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Stimmenliebhaber

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121

Dienstag, 14. November 2017, 16:43

Christel Goltz - Schlussszene der Salome (1948) - Höreindrücke

Ich mache es dieses Mal nicht so detailliert beschreibend, sondern stelle mir selbst Fragen, die ich mir dann mit Ja oder Nein zu beantworten versuche, um dann zu versuchen, meine gegebene Antwort auch noch zu begründen:

Klingt Christel Goltz als Salome für mich wie eine Teenager-Kindfrau, welche ja die Rolle nunmal ist? Nein. (Da gibt gab andere, voran Inga Nielsen, die meinem diesbezüglichen Salome-Ideal weit näher kamen, auch Ljuba Welitsch klingt für mich als Salome jugendlicher und sinnlicher als Christel Goltz, die doch als Salome irgendwie erstaunlich erwachsen, reif und streng klingt.)

Klingt die Sängerin expressionistisch und ausrucksstark genug, um den Charakter der Rolle bzw. der Handlungssituation stimmlich auszudrücken? Ja. (Ich finde, sie erfüllt ihre Rolle in dieser Beispielszene trotz nicht immer vorhandener Jugendlichkeit in der Stimme hervorragend.)

Bin ich mit der gebotenen Textverständlichkeit zufrieden? Ja! (Für eine Sopranistin in diesem Fach geradezu vorbildlich. In der Höhe versteht man natürlich nicht jedes Wort, aber das liegt in der Natur des Stimmfaches.)

Blühen die Höhen genug auf, als dass mich diese Lage besonders anspricht? Jein. (Manchmal ja, aber nicht immer, manchmal kommen mir die Höhen recht streng vor.)

Spricht mich die Mittelage der Stimme klanglich an? Ja. (Die Stimme klingt sehr direkt und präsent, ohne unangenehm zu sein.)

Kommt die Tiefe überzeugend? Ja. (zum Beispiel bei "aber du bist tot" oder "das Geheimnis des Todes")

Kommt die Zerrissenheit der Rolle in der eingestellten Szene zur Geltung, vermittelt sie emotional die Rollensituation? Ja. (Für mich entsteht hier rein akustisch ein Rollenerlebnis.)

Kann sich die Stimme gegenüber dem Orchester behaupten? Ja. (Allerdings klingt dieses in dieser Youtube-Version auch recht zurückgenommen und nicht so emanzipiert, wie man das in dieser Szene eigentlich erwartet.)

Singt die Sängerin an den dazu prädestinierten Stellen ein frei schwebendes Piano? Nein. (Nicht nur bei "geheimnisvolle Musik" ist mir persönlich der Klang nicht frei genug, sondern zu eng und gespresst).

Sind die dramatischen Ausbrüche mühelos und klanglich weit ausschwingend, oder unangenehm forciert? Jein. An einigen Stellen stößt die eher schlanke Stimme schon an Grenzen und schwingt nicht weit aus, an anderen Stellen (insbesondere auf Vokal "i") klingen die Spitzentöne allerdings wunderbar frisch und jugendlich.

Phrasiert die Sängerin gut, kann sie große Bögen singen? Ja.

Fazit: Für mich eine sehr überzeugende Interpretation, auch wenn einige Wünsche offen bleiben. Mein persönliches Ideal bleibt doch Ljuba Welitsch in dem MET-Mitschnitt mit Herbert Janssen unter Fritz Reiner. Dennoch ziehe ich den Hut vor der Leistung, die Frau Goltz als Salome hier erbringt.

Und nun bin ich gespannt, welche Eindrücke andere haben, ob sie meine Eindrücke teilen oder ganz andere Hörempfindungen haben.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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La Roche

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122

Dienstag, 14. November 2017, 17:33

Lieber Stimmenliebhaber,

leider gehören wir alle einer Generation an, die weder Ljuba Welitsch noch Christel Goltz live auf der Bühne erlebt haben. Ich kann nur den Berichten meiner leider schon verstorbenen Schwiegermutter glauben, die bis zur Bombennacht in Dresden lebte und Stammgast der Semperoper war.

Für sie gab es keine bessere Salome als Christel Goltz, und sie stützte ihre Meinung darauf, daß sie nicht nur eine hervorragende Sängerin war, sondern ihr die Salome wie auf den Leib geschrieben war. Du weißt, daß sie eine Ballettausbildung hatte, und das wußte sie wohl im "Schleiertanz" ausgezeichnet einzusetzen. Bei ihren Erzählungen darüber (und auch über Sänger wie Maria Cebotari, Kurt Böhme uva. ) hingen meine Frau und auch ich wie gebannt an ihren Lippen. Im Grunde hat sie meine Begeisterung für die Oper (die eigentlich schon seit meinem ersten Opernbesuch mit 14 Jahren bestand, und das war ausgerechnet der Holländer) vertieft und gefördert.

Herzlichst La Roche
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La Roche

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123

Dienstag, 14. November 2017, 17:41

Zur Rusalka,

die eingestellten Aufnahme mit Lucia Popp ist schon Klasse, und der Eindruck einer "Kindfrau" ist auch stimmlich nicht zu leugnen.

Als Rusalka stelle ich hier Elfriede Trötschel ein, und bitte um Dein fachliches Urteil. Ihr Gesamtausdruck ist der einer reifen Frau mit tiefen Gefühlen. Sie ist traurig über ihr Schicksal, sie hat Angst vor einer unglücklichen Liebe. das alles gipfelt imSchluß der Arie im Ruf "Du Mond, erlisch mir nicht". Das ist ein Hilferuf eines einsamen Geschöpfes, welches geliebt werden will. Ich vermag nicht, jeden Ton zu analysieren, aber Du kannst das.



Bewundernswert die deutliche Aussprache, die wohl kaum eine heutige Sängerin noch so kann

Herzlichst La Roche
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Stimmenliebhaber

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124

Dienstag, 14. November 2017, 18:03

Lieber Stimmenliebhaber,

leider gehören wir alle einer Generation an, die weder Ljuba Welitsch noch Christel Goltz live auf der Bühne erlebt haben. Ich kann nur den Berichten meiner leider schon verstorbenen Schwiegermutter glauben, die bis zur Bombennacht in Dresden lebte und Stammgast der Semperoper war.

Für sie gab es keine bessere Salome als Christel Goltz, und sie stützte ihre Meinung darauf, daß sie nicht nur eine hervorragende Sängerin war, sondern ihr die Salome wie auf den Leib geschrieben war. Du weißt, daß sie eine Ballettausbildung hatte, und das wußte sie wohl im "Schleiertanz" ausgezeichnet einzusetzen. Bei ihren Erzählungen darüber (und auch über Sänger wie Maria Cebotari, Kurt Böhme uva. ) hingen meine Frau und auch ich wie gebannt an ihren Lippen. Im Grunde hat sie meine Begeisterung für die Oper (die eigentlich schon seit meinem ersten Opernbesuch mit 14 Jahren bestand, und das war ausgerechnet der Holländer) vertieft und gefördert.

Herzlichst La Roche
Lieber "La Roche",

das glaube ich alles gerne. In dieser Rubrik geht es jedoch um den Austausch von Höreindrücken und da hast du über deinen bezüglich der Salome-Schluss-Szene von Christel Goltz (so du denn das Video angehört hast) leider nichts geschrieben. Es kann gut sein, dass ihre hervorragenden Tanzqualitäten zum Nimbus der "Jahrhundert-Salome" beigetragen haben - hier in der Rubrik geht es aber gerade nur darum, wie wir die Schlusszene ihrer Salome hören, ganz ohne den visuellen oder gar choreografischen Aspekt.

Zu Elfride Trötschel äußere ich mich in dieser Rubrik, wenn es soweit ist, nämlich wenn Willi in seiner Rubrik an sie erinnert. Das dürfte das nächste Mal am 22. Dezember der Fall sein.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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operus

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125

Dienstag, 14. November 2017, 20:19

Du musst sich also bezüglich dieser Rubrik wirklich entscheiden:
Entweder du willst mitmachen, Beispielvideos hören und deine frischen Höreindrücke zu den eingestelltne Höreindrücken schildern - oder du willst deine vor Jahrzehnten gebildeten Urteile über Sängerinnen und Sänger lieber nicht neu befragen und vielleicht sogar hinterfragen, sondern die damals gebildeten Urteile einfach nur wiederholen. Letzteres ist dein gutes Recht, deine Mitwirklung in dieser Rubrik hätte dann aber - angesichts bei der von mir erdachten und beschriebenen Zielstellung - leider keinen Sinn.
Ich würde mich aber sehr freuen, wenn du dich für die ersten der beiden von mir genannten Grundmöglichkeiten entscheiden und wirklich aktiv mit deinen Beschreibungen frischer Höreindrücke mitmachen würdest
Lieber Stimmenliebhaber,
Deine Argumentation ist vordergründig verführerisch logisch . Nur auf mich wirkt sie dialektisch und apodiktisch. Erstens muss ich gar nichts. Ich werde mir im Einzelfall überlegen und vorbehalten, ob ich in dieser Thematik Stellung nehmen will oder nicht. Eventuell schildere ich meine Höreindrücke zur Salome von Christel Goltz. Allerdings habe ich zur Zeit in Ungarn nicht einmal Lautsprecher. Also bin ich im Moment nicht in der Lage, authentisch zu reagieren. Ich werde den intelligenten Thread weiter verfolgen und mitwirken, wenn ich dazu Lust habe. Ich freue mich jedoch in jedem Fall, an Euren Wortgefechten, solange sie mit dem Florett und nicht mit dem Säbel ausgeführt werden.
Herzlichst
Operus :hello:

9079wolfgang

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126

Dienstag, 14. November 2017, 21:16

Operus:

Zitat

Eventuell schildere ich meine Höreindrücke zur Salome von Christel Goltz.

Mein lieber Hans!
Ich besitze die Gesamtaufnahme der "Salome" mit Christel Goltz. Es ist eine Referenzaufnahme dieser Oper.
W.S.

Stimmenliebhaber

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127

Dienstag, 14. November 2017, 21:30

Ich besitze die Gesamtaufnahme der "Salome" mit Christel Goltz.
Lieber "9079Wolfgang",

wenn du dir diese Aufnahme jetzt auch noch auflegen und hören würdest und dann über deine Höreindrücke hier berichten würdest, dann wäre dies in der Tat ein interessanter Beitrag zu dieser Rubrik.

Im Übrigen gibt es zwei Dresdner Gesamtaufnahmen der "Salome" mit Christel Goltz: die 1948er unter Josef Keilberth und eine von Anfang der 1960er Jahre (1962 oder 1963?) unter Otmar Suitner.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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9079wolfgang

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128

Dienstag, 14. November 2017, 21:37

Ich besitze folgende Aufnahme in Vinyl:

Im Moment ist mir die Lust am Forum vergangen. Ich reagiere auf die bestehenden Provokationen im RT-Tread sehr emotional.
W.S.

Caruso41

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129

Dienstag, 14. November 2017, 21:50

Neben den beiden genannten gibt es noch eine Studio-Aufnahme unter Clemens Krauss mit der Goltz. Die habe ich noch ziemlich genau im Ohr. Die Keilberth-Aufnahme habe ich eher selten gehört, weil ich sie nicht so überzeugend fand wie die etwas spätere Aufnahme der Goltz, in der auch die Goltz meiner Erinnerung nach sonderbarerweise frischer und differenzierter singt und mehr Farben hat.
Da ich aber die Keilberth-Aufnahme hier nicht hören kann, darf ich wohl zu dieser Debatte nichts beitragen. Muss ja auch nicht sein!

Caruso41

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Stimmenliebhaber

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130

Dienstag, 14. November 2017, 22:08

Da ich aber die Keilberth-Aufnahme hier nicht hören kann, darf ich wohl zu dieser Debatte nichts beitragen. Muss ja auch nicht sein!
Doch, lieber "Caruso41", nachdem noch niemand anderes sich wirklich zu meinen Höreindrücken geäußert hat, indem er seine eigenen entgegengesetzt hat, "muss" das sein! :yes:

Das Video der Schluss-Szene ist ja eingestellt, darauf kannst du ja Bezug nehmen.

Falls du mit der Button-Einbettung Probelme hast, ist hier nochmal der Link:

https://www.youtube.com/watch?v=RQZuO02hzmE
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Caruso41

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131

Dienstag, 14. November 2017, 22:21

Lieber Stimmenliebhaber,
Deinen Hör-Bericht mit den Fragen und Antworten fand ich in der Form sehr originell, zum Inhaltlichen aber kann ich nichts sagen, da ich keine Kopfhörer dabei habe und der iPhone-Lautsprecher ja total ungeeignet für Strauss und Sopranstimmen ist.

Tschüss, ich tauch erst mal wieder ab!

Caruso41

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Melomane

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132

Mittwoch, 15. November 2017, 00:10

Christel Goltz

Auch mir gefällt die von "Stimmenliebhaber" eingestellte Aufnahme von Salomes Schlussgesang gut. Ähnlich wie Caruso höre ich allerdings die Suitner-Studioaufnahme aus den 60ern häufiger, die - insbesondere aufgrund der phänomenalen Orchesterleistung - wesentlich besser ist als ihr Ruf.

Nun aber zur vorgestellten Aufnahme: Bereits wie Christel Goltz "Es ist kein Laut zu vernehmen" singt, hat große dramatische Klasse, man kann Salomes Anspannung förmlich spüren. Eine Steigerung erfährt Salomes Ungeduld noch, wenn sie den Pagen und Herodes nacheinander anspricht. Hier ist ihr Keilberth ein kongenialer interpretatorischer Partner, der ein unglaublich schnelles Tempo anschlägt. Goltz' Diktion, die sonst den ganzen Schlussgesang hindurch von vorbildlicher Klarheit ist, wischt hier über die Konsonanten förmlich hinweg, ganz so, als nehme sie diese Unschärfedimension aus interpretatorisches Gründen bewusst in Kauf. Ihr "Wohl, ich werde ihn jetzt küssen" erreicht durch den unglaublich weit vorne platzierten Tonsitz eine Durchschlagskraft und beinahe schon Penetranz, dass es einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.
In der nachfolgenden Passage gelingen ihr die anklagenden Phrasen (inklusive einer artikulatorisch herrlich betonten "Scharlachnatter") ungleich besser als die, die etwas mehr stimmlichen Liebreiz vertragen könnten ("Hast du Angst vor mir, Jochanaan, dass du mich nicht ansehen willst?"). Mit dieser Beobachtung bin ich bei meinem Haupteinwand gegen ihre Interpretation angekommen: Bei aller textlich und auch technisch souveränen Beherrschung der Partie und trotz ihrer durchdachten Interpretation, klingt mir ihr Timbre zu spröde, um vokal beglaubigen zu können, dass alle Männer außer Jochanaan ihr heillos verfallen. Dabei gehe ich nicht so weit wie "Stimmenliebhaber" unbedingt einen jungmädchenhaften Klang von einer Salome einzufordern, eine frauliche Sinnlichkeit, wie sie beispielsweise Gwyneth Jones in der Hamburger Aufnahme unter Karl Böhm zeigt, reicht mir da auch schon. Die Sinnlichkeit klingt mir bei Christel Goltz immer etwas gemacht: Ihr "Ich dürstete nach deiner Schönheit" drückt zwar glaubhaft das Begehren aus, lässt mich klanglich aber nicht erahnen, was sie Jochanaan zurückgegeben hätte...
Einen sehr starken Moment gibt es für mich aber dennoch noch zu beschreiben: Die Phrase "Und das Geheimnis der Liebe ist größer als das Geheimnis des Todes" lässt nicht nur - wie von "Stimmenliebhaber beschrieben - eine außergewöhnliche Tiefe hören, sondern kommt mit dem leichten Ersterben des Tones auf Liebe dem sehr nahe, was die Italiener morbidezza nennen, dem Tod eine Art Todeshauch mitzugeben. Welche Stelle könnte dafür passender sein?
Eine große, eine bahnbrechende Interpretation des Salome-Schlusses. Aufgrund der beschriebenen klanglichen Einschränkungen der Stimme selbst schafft sie es trotzdem nicht unter meine Top-3-Salomes.

Stimmenliebhaber

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133

Mittwoch, 15. November 2017, 00:45

Lieber "Melomane",

herzlichen Dank für deine so ausführliche Beschreibung deiner Höreindrücke zum Schlussgesang der Salome von Christel Goltz in der Keilberth-Aufnahme - so stelle ich mir den von mir hier initiierten "Austausch über Höreindrücke" vor! :jubel: :thumbup: :hail:
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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operus

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134

Mittwoch, 15. November 2017, 10:27

Lieber Melomane,
ein ganz ausgezeichneter Beitrag mit analytischer Stärke und nachvollziehbaren Schlussfolgerungen. Da ich im Moment keine Gelegenheit habe Aufnahmen zu hören, kann ich nur den bei mir im Gedächtnis gebliebenen Höreindruck der Leistung von Christel Goltz aus der Suitner-Aufnahme wiedergeben. Christel Goltz beherrscht die gesamte Partie souverän. Die stärksten Augenblicke haben die dramatischen Ausbrüche. Da stockt einem
stellenweise der Atem. Auch die Variabilität und die Differenzierung im Ausdruck sind bestechend. Da wir uns mit Christel Goltz häufiger in Wien trafen und sie auch ein besonders geschätzter Gast bei den Künstlertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft war, diskutierten wir auch über ihre Salome. Ihr lag besonders daran, die Reifung der Kindfrau zur gedemütigten Rächerin stimmlich und darstellerisch scharf herauszuarbeiten. Auch den Tanz der 7 Schleier wollte sie in jedem Fall selbst gestalten. Beide Interpretationsabsichten wurden sicherlich brillant verwirklicht. Ohne Zeifel war die Goltz eine überragende Salome.
Dennoch meine ich, dass die Krone in dieser Partie - trotz Goltz und ebenfalls großartigen Inge Borkh - Lijuba Welitsch gehört. sie verkörperte die Sinnlichkeit, die Melomane bei Christel Goltz vermisst. Die Welitsch hat sie und verkörpert eine nahezu rasend, hysterische Furie ohne jegliche übertriebene Theatralik. Für mich ist die Welitsch die Inkarnation der Salome.
Herzlichst
Operus

Caruso41

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135

Mittwoch, 15. November 2017, 11:13

..... Ähnlich wie Caruso höre ich allerdings die Suitner-Studioaufnahme aus den 60ern häufiger, die - insbesondere aufgrund der phänomenalen Orchesterleistung - wesentlich besser ist als ihr Ruf.

Lieber Melomane,
ich höre die Aufnahme unter Clemens Krauss (1954) recht häufig, die Aufnahme von 1963 unter Otmar Suitner eigentlich kaum. Die hat zwar einen bessere Klangtechnik aber die Partner der Goltz sind 1954 einfach besser und sie selbst klingt viel frischer.
Im Übrigen scheinen sich alle einig, dass die Welitsch eine Klasse für sich ist. Wenn ich trotzdem oft die Goltz höre, so ist das auch wegen Clemens Krauss, Julius Patzak und Waldemar Kmentt! Vor allem habe ich sie halt in der Partie öfter an der Städtischen Oper Berlin gehört und da ist doch eine besondere Bindung entstanden.

Aber dies ist ja nicht der Thread, in dem nun alle Salomes verglichen werden dürften. Da müssten ja etliche Namen noch genannt werden. Vor allem denke ich an Inge Borkh, Julia Mignes, Maria Ewing, Catherine Malfitano und die bereits erwähnte Inga Nielsen!

Beste Grüße
Caruso41

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Melomane

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136

Mittwoch, 15. November 2017, 11:51

Lieber Caruso41,

in der Aufnahme unter Krauss singt nicht Waldemar Kmentt den Narraboth, sondern Anton Dermota. Kmentt ist u.a. unter Moralt mit dieser Partie zu hören.

Herzliche Grüße

Caruso41

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137

Mittwoch, 15. November 2017, 22:41

Jessas, lieber Melomane, das passiert, wenn man schnell schreiben will und nicht noch mal Korrektur liest! Du hast natürlich Recht! Anton Dermota ist sogar ein besonders schwärmerischer Narraboth, was man ja von Waldemar Kmentt nicht unbedingt behaupten würde.

Beste Grüße

Caruso41

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Caruso41

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138

Mittwoch, 15. November 2017, 23:08

Klara Kadinskaya, russische Sopranistin, * 15. 11. 1930 --- 87. Geburtstag

Erinnerungen an verstorbene und Geburtstags-Glückwünsche an lebende Musiker

Danke, lieber Willi, für den Hinweis auf diese Sängerin!
Klara Kadinskaya ist eine Sopranistin, die ich häufig in Moskau hören konnte. Ich hätte gerne die ganze Arie der Die Königin von Schemacha eingestellt. Das gelingt mir leider nicht. Aber ein kleines Klangbeispiel zu ihrem Genurtstag soll es doch geben! Es ist nur ein kurzer Moment aus dieser großen Arie. Vielleicht macht er neugierig und jemand anderes stellt die ganze Arie ein? Ich bin nämlich erst kommende Woche wieder zu Hause!

https://www.youtube.com/watch?v=Dwk56HS-KSM



Beste Grüße

Caruso41

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9079wolfgang

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139

Donnerstag, 16. November 2017, 10:13

Meinst Du dies etwa:


Eine Stimme, die ich mir merken werde.
W.S.

Stimmenliebhaber

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140

Donnerstag, 16. November 2017, 13:53

Eine Stimme, die ich mir merken werde.
Das ist gut. Würdest du uns vielleicht auch deine Höreindrücke von ihr beschreiben?
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Melomane

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141

Donnerstag, 16. November 2017, 14:17

Salomea Kruscheniski

Schon allein, unter welchen Namen man die von "William B.A." heute anlässlich ihres 65. Todestages gewürdigte Sängerin ankündigt, ist eine Frage, die man sich stellen muss, wenn man über sie schreibt. Ich habe mich für die italienische Schreibweise entscheiden, zum einen, weil sie die gebräuchlichste ist, zum anderen, weil Kruschenski sich in Italien immer heimisch fühlte. Ihr Wunsch, nach dem zweiten Weltkrieg nach Italien zurückkehren zu dürfen, wurde ihr von den Sowjetbehörden nicht erfüllt. Auch ihre Nationalität ist schwer zu bestimmen: "William B.A." nennt sie in der Würdigung eine "ukrainische Sopranistin", da sie im heutigen Lwiw geboren wurde. Lemberg gehörte damals bekanntlich zu Österreich-Ungarn, viele sprechen in Bezug auf sie auch von einer polnischen Sopranistin.

Ihre bis heute anhaltende Berühmtheit erlangte sie als "Retterin der Butterfly". Diesen Namen hat sie sich erworben, weil sie die Titelfigur in Puccinis gleichnamiger Oper am 28. Mai 1905 in Breschia, es war die Erstaufführung der dreiaktigen Fassung, verkörperte - bei der Uraufführung des Werkes in der Scala drei Monate zuvor war das Werk bekanntermaßen gnadenlos durchgefallen. Die Aufführung in Breschia hingegen war ein Erfolg.

Nicht nur deshalb möchte ich mich hier auf eine Aufnahme von "Un bel dì vedremo" aus dem Jahr 1912, also acht Jahre nach der Uraufführung beziehen:



https://www.youtube.com/watch?v=2aSl4IijV08



Bei allen Abstrichen, die man bei der Charakterisierung von Frauenstimmen, aufgrund der damaligen Aufnahmetechnik, die für das Konservieren von hohen Frequenzen nicht ideal war, machen muss, hört man eine - wie ich finde - sehr angenehm dunkel timbrierte Stimme, die zu erstaunlichen Modulationen fähig ist: Bereits die erste Phrase "Un bel dì vedremo" ist gestalterisch interessant: Sie ist nicht mit voller Stimme angegangen, sondern hat einen leicht hauchigen Charakter, der bei "levarsi un fil di fumo" abnimmt. Auf mich als Zuhörer macht es den Eindruck, Butterfly sei sich am Anfang selbst nicht so sicher, ob Pinkerton zurückkehrt, erst, umso ausführlicher sie sich seine Rückkehr vorstellt, gewinnt sie an Sicherheit und Überzeugung. Man hat fast den Eindruck, sie singt die Arie in erster Linie für sich und nicht für Suzuki.
Der tief liegenden, souverän gemeisterten Phrase "E poi la nave appare" wird dennoch durch die ebenso starke Akzentuierung der Konsonanten auch eine textliche Dimension verliehen, was überzeugend ist, denn das Erscheinen des Schiffes wäre für Butterfly von existentieller Bedeutung. Sehr interessant auch die Behandlung von "Vedi? È venuto": Anders als viele heutige Interpretinnen verfällt Kruscheniski hier noch nicht in einen Jubelton, sie bleibt noch etwas ambivalent, um bei "Io non gli scendi incontro. Io no." in reinste stimmliche dolczezza walten zu lassen. Weshalb? Butterfly zeigt selbst in der Vision ihrer Rettung ihr Bedürfnis nach Zärtlichkeit, was nun schon drei Jahre ungestillt ist. Sie stellt sich genau vor, wie sie die Erfüllung ihres Bedürfnisses noch etwas aufschiebt. Sie bleibt in ihrer Sehnsucht eine liebende, selbstbestimmt handelnde Frau, keine Puppe, die auf den Mann wartet, der sie aus einer unangenehmen Lage befreit.
Danach folgt leider ein großer Strich, wohl damit die Arie auf eine Platte passt. Weiter geht es mit "Chi sarà, chi sarà", wo eine sich steigernde Erregung durch ein dosiert beigemischtes Vibrato nicht zu überhören ist. Interessant auch, dass ihre Vokale bei "Iccina mogliettina, olezzo di verbena" etwas offener klingen als sonst, es hat - passend zum Text - den Eindruck als imitiere sie eine Männerstimme. Auch sehr bemerkenswert, wie sie die beiden auf einem hohen b notierten Schlusstöne auf "l'aspetto" singt: Der erste wird leicht angessetzt, hat ein leichtes crescendo, der zweite ist rythmisch genau nur die Achtel, als die er notiert ist. Es entsteht der Eindruck einer leicht aufblühenden Hoffnung (erster langer Ton), die durch die traurige Realität (kurzer Ton) einen Kontrapunkt erfährt.

Für mich eine sehr interessante, mutmaßlich sehr authentische Interpretation, denn Puccini dürfte viele Ausdrucksdetails anlässlich der Aufführung in Brescia mit ihr gemeinsam selbst erarbeitet haben. Freunde des schönen, satten Klanges kommen in erster Linie wegen der Aufnahmetechnik nicht auf ihre Kosten.

William B.A.

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142

Donnerstag, 16. November 2017, 14:54

Zitat

Melomane: Schon allein, unter welchen Namen man die von "William B.A." zu ihrem 65. Todestag gewürdigte Sängerin ankündigt, ist eine Frage, die man sich stellen muss, wenn man über sie schreibt.

Lieber Melomane,
du kannst es wahrscheinlich nicht wissen, aber ich habe am 30. 9. 2015 in meinem Einführungsbeitrag zum neuen Thread das Procedere angekündigt, nach welchem ich vorzugehen gedenke:
Erinnerungen an verstorbene und Geburtstags-Glückwünsche an lebende Musiker
Ich habe Wikipedia den Vorzug gegeben, weil ich im Vorbereitungsjahr festgestellt habe, dass Wikipdia im Vergleich zu anderen Quellen die wenigsten Fehler aufweist. Und noch ein Weiteres ist mir schnell aufgefallen: Wikipedia bevorzugt bei den Namen die Schreibweise des Heimatlandes oder des Landes, in dem die Musiker größtenteils gewohnt haben. Das führt vor allem bei Musikern aus dem slawischen Raum zu Differenzen z. B. mit der Schreibung auf Covern, wenn Medien z. B. von Amazon verlinkt werden. So wird dann aus einem "Swjatoslaw" ein "Sviatoslav" und aus einer "Salome Kruschelnytska" z. B. eine "Salomea Kruschelnytska".
Hier schließlich:
http://www.cantabile-subito.de/Sopranos/…i__salomea.html
heißt sie Salomea Krusceniski.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Melomane

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143

Donnerstag, 16. November 2017, 15:08

Hier schließlich:
http://www.cantabile-subito.de/Sopranos/…i__salomea.html
heißt sie Salomea Krusceniski.
Das wäre natürlich die authentische italienische Schreibweise, das stimmt. Dafür, dass die Eindeutschung des Nachnamens bei der von mir verwendeten Schreibweise, auch durchaus ihre Richtigkeit hat, spricht, dass alle Galizier zum Zeitpunkt ihrer Geburt die einheitliche österreichische Staatsbürgerschaft hatten und in den österreichischen Papieren stand sicher "Kruscheniski" und nicht die heute gebräuchliche Transkription der kyrillischen Schrift. Freilich wurden im österreichischen Teil des Reiches, und dazu gehörte Galizien, anders als im ungarischen Teil, auch die regionalen Sprachen als Amtssprachen akzeptiert.

Ich habe gerade mal bei Kesting nachgeschaut, der verwendet auch die von mir verwendete Schreibweise:

https://d-nb.info/1008288748/04

Kutsch/Riemens bedient sich ebenfalls die italienische Variante des Vornamens, der Nachname wird mit "Kruszelnicka" bezeichnet.

Stimmenliebhaber

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Donnerstag, 16. November 2017, 15:21

Lieber "Melomane",

ich danke dir sehr für deinen Beiitrag und die geschilderten Höreindrücke zu der ersten bejubelten Titelinterpretin von Puccinis "Madama Butterfly", die den bis heute anhaltenden Siegeszug des Stückes über die Opernbühnen dieser Welt maßgeblich mit angekurbelt war (nachdem die berühmtere Rosina Storchio an der Scala ausgepfiffen worden war, was freilich auch außermusikalische Gründe hatte...).

Ich möchte deiner höchst fundierten und detaillierten Analyse keine ebenso komplette entgegensetzen, weil ich mit dem, was du schreibst, sehr einverstanden bin.
Nur noch einige generelle Bemerkungen: Hier höre ich wirklich ein junges, zartes, zerbrechliches Mädchen und keine (über-) reife, stimmlich weit ausladende und längst "erkannte" Primadonna singen - und ich glaube, genau das macht das Faszinosium dieser Interpretation aus, mit allen Ängsten und Zweifeln, die diese Cio-Cio-San hat, was du sehr schön beschrieben hast.

Ich habe mich, als ich die Besetzungszettel der Staatsoper im Admiralspalast (1945/46 - 1955) eingesehen habe, immer gewundert, dass meistens die Papagena auch die Butterfly gesungen hat (Premierenbesetzung war Erna Berger, stimmlich auch keine Walküre, aber danach durften wirklich die ganzen Soubretten des Hauses ran). In den letzten Jahrzehnten wurde diese Partie eher von den "Schlachtrössern", also den Spinto-Sopranen, die auch die Tosca singen, mitgesungen. Wenn ich diese "originale" Interpretation, an der Puccini großen Einfluss nahm, höre, wird mir noch klarer als vorher, warum das vor 70 Jahren noch anders war: Die Zartheit und Zerbrechlichkeit dieser Figur, die mehr als jede andere (vielleicht noch neben Mimì) für "Puccinis kleine Frauen" steht, kommt in der von dir eingestellten Interpretation (egal, wie immer man die Sängerin nun genau namentlich bezeichnen möchte, sie war Puccinis Butterfly in Brescia, da szu wissen genügt!) ganz wunderbar herüber. Es wird schlank und jugendlich gesungen, hörbare "Schwächen" etwa in der tieferen Lage werden bewusst in Kauf genommen und nicht mit durch Forcierung versucht zu übertünchen. Oben leuchtet die Stimme wunderbar hell. Eine der letzten Sopranistinnen, die diese durchaus anspruchsvolle Partie mich überzeugend herüberbrachte, war übrigens Pilar Lorengar, die diese Jugendlichkeit durch das Leuchten in ihrer Stimme auch vermitteln konnte, obwohl sie ja auch Tosca sang. Einige andere hochberühmte Sängerinnen der Gegenwart und jungeren Vergangenheit (sagen wir nach 1980) haben mich hingegen gerade in dieser Rolle gar nicht überzeugt.

Also: Toll, dass Willi in seiner Rubrik an sie erinnert hat und das du hier in dieser Rubrik so kompetent über ihre Stimmcharakteristika geschrieben hast! :jubel: :jubel: :jubel:
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Caruso41

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Donnerstag, 16. November 2017, 15:57

Klara Kadinskaya als Königin von Schemacha

Dass Wolfgang nicht die Zeit hat, über seine Höreindrücke hier ausführlich zu berichten, wissen wir doch alle und können wir auch akzeptieren! Also will ich versuchen, etwas vom Hören der Aufnahme der Königin von Schemacha mitzuteilen. Ich kenne diese Aufnahme eigentlich recht gut und da mag ausnahmsweise denn auch die Tonqualität des iPhones genügen!

Klara Kadinskaya kenne ich schon lange, könnte mir aber denken, dass diese Stimme für manchen Melomanen hierzulande ungewohnt und befremdlich klingt. Die ersten Töne der Arie kommen ja gleichsam aus dem Nichts und klingen fast wie eine Kinderstimme: hell und gleißend. Man könnte fast die Amme aus der "Frau ohne Schatten" (leicht abgewandelt) zitieren: "Durch ihren Ton wandelt das Licht, als wäre er gläsern". Das hat man ja bei russischen Koloratursopranen öfter, dass sie weiß und oft auch flach klingen.

Die ersten Phrasen der Kadinskaya aber machen klar, dass diese Stimme alles andere als flach ist. Sie stuft die Dynamik ganz fein ab und weiß, das Vibrato zur Differenzierung einzusetzen. Jede Phrase wird ganz individuell und höchst sorfältig modelliert!Wunderbar die Crescendi und vor allem die Decrescendi auf dem Atem. Ab etwa 1:20 überrascht sie dann mit feinen empfindsamen Phrasen. Vielleicht hat sie hier nicht den Schmelz, den man erwarten würde und etwa bei Rita Streich oder Gianna d'Angelo geboten bekommt, aber dafür erfasst sie die Phantastik der Orientalismen und die opalisierenden Farben geradezu ideal. Das Hymnische der Nummer singt sie dann mit einer Dringlichkeit, die mich enorm stark fesselt. Den Aufstieg, der in die höheren Lagen führt, singt sie - schwierige Intervalle!!! - mit atemberaubender Präzision und blitzenden Koloraturen. Das wird ja von Koloratursopranen hierzulande immer sehr vorsichtig "buchstabiert"! Ganz anders die Kadinskaya: Sie singt das mit einer ganz eigene Virtuosität!

Leider reißt dann die Aufnahme unvermittelt ab! Vielleicht geht es auf einem anderen Video weiter. Bei mir aber nicht! Davon, was Kadinskaya dann in den Höhen für einen funkelten Diamantenglanz verbreiten kann, gibt immerhin der kleine Schnipsel (mit dem atemberaubenden hohen E!), den ich eingestellt hatte, eine Ahnung!

Aber eine Gesamtaufnahme der Oper müsste eigentlich auch bei Youtube zu finden sein! Es gibt zwei Aufnahmen, auf denen Kadinskaya die Königin von Schemacha singt: eine Rundfunkproduktion von 1959 (unter Wladimir Fedossejew) und eine von 1962 (unter Alexei Kovalev & Yevgeni Akulov!!). Ich kenne nur die zweite.

Wenn ich nach Hause komme, werde ich mir erst mal wieder ihre Platten raussuchen und das eine oder andere anhören. Ich habe die Arien der Konstanze (Entführung), der Julia (Bellini und Gounod)), sehr viel Rossini, aber auch die Gilda und die Magda (Rondine) mit ihr! Natürlich auch jede Menge russische Opernarien! Vor allem aber auch Lieder!

Nun bin ich gespannt auf andere Höreindrücke!

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9079wolfgang

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Donnerstag, 16. November 2017, 21:01

Hallo, Caruso!
Ich kenne nur diese Gesamtaufnahme. Und die gefällt mir sehr:



Aber Du hast recht. Ich bin z. Zt. mit meiner kleinen Tochter viel unterwegs. (Offene Tür Gymnasium, dort noch Weihnachtsfeier-Vorbereitung, Ballett und Handball). Mit meiner freien Hand helfe ich noch bei der Hausrenovierung. ;(
W.S.

Caruso41

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Donnerstag, 16. November 2017, 21:31

Danke, lieber Wolfgang, für das Cover.
Die Aufnahme gibt es ja in zahlreichen Editionen, teilweise für wenig Euro!
Aber niemand hat seine Höreindrücke bisher mit uns teilen wollen.
Offenbar wagt wohl keiner, eine Gesangsleistung in einer Arie zu beschreiben, die man nicht im Ohr hat und in Dutzenden von anderen Interpretationen kennt. Eigentlich schade!

Beste Grüße
Caruso41

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Donnerstag, 16. November 2017, 21:37

Lieber "Caruso41"

sorry, aber ich bin gerade aktuell mit so vielen Aufnahmen (größtenteils Videos) von meinem aktuellen Lieblingen regelrecht überschüttet worden, dass ich erst einmal viel zu hören und zu sehen habe an Dingen, die mir sehr wichtig sind. Trotzdem werde ich heute Abend vielleicht so eine andere Arie einer anderen Sopranistin besprechen, die mir nahe stand und über ihren Tod hinaus nahesteht. Allerdings bin ich zeitlich auch sonst gerae zeitlich recht eingespannt, aber vielleicht reiche in meinen Höreindruck zum Video der von dir eingestellten, mir bislang unbekannten Sopranistin ja noch am Sonntag nach. :hello:

Und vielleicht äußert sich ja vorher noch der "Melomane" dazu, wenn er Zeit und Lust hat?
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Caruso41

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Donnerstag, 16. November 2017, 22:06

Lieber Stimmenliebhaber,

du musst ja nicht zu allen Jubilaren etwas sagen. Ich habe jetzt zu ziemlich vielen Sängern keine Beiträge eingestellt, obwohl sie mir wirklich am Herzen liegen. Ich kann damit leben. Zur Zeit bin ich ja ohne PC, und das Lesen, Hören und Schreiben auf dem iPhone ist schon arg mühsam, sodass ich mich weniger zu Wort melde, als ich eigentlich gerne möchte!
Für mich ist der Reiz dieses Threads aber auch gerade, unziemlich unbekannte Sänger zumindest aus Anlass ihrerseits Jubiläums für einen Tag ins Rampenlicht zu stellen. Vielleicht wecken sie ja dadurch das Interesse des einen oder anderen Melomanen?

Sogar Klara Kadinskaya!

Beste Grüße
Caruso41

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Donnerstag, 16. November 2017, 22:14

Für mich ist der Reiz dieses Threads aber auch gerade, unziemlich unbekannte Sänger zumindest aus Anlass ihrerseits Jubiläums für einen Tag ins Rampenlicht zu stellen. Vielleicht wecken sie ja dadurch das Interesse des einen oder anderen Melomanen?

Sogar Klara Kadinskaya!
Lieber "Caruso41", ja, da stimme ich dir absolut zu, ich hatte hier auch schon die eine oder andere persönliche Neuentdeckung, die sehr gelohnt hat. Ich werde mich auch noch zu der Sängerin äußern, aber nicht mehr heute, eher Sonntag, bin gerade ein bissl reizüberflutet, höre und sehe gerade den 1. Akt "Meistersinger"...
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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