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musikwanderer

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  • »musikwanderer« ist männlich

Beiträge: 4 315

Registrierungsdatum: 20. Januar 2010

31

Mittwoch, 4. Juli 2018, 15:28

Eduard Hanslick hat sich in seiner Schrift "Concerte, Componisten und Virtuosen der letzten 15 Jahre" mehr als abfällig über Tschaikowkis Violinkonzert geäußert: Das Werk, so schreibt er, „bringt uns zum erstenmal auf die schauerliche Idee, ob es nicht auch Musikstücke geben könne, die man stinken hört“.

Dass man Musik stinken hören könnte, ist ein interessantes Apercu, ist mir aber bei diesem Werk völlig daneben gegriffen. Ich käme da auf andere Komponisten und deren Werke.

Auch Verdis "Ernani" konnte er nichts abgewinnen: „Nur mit dem Aufgebot aller Geduld und Willenskraft hielt ich die Oper bis zum Ende aus, so sehr langweilte sie mich. Italienische Opernmusik war meinem, nur an deutscher Musik herangebildetem Geschmack etwas Fremdartiges, Unsympathisches. Für Gesangsvirtuosität hatte ich keinen Sinn, und die Verdische Oper klang mir über die Maßen langweilig, undramatisch und roh."

Wenngleich Hanslick "Il trovatore", "La traviata", "Rigoletto" und den "Maskenball" als das „Beste, was die italienische Bühne hervorgebracht“ beurteilte, bezeichnete er den Italiener „bei all’ seiner Intelligenz, seinem lebhaften, energischen Temperament [als eine] gemeine Natur“.

Die Realität ist über solche Aussagen hinweggegangen...

:hello:
.

MUSIKWANDERER

Amfortas08

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  • »Amfortas08« ist männlich

Beiträge: 1 535

Registrierungsdatum: 4. Juni 2008

32

Mittwoch, 4. Juli 2018, 16:03

Du meinst also, ein "realistisches" Gehalt müsste deutlich unter den wahrhaft üppigen 2000 € Mindestgage (brutto) liegen, die an deutschen Bühnen seit letztem Jahr für Solobeschäftigte gilt? Darf ich dich fragen, wie hoch du eine "realistische" Mindestgage ansetzt? Und vielleicht bist du auch gleich noch so gütig, mir ein - meinetwegen auch historisches - Modell für einen dauerhaften Opernbetrieb, der ohne Zuwendungen (die auch eine Finanzierung durch Höfe oder Herrscher einschließt) auskommt oder ausgekommen ist, zu nennen?
Vermutlich spielt die Frage nach den Perso-Kosten bloß eher marginale Rolle.
Denn Basis der Argumentation gründet sich m.E. wie folgt:
Wenn endlich RT ausgerottet und Konzert- und Opernbetrieb von publikumsfeindlichen Experimenten befreit ist (z.B. Notenschund/Machwerke a la Schönberg, Cage, Lachenmann, Cerha oder Nono), dann trägt sich diese ganze Chose (Oper und Konzert) automatisch ganz von selbst, weil dann angeblich nicht mehr publikumsfeindlich.

Alfred_Schmidt

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Beiträge: 19 213

Registrierungsdatum: 9. August 2004

33

Donnerstag, 5. Juli 2018, 23:58

Wenn endlich RT ausgerottet und Konzert- und Opernbetrieb von publikumsfeindlichen Experimenten befreit ist (z.B. Notenschund/Machwerke a la Schönberg, Cage, Lachenmann, Cerha oder Nono), dann trägt sich diese ganze Chose (Oper und Konzert) automatisch ganz von selbst, weil dann angeblich nicht mehr publikumsfeindlich.


So kann man das nicht sagen (und das weiß der Schreiber auch)
Man kann diese Werke selbstverständlich aufführen und aufnaehmen, wenn ein ausreichen großer Teil des Publikuns bereit ist die Konzerte (etc etc) zu besuchen und die entstehenden Kosten abzudecken.

Man mag einwenden, daß die Aufführungen "klassischer " Komponisen auch subventioniert würden.
Aber wenn das nicht der Fall wäre würden sofort private Sponsoren einspringen, schon aus Eigennutz, weil sie diese Werke hören möchte.

Die Bezahlung durch Monarchen etc erfolgte ja auch üblicherweise aus der "Privatschatulle"

Ich komme nun wieder zu HANSLICK zurück

Zitat

Italienische Opernmusik war meinem, nur an deutscher Musik herangebildetem Geschmack etwas Fremdartiges, Unsympathisches. Für Gesangsvirtuosität hatte ich keinen Sinn, und die Verdische Oper klang mir über die Maßen langweilig, undramatisch und roh."


Der hochintelligente und gebildete Hanslick hat selbst sehr gut beobachtet, daß hier eine sehr subjektive Abneugung vorliegt und das auch artikuliert.
Das haben sonst nur wenige Kritiker zustandegebracht.

Zitat


Das Werk, so schreibt er, „bringt uns zum erstenmal auf die schauerliche Idee, ob es nicht auch Musikstücke geben könne, die man stinken hört“.

Hier ebenso, er betont, daß es sich nur um eine Idee, einen Gedankengang handelt, den er noch dazu als schauerlich (im Sinne von abstrus oder eigentlich undenkbar) enpfindet, der sich ihm aber beim Anhören des Konzerts einfach aufgedrängt hat. (das UNS ist in diesem Zusammenhang der Pluralis Majestatis, der oft von bedeutenden Personen vewendet wurde und noch wird)

mfg aus Wien
Alfred

MIT ARBEIT VERSAUT MAN SICH DIE GANZE FREIZEIT

Joseph II.

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  • »Joseph II.« ist männlich

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Registrierungsdatum: 29. März 2005

34

Freitag, 6. Juli 2018, 09:43

Ganz grundsätzlich sollte die Begrifflichkeit der "großen Männer" mal definiert werden. Der schweizerische Kulturhistoriker Jacob Burckhardt hat es folgendermaßen formuliert:

"Der große Mann ist ein solcher, ohne welchen die Welt uns unvollständig schiene, weil bestimmte große Leistungen nur durch ihn innerhalb seiner Zeit und Umgebung möglich waren und sonst undenkbar sind; er ist wesentlich verflochten in den großen Hauptstrom der Ursachen und Wirkungen. Sprichwörtlich heißt es: 'Kein Mensch ist unersetzlich.' – Aber die wenigen, die es eben doch sind, sind groß."

Peter Ganz (Hrsg.), Jacob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen (= Jacob Burckhardt Werke. Kritische Gesamtausgabe, Bd. 10), München/Basel 2000, S. 498.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

musikwanderer

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  • »musikwanderer« ist männlich

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Registrierungsdatum: 20. Januar 2010

35

Freitag, 6. Juli 2018, 20:52

Hier ebenso, er betont, daß es sich nur um eine Idee, einen Gedankengang handelt, den er noch dazu als schauerlich (im Sinne von abstrus oder eigentlich undenkbar) enpfindet, der sich ihm aber beim Anhören des Konzerts einfach aufgedrängt hat. (das UNS ist in diesem Zusammenhang der Pluralis Majestatis, der oft von bedeutenden Personen vewendet wurde und noch wird)
Ein Fragezeichen möchte ich hinter den in Klammern gesetzten Teil des Satzes machen. Ich glaube nämlich nicht, dass Hanslick das Personalpronomen als Pluralis majestatis gemeint hat. Eher könnte ich mir denken, dass er den oder die Leser einfach für sich und seine Argumentation 'vereinnahmt' hat. Ich habe kein aktuelles Beispiel zur Hand, meine aber, dass auch heute Kritiker das UNS in dieser Art und Weise benutzen.

:hello:
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MUSIKWANDERER