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operus

Ehrenpäsident und Außenminister

  • »operus« ist männlich

Beiträge: 5 250

Registrierungsdatum: 14. Mai 2008

61

Dienstag, 6. März 2018, 17:13

Die Entführung ist allerdings eine Oper, bei der ich auch noch auf der Suche nach DER Aufnahme bin. Momentan begeistert mich eben Jochum mit seinem Ensemble am meisten
Lieber David,
für mch ist die bereits genannte Entführung unter Sir Thomas Beecham dirgentisch und sängerisch von dem was ich kenne, das Maß aller Dinge. Der Harenberg-Opernführer wertet sie auch asl Referenz-Aufnahme.

herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • »nemorino« ist männlich

Beiträge: 586

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62

Dienstag, 6. März 2018, 17:41

für mch ist die bereits genannte Entführung unter Sir Thomas Beecham dirgentisch und sängerisch von dem was ich kenne, das Maß aller Dinge.
Lieber Operus,

dem möchte ich mich grundsätzlich anschließen. "Old Beecham" dirigiert hier einen herrlichen Mozart, und er hat ein homogenes, ganz großartiges Sängerensemble um sich versammelt. Und was auch ganz wichtig ist: Trotz des Alters der Aufnahme, sie ist von 1956, ist die Klangtechnik erstaunlich transparent und rauscharm.

Trotzdem möchte ich bei der Gelegenheit auf eine Aufnahme aufmerksam machen, die, soweit ich es übersehen kann, hier noch gar nicht genannt wurde. Doch weil wir in einem anderen Thread gerade über Karl Böhm diskutieren, möchte ich sie hier zur Diskussion stellen, zumal sie in der leider verstorbenen Arleen Auger eine mehr als respektable Konstanze aufzubieten hat:

Auch das übrige Ensemble ist nicht zu verachten, ganz besonders möchte ich noch den Osmin von Kurt Moll hervorheben, der ein sehr überzeugendes Rollenporträt zeichnet und vor allem ganz ausgezeichnet singt. Die Aufnahme entstand im September 1973 in der Lukaskirche Dresden. Dass Böhms Dirigat mal wieder vom Feinsten ist, muß ich wohl nicht ausdrücklich hervorheben. Böhm war dieser Stadt und seiner Staatskapelle seit den 1930er Jahren eng verbunden, als er dort künstlerischer Leiter der Semperoper war. Einziges Manko der Produktion: Die Sprechrollen wurden mal wieder von Schauspielern übernommen, das ist eine scheinbar unausrottbare Unart, die manchen Hörer (mich auch) schier zur Verzweiflung bringt. Aber: Keine Rose ohne Dornen!

LG, Nemorino
Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

Joseph II.

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  • »Joseph II.« ist männlich
  • »Joseph II.« ist der Autor dieses Themas

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Registrierungsdatum: 29. März 2005

63

Dienstag, 6. März 2018, 18:51

Ich bedauere es ja wirklich, dass Otto Klemperer keine Studioeinspielung dieser Oper mehr vorlegen konnte. Es gibt zwar einen Mitschnitt aus Budapest von 1950, aber der ist wegen des Ungarischen und der Klangqualität nicht konkurrenzfähig und kann allenfalls als Kuriosum von Interesse sein. Ist jemandem bekannt, ob eine Einspielung der "Entführung" noch geplant war? EMI hat ja noch 1970 und 1971 den "Figaro" und die "Così" mit Klemperer gemacht, beide m. M. n. zu Unrecht im Schatten seiner hoch gelobten anderen Mozart-Aufnahmen.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Caruso41

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  • »Caruso41« ist männlich

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64

Dienstag, 6. März 2018, 18:51

Lieber JosephII!

Mich würde ja sehr die Meinung unseres geschätzten Stimmenkenners Caruso41 in diesem Thread interessieren.

Das ist ja wirklich eine ehrenvolle Aufforderung, mich hier zu äußern. Das will ich denn auch gerne tun! Ich komme erst jetzt dazu, weil ich fast zwei Wochen unterwegs war.
Aber ich kann und will natürlich nicht zu allem meine Meinung sagen. Deshalb nur ein paar Bemerkungen, die mir hilfreich für die ganze Diskussion scheinen!

Zunächst ist mir wichtig, klar zustellen, dass die Arie "Martern aller Arten" durchaus nicht typisch für das ist, was von einer Sängerin verlangt wird, die als Konstanze eingesetzt werden soll. Sie hat einen anderen Charakter, als die übrigen Musiknummern und stellt ziemlich andersartige Anforderungen. Dass trotzdem mal über die Konstanze als Rolle in dem Singspiel und mal als Konstanze als Interpretin der Bravour-Arie "Martern aller Arten" geschrieben wurde, verwischt die Unterschiede - vielleicht absichtlich, vielleicht auch ohne Überlegung .

Durch die Lektüre ihres Buches "Mein Weg" hatte ich gelernt, dass eine so bedeutende Sängerin, wie Lilli Lehmann die Konstanze in einem Atemzuge mit Isolde, Fidelio, Donna Anna und Norma als hochdramatische Partie gesehen und gesungen hat. Die Aufnahme von ihr mit der Marternarie auf einer alten 78er Schallplatte aus der Sammlung meines Großvaters hat für mich die Maßstäbe gesetzt. Deshalb war ich mit den eher lyrischen Koloratursopranen, die man zumeist in den 50er und 60er Jahren in Berlin, in München und wohl auch an den meisten anderen Opernbühnen einsetzte, nie recht glücklich.

Es gibt von Lilli Lehmann nur die eine Aufnahme, die sie allerdings erst gemacht hat als sie schon in den 60er Jahren war und etlich Isolden und Brünnhilden gesungen hatte! Auch der Mozartstil mag heute gefremdlich sein, aber gehört sollte man die Aufnahme schon mal haben, wenn man sich mikt der Arie beschäftigt:

"Martern aller Arten" - Lilli Lehmann (1907)
https://www.youtube.com/watch?v=0nppGO_KFhM


Ich will gerne einräumen, dass der größte Teil der Partie durchaus von lyrischen Koloratursopranen vorzüglich gesungen werden kann. Das Duett mit Belmonte und das Quartett erfordern sogar Qualitäten, die bei hochdramatischen Sopranen eher selten sind.

Leider aber gibt es einen - wie ich finde - unguten Hang der Koloratursoprane, die ein ausgezeichnetes Blondchen wären, sich stattdessen als Konstanze zu präsentieren.
Ich würde sagen, dass mehr als die Hälfte der bisher in diesem Thread vorgestellten Sängerinnen gut beraten wäre, die Herzen des Publikums und ein begeistertes Lob der Connaisseures zu gewinnen indem sie sich mit dem Blonchen begnügen!

Zumindest die Marternarie - und nur die habe ich jetzt mal bei den weiteren Ausführungen im Blick - stellt Anforderungen, die etliche der hier vorgestellten Soprane nur sehr begrenzt oder gar nicht erfüllen. Da mögen die Koloraturen noch so geläufig sein und die Spitzentöne noch so hell strahlen. Wenn der heroische Ton und der pathetische Gestus fehlen, ist die Arie meiner Meinung nach in ihrem Wesen verfehlt!
Allerdings muss auch die Marternarie nicht unbedingt mit einer hochdramatischen Stimme gesungen werden. Auch mit einer eher lyrischen Stimme kann man dramatischen Aplomb hervorbringen, wie etwa Anneliese Rothenberger erstaunlich eindrücklich - allerdings nur in ihren Live-Mitschnitten - bewiesen hat! Auch ein Zug zum Tragischen muß diese Arie durchglühen. Den haben etwa Edda Moser und Cristina Deutekom, der ich dafür sogar ihre gejodelten Koloraturen (fast) verzeihe!

Nun hattest Du ja wohl speziell nach der Interpretation von Margret Price gefragt. Dazu habe ich mich auch schon geäußert! Das muss hier nicht wiederholt werden. Guckst Du:

Margaret Price +

Eigentlich sollte ich es hierbei bewenden lassen, aber es drängt mich doch, noch zumindest auf die Aufnahmen hinzuweisen, die ich ganz besonders schätze und bisher in der Galerie vermisse!

Zunächst: Maria Ivogün! Ein vorzügliche Sopranistin. Ohne Frage ein eher leichter Koloratursopran aber sie ist kein verirrtes Blondchen sondern eine echte Dame mit einer Stimme, die betont vornehm und fraglos heroisch klingt. Ihre Intonation, Artikulation und Geläufigkeit sind ebenso beeindruckend wie die Klarheit und Ausdruckskraft ihrer Worte, die Vornehmheit ihres portamento und das dramatische Flair, mit dem sie den Crescendo-Aufstieg auf das hohe C gestaltet. Das vorletzte G ziert sie mit einem langen Triller aus und endet mit einem brillanten hohen C! Das mag Partiturpuristen stören. Dem Charakter und Geist der Arie aber wird es bestens gerecht!
Sie hat drei Aufnahmen der Arie hinterlassen, ich schätze die von 1925 am meisten, aber die frühere von 1919 hat ihren eigenen Reiz, weil die Stimme hier noch freier und geschmeidiger klingt.

"Martern aller Arten" - Maria Ivogün (1919)
https://www.youtube.com/watch?v=1HZ1TvSrqrw


"Martern aller Arten" - Maria Ivogün (1925)
https://www.youtube.com/watch?v=z0REXJNFFMo


Eine ganz außergewöhnlich brillante Aufnahme hat auch Elisabeth Schwarzkopf von der Marternarie aufgenommen! Insgesamt gibt es wohl mehr als 5 oder 6 Aufnahmen von ihr.
Sogar eine Gesamtaufnahme der "Entführung" unter Moralt ist am Markt. Ich schätze die Aufnahme unter Karajan am höchsten. Was sie da an subtilen Wortausdeutungen bringt, ohne die Geläufigkeit und den natürlichen Fluß zu verlieren oder in Manirismen zu verfallen, das ist ein Ereignis! Für mich ist das die großartigst Aufnahme der Arie! Da kann man denn auch über Probleme in der Tiefe leicht hinwegschauen!

"Martern aller Arten" Elisabeth Schwarzkopf (1946)
https://www.youtube.com/watch?v=5K8rHMlEz6c


Natürlich stellen Elisabeth Schwarzkopf und Maria Ivogün nicht alle anderen Aufnahmen in den Schatten. Andere haben auch ihre Vorzüge!
Besonders empfehle ich noch die Beschäftigung mit der Griechin Margherita Perras und der Pariserin Gabrielle Ritter-Ciampi, die die Arie allerdings französisch singt und technisch nicht ganz einwandfrei (aber im Vergleich zu Vulpius, Stader, Schäfer oder Battle doch beste Figur macht.) . Auch Eleanor Steber ist wohl noch nicht genannt, aber hätte das ohne Zweifel verdient. Und warum noch nicht von Ljuba Orgonasowa die Rede war, ist mir ganz unverständlich!

Also: Es gibt noch viel jenseits von Berger, Köth, Moser und Auger zu endecken und zu diskutieren. Gerade die älteren Aufnahmen sind sehr nützlich, um die Maßstäbe zu überprüfen und zu justiern!

Liebe Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Fiesco

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Registrierungsdatum: 30. August 2017

65

Dienstag, 6. März 2018, 18:57

Zitat

nemorino
Trotzdem möchte ich bei der Gelegenheit auf eine Aufnahme aufmerksam machen, die, soweit ich es übersehen kann, hier noch gar nicht genannt wurde. Doch weil wir in einem anderen Thread gerade überKarl Böhm diskutieren, möchte ich sie hier zur Diskussion stellen, zumal sie in der leider verstorbenenArleen Auger eine mehr als respektable Konstanze aufzubieten hat:


Siehe hier
und hier

Hatte mit Arleen Auger Kontakt bis zu ihrem leider zu frühem Tod! Eine ganz liebenswürdige und fantastische Persönlichkeit!

LG Fiesco
Die Tonkunst begrub hier einen reichen Besitz, aber noch viel schönere Hoffnungen.

Grillparzers Worte auf der Reliefplatte Schuberts.

  • »nemorino« ist männlich

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66

Dienstag, 6. März 2018, 19:12

Lieber Fiesco,

tut mir leid, das hatte ich glatt vergessen und in der Eile heute mittag übersehen. Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil!
Ja, Arleen Auger war eine wundervolle Sängerin, habe etliches von ihr im Schrank. Muß das demnächst mal überprüfen.

Schönen Abend,
Nemorino
Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

Fiesco

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67

Dienstag, 6. März 2018, 19:19

Lieber Fiesco,
tut mir leid, das hatte ich glatt vergessen und in der Eile heute mittag übersehen. Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil!
Ja, Arleen Auger war eine wundervolle Sängerin, habe etliches von ihr im Schrank. Muß das demnächst mal überprüfen.
Schönen Abend,
Nemorino

Hallo nemorino, null problemo :thumbsup: !

LG Fiesco
Die Tonkunst begrub hier einen reichen Besitz, aber noch viel schönere Hoffnungen.

Grillparzers Worte auf der Reliefplatte Schuberts.

  • »nemorino« ist männlich

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Registrierungsdatum: 31. Dezember 2017

68

Dienstag, 6. März 2018, 19:22

Ich bedauere es ja wirklich, dass Otto Klemperer keine Studioeinspielung dieser Oper mehr vorlegen konnte. Es gibt zwar einen Mitschnitt aus Budapest von 1950, aber der ist wegen des Ungarischen und der Klangqualität nicht konkurrenzfähig und kann allenfalls als Kuriosum von Interesse sein. Ist jemandem bekannt, ob eine Einspielung der "Entführung" noch geplant war?

Lieber Joseph II.,

ja, eine "Entführung" unter Klemperer war fest eingeplant, konnte aber leider wegen der zunehmenden Hinfälligkeit des Dirigenten nicht mehr verwirklicht werden. Es gab sogar schon Aufnahmetermine, die aber nicht eingehalten werden konnten. Leider weiß ich nicht, welche Sänger vorgesehen waren.

Ich zitiere hier aus zwei Briefen Klemperers an den EMI-Produzenten Peter Andry:

1) vom 10. Juni 1972:
" .... es freut mich, daß die "Entführung" für Oktober nun ernsthaft in Angriff genommen ist".

2) vom 1. Dezember 1972:
" .... ich muß Ihnen heute einen für mich sehr traurigen Brief schreiben, der aber leider unumgänglich ist. Es handelt sich, wie Sie natürlich annehmen, um das geplante <Entführung> Projekt und um meine Kräfte. Es ist nun Anfang Dezember und ich fühle genau, daß ich zu dem vorgesehenen Termin, Januar 24 nicht reisefertig sein werde.
Deshalb sage ich dieses Projekt hierdurch ab, denn ich muß einsehen, daß in meinen Jahren eine weitere Verschiebung uns nur wiederum in eine Lage wie heute bringen könnte, und das möchte ich unter allen Umständen sowie in aller Interesse vermeiden.
Ich hatte so gehofft, daß es doch gehen würde und Sie können mir glauben, - dieses Schreiben fällt mir sehr schwer. ........ Auf Ihr Verständnis vertrauend und mit den besten Empfehlungen bin ich,
Ihr sehr ergebener -
Otto Klemperer"

Ja, es ist sehr bedauerlich, daß diese Aufnahme nicht mehr zustande kam. Doch Klemperer hat seine schwindenden Kräfte gut eingeschätzt, er starb ein halbes Jahr später, am 6. Juli 1973, in Zürich.

LG, Nemorino
Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

9079wolfgang

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69

Dienstag, 6. März 2018, 20:25

Zitat

Caruso41: Zunächst: Maria Ivogün! Ein vorzügliche Sopranistin. Ohne Frage ein eher leichter Koloratursopran aber sie ist kein verirrtes Blondchen sondern eine echte Dame mit einer Stimme, die betont vornehm und fraglos heroisch klingt


Ja, natürlich, lieber Caruso! An Maria Ivogün dachte ich auch. Aber sie hat die ähnlich leichte Stimme wie Erika Köth. Daher habe ich die etwas dramatischeren Stimmen der Mimi Coertse, die diese Partie oft gesungen hat und Edda Moser ausgewählt. Aber man könnte noch viele andere Stimmen hier benennen.
W.S.

Caruso41

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70

Mittwoch, 7. März 2018, 09:52


Zitat

Caruso41: Zunächst: Maria Ivogün! Ein vorzügliche Sopranistin. Ohne Frage ein eher leichter Koloratursopran aber sie ist kein verirrtes Blondchen sondern eine echte Dame mit einer Stimme, die betont vornehm und fraglos heroisch klingt

Ja, natürlich, lieber Caruso! An Maria Ivogün dachte ich auch. Aber sie hat die ähnlich leichte Stimme wie Erika Köth. Daher habe ich die etwas dramatischeren Stimmen der Mimi Coertse, die diese Partie oft gesungen hat und Edda Moser ausgewählt. Aber man könnte noch viele andere Stimmen hier benennen.

Lieber Wolfgang!

Du hast naturlich Recht, dass die Stimme der Ivogün ähnlich leicht ist, wie die der Köth. Aber den aristokratischen und pristinen Klang der Ivogün hat die Köth nun wirklich nicht! Die Köth singt zwar durchaus mit einem pathethischen Gestus aber ihr Ausdrucksspektrum bleibt doch begrenzt und nirgends gewinnt sie heroische Größe. Das macht für mich den entschiedenden Unterschied - abgesehen davon, dass die Koloraturen der Ivogün einfach geschliffener und virtuoser sind! Trotzdem: die Köth war eine gute Konstanze. Ich habe sie ja sehr oft live hören können und war eigentlich nie enttäuscht! Sie war auch klug genug, die Partie abzugeben, als sie merkte, dass sie ihr nicht mehr gerecht werden kann.

Was sagst Du denn zu der Schwarzkopf unter Karajan?

Beste Grüße

Caruso41

------------------------- ?( :hello: :hello: :hello: ?( --------------------

Lieber Joseph II!

Ist Dir entgangen, dass ich Deiner Aufforderung, etwas zu diesem Thread beizutragen, ganz artig nachgekommen bin????

Du bist ja in so vielen Threads unterwegs, dass das schon mal passieren kann.

Mich aber hätte doch schon interessiert, wie Du meine Ausführungen zur Konstanze und die von mir favorisierten Interpretationen der Marternarie siehst. Oder ist der Austausch zu dem Thema schon zu Ende für Dich?

Erwartungsvolle Grüße
Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Joseph II.

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Mittwoch, 7. März 2018, 13:15

Lieber Caruso,

keine Sorge, ich habe Deine Reaktion hier nicht überlesen. Ich wollte es ein wenig auf mich wirken lassen, ehe ich reagiere. Zunächst möchte ich danken für Deine wertvollen Hinweise auf diese historischen Aufnahmen, die den eigenen Horizont erweitern und für eine vollumfängliche Betrachtung der Interpretationsgeschichte der Konstanze und insbesondere der Marternarie wohl auch unerlässlich sind.

Sehr interessant fand ich den Hinweis auf die Schwarzkopf, deren Darbietung mich auch durchaus erreichte. Hochspannend, auch mal die legendäre Lehmann damit zu hören, auch wenn es hier für mich eher ein Erahnen ist, denn einen wirklichen Hörspaß bereiten mir diese Uraltaufnahmen aus der Steinzeit der Tonaufzeichnung letztendlich nicht. Wie geht es anderen damit? An künstlerischem Wert nimmt ihnen das ja nichts.

Luba Orgonasova scheint die Partie unter Gardiner eingespielt zu haben. Schön, dass sich also auch eine aktuelle Interpretin in Deiner Aufzählung findet. Deine lobenden Worte für Edda Moser und Cristina Deutekom haben mich übrigens nochmal darin bestärkt, dass das wirklich großartige Interpretinnen waren. Glücklicherweise gibt es diese auch in der Stereoära.

Beste Grüße und nochmal danke
Joseph
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9079wolfgang

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72

Mittwoch, 7. März 2018, 14:03

Zitat

Caruso41:... Was sagst Du denn zu der Schwarzkopf unter Karajan?

Hallo, Caruso!

Ich muss gestehen, dass ich Elisabeth Schwarzkopf als Konstanze ewig nicht mehr gehört habe. Bei den von Youtube eingestellten Aufnahmen ziehe ich die unter Moralt der unter v. Karajan vor. Bei der Karajan-Aufnahme singt Schwarzkopf eine aristokratische Konstanze, der ich aber eine gewisse Kälte in der Stimme bescheinige. Auch die Koloraturen gehören nicht unbedingt zu ihrem Metier, in beiden Aufnahmen. Unter Moralt singt sie eine liebende Gattin, der ich die Treue zu ihrem Gatten eher abnehme. Aber, gottseidank, kann man das immer anders sehen und hören.

W.S.

Caruso41

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73

Mittwoch, 7. März 2018, 16:12

Lieber Wolfgang!

Bei den von Youtube eingestellten Aufnahmen ziehe ich die unter Moralt der unter v. Karajan vor.

Da würde ich nicht lange streiten wollen! Ob ich den Unterschied, den Du hörst, nachvollziehen kann, will ich gerne heute abend mal überprüfen! In jedem Fall gehört eine Aufnahme von Elisabeth Schwarzkopf in den Panthenon großer Mozartaufnahmen! Auch wenn die Koloraturen nicht so perfekt gelungen sind, wie bei der Ivogün!
Die Aufnahme, die Du eingestellt hast, ist von der Gesamtaufmnahme, die wohl 1945 aufgenommen wurde:

Zitat

Konstanze - Elisabeth Schwarzkopf
Belmonte - Anton Dermota
Blonde - Emmy Loose
Pedrillo - Peter Klein
Osmin - Herbert Alsen
Österreichisches Rundfunk Sinfonieorchester
Wiener RundfunkchorRudolf Moralt


Lieber JosephII!

Schön, dass sich also auch eine aktuelle Interpretin in Deiner Aufzählung findet.

Ich habe doch nichts gegen aktuelle Sänger! Würde ich sonst so viel Arbeit und Zeit in den Thread NEUE STIMMEN investieren? Aber in den hast Du Dich ja bisher noch nicht verlaufen!

Aber zum Thema zurück: offenbar bereitet Dir das Hören alter Aufnahmen mehr Pein als Genuß. Wenn man öfter und länger solche Aufnahmen hört, dann lernt man auch, dass sie durchaus nicht nur Erkenntnisgewinn bringen sondern auch Vergnügen bereiten. Trotzdem ist natürlich die Marternarie von Lilli Lehmann ein Grenzfall. Ich hatte sie nur eingestellt weil ich auf Ihre Bemerkung bezug genommen hatte, die Konstanze sei genau wie die Isolde, Norma und Leonore eine hochdramatische Partie. Im Alter von über 60 Jahren beweist sie immerhin, dass man man nach zig Isolden und Brünnhilden auch noch eine Konstanze überzeugend singen kann!Trotzdem ist diese Aufnahme nicht eine Aufnahme für eine Bestenliste.
Allerdings die Aufnahme von der Ivogün sehe ich da ganz, ganz oben. Über die hast Du aber nichts gesagt!

Wenn Du aber eine Liste nur mit Stereo-Aufnahmen haben willst, dann sehe ich eigentlich nur drei Interpretationen, die ich darauf setzen würde! Das sind Moser, Orgonasova und Price! Allenfalls noch die frühe Aufnahme der Sills (bei ABC Audio Treasure erschienen).
Leider wohl hat die Geszty nur "Ach ich liebte" und "Traurigkeit ward mir zum Lose" eingespielt.
Und Gruberova? Für mich ist sie keine Konstanze, aber das hast Du ja auch nicht gehauptet. Deswegen verzichte ich auf eine Erklärung!

Euch beiden wünsche ich weiterhin einen schönen Tag!
Mit lieben Grüßen

Caruso41
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