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Rheingold1876

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  • »Rheingold1876« ist männlich

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91

Sonntag, 18. Februar 2018, 10:45

Genau so ist es! MRR hat es mal wieder auf den Punkt gebracht!


In dieser Zuspitzung ist das ein unschlagbarer Gedanken, der allerdings die unglaubliche Lebensleistung von Wagner etwas unberücksichtigt lässt.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Stimmenliebhaber

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  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

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92

Sonntag, 18. Februar 2018, 11:11

Genau so ist es! MRR hat es mal wieder auf den Punkt gebracht!


In dieser Zuspitzung ist das ein unschlagbarer Gedanken, der allerdings die unglaubliche Lebensleistung von Wagner etwas unberücksichtigt lässt.
Naja, der "Tristan" ist ja schon ein nicht ganz unwesentlicher Teil seiner Lebensleistung und steht sicherlich stellvertretend für alle großen musikdramatischen Werke Wagners.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Rheingold1876

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  • »Rheingold1876« ist männlich

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93

Sonntag, 18. Februar 2018, 11:51

Naja, der "Tristan" ist ja schon ein nicht ganz unwesentlicher Teil seiner Lebensleistung und steht sicherlich stellvertretend für alle großen musikdramatischen Werke Wagners.


Daran besteht nicht der geringste Zweifel, er hat tatsächlich diese Symbolkraft. Ich dachte aber auch an Exil und Verfolgung. Niemand kann sich mehr vorstellen, was das damals bedeutete. Und ich stelle ihn mir in Paris vor, wo er wirklich hungern musste. Der dauernde Schuldenstress. Schließlich hat sich Wagner ein eigenes Theater gebaut. Aus dem Nichts. Trotz des oder der Gönner: Dieses Projekt war eine mörderische Herausforderung. Letztlich lag alles auf seinen Schultern. Das mal ein paar Fakten.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Dr. Holger Kaletha

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  • »Dr. Holger Kaletha« ist männlich

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94

Sonntag, 18. Februar 2018, 11:53

Trotz des oder der Gönner: Dieses Projekt war eine mörderische Herausforderung. Letztlich lag alles auf seinen Schultern. Das mal ein paar Fakten.
Naja, die Schrift über das Judentum hat er ohne Not ein zweites Mal publikumswirksam veröffentlicht (vorher blieb sie schlicht unbeachtet), als es ihm wirtschaftlich sehr gut ging!

Schöne Grüße
Holger

Rheingold1876

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  • »Rheingold1876« ist männlich

Beiträge: 4 694

Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

95

Sonntag, 18. Februar 2018, 12:39

Lieber Holger, das weiß ich. Aber darum ging es nicht.

Manchmal kommt mir die Debatte so vor wie eine Talkshow im deutschen TV mit der Chefin der Linken. Wenn sich zum Beispiel das Thema sehr konkret um die medizinischen Versorgung auf dem Land dreht sagt sie: "Zuerst müssen aber mal die Fluchtursachen beseitigt werden."

Zu Wagners Antisemitismus ist alles gesagt. Ich bin aber gern bereit, es mir immer und immer wieder hersagen zu lassen. Auch, weil ich Deutscher bin, gern Deutscher bin und an der entsetzlichen Last der Vernichtung von Juden leide. Auf Wagner bezogen, wird dessen Hass auf Juden aber nicht dadurch noch schlimmer, dass man die Vorwürfe wiederholt wie am ersten Tag. Vielmehr interessiert mich, warum es Antisemitismus in sehr unterschiedlicher Ausprägung gab und warum die Deutschen mit den entsetzlichen Konsequenzen dazu neigten. Gegen Luther zum Beispiel war Wagner fast schon eine Judendfreund. Das macht Wagner in dieser Sache nicht sauber, aber es ist eine Tatsache.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Gerhard Wischniewski

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  • »Gerhard Wischniewski« ist männlich

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96

Sonntag, 18. Februar 2018, 13:23

Zitat

Zitat von LaRoche: Ich weiß, daß er ein Idiot war, aber das ändert nichts an der Großartigkeit seiner Kunst.
Lieber La Roche,

ich finde auch, dass das vielleicht ein wenig hoch gegriffen ist, aber er war charakterlich gesehen ein völlig unausgegorener Mensch, während seine Werke genau das Gegenteil sind. Auf eine Bekanntschaft mit Wagner hätte ich verzichten können, auf seine Werke nicht.
Was den Antisemitismus Wagners betrifft, so wird das nach meiner Sicht doch deswegen maßlos hochgeschaukelt, weil er von den Nazis, mit denen ja nie etwas zu tun hatte (er starb, bevor die Missgeburt des dritten Reiches aufkam), für ihre Zwecke missbraucht wurde und fast jedermann betet diese Parolen gedankenlos nach, man will es nur aus der Nachkriegszeit und den Erfahrungen mit den Nazis heraus sehen, die wenigsten interessiert, in welcher Zeit und aus welchen Umfeld solche Schriften und Werke entstanden sind. Marcel Reich Ranicki schreibt u.a. (in Bezug auf die "Meistersinger gesehen):

Zitat

Die Deutschtümelei und das nationale Pathos (Anm: das ja auch von den Nazis weidlich ausgeschlachtet wurde) sind immanente Bestandteile des Werks. Vergessen wir nicht, aus welcher Zeit es stammt: nicht aus den Jahren nach 1848, sondern kurz vor 1871. Der Traum der deutschen Einheit erschien damals in greifbarer Nähe. Das macht den Nationalismus nicht sympathischer, aber doch verständlicher. Jedenfalls kann ich Adorno nicht folgen, wenn er meint, man solle < in exponiert nationalistischen Stellen wie die Schlussansprache des Sachs > eingreifen. Auf welche Weise? Weglassen? Kürzen? Umdichten? In Polen hat man 1958 in einer Aufführung des <Prinzen von Homburg> die letzte Zeile ("In Staub mit allen Feinden Brandenburgs" gestrichen. Das scheint mir begreiflich, aber nicht nachahmenswert zu sein. Man sollte sich wohl eher an Thomas Mann halten, der nicht nur vom <Hitler> in Wagner sprach, sondern auch betonte, dass es unerlaubt sei, <Wagners nationalistischen Gesten und Anreden den heutigen Sinn zu unterlegen - denjenigen, den sie heute hätten>
Ich sehe das ähnlich: Wagner war, nach allem, was man heute von ihm weiß, menschlich gesehen völlig unsympathisch. Das kann man jedoch nicht auf seine unsterblichen Werke übertragen.

Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
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Beiträge: 19 093

Registrierungsdatum: 9. August 2004

97

Sonntag, 18. Februar 2018, 13:39

Im Prinzip sollte man mit Werturteilen über Wagner - so sie nicht musikalischer Art sind - IMO eher zurückhaltend sein.

Und das was jetzt kommt ist nicht von einem "Wagner-Vereherer" geschrieben - denn ich ziehe Mozart, Verdi und Belcanto, sowie die deutsche Spielopert und auch die französische - gegenüber Wagner vor.

Es lässt sich aber nicht leugnen daß er eine Reihe einander ergänzender Vorzüge besaß die es ermöglichen, daß seine Opern - zu denen er auch noch die Libretti selbst verfasst hat - sich eisern auf den Opernbühnen halten

Daß er auf dem Höhepunkt seines Ruhms ein absoluter Mittelpunkt der Gesellschaft war und in gewisser Weise sogar über seinen Tod hinaus
Er besass offensichtlich ausgezeichnete Marketing-Fähigkeiten, war in gewisser Weise ein hervorragender Manager seiner selbst und ist bis heute im Gespräch. Eine polarisierende Perönlichkeit, schillernd und scheinbar interessant bis weit über den Tod hinaus.
Das musste ich auch 2013 Feststelen im "Jubiläumsjahr von Verdi und Wagner" wo hier im Forum wesentlich mehr Wortmeldungen zu Wagner zu verzeichnen waren als zu Verdi.
Ja nicht mal die hässlichsten RT-Inszenierungen vermochten die allgemeine Beliebtheit Wagners auch nur annähernd in Frage zu stellen. Er ist - ob das nun jemandem gefällt oder nicht - eine unzerstörbare Ikone der Musikgeschichte.

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Amfortas08

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  • »Amfortas08« ist männlich

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Registrierungsdatum: 4. Juni 2008

98

Sonntag, 18. Februar 2018, 15:05

Im Prinzip sollte man mit Werturteilen über Wagner - so sie nicht musikalischer Art sind - IMO eher zurückhaltend sein.
Warum ? Sollten etwa diejenigen, die auf Wagners Werke stehen, sich bloß eine Art Wager-Popanz zusammennageln, den sie dann verehren können ?

Ein paar sehr kleine Kostproben von Wagners Antisemitismus:

Als 1871 ein gesamtdeutsches Staatsgesetz im Kaiserreich Juden als bürgerlich formal gleichberechtigt bestimmte, wendete sich Wagner schroff dagegen in einem Vergleich, wie etwa wenn Schwarze in Mexiko durch einen Rechtitel sich für Weiße halten dürften.

Herman Levi wollte nicht mehr den Parifal dirigieren, weil Wagner ihn fortlaufend demütigte und ihn versuchte zur Taufe zu nötigen, mit der Begründung, dass Juden die Tempelszenen im Parsifal entweihen.
Letztlich scheiterten Wagners Bemühungen Levi von den Festspielen rauszueckeln an der Intervention Ludwig II., der das Münchener Hoforchester mit Levi oder überhaupt nicht zu den Festspielen schicken wollte. Und Ludwig II verwarf ausdrücklich Wagners Antisemitismus/Rassismus.

Dr. Holger Kaletha

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  • »Dr. Holger Kaletha« ist männlich

Beiträge: 7 088

Registrierungsdatum: 2. Februar 2008

99

Sonntag, 18. Februar 2018, 21:36

Manchmal kommt mir die Debatte so vor wie eine Talkshow im deutschen TV mit der Chefin der Linken. Wenn sich zum Beispiel das Thema sehr konkret um die medizinischen Versorgung auf dem Land dreht sagt sie: "Zuerst müssen aber mal die Fluchtursachen beseitigt werden."
Lieber Rüdiger,

von einer Linken-Chefin würde ich erwarten, dass sie darauf hinweist, dass die Flüchtlinge die eklatanten Versäumnisse der letzten Jahrzehnte offenlegen, die systemischer (im Falle der medizinischen Versorgung) und politischer Natur sind. Z.B. wurden die in 60igern und 70igern gebauten Sozialwohnungen alle in Eigentumswohnungen umgewandelt und keine neuen gebaut. Das rächt sich nun bitter in der jetzigen Situation.
Auf Wagner bezogen, wird dessen Hass auf Juden aber nicht dadurch noch schlimmer, dass man die Vorwürfe wiederholt wie am ersten Tag.
Das Problem ist bei Wagner natürlich die Wirkungsgeschichte und dass er sich mit Bayreuth eine "Institution" für seine Musik und Weltanschauung geschaffen hat, die leider diese widerliche Seite seines Wesens gepflegt hat. Ich glaube, wenn es Bayreuth nicht gäbe, würde Wagners Antisemitismus bei weitem nicht diese Resonanz haben. Für einen Philosophen beunruhigend ist zudem die deutsche Eigenart um nicht zu sagen Unart in dem Bedürfnis, einer Banalität wie dem Antisemitismus eine "höhere Weihe" glauben geben zu müssen, hinter dem Banalen also etwas vermeintlich Tiefsinniges zu entdecken. Das Haarsträubende an Wagners Schrift finde ich, dass der Text gar nicht platt polemisch ist, sondern einen "ernsten" pseudo-wissenschaftlichen, fast schon vornehmen Ton hat, der Seriosität suggeriert. Er versucht allen Ernstes eine "ästhetische" Begründung des Antisemitismus. Da sehe ich die Parallele zu Martin Heidegger, der eine hoch philosophische "seinsgeschichtliche" Begründung seines Antisemitismus glaubte geben zu können. (Das ist die aktuelle Diskussion über die "Schwarzen Hefte", die im Moment große Wellen schlägt). Diese Art von "Überhöhung" der Niederungen des Antisemitismus ist natürlich unerträglich, aber leider eine Tradition des deutschen Denkens und eine ziemlich unangenehme und beunruhigende. Deshalb habe ich in meinem Kopf, diese Wagner-Schrift mal philosophisch "auseinanderzunehmen", das Problem also nicht nur historisch zu betrachten.
Vielmehr interessiert mich, warum es Antisemitismus in sehr unterschiedlicher Ausprägung gab und warum die Deutschen mit den entsetzlichen Konsequenzen dazu neigten.
Da finde ich führt immer noch kein Weg an Hannah Arendt vorbei. Sie zeigt im ersten Band von Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft ("Antisemitismus"), dass der im 19. Jhd. entstehende Antisemitismus weniger religiöse als politische Ursprünge hat. Falls Du das Buch nicht schon gelesen hast, meine unbedingte Empfehlung. Das ist eine schier unerschöpfliche Quelle, wo man wirklich sehr vieles erst richtig versteht:



:hello:

Schöne Grüße
Holger

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

  • »operus« ist männlich

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100

Montag, 19. Februar 2018, 11:26

Falls Du das Buch nicht schon gelesen hast, meine unbedingte Empfehlung. Das ist eine schier unerschöpfliche Quelle, wo man wirklich sehr vieles erst richtig versteht:
Auch ich werde es lesen, lieber Holger.
Herzichst
Operus

Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

101

Montag, 19. Februar 2018, 11:45

Der erste Satz (von dem zuvor in diesem thread irgendwo erwähntem Kollo-Buch) fängt ja schon klasse an: "Wie jeder wirklich gute Deutsche bin ich auch ein kritischer Geist." Und dann: Der Ring ist Zusammenfassung und Höhepunkt von 5000 Jahren Kulturgeschichte.

Sport lässt Menschen besser aussehen - Wein aber auch.

MSchenk

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  • »MSchenk« ist männlich

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102

Montag, 19. Februar 2018, 11:54

Der erste Satz (von dem zuvor in diesem thread irgendwo erwähntem Kollo-Buch) fängt ja schon klasse an: "Wie jeder wirklich gute Deutsche bin ich auch ein kritischer Geist." Und dann: Der Ring ist Zusammenfassung und Höhepunkt von 5000 Jahren Kulturgeschichte.
Na ja, als "wirklich guter Deutscher" denkt man eben nicht nur kritisch, sondern auch groß ... :untertauch:
mfG Michael

Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

Justin

Profi

  • »Justin« ist männlich

Beiträge: 387

Registrierungsdatum: 15. November 2017

103

Montag, 19. Februar 2018, 12:20

Zitat

Na ja, als "wirklich guter Deutscher" denkt man eben nicht nur kritisch, sondern auch groß ...
Das Wörtchen "selbstkr...." fehlt total. Auffällig Oder?

VG
Justin
Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne. (Unbekannt)

La Roche

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104

Montag, 19. Februar 2018, 14:09

Das Wörtchen "selbstkr...." fehlt total. Auffällig Oder?
Politiker machen es uns ja vor. Sprichwort: "Wie der Herre, so das Gescherre (Geschirre reimt sich nicht, aber Gescherre ist sächsisch/thüringisch synonym)"

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


Dr. Holger Kaletha

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105

Dienstag, 20. Februar 2018, 21:44

Auch ich werde es lesen, lieber Holger.
Das wirst Du ganz sicher nicht bereuen, lieber Operus. :hello:

Schöne Grüße
Holger

Rheingold1876

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106

Dienstag, 20. Februar 2018, 21:48

"Wie jeder wirklich gute Deutsche bin ich auch ein kritischer Geist." *


Steht das da wirklich? Schwarz auf weiß? So, dass nicht zu zweifeln ist?

* Bezogen auf das Wagner-Buch von René Kollo.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Gerhard Wischniewski

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  • »Gerhard Wischniewski« ist männlich

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107

Dienstag, 20. Februar 2018, 22:35

Zitat

Zitat von Rheingold: Steht das da wirklich? Schwarz auf weiß? So, dass nicht zu zweifeln ist?
Ja, lieber Rheingold, so steht es da wortwörtlich. Aber ich sehe keinen Grund, warum man sich nun daran aufhängt und darüber so aufregt. Das Zitat ist wieder einmal - wie vielfach - aus dem Zusammenhang gerissen. Wie Kollo das genau meint und worum es ihm geht, versteht man, wenn man das gesamte Vorwort zu seinem Buch gelesen hat, was ich bei all den einseitigen Erörterungen und dem unreflektierten Nachschwätzen der einmal in die Welt gesetzten negativen Parolen über Wagners Antisemitismus dringend empfehle. Aus dem Einleitungssatz auf des ganze Buch zu schließen oder daraus wieder alles in Negative zu verdrehen, halte ich nun doch für äußerst lächerlich.

Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
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Stimmenliebhaber

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108

Dienstag, 20. Februar 2018, 22:48

dem Nachschwätzen der einmal in die Welt gesetzten negativen Parolen über Wagners Antisemitismus dringend empfehle.
:no: :no: :no: :no: :no:

Wer hat denn die "negativen Parolen über Wagners Antisemitismus" "einmal in die Welt gesetzt"? Bzw. befürwortest du statt negativer lieber "positive Parolen über Wagners Antisemitismus"?

Weißt du, wer Wagners Antisemitismus in die Welt gesetzt hat? Niemand anders als Wagner selbst!

https://de.wikisource.org/wiki/Das_Juden…der_Musik_(1869)

Bitte lesen und dann über den eigenen Satz nochmal nachdenken! (Es ist übrigens die zweite Fassung von 1869, die Wagner unter eigenem Namen publiziert hat!)
Die Wiederlichkeiten kulminieren in dem Satz, gerichtet an die Juden selbst:

Zitat

Aber bedenkt, daß nur Eines eure Erlösung von dem auf euch lastenden Fluche sein kann: die Erlösung Ahasvers, – der Untergang!
Angesichts dieses nachweislich von Wagner geschriebenen Aufsatzes und dieses nachwieslich von ihm darin geschriebenen noch einmal extra zitierten Satzes kann ich über deinen Satz nur den Kopf schütteln!
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Rheingold1876

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Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

109

Dienstag, 20. Februar 2018, 22:51

Lieber Gerhard, ich wollte nichts verdrehen. Ich frage mich nur, was einen "guten Deutschen" kennzeichnet und warum sich der Autor als solchen sieht. Weiter nichts. Im übrigen habe ich in Büchern und Geschichten immer den ersten und den letzten Satz am liebsten. Den ersten Satz kann man noch gar nicht aus einem Zusammenhang lösen, denn er hat ja noch keinen. Es gibt sehr berühmte erste Sätze.

Ansonsten aber beziehe ich meine Erkenntnisse und Infromationen über Wager aus seriösen Quellen.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

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MSchenk

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110

Mittwoch, 21. Februar 2018, 00:44

Aus dem Einleitungssatz auf des ganze Buch zu schließen oder daraus wieder alles in Negative zu verdrehen, halte ich nun doch für äußerst lächerlich.
Ja, genau! - Das ist ungefähr so, als würde ich anhand eines Bildes oder Photos usw. usf. ...
mfG Michael

Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

Joseph II.

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Registrierungsdatum: 29. März 2005

111

Mittwoch, 21. Februar 2018, 01:05

"Wie jeder wirklich gute Deutsche bin ich auch ein kritischer Geist." *


Steht das da wirklich? Schwarz auf weiß? So, dass nicht zu zweifeln ist?

* Bezogen auf das Wagner-Buch von René Kollo.

Diesen Satz halte ich auch für äußerst unglücklich gewählt.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

112

Mittwoch, 21. Februar 2018, 08:45

"Wie jeder wirklich gute Deutsche bin ich auch ein kritischer Geist." *


Steht das da wirklich? Schwarz auf weiß? So, dass nicht zu zweifeln ist?

* Bezogen auf das Wagner-Buch von René Kollo.


Man kann auf amazon (klick aufs cover) kopfschüttelnd (zum Beispiel über den lächerlichen und völlig unnötigen Seitenhieb auf das Wort Kritik mit seinen undeutschen Wurzeln) eine Leseprobe der ersten paar Seiten machen. Und dabei den Eindruck gewinnen, dass das Buch vielleicht nicht unbedingt intellektuell-stringent geschrieben ist.
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Rheingold1876

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113

Mittwoch, 21. Februar 2018, 08:55

Danke.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

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operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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Registrierungsdatum: 14. Mai 2008

114

Mittwoch, 21. Februar 2018, 09:27

Man kann auf amazon (klick aufs cover) kopfschüttelnd (zum Beispiel über den lächerlichen und völlig unnötigen Seitenhieb auf das Wort Kritik mit seinen undeutschen Wurzeln) eine Leseprobe der ersten paar Seiten machen. Und dabei den Eindruck gewinnen, dass das Buch vielleicht nicht unbedingt intellektuell-stringent geschrieben ist
Wie motivierend und erhebend, dass wir Leser, Konsumenten und Kritiker selbstverständlich das intellektuelle Niveau für uns in Anspruch nehmen, so ein Urteil über einen renommierten Sänger fällen zu können. Ich würde mir ein solches Urteil nicht zutrauen, wenn ich nur die ersten Seiten eines Buches gelesen hätte. Kurz nach dem Erscheinen dieses Buches diskutierten wir beim Künstlertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft anhand von Leseproben über den Inhalt. Auch hier gab es eine kontroverse Diskussion. René Kollo erwies sich in der Diskussion jedoch als eloquenter, schlagfertiger und seine Aussagen gut begründender Diskussionspartner. Nach diesem Erlebnis empfand ich bei dem schreibenden Tenor Sachverstand, Kompetenz und Intelligenz. Allerdings nicht unbedingt Distanz und Neutralität zum behandelten Thema. Die finde ich allerdings hier im Forum auch bei den Taminofreunden nicht, die gegen Bernd Weikl, Marie Louise Gilles und René Kollo und ihre Aussagen argumentieren. Aus meiner Sicht wird ebenfalls für eine bereits bestehende Meinung, einen verankerten Glaubenssatz mit Zähnen und Klauen gekämpft. Kommen wir so zu einem Diskussionsergebnis?

Herzlichst
Operus
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115

Mittwoch, 21. Februar 2018, 09:39

Ich habe nichts grundsätzliches gegen Kollo, der einen sympathischen Facebookauftritt hat übrigens, und der zur Verfügung stehende Textausschnitt seines Wagner-Buchs hat auch noch gar nichts mit "Regietheater" zu tun, bitte mir daher keine Zähne und Klauen im Dienste der Regietheatermafia unterstellen. Ich finde es schade, denn er tut sich mit diesem schludrigen Buch keinen Gefallen.
Sport lässt Menschen besser aussehen - Wein aber auch.

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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Registrierungsdatum: 14. Mai 2008

116

Mittwoch, 21. Februar 2018, 11:03

Ich habe nichts grundsätzliches gegen Kollo, der einen sympathischen Facebookauftritt hat übrigens, und der zur Verfügung stehende Textausschnitt seines Wagner-Buchs hat auch noch gar nichts mit "Regietheater" zu tun, bitte mir daher keine Zähne und Klauen im Dienste der Regietheatermafia unterstellen. Ich finde es schade, denn er tut sich mit diesem schludrigen Buch keinen Gefallen.
Lieber Johannes,

ich setze mich in diesem Forum unter anderem für Ausgleich, Harmonie, kollegial wertschätzende Diskussionen und Forumsfrieden ein. Deshalb unterstelle ich Dir auch keinerlei Parteilichkeit. Ich würde auch nicht von Regietheatermafia sprechen, sondern von Tamino-Kollegen, die ihre Sicht zur aktuellen Opernsituation mit höchstem Nachdruck vertreten. Druck erzeugt bekanntlich Gegendruck, deshalb schlagen die Regietheaterfreunde mit ähnlicher Intensität und Härte zurück. Wir geraten dadurch in eine Spirale der Eskalation und haben deshalb die ewigen, unlösbaren und unsäglichen Auseinandersetzungen. Das einzig Positive was ich daran erkennen kann ist, das alle letztlich die Liebe zur Oper dennoch eint! :hello:

Herzlichst
Operus



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117

Mittwoch, 21. Februar 2018, 11:13

schön gesagt

:hello:
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Gerhard Wischniewski

Prägender Forenuser

  • »Gerhard Wischniewski« ist männlich

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118

Mittwoch, 21. Februar 2018, 18:37

Zitat

Zitat vom MSchenk: Das ist ungefähr so, als würde ich anhand eines Bildes oder Photos usw. usf. ...
Lieber Michael,

du verwechselst Äpfel mit Birnen!
Dieser Einleitungssatz von Kollo wird bereits in nachfolgenden Satz näher erläutert: wie es viele sehen, ist die Eigenschaft der Deutschen deren Gründlichkeit. Es wird alles kritisch hinterfragt und das ist die liebste Beschäftigung vieler. Kollo zählt sich auch dazu und ich schließe mich da auch nicht aus, was ich auch bei vielen Teilnehmern hier feststellen kann. Das ist durchaus keine negative Eigenschaft, wenn sie eine Sache von allen Seiten beleuchtet. Sie kann aber auch durch Beeinflussung zu einer sehr einseitigen Betrachtung führen.
Ich habe das Glück gehabt, mit Herrn Kollo einen langen Nachmittag zu diskutieren und kann nur unterstreichen, was Operus schon gesagt hat, dass er ein „eloquenter, schlagfertiger und seine Aussagen gut begründender Diskussionspartner“ ist.
In der Diskussion mit ihm war übrigens keine Rede von diesem Buch (das habe ich erst später kennengelernt), sondern wir haben allgemein über die miserablen Inszenierungen an deutschen Opernbühnen gesprochen.
In dem Buch geht es aber nicht um das Regisseurstheater, sondern um Wagner selbst, wobei seine Antisemitismusschrift nicht ausgespart und auch nicht gut geheißen wird. Sie wird allerdings auch aus der Zeit und dem Umfeld Wagners und aus seinem spontanen Charakter heraus beleuchtet, der leider viele seiner unausgegorenen Gedanken sofort veröffentlichen ließ.
Wagner wird aber von den meisten nur noch, wegen des Missbrauchs durch die Nazis und aus reinen Gesichtspunkten unserer Zeit völlig einseitig betrachtet.
Im Forum gibt es auch manche Nichtfachleute, die glauben, mehr zu wissen und zu begreifen als Leute vom Fach und daher sich erlauben, diese Fachleute herabzuwürdigen, ja sogar zu beleidigen, wie hier Bernd Weikl, Frau Prof Gilles und auch Renè Kollo.
Mir wurde hier auch schon zum Vorwurf gemacht, dass ich kürzlich in meiner Signatur einen Satz Verdis ohne Zusammenhang zitiert habe, aber keiner der Kritiker konnte glaubhaft beweisen, dass er im Zusammenhang anders gemeint war, als er ausgesprochen wurde. Bei Kollo aber ist im Zusammenhang sofort erkennbar, wie der Satz, über den hier ein Aufruhr erzeugt wird, wirklich gemeint ist.
Ich habe meine Signatur inzwischen durch einen Satz Wagners mit ähnlicher Aussage ersetzt, über den sich nun einige Erbsenzähler wieder aufregen dürfen und werde künftig auch weiterhin solche Aussagen in meiner Signatur verwenden.
Natürlich kann man eine Aussage – wie hier schon öfter geschehen – in eine andere Richtung verdrehen, indem man wichtige Teile davon unterschlägt.
Anders ist das mit den Bildern (Nicht zu Unrecht heißt es: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte):
Wenn ich auf Bildern oder kurzen Ausschnitten sehe, dass
- in einer Geschichte, die im alten Rom, Ägypten oder im Mittelalter spielt, die Protagonisten mit modernen Klamotten aus dem Altkeidercontainer auftreten,
- bei Julius Caesar (44 v. Chr.) Panzer auffahren und Soldaten mit Stahlhelm und Maschinengewehr auf der Bühne herumspringen,
- Brünhilde als Walküre ein Steckenpferd herumschwenkt,
- Siegfried in einer Scheune in Bermudas sein Schwert auf einer alten Waschmaschine zurecht hämmert,
- Tannhäuser in einem Biogasbehälter agiert, auf dem „Wartburg“ steht,
- Rigoletto auf dem Planet der Affen spielt,
- der fliegende Holländer oder Carmen jetzt im Irrenhaus gelandet sind,
- Lohengrin mit Ratten verkehrt,
usw. usw. (es sind hier im Forum reichlich Beispiele aufgeführt)
Wenn ich höre,
- „Gott, welch Dunkel hier“ und sehe dazu einen hellerleuchteten Raum mit verzierten weißen Wänden
- „Ein Schwert verhieß mir der Vater“, aber im Baum steckt ein Maschinengewehr,
dann erkenne ich - und viele andere mit mir – daraus sehr eindeutig, dass es sich hier wieder um eine Verunstaltung eines geliebten Meisterwerks handelt, das ich mir nicht antun will.
Erst heute erzählte mir ein Mann aus der Nachbarschaft, den ich bisher nur von Sehen und Grüßen kannte, dass er vor ein paar Jahren im Theater ein bekanntes Stück so entstellt gesehen habe, dass er den Saal angewidert verlassen habe und seitdem kein Theater mehr betrete. Leider gebe es auch im Fernsehen nur ganz selten einmal ein vernünftig inszeniertes Stück, und das nicht zu normalen Zeiten, sondern meist nur noch in der Nacht.

Liebe Grüße
Gerhard

Zitat


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Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

Joseph II.

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Mittwoch, 21. Februar 2018, 18:45

Fast noch "besser" ist ja, was Kollo kurz danach schreibt:

"[...] Richard Wagner, der angeblich so viel politisch Anfechtbares gesagt und geschrieben haben soll."

Angeblich? Das hat er doch sogar im Alter neu aufgelegt. Ich verweise in diesem Zusammenhang nochmal auf "Das Judenthum in der Musik" (1869), bei Wikisource im Volltext abrufbar.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Hosenrolle1

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Mittwoch, 21. Februar 2018, 19:04

Fast noch "besser" ist ja, was Kollo kurz danach schreibt:

"[...] Richard Wagner, der angeblich so viel politisch Anfechtbares gesagt und geschrieben haben soll."

Ja, da merkt man, dass Kollo wirklich "vom Fach" ist :D



LG,
Hosenrolle1
Keine Sorge, ich bin Arzt. Ihre spektakulären Brüste interessieren mich nicht.
(Dr. Gregory House)

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