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AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

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Austria

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1

Sonntag, 6. November 2005, 21:04

Erotik in der Musik

Hallo,

Klassische Musik ist ja nicht nur zum Theoretisieren da ;-), sondern erweckt in uns auch Gefühle: Glück, Hoffnung, Sehnsucht, Trauer, Besinnlichkeit, sie putscht uns auf, sie wirkt beruhigend - ja, und sie kann auch erotisch sein.

Auch wenn das jetzt vielleicht tief blicken läßt :D, hier sind meine favourites:
- astor piazzola: tangos
- hector berlioz: symphonie "harold en italie"
- anton bruckner: symphonien 4 bis 9
- camille saint-saens: symphonie 3 "orgelsymphonie"
- aram khachaturian: walzer aus der masquerade suite
- jean sibelius: valse triste
- claude debussy: prelude a l'apres-midi d'un faune
- Wagner: Tristan und Isolde, Tannhäuser, das Erda-Motiv ;-), Walküre
- Ravel: Bolero
- Francis Poulenc: Konzert für Orgel, Streicher und Pauken
- Strauss: Salome

Ich höre jetzt auf... also mehr oder weniger alles sich steigernde, drängende, kulminierende.

Würdet Ihr das bestätigen und habt Ihr Beispiele?

Austria
Wir lieben Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - vorausgesetzt, sie denken dasselbe wie wir (Mark Twain)

Maik

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2

Sonntag, 6. November 2005, 21:13

Hallo Austria,

bei meinem Beispiel könnte man fast sagen: Erotik durch die Musik.

Es ist noch gar nicht so lang her, da war ich, u.a. mit Peter (petemonova), im Konzert.
Auf dem Programm stand auch die vierte Symphonie von Tschaikowsky.

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber es war bisher das erste und einzige Mal, dass ich so etwas wie Erotik durch die Musik verspürt habe.

Es war einfach eine gewaltige Steigerung!!! Immer und immer mehr! Immer inniger und bombastiger!
Jede Note erhöhte den Druck...es wurde immer fesselnder (obwohl ich mich eigentlich nicht mehr auf dem Sitz halten konnte - eher musste ich innere Gewalt anwenden, um nicht auf zu springen).
Letztlich hat sich die ganze Spannung entladen! Einfach gigantisch!!!
Ein dritter Begleiter (Freund von Peter und mir) hat es dann passend ausgedrückt: "Ein musikalischer Orgasmus!"

Es war wirklich ein inniges Erlebnis! Besonders schlimm war, dass ich mehr geschwitzt haben muss, als Inbal oder jemand aus dem Orchester :D


Könntest du auch etwas zu deinen Erlebnissen sagen?
Du hast ja eine Menge Beispiele angeführt...


Gruß, Maik
Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.

Sirach 32, 7

Austria

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3

Sonntag, 6. November 2005, 21:21

Servus Maik,

Könntest du auch etwas zu deinen Erlebnissen sagen?

SOO ins Detail wollte ich nun auch wieder nicht gehen...... :D

Ich meinte, daß Du Dir z.B. mit einer Freundin zu Hause einen schönen Abend machst, mit Kerzenlicht, einem guten Wein - und Ihr klassische Musik hört, usw... Welche Musik käme da in Frage?

LG
Austria
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Maik

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4

Sonntag, 6. November 2005, 21:32

Hallo Austria,

sieht eher schlecht aus, da ich keine Freundin habe :D ;)
Aber derzeit hät ich auch gar nicht Zeit und Geld dafür :wacky:

Selbst wenn ich eine hätte, würde mir kein explizites Beispiel einfallen.
Dazu kommt ja noch, dass ihr solche Musik auch gefallen sollte...Oder ihr gefiele der 'Überraschungseffekt' :stumm:

Gruß, Maik


PS:

Zitat

Ich meinte, daß Du Dir z.B. mit einer Freundin zu Hause einen schönen Abend machst, mit Kerzenlicht, einem guten Wein - und Ihr klassische Musik hört, usw...


Ich wusste ja nicht, dass du in dieser Hinsicht/Richtung gedachtest dieses Thema zu gestalten ;)
Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.

Sirach 32, 7

ThomasW

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5

Sonntag, 6. November 2005, 22:46

Hallo Austria,

wo sind denn die Symphonien 4 - 9 von Bruckner erotisch? Kannst du da die genauen Stellen einmal nennen?

Also zu diesem Thema fällt mir auch nicht so viel ein, nur ein paar Punkte.

1. Finde ich wenn überhaupt rhythmische Musik wohl etwas erotisch, z. B. Tanzmusik. Ich stelle mir. wenn ich z. B. die slawischen Tänze Dvoráks höre, oder andere Tänze gerne vor, wie dazu ein Tanzpaar lasziv anmutend das Tanzbein schwingt.
Müsste ich DAS erotische Werk auswählen, würde ich wohl die "Gaîté Parisienne" von Jacques Offenbach nennen. Die Musik ist so heiter, dass sie schon wieder was frivoles hat. Aber ich glaube das ist von Offenbach auch beabsichtigt, viele seiner Werke sind von Frivolität gezeichnet.

2. Finde ich Liszts Musik etwas erotisch. Z. B. die "Faustsymphonie", "Les Preludes", der "Mephisto-Walzer" oder "Festklänge" haben für mich etwas Erotisches.
Bei der Faustsymphonie ist es v. a. der zweite Satz, aber auch der erste und dritte Satz sind etwas erotisch. Der Mephisto-Walzer hat irgendetwas sarkastisches. Bei den Festklängen finde ich die Passagen, in denen eine Polonnaise anklingt im Kontext zu den anderen Passagen erotisch.

3. Würde ich "Scheherazade" von Rimsky-Korsakov als erotisch im exotischem Sinne bezeichnen. Da kommt bei mir eine gewisse Sehnsucht nach orientalischen Düften, Tänzen und Frauen auf. ;)

4. Wagners Musik ist natürlich extrem erotisch, darüber brauchen wir nicht sprechen. Wagner war ein "echtes Mannsbild", wurde sehr geprägt von den Frauen, das hört man aus seiner Musik wahrlich raus, wie sich die Spannung über Minuten hinweg immer mehr auftürmt, bis zum Schluss, zum fulminanten Höhepunkt, das ist sensationell und würde sicher parallel zu der Erledigung der schönsten Nebensächlichkeit der Welt sehr gut passen.
Der Tannhäuser wurde hier ja schon von Austria erwähnt.

5. Strauss' Walzer finde ich auch etwas erotisch. Zumindest gibt es vieles das ich unerotischer finde. Aber Tanzmusik hatten wir schon oben, deshalb ist das nicht wirklich ein weiterer Punkt

Bezüglich dieses Themas bin ich aber mit meinem Latein leider schon wieder am Ende. Vielleicht haben andere noch Interessantes dazu beizutragen ...

Guercoeur

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6

Montag, 7. November 2005, 04:19

Hallo Austria,

bei dem Stichwort Erotik in der Musik fallen mir zu allererst die Komponisten um die Jahrhundertwende ein, die dem Impressionismus nahe standen, vor allem:

Alexander Scriabin (1872-1915), der in seinem 'Poème de l' Extase', opus 54 (1905-07) - wie im Titel bereits angedeutet - (zwar nicht ausschließlich, aber auch) die Ekstase im erotischen Sinn meint und musikalisch beschreibt.
Versucht er im Poème de l' Extase die größtmögliche emotionale Steigerung noch konventionell - mit dem Orchester - zu erzeugen, spricht der Komponist im nächsten, gleichfalls riesig besetzten Werk (mit Vokalisenchor) 'Prometheus - Le Poème du Feu', opus 60 (1910) neben der akustischen auch die optische Sinneswahrnehmung an (durch Verwendung eines Farbenklaviers), und in seinem geplanten, jedoch nicht mehr vollendeten Gesamtkunstwerk 'Mysterium' war außerdem eine Duftorgel vorgesehen, auch der Tastsinn sollte einbezogen werden, um alle Sinne des Menschen anzusprechen.

Außer Scriabin sind es unter den bekannten Komponisten hauptsächlich
Claude Debussy (1862-1918) mit seinem 'Prélude à l' Après-Midi d' un Faune 1892-94 und
Maurice Ravel (1875-1937) mit dem Ballett Daphnis et Chloé' für Vokalisenchor und Orchester 1909-12,
denen ich Begriffe wie 'Sinnlichkeit', 'Rausch' und 'Erotik' zusprechen würde.

Und die Liste ließe sich endlos fortsetzen mit Komponisten und Werken, die vom "normalen" Konzertpublikum leider nur wenig bis gar nicht wahrgenommen werden - Komponisten, die durch ihre klangmagischen Fähigkeiten fraglos erotisch-rauschhafte Stimmungen zu zaubern imstande waren, z. B.:

Karol Szymanowski (1882-1937): Symphonie Nr. 3 B-dur "Das Lied von der Nacht", opus 27 1914-16
Król Roger (König Roger) - Oper, opus 46 1918-25

Franz Schreker (1878-1934): Der ferne Klang - Oper 1901-10
Erich Wolfgang Korngold (1897-1957): Das Wunder der Heliane - Oper, opus 20 1924-26
Alexander von Zemlinsky (1871-1942): Lyrische Symphonie, opus 18 1922
Erwin Schulhoff (1894-1942): Flammen - Oper, opus 68 1927-29
Rudi Stephan (1887-1915): Liebeszauber - Ballade 1913
Walter Braunfels (1882-1954): Die Vögel - Oper, opus 30 1913-19
Arnold Schönberg (1874-1951): Gurrelieder - Oratorium 1900-11
Bernhard Sekles (1872-1934)

Paul Dukas (1865-1935): La Péri - Ballett 1911/12
Reinhold Glière (1875-1956): Symphonie Nr. 3 h-moll "Ilya Murometz", opus 42 1909-11 (2. Satz)
Florent Schmitt (1870-1958): Psaume 47, opus 38 1904
Charles Koechlin (1867-1950)

Ralph Vaughan Williams (1872-1958): An Oxford Elegy 1947-49 & Flos Campi - Suite 1925
Sir Granville Bantock (1868-1946): Sappho - Liederzyklus 1905
Sir Arnold Bax (1883-1953): Spring Fire - Symphonie 1913
Frederick Delius (1862-1934): A Song of the High Hills 1911

Ottorino Respighi (1879-1936)
Joseph Marx (1879-1964): Eine Herbstsymphonie H-dur 1920/21
usw.


Schöne Grüße
Johannes

Austria

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7

Montag, 7. November 2005, 07:42

Guten Morgen Thomas,

vielen Dank für Deine Antworten. In der Tat, Liszt hatte ich auch im Visier ;-)

Was Bruckner betrifft, ja, manche mögen es nicht nachvollziehen können, da er ja sozusagen als Komponist Gottes gilt ;-) Ich glaube aber dennoch, daß so manche seiner Schöpfungen erotisch-sehnsüchtig gefärbt sind, von Beziehungen zu Frauen ist ja nicht viel bekannt (außer daß er um sehr viel jüngere Frauen bevorzugte). Ich werde Dir in den nächsten Tagen ein paar Stellen raussuchen.

Guten Morgen Guercoeur,

Vielen Dank auch Dir für die lange Liste, die Gurre-Lieder und auch Respighi sind mir bekannt. Aber ich werde mir bestimmt den einen oder anderern Deiner Vorschläge zu Gemüte führen bzw. die CD zulegen.

LG
Austria
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teleton

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8

Montag, 7. November 2005, 08:09

Hallo Taminoaner,

es überrascht mich wirklich, welche Werke hier mit Erotik in Verbindung gebracht werden ?( ?( ?( !
Bei den Meisten hier genannten Werken wäre ich im Traum nicht drauf gekommen an Erotik zu denken. Ganz besonders nicht bei: Bruckner-Sinfonien; Berlioz-Harold in Italien; Poulenc: Orgelkonzert; Saint-Saens: Orgelsinfonie; Tschaikowsky-Sinf.Nr.4 u.v.mehr.............

:motz: Man kann doch eine musikalische Steigerung in einem Werk, die die Musik so spannend und hörenswert macht, nicht mit Erotik gleichsetzen.

Ich bin der Meinung das Erotik da vorhanden ist, wo es vom Komponisten durch die Handlung oder Thematik vorgegeben ist.
Sriabins: 'Poème de l' Extase' ist da ein klassisches Beispiel, wie schon von Goercoeur genannt.

@ Hallo Gouercoeur,
Du hast in Deiner Liste drei Komponisten ohne Werkangabe - das soll doch nicht heißen das alles von den Dreien erotisch sein soll !?!

@ Hallo Austria,
Du stellst folgende Frage:

Zitat

Ich meinte, daß Du Dir z.B. mit einer Freundin zu Hause einen schönen Abend machst, mit Kerzenlicht, einem guten Wein - und Ihr klassische Musik hört, usw... Welche Musik käme da in Frage?


Da ich beim Hören klassischer Musik automatisch auf die Musik fixiert bin, könnte ich mich gar nicht so auf meine Freundin (in meinem Fall meine Frau) konzentrieren. Wen es also ein Musikabend werden soll käme dann alles in Frage, da man ja Musik hören will.

Andernfalls würde Ich gar keine klassische Musik nehmen, sondern eine athmosphärische Musik aus dem NewAge-Bereich (Megabyte, Tangerine Dream, Interface, Software, Ron Boots u.a...) - das ist Musik, die auch im Hintergrund laufen kann - Klassik ist bei mir keine Hintergrundmusik.
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Theophilus

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9

Montag, 7. November 2005, 10:07

Hallo

@teleton:

Zitat

:motz: Man kann doch eine musikalische Steigerung in einem Werk, die die Musik so spannend und hörenswert macht, nicht mit Erotik gleichsetzen.

Wieso willst du den Leuten vorschreiben, wie sie Musik empfinden oder nicht empfinden sollen? Die vorhergehenden Postings waren wieder ein schönes Beispiel dafür, dass Menschen unterschiedlich sind und unterschiedlich empfinden. Dmitri Mitropoulos hat einmal in einem Interview explizit gesagt, dass (vom Standpunkt des Dirigenten gesehen) ein großes Orchester zu einem symphonischen Höhepunkt zu führen einem Orgasmus gleicht. In so manchem Video kann man sehen, dass Lenny Bernstein diese Aussage glatt unterschrieben hätte. Wir können also nur froh sein, dass diese Herren sich nicht umsonst anstrengen, sondern bei einigen Hörern positiven Widerhall finden.


@alle:

Man könnte Musik in dieser Hinsicht in zwei Bereiche teilen: Musik, in die Erotik hineinkomponiert wurde, und Musik, die unbewusst erotisch wirkt. Die zweite Gruppe wird individuell sehr unterschiedlich ausfallen, wie wir in diesem Posting bereits bemerkt haben könnten. Musik der ersten Gruppe ist wohl die hier ursprünglich angesprochene, also eine dementsprechende Empfehlung dazu meinerseits:

Salome
Wie es hier von den ersten Akkorden weg in der Musik knistert ist wohl das beste Beispiel für Erotik in der Musik in neuerer Zeit. Man wird in den 90 Minuten mit einer Vielzahl von intensiven Gefühlen und Obsessionen konfrontiert, aber eine erotische Komponente ist dabei fast immer mit im Spiel (der einzige Gegenpol ist Herodias, die anscheinend die einzige ist, die völlig nüchtern eigene Interessen verfolgt).

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

Austria

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10

Montag, 7. November 2005, 10:59

Servus teleton,

Ich bin der Meinung das Erotik da vorhanden ist, wo es vom Komponisten durch die Handlung oder Thematik vorgegeben ist.

Das würde aber bedeuten, daß ich ohne Programm, Handlung und Thematik GAR NICHTS empfinden dürfte - keine Traurigkeit, kein Glücksgefühl, keine Fröhlichkeit. Nicht alle Komponisten haben ihren Werken eine "Gebrauchsanweisung" mitgegeben. Manche, wie Mahler z.B., haben taten es zu Beginn, sind später aber davon abgekommen.

Da ich beim Hören klassischer Musik automatisch auf die Musik fixiert bin, könnte ich mich gar nicht so auf meine Freundin (in meinem Fall meine Frau) konzentrieren. Wen es also ein Musikabend werden soll käme dann alles in Frage, da man ja Musik hören will.

Ich wollte meine Frage auch so verstanden wissen, daß sich eben im Laufe eines Musikabends eine erotische Stimmung, geboren aus der Musik, entwickeln kann.

Andernfalls würde Ich gar keine klassische Musik nehmen, sondern eine athmosphärische Musik aus dem NewAge-Bereich (Megabyte, Tangerine Dream, Interface, Software, Ron Boots u.a...)

Die sind mir leider nicht bekannt, geht das in die Richtung meditative Musik?

- das ist Musik, die auch im Hintergrund laufen kann - Klassik ist bei mir keine Hintergrundmusik.

Manchmal ist sie das zwangsläufig - oder hörst Du nie Musik während der Arbeit z.B.? Ich schon.

LG
Austria
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Austria

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11

Montag, 7. November 2005, 11:05

@Theophilus

Man könnte Musik in dieser Hinsicht in zwei Bereiche teilen: Musik, in die Erotik hineinkomponiert wurde, und Musik, die unbewusst erotisch wirkt.

Danke, das ist ein guter Vorschlag, an den ich nicht gedacht habe.

LG
Austria
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teleton

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12

Montag, 7. November 2005, 12:40

Hallo Theophilus und Austria,

bei Musik kann und sollte man sehr viel empfinden, wie Du richtig schreibst, das bleibt jedem selbst überlassen was man dabei empfindet, da möchte ich selbstverständlich keinem etwas vorschreiben.
Ich möchte nur klar machen, dass ich diese gefühlsmäßigen Empfindungen nicht mit Erotik in Zusammenhang bringe.

Bernstein´s gefühlsmäßige Ausbrüche übertragen sich auch auf seine Aufnahmen - ein Grund weshalb ich Bernstein hoch schätze !
Aber auch hier sage ich: Das setze ich nicht mit Erotik gleich, wenn Bernstein das Orchester zu musikalischen Höhepunkten führt.

Ich möchte Euch zustimmen, dass beide Höhepunkte (musikalisch und physikalisch) etwas gemeinsames haben. Doch sind meine Gedanken beim Musikhören auch bei der Musik.
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Maik

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13

Montag, 7. November 2005, 14:06

Hallo Wolfgang,

Zitat

Bei den Meisten hier genannten Werken wäre ich im Traum nicht drauf gekommen an Erotik zu denken. Ganz besonders nicht bei: Bruckner-Sinfonien; Berlioz-Harold in Italien; Poulenc: Orgelkonzert; Saint-Saens: Orgelsinfonie; Tschaikowsky-Sinf.Nr.4 u.v.mehr.............


ich kann dir prinzipiell zustimmen.
Auch ich habe nicht im Traum daran gedacht, ein Werk in diesem Sinne zu betrachten.

Bei dem Konzerterlebnis mit Tschaikowskys Vierter hatten wir drei (Peter, der Freund und ich) alle ein enorm starkes Gefühl, das uns total geputscht hat.
Persönlich dachte ICH nicht an einen "musikalischen Orgasmus". Darauf kam der Freund.
An was ich dachte, kann ich nicht sagen...es war eher nichts...ich war viel mehr bewegt und erfüllt von diesem musikalischen Erleben und Genuss.
Doch als er eben diesen 'Vergleich' anbrachte, fand ich ihn zur Beschreibung des Erlebten gar nicht unpassend.

Dennoch verbinde ich NICHTS erotisches mit dem Werk an sich!
Es war einfach ein genial umgesetzter Höhepunkt, der in diesem (Ausnahme)fall so gewirkt hat.

Wie ich schon feststellen durfte, ging dies aber eher in eine andere Richtung, wie es von Austria gemeint war.

Wie gesagt, Wolfgang, ich stimme dir zu, denn auch ich verbinde damit nichts erotisches.
Auf die Idee wäre ich NIE selbst gekommen!


Gruß, Maik
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Sirach 32, 7

CRC

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14

Montag, 7. November 2005, 14:12

Hier fehlt ein wichtiges Werk mit relativ eindeutiger Ausstrahlung:

Schönberg, Verklärte Nacht
"Muss es sein? - Es muss sein!" Grave man non troppo tratto.

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15

Montag, 7. November 2005, 14:47

Was genau bedeutet "Erotik" in der Musik? Vielleicht kann mich hier einmal ein Experte aufklären. Zum Greifen nah auf der Bühne fällt mir dazu nur die Venusberg-Musik aus Tannhäuser von Wagner ein.

Zu "Verklärte Nacht" op. 4 von Schönberg:

Persönliche Meinung:
Schönbergs "Verklärte Nacht" weckt bei mir eher Gedanken an surrealistische Bilder. Trotz Richard Dehmels Gedicht als Hintergrund des Werkes die Liebe zwischen Mann und Frau aufscheinen lässt, fällt es mir schwer, in der Musik eine Assoziation zum Erotischen zu erfühlen.
Aber vielleicht bin ich auch "eiskalt".

Gruß...
:]

Austria

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16

Montag, 7. November 2005, 14:58

@Der Unzeitgemäße

Zum Greifen nah auf der Bühne fällt mir dazu nur die Venusberg-Musik aus Tannhäuser von Wagner ein.

Und was fällt Dir z.B. bei "La ci darem la mano" ein? wo DER Verführer par excellence zugange ist?

;-)
Austria
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17

Montag, 7. November 2005, 15:32

Ich hab' Don Giovanni noch nicht auf der Bühne gesehen (schäm).
Nehme mal an, der Verführer wird dort zugeknöpft präsentiert, weshalb sich bei mir der Gedanke an allzu Erotisches in Grenzen halten wird.

Austria

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18

Montag, 7. November 2005, 15:39

@Der Unzeitgemäße

Nehme mal an, der Verführer wird dort zugeknöpft präsentiert, weshalb sich bei mir der Gedanke an allzu Erotisches in Grenzen halten wird.

Dafür hat Zerlina meist ein sehr verführerisches Decolleté. Aber ich fürchte wir schweifen ab ;-)

Und zum schämen: wenn ich mich für alle Opern, die ich noch nicht gesehen habe, schämen müßte, na danke...

LG
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Theophilus

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19

Montag, 7. November 2005, 15:44

Hi

Zitat

Ich hab' Don Giovanni noch nicht auf der Bühne gesehen (schäm).

Und was denkst du dir dabei, wenn du die Musik hörst? "La ci darem la mano" ist so ziemlich die verführerischste Musik, die mir einfällt. Da knisterts, dass sich die Balken biegen...

;)

Ciao

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20

Montag, 7. November 2005, 15:48

Ja, man kennt die schönen Melodien auswendig. Doch befraget hierzu niemals einen Eisklotz.
Vielleicht fühle ich ähnlich wie mein Hausgott Bruckner. Der hat Tristan und Isolde von Wagner - ich meine, was da wirklich auf der Bühne passiert - auch nicht recht verstanden...
:yes:

klingsor

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21

Montag, 7. November 2005, 17:04

interessantes thema ... aber, mich wundert's:
noch nicht genannt wurde das werk, das - laut wissenschaftlicher untersuchungen - angeblich am meisten bei ... :rolleyes: aufgelegt wird : ravels bolero ... mit dem grandiosen schlußhöhepunkt ...

nun könnte man die auswahl gerade dieser musik aufs trefflichste kommentieren und interpretieren ... aber, wir sind ja nun in einem klassikforum und so schweige ich still, obwohl es mir sehr schwerfällt :D
--- alles ein traum? ---

klingsor

Maik

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22

Montag, 7. November 2005, 17:10

Hallo Jörg,


Austria hat den Bolero von Ravel gleich in ihrem Einführungsbeitrag erwähnt.

Er war also nicht vergessen ;)

Gruß, Maik
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klingsor

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23

Montag, 7. November 2005, 17:12

oje, maik, stimmt... da hat mich scheinbar das ganze thema die konzentration gekostet :D
--- alles ein traum? ---

klingsor

Maik

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24

Montag, 7. November 2005, 17:14

Das Tamino-Forum - die sinnliche Verführung und Ablenkung in allen Belangen :D
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Sirach 32, 7

klingsor

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25

Montag, 7. November 2005, 17:16

:D auch ein grund, in ein klassikforum zu gehen ... :D
--- alles ein traum? ---

klingsor

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26

Montag, 7. November 2005, 17:25

@Klingsor

Jedenfalls ist für mich interessant, daß doch für einige hier klassische Musik etwas sehr Erhabenes, Ernstes, Geistiges, gewissermaßen Unantastbares ist, das sich nicht mit "erdiger" Lebenslust vereinbaren läßt. Das ist jetzt nicht wertend gemeint, es ist nur eine Feststellung.

LG
Austria
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27

Montag, 7. November 2005, 17:30

hallo, austria, ja, dem kann ich zustimmen. nun (gute) musik ist natürlich immer zuerst kunst und damit - ich sage es mal pathetisch - 'heilig' und in zweiter linie erst 'irdisch' ...aber es schließt sich ja nicht aus.
ich z.b. habe bestimmte musik, die ich kurz vor dem schönsten augenblick ausschalte, da ich deren schönheit - oder auch erotik - in diesem moment nicht ertragen bzw. aushalten kann. ...
oje, ob das jetzt jemand nachvollziehen kann? 8o

lg
--- alles ein traum? ---

klingsor

Theophilus

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Montag, 7. November 2005, 17:53

Hallo klingsor,

ich wollte das Thema Bolero noch nicht so schnell ins Spiel bringen, da ich dies schon seinerzeit beim Thread "Klassik im Film" gemacht habe.

Aber wenn du schon von wissenschaftlichen Untersuchungen schreibst. Irgendetwas kann da nicht stimmen. Der Bolero dauert doch knapp 20 Minuten. Wenn ich das jetzt mit der durch ähnliche Untersuchungen ermittelten Dauer des durchschnittlichen mitteleuropäischen Liebesspiels vergleiche, spießt sich das hinten und vorne. Soo viel schneller kann man einen CD-Player doch nicht abspielen lassen, oder???
?( :D

Außerdem habe ich den Verdacht, das Rezept Bolero ist nur für die Generation brauchbar, die den Film "10" nicht mehr kennt. Würde ich den Bolero auflegen und mich mit vielsagenden Blicken meiner Frau zuwenden, würde das vermutlich einen Lachkrampf auslösen. Und das wäre doch kontraproduktiv, oder etwa nicht?


:D :D :D

Ciao

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Austria

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Montag, 7. November 2005, 17:57

@Klingsor

nun (gute) musik ist natürlich immer zuerst kunst und damit - ich sage es mal pathetisch - 'heilig'

Seltsam eigentlich - sie wird doch von (unheiligen) Menschen für (ebenso unheilige) Menschen gemacht.

Nachtrag:
OK, die Musik oder die Kunst machen uns "gut und edel". Jetzt nur eine kurze Frage: ist Erotik böse und "unedel"? Also wenn ich mir z.B. Schiele's Frauenakte anschaue, habe ich keine heiligen Gefühle (abgesehen davon, daß sie mir nicht gefallen...).

LG
Austria
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Montag, 7. November 2005, 18:09

Zitat

Original von Theophilus
ich wollte das Thema Bolero noch nicht so schnell ins Spiel bringen, da ich dies schon seinerzeit beim Thread "Klassik im Film" gemacht habe.

Aber wenn du schon von wissenschaftlichen Untersuchungen schreibst. Irgendetwas kann da nicht stimmen. Der Bolero dauert doch knapp 20 Minuten. Wenn ich das jetzt mit der durch ähnliche Untersuchungen ermittelten Dauer des durchschnittlichen mitteleuropäischen Liebesspiels vergleiche, spießt sich das hinten und vorne. Soo viel schneller kann man einen CD-Player doch nicht abspielen lassen, oder???
?( :D


ich habe sogar mal gehört, dass der Bolero hauptsächlich seit besagtem Film diesen Ruf als entsprechende Begleitmusik hat (für den Film bin ich ein klein wenig zu jung, d.h. ich kenne ihn dem Namen nach und kann mich auch dunkel an Bo Derek bei "Wetten, dass" oder so erinnern, habe ihn aber nie gesehen.
Spieldauer ist eher 15 min.... :D

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)