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MSchenk

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61

Donnerstag, 17. Dezember 2015, 20:14

Interessant finde ich, was aus der Konrad-Adenauer-Stiftung verlautete: "Es wird im Zusammenhang mit der öffentlichen Förderung wieder wichtig, Diskussionen über Inhalte und Qualität des Kulturbegriffs zu führen. In diesem Zusammenhang sind durchaus wieder Themen wie ,konservatives Kulturverständnis' und ,bildungsbürgerliche Angebote' erlaubt. Die inhaltliche Diskussion ist auch aus anderen Gründen erforderlich. Die mit der Globalisierung einhergehenden Grenzverwischungen, der technologische und wirtschaftliche Wandel führen bei vielen Menschen zur Verunsicherung. Das weckt wiederum eine starke Sehnsucht nach kultureller Identität."

Spontan würde ich hier sogar zustimmen, dass eine solche Diskussion notwendig und sinnvoll ist. Allerdings halte ich diese für grundsätzlich wichtig und keinesfalls "im Zusammenhang mit der öffentlichen Förderung". Im Gegenteil würde ich die Frage der öffentlichen Förderung hier ersteinmal gänzlich heraushalten wollen, da es dem Ganzen m.E. eine falsche Perspektive gibt. Mit anderen Worten: Die Frage lautet nicht, was ein konservatives oder ein progressives Kulturverständnis kostet, sondern, was es Wert ist!
mfG Michael

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Stimmenliebhaber

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62

Donnerstag, 17. Dezember 2015, 21:18

Außerdem kann ich mir vorstellen, dass einige Kids in Hannover vielleicht ganz froh sind, dass ihnen Oper erspart bleibt. ;)
Sicher werden einige von denen so gedacht haben, aber sde wissen ja gar nicht, was sie verpasst haben. ;)


Das weckt wiederum eine starke Sehnsucht nach kultureller Identität."
Diesen Satz aus dem Statement der Konrad-Adenauer-Stiftung (die bekanntlich einer von mir nicht besonders geschätzten Partei nahesteht) kann ich sehr gut verstehen und auch unterschreiben. Nach Jahrzehnten der "Amerikanisierung" Europas sollten die europäischen Kulturnationen sich wieder stärker auf ihre eigene kulturelle Identität besinnen und diese auch pflegen. Ich bin kein Nationalist, von mir aus können wir gerne über eine europäische kulturelle Identität (mit nationalen Unterschieden) sprechen, und zu dieser gehört eben so etwas wunderbares wie die "abendländische Musik". :yes: Und die traditionelle europäische Musiktheaterform ist eben primär die Oper, während das Musical in Amerika groß geworden ist.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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MSchenk

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63

Donnerstag, 17. Dezember 2015, 22:00

Der Operndirektor aber wird doch auch von Politikern eingesetzt und nicht durch das Publikum bestimmt. Ob es nun schlimmer ist, wenn ein Kulturdezernent bestimmt, wie eine Aufführung aussehen soll, als der jeweilige Intendant sei dahingestellt. Ich masse mir nicht an, genau zu wissen, wie kompetent in Deutschland die Politiker sind, die den Operndirektor einsetzen. Hier in Zürich wurde jedenfalls Homoki eingesetzt, weil linke Politiker eine Trendwende nach der äusserst erfolgreichen Pereira-Intendanz haben wollten. Das Publikum muss diese Kröte einfach schlucken und kann nun über Jahre hinweg nur mit den Füssen abstimmen (was es auch tut!). Aber auch hier entscheidet die Politik, und wie weit diese Politiker kompetenter sind, als ein allfälliger Kulturdezernent.... Hier in Zürich war es zumindest ein bewusster politischer und weniger ein kultureller Entscheid!

Zwar kenn ich die Zürcher Verhältnisse nicht und weiß im Grunde auch zu wenig über die schweizerschen, österreichschen und deutschen Modalitäten zur Bestimmung eines Theater- oder Opernintendanten - wobei ich, aber das nur am Rande, Homoki für einen durchaus guten Opernregiesseur halte. Aber natürlich, lieber m.joho, ist Dein Einwand äußerst bedenkenswert: Steht doch zu befürchten, dass es bei der Auswahl einer Intendanz oftmals weniger der Kunst, als dem Proporz gilt ;(
mfG Michael

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Dieter Stockert

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64

Donnerstag, 17. Dezember 2015, 22:22

Sicher werden einige von denen so gedacht haben, aber sde wissen ja gar nicht, was sie verpasst haben. ;)

Da muss ich an den Musikunterricht im Gymnasium zurückdenken: Wir hatten angefangen, den Freischütz zu besprechen, und zu Anfang des nächsten Schuljahrs, mit dem gleichen Lehrer, meinte der, wir wären doch, seiner Erinnerung nach, nicht ganz fertig geworden. Ich habe das bejaht, weil ich fasziniert gewesen war, wurde aber sofort von der übrigen Klasse niedergebrüllt, nein, wir waren damit durch. Keiner außer mir wollte die Oper zu Ende durchnehmen.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

Stimmenliebhaber

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65

Donnerstag, 17. Dezember 2015, 22:25

Vielleicht hat einfach der gemeinsame Vorstellungsbesuch gefehlt. Die Liebe zur Oper lernt man - ähnlich wie die zum Kochen oder zum Autofahren (wobei beide bei mir nicht wirklich ausgeprägt sind) - eben nicht auf der Schulbank.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Dieter Stockert

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66

Donnerstag, 17. Dezember 2015, 22:36

als "oberlehrerhaft" meine ich nicht, dass du anderer Meinung bist. Ich empfinde es als schäbig, wenn hier jemand versucht, kleine sprachliche Unebenheiten (übrigens wird das "wenn" im allgemeinen Sprachgebrauch häufig so verwendet, wie ich es verwendet habe, und jeder versteht es) oder gar - wie bei Dr. Pingel - die versehentliche Verwendung eines Gedankenstrichs statt eines Bindestrichs (wahrscheinlich nur ein Tippfehler) oder gar noch erkennbare Tippfehler korrigieren und den anderen damit belehren will.

Das ist wohl ein Missverständnis. Ich hatte das »oberlehrerhaft« nicht darauf bezogen, dass wir unterschiedlicher Meinung wären, sondern so, wie’s ja von Dir anscheinend auch gemeint war, nämlich bezogen auf meine Belehrung. Trotzdem kommt hier schon wieder eine: Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich mal jemanden (ich weiß schon nicht mehr, wer das war) darauf hingewiesen, dass das Trennen von Begriffen mittels Leerzeichen-Bindestrich-Leerzeichen im Deutschen falsch ist und (mich) beim Lesen irritiert. Und das habe ich auch nur deswegen getan, weil es eben kein Tippfehler war, sondern von dem betreffenden Tamino systematisch so gemacht wurde und ich wirklich über Monate beim Lesen jedesmal darüber gestolpert bin.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

Dieter Stockert

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67

Donnerstag, 17. Dezember 2015, 22:39

Vielleicht hat einfach der gemeinsame Vorstellungsbesuch gefehlt. Die Liebe zur Oper lernt man - ähnlich wie die zum Kochen oder zum Autofahren (wobei beide bei mir nicht wirklich ausgeprägt sind) - eben nicht auf der Schulbank.

Das könnte sein. Es ist live im Opernhaus ein ganz anderes Erlebnis als von der Konserve.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

rodolfo39

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68

Donnerstag, 17. Dezember 2015, 23:17

Wir hatten in der Schule einen sehr Klassik interessierten Musiklehrer. in der 9. Klasse frage er wer Lust hätte in eine konzertante Aufführung von Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny zu gehen. Damals wusste ich noch nicht was konzertant war und konnte dieses Stück noch nicht und von 29 Schülern waren es nu 3 die sich freiwillig gemeldet hatten. Das hat aber mein Interesse für klassische Musik geweckt und es war zum Glück eine konzertante Aufführung was für den ersten Besuch auch gar nicht so schlecht ist. Aber komischer Weise kann ich mich bis heute noch nicht für moderne Opern begeistern. Und die richtige Begeisterung kam auch erst nachdem mich meine Eltern nach Duisburg in die Oper mitgenommen hatten und ich La Boheme gesehen habe

Gerhard Wischniewski

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69

Freitag, 18. Dezember 2015, 09:58

Zitat

Zitat von Stimmenliebhaber: Die Liebe zur Oper lernt man - ähnlich wie die zum Kochen oder zum Autofahren (wobei beide bei mir nicht wirklich ausgeprägt sind) - eben nicht auf der Schulbank.

Lieber Stiummenliebhaber,

das mag sein, aber gilt sicherlich nicht für alle. Ich hatte es hier schon einmal geschildert, dass ich die Liebe zur klassischen Musik wohl nie erworben hätte, wenn wir nicht einen so engagierten Musiklehrer gehabt hätten, der mit den primitiven Mitteln, die meiner Schule in den 1950er Jahren zur Verfügung standen (einem alten Klavier, seiner Bassstimme und der Stimme eines mit ihm befreundeten Amateursängers (Tenor)) den Freischütz erläutert hätten. In meinem sonst sehr lieben Ersatzelternhaus war die klassische Musik weitgehend verpönt. Und Geld für Vorstellungen hatten wir ohnehin nicht.
Ich könnte mir aber denken, dass ich nach einer so abscheulichen Vorstellung wie in Hannover mich sofort wieder von der klassischen Musik abgewendet hätte.

Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

Mme. Cortese

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70

Freitag, 18. Dezember 2015, 15:14

Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

Knusperhexe

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71

Freitag, 18. Dezember 2015, 18:22

Ach ja, die Medien: Auf der Staatsopernseite jubelt die PR diesen "Freischütz", der ja eigentlich gar kein Freischütz mehr ist, hoch wie einen Freizeitpark.

http://www.staatstheater-hannover.de/ope…n&ID_Stueck=395
Regietheater? Nein, danke!

Knusperhexe

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72

Mittwoch, 30. Dezember 2015, 11:21

"Die Freischütz-Inszenierung gerate damit zur bloßen Selbstinszenierung auf Kosten des zahlenden Publikums."
aus: http://www.cdu-hannover-stadt.de/index.p…1&ska=4&idn=228

Wie wahr! Wie wahr! Von mir aus kann die Staatsoper Hannover ja so einen Schützfrei machen, aber nicht auf Steuerkosten, dann dürfen sie auch ein-und ausladen, wenn sie möchten. Ich komme einfach nicht weg über diese entlarvende Argumentation: "Wir wollen den unter 16-jährigen nicht die Freude am Theater nehmen, deswegen die Altersfreigabe!" Es geht also, wie schon lange vermutet, gar nicht ums Theater, nicht um das Stück und schon gar nicht um Komponist und Librettist sondern um eine subventionierte Nabelschau. Hoffentlich werden die Produktionskosten, mitsamt Regiegage und Freikartenkontingent zurückgefordert, wie es auf Facebook bereits erbeten wird, und das Geld der Flüchtlingshilfe gespendet!
Regietheater? Nein, danke!

Stimmenliebhaber

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73

Samstag, 2. Januar 2016, 13:54

Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Mme. Cortese

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74

Samstag, 2. Januar 2016, 15:17

Der Artikel spricht mir aus der Seele!
Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

Dieter Stockert

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75

Samstag, 2. Januar 2016, 17:20

Gestern erst gelesen (da geht es zwar um Typografie, aber ich meine, das ist in unserem Zusammenhang auch bedenkenswert):

»Eine Vorgehensweise ist, die Gestaltung der Entstehungszeit des Textes zu zitieren. Das scheint uns ganz naheliegend, in Historienfilmen sehen wir ja auch nachgeahmte römische Togen, frühneuzeitliche Rüstungen und napoleonische Uniformen. Aber in Gemälden des 18. Jahrhunderts werden homerische Feldherren, römische Kaiser und biblische Figuren ungescheut in zeitgenössische Gewänder gehüllt.« (Friedrich Forssman: »Wie ich Bücher gestalte«. Seite 19)
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

Dr. Holger Kaletha

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76

Samstag, 2. Januar 2016, 17:32

Der Artikel ist schlicht peinlich - besonders die Passage über Neue Musik. Au weia! Auch Kritiker haben übrigens ein Publikum - hat der Kritiker offenbar vergessen! :no:

lutgra

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77

Samstag, 2. Januar 2016, 17:37

Der Artikel ist schlicht peinlich - besonders die Passage über Neue Musik.

Da hat der Kolumnist wohl die Entwicklung der letzten 25 Jahre verschlafen. ;)

Rheingold1876

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78

Samstag, 2. Januar 2016, 17:54

»Eine Vorgehensweise ist, die Gestaltung der Entstehungszeit des Textes zu zitieren. Das scheint uns ganz naheliegend, in Historienfilmen sehen wir ja auch nachgeahmte römische Togen, frühneuzeitliche Rüstungen und napoleonische Uniformen. Aber in Gemälden des 18. Jahrhunderts werden homerische Feldherren, römische Kaiser und biblische Figuren ungescheut in zeitgenössische Gewänder gehüllt.« (Friedrich Forssman: »Wie ich Bücher gestalte«. Seite 19)

Ich gehe mal davon aus, dass niemand einen Historienfilm sehen will, in dem die römischen Feldherren oder wer weiß wer noch, Straßenanzüge nach heutigen Schnitt tragen. Denn derlei Schlüsse lese ich doch aus dem Zitaten heraus. Nur dem hochsubventionierten Theater ist es gestattet, anders zu verfahren, Kleopatra in ein Cocktailkleid zu stecken oder Boris Godunow in einen Blaumann. Hollywood muss schon anders rechnen. Julius Schnorr von Carolsfeld hat - um noch ein Beispiel aus der Buchgestaltung aufzugreifen - die Bibel zwar auch im Stil des 19. Jahrhunderts illustriert. Dies geschah aber mit großer Würde, mit Respekt und mit Phantasie. Nicht billig, nicht prollig.



Und was den Gastbeitrag in der FAZ anbelangt, den Stimmenliebhaber verlinkt hat, liest der sich wirklich sehr gut. Es ist aber kein Beitrag gegen das sogenannte RT. Damit keine falschen Hoffnungen aufkommen.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Stimmenliebhaber

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79

Samstag, 2. Januar 2016, 17:56

Der Autor des Artikels ist selbst Komponist zeitgenössischer Musik.

Dass sich hier insbesondere ein Tamino-Mitglied darüber echauffiert, war zu erwarten, insbesondere zu einem Absatz muss das an der alten Spruchweisheit "Betroffene Hunde bellen!" liegen... Au weia! 8-)
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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dr.pingel

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80

Samstag, 2. Januar 2016, 18:09

Zitat

Zitat von Dieter Stockert: muss ich doch nachfragen, ob Du wirklich das Wort wenn gemeint hast und Du nicht eigentlich schreiben wolltest: indem man die Subventionen streichen würde.

Jawohl, Herr Oberlehrer. Aber jeder andere hätte das wahrscheinlich verstanden.

Geht das schon wieder los, Meister Stockert? Übrigens hast du bei einem Beitrag von einem deiner Freunde hier vor einigen Wochen übersehen, dass der das Wort "tödlich" so geschrieben hat: "tötlich". Ich sage nicht, wer und wo, und ich vermute auch, dass es ein Lapsus war und nicht mehr. Aber wenn, dann inwiefern nicht alles monieren, wenn oder indem man doch immer alles weiß?
"Ich bin ein Anhänger der Todesstrafe, aber köpfen kann ich darum doch keinen."
Erst durch Lesen lernt man, wieviel man ungelesen lassen kann." (Wilhelm Raabe)

dr.pingel

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81

Samstag, 2. Januar 2016, 19:29

Der Artikel aus der FAZ gibt die Positionen wieder, die ich auch vertrete:
1. Die Regisseure trauen der Musik nicht.
2. Sie halten das Publikum für dumm.
3. Kunst ist nicht didaktisch.
(4. den Ekelfaktor lasse ich mal hier weg, denn vertritt keiner so gut und vehement wie unser Gerhard!)
"Ich bin ein Anhänger der Todesstrafe, aber köpfen kann ich darum doch keinen."
Erst durch Lesen lernt man, wieviel man ungelesen lassen kann." (Wilhelm Raabe)

Caruso41

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82

Samstag, 2. Januar 2016, 19:45

Lieber Rheingold,

nur zwei Anmerkungen zu Deinem Beitrag!

Ich gehe mal davon aus, dass niemand einen Historienfilm sehen will, in dem die römischen Feldherren oder wer weiß wer noch, Straßenanzüge nach heutigen Schnitt tragen. Denn derlei Schlüsse lese ich doch aus dem Zitaten heraus. Nur dem hochsubventionierten Theater ist es gestattet, anders zu verfahren,
Nun, Hollywood hat auch Bildcodes, die nichts mit historischer Wirklichkeit zu tun haben:
Selbst wenn der Gladiator nicht gekleidet ist wie ein USMarine, er agiert doch so! Und die durch den Krieg verwüsteten Wälder sehen aus, als wäre da der Vietnam-Krieg ausgetragen worden.
Zum Glück sind auch die Menschen, die in Hollywood Filme machen, durch aktuelle Sehstrategien, Wahrnehmungsweisen, Erzählperspektiven, Deutungsmuster... und so weiter geprägt. Kino ist kein Museum oder - um einen Ausdruck von Oskar Negt aufzunehmen - Totenkammer der Geschichte. Und Oper sollte es auch nicht sein!


Und was den Gastbeitrag in der FAZ anbelangt, den Stimmenliebhaber verlinkt hat, liest der sich wirklich sehr gut. Es ist aber kein Beitrag gegen das sogenannte RT. Damit keine falschen Hoffnungen aufkommen.
Da hast Du wirklich einen ganz wichtigen Punkt markiert! Der Text mag flüssig zu lesen sein. Die Argumentation zu entschlüsseln verlangt aber schon einige Sorgfalt und Mühe. Allein der Hinweis auf die Traumgörge-Inszenierung von Schlömer müsste doch davon abhalten, voreilig in dem Autor einen Kampfgenossen gegen das zu sehen, was manche hier Regietheater nennen.

Beste Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Gerhard Wischniewski

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83

Samstag, 2. Januar 2016, 20:44

Der Artikel ist wirklich lesenswert.
Es ist schon eine Schande, dass man erst nach der unsäglichen Inszenierung eines "Nicht-Freischütz" in Hannover, die aus der alleruntersten Schublade - nein aus einer noch tieferen - gegriffen ist, darauf kommt, dass es ja auch noch den Zuschauer gibt, für den die Oper eigentlich gemacht ist und nicht nur den selbstdarstellerischen Regisseur oder Intendanten. Es wäre sicherlich wünschenswert, wenn die Zuschauer solchen Dreck boykottieren und nicht über sich ergehen lassen würden. Etliche haben es ja in Hannover getan. Dann bleiben nur noch diejenigen übrig, die sich solchen Irrsinn ansehen wollen. Ob die Oper damit weiterexistieren könnte, stelle ich sehr infrage.
Interessant ist auch, dass sich hier wieder einige einmengen, die nie etwas zu solchen konkreten Beispielen sagen können. Ich habe bei Erblicken dieser Avatare schnell weitergeschaltet, denn das bloße Gerede interessiert mich nicht mehr. Was ich aber vermisse, sind die Berichte über ihren Besuch und ihre Eindrücke von denen, die hier so hoch getönt haben, dass sie auf jeden Fall nach Hannover fahren wollten. Haben sie es sich vielleicht anders überlegt oder ist ihnen beim Besuch auch "die Spucke weggeblieben"?

Liebe Grüße
Gerhard
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(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

rodolfo39

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84

Samstag, 2. Januar 2016, 21:38

Aber warum müssen wir diejenigen verurteilen, die sich solch eine Inszenierung ansehen? Ich denke mal das keiner aus dem Taminoforum im Freischütz war.

Gerhard Wischniewski

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85

Samstag, 2. Januar 2016, 21:41

Zitat

Zitat von Dr.Pingel: Ich sage nicht, wer und wo, und ich vermute auch, dass es ein Lapsus war und nicht mehr. Aber wenn, dann inwiefern nicht alles monieren, wenn oder indem man doch immer alles weiß?
Lieber Dr.Pingel,

eigentlich solltest doch du pingelig sein, denn wie anders solltest du zu dem Dr. gekommen sein als über deine Pingeligkeit.
Nun gibt es aber einen, der mit einigen ausgewählten Mitgliedern noch pingeliger ist. Willst du ihm nicht deinen Dr.-Titel schenken? Es gib hier aber nicht nur aber Worte wie "tötlich" oder "entgültig" oder "Endgeld", wie sie mir schon mehrfach aufgefallen sind, sondern auch Leute, die "das" und "dass" so gut wie nie unterscheiden können und ähnliche immer wieder kehrende Scherze, die ich bei dauernder Verwechslung nicht mehr als Tippfehler ansehen kann. Das aber fällt diesem Dr. Nochpingeliger nicht auf.


Liebe Grüße
Gerhard
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(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

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86

Samstag, 2. Januar 2016, 22:45

Ich denke mal das keiner aus dem Taminoforum im Freischütz war.

Davon gehe ich nicht aus, weil "Caruso41" ja hier angekündigt hat, die Aufführung besuchen und dann hier nicht dazu Stellung nehmen zu wollen, was ich bedauere.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Dieter Stockert

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Samstag, 2. Januar 2016, 23:21

Der Artikel ist schlicht peinlich - besonders die Passage über Neue Musik.

Das solltest Du erklären.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

Dieter Stockert

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88

Samstag, 2. Januar 2016, 23:30

Ich gehe mal davon aus, dass niemand einen Historienfilm sehen will, in dem die römischen Feldherren oder wer weiß wer noch, Straßenanzüge nach heutigen Schnitt tragen. Denn derlei Schlüsse lese ich doch aus dem Zitaten heraus.
Wenn das, was Forssman da schreibt, so stimmt (was ich nicht weiß), dann lese ich da heraus, dass man in der Bildenden Kunst des 18. Jahrhunderts anscheinend kein Problem damit hatte, geschichtliche Persönlichkeiten ›entfremdet‹ darzustellen, indem man sie einfach ›in die Gegenwart‹ transportierte. Nun frage ich mich eben, ob das damals auch bei anderen Künsten üblich war. Die Antwort darauf wäre vermutlich schon interessant in Bezug auf die Frage, was ›erlaubt‹ und was eine »Verunstaltung« ist.


Und was den Gastbeitrag in der FAZ anbelangt, den Stimmenliebhaber verlinkt hat, liest der sich wirklich sehr gut. Es ist aber kein Beitrag gegen das sogenannte RT. Damit keine falschen Hoffnungen aufkommen.
So sehe ich das auch.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

MSchenk

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89

Sonntag, 3. Januar 2016, 00:01

Und was den Gastbeitrag in der FAZ anbelangt, den Stimmenliebhaber verlinkt hat, liest der sich wirklich sehr gut. Es ist aber kein Beitrag gegen das sogenannte RT. Damit keine falschen Hoffnungen aufkommen.
Da hast Du wirklich einen ganz wichtigen Punkt markiert! Der Text mag flüssig zu lesen sein. Die Argumentation zu entschlüsseln verlangt aber schon einige Sorgfalt und Mühe. Allein der Hinweis auf die Traumgörge-Inszenierung von Schlömer müsste doch davon abhalten, voreilig in dem Autor einen Kampfgenossen gegen das zu sehen, was manche hier Regietheater nennen.

Tatsächlich ist mir selbst nach mehrmaligem Lesen des Artikels nicht wirklich klar, was mir Herr Reinvere eigentlich mitteilen möchte!? - Hätte ich einen schlechten Tag, würde ich behaupten, das hannoversche Freischütz-Debakel oder meinethalben die politische Überladung von Opernstoffen dient dem Autoren lediglich als Vehikel, etwas Werbung für das eigene Opernschaffen zu machen :untertauch: Andererseits, so uninteressant scheint das garnichtmal zu sein:


(zuletzt aufgerufen am 02.01.2016)
mfG Michael

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90

Sonntag, 3. Januar 2016, 00:09

So zu tun, als wenn dieser Text keinerlei Argumente für ein verantwortungsvolleres Theater und gegen eine bestimmte Richtung des "Regietheaters" enthalte, finde ich absurd!
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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