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operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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1

Samstag, 17. Februar 2018, 19:09

Das müssen Sie gelesen haben!!!

Unser neues Mitglied "hastetöne" führt sich mit klugen Beiträgen über Rausch, Trauma und Sucht hervorragend in unserer Gemeinschaft ein. Ich hatte zwar kein Trauma, aber eine geradezu euphorisierende Begeisterung, als ich heute in "Der neue Merker" 02/ 2018 "Reflexionen über das zähe Leben der Oper" las. Das sollten wir alle gelesen haben! Johannes Schenke - im Forum bekannt und geschätzt als Sixtus - schreibt eine herrlich ironische, humorvolle und doch tiefgehende Analyse der heutigen Opernszene. Lesen mit Lust, Schmunzeln, Nachdenken, Zustimmung und Kopfschütteln lösen diese Betrachtungen aus. Vorlagen und viel Futter für unsere Diskussionen hier im Forum. Frag nach bei Sixtus heißt ein Thread hier im Forum. Ich nehme es wörtlich und frage Dich lieber Hannes. Bist Du so nett und würdest diesen Artikel hier komplett mit allen Bildern im Forum einstellen oder einstellen lassen. (Alfred ermöglicht alles, wenn es uns und seinem Forum dient). Die Freigabe von Frau Dr. Sieglinde Pfabigan, der Chefredakteurin des Neuen Merker, sollten wir auch bekommen, weil sie uns Taminos und dem Forum verbunden ist. Also müsste rasch zumindest ein Link zum Artikel gesetzt werden können. Aber das ist nur das halbe Erlebnis und nicht der volle Genuss. Der Artikel sollte komplett in gelungener Ganzheit eingestellt werden. Lieber Sixtus, mit diesem "Preislied" hättest Du den Sängerwettstreit haushoch gewonnen. Bilden wir uns alle selbst ein Urteil: Das sollten wir -nein das müssen wir alle gelesen haben.

Herzlichst
Operus
Übrigens könnte dieser Titel, wenn wir die Betrachtung von Sixtus kommentiert und in der Diskusson ausgebeint haben, weitergeführt werden, wenn ein Tamino ein Leseerlebnis hat, bei dem er sagt: Das müssen Sie gelesen haben.
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

operus

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2

Samstag, 17. Februar 2018, 21:51

Ach wie schön sind Spotanreaktionen. Bitte noch um etwas Geduld. Sobald der Bericht eingestellt ist können wir am konkreten Beispiel diskutieren. Es ist jedoch ein bewährter Marketingtrick, schon vor Erscheinen des Artikels ( Films) Neugierde zu schaffen. Sollte mir dies mit meinem Trailer gelungen sein? Dann gönnt dem alten Fuchs die Freude.
Herzlichst
Operus
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3

Samstag, 17. Februar 2018, 21:56

Neugier

Ich bin neugierig und möchte den Artikel gern lesen.
..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
-- Aydan Özoğuz

Damiro

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4

Sonntag, 18. Februar 2018, 00:03

Lieber Hans Heukenkamp,

jedesmal, wenn ich von dir ein Post lese, bemerke ich immer wieder deine Signatur, nämlich einen Satz der türkisch- oder kurdischstämmigen Bundestagsabgeordneten A. Özuguz. Da sich dessen Sinn einfach mir nicht erschliessen wollte, habe ich mal ca. 20 Min. recherchiert und dann festgestellt, dass man dazu eine kleine Geschichte kennen muss, um es überhaupt zu verstehen.

Dann wurde ich böse, weil der Satz völlig aus dem Kontext gerissen ist, meine Zeit also völlig vertan war.. Oder hab ich`s einfach doch nicht verstanden ? Ich weiss, dass man sowas in PN schreiben sollte (= privaten Nachrichten). Bitte ggf. um Entschuldigung.

Freundlichst,
D.



operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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5

Sonntag, 18. Februar 2018, 09:11

Dieses Mal scheint der "Neue Merker" wieder ein Schatzkästlein für interessierte Opernfreunde zu sein. Schon wieder kann ich appellieren: Das müssen Sie gelesen haben. Elena Habermann, die ewige Komparsin von 1964 -1991 ständig mit auf der geheiligten Bühne der Wiener Staatsoper blickt aus dem Blickwinkel einer Statistin auf "600 mal Wallmann Tosca" zurück . In den 600 Vorstellungen sangen 84 verschiedene Cavaradossis, 72 Toscas und 62 Scarpias. Selbstverständlich, wie es sich für Wien gebührt, sind darunter die meisten Großen dieser denkwürdigen Zeit. Erzählt werden auch herrliche Anekdoten, z. B. wie sich einmal der Cavaradossi gesungen von Nicola Matinucci sich selbst auf der Seitenbühne erwürgen musste, weil das Schießkommando nicht aufgetreten ist. Ebenso der tragisch-komische Vorfall, als die Perücke der großen Galina Wischnewskaja Feuer fing und die Sängerin als lebende Fackel auf der Bühne stand. Gott sei Dank endete dieser Vorfall folgenlos, dank des Einsatzes der Feuerwehr und der couragierten Hilfe mutiger Kollegen. Äusserst interessant auch, wie die maßstabsetzende Inszenierung von Margarethe Wallmann im Lauf der Jahrzehnte an den Pubilkumsgeschmack und den Zeitgeist angepasst wurde. Dennoch blieb es die Wallmann "Tosca" und aus der Sicht von Elena Habermann - klein aber oho - , die heute äußerst erfolgreich den Merker Kunstsalon managt, eine 60 Jahre jung gebliebene Inszenierung.
Liebe Taminos, wieder braucht ihr ein wenig Geduld, bis auch dieser Artikel für uns freigegeben und zum Lesen eingestellt ist. Aber wie heißt es so schön, "Geduld bringt Rosen."

Herzlichst
Operus
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La Roche

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6

Sonntag, 18. Februar 2018, 09:38

Liebe Taminos, wieder braucht ihr ein wenig Geduld, bis auch dieser Artikel für uns freigegeben und zum Lesen eingestellt ist. Aber wie heißt es so schön, "Geduld bringt Rosen."
Ja, lieber Hans, und auch ich warte darauf. Deine beiden "Vorankündigungen" machen neugierig!!!

Herzlichst La Roche
Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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7

Sonntag, 18. Februar 2018, 10:05

Ich lasse bereits alle Beziehungen nach Wien spielen, um endlich liefern zu können. Bis Montag wird dies allerdings dauern. Bitte entzieht mir Euer Wohlwollen deshalb nicht.
Vorfreude ist die schönste Freude und nachher wird der Genuss um so köstlicher. :hello: :hail: Hoffentlich?

Herzllichst
Operus
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Sixtus

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8

Sonntag, 18. Februar 2018, 10:41

Keine Bedenken gegen eine Veröffentlichung

Lieber Operus,
ich habe Sieglinde Pfabigan mein placet signalisiert, den Artikel freizugeben. Ihre Reaktion war positiv. Der Text samt Fotos kann also den Forumlesern zum Fraße vorgeworfen werden. Das technische Verfahren des Einstellens überlasse ich jedoch den Kundigen. Noch besser wäre es aber, die Interessierten würden sich diesmal den Merker selber zulegen.
Noch einige Bemerkungen zur Entstehung des Textes:
Ich war mit Frau Pfabigan im Anschluss an das letzte Frick-Treffen in Karlsruhe in der Götterdämmerung. Dort entstand die Idee, den aktuellen Zustand der Opernlandschaft zum Thema eines Leitartikels zu machen. Ich habe mir daran die Zähne ausgebissen und gemerkt, welche inneren Widerstände ich überwinden muss, mich in die Haltung moderner Regisseure zu versetzen, um ihre Arbeit zu persiflieren. Mails gingen hin und her, der Text wurde mehrfach geändert und gekürzt. (Die Fotos sind ohnehin immer von der Redaktion.)
Das Resultat war schließlich, dass unter dem fertigen Artikel hinter meinem Namen noch stand: & Red. Das Ganze, das jetzt hier hochgejubelt wird, war also im Grunde im Ergebnis ein Kompromiss. Wenn es trotzdem Anklang findet, soll es mir recht sein.
Herzliche Grüße von Sixtus

Und jetzt kann ich mich endlich meinem eigenen Thread widmen und meine Versprechungen einlösen!

Rheingold1876

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9

Sonntag, 18. Februar 2018, 10:47

Die Spannung steigt.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

operus

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10

Sonntag, 18. Februar 2018, 11:07

Das Resultat war schließlich, dass unter dem fertigen Artikel hinter meinem Namen noch stand: & Red. Das Ganze, das jetzt hier hochgejubelt wird, war also im Grunde im Ergebnis ein Kompromiss. Wenn es trotzdem Anklang findet, soll es mir recht sein.
Lieber Sixtus,

die besten und weisesten Entscheidungen sind meistens ein gelungener Kompromiss. Hochgejubelt wird von mir überhaupt nichts, das hast Du und Dein Artikel nicht nötig. Unsere Leser werden sich selbst ihr Urteil bilden. Auch Bezüge auf Wagners "Meistersinger" so a la: "Euch macht ihr' s leicht mir macht ihr's schwer gebt ihr mir Armen zu viel Ehr" sind für mich nicht zutreffend, weil der Artikel ist so gut, dass es wirklich nur heißen kann: Das müssen Sie lesen!!!

Herzlichst
Operus
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11

Sonntag, 18. Februar 2018, 11:55

Dann wurde ich böse, weil der Satz völlig aus dem Kontext gerissen ist, meine Zeit also völlig vertan war.. Oder hab ich`s einfach doch nicht verstanden ?


Lieber Damiro,
der Halbsatz birgt soviel ironisches Potential, daß ich, ein hübsches Motto für das Klassikforum suchend, unmöglich daran vorbei konnte. Die Frau Staatsministerin mag es mir nachsehen, wenn ich den Zusammenhang ihrer Äußerungen nicht korrekt erfaßt haben sollte.
Mit bestem Guß!
..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
-- Aydan Özoğuz

Gerhard Wischniewski

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Registrierungsdatum: 7. April 2011

12

Sonntag, 18. Februar 2018, 12:36

Auch ich bin schon sehr gespannt. Dank an Operus, Sixtus und auch Frau Pflabigan. Ich werde mich außerdem bemühen, den "Neuen Merker", den ich bisher noch in keiner hiesigen Zeitschriftenhandlung finden konnte, zu bekommen, für mich die einzig glaubwürdige Musikzeitschrift.

Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

Fiesco

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Registrierungsdatum: 30. August 2017

13

Sonntag, 18. Februar 2018, 13:19

Zitat

GW
für mich die einzig glaubwürdige Musikzeitschrift.
:hahahaha: :hahahaha: :hahahaha:

Schade für dich das du noch keine gute Musikzeitschrift gelesen hast!

LG Fiesco
Il divino Claudio
"Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

Damiro

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14

Dienstag, 20. Februar 2018, 02:33

... jenseits ...

Hallo, Hans Heukenkamp,

nun habe ich mich etwas mehr mit der Vorgeschichte des von dir verwendeten Zitats beschäftigt und muss Frau Özoguz doch eine gewisse Ungeschicklichkeit ihrer Worte bescheinigen, die selbst für mich als Nicht - Philologen ein hohes Potential an ironischer Deutung/ Wirkung besitzen. ;) Andererseits jedoch lehnt sie sich mit ihren Projekten ziemlich weit aus dem Fenster, was für ihre Ziele, nämlich das Kommunalwahlrecht für nicht- deutsche Ausländer zu erreichen aber auch notwendig ist. Wir wissen alle, dass die Diskussion über dieses Recht auch parteiübergreifend ist und vorsichtiger, aber notwendiger Behandlung bedarf. Auch wissen wir, dass Herr Gauland die Dame in einen bestimmtes, ländliches Gebiet bei Hamburg (?) eingeladen und sie aufgefordert hat, dort deutsche Kultur im Detail kennenzulernen. Hinterhältig von dem alten Fuchs...

Da hat sie nun nicht gekniffen und war tatsächlich dort, hat uns das bekannte Zitat geliefert, mehr oder weniger verwurstet. Von der schnöden Politik abgesehen, hat sie schon Courage und Standvermögen, oder ?

Und offensichtlich braucht sie für Spott nicht zu sorgen... :rolleyes:

Im Guten,
und Nachtgruss,
D.

Rheingold1876

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  • »Rheingold1876« ist männlich

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15

Dienstag, 20. Februar 2018, 08:36

Nach diesem jüngsten Eintrag frage ich mal Freund Sixus mit diesem, ihm wohlbekannten Zitat:

"War das Eu'r Lied?" :D
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Sixtus

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16

Dienstag, 20. Februar 2018, 09:26

"Der Teufel hol´s!"
Lieber Rheingold, ich trage für diese Prozedur keine Verantwortung. Ich habe nur meinen Text auf Wunsch von Operus zur Veröffentlichung im Forum freigegeben. Aber "welche Pfade fand er?" Da bin ich selber noch am Suchen.
Aber dank Alfred werden wir ihn schon finden.
In diesem Sinne: "Fanget an!"
Mit bangen Grüßen - Sixtus

operus

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17

Dienstag, 20. Februar 2018, 12:08

"Der Teufel hol´s!"
Lieber Rheingold, ich trage für diese Prozedur keine Verantwortung. Ich habe nur meinen Text auf Wunsch von Operus zur Veröffentlichung im Forum freigegeben. Aber "welche Pfade fand er?" Da bin ich selber noch am Suchen.
Aber dank Alfred werden wir ihn schon finden.
In diesem Sinne: "Fanget an!"
Mit bangen Grüßen - Sixtus
Ja. mein lieber Sixtus, ich sitze selbst schon auf Kohlen, nachdem ich die Spannung aufgebaut und den Erwartungsdruck geschaffen habe. Gestern Abend ging der zweite Artikel der Serie "Das müssen Sie gelesen haben" von Frau Dr. Elena Habermann über die 600. Auführung der Wallmann "Tosca" zu Alfred nach Wien. Der erste Artikel ist vom Autor Sixtus zur Veröffentlichung freigegeben. Alfred sollte bitte nur das O. K. von Frau Dr. Pfabigan einholen, das dürfte jedoch kein Problem darstellen. Obwohl Wien eine wunderschöne Stadt mit unendlichen, weiten Wegen ist und alle Beteiligten viel beschäftigte Promis in der Opernwelt sind, dürfte es sich meiner Schätzung nach, nur noch um Stunden handeln, bis wir den erwarteten Lesestoff verschlingen und dann hoffentlich ausgiebig über die Inhalte diskutieren können.

Herzlichst
Operus,
der schon wie ein Rennpferd (Bild ist geschmeichelt bei meinem Gewicht) mit den Hufen scharrt, um endlich loslegen zu können. :D
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Alfred_Schmidt

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18

Dienstag, 20. Februar 2018, 17:25

So - und nun ist er da, der erste Artikel. Es hat ein wenig gedauert, da ich mir zuerst ein Exemplar des "Neuen Merker" besorgen musste, den es vorzugsweise im Stadtzentrum Wiens (bei MORAWA,Wien Wollzeile) gibt
Dann habe ich den gesamten Text händisch abgetippt......... :( :stumm:

Text von Johannes Schenke ("Sixtus") - erschienen im "Neuen Merker"
mit freundlicher Genehmigung des Autors und Frau Dr. Sieglinde Pfabigan

Zitat


Reflexionen über das zähe Leben in der Oper

In heutiger Zeit ist sie in ihrem Original leider nicht mehr gesellschaftsfähig


So kann es wirklich nicht weitergehen ! Die meisten Opern von wagbner bis Strauß, von Rossini bis Verd und Puccini haben ein Alter con 100-250 Jahren auf dem Buckel. Da liegt es nahe, sich über die Verständlichkeit ihrer Texte und Inhalte Gedanken zu machen, denn vieles läuft für heutige Zuhörer dem aufgeklärten Verständnis von humanem Umgang mit unseren Mitmenschen diametral zuwider und spricht auch allen Prinzipien von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit Hohn.

In diesen heil´gen Hallen/kennt man die Rache nicht: Wirklich ?


Die meisten von uns kennen und lieben Sarastro – und schlucken seine sexistischen und rassistischen Verlautbarungen, wie;
„Gebt dem Ehrenmann sogleich/nur siebenundsiebenzig Sohlenstreich“
oder
„Ein mann nnuß Eure Herzen leiten, denn ohne ihn pfelft jedes Weib aus deinem Wirkungskreis zu schreiten“
Er hat schon seine ganze Umgebung damit verseucht, denn auch sein Personal redet ihm nach dem Munde.
„Ein Weib tut wenig, plaudert viel“
“Bewahret Euch vor Weibertücken“
und „Hinab mit den Weibern zur Hölle“

Was also tun ?

Entweder: Alles Anstössige streichen, Text und Musik ändern….
Oder: Umdenken ! Mozart und Schikaneder waren Freimaurer – im späten 18. Jahrhundert eine wichtige Position für eine Karriere. In diesen Kreisen galten dergleichen Äusserungen keineswegs als anstößig. Wemm wir Schikaneders Figuren, die das Genie Mozart so staunenswert inspiriert haben, unsere moralischen Standards aufkleben, führen wir nicht mehr sein Werk auf sondern allenfalls dessen karikierten Verschnitt. Doch der ist weder anno 1791 noch 2018 heimisch

All´ armi? – No pace !

Besonders das istalienische Opernrepertoire enthält massenweise Stücke, die heute, unter dem Gesichtspunkt einer zeitgemäßen Haltung einem modernen Publikum kaum noch zuzumuten sind.

Da wäre etwa Donizettis schottische Schauergeschichte von der zerbrechlichen Schönheit Lucia, die von ihrem Bruder Enrico auf Schändlichste als Werkzeug missbraucht umd deshalb von ihrem Liebsten Edgardo des Verrats bezichtigt wird
Sie wird zu einer politischen Heirat erpresst, von Edgardo zur Rede gestellt, verfällt sie in Wahnsinn, bringt ihren Bräutigam im Hochzeitsbett um und übersteht gerade noch eine Bravourarie bevor sie ihren wirren Geist aufgibt. Was bleibt dem armen Edgardo übrig, als ihr auf kürzestem Wege, nur verzögert durch eine betörend schmachtende Arie, nachzufolgen (in cielo, wo er sie mit etwas Glück anzutreffen hofftt)???

Dabei hätte das viele Blut überhaupt nicht fließen müssen, hätte man sich rechtzeitig verständigt – oder den Rechtsweg beschritten. Der Bruder hätte sich allerdings eine saftige Strafe eingehandelt, aber der Rest wäre, mit etwas Geld und gutem Willen, gütlich bereinigt worden- Lucia, glücklich mit Edgardo vermählt, hätte sicher regelmäßig ihren Bruder im Gefängnis besucht und sich schließlich mit ihm ausgesöhnt. Ob der Komponist angesichts dieser Manipulationen im Grabe rotiert, lässt sich leider, oder zum Glück, nicht nachprüfen – die besten Musiknummern müssten jedenfalls entfallen.

Auch Giuseppe Verdi. Obwohl vom Ehrgeiz beseelt, die Wahrheit zu erfinden, vergaß in vielen Fällen, einen strengen moralischen Maßstab anzulegen. Beispielsweise bei König Gustav von Schweden, den er mit Mühe (und zu Riccardo geschrumpft) für die Bühne gerettet hat. Er umgibt sich gern mit seinen Freunden, kann aber nicht umhin, sich in die Frau des besten dieser Freunde so heftig zu verlieben, dass er ihr um Mitternacht bis auf den Galgenberg nachschleicht. Der Gatte allerdings auch, aber nur um ihn vor Verschwörern zu retten. Doch Renato muß entdecken, dass er seine Frau mit dem Freund teilt. Immerhin singen die beiden unterm nächtlichen Galgen ein leidenschaftliches Liebesduett. Aber Liebe macht bekanntlich blind. Renato will sie umbringen. Er besinnt sich aber schließlich, doch lieber den Freund bluten zu lassen.

Dabei wäre es doch ein Leichtes gewesen, ihn zu einer ernsten Aussprache unter Freunden zu bewegen. Die Sache hätte mit einem Vergleich enden können, ohne Dolch und Blut – beispielsweise auf einem Maskenball. !! Es gibt sicher genügend brillante Stilisten, die mit subtiler Einfühlung der Musik. Einen ernst zu nehmenden Text unterlegen, der den heutigen rechtsstaatlichen Gepflogenheiten entspricht, und ein musikalisch sensibler Korrepetitor könnte die textlichen Korrekturen elegant der Musik anpassen. Verdi wäre dann auf jeden Fall seiner besten Einfälle beraubt….

HoIho, hoiho-ho-ho, ihr Gibbichsmannen !


Das Bayreuther Festspielhaus wurde von Richard Wagner vor allem geplant und gebaut, um das monströseste Stück des Musiktheaters in die Welt zu setzen. Es dürfte kaum eine anderes Opernwerk geben, das so viele brutale Verbrechen beherbergt, wie Wagners „Ring des Nibelungen“
Der rohe Fafner erschlägt seinen sentimentalen Bruder Fasolt wegen eines simplen Ringes.
Hunding macht Jagd auf seinen Gast Siegmund – und wird kurz darauf von Wotan mit einem Wink ins Jenseits befördert. Schließlich werden wir Zeugen einer veritablen Leichenschau, wenn die 8 Walküren die gefallenen Helden vom Schlachtfeld einsammeln.In der nächsten Generation erschlägt Siegfried zunächst einen Drachen und als Nachtisch auch noch seinen Ziehvater. Aber es kommt noch übler: Hagen sorgt dafür, dass Siegfried und Brünnhilde, zwei Götterkinder, sich miteinander gründlich verfeinden, um eine Handhabe für den Meuchelmord an dem Helden zu bekommen – und, vor allem, den Ring. Dieser Mord findet, generalstabsmäßig geplant. In einer Waldlichtung statt, am Rhein, nahe Worms.
Und um dem allen die Krone aufzusetzen: Den Ring bekommt er trotzdem nicht, weil der tote Held sich auf magische Weise weigert, ihn einem Unwürdigen auszuliefern..
Wie soll man ein solches Konglomerat von abstruser Brutalität einer zivilisierten Lösung zuführen ? Doch sei es immerhin versucht.
Wir konzentrieren die Humanisierung auf den allerletzten Aufzug., um das gigantische Werk zu retten. Siegfried erzählt singend von der Weissagung des Waldvogels. Das ist Hagens Stichwort. Mit den Worten: „Errätst Du auch dieser Raben Geraun? Rache rieten sie mir !“ zielt sein Speer auf den Rücken des Helden. Hier lassen wir Siegfried sich, was ja nahe liegt, nach den Raben umschaun und Hagens Teufelei entdecken. Flink, wie Helden sind, dreht er den Spieß um und streckt den Finsterling nieder. )Das muß ausnahmsweise gestattet sein,führt es doch zum schon verloren geglaubten Happy-End)Leider muß Siegfrieds Sterbegesang hier entfallen. und der folgende Trauermarsch muss an Hagen vergeudet werden, Die Schlussszene erfordert zwar einige kleine Striche und Änderungen, aber für den finalen Triumph müssen Opfer gebracht werden.
Siegfried macht Gutrune die veränderte Situation klar und bewegt sie zum Verzicht auf ihn. Auf den Brand von Walhall verzichten wir, nicht aber auf das Hochwasser des jubelnden Rheins, bei dessen Eindämmung das glückliche Paar tatkräftig Hand anlegt. Ein neues, ein friedliches Land kann erblühen, zur Freude der erlösten Rheintöchter, die endlich ihr Lieblingsspielzeug wieder haben – das Gold, das im sonnigen Rheine glänzt. Schöööön – nicht wahr ? Die 4 Teile der Tetralogie passen dann zwar nicht mehr zusammen, aber was solls ?
Am besten also, man geht nur in die „Götterdämmerung“, da sie ja in der Überarbeitung gut ausgeht. Um Hagen wird ja niemand weinen.
Aber: Die Wagner-Verbände kämen um ihre erfolgreichsten Reisen zu dem „Ringen“ in aller Welt. Keine Walküren würden reiten….kein Feuerzauber würde entbrennen, keinen Drachenkampf könnte man bewundern.
Doch wir wollen den Flickschustern des Theaterbetriebs nicht ganz ihre Arbeit abnehmen.
Schreiten wir also nach den mühevollen Handreichungen zum letzten Arbeitsgang: „Er sinnt und erwägt der Beute Werth“
Wobei sich die Frage erhebt: WER HAT WAS GEWONNEN ?
Sollen wir den Regisseuren ihre Erneuerungsspielchen belassen ?
Dank der Musik ist die Oper ja nicht ganz kaputt zu kriegen !

Johannes Schenke*und Merker Redaktion



*) im Tamino Klassikforum als "Sixtus" bekannt

mfg aus Wien
Alfred

MIT ARBEIT VERSAUT MAN SICH DIE GANZE FREIZEIT

dr.pingel

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Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

19

Dienstag, 20. Februar 2018, 17:32

Sehr lesenswert, aber es gibt auch ein Buch darüber: "Der Ring im Lichte des Strafrechts". Eine Sache macht mir Kopfzerbrechen, weil ich mithilfe einer literarkritischen Analyse glaube, dass der erste größere Absatz von Alfred stammt. Beweis: dieser Absatz enthält die klassische Alfredsche Rechtschreibung, die anderen Teile nicht.
Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

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Registrierungsdatum: 9. August 2004

20

Dienstag, 20. Februar 2018, 18:33

Diesmal umgehe ich die Alfredsche Rechtschreibung -die in Wirklichkeit auf dauerndes Vertippen zurückzuführen ist, imdem ich einfach mit viel MÜhe den Text aus dem PDF Dokument extrahierte (Ich kenne mich mit dem Programm nicht aus und benutze World)

Wieder geht mein Dank an den Neuen Merker und die Autorin , Dr. Elena Habermann für die Freigabe des Tesxtes

Zitat

600 mal Wallmann-„Tosca“ –
60 Jahre jung – Aus dem Blickwinkel einer Statistin


Die Ehrung anlässlich der 600. Aufführung der „Tosca“ in der Inszenierung
von Margarethe Wallmann fand auf offener Bühne statt; Herr
Direktor Meyer stellte einen der Kardinäle des Tedeums vor: Peter
Fiala. Bei der Premiere zu Ostern 1958 mit Renata Tebaldi, Tito Gobbi
und Giuseppe Zampieri anstelle von Giuseppe di Stefano, war er noch
ein sehr junger Ministrant. Am Pult stand damals Herbert von Karajan.
Diese Vorstellung besuchte ich als sehr junge „Stehplatzlerin“. Und natürlich
sehr viele weitere in Folge. Mit vielen wechselnden Besetzungen,
wie etwa zu den Festwochen dann doch mit di Stefano, später Eugenio
Fernandi (weniger geglückt!) einspringend, für di Stefano, der ja gerne
absagte, lernte man auch Roberto Turrini für einen Abend kennen. Die
Darstellerinnen der Diva-Rolle wechselten genauso, wie z. B. die unvergessliche
Antonietta Stella, Leontine Price, Hilde Zadek und Margherita
Roberti. Nach Tito Gobbi übernahm erstmals Walter Berry den
Scarpia, weiters natürlich Hans Hotter, Paul Schöffler, Ettore Bastianini
und Aldo Protti. Insgesamt waren in den 600 Vorstellungen 84 verschiedene
Cavaradossis, 72 Toscas und 62 Scarpias zu hören.
Von 1964 bis 1991 spielte ich fast jede Vorstellung in der Komparserie.
In diesen langen Jahren waren es natürlich verschiedene Rollen. Zuerst
als fast unsichtbare Nonne, später ging ich als Page hinter dem Kardinal
Ludwig Fiala – Vater des jetzigen Kardinals Peter Fiala. Später wurde
ich infolge meiner Körpergröße zum Kind einer englischen Touristenfamilie;
die letzten Jahre verbrachte ich als Bauernmädchen. In diesen langen
Jahren hatte ich noch die Ehre, mit einigen obgenannten „Größen“
auf der Bühne stehen zu können. Allerdings war es auch schön, die Karrieren
der „Jungen“ mitzuverfolgen. Zum Beispiel die Rollendebüts von
Jaime Aragall oder José Carreras. Leonie Rysanek prägte die Titelrolle
für das Wiener Publikum und eigentlich wurde jede Interpretin der Tosca
mit ihr oder an ihr gemessen. Egal, ob das Sena Jurinac war, oder in späterer
Zeit Eva Marton. Auch Renata Scotto versuchte sich an der Rolle.
Das „Assassino!“ zu Scarpia kam von der Rysanek derart unter die Haut
gehend, dass dies zur Schlüsselstelle wurde, auch wenn es einmal keine
gesangliche Glanzleistung war – so ehrlich muss man auch sein. Rysanek
war auch die erste, die das Gebet liegend sang. Toller Effekt!
Rückblick auf die Hoppalas
Jede Menge kleine Pannen waren zu erleben – die vergisst man natürlich.
Wenn das Schießkommando nicht auftritt, ist das eine andere Sache. Da
war kein Aufruf in der Kantine zu hören. Offenbar wurde dieser Knopf
am Regiepult nicht gedrückt. Einmal musste sich Nicola Martinucci
auf der Seitenbühne selbst erwürgen – Montserrat Caballé war die Diva
Tosca und sehr verärgert. Juan Pons, der schon „tote“ Scarpia, lachte sehr!
Das Ganze war natürlich besonders komisch, als der Sergente des Kommandos
den Einsatz zu Cavaradossis Erschießung mit dem Säbel gab und
man nur Trommelwirbel hörte. Mario Cavaradossi war längst zum Suizid
gelaufen, Tosca sang ihre Stellen in die Seitenbühne und rannte dann
nur noch zur Treppe, um sich in die Tiefe – in die Arme zweier Helfer –
zu werfen. Ernste Gesichter gab es auf der Bühne fast keine mehr, bis auf
den aufgebrachten Herrn am Regiepult. Die Komparserie-Kollegen waren
ohne jede Schuld. Die hatten sich nur gewundert, was da so lange bis zum
Auftritt dauert. Als sie von selber, diensteifrig! zum Auftritt kamen, war
alles vorbei. (Ein Glück, dass dies nicht ab 1992 passierte, man hätte es
vielleicht auch gestrichen, wie so vieles ab dieser Zeit) .
Das Lachen verging allen, als die eigene Perücke der großen Galina Wischnewskaja
am Ende des 2. Aktes Feuer fing und die Künstlerin als lebende
Fackel auf der Bühne stand. Der diensthabende Feuerwehrmann raste mit
dem immer bereitstehenden Kübel voll Wasser auf die Bühne, und ebenso
geistesgegenwärtig sprang der bereits tot auf dem Teppich liegende Scarpia,
Kostas Paskalis, auf und warf den Mantel der Tosca-Robe über sie.
Irgendwann fiel der Vorhang und die Aufregung war groß. Der Theaterarzt
war auch sofort zur Stelle, und alles ging zum Glück gut aus. Wie
konnte das passieren? Die Gepflogenheiten der Theater sind unterschiedlich.
In den Theatern der UdSSR war offenes Feuer auf der Bühne nicht
gestattet, die Kostüme und Perücken daher nicht ausreichend bis gar nicht
imprägniert. In Österreich ist alles, Teppich, Vorhänge, Kostüme, Perücken…
feuersicher imprägniert, nur hatte wohl niemand daran gedacht,
dass man der Diva selbstverständlich ihre eigene Perücke bewilligt hatte…
Auch rasche Umbesetzungen gab es während der Vorstellung. Einmal, am
17.1.1966 - das Ende der Karriere von Giuseppe di Stefano zeichnete sich
traurig ab - musste er nach dem 1. Akt von Giuseppe Zampieri ersetzt
werden. Die „Carmen“-Premiere in der Schenk-Inszenierung, die zu dieser
Zeit geprobt wurde, wurde dann von James King gesungen. Viele Jahre
später erlitt Juan Oncina ein ähnliches Schicksal. Er begann schwer indisponiert.
Als der sehr liebenswerte Kollege Jaime Aragall von einer Probe
im Haus kam, übernahm er ab dem 2. Akt die Rolle, hatte natürlich einen
Riesenerfolg, und der Abend war gerettet. Drei Monate vorher hatte Wladimir
Atlantow das gleiche Schicksal ereilt. Der 2. und 3. Akt wurden
von einem Herrn Dimiter Damianow gesungen. Auch Neil Shicoff gab
1992 nach dem 1. Akt auf und wurde durch Keith Ikaia Purdy ersetzt.
Das sind die wirklich markanten Geschichten. Die schwere Verletzung
von Martina Serafin war großes Pech. Der Sprung ist mit Matten gut
gesichert, und es sind auch immer „Fänger“, also Hilfeleistung, zur Stelle.
Die Inszenierung und der Zahn der Zeit
Nun zur Inszenierung. Die Feinheiten der Personenführung, die in der
Premierenserie stattfanden, sind sehr bald verblasst, aber der großartige
Grundriss dieser Arbeit ist voll da, und es lief eigentlich alles immer ohne
Wenn und Aber. Die Gerüche in den Pausen waren ab der Premiere: 1.
Pause Weihrauch, zweite Pause Kerzen und am Ende Schießpulver. Aus
Sicherheitsgründen wurde die Munition für die Gewehre verändert, jetzt
stinkt es nur noch auf der Bühne. Auch die Stearinkerzen scheinen durch
ein anderes Fabrikat ersetzt worden zu sein. Weihrauch gibt es wieder, in
der Sparefroh-Ära Holenders gab es keinen.
Die Inszenierung hatte ein sehr gut geführtes Regiebuch, das heute wahrscheinlich
schon bei den Antiquitäten liegt. In der Direktionszeit Ioan
Holender wurde massiv in Inszenierungen eingegriffen, so auch bei der
„Tosca“. Es wurden einfach Auftritte gestrichen, also gab es in der Kirche
kein Leben mehr, die Prozession wurde stark verkürzt. So toll waren die
Statistengagen ja ohnedies nicht. Auf diese paar „Kröten“ konnte es doch
nicht ankommen. So waren viele Volkskostüme, Kirchengeher oder wie
meine Rolle, eine Besichtigende, plötzlich weg; somit ist die rechte Seite,
wo die Staffelei mit dem Maddalena-Bild und dem Brunnen steht, leer.
Schaut seither eigentlich armselig aus: großes Tedeum und keine Leute!
Frau Wallmann bzw. Karajan wollten auf dieser Seite nur Statisten, weil
sie zum Orchester und Dirigenten nicht gut einsehbar ist. In der Prozession
wurden es weniger kerzentragende (Elektrokerzen) Ministranten, und
die Klosterkinder wurden generell gestrichen. Nun wackelt eine einzige
Nonne, die eine sehr schöne Fahne so trägt, dass man sie nicht sieht, als
würde sie ins Archiv kommen und nicht als Prunkstück zum Fest getragen
werden, über die Bühne. Das Original: Die Fahne wurde gut sichtbar
einer Kindergruppe voran getragen. Die Gruppe bestand aus 24 Ballettkindern,
immer Mädchen; also 12 Paare gingen andächtig hinter ihrer
Nonne her. Das könnte man doch mit ein paar Proben wieder herstellen,
auch die gestrichenen Volksauftritte. Wer für diese Abendregie verantwortlich
war, ist mir unbekannt. Wer widersprach schon Holender?
Schade um die Inszenierung. Der weitere Eingriff ist im 2. Akt, das Kostüm
des Baron Scarpia. Dieses ist viel bequemer als die Uniform, keine
engen Stiefel, sondern angenehme Schuhe.
Außerdem ist völlig klar, dass Scarpia es sich bei seiner Aufriss-Tour oder
auch Nötigungstour auf Tosca bequemer macht, schon bei seinem feinen
Essen mit dem „Vin di Spagna“. Und das in der Dienstuniform…
Das Kostüm ist einfach verschwunden, es wird nicht einmal dem Sänger
angeboten. Vielleicht war ein Bariton einmal zu faul zum Umziehen. Zeit
genug hätte er; außerdem ist das eigentlich auch disziplinlos, genauso wie
schwarzer Bart zu weißer Barockperücke. Aber da riss ein Schlendrian ein,
der vor Holender nicht existierte. Da mussten auch große Namen Bärte
lassen! (Verschwundene Kostümteile tauchen aber manchmal doch wieder
auf. Als Clemens Unterreiner erfuhr, dass Angelotti nicht fein angezogen
aus der Engelsburg geflohen war, sondern einen zerrissenen Umhang
trug, konnte er diesen erfolgreich reklamieren.)
Vielleicht kann man einiges wiederherstellen, was verschwunden ist. Wie
gesagt, es gibt ein gutes Regiebuch. Wer es schrieb, weiß ich nicht, sicher
noch nicht Peter Busse, der später über die Inszenierungen der Karajan-
Ära wachte.
Die Eingriffe in Inszenierungen waren leider in dieser langen Direktionszeit
üblich, von Bohème und Carmen bis zur Favorite. Ich verstehe dieses
Spardenken nicht, wo doch manche Inszenierungen infolge ihrer hässlichen
Untauglichkeit nicht einmal 30 Aufführungen erreichen. Das ärgste
Beispiel ist wohl „Macbeth“ Ich denke da wurde mehr Geld in den Müllschlucker
befördert, denn die Summe diese Komparsengagen beträgt, auf
die Jahre verteilt, wohl nicht einmal 0,5% dieses Geldes.
Schön ist, dass Peter Fiala, der immer ein netter und freundlicher Kollege
war, noch immer mit Freude am Werke ist, und hoffentlich noch lange.
Für Frauen ist es nicht so leicht. vom „schönen Mäderl“ auf „komische
Alte“ zu wechseln.
Der Tosca wünschen wir mindestens noch einmal 100 Jahre! Das Buch der
Rekorde soll dabei aber nicht mitspielen… Eher das Unesco-Kulturerbe!
Elena Habermann




mfg aus Wien
Alfred

MIT ARBEIT VERSAUT MAN SICH DIE GANZE FREIZEIT

operus

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21

Dienstag, 20. Februar 2018, 18:43

Lieber Alfred,

Vergelts Gott, dass Du in mühseliger Kleinarbeit, die Texte beider Artikel abgetippt, extrahiert und entsprechend den Copyright-Regeln lese- und Tamino-gerecht aufbereitet hast :jubel: :jubel: :jubel: . Danke im Namen aller Nutzer für diese Fleissarbeit. Nun bleibt nur zu hoffen, dass die Artikel fleissig gelesen und diskutiert werden.

Herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

Joseph II.

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22

Dienstag, 20. Februar 2018, 18:57

Zitat

In der Direktionszeit Ioan
Holender wurde massiv in Inszenierungen eingegriffen, so auch bei der
„Tosca“. Es wurden einfach Auftritte gestrichen, also gab es in der Kirche
kein Leben mehr, die Prozession wurde stark verkürzt. So toll waren die
Statistengagen ja ohnedies nicht. Auf diese paar „Kröten“ konnte es doch
nicht ankommen. So waren viele Volkskostüme, Kirchengeher oder wie
meine Rolle, eine Besichtigende, plötzlich weg; somit ist die rechte Seite,
wo die Staffelei mit dem Maddalena-Bild und dem Brunnen steht, leer.
Schaut seither eigentlich armselig aus: großes Tedeum und keine Leute!

Das wirft ein bezeichnendes Licht auf diesen oft hochgejubelten Ex-Staatsoperndirektor.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

operus

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23

Dienstag, 20. Februar 2018, 19:49

Nur schade, dass bei beiden Artikeln aus Beachtung der Urheberechte keine Bilder eingestellt werden konnten. Sie waren besonders beim "Tosca" Artikel das Salz in der Suppe. Es lohnt sich, den Neuen Merker 2/18 im Original zu lesen.
Hezrlichst
Operus
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dr.pingel

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24

Dienstag, 20. Februar 2018, 20:31

Lieber Alfred, natürlich weiß ich, dass du in Rechtschreibung fit bist und dich nur vertippst. Denke aber immer daran, dass Dr. Pingel noch Professor werden will, und zwar mit einer Arbeit "Sprachliche Idiosynkrasien und echte Fehler bei Alfred Schmidt".
Noch eins: in meiner Wiener Zeit lief der "Don Carlos" in einer Inszenierung von Margarete Wallmann, die damals, glaube ich, schon hundert war. Die Inszenierung war von 1750. Wir Stehplatzleute vom 5. Rang haben uns schlapp gelacht.
Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

Fiesco

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25

Dienstag, 20. Februar 2018, 20:55

Und wie sieht das beim dr. pingel aus .......

Zitat

Die Inszenierung war von 1750


:hahahaha: :hahahaha: :hahahaha:

LG Fiesco
Il divino Claudio
"Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

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26

Dienstag, 20. Februar 2018, 21:17

Die Inszenierung war von 1750.


Das kann wirklich nicht sein. Die Uraufführung der Oper fand doch erst 1867 statt.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Gerhard Wischniewski

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27

Dienstag, 20. Februar 2018, 22:18

Lieber Alfred,

vielen Dank für das Einstellen der beiden lesenswerten Artikel. Da hat ja Johannes Schenke den Regisseuren des "German trash" wieder einige Anregungen geliefert, wie man verschiedene Opern weiter verunstalten könnte. Nee, nee, lieber Johannes, wie kann man nur!?
Das zweite Beispiel zeigt zwar, wie durch bestimmte menschliche Unzulänglichkeiten Pannen entstehen können, die vom Publikum aber durchaus hinzunehmen sind, aber auch wie durch bewusste Streichungen und Veränderungen in Bild und Kostüm eine wunderbare Inszenierung verschandelt und öder gemacht werden kann.

Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

Sixtus

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28

Dienstag, 20. Februar 2018, 22:38

Ein gemeinsamer Kniefall aller Forianer für Alfred!

Lieber Alfred,
wer hätte ahnen können, dass du diese Arbeit auf dich nimmst. Ich hoffe, wir verneigen uns gemeinsam vor dem erschöpften Tamino-Chef! Die Schuld trifft allein Operus, dem deshalb auch alle in der Eile unterlaufenen Tippfehler zugerechnet werden dürfen.
Jetzt, wo die beiden Texte endlich auf dem Boden der Realität gelandet sind, lässt sicher auch die Spannung wieder nach, und die Kommentare dürfen gesenkten Hauptes entgegengenommen werden. Vorher werde ich hoffentlich einen erquickenden Schlaf finden, um sie gestärkt entgegenzunehmen.
Herzliche Grüße und gute Nacht! Sixtus

Sixtus

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29

Mittwoch, 21. Februar 2018, 12:24

Pausenbeitrag

Die morgendliche Erholungspause hat bei mir eine Erinnerung wachgerufen, die ziemlich heftig zum Text der Jubiläums-Tosca passt:
Bei der am Beginn beschriebenen Premiere dieser Produktion im Jahre 1958 dämmerte mir bei den Namen der Protagonisten: Das hast du doch miterlebt! Und richtig: Bei meiner ersten Wien-Reise (ich war 21) geriet ich unverhofft an die Schlange der Stehplatz-Aspiranten an der Staatsoper. Das Plakat verhieß Tosca unter Karajan, mit Tebaldi, Gobbi und (statt Di Stefano) G.Zampieri. Die Premiere war es nicht, aber es muss eine der folgenden Vorstellungen der Premierenserie gewesen sein.
Ich stellte mich kurz entschlossen dazu. Irgendwann gegen Mittag verteilte jemand Nummernkarten, damit man mal für kurze Zeit die Schlange verlassen und sich dann wieder einreihen konnte. Ich lief zu meinem Hotel, zog mich operngerecht um und eilte, mit Proviant versehen, zurück. Gegen 18 Uhr war Einlass. Jeder bekam nur eine Karte, aber für ein kleines Trinkgeld (5 Schillinge?)
Beim Treppensteigen wurden wir regelmäßig ermahnt: Bitte nicht drängen! Und beim Wettlauf um die besten Stehplätze wurde ich als Neuling chancenlos überrannt. Aber irgendwie fand ich einen Platz mit passabler Sicht zur Bühne, den ich mit einem einigermaßen sauberen Taschentuch sicherte, wie alle.
Die Vorstellung war (in diffuser Erinnerung nach 60 Jahren!) grandios. Die Tebaldi bekam nach ihrer Arie drei Minuten Ovationen. Gobbi war zum Fürchten gut. Am Schluss stand das Haus Kopf.
Diese Tosca hat mir lange die Nachfolgerinnen verleidet, bis in Stuttgart ein Doppelgastspiel geboten wurde: TEBALDI - und G.London! Sowas erlebt man nicht alle Tage - ich habe es immerhin zweimal erlebt.
Das musste ich doch loswerden!
Herzliche Grüße von Sixtus

operus

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30

Mittwoch, 21. Februar 2018, 12:46

Lieber Alfred,
wer hätte ahnen können, dass du diese Arbeit auf dich nimmst. Ich hoffe, wir verneigen uns gemeinsam vor dem erschöpften Tamino-Chef! Die Schuld trifft allein Operus, dem deshalb auch alle in der Eile unterlaufenen Tippfehler zugerechnet werden dürfen.
Jetzt, wo die beiden Texte endlich auf dem Boden der Realität gelandet sind, lässt sicher auch die Spannung wieder nach, und die Kommentare dürfen gesenkten Hauptes entgegengenommen werden. Vorher werde ich hoffentlich einen erquickenden Schlaf finden, um sie gestärkt entgegenzunehmen.
Herzliche Grüße und gute Nacht! Sixtus
Nach Rücksprache mit meinen Anwälten kann ich mit Sicherheit darauf hinweisen, dass ich für Inhalt, Stil und Richtigkeit der von mir gelieferten Artikel in keiner Weise verantwortlich bin. Auch besteht für mich keinerlei Haftung für irgendwelche Schädigungen, die der Leser sich durch das Lesen der im Thread "Das müssen Sie lesen" eingestellten Beiträge zuzieht. Jeder Leser liest auf eigenes Risiko. Hier ist die Rechtslage völlig gesichert. Allerdings gaben mir meine Rechtsberater die Empfehlung, den Titel mit, "Das müssen Sie lesen", nicht so apodiktisch zu formulieren.
Lieber Johannes, diese Rechtsauskunft wird obwohl sie zunächst nur telefonisch gegeben wurde, schätzungsweise 200 bis 300 € kosten. Ist das zu verantworten?
Herzlichst
Hans
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