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William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

Beiträge: 17 112

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

61

Sonntag, 4. Dezember 2016, 20:29

Ich will auch hier den Ball wieder aufgreifen und irgendetwas tun, damit es mir wieder besser geht, denn wer fährt schon in Urlaub und ist die ganze Zeit gerne krank. Drum, als ich heute Nachmittag an meinem Lieblingsplatz in Puerto direkt am Wasser saß, an einer Bucht, wo die Wellen auch bei ganz normalem Wetter gerne mal mit Macht an Land donnern, ließ ich mir von der Bedienung das WiFi-Passwort bringen und ging auf Youtube. Dort war jedoch eine schlechte Verbindung, und so ging ich später in mein Hotel und legte Radu Lupu auf, allerdings eine Live-Aufnahme aus 2012:



und was soll ich sagen, sie gefiel mir nicht so gut wie die Aufnahme, die ich in meinem Besitz habe und die mich als eine von nur Zweien bisher zu Tränen gerührt hat:

Es geht nur um ein winziges Detail, gleichwohl eine enorme Schlüsselstelle zu Beginn der Themenwiederholung im überirdischen lyrischen Seitenthema des Impromptus Nr. 1 f-moll D.935 (op. 142), in die Lupu wie auch Brendel ein zartes Ritartando eingebaut haben, das für mich von enormer Ausdrucksbedeutung ist.
Brendel war übrigens der Erste, ich erwähnte es schon verschiedene Male, der mich mit dieser Stelle am Haken hatte und mich erst zwingend zur Klaviermusik Schuberts hingeführt hat.
Jetzt wird es mein Bestreben sein, Lupu möglichst noch im nächsten Jahr in meinen Konzertkalender einzubauen, auch wenn er dieses Impromptu nicht spielt.
Aber er ist nun mal wie Brendel, Kempff, Richter, Leonskaja u. a. einer der ganz großen Schubertpianisten.
Während meiner Erinnerungsarbeit ist mir aufgefallen, warum Radu Lupu und Elisabeth Leonskaja wohl ein eo enges künsterisches Verhältnis haben könnten. Sie sind altersmäßig nur eine Woche auseinander, und das könnte auch wohl der Grund gewesen sein, dass Elisabeth Leonskaja, die bei einem Konzert Radu Lupus direkt vor mir saß, nach dem Konzert regelrecht ausflippte und mehrfach schrie "Spiel, spiel", um ihn damit zu Zugaben aufzufordern.
Vielleicht besteht ja auch Aussicht, dass er sich noch einmal bekehren lässt, doch wieder Aufnahmen zuzustimmen, nachdem ja zumindest diese Tonaufnahme von 2013 aufgetaucht ist.


Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

William B.A.

Erleuchteter

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62

Sonntag, 4. Dezember 2016, 21:20

Eine weiter Perle der Diskographie von Schuberts op. 142 Nr. 1 mochte ich hier hinzufügen, die ich eben mit gr0ßem Erstaunen und großer Freude gehört habe, weil ich diese Aufnahme bisher nicht kannte:



Auch Maria Joao Pires, die im Grundtempo noch ein wenig langsamer ist als ihre beiden männlichen Kollegen, versteht es, einen großartigen Spannungsbogen aufzubauen und ist am richtigen Ort (s. o.) zur Stelle. Auch ihr gelingt diese Schlüsselstelle überragend, wie sie überhaupt die dynamischen Bögen noch ein wenig feiner zeichnet und einem eminent klaren Klang schafft. --- Grandios!

Liebe Grüße

Willi :)
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nemorino

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63

Donnerstag, 4. Januar 2018, 19:01

Die 8 Impromptus von Franz Schubert zählen seit meinen jungen Jahren zu meinen Lieblingsklavierwerken. Kennengelernt habe ich die Stücke erstmals mit dieser LP:
und später auf CD neu angeschafft:
mit Wilhelm Kempff am Klavier (Aufnahme: 1965).
Sie hat noch heute bei mir Favoritenstatus. Später kamen dann u.a. Schnabel, Brendel, Lupu und Zimerman dazu.
Trotzdem war ich seit fast 50 Jahren auf der Suche nach einer Aufnahme, die in einem alten Schallplattenführer von 1958 folgendermaßen beschrieben wurde: "Die Impromptus op. 90 und 142 bringt Rudolf Firkusny (Philips) in einer musikalisch wie klanglich hervorragenden Aufnahme, hinter der alle anderen weit zurückbleiben. Firkusny ist Mähre; auch Schuberts Vater stammte aus Mähren. Der slawische, chopineske Stil, in dem Firkusny diese Stücke spielt, verleiht ihnen hinreißende Farbigkeit."
Leider waren sie über Jahrzehnte vergriffen, aber kürzlich fand ich sie endlich in folgender Ausführung bei Amazon, zwar nicht als CD, sondern zum Herunterladen:

Ich war natürlich sehr gespannt, wurde aber bitter enttäuscht!
"Klanglich hervorragend" ist stark übertrieben, es handelt sich, wie ich feststellen konnte, um Aufnahmen von 1948. Aber das ist (für mich) nicht das Entscheidende: Firkusnys Spiel klingt hart, unsensibel, im direkten Vergleich etwa zu Kempff und Lupu geradezu grob. Das mag zum Teil an der veralteten Technik liegen, aber sicher nicht allein. Dagegen klingt die Schnabel-Version von 1950 (EMI) geradezu fantastisch. Dabei ist mir Firkusny von diversen anderen Aufnahmen als glänzender Klavierspieler bekannt. Im übrigen war dieser alten Plattenführer immer ein zuverlässiger Ratgeber, dem ich sehr viele Anregungen verdanke.
Meine Frage: Kennt jemand diese alten Aufnahmen, und sind die Eindrücke ähnlich?

LG, Nemorino


Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

William B.A.

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64

Freitag, 5. Januar 2018, 00:38

Lieber Nemorino,

ich habe mir gerade auf Amazon Music mein Lieblingsimpromptu in f-moll D.935 Nr. 1 (siehe Beitrag Nr. 61 und 62) von Firkusny 1948 angehört, und ich kann alle Höreindrücke, die du geschildert hast, bestätigen. Ich möchte noch Eines hinzufügen: Schubert hat für dieses Impromptu Allegro moderato vorgeschrieben, und wie Firkusny das spielt, ist das m. E. mindestens Allegro vivace. Nur im wunderbaren Seitenthema schaltet er einen Gang zurück. In diesem Impromptu trennen ihn von den vorzüglichen Aufnahmen Lupus, Brendels, Kempffs und Pires Welten. Ich möchte gerne wissen, wo Firkusnys Spiel in dieser Aufnahme z. B. "chopinesk" klingt.
Wie ein Impromptu "chopinesk klingt, kann man z. B. auf dieser CD hören:


Liebe Grüße

Willi :)
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Dr. Holger Kaletha

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65

Freitag, 5. Januar 2018, 06:13

Aber das ist (für mich) nicht das Entscheidende: Firkusnys Spiel klingt hart, unsensibel, im direkten Vergleich etwa zu Kempff und Lupu geradezu grob.
Lieber Nemorino,

ich kenne die Aufnahme leider nicht. Mit Schubert habe ich Firkusny bislang gar nicht auf dem Schirm. Es gibt einen BBC-Konzertmitschnitt der B-Dur-Sonate D 960, der hört sich dagegen den Hörschnipseln zufolge sehr schön an.

Schöne Grüße
Holger

nemorino

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66

Freitag, 5. Januar 2018, 12:06



Ich möchte gerne wissen, wo Firkusnys Spiel in dieser Aufnahme z. B. "chopinesk" klingt.


Lieber Willi,

ich hatte es schon angedeutet: Meine Enttäuschung war deshalb so groß, weil der Autor dieses Plattenführers (es handelt sich um Christoph Ecke, der wohl heute kaum noch jemand bekannt sein dürfte) die Firkusny-Aufnahme der Impromptus geradezu als Nonplusultra herausstellt. Allerdings war das 1958, als die großartigen Versionen von Kempff und Lupu noch gar nicht erschienen waren. Aber Ecke mahnt in diversen Neuauflagen seines Buchs immer wieder die Wiederveröffentlichung der Firkusny-Impromptus an. So schreibt er z.B. 1962: " .... von den inzwischen erschienenen Neuaufnahmen reicht keine an die .... von Firkusny heran" (er lässt allerdings offen, welche er damit gemeint hat).
Das war der eigentliche Grund, weshalb ich fast vier Jahrzehnte auf eine Neuausgabe gewartet und quasi eine Offenbarung erwartet habe.
Leider gibt es von Artur Rubinstein m.W. keine geschlossene Aufnahme aller Schubert-Impromptus, ich kenne von ihm nur die Nr. 3 & 4 aus op. 90 (D.899) von 1961. Die spielt er ganz wunderbar, und vielleicht könnte man hier (wenn man von Chopins eigenen Impromptus absieht) am ehesten das Prädikat "chopinesk" anwenden. Ich weiß nicht, ob Ecke diese Aufnahmen gekannt hat. Er ist, soweit ich weiß, Anfang der 1960er Jahre verstorben.

LG, Nemorino
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nemorino

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67

Freitag, 5. Januar 2018, 12:13

Hallo Holger,

in meiner Sammlung gibt es nicht viel mit Firkusny. Einmal das Klavierkonzert von Dvorak, sowie Klaviermusik von Janacek. IMO gut gespielt.
Sehr gerühmt werden seine Mozart-Aufnahmen, doch die kenne ich nicht.

Gruß, Nemorino
Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

Dr. Holger Kaletha

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68

Freitag, 5. Januar 2018, 19:14

Er ist, soweit ich weiß, Anfang der 1960er Jahre verstorben.
Nee, 1994 mit 82 Jahren in New York! ;)

https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Firku%C5%A1n%C3%BD

Schöne Grüße
Holger

nemorino

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69

Freitag, 5. Januar 2018, 20:20

Nee, 1994 mit 82 Jahren in New York!



Hallo Holger,

ich denke, da hast Du mich missverstanden. Ich meinte Christoph Ecke, nicht Firkusny.

LG, Nemorino
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Dr. Holger Kaletha

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70

Freitag, 5. Januar 2018, 22:04

ich denke, da hast Du mich missverstanden. Ich meinte Christoph Ecke, nicht Firkusny.
:D Habs verstanden! :hello:

Schöne Grüße
Holger