You are not logged in.


JPC Amazon

AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

Dear visitor, welcome to Tamino Klassikforum. If this is your first visit here, please read the Help. It explains in detail how this page works. To use all features of this page, you should consider registering. Please use the registration form, to register here or read more information about the registration process. If you are already registered, please login here.

teleton

Prägender Forenuser

  • "teleton" is male
  • "teleton" started this thread

Posts: 5,270

Date of registration: Dec 10th 2004

1

Sunday, April 8th 2018, 12:33pm

Kara Karayew - die sinfonischen Werke des aserbaidschanischen Komponisten

Der aserbaidschaische Komponist Kara Karayew (1912 - 1982) aus Baku war für mich dieser Tage eine sehr erfreuliche Neuentdeckung. Karayew war geschätzter Schüler von Dmiri Schostakowitsch. Karayew war sich zeitlebens eng mit seiner aserbaidschainischen heimat verbunden und es war ihm ein wichtiges Bedürfnis die folkloristischen Melodien zu erhalten und in seinen Kompositionen einzubringen.
Auf CD gibt es von Karayew nicht sehr viel Auswahl (darin leider ähnlich wie bei den Komonistenkollegen Andrei Eshpai und Fikret Ämirow).

Nach langem Suchen habe ich mich dann für die drei bei NAXOS angeboteten Aufnahmen der Sinfonien Nr.1 und 3, sowie die CD mit den beiden Balletten entschieden, die von Dmity Yablonsky mit drei verschienen Orchstern dirigiert werden ... und das wirklich ordentlich bis herausragend ...

- hier die aktuellen Naxos-CD´s der verfügbaren Sinfonien und weiteren sinfonischen Werken -

und
NAXOS, 2016, DDD ..................................................... NAXOS, 2008, DDD



Die Erwartungshaltung, dass Karayew viele Elemente seiner Lehrers Dmitri Schostakowitsch übernommen hat, sind zwar gegeben, wurde aber dennoch für meine Geschmack nicht ganz erfüllt.
Karayew versucht dem Zeitgeist zu entsprechen und zwängt sein Vorhaben, die folkloristische aserbaidschanische Musik seines Heimatlandes mit einzubringen bei den Sinfonien Nr.1 (1953 und Nr.3 (1964) in eine Zwölftontechnik.
Bewundernswert dabei ist, dass er dennoch in geniessbaren Bahnen bleibt und es ihm gelingt tonal zu klingen. Doch ein freies Komponieren ohne die mathematischen Zwänge der Zwölftontechnik wären meiner Ansicht nach besser gewesen und stören hörbar den Ablauf. Da gibt es massig Beispiele von Komponistenkollegen, die sich erfolgreich von der sch... Zwölftontechnik gelöst haben und auch voll zeitgemäss klingen.
Die Sinfonie Nr.1 hat unbestreitbar ihre Qualitäten. Ich habe sie wiederholt mit Begeisterung gehört, aber ein dritter fetziger Finalsatz und der Verzicht auf die 12Ton-Mätzchen wäre für das Werk kein Fehler gewesen ...

Ähnlich bei seinem beachtenswerten Violinkonzert (1967). Hier wendet er sich der seriellen Technik zu, was das Werk stellenweise eher weniger geniessbar macht. Eine rein freie moderne Mischung aus atonal und tonal mit seiner expressionistisch angehauchten Ader mit dem Einbringen der aserbaidschaischen Folklore, wäre auch hier Vorteilhafter gewesen.


*** Aber Karayew hat diese "Wünsche" in seinen übrigen Werken erfüllt und verzichtet dort auf überflüssige Mätzchen a´la Zwölfton und Seriell:

:!: Don Quixote (1960) ist eine Sinfonische Suite (er nennt es sinfonische Kupferstiche) in der er die Abenteuer des "Ritters der traurigen Gestalt" beschreibt, ohne die Handlung in einer
musikalischen Illustration zu liefern. Ein modernes Werk des 20.Jhd, dass spannend und geniessbar den gewünschten Hörspass bietet.
Sehr schön aber auch die sinfonische Dichtung Leyla und Mejnun (1947), die sich auf der CD bei der Sinfonie Nr.3 findet.


*** Genau so seine beiden Ballette, bei denen mich wundert, dass diese im allgemeinen Konzertleben nicht weit bekannter sind ... immerhin gibt es mittlerweile mindestens drei CD-Aufnahmen auf denen sich Musik aus den Balleten wieder findet. Die gesamten Ballette von Karayew sind nicht eingespielt.

Die Aufnahme mit Yablonsky liefert die gesamten Suiten und ist vom Royal PO glänzend aufgenommen:
:!: The Seven Beauties - Ballettsuite (1953) basiert auf der Dichtung des Poeten Nizami aus dem 12.Jhd, die hier in 12 kurzweiligen Sätzen eine glänzende Wiedergabe findet.

:!: Die The Path of Thunder - Ballettsuite (1959) halte ich bisher nach allem gehörten für Karayews bestes Orchesterwerk. Hier bin ich auch vom Emotionsgehalt an Karayews Lehrer Schostakowitsch erinnert. Mit dramatischem Unterton geht es hier in den 7 Sätzen der Suite packend zur Sache (übrigens um einen Satz kompletter als in der auch sehr guten und schmissigen Aufnahme mit Abdullajew).


NAXOS, 2012, DDD
Gruß aus Bonn, Wolfgang

1 user apart from you is browsing this thread:

1 guests