Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

Free counters!

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Tamino Klassikforum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

m-mueller

Prägender Forenuser

  • »m-mueller« ist männlich
  • »m-mueller« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 265

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

1

Sonntag, 19. Oktober 2014, 23:17

Bachwerke-Transkriptionen

Liebe Mitforisten,

es gibt eine große Anzahl von Komponisten, die Werke von Bach transkribiert haben, häufig z.B. von Orgel auf Klavier (Liszt), aber es gibt auch reichlich andere Kombinationen.

Welche Transkriptionen findet Ihr wichtig? Welche Interpretationen sollten besonders herausgestellt werden?

Garaguly

Prägender Forenuser

  • »Garaguly« ist männlich

Beiträge: 10 749

Registrierungsdatum: 9. Juli 2011

2

Montag, 20. Oktober 2014, 00:01

Einzelne Bearbeiter kann ich noch nicht herausstellen, da ich mich erst vor vergleichsweise kurzer Zeit mit den Bach-Transkriptionen zu beschäftigen begann. Früher kannze ich nahezu nur die Orchestrierungen (etwa die berühmte Stokowski-Bearbeitung von BWV 565). Dann aber wurde ich auf die absolut verdienstvolle Reihe "Bach Transcriptions" des englischen Labels HYPERION aufmerksam, die auf mittlerweile ca. 10 Volumes angewachsen ist. Das ist eine definitiv verdienstvolle Tat der Engländer. Hier bekommt man einen sehr profunden Einblick in die Welt der Bach-Transkription vermittelt - und das auf pianistisch hohem bis höchstem Niveau!

Die Bach-Transkription ist ein für mich wichtiger werdendes Thema, da mich die Stimmungen, die durch diese Platten erzeugt werden, vollkommen einnehmen.

Hier nur eine Platte aus dieser Reihe:


Grüße
Garaguly

Garaguly

Prägender Forenuser

  • »Garaguly« ist männlich

Beiträge: 10 749

Registrierungsdatum: 9. Juli 2011

3

Montag, 20. Oktober 2014, 00:07

Empfehlen möchte ich aber ganz gezielt diese Scheibe hier, die nicht zur oben erwähnten Reihe gehört, aber locker in dren Rahmen erschienen sein könnte:



Diese Aufnahme, die neben britischen Transkriptionen (auch von Myra Hess, lieber m-mueller) auch fünf aus der Hand von Wilhelm Kempff enthält, beamt mich regelmäßig in eine andere Galaxie. Absolute Empfehlung!

Grüße
Garaguly

m-mueller

Prägender Forenuser

  • »m-mueller« ist männlich
  • »m-mueller« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 265

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

4

Montag, 20. Oktober 2014, 00:45

Ich verfolge Hewitt schon eine ganze Weile bei youtube, sie ist eine Gute!

Lieber Garaguly, Deine CD-Empfehlung ist bestellt.

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 242

Registrierungsdatum: 12. August 2005

5

Montag, 20. Oktober 2014, 09:22

Ich besitze einige CDs mit solchen Transkriptionen, u.a. auch die gezeigt Hewitt-CD, die mir auch gefällt (ich müsste sie aber noch mal anhören, etliche Stücke habe ich dort zum ersten Mal gehört, zB die Klaviertranskription der Orgel-Passacaglia). Am häufigsten gespielt werden wohl außer den Choralvorspielen Wachet auf und Jesus bleibet meine Freude diverse Transkriptionen der Violin-Chaconne.



Die bekanntesten orchestralen:



(das Webern-Ricercar und Schönberg-Es-Dur-P&F habe ich sicher noch ein oder zweimal als "Füller")

Die Kunst der Fuge zählt man hier ja gewöhnlich nicht mit (obwohl original ein Tastenwerk), aber eine CD, die bewusst mit ganz unterschiedlichen Instrumentierungen spielt, ist diese hier:


Dr. Holger Kaletha

Prägender Forenuser

  • »Dr. Holger Kaletha« ist männlich

Beiträge: 6 105

Registrierungsdatum: 2. Februar 2008

6

Montag, 20. Oktober 2014, 10:21

Besonders berühmt sind die Bach-Transkriptionen für Klavier von Ferruccio Busoni, die von großen Pianisten immer wieder gerne gespielt werden. Busoni wurde schon zu Lebzeiten so mit seinen Bach-Transkriptionen identifiziert, dass seine Frau sogar mit "Frau Bach-Busoni" angesprochen wurde :D . Besonders eindrucksvoll ist die Transkription der Chaconne für Violine solo - für mich das exemplarische Beispiel einer gelungenen Transkription überhaupt. Das Stück wird bei Busoni - Bachs Substanz voll wahrend - zu einem originalen Klavierstück, wo das Klavier aber zudem die Fülle der Orgel bekommt. Die chromatischen Seiten bilden die hier wirklich tragfähige Brücke vom Barock zur Spätromantik. Auch in dieser epochalen Hinsicht ist die Transkription gelungen. Von Brahms gibt es auch eine Transkription der Chaconne - nur für die linke Hand, gespielt u.a. von Michel Beroff und Leon Fleisher. Das Stück war immer eines der absoluten Glanzlichter im Repertoire von Arturo Benedetti Michelangeli - zuerst aufgenommen für EMI-Italiana und dann wieder in Konzerten gespielt. Ich nehme an, bei dieser kürzlich erschienenen Hybrid-SACD handelt es sich um die EMI-Aufnahme:


Schöne Grüße
Holger

lutgra

Prägender Forenuser

  • »lutgra« ist männlich

Beiträge: 4 917

Registrierungsdatum: 9. April 2013

7

Montag, 20. Oktober 2014, 10:34

Eine sehr hörenswerte Bach-Busoni CD stammt von Nikolai Dimidenko. Es gibt auch noch ein Vol. 2, das ich aber noch nicht kenne.

'Magnificently played' (BBC Music Magazine)


'Strikingly conveys the spiritual states which Bach evokes in these pieces' (Classic CD)

lutgra

Prägender Forenuser

  • »lutgra« ist männlich

Beiträge: 4 917

Registrierungsdatum: 9. April 2013

8

Montag, 20. Oktober 2014, 11:07

Aber die bedeutendste Klavieraufnahme mit Bach-Bearbeitungen (Busoni, Kempff, Hess) ist m.E. diese hier.

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 242

Registrierungsdatum: 12. August 2005

9

Montag, 20. Oktober 2014, 11:20

Lipatti spielt aber "nur" vier "kleine" Stücke, nicht die Chaconne oder Toccata/Adagio/Fuge C-Dur oder Liszts a-moll P+F oder was es noch so an größeren Stücken gibt, insofern kein Ersatz.

Dr. Holger Kaletha

Prägender Forenuser

  • »Dr. Holger Kaletha« ist männlich

Beiträge: 6 105

Registrierungsdatum: 2. Februar 2008

10

Montag, 20. Oktober 2014, 12:27

Die Chaconne spielt Lipatti tatsächlich nicht - die Aufnahmen sind natürlich singulär. Unbedingt zu erwähnen in diesem Zusammenhang sind auch die Einspielungen von Alexis Weissenberg, der eine ganz besondere Affinität zu diesem Repertiore hatte. ("Nun komm der Heiden Heiland..." spielt Horowitz natürlich traumhaft schön!)




Schöne Grüße
Holger

m-mueller

Prägender Forenuser

  • »m-mueller« ist männlich
  • »m-mueller« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 265

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

11

Montag, 20. Oktober 2014, 23:09

Die Chaconne BWV 1004 bietet sich für Transkriptionen nachgerade an. Als Original relativ sperrig und - wenn nicht auf höchstem Niveau gespielt, ein wenig kratzig - umfaßt sie doch soviel musikalische Substanz, so viele wunderbare melodische Strukturen ("Melodien" wäre wohl übertrieben), daß sie außerordentlich dankbar für Klavier oder Gitarre gesetzt werden kann.

Hier zwei wirklich gute Interpretationen für Klavier:

Helene Grimaud: https://www.youtube.com/watch?v=sw9DlMNnpPM

Valentina Lisitsa: https://www.youtube.com/watch?v=sOFflFiLlT8

und die beste, die ich auf youtube für Gitarre gefunden habe:
Manuel Barrueco: https://www.youtube.com/watch?v=SDbMi8vbm0c

und das "Wunderkind" der Gitarrenszene, der 13-jährige Chinese Kuan JunHong:
https://www.youtube.com/watch?v=YPlboeTiJfo

m-mueller

Prägender Forenuser

  • »m-mueller« ist männlich
  • »m-mueller« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 265

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

12

Montag, 20. Oktober 2014, 23:16

nicht zu vergessen die Brahms-Version für die linke Hand:

https://www.youtube.com/watch?v=91KBiPlit-Y

mal blöde Frage an Pianisten: könnte man das auch mit der rechten Hand spielen?

m-mueller

Prägender Forenuser

  • »m-mueller« ist männlich
  • »m-mueller« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 265

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

13

Montag, 20. Oktober 2014, 23:56

Jesu bleibet meine Freude aus BWV 147 ist, wie JR oben anmerkte, ebenfalls ein Kandidat für vielfältige Transkriptionsbemühungen:

für Gitarre gefällt mir die folgende Version am besten:
David Qualey: https://www.youtube.com/watch?v=pEemo9i-sCI

für Klavier ist mein Favorit Alexis Weissenberg: https://www.youtube.com/watch?v=yjSQm7QsKg8

Garaguly

Prägender Forenuser

  • »Garaguly« ist männlich

Beiträge: 10 749

Registrierungsdatum: 9. Juli 2011

14

Dienstag, 21. Oktober 2014, 00:08

Von der Chaconne BWV 1004 habe ich erst heute eine sehr gute (zumindest meinem Empfinden nach) Interpretation durch Bernd Glemser gehört. Dies ist die CD, die beim Label OEHMS erschienen ist:



Grüße
Garaguly

Dr. Holger Kaletha

Prägender Forenuser

  • »Dr. Holger Kaletha« ist männlich

Beiträge: 6 105

Registrierungsdatum: 2. Februar 2008

15

Dienstag, 21. Oktober 2014, 14:52

Rachmaninow spielt seine Bach-Transkriptionen übrigens selbst (gibt es als Studioaufnahme). :)

Schöne Grüße
Holger

zweiterbass

Prägender Forenuser

  • »zweiterbass« ist männlich

Beiträge: 4 056

Registrierungsdatum: 2. Juni 2010

16

Dienstag, 21. Oktober 2014, 16:16

Ich verfolge Hewitt schon eine ganze Weile bei youtube, sie ist eine Gute!

:jubel:
Wer in der Suchfunktion "Hewitt" und bei Autor "zweiterbass" eingibt, findet meine 4 Beiträge zu Angela Hewitt.

zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

m-mueller

Prägender Forenuser

  • »m-mueller« ist männlich
  • »m-mueller« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 265

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

17

Dienstag, 21. Oktober 2014, 17:59

Hallo Garaguly,

lohnt sich die Glemser-CD? Nur wegen der Chaconne würde ich sie nicht kaufen, weil ich vermute, daß Lisitsa nicht weit entfernt ist, wenn überhaupt (Standardvermutung :) .

Soweit ich sehe, sind auf der CD vor allem Standard-Stücke enthalten, bis auf BWV 532.


Hallo Holger,
wohl ein interessantes Zeitdokument, aber ich fürchte, die Tonqualität wird arg eingeschränkt sein. Kommt da noch genügend Emotionalität rüber, um es zum zweiten- und drittenmal zu hören?


Hallo zweiterbass,

Du kommst ja zu einer insgesamt sehr positiven Bewertung von Frau Hewitt. Da freue ich mich schon auf die bestellte CD.

Garaguly

Prägender Forenuser

  • »Garaguly« ist männlich

Beiträge: 10 749

Registrierungsdatum: 9. Juli 2011

18

Dienstag, 21. Oktober 2014, 18:20

Hallo Garaguly,

lohnt sich die Glemser-CD? Nur wegen der Chaconne würde ich sie nicht kaufen, weil ich vermute, daß Lisitsa nicht weit entfernt ist, wenn überhaupt (Standardvermutung :) .

Soweit ich sehe, sind auf der CD vor allem Standard-Stücke enthalten, bis auf BWV 532.


Hallo m-mueller,

ja, meiner Ansicht nach lohnt sich diese Scheibe. Glemser ist zunächst einmal sowieso ein Pianist von Weltruf, wenn er auch nicht auf den großen Platten-Labels präsent ist - aber die Präsenz auf diesen Major-Labels muss ja nicht unbedingt das Maß aller Dinge sein.
Er findet den Bachschen Ton in diesen Bearbeitungen und stellt gleichzeitig die Bearbeiter nach vorn. Man schaut sozusagen in zwei Gesichter. Damit macht er ja schon vieles richtig. Sein Spiel ist klar und offen, hell möchte ich fast sagen. Muss man die Platte haben? Das hängt von der Intensität deines Interesses an diesem Thema ab. Die Hewitt-CD, die du dir aufgrund meiner Empfehlung bestellt hast, halte ich für die wichtigere und stimmungsmäßig packendere Platte. Im Gegensatz zu Glemser spielt Hewitt dunkler, was natürlich auch dem Charakter geschuldet ist, den die Bearbeiter der Stücke bei Hewitt ihren Arbeiten gegeben haben - aber dennoch: da ist ein geheimnisvollerer Ton der Britin. Hewitt gelingt es durch Programmzusammenstellung und natürlich durch ihre Interpretation eine eigene Welt zu kreieren. Glemsers Platte ist kein Muss, aber wenn man sie hat, dann hat man auch nichts verkehrt gemacht.

Grüße
Garaguly

m-mueller

Prägender Forenuser

  • »m-mueller« ist männlich
  • »m-mueller« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 265

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

19

Samstag, 25. Oktober 2014, 23:20

Lieber Garaguly,

da Du sie nicht als "MUSS" eingestuft hast, werde ich sie mir erstmal klemmen, da ich ziemlich nah an der Kapazitätsgrenze zur Beherbergung weiterer CDs überhaupt stehe (wenn ich nicht mit einem zusätzlichen Regal im Wohnzimmer eine ernsthafte Ehekrise heraufbeschwören will).

m-mueller

Prägender Forenuser

  • »m-mueller« ist männlich
  • »m-mueller« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 265

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

20

Samstag, 25. Oktober 2014, 23:46

BWV 998 in einer Adaption durch eine Laute - vollkommen angemessen

www.youtube.com/watch?v=2uApiRD7GB8

Garaguly

Prägender Forenuser

  • »Garaguly« ist männlich

Beiträge: 10 749

Registrierungsdatum: 9. Juli 2011

21

Sonntag, 26. Oktober 2014, 00:26

(wenn ich nicht mit einem zusätzlichen Regal im Wohnzimmer eine ernsthafte Ehekrise heraufbeschwören will).

Nur nebenbei: Da stehen wir beide vor demselben Problem. Einmal konnte ich vor einer Woche noch ein dringend nötiges weiteres CD-Regal durchsetzen; das jetzt aber schon voll ist - hatte viele CD's in der zweiten Reihe geparkt, sodass es unübersichtlich wurde. Aber - ich kaufe ja weiter CD's. Für die Zukunft sehe ich da schwarz.

Gut ist auch diese Scheibe hier, die ich mir neulich kommen ließ:


Transkriptionen von Lipatti, Friedman und Bartok

Seit Eintreffen dieser CD hier höre ich immer wieder die nur 3:42 Min. dauernde Transkription der Bourrée aus der Partita Nr. 1 BWV 1002 von Ignaz Friedman. Ganz toll!

Grüße
Garaguly

m-mueller

Prägender Forenuser

  • »m-mueller« ist männlich
  • »m-mueller« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 265

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

22

Sonntag, 26. Oktober 2014, 00:44

ehhhh, man, Du treibst mich in Ruin und Scheidung...

direkt bestellt!

Garaguly

Prägender Forenuser

  • »Garaguly« ist männlich

Beiträge: 10 749

Registrierungsdatum: 9. Juli 2011

23

Sonntag, 26. Oktober 2014, 00:51

ehhhh, man, Du treibst mich in Ruin und Scheidung...

direkt bestellt!


:pfeif: Sorry!

Grüße
Garaguly

  • »PianoForte29« ist männlich

Beiträge: 144

Registrierungsdatum: 12. April 2008

24

Sonntag, 26. Oktober 2014, 22:17

Ich habe hier im Forum schon mindestens 1x die Goldberg-Var.-CD des Akkordeonisten Stefan Hussong warm empfohlen. (Meine Provision ist immer noch nicht ausbezahlt ... )
Gerade in der kalten Jahreszeit wärmt diese Aufnahme jedes Zimmer zusätzlich - das vermag selbst ein Glenn Gould nicht, was natürlich an den Klangfarben des Instruments liegt.

Was von mir m.W. noch nicht empfohlen wurde, ist eine Bach-Busoni-CD des Sachsen Peter Rösel, dessen Karriere nach meinem Eindruck lange nicht so verlaufen ist, wie es ihm gebührt hätte. Vermutlich war das v.a. dem System der DDR anzulasten. Aber nach der Wende nahm seine Bekanntheit im "Westen" offenbar sprunghaft zu.
Ich halte ihn jedenfalls für mit den besten lebenden deutschen Pianisten!
Zum Beweis seine CD "Klavierbearbeitungen Bach'scher Werke", laut Ausgabe der Dt. Schallplatten GmbH aufgenommen 1986.

Glanzlichter darin sind wohl Nr.3 BWV564 (Toccata) sowie Nr.4 BWV734 ("Lieben Christen g'mein"). Hören ein Muss in diesem Genre!


Weil man aber immer zugleich auch die praktizierenden/dilettierenden Musikanten im Blick haben sollte, darf ein Verweis auf einen Band nicht fehlen, der in seiner Kompaktheit typisch für die - in Sachen Druckqualität nicht immer überzeugende - Notenreihe Dover (USA) ist. Die Rede ist von ISBN 978-0-48629050-8 ,
Toccata and Fugue in D Minor and the Other Bach Transcriptions for Solo Piano, erhältlich z.B. via http://www.amazon.com/Toccata-Fugue-Mino…s/dp/0486290506



Die Amazon-Bewertungen/Rezensionen sind nicht zufällig so einhellig positiv. Hier findet man tatsächlich das "Konzentrat" von Busonis Bach-Verständnis (was natürlich die Leistung seiner Herausgabe der Originalwerke nicht schmälert.)
Klar sollte jedoch sein, dass all die, deren Fortschritte noch nicht sehr weit gediehen sind, davon besser die Finger lassen. Denn technisch ist das (fast) alles extrem anspruchsvoll - mancher Original-Liszt ist geradezu leicht im Vergleich. Also: Schuster, bleib' bei deinen Leisten. Wer aber das Zeug dazu hat, wird diesen Band nie wieder vergessen und einstauben lassen wollen!


m-mueller

Prägender Forenuser

  • »m-mueller« ist männlich
  • »m-mueller« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 265

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

25

Sonntag, 16. November 2014, 00:33

Jetzt geht es mal intensiver über diese CD her, die ich seit einigen Tagen höre:



Ich war anfangs nicht ganz so Hewitt-begeistert, inzwischen gefällt sie mir aber sehr gut - man muß sich an ihren Anschlag und ihre Phrasierungen gewöhnen, die nun weder Gould noch Richter noch Weissenberg sind, aber durchaus ihren eigenen Charme haben.

(1) Das erste Stück auf der CD ist die berühmte Sinfonie in D-Dur, BWV 29, arrangiert von Wilhelm Kempff - Hewitt geht recht energisch zur Sache, trocken und wohlphrasiert, gut gespielt.

(2) die noch berühmtere Siciliano, BWV 1031, Kempff
Langsam und federleicht, sehr gut gespielt

(3) Nun kommt der Heiden Heiland, BWV 659, Kempff - Weissenberg schafft die tieferen Abgründe, aber akzeptabel

(4) Wachet auf, BWV 645, Kempff - das Gewebe der verschiedenen Themen wird ansprechend herausgearbeitet

(5) Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ, BWV 639, Kempff- auch hier ist Weissenberg klar vorn, Hewitt spielt mehr für´s Diesseits, Weissenberg stellt die Verzweifelung des Rufenden sehr viel deutlicher heraus

(6) Schafe können sicher weiden, BWV 208, Howe - schönes Stück, sehr angemessen interpretiert

(7) Jesu bleibet meine Freude, BWV 147, Hess, einer der Transkriptions-Klassiker, flüssig und angemessen gespielt, Weissenberg ist nur eine Nasenspitze vorn

(8) Wenn wir in höchsten Nöten sein, BWV 641, Hewitt
Da Angela Hewitt es selbst transkribiert hat, kenne ich keine Vergleichsversion - ist aber auch nicht so wichtig, das Stück ist eher melodiearmes Geklimper, ziemlich akademisch

(9) Das alte Jahr vergangen ist, BWV 614, Hewitt
dito - Ihre eigenen Arrangements stärken anscheinend eher ihren Ruf als "Blutarme Tastentante", was ich ansonsten nicht bestätigen kann

(10) In Dulci Jubilo, BWV 729, Berners
Nicht das Arrangement einer Person, die den Barock wirklich verstanden hat - romantische Klänge ohne romantische Substanz

(11) Herzlich tut mich verlangen, BWV 727, Walton
guter Durchschnitt

(12) Meine Seele erhebet den Herrn, BWV 648, Ireland
na ja

(13) O Mensch, bewein Dein Sünde groß, BWV 622, Howells
nicht schlecht

(14) Ertöt uns durch dein Güte, BWV 22, Cohen
Eine der starken Bach-Melodien, sehr flüssig und rhythmisch interpretiert, eines der Highlights auf der CD

(15) Die Seele ruht in Jesu Händen, BWV 127, Bauer
guter Durchschnitt

(16) Passacaglia c-moll, BWV 582, d´Albert
eines der bekanntesten Stücke Bachs, Hewitt interpretiert eigenwillig, der etwas strenge Charakter des Stücks wird in eher lieblichen Interpretation nicht so deutlich

(17) Alle Menschen müssen sterben, BWV 643, Hewitt
Auch hier kenne ich keine andere Interpretation: Hewitt interpretiert verhalten und verinnerlicht, dem Thema angemessen.

Wenn man Bach-Transkriptionen mag, sollte man diese CD haben.

m-mueller

Prägender Forenuser

  • »m-mueller« ist männlich
  • »m-mueller« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 265

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

26

Sonntag, 16. November 2014, 23:51

Hier geht es nun um



Jonathan Plowright spielt Bach-Transkriptionen von Walter Rummel


zunächst einmal die erste CD

(1) Ertödt uns durch Dein Güte, BWV 22
Wunderbare Transkription, leise und innig gespielt, genau das richtige Tempo; ein Stück, das den Preis der gesamten Doppel-CD mehr als aufwiegt, interne Werteskala (von 1 (grotte) bis 10 (überirdisch): 9.

(2) Ach wie nichtig, ach wie flüchtig, BWV 26
Es wird heftig in die Tasten gehauen, das Stück knallt laut und schnell los, nicht die logische Fortsetzung von (1) - trotzdem gut, Plowright arbeitet scheinbar mühelos die Struktur heraus, die Akzente, die er setzt, kommen vielleicht etwas zu knallig

(3) Liebster Jesu, wir sind hier, BWV 731
Wieder ein langsames, eher leises Stück, angemessen gespielt

(4) Vater unser im Himmelreich, BWV 760
Streckenweise ein Ein-Finger-Stück, nicht besonders wirkungsvoll aufgrund eher fehlender musikalischer Substanz

(5) Was Gott tut, das ist wohlgetan, BWV 99
Schönes Stück, sehr gut gespielt

(6) Das alte Jahr vergangen ist, BWV 614
Auch so ein grüblerisches Stück, daß keine melodische Fahrt aufnimmt

(7) Jesus Christus, Gottes Sohn, BWV 4
Wunderbar swingend, strukturell gut herausgearbeitet, wenn auch Plowright erneut vielleicht ein bißchen zu stark in die Tasten haut

(8) Wir eilen mit schwachen, doch emsigen Schritten, BWV 78
Das Thema wird musikalisch gut umgesetzt

(9) Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen, BWV 12
Anscheinend nicht so mein Thema, auch im Hinblick auf das Sujet zu schwer, keine Barockstrukturen in der Musik

(10) Mein gläubiges Herze, frohlocke, singe, scherze, BWV 68
schöne, leichte Melodie, perfekte Umsetzung des Themas

(11) O Menschen, die ihr täglich sündigt, BWV 122
Interessante "Unterhaltung" zwischen linker und rechter Hand

(12) Das Brausen von den rauhen Winden, BWV 92
Klassischer Bach, schnell, strukturiert, mitreißend, in den langsamen Passagen gute, barocke Melodik

(13) Die Welt ist wie ein Rauch und Schatten, BWV 94
Wieder nachdenklich, aber stärker kontrapunktisch als z.B. (9)

(14) Zu Tanze, zu Sprunge, BWV 201
Nomen est omen, starkes Stück

Das beendet die erste CD, die zweite wird demnächst vorgestellt.

Cartman

Profi

  • »Cartman« ist männlich

Beiträge: 322

Registrierungsdatum: 30. März 2011

27

Montag, 17. November 2014, 21:58

Von Stokowski bis heute


In diesem hörenswerten Doppelalbum gibt es nicht nur einige "klassische" Stokowski-Bearbeitungen, sondern auch Bach-Versionen von Eugene Ormandy. Das Philadelphia Orchestra hat die Werke mit den jeweiligen Bearbeitern am Pult eingespielt. Ob man die pompös-feierlichen Transkriptionen in der romantischen Tradition mag oder nicht (ich mag sie), man hat es auf jeden Fall mit wertvollen Tondokumenten zu tun. (Die Aufnahme ist momentan leider nicht lieferbar.)


Toscanini hat hier eine Bearbeitung der Passacaglia und Fuge in C seines Landsmanns Ottorino Respighi eingespielt. Tontechnisch nicht ganz auf der Höhe, aber das Werk lohnt die Bekanntschaft.



Red Hot + Bach ist eine Sammlung zeitgenössischer, oft jazzig angehauchter Bearbeitungen zugunsten der AIDS-Hilfe Red Hot. (Der populärste Vertreter auf dieser CD ist sicherlich das Kronos Quartet.) Die Bearbeitungen sind natürlich Geschmackssache, aber zum Teil wirklich äußerst originell. Mein Favorit ist Jardim Do Amor von Mia Doi Todd, bei dem das Preludium in C (BWV 999) mit einem in Spanisch gesungenen Text unterlegt wird.
Und das Allerentscheidende unserer ganzen Sache ist Merzn.
Otto Schenk

m-mueller

Prägender Forenuser

  • »m-mueller« ist männlich
  • »m-mueller« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 265

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

28

Montag, 17. November 2014, 23:36

Wenn wir schon beim Jazz sind, der Bach vielfältige Impulse verdankt, muß natürlich von Play Bach und Jacques Loussier gesprochen werden.

Der klassische Pianist (1934 geboren) hat während seines Musikstudiums 1959 das Trio Play Bach gegründet, das mit Klavier (Loussier), sowie Baß und Schlagzeug besetzt ist.

Zwischendurch schliefen die Aktivitäten ein, aber 1985 gründete Loussier Play Bach neu und hat es bis heute auf etliche beeindruckende CDs gebracht.

Eine LP aus der Play Bach-Serie war in den 70ern eine der ersten Schallplatten, die ich mir gekauft habe.

https://www.youtube.com/watch?v=HCuv9gSu09U


m-mueller

Prägender Forenuser

  • »m-mueller« ist männlich
  • »m-mueller« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 265

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

29

Montag, 17. November 2014, 23:46

Eines der für mich wichtigsten Stücke überhaupt ist das Präludium und Fuge a-moll, BWV 543, transkribiert von Liszt, gespielt von Weissenberg.

Bei dem Stück stimmt alles, es ist eines der wenigen 10nen.

https://www.youtube.com/watch?v=2MfHUYPQOms


m-mueller

Prägender Forenuser

  • »m-mueller« ist männlich
  • »m-mueller« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 265

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

30

Dienstag, 18. November 2014, 00:16

die zweite 10 auf derselben CD:

Präludium h-moll (aus "Kleines Buch für Wilhelm Friedemann Bach"), transkribiert von Siloti, ebenfalls gespielt von Alexis Weissenberg

https://www.youtube.com/watch?v=wyEKhgc_jH0

höchste Intensität