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Joseph II.

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1

Freitag, 23. Februar 2018, 13:43

"Martern aller Arten" – Wer war die beste Konstanze?

Vor etlichen Jahren hatten wir mal eine interessante Reihe, in der die besten Rollenvertreter/innen diverser Opernrollen gesucht wurden. Dieser Tage kam mir ein weiterer Einfall, der bis dato scheinbar noch nicht vorkam. Es geht natürlich um die Konstanze aus Mozarts "Entführung aus dem Serail". Freilich soll gerade die berühmte Bravourarie "Martern aller Qualen" im Mittelpunkt des Interesses stehen.

Wer war eures Erachtens die beste Interpretin? Am besten, wie bewährt, mit Tonbeispiel, so verfügbar.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

9079wolfgang

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2

Freitag, 23. Februar 2018, 14:05

Hallo, Joseph!

Ich bringe hier mal Edda Moser ins Spiel. Sie bringt die gewisse Härte in der Stimme einem Bassa Selim gegenüber mit:
W.S.

orsini

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3

Freitag, 23. Februar 2018, 17:17

hallo

die erste meiner drei liebsten Konstanzen ist Anneliese Rothenberger. Stimmlich eher ein Gegensatz zur Härte der Moser, aber nicht minder überzeugend.
Sie sang die Konstanze u.a. 1965, 1966 und 1970 bei den Salzburger Festspielen. Hier der Mitschnitt eines Konzerts aus dem Jahre 1968 (ohne die Orchestereinleitung).
Ich erinnere mich gelesen zu haben, dass die Rolle ihr nicht leicht in den Schoß gefallen sei - es war doch eine Grenzpartie für ihre Stimme. Umso beeindruckender für mich, wie es ihr gelingt, die Verzierungen als Ausdruck ihres Leidens zu gestalten und nicht als bloße Ornamentik. Bemerkenswert auch die (optisch erkennbare) Mühelosigkeit ihres Singens. :hail:


... in diesem Sinne beste Grüße von orsini

„Das Denken ist zwar allen Menschen erlaubt, aber vielen bleibt es erspart.“
Curt Goetz

dr.pingel

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4

Samstag, 24. Februar 2018, 00:31

Mit dieser Arie der Konstanze habe ich ein Problem. Es ist zunächst mal dies, dass ich die Entführung schon als Junge sehr mochte, was dazu führte dass ich die Oper mitsingen konnte - bis auf die Marterarie der Konstanze. Diese Arie ist ein Stilbruch; sie gehört nicht in ein Singspiel: sie ist eine Konzertarie. Sie zählt zur Gattung der "Kofferarien". Das waren die extrem virtuosen Arien, die reisende Sopranistinnen im Koffer mitführten, um sie wo auch immer darzubieten. Was Mozart dazu bewogen hat, diese Highspeed-Arie einzubauen, mag vielleicht damit zusammenhängen, dass er der Sängerin der Konstanze imponieren (oder mehr) wollte.
Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

Rheingold1876

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5

Samstag, 24. Februar 2018, 08:19

Mit dieser Arie der Konstanze habe ich ein Problem. Es ist zunächst mal dies, dass ich die Entführung schon als Junge sehr mochte, was dazu führte dass ich die Oper mitsingen konnte - bis auf die Marterarie der Konstanze.


Das glaube ich sofort, denn es ist auch nicht so einfach, diese Arie mitzusingen. ;)
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

nemorino

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6

Samstag, 24. Februar 2018, 09:56

Meine erste Favoritin wäre hier Lois Marshall, die in der Beecham-Gesamtaufnahme von 1956 eine überzeugende, sehr eloquente Konstanze gesungen hat:

Leider ist es mir trotz mehrfacher Versuche nicht gelungen, das Video von Youtube hierhin zu übertragen. Bin eben alles andere als ein Internet-Experte!
Vielleicht kann jemand aus dem Forum mir Hilfestellung leisten? Das wäre sehr schön.

LG, Nemorino
Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

Rheingold1876

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7

Samstag, 24. Februar 2018, 10:00

Lieber Nemorino, dann versuche ich es mal:


https://www.youtube.com/watch?v=NJY_geNf9vk

Die Marshall ist auch eine meiner liebsten Konstanzen. :)
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

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Rheingold1876

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8

Samstag, 24. Februar 2018, 10:07

Vielleicht kann jemand aus dem Forum mir Hilfestellung leisten? Das wäre sehr schön.


Ganz einfach. Du kopierst den entsprechenden YouTube-Link in die Zwischenablage, wechselst bei "Schnellantwort" in den Editor, wählst die Schaltfläche für Youtube (links eben jpc) aus und setzt den Link in die Mitte zwischen die nun erschienene die eckigen Klammern. Alles klar?
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

nemorino

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9

Samstag, 24. Februar 2018, 10:39

Danke, lieber Rüdiger, für die schnelle und wirksame Hilfe! :)


Und auch für den Tip, den ich später einmal versuchen werde. Bin eben ohne Internet und Tablett aufgewachsen, da tut man sich im Alter schwer mit solchen Dingen.

Schönen Tag noch und liebe Grüße,
Nemorino
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nemorino

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10

Samstag, 24. Februar 2018, 14:39

Leider klappt es bei mir so, wie Du es mir geschrieben hast, lieber Rüdiger!
Nach ein paar vergeblichen Versuchen habe ich meinen Sohn zu mir "zitiert", der kennt sich in solchen Sachen besser aus, aber wir finden nicht die von Dir erwähnte Schaltfläche für Youtube neben jpc. Bei mir erscheint da eine Schaltfläche für Amazon!

Ich wollte als meine zweite Favoritin Maria Callas einstellen, die zwar nie eine Gesamtaufnahme der "Entführung", aber eine wunderbare, italienische Fassung der Martern-Arie hinterlassen hat.

LG, Nemorino
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Fiesco

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11

Samstag, 24. Februar 2018, 15:27

Hallo nemorino, du musst zuerst den Link bei Youtube kopieren dann im Thread auf Antwort gehen und dann oben in der Leiste auf das - blaurote Symbol YouTube - gehen und einfügen!

LG Fiesco
Il divino Claudio
"Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

Fiesco

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12

Samstag, 24. Februar 2018, 16:03

Eine meiner liebsten Live Erlebnisse war .....

Natalie Dessay

Spiel und Gesang auf höchsten Niveau!

LG Fiesco
Il divino Claudio
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Joseph II.

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13

Sonntag, 25. Februar 2018, 01:09

Danke für die recht rege bisherige Teilnahme!

Edda Moser, die ich bisher in der Partie nicht kannte, gefällt mir sehr gut. Sie bringt die ihr typische Dramatik hinein, die ich hier als passend empfinde.

Anneliese Rothenberger schlägt sich überraschend beachtlich, allerdings würde ich sie schwerlich als Idealinterpretin ansehen. Sie gerät doch an ihre Grenzen, wie dieser Live-Auftritt recht deutlich belegt.

Lois Marshall, oftmals als Schwachstelle der sonst hochgelobten Beecham-Aufnahme angesehen, geht die Sache völlig anders an als Moser: verinnerlichter, deutlich weniger extrovertiert, durch das sehr aristokratische Dirigat des Baronet noch verstärkt. Durchaus eine andere adäquate Lesart.



Eine ausgezeichnete Konstanze der jüngsten Zeit ist in der neuen Aufnahme von René Jacobs dokumentiert: Robin Johannsen. Leider ist kein YT-Video verfügbar. Aber bei Spotify findet man kostenlos das komplette Album (Track 22). Ich war sehr angetan von dieser modernen Interpretation, die sich doch deutlich von älteren abhebt. Großartig auch das sehr engagierte orchestrale Spiel.
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Rheingold1876

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14

Sonntag, 25. Februar 2018, 08:41

Ein Interessante Zusammenfassung, lieber Joseph. Allerdings bin ich in einigen Punkten anderer Meinung. Und das ist auch ganz üblich so bei der Sängerbeurteilung. Völlige Übereinstimmung ist für mich langweilig und der Tod jeder Debatte. :)

Edda Moser galt bei ihrem Erscheinen auf den Opernbühnen als Ereignis, weil sie vieles anders machte und Koloraturpartien mit mehr dramatischem Drive ausstattete. Inzwischen gefällt mir dieser Stil mit Ausnahme der Elettra in "Idomeneo" nicht mehr so sehr. Ihre Stimme hatte sich nach meiner Beobachtung ziemlich früh verbraucht. Anneliese Rothenberger, die ich in anderen Rollen immer noch sehr gern höre, ist mir zu bieder. Das Urteil über Lois Marshall teile ich voll und ganz. Es kann gut sein, dass sie in ihrer Zeit noch nicht richtig verstanden wurde. Ich glaube nach wie vor daran, dass manche Sänger mehr für die Zukunft singen, denn für ihre Gegenwart. Hier auch Robin Johannsen einzubeziehen, halte ich für einen sehr geschickten Schachzug. Respekt! Sie liefert eine sehr zeitgemäße Interpretation ab. Man meint, eine junge Frau von heute zu hören, ohne Allüren und die üblichen Raffinessen und Tricks einer Diva. Dadurch kommt mir die Konstanze plötzlich menschlich sehr nahe. Aus der Sicht der Gesamtaufnahme, die ich auch kenne :) , funktioniert das besser als wenn man die Marternarie separat herausnimmt und hört.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Joseph II.

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15

Sonntag, 25. Februar 2018, 16:00

Danke für die zum Nachdenken anregenden Ausführungen zu Edda Moser. Ich weiß noch, dass ich sie als Einsteiger ungemein schätzte und etwa als Königin der Nacht für einsame Spitze hielt. Du, lieber Rheingold, siehst das bekanntlich (mittlerweile) kritischer. Das ist ja das Schöne an Diskussionen. Und es zeigt auch, dass man eine Rolle wie die Königin der Nacht oder eben die Konstanze sehr unterschiedlich auslegen und auf seine Art doch überzeugend herüberbringen kann. Die Beobachtung, dass heutige Interpretinnen wie Robin Johannsen das Divenhafte abgelegt haben und menschlicher wirken, ist absolut nachvollziehbar Insofern machte Lois Marshall wirklich schon einen Schritt in diese Richtung.

Gestern habe ich mir noch ein paar andere Rolleninterpretinnen angehört. Bisher überhaupt nicht genannt wurde die fast unvermeidliche Edita Gruberová. Ich stieß auf die ganz späte Böhm-Aufnahme, die am 25. April 1980 live in der Bayerischen Staatsoper aufgezeichnet wurde. Auch wenn es hier nicht viel zur Sache tut: Die Inszenierung stammt von August Everding. Besonders imponierend erscheint mir Karl Böhms (knapp 86) Orchesterbegleitung. Man höre nur mal, wie seine Tempogestaltung den Höhepunkt besonders herausstellt. Schön die wuchtigen Pauken. Was meinen die anderen zur Gruberová?



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orsini

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16

Montag, 26. Februar 2018, 13:14

Ein paar Gedanken meinerseits zu den bisherigen Vorstellungen:

Edda Moser finde ich vokal beeindruckend, allerdings geht ihre Interpretation an meinem Verständnis der Oper vorbei. Vielmehr habe ich das Gefühl, sie singt "Martern aller Arten werden DEINER warten"... sie ist (wieder) die gleiche Rachefurie wie auch als Königin der Nacht oder Elektra/Elettra. Mit dieser Art zu singen ist sie sehr nahe bei Maria Callas.

Nemorino hatte weiter oben noch die Version mit Maria Callas angesprochen. Es gibt zwei Aufnahmen der Martern-Arie mit ihr: eine von 1954 aus San Remo und eine von 1964 aus Paris. Ich verlinke mal die 1954er Version, nicht wissend, ob das auch Nemorinos Wahl gewesen wäre. Insgesamt war ich von dieser Version doch eher positiv überrascht... auch wenn sie nicht mein Favorit ist. Dazu ist es mir dann doch zuviel "Hochdrucksingen". :stumm:


Edita Gruberova als Konstanze ist schon eine Klasse für sich. Und ich finde sie in der verlinkten Live-Version aus der Staatsoper München weitaus eindrücklicher als in der einige Zeit danach entstandenen Studio-CD mit Georg Solti aus dem Jahre 1987 - da tut die Aufnahmetechnik dem Klang keinen Gefallen, die Stimmen klingen metallisch und kalt. Im positiven Sinne bemerkenswert auch die späte Aufnahme der Martern-Arie aus dem Jahre 2013. Auch wenn die Tiefen etwas verhaucht sind, es ist phänomemal wie die damals ~67jährige nach wie vor das Einmaleins des Ziergesangs beherrscht: Triller, Piani, Crescendi und Skalen vom Feinsten. :hail:

Vergleichbar eloquent in der Benutzung des Vokabulars des verzierten Gesangs ist Arleen Auger, die die Rolle auch unter Karl Böhm Anfang der 70er Jahr eingespielt hat. Eine glockenklare Stimme, die die Schwierigkeiten von "Mozarts Isolde" (Edda Moser) mühelos und bravourös meistert. Sie war meine erste Konstanze auf LP und ist bis heute eine der liebsten geblieben. Ihre Stimme klingt in meinen Ohren weicher, voller als z.B. Edita Gruberova oder andere heutige Fachvertreterinnen.


Schlußendlich möchte/muß ich noch eine Lanze für A. Rothenberger brechen, die ihr nicht idealtypisch oder gar bieder in dieser Rolle empfunden habt. Sie singt Mozart und seinen Librettisten ensprechend eine junge spanische Edelfrau (und eben nicht eine Scheuche), die die verschiedenen Gemütszustände mit rein musikalischen Mitteln und Formen (wie wir sie aus den seria kennen) dem Zuhörer übermittelt. Das mag in der heutigen Zeit, wo wir zu vokalem Überzeichnen um des vermeintlichen Ausdrucks und des psychologischen Hintergrunds willen neigen, ungewohnt sein. Als bieder oder nicht rollendeckend empfinde das das jedoch in keinem Falle. J. M. Fischer zu ihrer Gesamtaufnahme unter Krips sehr treffend: "Der englische Kritiker William Mann setzt in einer vergleichenden Diskographie dieser Oper Anneliese Rothenbergers Konstanze in die allererste Reihe, und es ist in der Tat erstaunlich, wie ihre schmale Stimme von silbernem Liebreiz hier plötzlich dramtische Schärfe und Seelenadel gewinnt."

... aber wie immer bei der Beurteilung von Stimmen: es ist alles sehr subjektiv und jedem sei sein Eindruck unbenommen.
... in diesem Sinne beste Grüße von orsini

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operus

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17

Montag, 26. Februar 2018, 13:52

"Der englische Kritiker William Mann setzt in einer vergleichenden Diskographie dieser Oper Anneliese Rothenbergers Konstanze in die allererste Reihe, und es ist in der Tat erstaunlich, wie ihre schmale Stimme von silbernem Liebreiz hier plötzlich dramtische Schärfe und Seelenadel gewinnt
Weil so schöne persönliche Erinnerungen damit verbunden sind möchte auch ich die Wahl der Primadonna des Herzens - Anneliese Rothenberger - für die Aufnahme von in die Hall of Fame als Konstanze unterstützen. Eine sehr hörenswerte Interpretin ist auch Jennifer O' Laughlin in der Arie "Martern aller Arten". Die Aufnahme kann bei Youtube gehört werden. Die junge Sopranistin wird beim Festkonzert im Rahmen des Künstlertreffens der Gottlob-Frick-Gesellschaft am 13. Oktober 2018 das Publikum genau mit dieser Arie martern. Verzeihung, muss heißen: Hoch erfreuen!

Herzlichst
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Stimmenliebhaber

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18

Montag, 26. Februar 2018, 14:06

Was meint man denn hierzu? Meinungen anderer würden mich wirklich interessieren!



https://www.youtube.com/watch?v=a4vEg9QkddU
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

orsini

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19

Montag, 26. Februar 2018, 14:26

hallo operus,

um diese persönlichen Erinnerungen beneide ich Dich schon sehr!

Jennifer O'Loughlin singt ja jetzt auch am Münchner Gärtnerplatztheater... Ich hoffe, sie dort einmal live zu hören, die Trailer, die ich gesehen habe, waren sehr vielversprechend.
Hier die Martern-Arie mit ihr aus Wien
... in diesem Sinne beste Grüße von orsini

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Curt Goetz

operus

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20

Montag, 26. Februar 2018, 14:46

Über Martern aller Arten wird heute sogar im Thread "Allen Taminos zur Freude und Erheiterung" berichtet, und zwar vom Holzwurm.

Herzlichst
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nemorino

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21

Montag, 26. Februar 2018, 14:49

Nemorino hatte weiter oben noch die Version mit Maria Callas angesprochen. Es gibt zwei Aufnahmen der Martern-Arie mit ihr: eine von 1954 aus San Remo und eine von 1964 aus Paris. Ich verlinke mal die 1954er Version, nicht wissend, ob das auch Nemorinos Wahl gewesen wäre.

Lieber orsini,

Du hast meine Wahl exakt getroffen! Ehrlich gesagt, die zweite Version aus Paris habe ich geflissentlich ignoriert, weil die Callas zu dieser Zeit bereits weit über ihren Zenit hinaus war und überdies ihre späten Mozart-Aufnahmen nur als desaströs bezeichnet werden können. Die sind m.E. nur etwas für eingefleischte Callas-Enthusiasten.

Die Aufnahme von 1954 hingegen finde ich sängerisch glänzend, wenn auch, wie Du richtig feststellst, mit Hochdruck gesungen wird. Das Ergebnis finde ich trotzdem großartig.
Die Arie ist nach meinem Dafürhalten ohnehin ein gewisser Fremdkörper in dieser Spieloper, ein hochdramatisches Stück, was eigentlich nicht so recht zur übrigen Handlung paßt. Callas hat sicher nicht ohne Grund nur dieses Stück in ihr Repertoire aufgenommen. Als Rollendarstellerin in einer Gesamtaufführung wäre sie sich keine Idealbesetzung gewesen, ganz unabhängig davon, daß sie der deutschen Sprache nicht mächtig war.

LG, Nemorino
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Joseph II.

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22

Montag, 26. Februar 2018, 14:52

Jetzt bin ich dennoch neugierig: Wo gibt es die Callas-Aufnahme von 1964? Ist die schon in Stereo?
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nemorino

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23

Montag, 26. Februar 2018, 15:52

Jetzt bin ich dennoch neugierig: Wo gibt es die Callas-Aufnahme von 1964? Ist die schon in Stereo?

Lieber Joseph II.,

also ehrlich gesagt, ich kenne die Martern-Arie von 1964 nicht! Als orsini sie erwähnte, habe ich spontan gedacht, sie sei auf der späten Arien-CD mit Werken von Mozart, Beethoven und Weber enthalten. Daraus kenne ich nur (von einer Sammelplatte) das "Porgi Amor", und deshalb habe ich den Kauf dieser Sammel-CD nie in Erwägung gezogen.
Meine bisherigen Recherchen bei Amazon und jpc haben kein Ergebnis gebracht. Ich vermute, daß die von orsini genannte Version von 1964 vielleicht auf einem Live-Mitschnitt ist. Davon gibt es ja unzählige. Er wird uns bestimmt darüber Auskunft geben können.

LG, Nemorino
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Rheingold1876

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24

Montag, 26. Februar 2018, 16:13

"Die Entführung aus dem Serail" ist die einzige Oper von Mozart, die die Callas auf der Bühne gesungen hat. Das war 1952 an der Scala. Insgesamt wirkte sie in vier Vorstellungen mit. 1954 nahm sie die Marternarie der Konstanze ins Programm eines Konzerts in San Remo. Es wurde von der RAI übertragen, wenn nicht gar veranstaltet. So genau weiß ich das jetzt nicht. Aus diesem Konzert hat sich die Arie erhalten. Nach meinen Informationen gab es 1957 in Dalles ein Konzert, bei dem die "Entführung" ebenfalls Berücksichtigung fand. Ob sie dort auch die fragliche Arie vortrug oder eine andere, müsste ich erst nachsehen. Damit hätte sich auch die Frage von Joseph nach Stereo beantwortet. Aber ich habe orsini vorgegriffen. Der kennt womöglich noch andere Aufnahmen. Ich bin gespannt.
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25

Montag, 26. Februar 2018, 16:25

Maria Callas

ich hatte bei youtube noch den folgenden Link zu einer Callas-Martern-Arie gefunden. Dort gibt der Hochlader an, es sei eine Aufnahme aus Paris von 1964. Das habe ich erstmal für bare Münze genommen.
Jetzt durch Eure Nachfragen aufgeschreckt, habe ich noch weiter geschaut: in einem Kommentar darunter gibt jemand an, es sei eine Probe von 1957... was aber auch nicht zu Rheingolds Erklärung passen würde. Da ich nicht der Callas-Spezialist bin, kann ich nicht beurteilen, was nun der Wahrheit entspricht... leider.
Zumindest ist es aber nicht die 1954 Aufnahme, dafür klingt die "1964er" dann doch zu anders, es ist insgesamt ziemlich verhallt...
... in diesem Sinne beste Grüße von orsini

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26

Montag, 26. Februar 2018, 16:29

Von dem Konzert in Dallas gibt es einen Probenmitschnitt. Ob sie da die Arie voll aussingt, weiss ich jetzt allerdings nicht mehr genau, dazu müsste ich sie erst mal wieder hören.

Hier ist die Aufnahme:

Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

orsini

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27

Montag, 26. Februar 2018, 16:31

Kestings Callas-Biografie führt für den 22.11.1957 zumindest ein Konzert in Dallas an (State Fair music Hall), bei dem sie lt. Programm Arien aus der Entführung, I Puritani, Macbeth, La Traviata, Anna Bolena gesungen hat. Ein Mitschnitt sei erhalten. Möglicherweise ist es dieses...
... in diesem Sinne beste Grüße von orsini

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28

Montag, 26. Februar 2018, 17:07

Danke euch allen für eure Ergänzungen!

Ist die Aufnahme von Jutta Vulpius jene aus der Gesamtaufnahme unter Otmar Suitner? Vor knapp zehn Jahren kam diese bei TMOO nicht sehr gut weg. Ich muss aber sagen, mir gefällt ihre Darbietung durchaus.

Arleen Augér finde ich grandios.

Die Callas ist schon eine echte Wucht. Beeindruckend und Diva par excellence. Insofern eben auch eine altmodische Interpretation, was seine Berechtigung hat.

Hier übrigens Robin Johannsen live unter René Jacobs (nicht identisch mit der oben gezeigten Studioaufnahme):

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29

Montag, 26. Februar 2018, 17:14

Lieber Joseph II,
Ist die Aufnahme von Jutta Vulpius jene aus der Gesamtaufnahme unter Otmar Suitner? Vor knapp zehn Jahren kam diese bei TMOO nicht sehr gut weg. Ich muss aber sagen, mir gefällt ihre Darbietung durchaus.
nein, das ist die Aufnahmen von Szenen (Querschnitt?) unter Meinhard von Zallinger von 1958, Suitner war drei Jahre später. (In diesen drei Jahren hat sie auch Violetta, Butterfly und einiges mehr gesungen.) Unter Zallinger (mit dem sie auch was hatte) war sie noch deutlich besser als unter Suitner, der sie vor Beginn der Aufnahmen begrüßte mit dem Satz: "Frau Vulpius, wissen's, vielleicht sollten's mal zwo, drei Jahr pausiern'n?!" Laut eigner Aussag muss ihr das viel Adrenalin und die Kraft und den festen Willen gegeben haben, die Aufnahmen durchzuziehen, unter dem Motto: Dem zeig ich's! Interessant wäre eine Aufnahme vor der 1. Schwangerschaft, die gibt es von anderen Arien durchaus von ihr (zum Beispiel die Wahnsinnsarie der Lucia). Ab Dezember 1955 hat sie die Rolle an der Staatsoper Berlin gesungen, und das ziemlich genau 15 Jahre lang an mehr als 100 Abenden. Einmal, 1960, auch mit Fritz Wunderlich als Belmonte, und sie soll ihn nicht angeguckt haben, denn SIE war da der "Star"! :D
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Joseph II.

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30

Montag, 26. Februar 2018, 17:15

Die Arie ist nach meinem Dafürhalten ohnehin ein gewisser Fremdkörper in dieser Spieloper, ein hochdramatisches Stück, was eigentlich nicht so recht zur übrigen Handlung paßt.

Das will mir auch so erscheinen. Ich meine mal irgendwo gelesen zu haben, dass Mozart damit Caterina Cavalieri, der Sängerin der Uraufführung, schmeicheln wollte (im Film "Amadeus" ja offenkundig mit noch weitergehenden Ambitionen). Gehört habe ich das Stück zum ersten Mal definitiv im genannten Spielfilm (und dort wird es ja nach meiner Erinnerung auf Englisch gesungen - eine der wenigen Schwachstellen des Films). Seltsamerweise habe ich mich dann jahrelang überhaupt nicht mehr mit der "Entführung" beschäftigt, so dass auch diese tolle Arie in Vergessenheit geriet.

"Mozarts Isolde" (Edda Moser)

Das ist eine durchaus zutreffende Bezeichnung, die gerade für ihre eigene Interpretation gilt. :D
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

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