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Norbert

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1

Mittwoch, 5. April 2017, 15:50

Teodor Currentzis wird Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters

Siehe Artikel von BR Klassik

Zitat

Mit der Spielzeit 2018/2019 wird Teodor Currentzis Chefdirigent des frisch aus einer Orchesterfusion hervorgegangenen SWR Symphonieorchesters, das teilte der Sender am Mittwoch mit. Currentzis hatte sich bisher vor allem mit seinem Ensemble MusicAeterna einen Namen gemacht, das aus Chor und Orchester besteht und im russischen Perm zu Hause ist.

Eine gute Wahl? Eine schlechte? Zumindest eine überraschende...
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Bertarido

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2

Mittwoch, 5. April 2017, 15:57

Eine gute Wahl? Eine schlechte? Zumindest eine überraschende...

Auf jeden Fall eine gute! :jubel:

Joseph II.

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3

Mittwoch, 5. April 2017, 16:11

Eine gute Wahl? Eine schlechte? Zumindest eine überraschende...

Auf jeden Fall eine gute! :jubel:

Finde ich auch. :thumbup:
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Rheingold1876

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4

Mittwoch, 5. April 2017, 16:14

Eine gute Wahl?

Noch werden in der Verlautbarung von BR Klassik nur die allseits bekannten Phrasen gedroschen. Man wird sehen - oder hören, wie und ob er sich im deutschen Konzertbetrieb etablieren kann. Was ich von ihm gehört habe - vor allem die Mozart-Opern - fand ich zu gewollt anders. Der erste Eindruck war hinreißend, dann ging mir manches auch auf die Nerven. Ich habe sie wieder weggeben, damit aber Freude bereiten können, was mich wiederum freut. :) Auch Interpretationen brauchen die richtige Adresse. So einer wie er tut natürlich immer gut. Er mischt den Laden tüchtig auf. Das wird gefallen, daran habe ich nicht den geringsten Zweifel.

Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Reinhard

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5

Mittwoch, 5. April 2017, 16:20

Er mischt den Laden tüchtig auf.

Wenn eines sicher ist, dann dies - Exzentriker, der er ist.
Ich bin ehrlich gesagt ziemlich skeptisch, ob das auf Dauer gut geht. Sicher wird es erst einmal frischen Wind geben, aber ob das "gewollt anders sein" - wie Rheingold so schön schreibt - ausreicht? Lassen wir uns überraschen. Spannend wird das allemal.
Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
(Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

lutgra

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6

Mittwoch, 5. April 2017, 16:27

Da erscheint es mir nicht ungünstig zu sein, nur 4 km von der Stuttgarter Liederhalle entfernt zu wohnen. :thumbsup:

Agon

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7

Mittwoch, 5. April 2017, 17:12

Naja, das sieht mir doch mehr nach einem PR-Gag aus. Da muß er dem Hype erstmal gerecht werden. Und das SWR-Sinfonieorchester ist nicht sein MusicAeterna, mit dem er bis vier Uhr morgens herumproben und seine diktatorischen Neigungen ausleben kann. Aber man muß abwarten.
Übrigens war er vor einigen Jahren mal mit dem damaligen SWR-SO Baden-Baden&Freiburg (das es nun schandhafterweise nicht mehr gibt) in der Alten Oper zu Gast und hat dort u.a. Prokofievs Siebte Sinfonie dirigiert. Das war eine sehr normale Routineaufführung, von der ich ziemlich enttäuscht war. Auch er kocht also nur mit Wasser.
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. (Theodor W. Adorno)

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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8

Mittwoch, 5. April 2017, 18:39

ch bin ehrlich gesagt ziemlich skeptisch, ob das auf Dauer gut geht. Sicher wird es erst einmal frischen Wind geben, aber ob das "gewollt anders sein" - wie Rheingold so schön schreibt - ausreicht? Lassen wir uns überraschen. Spannend wird das allemal.

Auch ich bin der Meinung, das die Wahl von Teodor Currentzis spannend, jedoch nicht ohne Risiko ist, weil er polarisiert. Das aus einer umstrittenen Fusion entstandene SWR Symphonieorchester hat noch mit genügend internen Problemen zu tun und muss seinen unverwechselbaren Sitl finden und festigen. Ob da ein musikalischer Feuerkopf mit exzentrischem Verhalten bei uns im Ländle richtig ist? Auf Sicht wäre wahrscheinlich einer der im Konzertbetrieb etablierten Dirigenten die bessere Wahl gewesen. Aber meine Holde, die oft mitliest wenn ich schreibe, hat spontan eingeworfen: "Gell, da gehen wir in eines der ersten Konzerte, wenn er in Stuttgart dirigiert." Also doch Chancen?

Herzlichst
Operus
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sagitt

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9

Mittwoch, 5. April 2017, 18:56

Sagitt meint:

Ich gebe dieser Verbindung kaum eine Chance. Currentzis ist ein extremer Arbeiter, der von seinen Künstlern unglaublich viel verlangt und diese entsprechend drangsaliert. Woher weiß ich das? Es gab eine Dokumentation über die Neuaufnahme des Don Giovanni, darin ein Konflikt zwischen einem Solisten und dem Star. Zum Thema der Neuaufnahme noch: Frau Frau Kermes war nicht mehr dabei. Auch sie hat über die unmenschlichen Bedingungen gesprochen.

Wie soll das mit einem Orchester funktionieren, das ja eher Beamten-ähnlich strukturiert ist?

Mit musica aeterna hat er ein Ensemble, dass diese extremen Anforderungen mitträgt. Mit einem deutschen Rundfunkorchester kann das eigentlich nicht funktionieren.

Joseph II.

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10

Mittwoch, 5. April 2017, 19:22

Ich kenne von Currentzis etliche kommerzielle Einspielungen und auch Rundfunkmitschnitte. Besonders gelungen empfand ich die schwierige 14. Symphonie von Schostakowitsch, wo er wirklich auf Augenhöhe ist mit den großen Alten (wenn auch mit völlig anderem Ansatz). Sehr überzeugend auch das Vorspiel und der Liebestod aus dem "Tristan", was er mal beim SWR dirigierte.

Live habe ich ihn zum Auftakt der noch laufenden Saison 2016/17 im Wiener Konzerthaus mit einem reinen Rameau-Programm erlebt. Ich gehe nicht zu weit, wenn ich das als eines meiner besten Konzerterlebnisse überhaupt bezeichne. Der Saal tobte am Ende vor Begeisterung. Wann gab es in Wien zuletzt ein allein Rameau gewidmetes Konzert? Schon dafür ist ihm zu danken.

Dass er ein exzentrischer Musiker ist, ist mir erstmal egal. Wichtig ist, was dabei herauskommt. Zumindest mit seinem MusicAeterna klappt das ja auch. Ich habe selten so ein absolut perfekt agierendes Ensemble erlebt, das quasi 1:1 mit seinem Dirigenten verschmolz.
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Reinhard

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11

Mittwoch, 5. April 2017, 19:46

Wie soll das mit einem Orchester funktionieren, das ja eher Beamten- ähnlich strukturiert ist?

Ich denke, daß das wirklich das Hauptproblem ist. So großartig seine Interpretationen auch sein mögen, er braucht erst mal jemanden, der seinen - für mich an Selbstaufopferung gehenden - Einsatz mitträgt.
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WoKa

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12

Mittwoch, 5. April 2017, 20:27

Hallo!

Mir geht es da wie Lutz - wenn es auch etwa 35 km zur Liederhalle sind.

An Operus: So konservativ und vorsichtig kenne ich Dich gar nicht :hello:

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

Agon

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13

Donnerstag, 6. April 2017, 16:17

Je mehr ich über die Berufung von Currentzis zum neuen Chef nachdenke, umso befremdlicher und fragwürdiger finde ich sie.
Da hat der SWR auf brutalste und rücksichtsloseste Art und Weise zwei höchst unterschiedliche Rundfunkorchester in seinem Sendegebiet (ein sehr gutes aus Baden-Baden&Freiburg und ein nicht so gutes aus Stuttgart) zu einem von Anfang an kranken Fusionsorchester zusammengefügt und natürlich funktioniert es nicht gut. Irgendwie freue ich mich darüber auch, denn ich gönne es diesem verdammten SWR-Intendanten Boudgoust nicht, daß sein teuflischer und destruktiver Fusionsplan aufgeht. Von mir aus kann das neue SWRSO in totaler Mittelmäßigkeit verharren und sogar untergehen, denn es interessiert mich ehrlich gesagt gar nicht mehr, nachdem eines meiner absoluten Lieblingsorchester, nämlich das aus Baden-Baden & Freiburg, endgültig und unwiderruflich vernichtet wurde. Zum Glück weigern sich alle ehemaligen Dirigenten dieses Orchesters, das neue Orchester zu dirigieren, besonders die ehemaligen Chefs Gielen, Cambreling, Roth und auch Hans Zender, der aus Wut auf diese Entscheidung sogar den Sitz seiner Stiftung aus Freiburg heraus verlegt hat. Bravo.
Die Ausnahme bildet eben Currentzis, der sich jetzt im Grunde als Verräter und skrupelloser Karrierist offenbart. Vermutlich hat man diesen Berufsprovokateur nur deshalb geholt, damit er die weitere Verkleinerung des Orchesters gnadenlos vorantreibt. Die Vorschußlorbeeren von Peter Boudgoust sprechen jedenfalls absolut dafür.
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. (Theodor W. Adorno)

lutgra

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14

Donnerstag, 6. April 2017, 16:42

Da hat der SWR auf brutalste und rücksichtsloseste Art und Weise zwei höchst unterschiedliche Rundfunkorchester in seinem Sendegebiet (ein sehr gutes aus Baden-Baden&Freiburg und ein nicht so gutes aus Stuttgart) zu einem von Anfang an kranken Fusionsorchester zusammengefügt und natürlich funktioniert es nicht gut. Irgendwie freue ich mich darüber auch, denn ich gönne es diesem verdammten SWR-Intendanten Boudgoust nicht, daß sein teuflischer und destruktiver Fusionsplan aufgeht. Von mir aus kann das neue SWRSO in totaler Mittelmäßigkeit verharren und sogar untergehen

Also ich kann mich darüber nicht freuen und finde es auch den Musikern gegenüber unfair, Ihnen ein Verharren in der Mittelmäßigkeit oder gar den Untergang zu wünschen. Von den Hörern im Südwesten mal ganz abgesehen. Niemand war glücklich über diese dümmliche, kunstfremde Entscheidung, am allerwenigsten die Musiker, denen man es im Konzert teilweise noch ansieht, wie sie leiden.

Warten wir ab, was mit Currentzis wird, vielleicht geht es in die Hose, aber vielleicht schafft er ja auch etwas, was ihm offensichtlich kaum einer zutraut. Und mittelmäßige Aufführungen und Konzerte gab und gibt es von allen lebenden Dirigenten, oft ja blöderweise auch noch für die Nachwelt auf CD dokumentiert.

Bertarido

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15

Donnerstag, 6. April 2017, 17:20

Die Ausnahme bildet eben Currentzis, der sich jetzt im Grunde als Verräter und skrupelloser Karrierist offenbart. Vermutlich hat man diesen Berufsprovokateur nur deshalb geholt, damit er die weitere Verkleinerung des Orchesters gnadenlos vorantreibt. Die Vorschußlorbeeren von Peter Boudgoust sprechen jedenfalls absolut dafür.

Das verstehe ich nun gar nicht - Currentzis hat doch überhaupt nichts mit der ganzen Vorgeschichte zu tun. Sollen alle Dirigenten der Welt es ablehnen, das Orchester zu dirigieren, nur weil es aus einer sicher fragwürdigen Fusion heraus entstanden ist? Das kann wohl kaum eine sinnvolle Form der Solidarisierung sein. Die Fusion ist nun mal vollzogen, und nun gilt es, das beste daraus zu machen. Im Interesse der Musiker, aber auch derjenigen, für die das Orchester besteht: der Zuhörer im Konzertsaal und am Radio.

Edwin Baumgartner

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16

Donnerstag, 6. April 2017, 17:29

Ich kenne natürlich die spezifische Szenerie zu wenig, die etwas speziell und von Animositäten und Zwängen geprägt sein dürfte. Also übertrage ich das auf Wien.
Hätte ich Currentzis gerne als Chefdirigenten der Symphoniker?
Ja, ja, ja!
Hätte ich ihn gerne als Chefdirigenten des RSO?
Lieber heute als morgen!
Könnte es gutgehen?
Fraglich.
Und zwar aus den genannten Gründen: Probentechnik, Mentalität etc. Aber spannend wäre es. Und ich frage mich, ob Nummer Sicher wirklich immer die beste Wahl ist.
Insofern finde ich diese Entscheidung fabelhaft und würde mir wünschen, daß man auch bei Symphonikern und RSO ab und zu den Mut zum Risiko hätte.
...

Agon

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17

Donnerstag, 6. April 2017, 17:44

Das verstehe ich nun gar nicht - Currentzis hat doch überhaupt nichts mit der ganzen Vorgeschichte zu tun.

Doch, hat er - er war ja 1. Gastdirigent des SWR-SO Baden-Baden und Freiburg - und das bereits seit 2011!

Siehe hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Teodor_Currentzis

Im Übrigen finde ich Ihn schon vom Typ her absolut furchtbar und unseriös. Ein Zeitgeistprodukt, wie es schlimmer nicht sein könnte. Ich habe Ihn ja auch auf der Ruhrtriennale in Bochum mit Wagners "Rheingold" erlebt (erlitten sollte ich besser sagen). Wie er da schon aufmarschierte mit seinen dämlichen Springerstiefeln und seinem Punk-Gehabe - grauenhaft. Und die Darbietung war einfach nur langweilig und nervig - keinerlei Interaktion und Abstimmung mit den Sängern. Er ist ein Egomane sondergleichen und will die Polarisierung - was das für den SWR heißt, kann sich jeder selber ausmalen.
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Bertarido

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18

Donnerstag, 6. April 2017, 17:54

Doch, hat er - er war ja 1. Gastdirigent des SWR-SO Baden-Baden und Freiburg - und das bereits seit 2011!

Siehe hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Teodor_Currentzis
Ah, das wusste ich nicht. Auf jeden Fall hat er dann schon Erfahrung im Umgang mit einem deutschen öffentlich-rechtlichen Orchester. :D


Im Übrigen finde ich Ihn schon vom Typ her absolut furchtbar und unseriös. Ein Zeitgeistprodukt, wie es schlimmer nicht sein könnte. Ich habe Ihn ja auch auf der Ruhrtriennale in Bochum mit Wagners "Rheingold" erlebt (erlitten sollte ich besser sagen). Wie er da schon aufmarschierte mit seinen dämlichen Springerstiefeln und seinem Punk-Gehabe - grauenhaft. Und die Darbietung war einfach nur langweilig und nervig - keinerlei Interaktion und Abstimmung mit den Sängern. Er ist ein Egomane sondergleichen und will die Polarisierung - was das für den SWR heißt, kann sich jeder selber ausmalen.
Das sehe ich komplett anders. Ich finde jemanden wie ihn erfrischend im erstarrten Klassik-Betrieb. Und die Ergebnisse sind zumindest bei den Plattenaufnahmen mit MusicAeterna sensationell, egal ob er Mozart, Rameau, Purcell oder Tschaikowski dirigiert. Jede Platte von ihm gehört zu dem besten, was in den letzten Jahren erschienen ist.

Eines wird aus unserem Dissens schon klar: Currentzis polarisiert. Aber das halte ich nicht für etwas Schlechtes.

AndreasH

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19

Donnerstag, 6. April 2017, 18:03

Currentzis in Stuttgart........

Anbei noch ein Link der Südwestpresse:

Südwestpresse

Interessant finde ich den Hinweis im Artikel, dass er ein "Probenfanatiker" sei und "Orchesterbürokratentum" hasse...... Da wird er beim SWR viel Freude haben und der SWR mit ihm ........ :D :D

Ich hoffe ja, dass dem SWR, insbesondere seinem Intendanten, das ziemlich schnell ziemlich heftig um die Ohren fliegt.....

Ciao
Andreas
Johann Sebastian Bach ist Anfang und Ende aller Musik (Max Reger)

Agon

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20

Donnerstag, 6. April 2017, 18:04

Das sehe ich komplett anders. Ich finde jemanden wie ihn erfrischend im erstarrten Klassik-Betrieb. Und die Ergebnisse sind zumindest bei den Plattenaufnahmen mit MusicAeterna sensationell, egal ob er Mozart, Rameau, Purcell oder Tschaikowski dirigiert. Jede Platte von ihm gehört zu dem besten, was in den letzten Jahren erschienen ist.

Hm, also ich finde den Klassik-Betrieb nicht erstarrt. Er ist nach wie vor ziemlich vielseitig - auch ohne Currentzis. Allerdings schwindet die Vielfalt immer mehr durch Einsparungen und Fusionierungen, und die Qualität leidet darunter.
Da Du die Aufnahmen von Currentzis ansprichst - findest Du zum Beispiel sein Mozart-Requiem auch so "sensationell"?
Das finde ich nämlich gar nicht. Hier bekommt man eher einen ziemlich guten Eindruck von seiner "Gewolltheit", die m.E. nicht zu Mozart und schon gar nicht zu seinem Requiem paßt.
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Bertarido

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21

Donnerstag, 6. April 2017, 18:25

Da Du die Aufnahmen von Currentzis ansprichst - findest Du zum Beispiel sein Mozart-Requiem auch so "sensationell"?

Nicht nur "zum Beispiel", sondern gerade diese Aufnahme! Ich habe das Mozart-Requiem noch nie so eindringlich gehört, es hat mich dabei geradezu vom Stuhl gerissen - meine absolute Referenzaufnahme der letzten Jahre.

Agon

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22

Donnerstag, 6. April 2017, 18:36

Da Du die Aufnahmen von Currentzis ansprichst - findest Du zum Beispiel sein Mozart-Requiem auch so "sensationell"?

Nicht nur "zum Beispiel", sondern gerade diese Aufnahme! Ich habe das Mozart-Requiem noch nie so eindringlich gehört, es hat mich dabei geradezu vom Stuhl gerissen - meine absolute Referenzaufnahme der letzten Jahre.

Nun denn.

Eine Aufnahme zumindest, die ich wirklich gelungen finde, ist diese:



Das liegt aber in erster Linie am Pianisten Alexander Melnikov. Aber auch das Zusammenwirken mit dem Mahler Chamber Orchestra unter Currentzis überzeugt hier sehr. Es ist nicht verhetzt oder gewollt, die ruhigen Sätze dürfen zur Ruhe kommen. Eine "echte" Referenzaufnahme.
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Bertarido

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23

Donnerstag, 6. April 2017, 19:43

Mir ist gerade ein Artikel über Currentzis aus der NZZ in die Hände gefallen, dessen Resümee es wahrscheinlich ganz gut trifft:

So wie er die Sänger und Instrumentalisten an die Grenzen ihres dynamischen Spektrums und der technischen Möglichkeiten treibt, so wandelt Currentzis selbst auf einem schmalen Grat zwischen packender Pointierung und expressiver Hysterie. Das klingt manchmal eine Spur überdreht und nicht immer sauber, gibt der über 200 Jahre alten Musik aber eine unerhörte Frische und Dringlichkeit.

Diese Frische und expressive Dringlichkeit ist es, die mich zum Beispiel beim Mozart-Requiem wirklich von der ersten Note an gepackt und bis zum Ende nicht mehr losgelassen hat.

Reinhard

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24

Donnerstag, 6. April 2017, 19:59

Dann warten wir doch einfach mal ab, wie sich das entwickelt.

Und über die bisherigen künstlerischen Leistungen und die Art und weise wie er zu diesen gekommen ist und kommt, können wir doch hier trefflich diskutieren.


 
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Rheingold1876

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25

Donnerstag, 6. April 2017, 20:08

Diese Frische und expressive Dringlichkeit ist es, die mich zum Beispiel beim Mozart-Requiem wirklich von der ersten Note an gepackt und bis zum Ende nicht mehr losgelassen hat.

Das kann ich sehr gut nachvollziehen, aber es klingt in meinen Ohren halt nur frisch, in Teilen sogar grell - und nicht anders. Eine Einspielung ist dieses Mozart-Requiem, mit der man bei Spotify sehr gut bedient ist. Dieser Dienst ist wirklich ein Segen! Passt irgendwie genau in die Zeit. Als CD anschaffen würde ich sie nicht. Denn ich habe für mich den Verdacht, dass mir diese Lesart mit der Zeit auf die Nerven geht. Ich glaube, Currentzis ist etwas für den Moment und passt hervorragend in unsere Zeit, die Phänomene wie ihn hervorbringt. Einmal oder zweimal gehört, muss es danach schon wieder etwas neues sein. So ergeht es zumindfest mir mit ihm. Ein Feuer, das nicht wärmt. Man legt nach und legt nach - und nix passiert.

Gruß Rheingold
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MSchenk

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26

Donnerstag, 6. April 2017, 20:09

So spannend die Entscheidung auch sein mag, fürchte ich, dass man sich am Ende ganz klassisch-banal mit dem Argument, der "Chef" war zu wenig da, wieder trennen wird. Dirigenten, wie ein Currentzis, die aktuell quasi überall dirigieren können und entsprechend eingeladen werden, sind für ein deutsches Rundfunksinfonieorchester (vielleicht mit Ausnahme des SO des BR) mit seinen Strukturen und heimatlichen Verpflichtungen einfach eine Nummer zu groß, zu umtriebig und zu "unhandlich". Ein ähnliches Problem könnte m.E. auch auf die Leipziger mit Nelsons zukommen.
mfG Michael

Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

Reinhard

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27

Donnerstag, 6. April 2017, 20:27

Ein ähnliches Problem könnte m.E. auch auf die Leipziger mit Nelsons zukommen.

Na gut, aber bei Chailly war es (gefühlt) doch auch nicht anders. Die Probleme sehe ich eher bei seinen Vorstellungen zur Programmgestaltung die den erzkonservativen Leipziger Gewandhausabonnenten jetzt schon sauer aufstoßen. Aber das gehört nicht hierher - sorry für off topic.
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Alfred_Schmidt

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28

Donnerstag, 6. April 2017, 21:13

Zwei Orchester zu fusionieren - denen dann einen Dirigenten vor die Nase zu setzen der, euphemistisch gesagt als nicht gerade Pflegeleicht gilt (?) das ist schon eine sehr explosive Mischung. Wenn da einige fast unkündbare Orchestermitglieder darunter sind, die können ihm schon das Leben zur Hölle machen - eine böswillig gesinnte Presse übrigens auch.
Wir sitzen bequem auf unseren Logenplätzen und beobachten aus einer gewissen Distanz - mit süffisantem Lächeln auf den Lippen - gelassen und entspannt den weiteren Verlauf der Dinge.....

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Stimmenliebhaber

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29

Donnerstag, 6. April 2017, 22:30

Wir sitzen bequem auf unseren Logenplätzen und beobachten aus einer gewissen Distanz - mit süffisantem Lächeln auf den Lippen - gelassen und entspannt den weiteren Verlauf der Dinge.....

Nun, das ist in deinem Fall ja immer so! :thumbsup:
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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