Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

Free counters!

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Tamino Klassikforum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

WoKa

Prägender Forenuser

  • »WoKa« ist männlich
  • »WoKa« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 035

Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

1

Sonntag, 27. August 2017, 22:56

Der Kammermusik-Kanon Teil I: Werke für Soloinstrumente mit und ohne Begleitung

Hallo!

Dann will ich mal den ersten Teil des Kammermusik-Kanons an den Start bringen.

Im Folgenden habe ich alle bisherigen Nennungen zusammengetragen, die in den beiden eingangs erwähnten Threads erwähnt wurden. Meine Fragen und Ergänzungsvorschläge formuliere ich im nächsten Post.

Es wäre schön, wenn sich möglichst viele Taminos mit all ihre Spezialinteressen und den damit verbundenen Repertoirekenntnissen beteiligen würden.

Die gemeinsame Erstellung des Kanons erfordert sicherlich die Bereitschaft zu Kompromissen.

Ziel ist es eine möglichst schlüssige Zusammenstellung aller für die Entwicklung der Gattung der Kammermusik bedeutenden Komponisten und Werke zu schaffen.

Hier die bisherige Zusammenstellung mit der Bitte um kritische Durchsicht und die Einbringung von Korrekturen und weiteren Vorschläge.

Gruß WoKa


Der Kammermusik-Kanon Teil I: Werke für Soloinstrumente mit und ohne Begleitung

Luis de Milán (1500 – 1561)
Libro de música de vihuela de mano intitulado El maestro

Giovanni Gabrieli (1557 – 1612)
Canzoni e sonate

Ennemond Gaultier (1575 – 1651)
Pièces de luth sur trois différens modes nouveaux
Livre de tablature ... de Mr. Gaultier Sr. de Nève et de Mr. Gaultier son cousin

Dario Castello (1621 – 1658)
Sonate concertate in stil moderno

Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 – 1704)
Rosenkranzsonaten

Arcangelo Corelli (1653 – 1713)
Violinsonaten op. 5

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
Sonaten und Partiten für Violine solo
Sonaten für Violine und Cembalo

Wolfgang Amadeus Mozart (1856 – 1791)
Violinsonaten

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)
Violinsonaten Nr. 5 + 9 ("Frühling", "Kreutzer") und/oder op. 30
Cellosonate Nr. 3

Robert Schumann (1810 – 1856)
Violinsonate Nr. 2

Franz Schubert (1797 – 1828)
Arpeggione Sonate
Notturno
Späte Violinsonaten

César Franck (1822 – 1890)
Violinsonate A-Dur

Johannes Brahms (1833 – 1897)
Violinsonaten 1-3
Eine der Cellosonaten

Camille Saint – Saens (1835 – 1921)
Violinsonate Nr. 1

Sergej Prokofieff ((1891 – 1953)
Violinsonaten 1 und 2

Dmitri Schostakowitsch (1906 – 1975)
Cellosonate
Violinsonate

Luciano Berio (1925 – 2003)
Sequenza I – XIV für versch. Instrumente bzw. Stimme

Salvatore Sciarrino (* 1947)
Sei Capricci für Violine solo

Edgar Varèse (1883 – 1965)
Density 21.5 für Flöte solo

Iannis Xenakis (1922 – 2001)
Nomos Alpha für Violoncello
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

WoKa

Prägender Forenuser

  • »WoKa« ist männlich
  • »WoKa« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 035

Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

2

Sonntag, 27. August 2017, 22:58

Hallo!

Meine zusätzlichen Vorschläge / Anregungen (für deren Konkretisierung ich teilweise zu wenig Repertoirekenntnisse habe):

Bach: Cellosuiten
Oboesonaten von Telemann oder Händel?
Boccherini: Cellosonaten?
Brahms: Klarinettensonaten
Chopin: Cellosonate
Rachmaninov: Cellosonate
Bartók: Sonate für Solovioline
Copland: Violinsonate
Pärt: Spiegel im Spiegel
Cage: Six Melodies for Violin and Piano

- Wie sieht es aus mit Flötensonaten (Corelli, C.P.E. Bach, Richter, J.S. Bach, Scelsi)
- Wie gehen wir mit Orgelwerken um?

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

  • »kurzstueckmeister« ist männlich

Beiträge: 6 665

Registrierungsdatum: 16. Januar 2006

3

Montag, 28. August 2017, 11:50


Der Kammermusik-Kanon Teil I: Werke für Soloinstrumente mit und ohne Begleitung

Luis de Milán (1500 – 1561)
Libro de música de vihuela de mano intitulado El maestro

Giovanni Gabrieli (1557 – 1612)
Canzoni e sonate

Ennemond Gaultier (1575 – 1651)
Pièces de luth sur trois différens modes nouveaux
Livre de tablature ... de Mr. Gaultier Sr. de Nève et de Mr. Gaultier son cousin

Dario Castello (1621 – 1658)
Sonate concertate in stil moderno

Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 – 1704)
Rosenkranzsonaten

Arcangelo Corelli (1653 – 1713)
Violinsonaten op. 5
[...]

Hallo,
welche Stücke bei Gabrieli hast Du da im Kopf? Welche Besetzung?
Castello würde ich durch Farina ersetzen.
Sonst habe ich bis ins 17. Jahrhundert nichts zu meckern.
:hello:

quodlibet

Anfänger

  • »quodlibet« ist weiblich

Beiträge: 54

Registrierungsdatum: 10. Juli 2017

4

Montag, 28. August 2017, 12:46

Lieber Woka, lieber Kurzstueckmeister
Sonst habe ich bis ins 17. Jahrhundert nichts zu meckern.
:hello:
Für mich stellt sich die Frage ob auch ältere für (Block- und/oder Travers-) Flöte komponierte Musik in den Kanon aufgenommen werden sollte.
Falls ja wäre fürs 17. Jh. vermutlich auch noch Jacob van Eyck (um 1590 - 1657) zu erwähnen.

Mit freundlichen Grüßen, quodlibet

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 242

Registrierungsdatum: 12. August 2005

5

Montag, 28. August 2017, 14:20


Der Kammermusik-Kanon Teil I: Werke für Soloinstrumente mit und ohne Begleitung

Luis de Milán (1500 – 1561)
Libro de música de vihuela de mano intitulado El maestro

Giovanni Gabrieli (1557 – 1612)
Canzoni e sonate

Ennemond Gaultier (1575 – 1651)
Pièces de luth sur trois différens modes nouveaux
Livre de tablature ... de Mr. Gaultier Sr. de Nève et de Mr. Gaultier son cousin

Dario Castello (1621 – 1658)
Sonate concertate in stil moderno

Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 – 1704)
Rosenkranzsonaten

Arcangelo Corelli (1653 – 1713)
Violinsonaten op. 5
[...]

Hallo,
welche Stücke bei Gabrieli hast Du da im Kopf? Welche Besetzung?
Castello würde ich durch Farina ersetzen.
Sonst habe ich bis ins 17. Jahrhundert nichts zu meckern.
:hello:

Das vor Corelli und Biber waren alles Deine Vorschläge in dem alten Thread... ;)

  • »kurzstueckmeister« ist männlich

Beiträge: 6 665

Registrierungsdatum: 16. Januar 2006

6

Montag, 28. August 2017, 14:38

Herrlich ...
:untertauch:
D.h. ich muss jetzt selbst die Besetzungen bei Gabrieli checken ...

  • »kurzstueckmeister« ist männlich

Beiträge: 6 665

Registrierungsdatum: 16. Januar 2006

7

Montag, 28. August 2017, 15:34

Gabrieli:
Das war nicht unter "Soloinstrument mit/ohne Begleitung" von mir gepostet sondern unter "Kammermusik".
Also das gehört hier weg.

Blieben: Milan (Vihuela), Gaultier (Laute), van Eyck (Flöte) und Castello/Farina (Geige).

harry

Schüler

  • »harry« ist männlich

Beiträge: 148

Registrierungsdatum: 9. Januar 2010

8

Dienstag, 29. August 2017, 02:29

Nicht zu vergessen: die 12 wunderbaren Fantasien für Querflöte solo von Georg Philipp Telemann in einer fantastischen Interpretation von Hans-Martin Linde, eingespielt auf Original-Instrumenten des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg. Ich besitze die LP von EMI-Electrola aus dem Jahr 1975; ob diese höchst interessanten Werke jemals auch auf CD erschienen sind, weiß ich leider nicht. Für Flötenfreunde und OPI-Spezialisten eine absolute Delikatesse; die Travers-Flöten (ist korrekter als "Quer"-Flöten) stammen aus 1715 bzw. 1775 und stehen in der Stimmung a' = ca. (!) 410 Hz.

Grüße aus dem Odenwald
harry

Hosenrolle1

Prägender Forenuser

  • »Hosenrolle1« ist männlich

Beiträge: 657

Registrierungsdatum: 3. August 2017

9

Dienstag, 29. August 2017, 03:07

Nicht zu vergessen: die 12 wunderbaren Fantasien für Querflöte solo von Georg Philipp Telemann in einer fantastischen Interpretation von Hans-Martin Linde, eingespielt auf Original-Instrumenten des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg. Ich besitze die LP von EMI-Electrola aus dem Jahr 1975; ob diese höchst interessanten Werke jemals auch auf CD erschienen sind, weiß ich leider nicht. Für Flötenfreunde und OPI-Spezialisten eine absolute Delikatesse; die Travers-Flöten (ist korrekter als "Quer"-Flöten) stammen aus 1715 bzw. 1775 und stehen in der Stimmung a' = ca. (!) 410 Hz.

Grüße aus dem Odenwald
harry

Jetzt hast du mich neugierig gemacht! Welches Werk ist das genau? Ich möchte das gerne mal auf YouTube und Imslp suchen. Gibt´s da ein Booklet in deiner Aufnahme, wo mehr zu den verwendeten Flöten gesagt wird? Danke dir für die Informationen auf jeden Fall :)



LG,
Hosenrolle1
„Begreifen wir endlich, dass der emotionale Kult der Tradition nur eine Form unserer geistigen Faulheit ist.“ (Stanislaw Brzozowski)

harry

Schüler

  • »harry« ist männlich

Beiträge: 148

Registrierungsdatum: 9. Januar 2010

10

Dienstag, 29. August 2017, 18:19

LP-Hüllen sind häufig informativer als CD-Booklets. Es handelt sich um "12 Fantaisies à Travers sans Basse", veröffentlicht um 1732. Der hochinteressante und kenntnisreiche Einführungstext von Hans-Martin Linde beschreibt die Stücke als 2 - 4sätzig, dann quasi kleine Sonaten.
Spannend auch, was er zu den Flöten schreibt: Das Instrument von Jacob Denner (1715) habe eine Tendenz zur mitteltönigen Stimmung, während das Instrument von Carl August Grenser eher zur pythagoreischen Stimmung drängt. Zu berücksichtigen sei bei der Interpretation (Intonation) außerdem ein bei Quantz beschriebener "Naturfehler" der Flöte: Einige mit Kreuzen bezeichnete Töne seien ein wenig zu tief, einige ein wenig zu hoch.
So könnte man bei der Zahl 12 auch auf die Idee kommen, dass die Tonarten des Quintenzirkels abgeschritten werden. Dem ist aber nicht so; einige auf der Traversflöte besonders heikel zu spielende Tonarten werden ausgelassen.
Für Freunde der Solo-Kammermusik findet sich im Hüllentext übrigens noch der Hinweis auf Solofantasien für die Violine und die Viola da Gamba (1735).

Viele Grüße
harry

Hosenrolle1

Prägender Forenuser

  • »Hosenrolle1« ist männlich

Beiträge: 657

Registrierungsdatum: 3. August 2017

11

Dienstag, 29. August 2017, 19:01

Spannend auch, was er zu den Flöten schreibt: Das Instrument von Jacob Denner (1715) habe eine Tendenz zur mitteltönigen Stimmung, während das Instrument von Carl August Grenser eher zur pythagoreischen Stimmung drängt.
Ja, das ist das Schwierige dabei. Die Instrumente waren damals, im Gegensatz zu den heutigen Flöten, sehr unterschiedlich, und man sollte natürlich eine nehmen, für die Telemann komponiert hat, genauer gesagt, für dessen klangliche und intonatorische Eigenschaften er komponiert hat. Deswegen hat mich interessiert, ob sie da etwas dazu sagen, welche Flöten verwendet wurden, und ob die auch korrekt sind.

Zu berücksichtigen sei bei der Interpretation (Intonation) außerdem ein bei Quantz beschriebener "Naturfehler" der Flöte: Einige mit Kreuzen bezeichnete Töne seien ein wenig zu tief, einige ein wenig zu hoch.
Das stimmt, ich habe auch öfter gelesen, dass die Flöten von damals, je mehr Vorzeichen eine Tonart hatte, "unreiner" klangen. Stücke mit 3 oder mehr Vorzeichen waren sehr schwer zu spielen (Gabelgriffe etc.), die Töne klangen sehr unterschiedlich. Komponisten haben das gezielt ausgenutzt und kreativ verwendet (Mozart z.B.).

Harnoncourt schrieb dazu auch mal:

Zitat

Die Böhmflöte (kurz vor 1850 erfunden) ist eine radikale Neukonstruktion. Die wesentlichen Unterschiede zur damals üblichen Querflöte: bei der Querflöte (Traverso) klingt D-Dur brillant und rein, alle anderen Tonarten - je nach Enfernung zur Grundtonart - gedeckt, bunt, inhomogen (also jeder Ton hatte eine unterschiedliche Farbe).


Zitat

Bleiben wir bei den Flöten, für die Bach komponiert hat. Da hat er etwa Sachen geschrieben, die ein damaliger Flötist kaum spielen konnte, Bachs Musik bekam durch die Mühe, durch diese Nähe zur Unspielbarkeit, eine ganz andere Dimension. Auf einer chromatischen, modernen Flöte klingt jede Tonart gleich leicht oder gleich schwer. Wenn die komponierte Schwierigkeit plötzlich wegfällt, fehlt eben eine wesentliche Dimension eines Werkes.


Zitat

Jede Beschränkung, jedes spieltechnische, klangliche Problem ist eben auch eine Inspirationsquelle für den Komponisten. (...) Wahrscheinlich sind sie auch die
einzige Möglichkeit für den Komponisten, das Scheitern in die Komposition einzubeziehen. Denn der Komponist will ja nicht eine konfliktfreie Marmelade vor uns ausbreiten, sondern er will menschliche Situationen mit all ihren Abgründen und mit ihrem Scheitern darstellen. Wenn dieses Scheitern sozusagen vom heutigen Aufführungspraktiker ausradiert wird, dann wird die Komposition verändert.

Darum wollte ich mir das anhören, weil ich es spannend finde zu verfolgen, wie der Komponist diese Eigenschaften der damaligen Flöte für seine Kompositionen verwendet hat. Freut mich, dass auch du ein Interesse an diesen Dingen hast! :)



LG,
Hosenrolle1
„Begreifen wir endlich, dass der emotionale Kult der Tradition nur eine Form unserer geistigen Faulheit ist.“ (Stanislaw Brzozowski)

harry

Schüler

  • »harry« ist männlich

Beiträge: 148

Registrierungsdatum: 9. Januar 2010

12

Dienstag, 29. August 2017, 20:55

...ich habe auch öfter gelesen, dass die Flöten von damals, je mehr Vorzeichen eine Tonart hatte, "unreiner" klangen...


Ist jetzt ein wenig OT, aber trotzdem: Das betrifft nicht nur die Flöte, sondern eigentlich alle Instrumente, besonders die Tasteninstrumente. Erst die "Erfindung" der ("Wohl"-)temperierten Stimmung ermöglichte es, alle Tonarten gleich "gut" zu spielen. Dabei nahm man in Kauf, dass es eigentlich nur noch ein einziges wirklich "rein" gestimmtes Intervall gab, nämlich die Oktav. Das Geniale dieser Erfindung ist die Tatsache, dass das menschliche Ohr diese "Verstimmungen" i.d.R. nicht wahrnimmt und sich deshalb auch nicht beleidigt fühlt (Es gibt natürlich Ausnahmen, aber das sind ausgesprochene Gehörs-Spezialisten). Bach hat sich diese Erfindung zu eigen gemacht; exemplarisch dafür natürlich die 2 Bände des "Wohltemperierten K(C)laviers" und auch einige Orgelwerke in entlegenen Tonarten.

Grüße, harry

Hosenrolle1

Prägender Forenuser

  • »Hosenrolle1« ist männlich

Beiträge: 657

Registrierungsdatum: 3. August 2017

13

Dienstag, 29. August 2017, 23:40

Ist jetzt ein wenig OT, aber trotzdem: Das betrifft nicht nur die Flöte, sondern eigentlich alle Instrumente, besonders die Tasteninstrumente.

Ich weiß, deswegen bin ich ja auch immer dafür, dass man Werke mit den Instrumenten aufführt, für die sie geschrieben wurden :)
Ich habe jetzt nur die Flöte alleine erwähnt, weil ich v.a. zeigen wollte, warum ich an der von dir genannten Aufnahme interessiert war.


LG,
Hosenrolle1
„Begreifen wir endlich, dass der emotionale Kult der Tradition nur eine Form unserer geistigen Faulheit ist.“ (Stanislaw Brzozowski)

Hosenrolle1

Prägender Forenuser

  • »Hosenrolle1« ist männlich

Beiträge: 657

Registrierungsdatum: 3. August 2017

14

Mittwoch, 30. August 2017, 23:01

Lieber harry,

Es handelt sich um "12 Fantaisies à Travers sans Basse", veröffentlicht um 1732.


Ich habe die Noten jetzt mal grob überflogen, und mir die Tonarten angesehen (dabei aber nur dir Dur-Tonart aufgeschrieben, manche davon, etwa Nr. 8 in e-Moll, stehen in der parallelen Molltonart, was aber an den Vorzeichen nichts ändert)


1. A-Dur
2. C-Dur
3. D-Dur
4. B-Dur
5. C-Dur
6. F-Dur
7. D-Dur
8. G-Dur
9. E-Dur
10. A-Dur
11. G-Dur
12. B-Dur


C, D, G, A und B kommen jeweils zweimal vor, nur E und F nur einmal. E-Dur ist hier die Tonart mit den meisten Vorzeichen (4 Kreuze) - die müsste auf dem richtigen Instrument gespielt auch am "buntesten" klingen, im Vergleich zu den anderen, die weniger Vorzeichen haben. Man sieht hier auf jeden Fall, dass der Komponist Tonarten mit zu vielen Vorzeichen vermied, bzw. selten eingesetzt hat.
Wenn du dir die Platte wieder mal anhörst, dann achte mal auf den Klang der Flöte, vor allem im Vergleich Nr. 3 und Nr. 9!



LG,
Hosenrolle1
„Begreifen wir endlich, dass der emotionale Kult der Tradition nur eine Form unserer geistigen Faulheit ist.“ (Stanislaw Brzozowski)

WoKa

Prägender Forenuser

  • »WoKa« ist männlich
  • »WoKa« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 035

Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

15

Freitag, 1. September 2017, 17:36

Hallo!

Bevor ich die Zusammenstellung jetzt aktualisiere, schaut bitte nochmal drüber - auch über meine Vorschläge und bringt ggf. Neues ein (oder kritisiert Genanntes)

Die Telemann-Sonaten nehme ich natürlich auf.

Gruß
WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

quodlibet

Anfänger

  • »quodlibet« ist weiblich

Beiträge: 54

Registrierungsdatum: 10. Juli 2017

16

Freitag, 1. September 2017, 19:00

guten Abend,

Bach (einschließlich Cello-Suiten): einverstanden
Händel und/oder Telemann Oboensonaten: einverstanden
Telemann Fantasien für Flöte: einverstanden

Corelli hat m.W. keine Werke für Soloflöte geschrieben (op. 5 wurde für Geige komponiert und später für Flöte eingerichtet)

Ggf stellt sich die Frage, ob auch Vivaldi in den Kanon aufgenommen werden sollte (opus 2, Geigensonaten)
die Liste würde vielleicht etwas sehr "geigenlastig", aus diesem Grund hab ich auch von der Nominierung von Telemanns Fantasien für Geige abgesehen.

Mit freundlichen Grüßen, quodlibet

WoKa

Prägender Forenuser

  • »WoKa« ist männlich
  • »WoKa« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 035

Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

17

Samstag, 2. September 2017, 18:35

Hallo!

Auch wenn der Kanon dadurch noch geigenlastiger wird - wäre es nicht angebracht, die Violinsonaten von Eugène Ysaye hinzuzufügen?
Die Frage ist dann natürlich auch - welche?

Kleine Anmerkung am Rande:

Diese Scheibe gibt es bei jpc gerade für einen Spottpreis:



Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

quodlibet

Anfänger

  • »quodlibet« ist weiblich

Beiträge: 54

Registrierungsdatum: 10. Juli 2017

18

Samstag, 2. September 2017, 19:50

Lieber WoKa,
danke für den Hinweis auf die Einspielung Tai Murrays (kenne nur die Aufnahmen von Kremer und Ricci sowie einige Aufnahmen des belgischen Wettbewerbs) :) .
Derzeit bin ich immer noch mit dem 18. Jh. beschäftigt :untertauch: .
Ysaÿes Violinsonaten gehören mE auch auf die Liste (kann jedoch nicht beurteilen welche Sonate; vermutlich gibt es für jede Sonate gute Gründe, die Dritte ist technisch innovativ, persönlich spricht mich die Zweite am meisten an).
Mit freundlichen Grüßen, quodlibet

  • »kurzstueckmeister« ist männlich

Beiträge: 6 665

Registrierungsdatum: 16. Januar 2006

19

Montag, 4. September 2017, 11:38

Tartini muss wohl rein, oder?

quodlibet

Anfänger

  • »quodlibet« ist weiblich

Beiträge: 54

Registrierungsdatum: 10. Juli 2017

20

Dienstag, 5. September 2017, 02:41

Lieber Kurzstueckmeister
Tartini muss wohl rein, oder?
seh ich auch so (kein Kanon ohne Teu :stumm: )

Für mich stellt sich noch die Frage ob Quantz (Flötensonaten) in den Kanon gehört (vermutlich eher nicht) ?
Vielleicht noch Telemanns Sonaten für Oboe ?

Mit freundlichen Grüßen, quodlibet

WoKa

Prägender Forenuser

  • »WoKa« ist männlich
  • »WoKa« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 035

Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

21

Dienstag, 5. September 2017, 22:12

Tartini muss wohl rein, oder?


Hallo kurzstueckmeister!

Machst Du einen Vorschlag?

Danke WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

Christian Biskup

Prägender Forenuser

  • »Christian Biskup« ist männlich

Beiträge: 510

Registrierungsdatum: 24. Februar 2009

22

Mittwoch, 6. September 2017, 12:13

Auch wenn ich mich aus schlichter Unkenntnis im Kammermusikbereich nicht wirklich beteildigen möchte, gehören für mich als ausübenden Musiker doch umbedingt Debussy's Syrinx für Flöte solo (1913) sowie auch Francis Poulenc's Sonate für Klarinette und Klavier (1962), wenn nicht sogar hinzukommend die Sonate für Flöte und Klavier (1957) von ihm ebenfalls in den Kanon.
Sehr gerne höre ich auch die Cellosonate von Edvard Grieg (1883), allerdings halte ich die oberen Werke für bedeutender. Für den nordischen/skandinavischen Raum fällt mir ac hoc auch nichts wirklich bedeutendes für diese Abteilung des Kanons ein...

LG
Christian

WoKa

Prägender Forenuser

  • »WoKa« ist männlich
  • »WoKa« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 035

Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

23

Montag, 18. September 2017, 21:54

Der Kammermusik-Kanon Teil I: Werke für Soloinstrumente mit und ohne Begleitung

Luis de Milán (1500 – 1561)
Libro de música de vihuela de mano intitulado El maestro

Ennemond Gaultier (1575 – 1651)
Pièces de luth sur trois différens modes nouveaux
Livre de tablature ... de Mr. Gaultier Sr. de Nève et de Mr. Gaultier son cousin

Jakob van Eyck (1590 – 1657)
Der Fluyten Lust-hof

Carlo Farina (1600 – 1639)
Sonate e Canzoni

Dario Castello (1621 – 1658)
Sonate concertate in stil moderno

Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 – 1704)

Rosenkranzsonaten

Arcangelo Corelli (1653 – 1713)

Violinsonaten op. 5

Antonio Vivaldi (1678 – 1741)

Violinsonaten Op. 2

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)

Sonaten und Partiten für Violine solo BWV 1001-1006
Sonaten für Violine und Cembalo BWV 1014-1019
Cellosuiten BWV 1007-1012

Wolfgang Amadeus Mozart (1656 – 1791)

Sonaten für Violine und Klavier

Georg Philipp Telemann (1681-1767)

Oboensonaten
Fantasien für Violine Solo

Giuseppe Tartini (1692 – 1770)

Teufelsrittersonate

Luigi Boccherini (1743 – 1805)

6 Sonaten für Cello und Klavier

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)

Violinsonaten Nr. 5 + 9 ("Frühling", "Kreutzer“)
Sonate für Cello und Klavier Nr. 3

Robert Schumann (1810 – 1856)

Sonate für Violine und Klavier Nr. 2

Franz Schubert (1797 – 1828)

Arpeggione Sonate
Notturno
Sonate für Violine und Klavier D 574

Frédéric Chopin (1810 – 1849)

Sonate für Cello und Klavier

César Franck (1822 – 1890)

Sonate für Violine und Klavier

Johannes Brahms (1833 – 1897)

Sonaten für Violine und Klavier 1-3
Sonate für Cello und Klavier Nr.2
Sonate für Klarinette und Klavier Nr.1

Camille Saint – Saens (1835 – 1921)

Sonate für Violine und Klavier Nr. 1

Eugène-Auguste Ysaÿe (1858 – 1931)

Sonate für Solo-Violine Nr. 2

Claude Debussy (1862 – 1918)

Syrinx für Flöte solo

Sergej Rachmaninov (1873 – 1943)

Sonate für Cello und Klavier

Béla Bartók (1881 – 1945)

Sonate für Solo-Violine

Sergej Prokofieff (1891 – 1953)

Sonate für Violine und Klavier Nr.1

Francis Poulenc (1899 – 1961)

Sonate für Klarinette und Klavier

Aaron Copland (1900 – 1990)

Sonate für Violine und Klavier

Dmitri Schostakowitsch (1906 – 1975)

Sonate für Cello und Klavier
Sonate für Violine und Klavier

Luciano Berio (1925 – 2003)

Sequenza I – XIV für versch. Instrumente bzw. Stimme

Salvatore Sciarrino (* 1947)

Sei Capricci für Violine solo

Edgar Varèse (1883 – 1965)

Density 21.5 für Flöte solo

John Cage (1912 – 1992)

Six Melodies for Violin and Piano

Iannis Xenakis (1922 – 2001)

Nomos Alpha für Violoncello

Arvo Pärt (*1935)

Spiegel im Spiegel (für Violine und Klavier)


Teil II folgt...

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

WoKa

Prägender Forenuser

  • »WoKa« ist männlich
  • »WoKa« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 035

Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

24

Mittwoch, 11. Oktober 2017, 00:27

Hallo!

Wenn ich Teil II fertig habe, werde ich wohl auch hier nochmals drüber gehen.

Beispielsweise denke ich drüber nach, die Oboensonate von Charles Koechlin aufzunehmen. Zum Einen als weiteres Sonatenwerk des Impressionismus, zum Anderen, weil der Kanon bislang keine Sonate für Oboe vorsieht.

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

WoKa

Prägender Forenuser

  • »WoKa« ist männlich
  • »WoKa« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 035

Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

25

Dienstag, 24. Oktober 2017, 23:05

Hallo!

Es steht einem Kammermusik-Kanon sicher gut zu Gesicht, wenn er sich nicht darauf beschränkt, die ausgewählten Werke chronologisch aufzulisten. Ich habe zu den Stücken (soweit vorhanden) Texte ausgewählt, die das Werk kurz umschreiben sollen. Dabei habe ich (natürlich) auf Wikipedia zurückgegriffen, auf die Kammermusikführer von Reclam und Bärenreiter, aber auch auf die Handbücher Brahms und Schumann bei Metzler / Bärenreiter. Außerdem [www.Kammermusikführer.deund andere Internettexte, die ich zum Teil angepasst habe.

Die Liste der Stücke habe ich nicht mehr verändert.

Sofern Ihr weitere oder andere Textvorschläge oder eine Überarbeitung vornehmen wollt, tut Euch keinen Zwang an. Ich werde es jeweils in den Kanon einfügen.
Außerdem haben ich die Stücke mit Links auf einschlägige Tamino-Threads versehen, die ich auf Inhalt allerdings nicht geprüft habe. Ich habe lediglich solche Threads ausgewählt, die speziell auf das jeweilige Stück gerichtet sind.

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

WoKa

Prägender Forenuser

  • »WoKa« ist männlich
  • »WoKa« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 035

Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

26

Dienstag, 24. Oktober 2017, 23:11

Der Kammermusik-Kanon Teil I: Werke für Soloinstrumente mit und ohne Begleitung

Teil 1 Milan bis Vivaldi


Luis de Milán (1500 – 1561)

Libro de música de vihuela de mano intitulado El maestro

Die Werke haben große Bedeutung für Vihuela-Interessierte (spanisches Lauteninstrument, Vorgänger der Gitarre), ebenso wie für die Renaissance-Laute und moderne klassische Gitarristen. Die Musik umfasst Fantasien, Präludien, Pavanas, Weihnachtslieder für Vihuela und Stimme, Romanzen und Sonette. El Maestro wird in Ebenen von einfach bis komplex präsentiert, so dass ein beginnender Vihuelist von elementaren zu komplizierteren Stücken gehen kann, wenn er sie erlernt. Viele sind von beträchtlicher Virtuosität. Die kompositorischen Stile variieren von einfacher Homophonie bis hin zu polyphon mit virtuoser Musik.

Jakob van Eyck (1590 – 1657)

Der Fluyten Lusthof

Van Eyck wurde als Blockflötenspieler durch sein Werk „Der Fluyten Lusthof“ bekannt, das in verschiedenen Fassungen und Teilen in den Jahren 1644, 1646, 1649 und 1654 erschien. Es handelt sich um eine umfangreiche Sammlung von Solostücken für Sopranblockflöte, die fast alle einem gemeinsamen Variationsschema folgen: Ein zunächst in einfacher Fassung vorgetragenes melodisches Stück, etwa ein Volkslied, ein Kirchenlied oder ein Psalm, wird in mehreren Schritten in kleinere, schnellere Notenwerte aufgelöst. Den Schlusspunkt bildet eine virtuose Fassung.

Fluyte-Lusthof


Carlo Farina (1600 – 1639)

Sonate e Canzoni

Carlo Farina gilt als Pionier der barocken Geigenliteratur, dessen raffinierte und technisch anspruchsvolle Schreibweise die frühe Violinmusik um zahlreiche Kunstgriffe im wörtlichen Sinne erweitert hat. Er veröffentlichte eine Reihe von Instrumentalmusik für die Violinfamilie, darunter 104 vierstimmige, 18 dreistimmige und sechs zweistimmige Stücke.

Denis Gaultier (1603 - 1672)

Pièces de luth sur trois différens modes nouveaux

Livre de tablature ... de Mr. Gaultier Sr. de Nève et de Mr. Gaultier son cousin

Dario Castello (1621 – 1658)

Sonate concertate in stil moderno

Von Dario Castello weiß man heute nicht mehr viel. Seine Sonaten fanden weite Verbreitung. Die Musik ist einfallsreich und kurzweilig, ohne dabei an der Oberfläche zu bleiben, und sie lässt dem musikalischen Eigenimpuls der ausführenden Musiker genug Raum, sich auszuleben.

Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 – 1704)

Rosenkranzsonaten

Durch den Einsatz von vierzehn verschiedenen Violin-Stimmungen, die von der Normalstimmung des Instruments in Quinten abweichen, nehmen die Rosenkranzsonaten eine einmalige Stellung in der Geschichte des Violinspiels ein. Jeder Sonate ist ein Kupferstich in Form eines Medaillons vorangestellt, der ein Ereignis aus dem Leben Marias und ihres Sohnes Jesus Christus abbildet.

Rosenkranzsonate

Arcangelo Corelli (1653 – 1713)

Violinsonaten op. 5

Nur wenige Werke der Musikgeschichte können sich mit dem Attribut "epochemachend" schmücken. Arcangelo Corellis Triosonaten gehören dazu. 1700 veröffentlicht, sollten sie die Violinpädagogen des 18. Jahrhunderts nachhaltig beschäftigen und in ihrer idealtypischen Form der Sonate für Violine und Basso continuo ein halbes Jahrhundert lang die Richtung vorgeben.

Corelli Violinsonaten

Antonio Vivaldi (1678 – 1741)

Violinsonaten Op. 2 RV 36

Diese Sonaten, die 1708 kurz vor den Konzerten von "L'estro armonico" geschrieben wurden, enthalten alle Leidenschaft und Virtuosität, alle Lyrik und Emotionen, die die Konzerte so ewig beliebt gemacht haben.
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

WoKa

Prägender Forenuser

  • »WoKa« ist männlich
  • »WoKa« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 035

Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

27

Dienstag, 24. Oktober 2017, 23:17

Der Kammermusik-Kanon Teil I: Werke für Soloinstrumente mit und ohne Begleitung

Teil 2 Bach bis Boccherini

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)

Sonaten und Partiten für Violine solo BWV 1001-1006

Die Sonaten und Partiten für Violine solo (BWV 1001–1006), im Originaltitel „Sei Solo a Violino senza Basso accompagnato.“ sind sechs Werke, die auf jede Begleitung verzichten. Die Zusammenstellung umfasst drei Sonaten und drei Partiten – Bach verwendet in seiner Reinschrift die Gattungsbezeichnungen „Sonata“ und „Partita“. Ungewöhnlich ist die polyphone Schreibweise, die eine hochentwickelte Mehrstimmigkeit auf einem einzigen Instrument erzeugt.

Bach Partiten für Violine

Sonaten für Violine und Cembalo BWV 1014-1019

Die sechs Sonaten für Violine und obligates Cembalo BWV 1014-1019 von Johann Sebastian Bach sind Werke in Triosonatenform mit den beiden Oberteilen im Cembalo und der Violine über eine Basslinie des Cembalos und einer optionalen Viola da Gamba . Im Gegensatz zu den barocken Sonaten für Soloinstrument und Continuo, bei denen die Ausführung des Basses dem Ermessen des Darbietenden überlassen wurde, wurde der Klavierteil in den Sonaten fast ausschließlich von Bach spezifiziert. Sie wurden wahrscheinlich größtenteils während Bachs letzten Jahren in Cöthen zwischen 1720 und 1723 komponiert, bevor er nach Leipzig zog.

Bach Sonaten für Violine und Cembalo

Cellosuiten BWV 1007-1012

Die sechs Suiten für Violoncello solo (BWV 1007–1012) gehören heute zu den meistgespielten Kompositionen für ein solistisches Streichinstrument. Die Handschrift vereinigt sechs Suiten, also Folgen von Einzelsätzen, die – oft stark stilisiert – auf die modischen Hoftänze der Entstehungszeit und der vorhergehenden Generation anspielen.

Bach Cellosuiten

Wolfgang Amadeus Mozart (1656 – 1791)

Sonaten für Violine und Klavier KV 301 bis 306

Mozart hatte sich vorgenommen, einen Zyklus von sechs Violinsonaten zu schreiben, was dann auch 1778 in Mannheim und Paris geschah. Mozart war mit diesen sechs Violinsonaten zufrieden und bezeichnete deshalb diesen Zyklus als sein ‚Opus 1‘, gewidmet der Kurfürstin Maria Elisabeth von der Pfalz. Reclams Kammermusikführer beurteilt diese Sonaten als „ungemein farbig, phantasievoll und voller sprühender Spielfreude“. In Paris urteilte man offenbar zurückhaltender: Am 20. Juli 1778 schrieb Mozart an den Vater: „bis dato hat mir noch keiner das geben wollen, was ich verlangte - ich werde doch endlich nachgeben müssen, und sie um 15 Louisd'or hergeben...“
http://tamino-klassikforum.at/index.php?…ad&threadID=974

Georg Philipp Telemann (1681-1767)

Oboensonaten

Die drei Ausgaben mit jeweils zwei Sonaten für Soloinstrument und Basso continuo (TWV 41) stammen alle aus Telemanns berühmten Essercizii Musici, einer Sammlung von insgesamt 24 Sonaten, davon 12 Solosonaten und 12 Triosonaten. Die Werke sind von Corellis "Sonata da Chiesa“ geprägt und bestehen aus jeweils vier Sätzen in der Tempofolge langsam – schnell – langsam – schnell.

Fantasien für Violine Solo

Die Sammlung von 12 Fantasien für Violine, TWV 40 wurde 1735 in Hamburg veröffentlicht. Es ist eine von Telemanns Musiksammlungen für unbegleitete Instrumente. Telemanns Violinen-Fantasien beherrschen nicht nur zusammengesetzte melodische Linien, sondern auch das idiomatische Schreiben für die Violine, da Telemann selbst Autodidakt war. Ein Großteil der Musik zeigt den Einfluss italienischer Sonaten und Konzerte.

Telemann Violin-Fantasien

Giuseppe Tartini (1692 – 1770)

Teufelsrittersonate

Die Teufelsrittersonate schuf Tartini wohl nach 1735 in Padua. Dem Astronomen Lalande verdankt die Nachwelt die Aufzeichnung ihrer Entstehungsgeschichte. Es träumte Tartini, er habe seine Seele dem Teufel verschrieben und dieser sei dafür in seine Dienste getreten. Um ihn zu foppen, habe er ihm seine Geige gegeben und eine Probe seines Könnens verlangt. Zu seiner Verwunderung habe der Teufel sogleich eine herrliche Sonate gespielt. Davon se e aufgewacht und habe nun versucht, die Töne in die Wirklichkeit hinüberzuretten. Was er habe aufschreiben können, sei aber nur ein schwacher Abglanz der „Teufelssonate“. Enttäuscht habe er sein Instrument zertrümmern und der Musik auf immer entsagen wollen, es aber nicht über sich gebracht.


Luigi Boccherini (1743 – 1805)

6 Sonaten für Cello und Klavier

Boccherinis Cellosonaten werden in dem von ihm selbst gehaltenen Katalog nicht erwähnt. Es wurde spekuliert, dass dies darauf zurückzuführen sei, dass er sie vielleicht nie veröffentlichen lassen wollte, weil er sie entweder als unreife Werke betrachtete (sie wurden irgendwann vor seinem 25. Lebensjahr geschrieben) oder als zu schwierig für Amateurdarsteller. Es ist ungewiss, ob die Handschriften Autogramme sind, aber es ist sicher, dass die Musik seine ist und dass er sie in seinen Konzerten aufgeführt hat.
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

WoKa

Prägender Forenuser

  • »WoKa« ist männlich
  • »WoKa« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 035

Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

28

Dienstag, 24. Oktober 2017, 23:25

Der Kammermusik-Kanon Teil I: Werke für Soloinstrumente mit und ohne Begleitung

Teil 3 Beethoven bis Brahms

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)

Violinsonate Nr. 5 op. 24 ("Frühlingssonate")

Die Violinsonate Nr. 5 in F-Dur ist für Pianoforte (Klavier) und Violine komponiert. Der Beiname „Frühlingssonate“ entstand, wie bei vielen anderen Werken, erst später und soll den Charakter des Stückes beschreiben. Gewidmet ist das Werk dem Grafen Moritz von Fries.

Violinsonate Nr. 9 op. 47 ("Kreutzersonate“)

Die Sonate für Klavier und Violine Nr. 9 A-Dur entstand 1802 und ist gemeinhin als Kreutzer-Sonate bekannt. Das etwa 40-minütige Werk ist charakterisiert durch Klangfülle (die Violine beginnt mit einem mehrstimmigen Solo), Virtuosität, überraschende Modulationen, weite melodische Bögen und abwechslungsreiche Sätze – vom furiosen ersten Satz über den meditierenden zweiten bis zum jubelnden Finale. Wie alle „Violinsonaten“ von Mozart und Beethoven ist sie „für Pianoforte und Violine“ geschrieben, nicht für „Violine und Klavier“. Diese Bezeichnung kam erst später in der „Romantik“ auf.

Beethoven Kreutzersonate

Sonate für Cello und Klavier Nr. 3 op. 69

Beethoven vollendete die Komposition an seiner Cellosonate Nr. 3 im Jahr 1808 zeitgleich mit dem Abschluss der Arbeiten an seiner 5. Sinfonie in c-Moll, op. 67. Wegen des ausgewogenen Verhältnisses zwischen den beiden beteiligten Instrumenten sowie der kompositorischen Güte des Werkes wurde Beethovens Cellosonate op. 69 zum Vorbild für Komponisten wie Felix Mendelssohn Bartholdy und Johannes Brahms.

Beethoven Cellosonate Nr. 3

Robert Schumann (1810 – 1856)

Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 op. 121

Wenige Monate nach der ersten Violinsonate arbeitete Schumann bereits an der zweiten. In dieser „Zweiten großen Sonate für Violine und Pianoforte“ wird die Violine als erstes Instrument genannt, was in der zeitgenössischen Literatur noch ungewöhnlich war. Die zweite Violinsonate hat Schumann dem Leipziger Geiger Ferdinand David gewidmet und dementsprechend konzertant schwierig gehalten.

Franz Schubert (1797 – 1828)

Sonate für Arpeggione und Klavier D 821

Eine dreisätzige Sonate für Arpeggione in a-moll, die Schubert 1824 für ein von dem Wiener <Instrumentenbauer Georg Stauffer erdachtes, auch „Guitarre d´amour“ genanntes sechssaitiges Streichinstrument komponierte. Wie in vielen Werken Schuberts ist auch bei dieser Komposition bei aller Spielfreudigkeit die Harmonik auffallend.

Schubert Arpeggione Sonate

Sonate für Violine und Klavier D 574

Die A-Dur-Violinsonate, D 574, ist ein besonders anspruchsvolles Werk. Ihre populäre Bezeichnung als “Duo” verdankt sie der posthumen Erstausgabe von 1851. Für Schubert war sie eine Grande Sonate, mit der sich der 20-jährige vom früheren Vorbild Mozart lösen und den Anschluss an die großen Sonaten Beethovens und Hummels erreichen wollte. Nicht zufällig arbeitete er im Sommer 1817 zeitgleich an einem Zyklus großer Klaviersonaten. Der Impuls zur Grande Sonate ging vom Klavier aus, und auch in der A-Dur-Sonate mit Violine ist es das Klavier, das dem Genre neue Klangräume erschloss.

Schubert Violinsonate


Frédéric Chopin (1810 – 1849)

Sonate für Cello und Klavier op. 65

Frédéric Chopin liebte das Cello und tat sich doch so schwer damit. Die Arbeit an seiner Cellosonate g-Moll op. 65 gestaltete sich äußerst mühevoll. Unzufrieden war Chopin vor allem mit dem 1. Satz, den er dann auch bei der Uraufführung seines Spätwerks (mit seinem Freund, dem Cellisten und Widmungsträger dieser Sonate, Auguste Franchomme) am 16. Februar 1848 in Paris ausließ. Die formale Unübersichtlichkeit und das nicht unproblematische klangliche Verhältnis zwischen Cello und dem immer wieder überbordenden Klaviersatz mögen hierfür die Gründe gewesen sein. Doch ist dieses aufgewühlte Sonaten-Allegro mit seinen zahlreichen melodischen Gedanken – wie auch die drei Folgesätze – von einer wunderbaren Klangpoesie und emotionalen Dringlichkeit.

César Franck (1822 – 1890)

Sonate für Violine und Klavier

Die 1886 komponierte Sonate widmete Franck seinem Freund Eugène Ysaye als Hochzeitsgeschenk. Der überwältigende Erfolg dieser Aufführung setzt sich bis zum heutigen Tag fort. Die Sonate gehört zu den beliebtesten Werken des Konzertrepertoires.

Franck Violinsonate

Johannes Brahms (1833 – 1897)


Sonaten für Violine und Klavier 1-3 op. 78, 100, 108

Die Violinsonaten von Johannes Brahms sind ein kammermusikalischer Höhepunkt der Musik für Klavier und Violine. Besonders sind ihre konsequent lyrische Verankerung, ihr poetisches Zentrum, ihr abgeklärt unaufgeregter Charakter, der sich aber auf das Allerschönste mit schwärmerischer Tonsprache und weit geschwungener Melodik paart.

Sonate für Cello und Klavier Nr.2 op. 99

Die Anregung zu diesem Werk ging von dem Cellisten Robert Hausmann aus. Er bat Brahms, ein weiteres Werk für Violoncello zu komponieren - wenn schon kein Konzert, so doch wenigstens eine Sonate. Während seines Sommeraufenthalts in Hofstetten am Thuner See 1886 kam Brahms diesem Wunsch nach, und bereits am 14. November 1886 führten beide zusammen das Werk im kleinen Saal des Wiener Musikvereins, direkt aus dem Manuskript Brahms spielend, auf. Die Wiener Presse war begeistert, auch wenn sich die Begeisterung vor allem an der Authentizität der Darbietung entzündete: "Wir wissen gar nicht, wie gut wir es haben, ein solches Meisterwerk, noch ehe die übrige musikalische Welt sich daran erfreuen darf, direkt von berufenster Seite zu empfangen.“ In kaum einem anderen Werk war Brahms ähnlich konzessionslos, was leichte Fasslichkeit und Eingängigkeit des Werkes anbelangt. Die musikalische Struktur ist äußerst dicht, und namentlich der Beginn der Cellosonate ist ein Musterbeispiel für Brahms´ kompositorische Technik der entwickelnden Variation, die in Arnold Schönberg einen großen Verehrer fand.

Brahms Cellosonate Nr. 2

Sonate für Klarinette und Klavier Nr.1 op. 120.1

Johannes Brahms schrieb seine beiden Klarinettensonaten 1894, drei Jahre vor seinem Tode, für den Meininger Klarinettisten Richard Mühlfeld. Mühlfeld, der sich in der Meininger Hofkapelle autodidaktisch vom Tuttigeiger zum Soloklarinettisten ausgebildet hatte. Auch Brahms war hingerissen, sodass er 1891 seinen im Vorjahr gefassten Entschluss, das Komponieren aufzugeben, noch einmal überdachte.
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

WoKa

Prägender Forenuser

  • »WoKa« ist männlich
  • »WoKa« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 035

Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

29

Dienstag, 24. Oktober 2017, 23:32

Der Kammermusik-Kanon Teil I: Werke für Soloinstrumente mit und ohne Begleitung

Teil 4 Saint-Saens bis Schostakowitsch

Camille Saint – Saens (1835 – 1921)


Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 op. 75

Ursprünglich nur als kleines Duo für Geige und Klavier geplant, wuchs sich die Komposition im Herbst 1885 zu einer großen Sonate aus. Ihre ersten Aufführungen waren für Saint-Saëns mehr als ernüchternd, da die Geiger an den virtuosen Anforderungen vor allem des Finales scheiterten. Man werde sie „the hippogriff-sonata“ nennen, meinte er gegenüber seinem Verleger, um anzudeuten, dass der Geigenpart nur von einem Fabelwesen zu bewältigen sei. Inzwischen hat die Sonate ihre Schrecken weitgehend verloren und gehört trotz oder sogar wegen ihrer technischen Herausforderungen zu den beliebtesten Kammermusikwerken des französischen Meisters.
http://tamino-klassikforum.at/index.php?…d&threadID=1498

Eugène-Auguste Ysaÿe (1858 – 1931)

Sonate für Solo-Violine Nr. 2 (aus op. 27)

Die Sechs Sonaten für Violine solo , Op. 27, sind eine Reihe von Sonaten für unbegleitete Violine, geschrieben im Juli 1923. Jede Sonate ist einem der zeitgenössischen Violinisten gewidmet: Joseph Szigeti (No. 1), Jacques Thibaud (No. 2), George Enescu (No. 3), Fritz Kreisler (Nr. 4), Mathieu Crickboom (Nr. 5) und Manuel Quiroga (Nr. 6).
Nach Johann Sebastian Bachs Sonate für Solovioline in g - Moll wurde Ysaÿe inspiriert Werke für Violine zu komponieren, die die Entwicklung der musikalischen Techniken und Ausdrucksweisen seiner Zeit darzustellen. Ysaÿe behauptete: "Ich habe alles von Bach bis Debussy gespielt , denn echte Kunst sollte international sein." In dieser Reihe von Sonaten verwendete er prominente Charakteristika der Musik des frühen 20. Jahrhunderts, wie ganze Tonskalen , Dissonanzen und Vierteltöne . Ysaÿe verwendete auch virtuose Bogen und Techniken der linken Hand, denn er glaubte, dass "die Instrumente der Geigenbeherrschung, des Ausdrucks, der Technik und des Mechanismus heutzutage viel notwendiger sind als in der Vergangenheit."

Claude Debussy (1862 – 1918)

Syrinx für Flöte solo

Die Ästhetik des Flötenstückes Syrinx bezieht sich auf einen antiken Mythos: auf die Geschichte vom Waldgott Pan und der Nymphe Syrinx, wie sie Ovid in den Metamorphosen erzählt. Pan verliebte sich in Syrinx, die sich seiner Werbung entzog, indem sie Diana anflehte, sie in Schilf zu verwandeln. Aus den Rohren dieses Schilfs setzte der trauernde Gott seine Flöte zusammen (die sprichwörtliche “Panflöte”) und begann, ein Trauerlied für Syrinx zu blasen. Diesen Augenblick der Geschichte hat Debussy in seinem Flötensolo eingefangen, das er als Schauspielmusik zu einem zeitgenössischen Drama komponierte (Psyché von Gabriel Mourey, 1913), das sich aber längst als Klassiker des Flötenrepertoires verselbständigt hat. In seinen stilisierten Klagelauten, in der Ausnutzung der tiefen Lage des Instruments und seinem mythischen Zauber gehört es zu den poetischsten Stücken, die jemals für das Instrument geschrieben wurden.

Sergej Rachmaninov (1873 – 1943)

Sonate für Cello und Klavier op. 19

1900 war ein wichtiges Jahr für Rachmaninow: Endlich komponierte er wieder. Denn nachdem seine 1. Sinfonie 1897 mit vernichtenden Kritiken überschüttet worden war, verfiel Rachmaninow - ohnehin keine Frohnatur - in eine tiefe Depression. Freunde rieten ihm, sich Doktor Dahl anzuvertrauen. Nikolai Dahl war einer der russischen Pioniere auf dem Gebiet der Psychiatrie und behandelte Rachmaninow mit den neuen Mitteln der Hypnose.
Rachmaninow schrieb sein 2. Klavierkonzert. Aber das war Rachmaninow als Dank nicht genug. Dahl, der ein passabler Amateurcellist war, inspirierte ihn obendrein zu dieser Sonate für Violoncello. Und mehr noch als im Klavierkonzert sah Rachmaninows Kollege Anton Arenksi vor allem in dieser 1901 komponierten Sonate g-Moll op. 19 einen Wendepunkt in Rachmaninows künstlerischer Entwicklung. Die Cellosonate ist voll melodischem und harmonischem Reichtum und von einer besonderen emotionalen Dichte.

Rachmaninov Cellosonate

Béla Bartók (1881 – 1945)

Sonate für Solo-Violine 1 SZ. 75

Die Entstehungsgeschichte der Solosonate für Geige von Béla Bartók ist so spannend wie ihre Bedeutung für die Kompositionsgeschichte überhaupt. Der Geiger Yehudi Menuhin hat in seinen Lebenserinnerungen dokumentiert, wie er Bartók kennenlernte und ihn schließlich bat, etwas für ihn zu schreiben, wobei er sich aber eher ein kleines Werkchen vorstellte als nun eine riesige Komposition mit epochalem Anspruch. »Ich ahnte damals nicht, dass er eines der Meisterwerke aller Zeiten für mich schreiben würde.« Die viersätzige Solosonate steht ganz in der jahrhundertealten Tradition der Gattung, ausgehend von der barocken »Sonata senza basso« mit ihrer Viersätzigkeit und den individuellen Charakteren der einzelnen Sätze.

Sergej Prokofieff (1891 – 1953)

Sonate für Violine und Klavier Nr.1 op. 80

Der Wunsch zur Komposition keimte bei Prokofjew auf, nachdem er in Teberda Musik von Händel gehört hatte; als er im August 1941 für zwei Jahre mit einer Gruppe von Kunstschaffenden nach Naltschik evakuiert wurde, nahm er u.a. die begonnene Arbeit an der ersten Violinsonate mit. Beendet wurde die Komposition erst 1946 auf seinem Landsitz Nikolina-Gora. Gewidmet hatte Prokofjew die Sonate dem Geiger David Oistrach; dieser wurde gleich nach der Beendigung dorthin geladen, Oistrach äußerte sich nach der Probenarbeit mit dem Pianisten Lew Oborin über die ihnen erläuterte Sonate: noch nie habe ich an einem Werk so begeistert gearbeitet. Die Uraufführung der Sonate fand am 23. Oktober 1946 im Kleinen Saal des Moskauer Konservatoriums statt; 1947 erhielt der Komponist für die 1. Violinsonate den Stalinpreis ersten Grades. Oistrach schlug dieses Werk auch für Prokofjews Trauerfeier vor, weil das Werk von seiner Stimmung her am besten geeignet schien.

Francis Poulenc (1899 – 1961)

Sonate für Klarinette und Klavier

Vielen gilt die Klarinettensonate als das schönste Bläserwerke von Francis Poulenc. Sie war Poulencs vorletztes Instrumentalstück, das er wenige Monate vor seinem Tode vollendete. Ihre drei Sätze, ein “trauriges Allegro”, eine Romanze und ein feuriges Finale verraten einen Zug ins Dunkel-Verhangene, den man beim Humoristen Poulenc selten findet. Die Sonate entstand nämlich als Hommage an seinen 1955 verstorbenen Freund Arthur Honegger. Kein Geringerer als Benny Goodman hat sie im April 1963 in New York gemeinsam mit Leonard Bernstein am Klavier uraufgeführt. Es war eine Hommage nicht an Honegger, sondern an Poulenc selbst, der im Januar 1963 gestorben war.

Aaron Copland (1900 – 1990)

Sonate für Violine und Klavier

Coplands Sonate für Violine und Klavier (1942 - 43) stellt wie seine Klaviersonate (1939 - 41) einen Mittelweg zwischen den dornenhaften Werken des Komponisten und jenen in seinem leicht zugänglichen Americana-beeinflussten Stil dar. Die Violinsonate ist abwechselnd reflektierend und überschwänglich und von einer gewissen Zärtlichkeit durchdrungen; Jede ihrer drei Sätze endet mit einem ruhigen Dur-Dreiklang. Copland widmete die Sonate der Erinnerung an einen Musikerfreund, Leutnant Harry H. Dunham, der im Zweiten Weltkrieg im Pazifik abgeschossen wurde.

Dmitri Schostakowitsch (1906 – 1975)

Sonate für Cello und Klavier op. 40

Mit seiner frühen Sonate in d-Moll, op. 40, hat Schostakowitsch dem “cantabilen Ausdrucksgehalt” eines der schönsten Denkmale in der Celloliteratur gesetzt. Das Stück, Anfang 1934 entstanden, ist, wie die Sinfonik Schostakowitschs, ein Bekenntnis zur klassisch-romantischen Formtradition.

Schostakowitsch Cellosonate

Sonate für Violine und Klavier op. 134

Die Violinsonate wurde 1947-48 komponiert, zwei Jahre nach dem Ende des “Großen Vaterländischen Krieges”, aus dem Stalin als der strahlende Held hervorgegangen war, obwohl jedem in Russland das Elend der Zerstörungen und Kriegsverbrechen wie die radikalen Säuberungen des Diktators bewusst waren. Schostakowitsch stand seit 1936 unter schärfster Beobachtung seitens der Parteifunktionäre – seit man ihm zum ersten Mal westlichen Formalismus vorgeworfen hatte. Im Zweiten Weltkrieg waren Person und Musik des Komponisten zum Gegenstand der Identifikation geworden. Das Foto Schostakowitschs mit Helm bei der Belagerung Leningrads ging um die Welt, und seine“ Leningrader Symphonie” setzte dem Ringen seines Volkes ein bewegendes und monumentales Denkmal. Dennoch musste sich der Komponist nach dem Ende des heißen Krieges auf die Gesetze des Kalten Krieges einstellen.
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

WoKa

Prägender Forenuser

  • »WoKa« ist männlich
  • »WoKa« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 035

Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

30

Dienstag, 24. Oktober 2017, 23:35

Der Kammermusik-Kanon Teil I: Werke für Soloinstrumente mit und ohne Begleitung

Teil 5 Berio bis Pärt

Luciano Berio (1925 – 2003)


Sequenza I – XIV für verschiedene Instrumente bzw. Stimme

Der bedeutendste Zyklus in Berios Kammermusik sind die neun “Sequenza” genannten Werke für je ein Soloinstrument bzw. Sologesang ohne Begleitung. Die Sequenz ist eine Form der Gregorianik, in Berios Verständnis hat der Begriff jedoch, wie er selbst sagt, “keine Beziehung zur mittelalterlichen Kirchenmusik, sondern rührt von der Tatsache her, daß diese Stücke hauptsächlich auf Sequenzen harmonischen Charakters und verschiedenen Typen instrumentaler Aktionen basieren”. Um welche Art von “Aktionen” es geht, zeigen exemplarisch Sequenza I für Flöte (1958) und Sequenza VII für Oboe solo (1969). Es geht um die Entdeckung neuer Klangräume und -farben für das Instrument, aber auch um eine Abwehr gegen die sogenannte “serielle Musik”, in der alle Parameter eines Musikstücks von vornherein festgelegt werden.

Salvatore Sciarrino (* 1947)


Sei Capricci für Violine solo

Von allen seinen Arbeiten sind die 6 Capricci vielleicht die bekanntesten. Komponiert für Salvatore Accardo und seine violonistische Technik. Vier der Capricci wurden jeweils an einem Tag komponiert, während er sich mit dem sechsten einen ganzen Monat beschäftigte.

Edgar Varèse (1883 – 1965)

Density 21.5 für Flöte solo

Density 21.5 ist eine Komposition für Querflöte solo von Edgar Varèse. Das 1936 entstandene Stück gilt als richtungsweisende Komposition des 20. Jahrhunderts innerhalb des vergleichsweise schmalen Repertoires für Flöte solo.


John Cage (1912 – 1992)

Six Melodies for Violin and Piano

Six Melodies ist eine Sammlung von sechs Stücken für Violine und Tasteninstrument von John Cage . Es wurde 1950 komponiert, kurz nachdem Cage sein Streichquartett in vier Parts fertiggestellt hatte . Die Arbeit verwendet die gleichen Techniken: die Gamut-Technik und die verschachtelten rhythmischen Proportionen. Zunächst wird eine feste Anzahl von Klangfarben (Einzeltöne, Intervalle und Aggregate) vorbereitet, die jeweils unabhängig voneinander erzeugt werden. Diese Klangfarben werden Gamuts genannt. Sequenzen von Gamuts werden dann verwendet, um Melodien mit harmonischen Hintergründen zu erzeugen, die in keiner Weise mit funktionaler Harmonie verbunden sind , die Cage zu vermeiden suchte. Die Struktur jedes Stückes und jedes Satzes wird durch das gleiche rhythmische Muster definiert: 3 1/2, 3 1/2, 4, 4, 3, 4. Der Violinist ist in der Partitur angewiesen, ohne Vibrato zu spielen und mit minimalem Gewicht auf dem Bug .


Iannis Xenakis (1922 – 2001)

Nomos Alpha für Violoncello

Nomos Alpha, das für Solo-Cello steht, möchte das Anliegen des formalen Aufbaus mit der Bandbreite der verfügbaren Techniken auf dem Instrument abgleichen. Es ist eine kompromisslose Arbeit, die den Cellisten zwingt, schnell zwischen verschiedenen Formen des Verbeugens, Zupfens, Klopfens und so weiter zu wechseln. Das Material wird in kaleidoskopischen Fragmenten präsentiert, die so ziemlich alles zerstäuben, wozu das Cello in der Lage ist.


Arvo Pärt (*1935)

Spiegel im Spiegel (für Violine und Klavier)
Der Spiegel im Spiegel hat die bekannteste aller Musik des estnischen Komponisten Arvo Pärt (geb. 1935). 1978, kurz bevor Pärt Estland nach Berlin verließ, wurde es ursprünglich für Klavier und Violine geschrieben, obwohl es auch viele andere Versionen gibt, u. a. für Klavier und Violoncello oder Viola, Klarinette, Flöte und Schlagzeug. Ein Beispiel für minimalistische Musik, es hat eine meditative und ruhige Einfachheit sowohl in seiner Struktur und Tonalität.
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo