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Christian B.

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  • »Christian B.« ist männlich

Beiträge: 743

Registrierungsdatum: 1. Juni 2006

31

Mittwoch, 28. März 2018, 13:48

Zitat

Wenn Levine also
irgendwann geäußert hätte, dass Sex mit Minderjährigen keine kriminelle
Handlung sei, dann hätten solche Anschuldigungen eine Grundlage. Aber er
bestreitet das ja.
Lieber Holger,

aus dem weiter oben verlinkten Artikel im Boston Globe geht ja hervor, dass die Theamtik um Levines 'inner circle' komplizierter ist, dass die Anschuldigungen nicht so gelagert sind, wie von Dir dargestellt. Die ausgeübten Praktiken hat er auch nicht abgestritten. Johannes hat wie ich finde das auch sehr gut in die damalige Zeit eigeordnet. Aber es kann doch nicht sein, dass der Mann bspw. viele Jahre hier in München bei den Philharmonikern Chefdirigent war und dass dazu keiner Stellung nimmt, bzw. dass das alles togeschwiegen wird. Ein Kündigung wie die an der MET wird übrigens immer auch juristisch geprüft, sonst wäre sie nicht durchzubekommen. Die Münchner Philharmoniker haben übrigens selbst um Aufklärung gebeten. Auch deswegen finde ich es gut, dass die Diskussion im Stadtrat jetzt publiziert wurde.

Danke auch an Operus für seine Stellungnahme!

Viele Grüße
Christian

lutgra

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  • »lutgra« ist männlich

Beiträge: 5 071

Registrierungsdatum: 9. April 2013

32

Mittwoch, 28. März 2018, 14:20

Ein Kündigung wie die an der MET wird übrigens immer auch juristisch geprüft, sonst wäre sie nicht durchzubekommen.

Nun, diese juristische Prüfung steht ja offenkundig noch aus, denn Levine und seine Anwälte haben die MET jetzt verklagt. Und kommt es zum Prozess, wird die MET Beweise vorlegen müssen. Und nach meiner Kenntnis der Sachlage sieht es da dünn aus, sonst hätte die Staatsanwaltschaft in der Vergangenheit ja längst ermitteln können.

Christian B.

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  • »Christian B.« ist männlich

Beiträge: 743

Registrierungsdatum: 1. Juni 2006

33

Mittwoch, 28. März 2018, 16:58

Hallo lutgra,

die Staatsanwalt ermittelt erst, wenn es einen Verdacht gibt oder wenn etwas zur Anzeige gebracht worden ist. Da das System den Dirigenten bisher sehr gut abgeschirmt hat - das wird aus dem Bericht über die Münchner Stadtratssitzung deutlich - kam es dazu bisher eben gerade nicht. Ich weiß sehr gut, wie schwierig es für Opfer ist, sich dazu zu bekennen und jemanden anzuzeigen, da man sich damit auch selber bloßstellt.
Die Situation hat sich jetzt aber grundlegend geändert. Das betrifft auch meine Branche - ich bin Filmproduzent. Nach den vorliegenden ausführlichen Berichten und seriösen Recherchen fände ich es falsch, über die Causa Levine einen Mantel des Schweigens auszubreiten. Damit möchte ich mich aus dieser Diskussion verabschieden, bis neue gesicherte Informationen vorliegen.

Viele Grüße
Christian

m.joho

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  • »m.joho« ist männlich
  • »m.joho« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 170

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

34

Samstag, 19. Mai 2018, 15:24

http://www.musik-heute.de/17919/metropolitan-opera-verklagt-levine-wegen-rufschaedigung/


Die Causa wird immer absurder. Jetzt verlangt die Met Schadenersatz in Millionenhöhe, weil Levine durch sein Verhalten in sieben Fällen, die man bestenfalls als Belästigung bezeichnen kann, dem Renommé geschadet habe. Merkwürdig, dass die verlangte Summe dem entspricht, was er als Wiedergutmachung verlangt hat. Übrigens stand die Met in den Jahren 1979-1999 im Gegensatz zu heute finanziell gesichert da. Honit soit, qui mal y pense... ;)

Dr. Holger Kaletha

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  • »Dr. Holger Kaletha« ist männlich

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Registrierungsdatum: 2. Februar 2008

35

Samstag, 19. Mai 2018, 17:10

Zum Thema passt dieses Buch:



Das abgebildete Reclam-Büchlein lese ich gerade. Der Islamwissenschaftler Thomas Bauer aus Münster konstatiert eine Haltung der "Ambiguitätsintoleranz" in unserer Zeit - nicht nur in der Religion als Ursache für den sich epidemieartig ausbreitenden Radikalismus und Fundamentalismus. "Ambiguität" ist ein im englischen und französischen Raum gebräuchlicher Begriff. Er meint eine Zwei- und Mehrdeutigkeit, die sich nicht in Eindeutigkeit überführen lässt. Bauer bezieht sich darin u.a. auf eine Untersuchung eines Psychiaters, Christopher Baethge, wonach in den USA besonders eine Mentalität sehr verbreitet ist, für die eine "Ambiguitätsintoleranz" prägend ist. Dafür ist der Fall Levine mit seinen ritualisierten Mechanismen finde ich ein wirklich lehrreiches Beispiel! Es ist eben gerade nicht eindeutig und eindeutig zu beweisen, dass er eine strafbare Handlung begangen hat, genauso wenig wie die entgegengesetzte Behauptung, wonach er sich nichts hat zu Schulden kommen lassen, Eindeutigkeit beanspruchen kann nach Faktenlage, so weit sie überschaubar ist. Sowohl die MET als auch Levine selbst tun aber so, als ob die Sache absolut eindeutig wäre: Die eine Seite unterstellt ihm ein eindeutig kriminelles Verhalten und er kontert dann apologetisch damit, dass er ebenso eindeutig keine solche begangen hätte. Der Ansatz, an das komplexe und nicht einfache Phänomen so heranzugehen, ist aber einfach wohl nicht der richtige Weg. Der wäre, dass man sich der - eigentlich viel unangenehmeren - "Ambiguität" (der Zweideutigkeit in ihrer ganzen Zwiespältigkeit) stellen würde.

Schöne Grüße
Holger