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WoKa

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1

Freitag, 1. Dezember 2017, 18:21

Der Kammermusik-Kanon Teil III: Mehrstimmige Besetzungen ohne Klavier

Hallo!

Es folgt der dritte Streich... Mehrstimmige Besetzungen ohne Klavier (ausgenommen Streichquartette)

Wieder habe ich zunächst aus den "Vor-Threads", die irgendwann angefangen aber nicht zu Ende gebracht wurden, die Werke zusammengestellt, die dort erwähnt waren.

Bitte benennt mir Werke, die aus Eurer Sicht

a) nichts in der Liste zu suchen haben oder
b) noch aufgenommen werden sollten.

Vor Kurzem habe ich mich mit lutgra über den Begriff des Kanons unterhalten. Meine Vorstellung für diese Zusammenstellungen entspricht der Antwort auf die Frage, welche Werke man kennen sollte, um die Entwicklung der Kammermusik in ihren wichtigsten Stufen kennen zu lernen.

Hier also die Zusammenstellung:

Dowland Lauten- und Consortmusik
Praetorius Terpsichore
Gibbons Fantasien für Gamben-Consort
Schein Banchetto musicale
Purcell Musik für Gambenconsort

Mozart Bläserquintett KV 452
Mozart Divertimento KV 563
Danzi Bläserquintette
Beethoven Bearbeitung seiner 2. Sinfonie für Streichtrio op. 36
Beethoven Streichtrios op. 9
Schubert Streichquintett C-Dur
Schubert Oktet
Mendelssohn Oktett
Brahms Streichsextett Nr. 1
Saint Saens Septett
Nielsen Bläserquintett

Schönberg Bläserquintett
Schönberg Streichtrio op. 45
Schönberg Streichsextett op. 4 ("Verklärte Nacht")
Strawinsky L'Histoire du soldat
Webern Konzert für 9 Instrumente op. 24
Webern Streichtrio op. 20
Hindemith Kleine Kammermusik für Fünf Bläser
Krenek Streichtrio op. 237
Francaix Streichtrio
Ligeti Bagatellen für Bläserquintett
Lachenmann Streichtrio
Reich Four Organs

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

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2

Freitag, 1. Dezember 2017, 19:30

Hallo!

Es folgt der dritte Streich... Mehrstimmige Besetzungen ohne Klavier (ausgenommen Streichquartette)

Wieder habe ich zunächst aus den "Vor-Threads", die irgendwann angefangen aber nicht zu Ende gebracht wurden, die Werke zusammengestellt, die dort erwähnt waren.

Bitte benennt mir Werke, die aus Eurer Sicht

a) nichts in der Liste zu suchen haben oder
b) noch aufgenommen werden sollten.

Vor Kurzem habe ich mich mit lutgra über den Begriff des Kanons unterhalten. Meine Vorstellung für diese Zusammenstellungen entspricht der Antwort auf die Frage, welche Werke man kennen sollte, um die Entwicklung der Kammermusik in ihren wichtigsten Stufen kennen zu lernen.

Hier also die Zusammenstellung:

Dowland Lauten- und Consortmusik
Praetorius Terpsichore
Gibbons Fantasien für Gamben-Consort
Schein Banchetto musicale
Purcell Musik für Gambenconsort

Ob man drei englische Consortmusiken braucht?

Zitat


Mozart Bläserquintett KV 452

Das ist mit Klavier; alternativ: Klarinettenquintett KV 581

Zitat


Danzi Bläserquintette

In den Top 1000 vielleicht, nicht Top 100, Eine Auswahl der Quintette von Reicha vielleicht in den Top 100

Zitat


Beethoven Bearbeitung seiner 2. Sinfonie für Streichtrio op. 36

Für Klaviertrio, daher streichen

Zitat


Brahms Streichsextett Nr. 1

Besser Sextett Nr. 2 op.36
+ Quintett op.88
+ Klarinettenquintett op.115

+ Reger: Klarinettenquintett, Streichsextett

Kinderstück

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3

Freitag, 1. Dezember 2017, 19:31

Beethovens eigene Bearbeitung seiner 2. Sinfonie ist für Klaviertrio, und in Weberns op. 24 ist auch ein Klavier dabei.

WoKa

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4

Samstag, 2. Dezember 2017, 01:01

Hallo!

Danke an Euch beide - das hätte ich auch erkennen können :untertauch: .

Gleichzeitig ist mit den Vorschlägen bereits ein Teil dessen eingebunden, was ich mir auch überlegt hatte (Klarinettenquintette).

Folgende weiteren Werke könnten im Kanon Platz finden:

Gabrieli Sonate für drei Violinen
Bruch Streichquintett
Mendelssohn Streichquintett op. 87
Tschaikowsky Souvenirs de Florence (Sextett)
Mozart Hornquintett KV 407
Beethoven Septett
Schubert Streichquintett D 956
Schubert Oktett D 803

Was meinen die Fachleute?

Gruß WoKa
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Victor Hugo

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5

Freitag, 29. Dezember 2017, 15:46

Hallo1

In den nächsten Tagen habe ich frei. Das heißt, ich werde den Kanon weiter bringen. Anregungen sind willkommen.

Gruß WoKa
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Victor Hugo

WoKa

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6

Samstag, 17. Februar 2018, 01:47

Der Kammermusik-Kanon Teil III: Mehrstimmige Besetzungen ohne Klavier

Teil 1: Von Dowland bis Mozart


Dowland, John (1563 – 1626)

Lauten- und Consortmusik

Der Engländer Dowland war Europas erster Virtuose auf der Laute, zu einer Zeit, als dieses Instrument als das vornehmste überhaupt galt. Und so beschränkt sich sein Oeuvre auf Lautenstücke, Lieder mit Lautenbegleitung und Musik für Consort, d. h. ein vierstimmiges Ensemble aus beliebigen Instrumenten, meist aber Gamben.

Praetorius, Michael (1571-1621)

Terpsichore

Terpsichore ist eine Sammlung von Tänzen. Sie enthält 312 größtenteils französische Tänze und wurde 1612 in Wolfenbüttel herausgegeben. Terpsichore ist in der griechischen Mythologie die Muse des Tanzes.

Schein, Johannes Hermann (1586 – 1630)

Banchetto musicale

Am berühmtesten von den Werken von Johannes Hermann Schein war seine Sammlung von Instrumentalmusik, das Banchetto musicale (Musikalisches Bankett) aus dem Jahre 1617, das 20 verschiedene Variantensuiten enthält; sie gehören zu den frühesten und vollkommensten Vertretern der Form. Wahrscheinlich wurden sie als Abendmusik für die Höfe von Weißenfels und Weimar komponiert und sollten auf Gamben gespielt werden.

Purcell, Henry (1659 – 1695)

Fantasien für Gambenconsort

Purcell Gambenconsort

Sie sind gewissermaßen Relikte der musikalischen Renaissance-Zeit, jene Fantasien für Gamben-Consort von Henry Purcell. In dem Miteinander gleichartiger Instrumente und ihrer streng polyphon-kontrapunktischen Anlage hängen diese Kompositionen einem Klangideal nach, das noch im 16. Jahrhundert die europäische Musik beherrschte. Dabei sind sie im Jahre 1680 komponiert, in einer Zeit, da die Viola da Gamba bereits im Wesentlichen von der Violine verdrängt war, in einer Zeit, wo die expressive Melodielinie über einem Generalbass mehr Raum für affekthaftes Ausleben in der Musik bot.

Mozart, Wolfgang Amadeus (1756 - 1791)

Klarinettenquintett KV 581

Mozart Klarinettenquintett

Das Klarinettenquintett begeistert schon beim ersten Hören durch seinen puren klanglichen und melodischen Zauber. Es bestätigt in jedem Takt den „unerhörten Reiz von Mozarts Melodie und seine Grazi“, wie es Richard Strauss nannte. Dabei birgt es aber unter der Oberfläche “melancholischer Heiterkeit” die “ganze Skala des Ausdrucks menschlichen Empfindens”, um ein weiteres Strauss-Wort zu zitieren. Dur-Gesang wird durch Moll-Eintrübungen gebrochen (zweites Thema des ersten Satzes); die stille Abgeklärtheit der Themen ist von untergründiger Trauer durchzogen (Larghetto); Volkstümlichkeit grenzt unmittelbar an erhabene Einfalt und stille Größe (Menuett und Finale). Diese Verschmelzung von Heiterkeit und sanfter Trauer ergab sich für Mozart aus dem Zusammenspiel von Klarinette und Streichern beinahe von selbst.

Divertimento KV 563

Man kann es auch leicht übersehen; selbst unter Kammermusikfans ist das Divertimento für Streichtrio ein Geheimtipp. Ja, es wirkt fast wie eine bewusste Tarnung, dass Mozart für ein derart experimentelles Stück den Titel Divertimento wählt - so als hätte er hier bloß ein bisschen angenehme Hintergrund-Musik für irgendwelche tafelnde Adelige zusammengestellt. Natürlich kann man diese Musik auch mit halbem Ohr hören, auch dann ist sie wunderschön, auch dann funktioniert sie. Aber man kann eben auch die übrige Welt ausblenden und nichts tun als zuhören, so aufmerksam, so oft und so genau man will – die einzige Grenze dabei ist, dass das Stück, auch wenn man alles um sich herum glücklich vergessen hat, nach einer knappen Dreiviertelstunde zuende ist - leider.

Hornquintett KV 407

Mozarts Freundschaft zu Ignaz Leutgeb verdanken wir nicht nur drei seiner Hornkonzerte – auch der Solopart zu diesem ungewöhnlichen Kammermusikwerk ist dem Hornvirtuosen auf den Leib geschrieben. Statt mit zwei Violinen ist das begleitende Streichquartett mit zwei Bratschen besetzt, was dem dunklen, warmen Timbre des Horns entgegenkommt und dem Werk eine einzigartige Klangwirkung verleiht. Anklänge an Motive aus der „Entführung aus dem Serail“ lassen eine zeitliche Nähe zur Entstehung dieses Singspiels vermuten.
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Victor Hugo

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7

Samstag, 17. Februar 2018, 01:55

Der Kammermusik-Kanon Teil III: Mehrstimmige Besetzungen ohne Klavier

Teil 2: Von Beethoven bis Brahms


Beethoven, Ludwig van (1770 – 1827)

Streichtrios op. 9

Beethoven Streichtrios I
Beethoven Streichtrios II

Die drei Werke, 1796-98 komponiert und im Juli 1798 veröffentlicht, zählen zu den bedeutendsten Frühwerken des Komponisten, wie schon die Beethoven-Biographie von Thayer/Riemann vermerkt. “Keins von den bisherigen Werken kann sich an Schönheit und Neuheit der Erfindung, Geschmack der Ausführung, Behandlung der Instrumente usw. mit diesen Trios messen; sie überragen im Ganzen sogar auch die bald nachher erschienenen Quartette (op. 18).” Die Überzeugung, auf einem neuen Niveau des eigenen kompositorischen Vermögens angelangt zu sein, spricht sowohl aus der Musik der Trios - gleichsam in jedem Takt mit der schon dem jungen Beethoven eigenen Emphase – als auch aus der Widmung an den irischen Grafen von Browne.

Septett op. 20

Ludwig van Beethoven hat sich am Ende seines Lebens von einigen seiner früheren Werke distanziert. Insbesondere der Ruhm seines Septetts, op. 20, scheint ihm lästig geworden zu sein. Laut seinem Schüler Carl Czerny konnte er das Werk “nicht leiden und ärgerte sich über den Beifall, den es erhielt,” was die Zeitgenossen verwunderte: “Es ist sonderbar, dass Beethoven gerade dieses Werk für eines seiner wenigstgelungenen erklärt haben soll. Denn obwohl in der Anlage etwas breit, ist es doch unendlich viel reicher an wahren Schönheiten, als manche seiner spätern Werke”, schrieb ein Kritiker noch 1826. Tatsächlich ist der Erfolg dem Septett von der Uraufführung im Jahr 1800 bis heute treu geblieben. Sein berühmtester Bewunderer war Franz Schubert, der sein eigenes Oktett in enger Anlehnung an Beethovens Werk komponierte.

Schubert, Franz (1797 – 1828)

Streichquintett C-Dur D 956

"Franz Schubert ist seit Jahren eine der beglückendsten Erscheinungen für mich", schrieb der Komponist Ernst Krenek 1928 in einer Schubert-Umfrage, die die Vossische Zeitung zu Schuberts 100. Todestag veranstaltete. Sein Streichquintett gilt zurecht nicht nur als eines der bedeutendsten Werke Schuberts, sondern der Kammermusikliteratur überhaupt. Ungewöhnlich ist die Besetzung: die meisten Streichquintette (etwa Mozart und Beethoven) verdoppeln die Bratschen, Schubert entscheidet sich für zwei Celli. Eines davon übernimmt die Funktion des Fundaments, das andere klettert oft hoch hinauf in die Tenorlage, wo es die schönsten Melodien singen darf (besonders im wunderbaren zweiten Satz spürt man den begnadeten Liedkomponisten Schubert, wenn die beiden Celli gemeinsam in seligen Terzen schwelgen). Die Anzahl der Sätze – vier – entspricht dem Üblichen, die Dimensionen dagegen – gut 50 Minuten – sprengen den Rahmen. Schuberts musikalische Themen entfalten eine starke Eigendynamik, bilden ganze Formteile und weiten sich zu großen Gesangsszenen aus.

Oktett D 803

Schubert Oktett

Vorbild für die Komposition war Beethovens Septett op. 20, dessen Divertimento-Ton und sechsteilige Anlage Schubert übernahm, wobei er die Besetzung lediglich um eine 2. Violine erweiterte. In einem Brief zählte er sein Oktett zu den Kammermusikwerken, mit denen er sich „den Weg zur großen Sinfonie“ bahnen wolle. Ob die Komposition von Ferdinand Graf Troyer, der in Wien einen musikalischen Salon führte und selbst Klarinette spielte, in Auftrag gegeben wurde, lässt sich nicht mehr nachweisen. Fest steht lediglich, dass Schubert Anfang 1824 das Werk innerhalb weniger Wochen niederschrieb und es kurze Zeit später bei Troyer aufführen ließ. Heute gehört es zu den populärsten groß besetzten Kammermusikwerken.

Mendelssohn-Bartholdy, Felix (1809 – 1847)

Streichoktett Es-Dur op. 20

Mendelssohn Streichoktett

Kaum zu glauben, dass Mendelssohn noch keine 17 war, als er dieses durch und durch zauberhafte Oktett komponierte!
„Wolkenflug und Nebelflor
erhellen sich von oben.
Luft im Laub und Wind im Rohr;
Und alles ist zerstoben.“
Diese Verse aus Goethes "Faust" inspirierten den 16-jährigen Felix Mendelssohn zum quecksilbrig-luftigen Scherzo seines Oktetts. Mendelssohns Schwester Fanny schreibt dazu: "Das ganze Stück wird staccato und pianissimo vorgetragen, die einzelnen Tremulando-Schauer, die leicht aufblitzenden Pralltriller, alles ist neu, fremd und doch so ansprechend, so befreundet, man fühlt sich so nahe der Geisterwelt, so leicht in die Lüfte gehoben, ja man möchte selbst einen Besenstil zur Hand nehmen, der luftigen Schar besser zu folgen. Am Schlusse flattert die erste Geige federleicht auf – und alles ist zerstoben."

Streichquintett B-Dur op. 87

Mendelssohn Streichquintett

Das herrliche zweite Streichquintett von Felix Mendelssohn verdanken wir seiner Freundschaft mit dem Leipziger Konzertmeister Ferdinand David und einem idyllischen Sommerurlaub, den der Komponist 1845 an den Hängen des Taunus in Bad Soden verlebte.
Seit seiner Heirat mit der Frankfurterin Cécile Jeanrenaud verbrachte er die schöne Jahreszeit gerne in den Hügeln des idyllischen Ortes, wo er auch 1844 sein Violinkonzert vollendete. Zwischen diesem berühmten Konzert und dem weit seltener gespielten Quintett besteht insofern eine enge Beziehung, als beide Werke für Ferdinand David komponiert wurden. Nicht nur die Themen der beiden ersten Sätze sind einander ähnlich; die erste Geigenstimme des Quintetts scheint insgesamt in ihrem virtuosen Gestus konzerthaft behandelt. Dies war der ausdrückliche Wunsch Davids, der bei seinem Dirigenten im Januar 1844 ein Kammermusikstück in stilo moltissimo concertissimo angefordert hatte.

Brahms, Johannes (1833 – 1897)

Streichsextett Nr. 2 G-Dur op. 36

Brahms Streichsextette

Die ersten Werke reiner Streicher-Kammermusik, die Johannes Brahms veröffentlichte, waren seine beiden Streichsextette, op. 18 und 36. Obwohl die Verleger anfangs skeptisch waren, ob sich Werke dieser exotischen Besetzung verkaufen würden, wurden sie rasch zu einem Verlagserfolg und verhalfen Brahms – neben dem Deutschen Requiem und den Ungarischen Tänzen – zum Durchbruch. Das G-Dur-Sextett, op. 36 (1864/65), ist von beiden Sextetten das kammermusikalischere. Während in op. 18 orchestrales Tutti und Oberstimmenmelodik vorherrschen, ist der Klang in op. 36 fein abgestuft und kontrapunktisch aufgelockert. So wird das Thema des Kopfsatzes mit seinen charakteristischen Quintsprüngen fast 100 Takte lang im piano von Instrument zu Instrument weitergereicht, bis das erste Tutti im forte einsetzt. Im gesamten Satz bleiben dieser durchsichtige Klang und der dezente Tonfall erhalten – trotz großartiger Steigerungen in Durchführung und Reprise.

Streichquintett F-Dur op. 88

Brahms Streichquintett

Die beiden Streichquintette von Johannes Brahms, F-Dur, op. 88, und G-Dur, op. 111, gehören in die späteren Schaffensjahre des Komponisten. Sie wurden 1882 bzw. 1890 in Bad Ischl komponiert und sollen von der idyllischen Alpenlandschaft dieses Ortes inspiriert sein. Brahms selbst nannte sein F-Dur-Quintett “ein Frühlingsprodukt”. Selbst der hartnäckigste Kritiker des Komponisten in Wien, der junge Hugo Wolf, streckte vor dem Charme dieses Werkes die Waffen. Er meinte, mit dem Erklingen des ersten Satzes gelange man “in eine freie, sonnige Aue, worin sichs an der Hand des kundigen Komponisten gar herrlich erging”.

Klarinettenquintett h-moll op. 115
Brahms Klarinettenquintett

Das Klarinettenquintett in h-Moll op. 115 besteht aus 4 Sätzen und wurde im Jahre 1891 von Johannes Brahms komponiert. Obwohl er nach dem 2. Streichquintett op. 111 seine Tätigkeit als Komponist für vollendet betrachtet hatte, schrieb er ein gutes Jahr später ein Klarinettentrio sowie dieses Klarinettenquintett, was daran lag, dass er kurz zuvor den Klarinettisten der Meininger Hofkapelle, Richard Mühlfeld gehört hatte. Brahms widmete ihm das Quintett. Es ist wie folgt besetzt: 2 Violinen, 1 Viola, 1 Violoncello, 1 Klarinette. Im Durchschnitt dauert eine Aufführung 37 Minuten. Bei der privaten Uraufführung am 24. November 1891 spielte Mühlfeld selbst die Klarinettenstimme, wobei er vom Joachim-Quartett begleitet wurde. Am 12. Dezember 1891 fand die öffentliche Erstaufführung im Saal der Berliner Singakademie statt, bei welcher die gleiche Besetzung wie am 24. November spielte.
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Victor Hugo

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8

Samstag, 17. Februar 2018, 02:02

Der Kammermusik-Kanon Teil III: Mehrstimmige Besetzungen ohne Klavier

Teil 3: Von Bruch bis Reich

Bruch, Max (1838 – 1920)


Streichquintett a-moll

Gegen Ende seines Lebens wandte sich Max Bruch noch einmal unvermittelt der Kammermusik zu. In den Jahren 1918 bis 1920 komponierte er zwei Quintette sowie ein Oktett für Streicher. Die Kompositionen wurden nicht veröffentlicht. Während des Zweiten Weltkrieges erhielt der Verleger Rudolf Eichmann alle drei Manuskripte zur Aufbewahrung. Die Autographen gingen verloren, doch hatte Bruchs Schwiegertochter Gertrude Kopien angefertigt.

Tschaikowsky, Peter (1840 – 1893)

Souvenirs de Florence (Sextett) op. 70

Tschaikowsky entwarf das Sextett 1890 während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Florenz, wo auch seine Oper Pique Dame entstand. Fertiggestellt wurde es erst nach mehreren Überarbeitungen, die Tschaikowsky Anfang 1892 im russischen Klin abschloss. In diesem Jahr feierte das Sextett schließlich Premiere. Tschaikowsky widmete das Werk der St. Petersburger Gesellschaft für Kammermusik, die ihn kurz zuvor zu einem Ehrenmitglied ernannt hatte. Das Sextett gehört zu Tschaikowskis heiteren, lebensbejahenden Werken, das auf die positive Wirkung seines Erholungsurlaubs in Florenz zurückgeführt wird.

Nielsen, Carl (1865 – 1931)

Bläserquintett op. 43

Das Bläserquintett aus dem Jahr 1922 ist Nielsens letztes Kammermusikwerk und ein Werk der Reifezeit. Es „verdankt seine Entstehung der Inspiration durch Mozart, wobei es letztlich ein Zufall war, dass Nielsen ausgerechnet an jenem Herbstabend 1921 bei seinen Freunden vom Kopenhagener Bläserquintett anrief, als diese Mozarts Quintett für Klavier und Bläser probten. Da Mozart Nielsens Lieblingskomponist war, machte er sich auf, um bei der Probe zuzuhören. Wenige Monate später hatte er sein Bläserquintett vollendet.“ (Villa Musica). Nielsen über sein Werk: "… hier hat der Komponist versucht, den verschiedenen Instrumenten Charakter zu verleihen. Sie reden bald wie aus einem Munde, bald durcheinander und bald jedes für sich."

Reger, Max (1873 – 1916)

Klarinettenquintett A-Dur

Es ist Max Regers Schwanengesang, das Klarinettenquintett in A-Dur. 1916 wurde es uraufgeführt, im Jahr, in dem Max Reger starb, gerade mal 42-jährig. Und: es ist ein kompliziertes, hochemotionales Stück Musik, das in seiner Vielschichtigkeit vielleicht das erste postmoderne Opus überhaupt ist.
Streichsextett., Zur Herkunft seines Stils meinte Reger, die “Musikluft” im Deutschland der Jahrhundertwende sei von “Wagner geschwängert” worden, also von “Chromatik und Enharmonik” in “sauerstoffhaltiger Menge”. Solche Merkmale verrät auch das Streichsextett F-Dur aus dem Jahre 1910, das andererseits schon auf die eher unbeschwerten, heiter kraftvollen Spätwerke des Meisters vorausweist.

Schönberg, Arnold (1874 – 1951)


Bläserquintett op. 26

Das Bläserquintett op. 26 wurde in einem der für den Komponisten schwersten Jahre begonnen und einem seiner glücklichsten vollendet. Als Schönberg am 14. April 1923 die ersten Gedanken für das neue Werk zu Papier brachte, waren Pläne für einen gemeinsam mit seiner Familie in Traunkirchen (Oberösterreich) zu verbringenden Sommerurlaub bereits geschmiedet. Als Schönberg am 1. Juni 1923 in seinem seit 1907 bevorzugten Badeort eintraf, befand sich bereits der am Vorabend vollendete erste Satz des Quintetts in seinem Gepäck, auf dessen Manuskript er geschrieben hatte: „Ich glaube, Goethe müßte ganz zufrieden mit mir sein.“

Der Sommer in Traunkirchen brachte nicht nur die sehr intensive Beschäftigung mit der Partitur des Bläserquintetts und einer großen Zahl von theoretischen und historischen Betrachtungen, sondern wurde auch durch die ernsthafte Erkrankung seiner Frau Mathilde getrübt. Im September musste sie zurück nach Wien in ein Sanatorium gebracht werden, die Arbeit am Bläserquintett wurde unterbrochen. Mathilde Schönberg verstarb am 18. Oktober 1923 im Beisein ihres Mannes. Schönberg konnte nach den ersten Monaten des Verlustes und der Neuordnung seines Lebens den Faden zu dem Werk nicht mehr finden und nahm die Arbeit erst im folgenden Sommer wieder auf. Seit dem Frühjahr hatte er eine intensive Freundschaft zu Gertrud Kolisch, Schwester seines Schülers, des Geigers Rudolf Kolisch gepflegt, die bald zu einer Liebesbeziehung werden sollte. Arnold Schönberg und Gertrud Kolisch heirateten am 28. August 1924, einen Tag, nachdem das Bläserquintett, das seinem Enkelsohn „Bubi“ Arnold gewidmet ist, vollendet wurde.

Streichtrio op. 45

Das Streichtrio, op. 45, ist jenes Werk, in dem der Komponist die Grenzerfahrung seines Herzinfarkts musikalisch verarbeitete. Dem befreundeten Schriftsteller Thomas Mann gestand er, das Stück stelle seine Krankheit und die ärztliche Behandlung dar, dem Komponisten Hanns Eisler zeigte er bestimmte Akkorde, die Injektionen darstellen sollten. So spieltechnisch schwierig das Stück ist, so schwierig ist das Trio auch für den Hörer. Die extreme Dichte der musikalischen Verläufe in einem einzigen Satz von 20 Minuten Länge, die komplizierte Rhythmik und Melodik, verbunden mit der streng zwölftönigen Kompositionsweise, machen das Werk bis heute zu einem äußerst selten gespielten, ja geradezu gefürchteten Werk des Repertoire

Streichsextett

Schoenberg Verklöärte Nacht

Schönberg komponierte das Werk im Herbst 1899 während eines Ferienaufenthalts mit seinem Kompositionslehrer Alexander von Zemlinsky und dessen Schwester Mathilde (die er 1901 heiraten sollte) im niederösterreichischen Payerbach. Laut Autograph war die Komposition am 1. Dezember 1899 abgeschlossen. Programmatische Vorlage dieser ersten größeren, mit Opuszahlen versehenen Komposition Schönbergs bildet das Gedicht „Verklärte Nacht“ aus der 1896 veröffentlichten Sammlung „Weib und Welt“ des Dichters Richard Dehmel.

Strawinsky, Igor (1882 – 1971)

L'Histoire du soldat

Stravinsky L´Histoire du Soldat

Der Schweizer Ramuz war es, der Strawinsky vorschlug, “mit möglichst geringen Mitteln eine Wanderbühne zu gründen, die man leicht von Ort zu Ort schaffen und auch in ganz kleinen Lokalen vorführen kann.” Es war eine aus der Kriegsnot geborene Idee, die darauf abzielte, fern des Wagner-Pathos ein “Gesamtkunstwerk en miniature” zu schaffen - für sieben Instrumentalisten, drei Schauspieler und eine Tänzerin. In fast brechtscher Knappheit wird das Märchen erzählt, man spürt allenthalben den Zeitgeist. Die Uraufführung fand unter der Leitung von Ernest Ansermet im September 1918 im Théâtre Municipal de Lausanne statt. Der Pakt zwischen Mensch und Teufel, ein altes Lieblingsthema des Volkstheaters von den Wanderbühnen bis zum Puppenspiel, wurde von Strawinsky und Ramuz noch ganz in der ursprünglichen, schlicht-volkstümlichen Weise erzählt. Die Handlung ist einfach in drei Szenen strukturiert. Die Musik folgt ihr illustrierend, karikierend. Dabei gewinnt die Geige symbolische Bedeutung. Sie ist nicht nur das Instrument das Soldaten, sondern zugleich das Symbol für seine Seele. Beides verkauft er an den Teufel, um in den Besitz eines Zauberbuchs zu gelangen.

Webern, Anton (1883 – 1945)

Konzert für 9 Instrumente op. 24

Das Konzert opl. 24 ist eine Zwölftonkompositionen Konzert für neun Instrumente: Flöte , Oboe , Klarinette , Horn , Trompete , Posaune , Violine , Viola und Klavier in drei Sätzen. In den Worten von Luigi Dallapiccola : "Ein Werk von unglaublicher Prägnanz ... und von einzigartiger Konzentration... Obwohl ich das Werk nicht vollständig verstand, hatte ich das Gefühl, eine ästhetische und stilistische Einheit zu finden, so gut ich es mir wünsche für. [Prag, 5. September 1935] ".

Streichtrio op. 20

Nach 13 Jahren wandte sich Webern mit diesem 1927 vollendeten Streichtrio wieder der Komposition größerer Instrumentalwerke zu. Webern steht hier vor dem Problem, ohne die Hilfe Zusammenhang stiftender Texte Musik komponieren zu wollen, die über die Aneinanderreihung von Kurzmotiven oder athematischen Floskeln hinaus die Gestaltung eines größeren musikalischen Ablaufs sinnvoll ermöglicht. Um dies erreichen zu können, verbindet Webern seine elaborierte dodekaphone Kompositionstechnik mit tradierten Formmodellen der klassisch-romantischen Musik.

Hindemith, Paul (1895 – 1963)

Kleine Kammermusik für Fünf Bläser op. 24 Nr. 2

Hindemith komponierte seine Kleine Kammermusik für fünf Bläser 1922 für die Frankfurter Bläser-Kammermusikvereinigung, eines der ersten Bläserquintette in Deutschland. Eine Vorstudie zu diesem mehrsätzigen Bläserquintett findet sich im dritten Satz der 1921 komponierten Kammermusik Nr. 1 für 24 Instrumente. Dieser “großen Kammermusik” steht hier gleichsam die “Kleine Kammermusik” gegenüber. Die beiden Werke gehören als op. 24 Nr. 1 und 2 zusammen, doch greift die “kleine” den provokanten Tonfall ihrer größeren Schwester nicht auf. Beiden Werken gemeinsam ist der Versuch, für den Begriff “Kammermusik” eine neue Definition zu finden, die sich von der spätromantischen Ausdrucksmusik befreit.

Krenek, Ernst (1900 – 1991)

Streichtrio op. 237

Francaix, Jean (1912 – 1997)

Streichtrio

Als neoklassizistisches Werk unterhaltenden Charakters schließt das Streichtrio von Jean Françaix aus dem Jahre 1933 nahtlos an die Wiener Werke zu Beginn unseres Programms an. Françaix wurde 1912 in Le Mans geboren. “Meine Eltern – und ganz besonders meine Mutter, ein wahrer Diktator am Klavier – führten mich mit sanfter Gewalt in das Reglement dieses ehrenwerten Instruments ein, auf dem ich 1930 am Pariser Konservatorium einen 1. Preis in der Klasse von Isidor Philippe errang. In dieser Zeit versuchte Nadia Boulanger vergeblich, mir Harmonie und Kontrapunkt beizubringen, erreichte aber bei mir ein Gespür für Form – was heute kaum mehr zählt.” Eben dieses Formverständnis verrät auch das Streichtrio, das Françaix in seiner Studienzeit bei Boulanger für das Pasquier Trio komponierte, und das von diesem über tausendmal (!) in Konzerten gespielt wurde. Die Rahmensätze – ein Allegretto vivo und ein veritables Rondo – weisen motorisch-tänzerische Züge auf und bestechen durch Eleganz der Faktur. Die Binnensätze sind den subtileren Klangwirkungen vorbehalten.


Ligeti, György (1923 – 2006)

Bagatellen für Bläserquintett

Diese sechs Stücke waren ursprünglich Teil einer Sammlung von 12 Bagatellen, die zwischen 1951 und 1953 für Klavier komponiert wurden. Im Jahr 1953 transkribierte Ligeti sechs der Bagatellen für ein Bläserquintett, das aus Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott bestand. Mit Ausnahme der zweiten und fünften Bagatellen sind dies schnelle, temperamentvolle kleine Stücke. Sie spiegeln Ligetis ökonomischen Ansatz bei der Komposition wider, da eine minimale Anzahl von Noten für maximale Wirkung verwendet wird. Die Bagatellen sind oft strukturell spärlich, wobei die meisten Noten entweder staccato oder stark akzentuiert sind, um eine kühle, aber eindringliche Musik zu erzeugen. Die Dynamik ändert sich häufig, manchmal mehrmals in jedem Takt, und die Instrumente werden oft dazu aufgefordert, gedämpft zu spielen und jedem Stück verschiedene Farben hinzuzufügen. Ligetis

Lachenmann, Helmut (*1935)

Streichtrio

Reich, Steve (*1936)

Four Organs

Die vier Orgeln legen harmonisch einen dominierenden elften Akkord (E-D-E-F ♯ -G ♯ -A-B) dar und sezieren den Akkord, indem sie nacheinander Stücke davon spielen, während der Akkord von einer einzelnen Achtelnote langsam anwächst. Ein kontinuierlicher Maraca- Beat dient als rhythmischer Rahmen. Für die Aufführung des Stückes empfahl Reich, elektronische Orgeln mit möglichst einfachen Farben und ohne Vibrato zu verwenden, um zu vermeiden, dass der Klang des Instruments von den harmonischen und rhythmischen Aspekten des Stückes ablenkt.
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

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