem Charakter dar, die unvergesslich bleiben werden (Norma, Lucia, Traviata, Medea,...).

Bei den Männern fällt mir auch gerade ein nettes Beispiel ein: Bernd Weikl. Ein Bariton von seltener Schönheit und hoher technischer Qualität. In seinem Fach eine Jahrhundertstimme. Jedesmal, wenn ich in höre oder sehe denke ich mir: mein Gott, singt der schön! Und das ist leider auch das Problem mit Bernd Weikl...

Es gibt gar nicht so wenige Opernliebhaber, die der Meinung sind, in der Oper müsse in erster Linie schön gesungen werden. Ich gehöre nicht dazu. Ich bin überzeugt, dass Schöngesang in Kulissen nicht den gigantischen Luxus rechtfertigt, den wir uns mit dem Betrieb von subventionierten Opernhäusern leisten. Ich will im Opernhaus Schicksale miterleben, mit den Figuren lachen, mit ihnen weinen, mich mit ihnen freuen und mit ihnen leiden, auf jeden Fall aber will ich emotional bewegt werden. Und das geht nur über Interpretation und Gestaltung.

Hat das deine Frage in etwa beantwortet?

(Ach ja: Caruso hatte eine Jahrhundertstimme und war ein großartiger Interpret. Cecilia Bartoli ist weit davon entfernt eine Jahrhundertstimme zu haben. Sie hat eine wohlklingende, kleine, technisch perfekt ausgebildete Stimme und ist einfach eine großartige Sängerin)

Ciao

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

17

Freitag, 14. Januar 2005, 03:11

RE: Netrebko, Celibidache

Hallo,

wie wäre es, wenn man der Netrebko ein wenig mehr Zeit ließe? Wir sind sicher, dass sie in ein paar Jahren noch um einiges besser UND daurch auch entsprechend Charismatisch wird.Wenn man sich von einer Putzfrau zur "Königin der Nacht" hocharbeiten kann, zeugt das von einem eisernen Willen.
Und wir haben festgestellt (für uns) dass das der Ausgangspunkt eines jeden Menschen mit Charisma ist. Da stand an erster Stelle immer eiserne Disziplin, aus der dann im laufe der Zeit und nach gesammelter Erfahrung eine gewisse "Nachsicht" mit sich selbst wird.
Die Netrebko hat auf alle Fälle das Zeug dazu - lassen wir ihr einfach Zeit.

Viele Grüße aus Bayern

Bettina und Wilfried
Wen man durch Wohltun nicht für sich gewinnen kann, den soll man sich vom Halse schaffen

Selim

18

Freitag, 25. März 2005, 09:22

Toscanini

Zitat

Original von Rocco
Ein gewaltiges Charisma, schon allein aufgrund seines feurgen Tempraments wagen, war sich Toscanini, dessen Wutausbrüche ja berühmt sind. Nicht umsonst musste für ein eigenes Orchester gegründte werden, da es auf Dauer kein Musiker mit diesem Choleriker aushielt.


ich stelle mir vor, heutzutage würde einer so herumtoben, wie es in Anekdoten geschildert wird - der Betriebsrat steht auf schreit zurück, nach einer halben Stunde muß der Intendant herunterkommen und nach weiteren 15 Minuten geht das ganze Orchester nach hause (oder schon früher..)
und das hat auch Vorteile, daß Dirigenten sich benehmen müssen...

"es geht ihm ja nur um die Kunst" - nö, der Zweck heiligt nicht alle Mittel... ;)
Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
(frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

Gerrit_Stolte

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Registrierungsdatum: 7. Dezember 2004

19

Freitag, 25. März 2005, 09:35

RE: Toscanini

Zitat

Original von tastenwolf

Zitat

Original von Rocco
Ein gewaltiges Charisma, schon allein aufgrund seines feurgen Tempraments wagen, war sich Toscanini, dessen Wutausbrüche ja berühmt sind. Nicht umsonst musste für ein eigenes Orchester gegründte werden, da es auf Dauer kein Musiker mit diesem Choleriker aushielt.


ich stelle mir vor, heutzutage würde einer so herumtoben, wie es in Anekdoten geschildert wird - der Betriebsrat steht auf schreit zurück, nach einer halben Stunde muß der Intendant herunterkommen und nach weiteren 15 Minuten geht das ganze Orchester nach hause (oder schon früher..)
und das hat auch Vorteile, daß Dirigenten sich benehmen müssen...

"es geht ihm ja nur um die Kunst" - nö, der Zweck heiligt nicht alle Mittel... ;)


Welch Fehlinformationen von Rocco. Das Orchester wurde definitiv *nicht* wegen der Wutausbrüche Toscaninis gegründet. Die New Yorker hätten ihn durchaus noch gern länger als Chefdirigenten behalten. Die Gründung eines eigenen *Rundfunk*orchesters war nur die einzige Möglichkeit für NBC, ihn an sich zu binden - und Musiker aus Chicago, New York, Boston, Philadelphia folgten dem Ruf, Mitglied dieses Ensembles zu sein, im Wissen um die immer wiederkehrenden Wutausbrüche.
Gruß,
Gerrit

Klassikliebhaber

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20

Freitag, 16. September 2005, 09:07

#Mein Posting:

Ich sehe mich bestätigt,das mit Anna Netrebko.
Nach ihrem Auftritt in Salzburg (La Traviata) lag hier die Welt praktisch zu Füßen. In den Medien total hochgelobt, und auch von anderen Menschen (Sängern,Schauspieler etc.) bewundert.
Nicht nur, daß sie hübsch ist...ihr Auftreten hat was besonderes; dank ihrer Ausstrahlung.

GiselherHH

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21

Freitag, 16. September 2005, 13:03

Hallo Klassikliebhaber,

hier im Forum hat Frau Netrebko aber keinesfalls die Welt zu Füßen gelegen. Unser Gastgeber z.B. hat sich sehr zurückhaltend über die Salzburger "Traviata" und auch Frau Netrebko geäußert, um es mal vorsichtig zu formulieren... :stumm: :D

Näheres im entsprechenden Thread im Opernforum...

Grüße

GiselherHH
"Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

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22

Freitag, 16. September 2005, 14:24

Zitat

Original von GiselherHH
hier im Forum hat Frau Netrebko aber keinesfalls die Welt zu Füßen gelegen. Unser Gastgeber z.B. hat sich sehr zurückhaltend über die Salzburger "Traviata" und auch Frau Netrebko geäußert, um es mal vorsichtig zu formulieren... :stumm: :D


Es dürfte öfters ein Wesensmerkmal eines charismatischen Menschen sein, dass er kontrovers beurteilt wird, mal abgesehen davon, dass in besagtem thread von einer auch nur ansatzweise unvoreingenommenen Beurteilung keine Rede sein kann. (Im Gegenteil zeigt sich dort genau die Art von "Goldenes-Zeitalter- Denken, nach der man, wenn man sie ernst nähme, schon sei 40 Jahren keinen Wagner mehr aufführen dürfte. Zum Glück nehmen nichtmal die Anhänger der Denkweise sie wirklich ernst :D)
Echte Bühnenpräsenz muß auch nicht notwendig im Fernsehen rüberkommen (und ist selbstredend etwas völlig anders als Medienhype, was allerdigns vermutlich schon seit 40 Jahren von ebenjenen Medien zu verschleiern versucht wird.

Nicht dass ich die Diskussion für besonders fruchtbar halten würde... :stumm: :D

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

Austria

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23

Sonntag, 30. Oktober 2005, 08:34

Das ist auch meine Meinung über Anna Netrebko:

wie wäre es, wenn man der Netrebko ein wenig mehr Zeit ließe?

Im übrigen fällt mir spontan Eberhard Wächter als charismatisch ein - oder war's "nur" Charme?

Austria
Wir lieben Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - vorausgesetzt, sie denken dasselbe wie wir (Mark Twain)

Carola

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24

Sonntag, 30. Oktober 2005, 11:58

Quasthoff, du Pré, Gould

In dieser Reihenfolge sind mir beim Nachdenken über charismatische Künstlerpersönlichkeiten die oben erwähnten Namen eingefallen.

Thomas Quasthoff habe ich vor vielen Jahren mal in der Kölner Philharmonie gehört, es könnte die Johannes-Passion von J.S. Bach gewesen sein mit Quasthoff als Pilatus, ich bin aber nicht sicher. Jedenfalls: Den Namen habe ich mir sofort gemerkt. Einmal ist es natürlich frappierend, diesen contergangeschädigten Körper zu sehen aus dem dann diese mächtige Bariton-Stimme kommt. Aber da ist noch mehr, eine ungeheure Intensität und Hingabe, die mich damals sofort angesprochen hat. Auch bei seiner Interpretation von Schuberts Winterreise empfinde ich das so oder bei seiner Aufnahme von Bach-Kantanten BWV 56, 158, 82 bei der Deutschen Grammophon. Dieser Mann weiß so einiges vom Leben und auch vom Leiden und das hört man auch.

Die Cellistin Jacqueline du Pré habe ich zum ersten mal in einer Fernsehdokumentation auf Arte erlebt. Auch da wieder eine unglaubliche Intensität und Ausstrahlung, eine überschäumende Lebens- und Spielfreude. Besonders gut hört man das für mein Empfinden bei einer Aufnahme von Beethoven-Klaviertrios mit Barenboim (Klavier) und Zukerman (Violine), eine Doppel-CD von EMI. Da sprüht und knistert es dermaßen, dass es eine wahre Freude ist.

Über Glenn Gould besitze ich neben einigen CDs auch eine DVD-Video von Bruno Monsaingeon. Als überschäumend und lebensfroh empfinde ich Gould in diesen Aufnahmen nun wirklich nicht, trotzdem aber als charismatisch. Es hat wieder mit der Intensität zu tun, mit Versenkung und Hingabe. Zum Beispiel ist auf der DVD eine Aufnahme von Gould mit der Partita Nr. 6 von Bach, BWV 830. Schon nach wenigen Minuten ist Gould deutlich sichtbar völlig in sein Spiel versunken, er wirkt fast schon ein wenig "weggetreten" und dennoch unglaublich präsent und spannend in seinem Spiel.

Zusammenfassend würde ich das künstlerisches Charisma mit Begriffen: wie Intensität, Hingabe, Versunkenheit und vielleicht noch Expressivität umschreiben.

Mit Gruß von Carola 8)
Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen. (Astrid Lindgren)

Cosima

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25

Sonntag, 30. Oktober 2005, 13:36

Hallo allerseits,

Charisma hat für mich zunächst mal überhaupt nichts mit Schönheit zu tun. IMO ziehen charismatische Menschen vor allem deshalb andere in ihren Bann, weil sie leidenschaftlich, also innerlich lebendig und authentisch sind. Es fielen ja bereits entsprechende Schlagworte wie Hingabe, Glaubwürdigkeit und Versunkenheit – ich würde noch hinzufügen: ein Schuss Unkonventionalität und der unbedingte Wille, den eigenen Weg zu finden, dann auch zu gehen und dies – in welcher Form auch immer – nach außen zu transportieren.

Als charismatische Persönlichkeiten in der klassischen Musik empfinde ich (wie kann es anders sein ;) ) vor allem S. Richter und Carlos Kleiber. Unnötig m.E. hier noch weitere Begründungen zu geben. Und – Ihr könnt mich schlagen, aber ich muss ihn einfach noch einmal erwähnen :D – als besonders charismatisch empfinde ich auch V. Gergiev.

Mein Lieblingsfoto von ihm, in dem ich genau das wieder finde, was mich so fasziniert: Eben Hingabe, Intensität, Leidenschaft, Ausdruckskraft und was weiß ich noch alles…



Von all diesen Menschen geht, zumindest was mich anbelangt, eine besondere Faszination aus, die sich aber nicht an Äußerlichkeiten fest macht. Diese Künstler erscheinen mir sehr präsent in ihrem Ausdruck, ihrem ganzen Wesen zu sein, sich ihrer selbst sehr bewusst zu sein (was nicht unbedingt mit „Selbstbewusstsein“ im landläufigen Sinne zu tun haben muss). Sie sind irgendwie als Menschen ganz bei sich und deshalb „ganz da“.

Gruß, Cosima

Lohengrin

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26

Freitag, 5. Januar 2007, 22:32

Hallo Cosima,
auch wenn der Eintrag uralt ist, ich bin ja neu und darf die zeitliche Lücke schließen: Swjatoslaw Richter fiel mir spontan und auf Anhieb nahezu als Einziger ein, der auf mich charsimatisch wirkte, wenngleich ich ihn leider nur von Platten oder aus Konzertaufzeichnungen im Fernsehen kenne. Allein der ungeheure Beifall, mit dem er bei einer Gastspielreise in den USA am Ende des 1.Klavierkonzerts von Tschaikowski bedacht wurde, spricht für seine besondere Ausstrahlung. Er haute im wahrsten Sinne des Wortes bei allen abschließenden Akkorden des Finales voll daneben, bei einem "Durchschnitts"künstlers hätte es bestenfalls höflichen Applaus, eher zunächst betretenes Schweigen gegeben.

Ich bin oft von bekannten Künstlern, die ich auch selber erlebt habe, begeistert gewesen (z.B. David Oistrach, Vaclav Neumann, Kurt Masur, Emil Gilels, Nikolai Ghiaurov, Nikola Nikolov, Surab Anshaparidze, Rudolf Kerer, Ricardo Odnopossov, Klaus Tennstedt), doch eigentlich charsimatisch wirkten sie auf mich jedenfalls nicht. Wenn Oistrach seine Geige wegsteckte und sich freundlich verbeugte, war er "nur" ein gutmütig lächelnder dicker Mann mit Wurstfingern, der mich zuvor fraglos enthusiasmiert hatte. Richter dagegen behielt -zumindest in den mir in Erinnerung gebliebenen Fernsehübertragungen - auch dann seine besondere Aura.
Ich schließe mich mit der Nennung von Peter Ustinov einem weiteren Vorredner, äh, -schreiber an und würde noch einen charismatischen Künstler nennen: Giora Feidman, der es schaffte, in einer rund 1000 (!) Zuschauer fassenden Festspielscheune in MeckPomm innerhalb weniger Sekunden eine derart gespannte Stille des zuvor munter schwatzenden Publikums zu erreichen, dass die berühmte herunterfallende Stecknadel zu hören gewesen wäre - aber selbst die blieb in der Luft stehen!
Gruß aus dem Norden
lohengrin

Glockenton

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27

Freitag, 5. Januar 2007, 23:06

Ein Künstler mit einer sehr individuellen charismatischen Ausstrahlung ist für mich Gustav Leonhardt.

Im Konzert wirkt er äusserlich uneitel, zurückhaltend und edel-aristokratisch.
Auch seine Interpretationen sind ganz dem Werk verpflichtet, dabei beseelt und oft mit grosser Innenspannung, vor allem auch im Rhythmischen.

Von seinen Proben als Dirigent und von seinem Instrumentalunterricht hört man, dass er sehr wenig, ja fast überhaupt nicht redet.

Dass er es trotzdem schafft, z.B. das "Orchestra of the Age of Enlightment", oder die "Petite Bande" schon nach einem Takt so klingen zu lassen, dass man ihn als Dirigenten sogleich heraushören kann, kann ich nur seinem Charisma, seiner starken Ausstrahlung zuschreiben.

Gruss :hello:
Glockenton
"Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

Lohengrin

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28

Samstag, 6. Januar 2007, 17:28

Gibt es vielleicht einen Zusammenhang mit Charisma und wenig reden?
Mein erster Chef redete wenig, sehr wenig und war nicht nur für mich jungen Mitarbeiter, sondern auch für die gestandenen eine Art unerreichbarer Übervater. Sein unmittelbarer Nachfolger war wesentlich berühmter, redete aber gern und viel und zeitweise auch Mist. Das war dem ersten Chef nicht passiert, er sagte eh nix. Also?
Gruß
Lohengrin

musicophil

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29

Samstag, 6. Januar 2007, 18:07

Hallo Lohengrin,

Da fragst Du etwas.

Ich kann es nicht beweisen, aber vermute, daß beide Dingen nicht mit einander in Beziehung stehen.
Ich finde etwas merkwürdig:

Zitat

Sein unmittelbarer Nachfolger war wesentlich berühmter, redete aber gern und viel und zeitweise auch Mist.

Ich vermute, jene Nachfolger war unsicher. Und das wurde bemerkt, obwohl er es versuchte zu verheimlichen.

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

Lohengrin

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30

Samstag, 6. Januar 2007, 20:15

Hallo musicophil,
das Psychogramm meines zweiten Chefs stimmt nicht, er strotzte vor (berechtigtem) Selbstbewusstsein.
Aber zurück zur Frage, gehört Schweigenkönnen nicht auch zu Menschen mit Charisma? Glockenton erwähnte bei Gustav Leonhardt eine wortkarge Arbeitsweise. Wer viel redet (ich ertappe mich gerade dabei), äußerrt auch Unsinniges. Da passt das schöne Wort: O, si tacuisses, philosophus mansisses. Gruß
Lohengrin