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Gerhard Wischniewski

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1

Dienstag, 13. Dezember 2016, 11:22

Ehrliche Rezensionen

Als Gegenstück zu Knusperhexes Thema „unsägliche Rezensionen“, die es leider immer noch zuhauf gibt, möchte ich hier ehrliche Rezensionen einstellen. Ich habe in der letzten Zeit in der Presse festgestellt, dass sich immer weniger Kritiker vom Zeitgeist „unterbuttern“ lassen. Mehr und mehr haben den Mut, die Wahrheit an deutschen Bühnen auszudrücken.
In Bonn wurde nun wieder einmal die beliebte Masche aufgegriffen, Opern in den Zirkus zu verlegen. Wir haben das ja in den letzten Jahren schon beim „Rigoletto“ und hier in Köln beim „Freischütz“ (der Arme, was der schon alles über sich hat ergehen lassen müssen!) erlebt. Nun hat es in Bonn den "Don Giovanni" als Zirkusdompteur getroffen.
Leider lässt sich der Artikel aus der heutigen Ausgabe vom Kölner Stadt-Anzeiger hier nicht verlinken. Daher kann ich nur Auszüge hier einstellen:

Zitat

Auszüge aus dem Kölner Stadtanzeiger vom 13.12.16. Titel : Mit Peitsche und Springreifen

Mit der stofffremden Verortung eines Werkes im Zirkus hat die Kölner Oper vor einiger Zeit Schiffbruch erlitten – der „Freischütz „war eine der spektakulärsten Pleiten der vergangenen Jahre. Nun arbeitet Jakob Peters-Messer in seiner neuen Bonner „Don Giovanni“-Inszenierung ebenfalls mit den einschlägigen Accessoires.
...
Im Zentrum der Bühne befindet sich ein Manegenrund, das von einem typischen Zirkusvorhang eingefasst wird. Don Giovanni amtiert in diesem Ambiente als Dompteur, der „seine“ Frauen wie Tiere mit Springreifen und (virtuell)Reitpeitsche traktiert.
...
Leider werden diese Motive kaum wirksam für den Handlungsablauf, bleiben ihm äußerlich und also beliebig. Don Giovanni als Dompteur – da öffnet sich ein weites Feld: Warum bringt man ihn nicht mal als Bungeespringer oder Altwarenhändler? Und welche Funktionen das übrige Personal im Zirkus versieht, ist auch unerfindlich.
...
Das Fehlen an gedanklicher Überzeugungskraft fällt zunächst wenig auf, weil sich das Drama auf der optisch ansprechenden Bühne verständlich, schnörkellos und ohne ideologische Überfrachtung entfaltet. Nach der Pause freilich tut es dies dann umso mehr, als der Regie jenseits des fragwürdigen Basiskonzept nicht viel eingefallen ist: Tempo, Witz, Spiel- und „giocoso“-Charakter der Oper – alles Fehlanzeige. Das „Scheinfinale“ mit der Enttarnung des vermeintlichen Don Giovanni als Leporello gedeiht zum beklagenswerten Musterbeispiel dafür, wie die Personenführung die ja nun überdeutlichen Impulse und Umschwünge der Musik ins Leere laufen lässt.
...
Statt dessen wird fleißig herumgestanden und man muss schon fast froh sein, dass Elviras nachkomponierte Szene „In quali eccessi“ gestrichen wurde

Auch die musikalische Seite kommt nicht sehr gut weg. Insgesamt also wieder „Oper to go (zum Weglaufen)". Wahrscheinlich werden aber wieder einige zeitgeistabhängige Rezensoren die Inszenierung wieder in ungeahnte Höhen emporjubeln.




Liebe Grüße
Gerhard
Ich mache dringend darauf aufmerksam, dass die szenischen Vorschriften, wie sie in der Partitur mit großer Genauigkeit angegeben sind, mit skrupulöser Treue befolgt werden.
(Wagner in einem Brief zu seinem "Tannhäuser" an Stocks 1841)

lutgra

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2

Dienstag, 13. Dezember 2016, 11:45

"Ehrliche Rezensionen" sind m.E. ein problematischer Titel, weil es dann ja auch unehrliche geben müsste. Ich gehe davon aus, dass auch begeisterte Rezensionen über von Dir gehasste RT- Inszenierungen vom Rezensenten ehrlich gemeint sind, warum sollte jemand bewusst lügen, wenn er eine Rezension schreibt. Der Titel müsste also eher lauten "Rezensionen, die mir gefallen".

Davon mal abgesehen, erschliesst auch mir sich nicht, worin der Gewinn liegen könnte, den Don Giovanni in einem Zirkus spielen zu lassen. Da halte ich eine Verlegung z.B. ins heutige Harlem, wie ihn Peter Sellars so brilliant vorgeführt hat, für sinnvoller. Das ist auch einer meiner Hauptkritikpunkte am RT, dass eine Idee (hier Zirkus), die vielleicht bei einer Oper Sinn macht, dann von phantasielosen Regisseuren dutzendfach an anderen Stoffen durchdekliniert wird, wo es dann nur noch als Masche rüberkommt. Das ist genauso phantasielos wie die alten Pappkulissen wieder hervorzuholen.

Gerhard Wischniewski

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3

Dienstag, 13. Dezember 2016, 12:28

Lieber Lutgra,

für mich sind das ehrliche Rezensionen, die nicht jeden Unsinn (Achtung Verfechter der "Political Correcctness") im Sinne des Zeitgeists zu beschönigen versuchen, ja sogar in sein Gegenteil verdrehen.

Liebe Grüße
Gerhard
Ich mache dringend darauf aufmerksam, dass die szenischen Vorschriften, wie sie in der Partitur mit großer Genauigkeit angegeben sind, mit skrupulöser Treue befolgt werden.
(Wagner in einem Brief zu seinem "Tannhäuser" an Stocks 1841)

Bertarido

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4

Dienstag, 13. Dezember 2016, 12:40

Lieber Lutgra,

für mich sind das ehrliche Rezensionen, die nicht jeden Unsinn (Achtung Verfechter der "Political Correcctness") im Sinne des Zeitgeists zu beschönigen versuchen, ja sogar in sein Gegenteil verdrehen.

Liebe Grüße
Gerhard

Und was Unsinn ist, entscheidest Du? So dass also ein Rezensent, der eine von Dir als "unsinnig" kategorisierte Inszenierung lobt, dann folglich nicht ehrlich sein kann?

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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5

Dienstag, 13. Dezember 2016, 13:04

"Ehrliche Rezensionen" sind m.E. ein problematischer Titel, weil es dann ja auch unehrliche geben müsste.

Lieber Lutgra,

danke für die Eröffnung dieses Threads, die Beispiele und Deine Kommentare. Ehrliche Kritiken können in der Tat problematisch sein. Dazu ein persönliches Erlebnis: Vor vielen Jahren berichtete ich über ein Sängerfest. Dort sang auch ein Männergesangverein aus einem kleinen Landort. Nach mehrstimmigem Beginn rutschten die Sänger in einstimmiges Singen hinein und kamen auch bei den folgenden Strophen nicht mehr aus diesem Dilemma heraus. Die Jury wertete selbstverständlich diesen Beitrag mit ungenügend. Ich haute in meinem Bericht noch weiter drauf, indem ich diese Leistung noch ironisch als für ein Sängerfest nicht würdig brandmarkte. Ich werde heute noch schamrot, wenn ich daran denke, welche Auswirkungen diese ehrliche, schonungslose Beurteilung hatte. Der Verein stellte nach dem Fiasko auf dem Sängerfest seinen Singstundenbetrieb ein. Ich habe daraus gelernt und schrieb danach mit einem dem Anlass angemessenen Beurteilungsmaßstab. Worum sich der Kritiker allerdings sehr bemühen sollte, ist größtmögliche Objektivität. Die absolute Ehrlichkeit kann, wie mein Beispiel zeigt problematisch sein und sogar zerstörerisch wirken. Das ist, wie wenn ein Arzt, der vom Patienten nach seinen Heilungschancen gefragt wird, die ehrliche Antwort gäbe: "An Ihrer Stelle würde ich mir keine Langspielplatte mehr kaufen!"

Herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

dr.pingel

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6

Dienstag, 13. Dezember 2016, 13:26

Die Zirkusnummer hat vor Jahren das schlaue Füchslein in Düsseldorf getroffen. Zirkus bedeutet immer Action über die ganze Zeit, Ruhepunkte sind nicht vorgesehen. Das ist aber der Tod jeder Musik, die auch von dem Wechsel von Spannen und Entspannen lebt. Beim Füchslein heißt das: Krawall ohne Ende. So ist diese Oper aber nicht komponiert.
Mein Chor hat am Sonntag das Weihnachtsoratorium (natürlich 1-3, dafür ohne mich) gesungen, eine sehr schöne, achtbare Aufführung mit Schwächen, etwa die zu laute Pauke und die zu lauten Trompeten. Die Chöre, etwa 1 und 14, waren gut gesungen, wobei der strukturelle Schwachpunkt dieses Chores, das Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen, nicht zu überhören war. Dafür waren die Choräle bildschön, vor allem, weil der Kantor sie hat auswendig singen lassen. Die Solisten waren ordentlich, bis auf den Bass, der nur rumgebrüllt hat. Für den Sopran und den Bass gibt es in Teil IV ein Duett, das der Kantor in die Kantate III geschmuggelt hatte, sodass auch die Sopranistin ihre Arie bekam. Leider war sie durch den lauten Bass kaum zu hören.
Jetzt komme ich zum Thema! Im Lokalteil der WAZ/NRZ gab es eine hymnische Kritik, wobei die Rezensentin nichts von den kleinen Mängeln bemerkt hat, die ich oben aufgezählt habe. Mich würde nicht wundern, wenn da eine Stallorder bestünde, denn bei einem Chor von fast 50 Sängern stehen bestimmt 45 Abos auf dem Spiel.
(Weisheit der Brahmanen)
Die Tage sehen wir, die teuren, gerne schwinden,/um etwas Teureres herangereift zu finden:/ ein seltenes Gewächs, das wir im Garten treiben,/ ein Kind, das wir erziehn, ein Büchlein, das wir schreiben.
(Friedrich Rückert)

William B.A.

Erleuchteter

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7

Dienstag, 13. Dezember 2016, 15:18

Lieber dottore,

dir geht es ähnlich wie mir, auch mein Chor hat am Sonntag ein WO gesungen, allerdings das von Saint Saens, aber auch ohne mich, da ich durch meine am Anfang meines Urlaubs "erlitterne" hartnäckige Infektion mit Hustenattacken verhindert war.
Aber das Problem ist das Gleiche: wir als Laienchor können in unseren Ausführungen nicht über jede Krtik erhaben sein. Die Kritik kann antürlich nicht aus einem Saulus einen Paulus machen, auch wenn sie es manchmal tut. Aber wir, wie auch ihr, können uns ehrlicherweise eigentlich gut genug selbst einschätzen.
Noch zwei Parallelen:
Auch bei uns waren in der WO-Aufführung (Bach) vor zwei Jahren die Choräle die Glanzpunkte, und auch bei uns gibt es seit Jahren in meinen beiden Chören ein Ungleichgewicht zwischen Frauen- und Männerstimmen. Aber in beiden Chören haben wir in beiden Männerstimmen noch über 10 Männer. Das geht noch, zumal in den Männerstimmen die Zahl der Leistungsträger recht stark vertreten ist.
Ich werde versuchen, im Adventskalender, wie angekündigt, den Bericht zum Konzert morgen zu veröffentlichen. Leider werde ich auf dem Foto nicht zu sehen sein.

Liebe Grüße

Willi :)

P.S.: in Sachen Beethoven werden wir uns noch aussprechen müssen.
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

dr.pingel

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8

Dienstag, 13. Dezember 2016, 16:25

Leider werde ich auf dem Foto nicht zu sehen sein.

Das ist schade, obwohl wir dich ja jeden Tag im Blick haben. Das mit dem Husten ist eine verflixte Sache. Wir hatten im Anfang des Jahres ein Konzert im Xantener Dom, und ich konnte nicht mal hinfahren. Das hat mich sehr getroffen, denn im Xantener Dom zu singen ist so wie im Bernabeu Fußball zu spielen.
Immer, wenn ich nach Xanten in den Dom komme, gehe ich auch in den Klostergang und denke traurig an unser Mitglied MosesKR, der als Avatar ein Bild von diesem Klostergang hatte und der auch immer schön den Niederrhein abgedeckt hat. Da ich wieder ziemlich gesund bin, werde ich das im kommenden Jahr machen. Niederrhein heißt Orgelkonzerte in Krefeld, Oper in Krefeld und Gladbach, Dommusik in Xanten und Wesel, Kirchenmusik in Kempen und vielleicht Knechtsteden.
Der Besuch von Borussia Mönchengladbach ist da nicht vorgesehen, obwohl ja hier mal ein Kundiger die musikalischen Beiträge der Schlachtenbummler analysieren könnte.
(Weisheit der Brahmanen)
Die Tage sehen wir, die teuren, gerne schwinden,/um etwas Teureres herangereift zu finden:/ ein seltenes Gewächs, das wir im Garten treiben,/ ein Kind, das wir erziehn, ein Büchlein, das wir schreiben.
(Friedrich Rückert)

Gerhard Wischniewski

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9

Dienstag, 13. Dezember 2016, 16:36

Liebe Freunde,

was ich unter "ehrlich" verstehe, ist wenn Verunstaltungen (Hallo, Sittenwächter der Sprache!) nicht - wie leider meist - künstlich hochgejubelt werden und versucht wird, irgendwelche unsinnigen Deutungen in entstellte (auch wieder ein Wort, an dem sich die Herren von der "Politcal Correctness die "Mäuler zerreißen" mögen) Originalwerke zu bringen. Jeder vernünftig Denkende wird sich wohl darüber im Klaren sein, wie dämlich (Sittenwächter, darf man das Wort heute noch gebrauchen?) es ist, aus Don Giovanni einen Zirkusdompteur zu produzieren. Dennoch gibt es auch hier wohl wieder Kritiken, die das alles für fortschrittlich und hochintelligent halten. Wie weit ist das Niveau der Inszenierungen doch inzwischen heruntergekommen (schon das vierte Wort, das hier wohl bald als "politisch inkorrekt" verdammt werden wird, ich scheu mich dennoch nicht!)

Liebe Grüße
Gerhard
Ich mache dringend darauf aufmerksam, dass die szenischen Vorschriften, wie sie in der Partitur mit großer Genauigkeit angegeben sind, mit skrupulöser Treue befolgt werden.
(Wagner in einem Brief zu seinem "Tannhäuser" an Stocks 1841)

Dieter Stockert

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10

Dienstag, 13. Dezember 2016, 16:43

Also ich meine, dass die Rezension der kleinen Anna, die ja schon in der anderen Diskussion verlinkt war, unbedingt hierher gehört:

http://www.tz.de/muenchen/kultur/haensel…ik-2820247.html
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

Knusperhexe

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11

Dienstag, 13. Dezember 2016, 17:02

Klar, voll ehrlich. Und der Pate hat sein Vermögen auch wirklich mit Olivenöl gemacht.
Regietheater? Nein, danke!

Dr. Holger Kaletha

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12

Dienstag, 13. Dezember 2016, 17:05

Jetzt wissen wir also, was unter einer "ehrlichen" Rezension zu verstehen ist: Eine, wo alle vier Worte zu lesen ist: "Ich schreibe politisch inkorrekt", nach der musikalischen Lebensregel: "Ehrliche Menschen sind die, welche auf Political correctness pfeifen."

Das als kurze - und letzte - politisch inkorrekte Anmerkung zum Thema. :angel:

Schöne Grüße
Holger

Bertarido

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13

Dienstag, 13. Dezember 2016, 17:10

Liebe Freunde,

was ich unter "ehrlich" verstehe, ist wenn Verunstaltungen (Hallo, Sittenwächter der Sprache!) nicht - wie leider meist - künstlich hochgejubelt werden und versucht wird, irgendwelche unsinnigen Deutungen in entstellte (auch wieder ein Wort, an dem sich die Herren von der "Politcal Correctness die "Mäuler zerreißen" mögen) Originalwerke zu bringen. Jeder vernünftig Denkende wird sich wohl darüber im Klaren sein, wie dämlich (Sittenwächter, darf man das Wort heute noch gebrauchen?) es ist, aus Don Giovanni einen Zirkusdompteur zu produzieren. Dennoch gibt es auch hier wohl wieder Kritiken, die das alles für fortschrittlich und hochintelligent halten. Wie weit ist das Niveau der Inszenierungen doch inzwischen heruntergekommen (schon das vierte Wort, das hier wohl bald als "politisch inkorrekt" verdammt werden wird, ich scheu mich dennoch nicht!)

Liebe Grüße
Gerhard

Lieber Gerhard,

nimm es mir nicht übel: Du nervst! Dass Du nichts von Political correctness hältst, haben inzwischen alle verstanden. Muss Du wirklich jeden Beitrag mit Fußtritten gegenüber denjenigen garnieren, die anders darüber denken und - aus meiner Sicht berechtigte und gut begründete - Kritik an der Verwendung mancher Begriffe geübt haben? Deine Beiträge werden durch diese ständigen Wadenbeißereien ungenießbar, und der von operus angemahnte Weihnachtsfriede rückt in immer weitere Ferne.

Irgendwann muss man es auch einmal gut sein lassen.

Knusperhexe

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14

Dienstag, 13. Dezember 2016, 17:15

Lieber Gerhard, eine gute Idee. Nachfolgend eine Rezi, die sich mal keiner Werbesprache bedient:

http://www.kultiversum.de/Oper-opernwelt…r-Cottbus-.html
Regietheater? Nein, danke!

9079wolfgang

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15

Dienstag, 13. Dezember 2016, 17:32

Gerhard Wischniewski:

Zitat

Nun hat es in Bonn den "Don Giovanni" als Zirkusdompteur getroffen.

Lieber Gerhard!

Toll, dieser "Don Giovanni"! Vor Kurzem war ich mit meiner Tochter erst im Zirkus. Jetzt nicht schon wieder. Ich hatte diese Oper in Bonn schon ins Auge gefasst, um mir nach langer Zeit in Bonn wieder Mozart zu gönnen. Aber für diesen Klamauk sind mir 5 km Autofahrt schon zuviel, auch wenn ich eine Freikarte bekäme. :thumbdown:


Gruß Wolfgang
W.S.

Gerhard Wischniewski

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16

Dienstag, 13. Dezember 2016, 17:59

Lieber Wolfgang,

es freut mich, dass ich dich und vielleicht einige andere vor einer unsinnigen Fahrt und Geldausgabe warnen konnte.

Liebe Grüße
Gerhard
Ich mache dringend darauf aufmerksam, dass die szenischen Vorschriften, wie sie in der Partitur mit großer Genauigkeit angegeben sind, mit skrupulöser Treue befolgt werden.
(Wagner in einem Brief zu seinem "Tannhäuser" an Stocks 1841)

Gerhard Wischniewski

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17

Dienstag, 13. Dezember 2016, 18:20

Zitat

Zitat von Bertarido: nimm es mir nicht übel: Du nervst!

Lieber Bertarido,

und das mit voller Absicht. Solange diejenigen, die in dem entsprechenden Thema, das ich jetzt allerdings für mich ausgeschaltet habe, so maßlos übertreiben und nicht merken, wie sie andere nerven und sich selbst lächerlich machen, macht es mir Freude, sie auf die von ihnen verachteten Worte aufmerksam zu machen, damit sie sich weiterhin daran ergötzen können.

Liebe Grüße
Gerhard
Ich mache dringend darauf aufmerksam, dass die szenischen Vorschriften, wie sie in der Partitur mit großer Genauigkeit angegeben sind, mit skrupulöser Treue befolgt werden.
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MSchenk

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18

Dienstag, 13. Dezember 2016, 18:46

Da das Ende vorhersehbar ist, schlage ich vor, diesen Thread schon jetzt in den internen Bereich zu verschieben. In den kommenden Tagen haben nicht nur die Moderatoren vielleicht besseres zu tun ... :untertauch:
mfG Michael

Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

Helmut Hofmann

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19

Dienstag, 13. Dezember 2016, 19:15

Kurz nach neunzehn Uhr:
Ich stelle fest: Siebzehn "Antworten" auf einen um 11 Uhr 22 gestarteten Thread. Das ist phänomenal!
In diesem Forum gibt es tatsächlich diskursives Feuer und Flamme-Getümmel. Freilich nur bei einem Thema. Aber immerhin!
Bloß nicht wieder, wie eben gerade vorgeschlagen, in den internen Bereich verschieben. Ich halte das nach wie vor für ein Unding, - für einen Verstoß gegen das Wesen, die Aufgabe, ja den Auftrag eines Internet-Forums.

hasiewicz

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20

Dienstag, 13. Dezember 2016, 20:29

Flamme-Getümmel

Lieben Dank, Helmut Hofmann, für diese Begriffskreation. Sie trifft...


Herzliche Grüße

Christian

Dr. Holger Kaletha

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21

Dienstag, 13. Dezember 2016, 21:04

Der Thread soll ja zur Ergötzung am Verachteten dienen. Dazu wäre aber eine Umbenennung des Threads wirklich anzuraten.

Vorschlag: "Entartete Oper. Perverse Scheißhaus-Regisseure gehören an den Pranger."

Untertitel: Bekloppte Political correctness gehört geteert und gefedert. :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:

WoKa

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22

Dienstag, 13. Dezember 2016, 21:14

Hallo!

Auch wenn es Euch weh tut - eins habt Ihr - Gerhard und Holger - gemeinsam.

Ständig kündigt Ihr an, Euch nicht mehr an einem Thread zu beteiligen, um dann doch rückfällig zu werden.:)

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

hasiewicz

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23

Dienstag, 13. Dezember 2016, 21:16

Hallo!

Auch wenn es Euch weh tut - eins habt Ihr - Gerhard und Holger - gemeinsam.

Ständig kündigt Ihr an, Euch nicht mehr an einem Thread zu beteiligen, um dann doch rückfällig zu werden.:)

Gruß WoKa

Die Flughöhe über dem Stammtisch ist nun mal schwer zu erringen...

Dr. Holger Kaletha

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24

Dienstag, 13. Dezember 2016, 21:39

Ständig kündigt Ihr an, Euch nicht mehr an einem Thread zu beteiligen, um dann doch rückfällig zu werden.:)

... aber von meiner Durchlaucht nur, um einen netten Abschiedsgruß zu hinterlassen. :angel:

Mit verteufelt politisch inkorrekten Grüßen
Holger

Alfred_Schmidt

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25

Dienstag, 13. Dezember 2016, 22:27

Zitat

Und was Unsinn ist, entscheidest Du? So dass also ein Rezensent, der eine von Dir als "unsinnig" kategorisierte Inszenierung lobt, dann folglich nicht ehrlich sein kann?

Uber dieses Themea könnte man diskutieren. "unsinnig" trifft es ja auch nicht wirklich.
Eine NEUTRALE (nicht "ehrliche")Opern-Rezension sollte fürs erste zwischen "librettogetreu" und "entstellend" unterscheiden. Das heisst der Rezensent kann bereits im ersten Satz die Linie einer Aufführung festlegen.
Er wertet fürs erste mal scheinbar nicht, sondern beschreibt eine gegebene Tatsache. Dennoch ist damit ein Werturteil verbunden.
Über Sinn und Nicht. Sinn von Rezensionen in unserer Zeit werde ich hier ein paar Gedanken eizubringern versuchen, es werden ja auch Orchesterwerke und Klaviersonaten rezensiert.

Ich komme darauf zurück, was "Unsinn" und was nicht.
Es gibt natürlich in der Tat das was hier mit "Unsinn" vornehm umschrieben ist. Und woher nimmt man die Kühnheit "Schund"- denn das wäre das wahre Wort - als solchen zu bezeichnen? Ist das autokratischer Eigensinn? Anmaßung ?

Wohl kaum. Es gab in der Gesellschaft stets ungeschriebene Gesetze, Verhaltens- und Anstandsregeln an die sich jeder anstänige Mensch hielt- und wer dies nicht tat - der wurde - stillschweigend - von der Gesellschaft boykottiert. Ohne, daß es näher definiert war, wusste jeder, was mir "Gesindel", Schund", gemeint war, und auf wen dies anzuwenden sei. Man konnten die "Freiheit der Kunst" beispielsweise deswegen unwidersprochen akzeptieren, weil man sich sicher war, daß jeder anständige Mensch wusste welche Grenzen er nicht überschreiten durfte. Un tat es mal einer, so wurde er gebrandmarkt - sei dies nun real oder aber symbolisch. Aus diesem Weltbild heraus (es gilt noch heute und ist unterschwellig sehr mächtig und wieder im Kommen) ist es verständlich und geradezu gefordert, daß man WERTET. Man trennt die Spreu vom Weizen. Daß natürlich auch hier Fehler passieren, sei an dieser Stelle angemerkt. Ich möchte diesen Thread - auch wen nicht ich es war, der ihn gestartet hat nicht ins RT-Fahrgleis abgleiten lassen, sondern ganz allgemein über Rezensionsversuche im Bereich der Klassischen Musik reflektieren. Der Sinn und die Aufgabe der Rezension hat sich in den letzten 150 Jahren bedeutend gewandelt. Von wem sind "ehrliche" Rezensionen zu erwarten - von wem eher nicht?
Fragen über Fragen - für einen wochenlangen Thread.......

mfg aus Wien
Alfred


Über andere Feinheiten bei Rezensionen demnächst hier.

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

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26

Dienstag, 13. Dezember 2016, 22:36

Dr Holger Kaletha schrieb:

Zitat

Vorschlag: "Entartete Oper. Perverse Scheißhaus-Regisseure gehören an den Pranger."
Untertitel: Bekloppte Political correctness gehört geteert und gefedert.
Meine Großmutter (1888- 1968), die mich sehr geprägt hat, hätte an dieser Stelle gesagt:

Zitat

SO ETWAS SAGT MAN NICHT !!!!
....das kann man sich höchstens denken......
und so möchte ich es auch hier - der Contenance wegen - halten


mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Gerhard Wischniewski

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27

Dienstag, 13. Dezember 2016, 22:59

Ja, lieber Alfred, das ist eben der Unterschied zwischen jemand, der hier in selbstdarstellerischer Weise als gebildet gelten will und damit gewisse ganz normale Worte, die nicht in dieser Weise unter die Gürtellinie gehen, verteufelt, weil sie irgendwann mal in einem falschen Zusammenhang verwendet wurden oder durch irgendeinen Spinner als nicht mehr verwendungswürdig erklärt wurden, selbst aber weit unter die Gürtellinie geht und, um seine Person zu heben, andere für dumm erklärt und einem der eben solche unter die Gürtellinie gehenden Worte nicht verwendet, aber die Spinnereien und lächerlichen Übertreibungen um die sogenannte "political correctness" für absurd hält. Muss ich also jetzt z.B. im Lokal Sintischnitzel oder Romaschnitzel bestellen, wird der "Zigeunerbaron" künftig "Sintibaron" oder "Romabaron" benannt werden oder sollte er besser gar nicht mehr gespielt werden? Müssen all die Texte, in denen das Wort "Zigeuner" vorkommt, umgeschrieben werden? Das nur als Beispiel für Vieles, was heute lächerlicherweise verteufelt wird.

Liebe Grüße
Gerhard
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28

Dienstag, 13. Dezember 2016, 23:22

Ich möchte diesen Thread - auch wen nicht ich es war der ihn gestartet hat nicht ins RT-Fahrgleis abgleiten lassen.

Netter Versuch: Zuerst sich selbst ganz bewusst auf dieses Gleis begeben und dann abschließend sagen, die Diskussion soll gar nicht dahin, wodurch jeder, der nun etwas zu Deinen ziemlich anfechtbaren Bemerkungen schreiben möchte, als »Thema-Verfehler« gebrandmarkt ist.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

Dieter Stockert

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29

Dienstag, 13. Dezember 2016, 23:26

Meine Großmutter (1888- 1968), die mich sehr geprägt hat, hätte an dieser Stelle gesagt:

Zitat

SO ETWAS SAGT MAN NICHT !!!!
....das kann man sich höchstens denken......

und so möchte ich es auch hier - der Contenance wegen - halten

Als MSchenk hier dieses Wort mal ausgesprochen und Gerhard keine halbe Stunde später es zitiert hat, kam von Dir aber keine Ermahnung. Vielleicht hättest Du Michael damals ja ermahnen wollen, aber Gerhard war einfach zu schnell und so ging das nicht mehr, ohne Gerhard mitzutreffen. Oder eine andere Hypothese (auch nicht viel schwachsinniger als manches Andere, das hier geschrieben wurde): Bei Gerhard bist Du damals davon ausgegangen, dass er mit den Konnotationen von manchen Wörtern ein paar Jahrhunderte zurückliegt (siehe nun sein Verständnis von »Weib«) und er hat von daher auch »Sch…«, nur als ganz normales harmloses Wort angesehen, das ja auch im Wörterbuch steht. Das würde nun freilich ein ganz neues Licht auf manche seiner Werturteile werfen.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

Dr. Holger Kaletha

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30

Dienstag, 13. Dezember 2016, 23:30

Meine Großmutter (1888- 1968), die mich sehr geprägt hat, hätte an dieser Stelle gesagt:

Zitat
SO ETWAS SAGT MAN NICHT !!!!
....das kann man sich höchstens denken......


und so möchte ich es auch hier - der Contenance wegen - halten

Womit die Political correctness letztlich doch den Sieg davonträgt - auch im Thread der Political incorrectness! Damit betrachte ich meine Mission hier als erfüllt! :angel:

Schöne Grüße
Holger

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