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Rheingold1876

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  • »Rheingold1876« ist männlich

Beiträge: 4 774

Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

61

Sonntag, 14. Januar 2018, 09:15

Ein schön klingender, "philharmonischer", aber etwas fader Beethoven. Das BRSO spielt zwar anstandslos, allerdings fehlt das gewisse Etwas. So könnte man sich einen Beethoven für ein schon etwas betagteres Abo-Publikum vorstellen. Dieser Zyklus tut niemandem weh, aber es gibt hier nichts, was ihn außergewöhnlich machen würde.


Für mich gilt diese Analyse von Joseph noch immer. Ist der Ruhm von Jansons nicht vornehmlich ein Medienruhm? Durch eine unglaubliche Omnipräsenz hat er sich einen Platz in der ersten Reihe erobert, der ihm wohl nicht mehr streitig zu machen ist. Steht die Qualität seiner Leistung auch dafür? Was macht ihn unverwechselbar und einzigartig? Mir fällt nichts ein. Wo sind denn die anderen Rundfunkorchester mit ihren Chefs im deutschen Fernsehen? Übersehe ich da etwas? Wie sieht es in Österreich aus? Oder in der Schweiz? Wenn ich das Gerät mal einschalte, wer ist fast immer tüchtig zugange? Jansons! Der Bayerische Rundfunk scheint mir sehr clever und mächtig im Verbund der öffentlich-rechtlichen Anstalten.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

Beiträge: 17 611

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

62

Sonntag, 14. Januar 2018, 11:43

Zitat

Joseph II: Ein schön klingender, "philharmonischer", aber etwas fader Beethoven. Das BRSO spielt zwar anstandslos, allerdings fehlt das gewisse Etwas.

Diese "Kurzanalyse" scheint mir auch etwas beliebig und zeugt nicht davon, dass man sich näher mit dem Dirigenten und seinem Orchester auseinandergesetzt hätte. Ich weiß nicht, lieber Joseph und lieber Rüdiger, wie oft ihr Mariss Jansons schon live im Konzert erlebt habt habt oder z. B. seine Beethoven-GA komplett durchgehört und gesehen habt.
Ich habe das bayerische Orchester, das m. E. zu Recht die Riege der ausgezeichneten deutschen Rundfunk-Orchester anführt, schon mehrere Male live erlebt, u. a. schon zweimal mit dem Verdi-Requiem (unter Jansons in Berlin und jüngst unter Muti in Köln und einmal unter Maazel und Haitink und den Zyklus schon mehrere Male durchgehört (und gesehen).
Das BRSO hat auch eine etwas längere Tradition als die anderen deutschen Rundfunkorchester, aber alleine die Riege der Chefdirigenten seit der Neugründung nach dem Kriege gleicht einem "Who is Who" der Dirigenten: Jochum-Kubelik-Kondraschin-Davis-Maazel-Jansons. Was Jochum grundgelegt hat, haben Kubelik und seine Nachfolger nicht nur gehalten, sondern weiterentwickelt, und unter Jansons hat das Orchester in den letzten 15 Jahren gewiss keinen Rückschritt gemacht, wovon der weltweit ausgzeichnete Ruf des Orchesters zeugt, und das liegt gewiss nicht in erster Linie an der Geschäftstüchtigkeit des BR oder an der einhelligen Meinung der Kritik, sondern auch und vor allem am Zuspruch des Publikums, wie die durchweg euphorischen Reaktion des japanischen Publkums in der Syntory Hall in Tokio zeigen.
Ich hatte schon mit den Hörberichten begonnen, ehe mir die Zeit dann doch zu knapp wurde, aber wer weiß, vielleicht werde ich die übrigen Symphonien auch noch besprechen. Hier zum Abschluss mein Bericht vom 13. 3. 2014 über die 1. Symphonie:

Zitat

William B.A.: Beethoven: Symphonie Nr. 1 C-dur op. 21
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Dirigent: Mariss Jansons
AD: Tokyo 2012
Spielzeiten: 8:16-7:40-3:35-6:08 --- 25:29 min.;

Mariss Jansons hat natürlich das Rad nicht neu erfunden und liefert auch keine völlig neue Sicht auf Beethovens Symphonien. Aber im Kopfsatz der Ersten fällt immerhin auf, dass er dem besetzungsmäßig reduzierten Orchester (4 KB, 6 C, schlanker Geigenapparat, zweifaches Holz und Blech) einen Ton von geradezu Mozartinischer Leichtigkeit entlockt und dass Bläser und Streicher doch insgesamt ausgewogen erscheinen. Die Durchhörbarkeit ist ausgezeichnet, und ein „Aha“-Erlebnis hatte ich außerdem. Auch Mariss Jansons hat sich, zumindest hier bei der Ersten, bei den Berliner Philharmonikern den Solo-Paukisten ausgeliehen, Rainer Seegers, der ja nicht zu Unrecht als einer der besten Paukisten weit und breit gilt.
Noch eins ist mir aufgefallen, ohne, dass ich jetzt Zeiten verglichen hätte. Jansons nimmt auch das einleitende Adagio molto nicht etwa erdenschwer, sondern etwas leichter und auch schneller. Bei Gelegenheit werde ich das noch mit anderen Aufnahmen vergleichen. Es pass jedenfalls gut zum Allegro con brio.

Auch das Andante ist leicht, anmutig und von kristallinem Klang. Den federnden Rhythmus unterstützt Jansons noch dadurch, dass er die Taktenden immer zum Schweben bringt. Das ist kein Marschrhythmus, sondern das swingt, auch wenn die Tutti mal ihre Stimme erheben.

Im Menuett, das in seinem rasanten Zuschnitt schon bald an ein Scherzo gemahnt, geht es auch hier schon ganz anders zur Sache, unterstützt von den kühnen Läufen des fabelhaften Paukisten Rainer Seegers. Aber auch hier blitzt immer wieder die Mozartinische Leichtigkeit auf, die großen dynamischen Kontraste zwischen Pianissimo und Fortissimo. Mit der beschaulichen Ruhe aus dem zweiten Satz ist es vorbei. Großartig musiziert!

Das Finale, abermals durch ein eher zügiges Adagio eingeleitet, erweist sich dann als würdiger Höhepunkt dieser Symphonie, auch in dieser Aufnahme. Das ist schon ganz echter Beethoven. Wie engagiert und mit wie viel Schwung gehen doch die Musiker aus München zu Werke, auch hier wieder angetrieben von ihrem Chefdirigenten. Dem Orchester merkt man es an, dass es zum Zeitpunkt der Aufnahme schon im zehnten Jahr mit dem Dirigenten zusammenarbeitet. Da herrscht großen gegenseitiges Vertrauen und eine große gegenseitige Sicherheit sowie eins ehr hohes künstlerisches Niveau. Auch im Finale, in dem sich eigentlich alle Instrumentengruppen gleichermaßen hervortun, merkt man, welch einen großartigen Solopaukiten sie sich da ausgeliehen haben. Nun stehen die Berliner Philharmoniker ja dann nicht blank dar, denn sie haben noch einen großartigen zweiten Mann an den Pauken, der z. B. de Aufnahmeserie in St. Cecilia mit Claudio Abbado bestritten hat.
Beim Schleswig Holstein Musikfestival in Lübeck (1999) war Rainer Seegers übrigens auch schon mal vertreten, zusammen mit dem NDR-Sinfonie-Orchester unter Günter Wand.


Zum Abschluss möchte ich noch Goethe zu diesem Thema zu Wort kommen lassen: "Wenn ihr*s nicht fühlt, ihr werdet*s nie erjagen". :D

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Stimmenliebhaber

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63

Sonntag, 14. Januar 2018, 12:16

Ich bin bei meiner Einschätzung dieses Dirigenten eher bei "Joseph II." und "Rheingold1876" als bei dir, lieber Willi.
Ich habe Jansons zugegebenermaßen auch nur ein einziges Mal live erlebt: 2012 mit den Wiener Philharmonikern für viel Geld bei den Salzburger Festspielen. Insbesondere Brahms' Erste (nach der Pause) hat mich schon enttäuscht. Da habe ich mit weniger guten Orchestern unter weniger prominenten Dirigenten weit packendere Interpretationen dieser mir besonders wichtigen Sinfonie erlebt. Tut mir Leid, aber mir hat sich da an diesem Vormittag im Großen Festspielhaus keine besondere Faszination erschlossen (was zum Beispiel 6 Jahre früher, als Nikolaus Harnoncourt am gleichen Ort die drei letzten Mozart-Sinfonien dirigierte, völlig anders war). :(
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

teleton

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64

Sonntag, 14. Januar 2018, 12:19

Themenabend zu Mariss Jansons 75.Geburtstag auf 3SAT am 13.01.2017

Gestern habe ich auch die ausgezeichnete Doku "DEr Dirigent Mariss Jansons" über Mariss Jansons gesehen, sowie einige Ausschnitte aus den Konzertwiedergaben.
(Nicht wie allegro-assai auf BR-Mediathek).

Jansons ist schon ein Herzblutmusiker, dem es nicht so sehr auf absolute Präzision, sondern auf Gefühl und Emotion ankommt.
Trotzdem vermisse ich bei Jansons das Quentchen zupackender Gestus, dass er sich beim Aufbau einer Spannung nicht so reinsteigert und es dann als Höhepunkt "richtig krachen lässt". Es ist alles sehr ausgewogen und der letzte Durchbruch der Überdrehtheit wird bei ihm zugunsten einer kontrollierten Interpretation vermieden.
Das fiel gestern auch bei Prokofieffs Sinfonie Nr.5 auf, die er (zu) wunderschön und hochmusikalisch mit seinem Bayerischen RSO präsentierte ... bei mir kam keine Spannung auf.
In die Beethoven-Sinfonien habe ich auch reingehört ... es präsentierte sich auch hier ein grosser Musiker mit dem Blick auf das Melodiöse. Ich kann Josefs Kurzanalyse verstehen .... denn so richtig mirreissend "mit allem drum und dran" kam es trotz der präsenten Paukenstellen bei mir auch nicht an.

Ich denke auch, wenn Du lieber Willi ein Jansons Konzert mit Beethoven LIVE erlebst, dann ist die hochmusikalische Wahrnehmung, die man hier erfährt eine Andere, als wenn ich es aus meiner Sicht mit Vergleichen im Hinterkopf höre. Und sei ehrlich Willi - so "gerockt", wie es Paavo Järvi vorgemacht hat, wird bei Jansons nicht.

*** Die o.g.DoKu über Jansons hat aber grossen Spass gemacht, die Lebenswege Jansons in Riga und St.Petersburg, sowie mit Karajan als Lehrer und Gewinner des 2.Preises eines Dirigentenwettbewerbes zu sehen. Karajan sagte zu dem 2.Platz: "Das ist ja auch mein Schüler !" ... ^^ :thumbsup: Klasse !


Mit Jansons habe ich nicht so viele CD´s.
Die Rachmaninoff _ Orchesterwerke (EMI) und die Schostakowitsch 4. Allles gut - aber nicht so, dass es von dem Repertoire nicht noch packendere Aufnahmen gäbe.
Gruß aus Bonn, Wolfgang

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

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65

Sonntag, 14. Januar 2018, 13:07

Zitat

teleton:
Die Dokumentation habe ich schon zum zweiten Mal gesehen, lieber Wolfgang. Vor einiger Zeit wurde sie schon einmal auf Classica gezeigt, irgendwann im letzten Jahr, wenn ich das recht erinnere.
Mit Jansons' Interpretationen hat man es, so glaube ich, leichter, wenn gleich bei dem ersten Live-Erlebnis der Funke überspringt. Das war bei mir bei diesem denkwürdigen Verdi-Requiem in Berlin der Fall. Das ging mir dermaßen nahe, dass ich auch seine Beethoveninterpretationen und seinen Mahler genießen konnte. Wenn man es genießen will, muss man sich vorbehaltlos darauf einlassen. (siehe Goethe!! :D )

Liebe Grüße

Willi :)
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La Roche

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Registrierungsdatum: 21. Februar 2012

66

Sonntag, 14. Januar 2018, 14:02

Einiges hier im Thread veranlaßt mich, auch meinen Senf dazu zu geben.

Live habe ich Jansons leider nie gehört. Zum Glück aber ist der BR einer der wenigen Sender (sonst nur noch der WDR, weniger der SWR und der NDR, im Internet der HR), die ihre großen sendereigenen Orchester auch ihrer Bedeutung entsprechend oft im Fernsehen spielen lassen. Der MDR versteckt sein Orchester fast vor der Öffentlichkeit.

Ich glaube, daß das BRSO mit Jansons als Orchesterchef einen großen Sprung nicht nur in der Öffentlichkeitsarbeit nach vorn gemacht hat. Nicht umsonst wurde es 2011 zum Mahlerfest als einziges Rundfunksinfonieorchester (außerm dem Heimvorteil des MDR-Orchesters) nach Leipzig eingeladen, neben den Wiener Philharmonikern, der Dresdener Staatskapelle, dem Concertgebouw, den New Yorker Philharmonikern, dem London Symphony-Orchester u.a. zu spielen. Schon das ist Wertschätzung genug!

Ich habe mir im Fernsehen den gesamten Tokio-Zyklus der Beethoven-Sinfonien 2012 "reingezogen" und ich war begeistert von der klaren Sprache des Orchesters. Die 6. fand ich besonders gelungen, auch die 7. war rasant gespielt und keine Abo-Veranstaltung für Rollator-Nutzer. Ich hatte das Orchester u.a. in Garmisch gehört zum Straussfest, unter Maazel, und ich fand trotz meiner Affinität zu Strauss den Jansons-Beethoven eindeutig als Fortschritt. Durch Jansons halte ich das Sinfonieorchester des BR inzwischen für das beste aller Rundfunksinfonieorchester. Ich freue mich eigentlich auf jede Übertragung, und meine Festplatte lächelt schon beim Programmieren.

Herzlichst La Roche

PS das Portrait von Jansons habe ich auch zum 2. mal gesehen. Sehr interessant, so was ist viel zu selten.
Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

Beiträge: 19 213

Registrierungsdatum: 9. August 2004

67

Sonntag, 14. Januar 2018, 15:49

Zitat

Für mich gilt diese Analyse von Joseph noch immer. Ist der Ruhm von Jansons nicht vornehmlich ein Medienruhm? Durch eine unglaubliche Omnipräsenz hat er sich einen Platz in der ersten Reihe erobert, der ihm wohl nicht mehr streitig zu machen ist. Steht die Qualität seiner Leistung auch dafür? Was macht ihn unverwechselbar und einzigartig? Mir fällt nichts ein


Es ist eigenartig, wie Übereinstimmung sich mit Widerspruch paaren kann.

Bei mir beispielsweise ist weder der Medienruhm noch die Omnipräsenz wirklich angekommen, ich besitze (wissentlich) keine Aufnahme von ihm
und hatte auch nie das Bedürfnis mir eine zuzulegen. Das muß nicht notwendigerweise mit seiner Qualität zu tun haben, sondern mit meiner Einstellung zu Dirigenten schlechthin. Ich war immer ein Verehrer der Pultdiktatoren und pathologischen Perfektionisten, weil die vermutlich zwar unausstehliche Menschen - zugleich aber - perfekte Performer, Künstler und Dirigenten waren, frei nach der Prämisse: Das Wohlbefinden der Orchestermusiker, sowie (und das ist wichtig !!!) auch das eigene hat sich dem auszuführenden Werk (jeglicher Kunstgattung, jeglicher wissenschaftlicher Forschung) unterzuordnen. Allein der Erfolg zählt.

Ob Jansons "einzigartig und unverwechselbar" ist, das muss die Generation der heute 30jährigen beurteilen, und das kann auch nur an Hand von Live-Erlebnissen geschehen, bzw wenn man zu den Verweigerern alter Tonaufnahme gehört.
Unabhängig von der Frage, ob die alten Interpretationen besser oder weniger gut waren - so haben sie doch über Jahrzehnte die Klassikszene im Bereich der Tonträger geprägt. Und da gab es eine Menge an Vielfalt.

Das Problem ist: Wer die alten Aufnahmen nicht kennt, der wird von einem Teil der Klassikgemeinde nicht ernst genommen, ihm wird nachgesagt, Grundlegendes nicht zu kennen. Kennt derjenige aber das meiste, so wird es schwer sein einen Dirigenten (oder Interpreten) zu finden, der "unverwechselbar und einzigartig" ist. Auch hier gibt es Ausnahmen. Man kann ein Werk so gegen den Strich bürsten, dass es kaum zu erkennen ist, dann gilt der Zerstörer als "genial" oder "einzigartig" Im Falle von Dirigenten ist es ja so, dass das Orchester hier meist dämpfend eingreift, aber nicht immer. Mir fällt hier spontan Rene Jacobs ein. Bei Pianisten gibt es (da im Falle von Solostücken keine Korrektur)
mehrere Beispiele. Glenn Gould wäre da eine beliebte Zielscheibe meiner Kritik.

Fazit: Viele gute Dirigenten stehen BIS HEUTE im Schatten der "Großen alten Männer" (dazu zählt IMO auch Jansons)
Ob sich das in Zukunft ändern wird ? Ehrlich gesagt - ich weiß es nicht....

mfg aus Wien
Alfred

MIT ARBEIT VERSAUT MAN SICH DIE GANZE FREIZEIT

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

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68

Sonntag, 14. Januar 2018, 17:34

Komisch,

dass seit meiner Gratulation zum 75. auch in diesem Thread es zwar etliche Beiträge über Mariss Jansons gegeben hat, ob er nun ein Großer ist oder nicht, aber keiner, der sich meinen Glückwünschen angeschlossen hat. ?(
Wenigtens einer, der über Jansons der gleichen Meinung zu sein scheint wie ich. Vielen Dank dafür, lieber La Roche. Sogar deine Festplatte lächelt, wenn du sie programmierst. ^^
Mein Blu Ray Player beginnt zu leuchten, wenn ich eines der Japankonzerte einlege. :D
Es scheint nicht von ungefähr zu sein, dass außer Jansons, der neben seinem Chefdirigat in München auch 12 Jahre parallel Chef im Concertgebouw in Amsterdam war, auch seine Vorgänger im Amt des Chefs des Bayerischen Rundfunk-Sinfonieorchesters, Eugen Jochum (zweimal), Rafael Kubelik und Kyrill Kondraschin auch Chefs in Amsterdam waren. Jansons muss wohl nicht unbedingt, wie es südlich des Weißwurstäquators so schön heißt, "auf der Brennsuppen dahergeschwommen sein".

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
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Justin

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69

Sonntag, 14. Januar 2018, 17:36

"Fazit: Viele gute Dirigenten stehen BIS HEUTE im Schatten der "Großen alten Männer" (dazu zählt IMO auch Jansons)

Ob sich das in Zukunft ändern wird ? Ehrlich gesagt - ich weiß es nicht....

"

Lieber Alfred,
den andauernden Vergangenheitsbezug vieler Klassikliebhaber sehe ich als ein doch größes Problem der Branche.
Für mich steht keiner der lebenden Musiker im Schatten der " großen alten Männer", denn die kann ich nicht mehr live ereleben, und eigentlich zählt nur live , nicht die Konserve.
Auch unter diesem Aspekt gehört Jansons zu den Allerbesten heute.

Liebe Grüße
Justin
Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne. (Unbekannt)

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

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70

Sonntag, 14. Januar 2018, 18:42

Zitat

"Fazit: Viele gute Dirigenten stehen BIS HEUTE im Schatten der "Großen alten Männer" (dazu zählt IMO auch Jansons)

Ich würde eher sagen: Mariss Jansons gehört spätestens seit heute zum "Kreis der Schatten werfenden großen alten Männer". Dazu gehören auch Daniel Barenboim (75),Riccardo Muti (76), Christoph Eschenbach (77), Marek Janowski (78), Zubin Mehta (81), Bernhard Haitink (88) und Herbert Blomstedt (90). Dabei habe ich bestimmt noch jemanden vergessen.

Liebe Grüße :)

Willi

P.S. Ich sehe gerade, ich habe sie alle schon teils mehrfach live erlebt, und deshalb gehören sie auch m. E. zu Recht in diesen Kreis.
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Stimmenliebhaber

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71

Sonntag, 14. Januar 2018, 19:21

Ich würde eher sagen: Mariss Jansons gehört spätestens seit heute zum "Kreis der Schatten werfenden großen alten Männer". Dazu gehören auch Daniel Barenboim (75),Riccardo Muti (76), Christoph Eschenbach (77), Marek Janowski (78), Zubin Mehta (81), Bernhard Haitink (88) und Herbert Blomstedt (90). Dabei habe ich bestimmt noch jemanden vergessen.
Ja, es gibt noch viel mehr alte Männer, aber nicht jeder alte Mann wirft deshalb automatisch einen großen Schatten! :D
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Justin

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72

Sonntag, 14. Januar 2018, 19:26

"Fazit: Viele gute Dirigenten stehen BIS HEUTE im Schatten der "Großen alten Männer" (dazu zählt IMO auch Jansons)

Ob sich das in Zukunft ändern wird ? Ehrlich gesagt - ich weiß es nicht...."

Mein Verständnis "unter große alte Männer" war die Generation Karajan, Böhm, Bernstein u.a., darauf bezog sich mein Ausdruck "Vergangenheitsbezug".

LG
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Joseph II.

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73

Sonntag, 14. Januar 2018, 19:37

Mariss Jansons ist zweifellos ein sehr guter Dirigent. Allein, geht es um Referenzaufnahmen, fällt sein Name zumindest bei mir selten. Ich habe gerade mal überlegt, bei welchem Werk ich Jansons tatsächlich als eine erste Empfehlung ansehen würde. Zumindest ein Gedanke kam mir:



Diese Einspielung der Orgelsymphonie von Saint-Saens aus dem Jahre 1994 ist aus unerfindlichen Gründen ein Geheimtipp geblieben. Wayne Marshall spielt an der großartigen Cavaillé-Coll-Orgel in St-Ouen in Rouen (1890). Ein spektakulärer Klang! Bei diesem Werk könnte ich mich spontan an keine mächtigere Orgel erinnern. Das Oslo Philharmonic Orchestra unter Mariss Jansons zieht kongenial mit und hat mit der Cavaillé-Coll einen wirklich ebenbürtigen Mitspieler, so dass der Orchesterklang die Orgel nicht überdeckt, wie leider in zahlreichen Aufnahmen der Fall.

»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Friese

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74

Sonntag, 14. Januar 2018, 21:07

Ich habe von Jansons die 5. Symphonie mit dem Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks und es gefällt mir sehr gut. Da ist auch noch die Francesca da Rimi drauf und auch die ist klasse.

Aus meiner Sicht ist er einer der großen Dirigenten unserer Zeit, dazu bedarf es nicht immer nur Referenzaufnahmen. Ich denke, er hat genügend sehr gute Aufnahmen abgeliefert, um diesen Status zu bekommen. Auch seine Alpensinfonie soll toll sein und ist gerade mal ein Jahr alt.

Rheingold1876

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Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

75

Sonntag, 14. Januar 2018, 21:38

Das BRSO hat auch eine etwas längere Tradition als die anderen deutschen Rundfunkorchester, aber alleine die Riege der Chefdirigenten seit der Neugründung nach dem Kriege gleicht einem "Who is Who" der Dirigenten: Jochum-Kubelik-Kondraschin-Davis-Maazel-Jansons. Was Jochum grundgelegt hat, haben Kubelik und seine Nachfolger nicht nur gehalten, sondern weiterentwickelt, und unter Jansons hat das Orchester in den letzten 15 Jahren gewiss keinen Rückschritt gemacht, wovon der weltweit ausgzeichnete Ruf des Orchesters zeugt, und das liegt gewiss nicht in erster Linie an der Geschäftstüchtigkeit des BR oder an der einhelligen Meinung der Kritik, sondern auch und vor allem am Zuspruch des Publikums, wie die durchweg euphorischen Reaktion des japanischen Publkums in der Syntory Hall in Tokio zeigen.


Lieber Willi, lies doch bitte nochmal nach. Die Geschichte der Rundfunkorchester ist ja selbst bei Wikipedia recht gut dokumentiert. Noch längere Traditionen gab es nach meinen Informationen in Hessen und Sachsen. Auch Berlin hat eine sehr alte Geschichte. Offiziell wurde das Bayerische Orchester 1949 neu gegründet. Der WDR war da längst mit seinen Klangkörpern auf Sendung. Dieser Sender hat eine unglaubliche Fülle an Opern, Oratorien, Operetten und Sinfoinik produziert und live aufführen lassen. Alles nachzulesen in diesem Buch:



Die akribische Tamoino-Dokumentation von Josepeh II., die auch die Rundfunkorchester berücksichtigt, ist ebenfalls eine Fundgrube an Informationen. Der von Dir erwähnte Eugen Jochum war mit großer Machtfülle ausgestattet. Er hatte beim Bayerischen Rundfunk freie Hand und konnte aus dem Vollen schöpfen. Es baut sich leichter etwas auf, wenn nicht gespart werden muss.

Komisch,

dass seit meiner Gratulation zum 75. auch in diesem Thread es zwar etliche Beiträge über Mariss Jansons gegeben hat, ob er nun ein Großer ist oder nicht, aber keiner, der sich meinen Glückwünschen angeschlossen hat. ?(


Für mich sind Geburtstage Anlass, neu über die Jubilaren nachzudenken. Warum soll ich ihnen hier gratulieren? Sie kennen mich doch gar nicht. Ich beglückwünsche nur Menschen, die ich persönlich kenne. Du machst das doch immer sehr gut im Namen des Forums und aller seiner Mitglieder. :)

Ich würde eher sagen: Mariss Jansons gehört spätestens seit heute zum "Kreis der Schatten werfenden großen alten Männer". Dazu gehören auch Daniel Barenboim (75),Riccardo Muti (76), Christoph Eschenbach (77), Marek Janowski (78), Zubin Mehta (81), Bernhard Haitink (88) und Herbert Blomstedt (90). Dabei habe ich bestimmt noch jemanden vergessen.


Die großen alten Männer sind - bei allem Respekt - ein Kapitel für sich. Die machen gern immer dasselbe. Ich sehe dieses Thema sehr kritisch und bin froh, dass sich die Jungen in die ersten Reihen vorarbeiten. Wir haben hier in Berlin jetzt den Robin Ticciati. Der ist die Zukunft.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Joseph II.

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76

Sonntag, 14. Januar 2018, 21:50

Ohne Jansons seine Verdienste beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks kleinreden zu wollen, aber dieses war auch schon lange vor seiner Chefdirigentenzeit eines der besten deutschen Orchester. Bei den Rundfunkorchestern erscheint es mir noch vor denjenigen des WDR und NDR schon seit Jahrzehnten als das auch international angesehenste, was sich auch in diversen Rankings niederschlug. Bei aller Liebe für Celibidache, aber seine Münchner Philharmoniker hatten spieltechnisch nur ausnahmsweise dasselbe Niveau wie die Münchner Kollegen vom BR. Auf jeden Fall müssen in diesem Zusammenhang noch Sir Colin Davis (1983-1992) und Lorin Maazel (1993-2002) genannt werden, die dem BRSO beide ein knappes Jahrzehnt vorstanden und aus deren Ära auch etliche sehr nennenswerte Aufnahmen stammen.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

77

Sonntag, 14. Januar 2018, 23:12

Mariss Jansons ist zweifellos ein sehr guter Dirigent. Allein, geht es um Referenzaufnahmen, fällt sein Name zumindest bei mir selten. Ich habe gerade mal überlegt, bei welchem Werk ich Jansons tatsächlich als eine erste Empfehlung ansehen würde. Zumindest ein Gedanke kam mir:



Diese Einspielung der Orgelsymphonie von Saint-Saens aus dem Jahre 1994 ist aus unerfindlichen Gründen ein Geheimtipp geblieben. Wayne Marshall spielt an der großartigen Cavaillé-Coll-Orgel in St-Ouen in Rouen (1890). Ein spektakulärer Klang! Bei diesem Werk könnte ich mich spontan an keine mächtigere Orgel erinnern. Das Oslo Philharmonic Orchestra unter Mariss Jansons zieht kongenial mit und hat mit der Cavaillé-Coll einen wirklich ebenbürtigen Mitspieler, so dass der Orchesterklang die Orgel nicht überdeckt, wie leider in zahlreichen Aufnahmen der Fall.


:wacko: :huh: :S 8| :no:

KUNSTSTÜCK! Ist ja auch eine verdammte Frankensteinaufnahme, in die der Orgelpart reinsynchronisiert ist. Von wegen "kongenial" und "mitzieht" ... Erst kam das Orchester, dann hat irgendwann die Orgeltonspur drübergefegt.

https://www.gramophone.co.uk/review/sain…hestral-works-2
Sport lässt Menschen besser aussehen - Wein aber auch.

William B.A.

Erleuchteter

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78

Sonntag, 14. Januar 2018, 23:15

Zitat

Rheingold1876: Die großen alten Männer sind - bei allem Respekt - ein Kapitel für sich. Die machen gern immer dasselbe. Ich sehe dieses Thema sehr kritisch und bin froh, dass sich die Jungen in die ersten Reihen vorarbeiten. Wir haben hier in Berlin jetzt den Robin Ticciati. Der ist die Zukunft.

Lieber Rüdiger,

ich habe dieses Bild vom Schatten werfen nicht gebraucht, das war Alfred. Ich habe es nur weitergedacht. Und, wie du weißt, gehört zum "Schatten werfen" auch automatisch das "aus dem Schatten heraustreten", und das tun die jungen Dirigenten in zunehmendem Maße, und das ist auch gut so. Denn sie sind ja diejenigen, die später einmal, nach vielen erfüllten Jahren, auch Schatten werfen, wenn man so will, auch ein Naturkreislauf. Ich habe Robin Ticciati schon in Köln mit seinem Scottish Chamber Orchestra erlebt, ein guter Mann. Und Andris Nelsons zähle ich auch noch dazu, der ist nur fünf Jahre älter, steht aber schon in der ersten Reihe.
Oder was ist mit Pietaari Inkinen (1980), Patrick Lange (1981), Pablo Heras-Casado (1977), Jakub Hrusa (1981) und Andres Orozco-Estrada (1977)? Hrusa ist ja in Bamberg Nachfolger von Jonathan Nott geworden. Ihn werde ich im Juni in Köln mit Yuja Wang (Rach 4) und dem WDR SO erleben (Heldenleben), und Orozco-Estrada ist ja in Frankfurt Nachfolger von Paavo Järvi geworden. Es sieht also gar nicht so shlecht aus mit denjenigen, die aus dem Schatten treten. Aber denjenigen, die noch Schatten werfen, kann man ja auch nicht einfach verbieten, weiter zu dirigieren. Ich hätte nur ungern 2016 auf die Dritte Mahler unter Haitink verzichtet (mit dem Bayerischen RSO :D) .

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

William B.A.

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79

Sonntag, 14. Januar 2018, 23:29

Zitat

Joseph II: Ohne Jansons seine Verdienste beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks kleinreden zu wollen, aber dieses war auch schon lange vor seiner Chefdirigentenzeit eines der besten deutschen Orchester. Bei den Rundfunkorchestern erscheint es mir noch vor denjenigen des WDR und NDR schon seit Jahrzehnten als das auch international angesehenste, was sich auch in diversen Rankings niederschlug. Bei aller Liebe für Celibidache, aber seine Münchner Philharmoniker hatten spieltechnisch nur ausnahmsweise dasselbe Niveau wie die Münchner Kollegen vom BR. Auf jeden Fall müssen in diesem Zusammenhang noch Sir Colin Davis (1983-1992) und Lorin Maazel (1993-2002) genannt werden, die dem BRSO beide ein knappes Jahrzehnt vorstanden und aus deren Ära auch etliche sehr nennenswerte Aufnahmen stammen.

Voll einverstanden, die anderen Chefdirigenten habe ich ja weiter oben auch genannt, lieber Joseph, aber das Orchester ist in den 15 Jahren, die Jansons ihm jetzt vorsteht, m. E. keineswegss schlechter geworden, aber es ist ja auch ein Zeitraum von fast 70 Jahren, über den wir hier sprechen, und für fast ein Viertel dieser Zeit ist Jansons nun schon verantwortlich. Dieses hohe Niveau alleine zu halten, ist schon eine große Leistung. Ich habe vor einiger Zeit die neue Box Jochums mit Orchesterwerken erworben und will mal bei Gelegenheit die eine oder andere Beethoven-Symphonie, die er mit dem BRSO in den 50er Jahren aufgenommen hat, vergleichend hören mit den Aufnahmen, die Jansons knapp 60 Jahre später aufgenommen hat.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Joseph II.

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80

Sonntag, 14. Januar 2018, 23:32

Mariss Jansons ist zweifellos ein sehr guter Dirigent. Allein, geht es um Referenzaufnahmen, fällt sein Name zumindest bei mir selten. Ich habe gerade mal überlegt, bei welchem Werk ich Jansons tatsächlich als eine erste Empfehlung ansehen würde. Zumindest ein Gedanke kam mir:



Diese Einspielung der Orgelsymphonie von Saint-Saens aus dem Jahre 1994 ist aus unerfindlichen Gründen ein Geheimtipp geblieben. Wayne Marshall spielt an der großartigen Cavaillé-Coll-Orgel in St-Ouen in Rouen (1890). Ein spektakulärer Klang! Bei diesem Werk könnte ich mich spontan an keine mächtigere Orgel erinnern. Das Oslo Philharmonic Orchestra unter Mariss Jansons zieht kongenial mit und hat mit der Cavaillé-Coll einen wirklich ebenbürtigen Mitspieler, so dass der Orchesterklang die Orgel nicht überdeckt, wie leider in zahlreichen Aufnahmen der Fall.


:wacko: :huh: :S 8| :no:

KUNSTSTÜCK! Ist ja auch eine verdammte Frankensteinaufnahme, in die der Orgelpart reinsynchronisiert ist. Von wegen "kongenial" und "mitzieht" ... Erst kam das Orchester, dann hat irgendwann die Orgeltonspur drübergefegt.

https://www.gramophone.co.uk/review/sain…hestral-works-2

Diese Spitzfindigkeiten kennen wir ja bereits zu Genüge. Das wird in einigen Aufnahmen der Orgelsymphonie so gehandhabt, u. a. bei Karajan. Das Ergebnis klingt bei Marshall/Jansons in jedem Falle spektakulär, was bei diesem Werk legitim ist, so dass sich für mich die Frage, wie das genau zustande gekommen ist, gar nicht stellt. Wer auf schmalbrüstigere Aufnahmen steht, wird auf dem Markt schon fündig werden.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Joseph II.

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81

Montag, 15. Januar 2018, 00:20

Als wirklich gelungen habe ich auch diese CD in Erinnerung:



Da ist die Klasse des BR-Symphonieorchesters sehr gut nachvollziehbar.

Zudem gefiel mir das Neujahrskonzert 2012 unter seiner Stabführung:



Die Polka "Feuerfest" von Josef Strauss dort in der selten gespielten Chorfassung (mit den Wiener Sängerknaben).
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Bertarido

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82

Montag, 15. Januar 2018, 09:23

Diese Spitzfindigkeiten kennen wir ja bereits zu Genüge. Das wird in einigen Aufnahmen der Orgelsymphonie so gehandhabt, u. a. bei Karajan. Das Ergebnis klingt bei Marshall/Jansons in jedem Falle spektakulär, was bei diesem Werk legitim ist, so dass sich für mich die Frage, wie das genau zustande gekommen ist, gar nicht stellt. Wer auf schmalbrüstigere Aufnahmen steht, wird auf dem Markt schon fündig werden.

Ich sehe in der Kritik keine Spitzfindigkeit, und es hat auch nichts mit schmalbrüstig oder nicht zu tun. Ebenso wie wahrscheinlich Johannes Schlüter finde ich das nachträgliche Zuspielen des Orgelparts künstlerisch fragwürdig. Ebenso würde ich eine Opern-Aufnahme ablehnen, in der die Sänger nachträglich aufgenommen werden. :no: Wenn man sich den Grammophone-Artikel anschaut, scheint das Ergebnis auch klanglich misslungen zu sein, aber um das zu beurteilen, muss man die Aufnahme dann wirklich schon selbst gehört haben.

83

Montag, 15. Januar 2018, 09:56

Ich kenne die Aufnahme nicht, habe aber nach der Gramophone-Besprechung auch keinen größeren Drang danach.
Die unfreiwillige Komik in Josephs Besprechung reizte mich zum Widerspruch.
Andererseits fand ich Jansons während seiner Zeit in Oslo schon besonders spannend (z.B. mit Sibelius. Tschaikowski steht auch schon ewig auf der Wunschliste).
Orgelsinfonieaufnahmen mit reinsynchronisierter Orgel können eine absolute Katastrophe sein (Karajan/DG) oder aber auchdrchaus sehr gut (Barenboim/DG).
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Justin

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84

Montag, 15. Januar 2018, 10:15

Die Diskussion hier finde ich ziemlich kleinkariert, denn die eigentlich wichtige Frage, die das "führende" deutschsprachige Klassikforum am dringensten stellen müsste ist doch:
warum gelangt niemand aus dem lokalen Nachwuchs in die Weltspitze?

LG
Justin
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85

Montag, 15. Januar 2018, 10:22

Was heute "Weltspitze" ist, knobelt in der Regel eine handvoll Musikmanager unter sich aus. Vielleicht wirft sich der lokale Nachwuchs an diese Menschen nicht so ran. Aber ich dachte, es geht um Mariss Jansons.
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teleton

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86

Montag, 15. Januar 2018, 10:24

Orgelsinfonieaufnahmen mit reinsynchronisierter Orgel können eine absolute Katastrophe sein (Karajan/DG) oder aber auch durchaus sehr gut (Barenboim/DG).

Halloo Johannes,

da bin ich aber platt. Gerade diese Aufnahme ist eine meiner wenigen Barenboim-Aufnahmen und da ist die Orgelsinfonie TOP gelungen = Barenboim / CSO (DG). 8| Hätte ich nicht vermutet ...
Karajan (DG) kenne ich gar nicht und hatte auch nie die Absicht die zu kaufen, weil ich nach Ormandy / Vox (RCA) keine andere mehr benötigte ...
trotzdem ... in Kürze erwartet mich die Levine-Aufnahme (DG) ...


Hallo Josef,

wie würdest Du die Jansons-Aufnahme der Sibelius Sinfonie Nr.2 charakterisieren ? Lässt er dem Orchester, bes. im Finale freie Zügel ?
;) Oder bin ich nicht doch bei Bernstein, Szell, Berglund I besser aufgehoben ?
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Joseph II.

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87

Montag, 15. Januar 2018, 13:03

Zitat

Hallo Josef,

wie würdest Du die Jansons-Aufnahme der Sibelius Sinfonie Nr.2 charakterisieren ? Lässt er dem Orchester, bes. im Finale freie Zügel ?
;) Oder bin ich nicht doch bei Bernstein, Szell, Berglund I besser aufgehoben ?

Lieber Wolfgang,

ich fand die Aufnahme für Jansons' Verhältnisse durchaus von Emotionalität geprägt. Anders als in den Aufnahmen mit den Osloern und den Amsterdamern lässt er dem Orchester im Finale m. E. durchaus Freiraum. Überhaupt ist die Orchesterqualität ganz frappierend. Dasselbe gilt für den Klang. Zumindest dort ist diese Aufnahmen den Genannten klar überlegen. Ob man diese Einspielung als Sibelius-Fan unbedingt braucht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Du kannst bei Spotify oder YouTube hineinhören. Allerdings wurde für die CD nochmal nachgebessert, so dass eine winzige Unsauberkeit der Blechbläser in der Coda korrigiert wurde, die man im YT-Video noch hören kann.

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88

Montag, 15. Januar 2018, 13:06

Ebenso würde ich eine Opern-Aufnahme ablehnen, in der die Sänger nachträglich aufgenommen werden. :no:
Das ist in der Vergangenheit viel häufiger passiert, als man meint, dass bei berühmten Studio-Aufnahmen (einzelne) Sänger hinterher aufgenommen und reingeschnitten wurden. Manchmal erfährt man davon, manchmal nicht. Manchmal wähnt man etwas zu merken, manchmal nicht.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Joseph II.

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89

Montag, 15. Januar 2018, 16:36

Ebenso würde ich eine Opern-Aufnahme ablehnen, in der die Sänger nachträglich aufgenommen werden. :no:
Das ist in der Vergangenheit viel häufiger passiert, als man meint, dass bei berühmten Studio-Aufnahmen (einzelne) Sänger hinterher aufgenommen und reingeschnitten wurden. Manchmal erfährt man davon, manchmal nicht. Manchmal wähnt man etwas zu merken, manchmal nicht.

Ja, ein bekanntes Beispiel ist wohl Karajans "Rheingold" auf DG. Wenn ich mich nicht schwer täusche, hat man Fischer-Dieskau hier später "hineingeschnitten".
Dann gibt es ja auch noch Aufnahmen, wo im Studio mittels vieler Mikrophone ein "unnatürlicher" Klang erzeugt wurde, der so im Konzertsaal schlichtweg unmöglich wäre. Ich erwähne in dem Zusammenhang mal die Aufnahme von Brahms' 1. Symphonie im Zuge des "60th Anniversary Concert" des London Symphony Orchestra unter Leopold Stokowski von 1972 für Decca. Die spätere LP- (und heutige CD-)Veröffentlichung stammt vom Konzert aus der Royal Albert Hall vom 15.06.1972, wo die Decca-Tontechniker mit zahlreichen Mikros agierten und einen komplett anderen Klang erzielten als im Rundfunkmitschnitt aus der Royal Festival Hall vom Vortag. Auch der ist durchaus in Stereo, aber klingt es dort wohl viel eher so, wie es seinerzeit in beiden Konzerten klang. In der Decca-Aufnahme hat man dagegen eine spektakuläre Dynamik einzelner Instrumente künstlich kreiert. Das Ergebnis überzeugt mich durchaus.
Sicherlich ist es diskutabel, ob man derlei Spielereien, die nur unter Studio-Bedingungen funktionieren, nun goutiert oder nicht.
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Damiro

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90

Montag, 15. Januar 2018, 17:38

# 84, # 85, #82

Die Deutschen haben schon die besten Oberklasse- Autos, können also nicht auch noch die besten Dirigenten stellen. :D :D :D Ja, klar, wird das gegenseitig "ausgestreichelt" und -gehandelt ! 8-)

Aus meiner Sicht ist das Zuspielen einzelner Spuren (Audio-, aber auch Videosp.) keine Kleinigkeit, sondern kann künstlerisch fragwürdig sein. Es muss evtl. aber zur Fehlerkorrektur möglich sein. Vielleicht auch zur Verkaufsförderung !? Oder .....? Dieser Sachverhalt sollte aber dem Publikum bekannt gemacht werden ! Ansonsten empfände ich dieses als Beschiss.

Gruss
D. :)

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