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Rheingold1876

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1

Donnerstag, 12. Juni 2014, 07:59

Richard Strauss - Was uns an seinem 150. Geburtstag bewegt

Die Beschäftigung mit Richard Strauss scheint das Forum gelegentlich seines 150. Geburtstages nicht eben umzutreiben. Nun gut, im Vorfeld hat es gelegentlich aktueller Aufführungen mitunter sehr intensive Debatten gegeben. Und es ist fas alles gesagt zu Strauss. Am Jubiläumstag selbst gab es lediglich im Liederforum zwei Einträge zum Thema und zwei im Gedenkminuten-Thread. Beide Male von Helmut Hofmann inspiriert. Danke. Auf ARTE und im Hörfunk nun das Jubiläumskonzert aus Dresden mit der Staatskapelle unter Christian Thielemann. Eine sehr gelungene und angemessene Veranstalung, wie ich finde - und nicht nur ich.

Im Thread "Was hört Ihr gerade jetzt?" hatte Liebestraum ganz aktuell einen kurzen Einwurf hinterlassen: "Krampf-Christian in Aktion - da funkelt nichts im Orchester! - Christine Goerke quält-quäkt sich durch die Salome. Man(n) versteht kein Wort!"

Darauf antwortete Milletre: "Ich habe dieses Konzert im Radio (Bayern klassik) wirklich genossen. Entgegen deiner Meinung hat Thielemann wunderbar dieses herausragende Orchester dirigiert und die Sängerinnen subtil begleitet, deren zwei - Harteros und Nylund - hervorragend waren, während Christiane Goerke deren Niveau bei weitem nicht erreichen konnte. Schon der Elektra-Monolog zeigte schonungslos ihre Schwächen auf: Meist sang sie mit Überdruck, was zur Folge hatte, dass die Spitzentöne derart heftig tremolierten, so dass man deren exakte Tonhöhe nur erahnen konnte. Zudem leidet sie am Botha-Syndrom (große Tonfülle, jedoch bar jedweder Dramatik). Den abgrundtiefen Hass auf Klytämnestra konnte sie keinen Augenblick rüberbringen. Der Salome-Schlussgesang lag ihr schon etwas besser, wenngleich ihr Mangel an Ausdruck auch hier ihre Leistung schmälerte.
Ich fand das Programm mit Strauss-Werken, die in Dresden uraufgeführt wurden, sehr interessant, obwohl gelegentlich eine Art Pasticcio-Mentalität aufgekommen war.
Die Staatskapelle Dresden dokumentierte wiederum ihren herausragenden Rang - sie spielte so, dass man es nur als himmlisch bezeichnen kann. Auch die Instrumentalsolisten waren ihrer schwierigen Aufgabe durchaus gewachsen und zeigten mit ihrem Orchester, dass Richard Strauss hier schon auf Grund hrer Tradition in allerbesten Händen ist. Bravissimo!"

Darauf hin habe ich, Rheingold, mir folgende Antwort erlaubt: "Was Du, lieber Milletre, wohl mehr launig Pasticcio-Mentalität nennst, hat mir besonders gefallen, weil Strauss damit auch Genüge getan wurde. "Elektra", "Salome" und "Träumerei am Kamin" in einem Konzert, das hat schon was. :) Das Programm empfand ich als nicht so staatstragend, wie es zu diesem Anlass zu erwarten gewesen wäre. Dazu in Dresden. Dieses künstlerische Niveau ist nach meinem Eindruck derzeit kaum zu überbieten. Von wem denn auch? Ich stimme Dir auf ganzer Linie zu. Da hatten wir also beide unsere Freude. Das Urteil von Liebestraum, dem es nicht genug funkelte im Orchester, fand ich sehr streng, ich kann aber auch nachvollziehen, was er vermisst. Thielemanns Strauss ist ja mehr sachlich, nicht so rauschhaft. Bei Böhm hat es wirklich gefunkelt, aber das ist auch lange her. Der Zugang zu Strauss ist ein anderer geworden, vielleicht sogar inspiriert durch Strauss selbst. Nicht umsonst verweist Thielemann ja bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf den Dirigierstil von Strauss, der ja auch ehr ins Bodenständige geht."

Es ist hoffentlich in Ordnung und nicht wider die Regel, dass ich die Beiträge in einen neuen Thread überführe. Mir ist das Thema aber zu wichtig, als dass es an anderer Stelle womöglich untergeht. Welche Eindrückt habt ihr gewonnen, bezogen auf dieses Konzert oder ganz allgemein?

LG Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Stimmenliebhaber

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2

Donnerstag, 12. Juni 2014, 09:34

Ich habe dieses Konzert nicht gesehen. Was mich am gestrigen Tag (und davor) bewegt hat, ist daskrasse Missverhältnis der Beachtung zwischen dem Riesenrumel um Wagners 200. Geburtstag im letzten Jahr und der Kaum-Beachtung des 150. Geburtstages von Richard Strauss jetzt. Der Unterschied ist weit größer als bei den realen Aufführungszahlen ihrer Opern in den letzten Jahren und Jahrzehnten, auch wenn gerade auch in diesem Bereich jetzt bei Strauss eben kein Aufführungsrummel zu verzeichnen ist wie im letzten Jahr bei Wagner.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • »Joachim Schneider« ist männlich

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Registrierungsdatum: 31. Dezember 2013

3

Donnerstag, 12. Juni 2014, 10:28

Hallo,

man kann zwei Vergleiche treffen:
erstens der Unterschied zwischen dem Wagnerjahr 2013 und dem jetzigen Straussjahr, was die öffentliche Beachtung sowohl im TV wie in den Feuilletons (einschließlich Buchveröffentlichungen) betrifft. Dieser Vergleich betrifft Strauss als Opernkomponisen.
Zweitens der Vergleich mit dem Mahler-Doppeljubiläum 2010/11; hier im Sinne der vielzitierten "Antipoden" Mahler und Strauss, was deren generellen kompositorischen Rang und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Musik angeht.

Obwohl man Straussens Rang als bedeutenden Komponisten nicht ernsthaft in Frage stellen kann, erreicht er als Opernkomponist -sieht man von Salome und Elektra, vielleicht auch vom Rosenkavalier ab- sicher nicht Richard Wagner; dies ist zumindest meine persönliche Meinung.

Was den Vergleich mit Mahler betrifft, so liegen zwischen beiden in nahezu jedem Bereich Welten, trotz Zeitgenossenschaft und oberflächlicher gegenseitiger Sympathie und Förderung. Als Symphoniker erreicht Mahler -und dies ist nicht nur meine persönliche Ansicht- als Einziger der Nach-Beethoven-Generation Augenhöhe mit diesem; hier wäre ein Vergleich mit Straussens Tondichtungen trotz deren unbestrittener Bedeutung von vorneherein abwegig.
Anders sieht es mit dem Liedschaffen beider Komponisten aus; dies wäre bereits einen eigenen Thread wert.
Im Hinblick auf die Bedeutung beider für den Fortschritt der Musik -sofern man einen solchen für wünschenswert oder überhaupt möglich hält (hier gab es ja schon interessante Diskussionen im Forum)- muß sicher Mahler den "Siegerpokal" beanspruchen.
Es gibt hierzu den Ausspruch von Hans von Bülow, der sinngemäß sagte, mit Verwunderung müsse er feststellen, daß nicht Strauss, wie er immer gedacht hätte, sondern Mahler die Fortschrittspartei anführe (was Bülow allerdings nicht unbedingt positiv meinte).

Ich möchte mit meinen Ausführungen nicht den Strauss-Freunden ihren Feiertag verderben; das Konzert konnte ich leider nicht ansehen, aber sicherlich war es sehr gut, denn unzweifelhaft ist Thielemann in der aktuellen Generation der einzige, der sich mit den großen Strauss-Interpreten der Vergangenheit (Böhm etc.) zumindest ansatzweise messen kann.

Viele Grüße

J.Schneider
"Die Musik steht hinter den Noten" (Gustav Mahler)

Stimmenliebhaber

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  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

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4

Donnerstag, 12. Juni 2014, 10:42

Obwohl man Straussens Rang als bedeutenden Komponisten nicht ernsthaft in Frage stellen kann, erreicht er als Opernkomponist -sieht man von Salome und Elektra, vielleicht auch vom Rosenkavalier ab- sicher nicht Richard Wagner; dies ist zumindest meine persönliche Meinung.
Diese Meinung teile ich so ganz und gar nicht: Warum soll z.B. "Ariadne auf Naxos" ein minderwertigeres Werk sein als "Götterdämmerung" oder "Parsifal". Es wird doch auch ähnlich häufig gespielt. "Die Frau ohne Schatten" überzeugt vielleicht als Gesamtwerk nicht bis ins Letzte (das geht mir bei "Götterdämmerung" übrigens nicht wirklich anders), bietet aber phasenweise grandiose Musik und wird gerade derzeit auch recht häufig gespielt.

Richard Strauss gehört zweifellos zu den zehn am meisten aufgeführten Opernkomponisten der letzten 50 Jahre (wahrscheinlich sogar zu den 5 bis 7 meistgespielten) - ich finde, dass die jetztige geringe Resonanz auf seinem 150. Geburtstag in einem krassen Missverhältnis dazu steht.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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lutgra

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  • »lutgra« ist männlich

Beiträge: 5 071

Registrierungsdatum: 9. April 2013

5

Donnerstag, 12. Juni 2014, 10:42

Auf SWR2 läuft diese Woche morgens um 9:05 eine vierteilige, vierstündige Sendung:

Richard Strauss 150 - Eine Revision

Sowohl der podcast wie auch das Manuskript sind download-bar.

Interessant fand ich heute morgen folgende Selbstdarstellung:

Am 22. Januar bekannte Strauss in einem Brief an seinen Librettisten Stefan Zweig eine halb-ironische Selbsterkenntnis: „Am besten liegen mir süddeutschem Bourgeois ‚Gemütskisten‘: aber solche Treffer wie das Arabelladuett und das Rosenkavalierterzett gelingen nicht immer. Muss man 70 Jahre alt werden, um zu erkennen, dass man eigentlich zum Kitsch die meiste Begabung hat?“

Schneewittchen

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  • »Schneewittchen« ist männlich

Beiträge: 2 493

Registrierungsdatum: 5. Oktober 2010

6

Donnerstag, 12. Juni 2014, 10:45

das Konzert konnte ich leider nicht ansehen

Das Konzert aus Dresden kann man im Internet noch eine Woche auf Arte.tv (Arte+7) ansehen.
Außerdem kann man mit "Mediathek View" die Programme der öffentl.rechtl. TV-Sender einige Tage ansehen und downloaden.
mfG
Michael

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 471

Registrierungsdatum: 12. August 2005

7

Donnerstag, 12. Juni 2014, 11:07

Ich verfolge die Jubiläumsaktivitäten nicht ausreichend, um beurteilen zu können, wie stark das "Missverhältnis" ist.

Aber ich halte es für offensichtlich, dass Wagner sowohl als Person als auch zumindest mit einigen Werken ERHEBLICH bekannter und populärer ist als Strauss. (Damit soll nichts über die Qualität einzelner Werke gesagt sein.)
Wenn wir mal mit der "Wunschkonzert-Popularität" beginnen: Das einzige Stück von Strauss, das mir hier spontan einfällt, sind die ersten zwei Minuten von "Also sprach...", die aber auch erst in den letzten Jahrzehnten wegen Filmen, Werbung usw. bekannt geworden sind. VIELLEICHT noch Till Eulenspiegel und Don Juan, kaum etwas aus den Opern.
Dagegen Pilgerchor, Vorspiele mindestens aus Tannhäuser und Lohengrin, Hochzeitsmarsch, Ouverture und Chöre aus dem Holländer, Liebestod, Walkürenritt usw., evtl. auch Meistersinger-Vorspiel und Finale. Vieles davon ist teils schon länger wunschkonzertpopulär als Straussens Werke überhaupt existieren!
Drei Opern werden häufig gespielt, der Rest ist m.E. sogar vielen Opernfreunden kaum geläufig.
Dazu kommt bei Wagner natürlich noch Bayreuth, die schillernde Persönlichkeit (und die Familiengeschichte bis in die Gegenwart), der seinerzeitige Einfluss auf Musik und Kultur (eine völlig anderer Größenordnung als Strauss).

Klar, Strauss ist wohl unter den 10 häufigst gespielten Opernkomponisten, aber eben hauptsächlich mit Salome und Rosenkavalier. Und in der Popularität selbst mit diesen meinem Eindruck nach sehr deutlich hinter nicht nur Wagner, sondern auch Mozart, Verdi, Puccini und den bekannten Werken von Rossini und Donizetti (und "one hits" wie Carmen, Hänsel&Gretel, Hoffmanns Erzählungen, Fledermaus usw.)

Lt. Operabase ist Strauss auf Rang 9 der meistgespielten Opernkomponisten, aber seine häufigst gespielten Opern (Salome und Rosenkavalier), "nur" zwischen Plätzen 30 und 40 weltweit. (Allerdings sind von Wagner auch nur Holländer und Walküre knapp unter den Top 30)
http://operabase.com/top.cgi?lang=en

hier eine ältere Statistik vor dem Wagner Jubiläum, da ist es etwas enger. Bemerkenswert aber jedenfalls, wie viele andere Sachen, besonders im nichtdeutschsprachigen Raum vor BEIDEN liegen. Das ist für viele Opernfreunde schweres Zeugs. Ich glaube, dass man als Fan die Popularität beider Komponisten überschätzt. Wagner hat sehr viel publicity unabhängig von seiner Musik, das trifft auf Strauss nicht zu.

http://blog.onopera.com/2012/02/100-most…med-operas.html

lutgra

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  • »lutgra« ist männlich

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Registrierungsdatum: 9. April 2013

8

Donnerstag, 12. Juni 2014, 11:11

Obwohl man Straussens Rang als bedeutenden Komponisten nicht ernsthaft in Frage stellen kann, erreicht er als Opernkomponist -sieht man von Salome und Elektra, vielleicht auch vom Rosenkavalier ab- sicher nicht Richard Wagner; dies ist zumindest meine persönliche Meinung.
Ach, immer diese Werterei. Es gibt Menschen, die lieben Wagner, es gibt Menschen, die lieben Strauss, es gibt Menschen, die lieben beide (ich zum Beispiel) und es gibt Menschen, die lehnen beide vehement ab.

Ich mag die Musik von Strauss und brauche auch keinen 150. um mir darüber im Klaren zu werden, ist eh nur ein Anlass, um den Markt mit weiteren Boxen zu füllen. Ich mag seine Orchesterstücke, ja sogar die vielgescholtene Domestica (in der Einspielung von Fritz Reiner), ich mag die meisten Opern und die vier letzten Lieder sind Musik, die mich jedesmal zutiefst berührt, vor allem wenn von Elisabeth Schwarzkopf gesungen.

Aber ich habe auch alle Aufnahmen, die ich brauche und insofern interessiert mich der Rummel oder Nicht-Rummel zu seinem runden Geburtstag nicht wirklich.

musikwanderer

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  • »musikwanderer« ist männlich

Beiträge: 4 169

Registrierungsdatum: 20. Januar 2010

9

Donnerstag, 12. Juni 2014, 12:03

Ach, immer diese Werterei. Es gibt Menschen, die lieben Wagner, es gibt Menschen, die lieben Strauss, es gibt Menschen, die lieben beide (ich zum Beispiel) und es gibt Menschen, die lehnen beide vehement ab.
Hier wäre für mich der "Gefällt-mir-Button" angebracht. Jedenfalls kann ich mich ohne Einschränkungen lutgra anschließen. Das gilt ünrigens auch für die folgenden Absätze seines Beitrags...

:hello:
.

MUSIKWANDERER

hami1799

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  • »hami1799« ist männlich

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10

Donnerstag, 12. Juni 2014, 12:42

Der Thread "Leben und Sterben lassen" ist offenbar verwaist. Dann will ich mich hier wiederholen und als Antwort auf Helmut Hofmanns Anmahnung, mich der Meinung lutgras und Musikwanderers anschließen.

Er war eben einer der Größten, doch in Prozentanteilen lässt sich seine Bedeutung nicht ermessen.


Zitat von »Helmut Hofmann« ca 19.30
Was mich nun wirklich erstaunt und verwundert, das ist die Tatsache,
dass auf den heutigen hundertfünfzigjährigen Geburtstag von Richard
Strauss in diesem Forum bis zu diesem Zeitpunkt ( der Tag ist bald um)
keinerlei Reaktion zu finden ist.
Ende Zitat.


Das liegt daran, lieber Helmut, dass ich glaubte, sein Geburtstag würde erst um 21 Uhr einfallen. :)

Nein wirklich, Richard Strauß ist einer meiner Götter, aber von Sonn und Welten haben weitaus Berufenere weitaus mehr zu sagen.

Ist Strauß umstritten?
Heutezutage wohl nicht mehr als Oscar Wilde, was so viel bedeutet wie gar nicht.
Man müsste schon andere Dinge bringen als Elektra oder Salome, um eine
moderne Hörerschaft zu schockieren, sowohl inhaltlich wie musikalisch.

In der Musikgeschichte dürfte er einen gesichterten Platz einnehmen neben Bach, Beethoven, Wagner und Anderen.
Schließlich hat er auch eine Generation von Jüngern inspiriert.
Was wäre denn ein Korngold oder Schreker ohne Strauß? Oder vielleicht auch ein Zemlinsky?

Wie er über sich selbst urteilte, ist bekannt: Die Leute gehen nur in meinen Rosenkavalier, weil sie glauben, es sei eine Operette von Johann Strauss.

Ganz ernst gemeint hat er das sicher nicht.

hami1799

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  • »hami1799« ist männlich

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Registrierungsdatum: 6. Februar 2012

11

Donnerstag, 12. Juni 2014, 12:50

Muss man 70 Jahre alt werden, um zu erkennen, dass man eigentlich zum Kitsch die meiste Begabung hat?
Anm: Strauss über sich selbst


Das ist ja nett. Gerade gestern hat mir Felix Meritis die Frage beantwortet, ob es möglich sei, dass ein Komponist bei der Beurteilung seiner eigenen Werke total daneben liegen kann.

Da kam mir Tschajkovskij in den Sinn. Wie ich nun erfahre, konnte Richard Strauss das auch.
Nur, hat er es denn gar so Ernst gemeint?

Stimmenliebhaber

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12

Donnerstag, 12. Juni 2014, 13:18

Drei Opern werden häufig gespielt, der Rest ist m.E. sogar vielen Opernfreunden kaum geläufig.
Das stimmt nicht, die "Ariadne" wird neben "Salome", "Elektra" und "Rosenkavalier" auch sehr häufig gespielt, "Frau ohne Schatten" und "Arabella" auch häufig und so komplett verschwunden sind die wenigsten seiner Opern.

Lt. Operabase ist Strauss auf Rang 9 der meistgespielten Opernkomponisten, aber seine häufigst gespielten Opern (Salome und Rosenkavalier), "nur" zwischen Plätzen 30 und 40 weltweit. (Allerdings sind von Wagner auch nur Holländer und Walküre knapp unter den Top 30)
http://operabase.com/top.cgi?lang=en
Im deutschsprachigen Raum gehört Strauss sicherlich zur Top 5 der meistgespielten Opernkomponisten.

Ich glaube, dass man als Fan die Popularität beider Komponisten überschätzt.
Es geht doch nicht um Popularität, sondern um den Schöpfer wertvoller Opern. Wenn nur noch über das berichtet werden soll, was populär ist, brauchen wir keine Fachzeitschriften und kein Feuilleton in den Tageszeitungen mehr.

Wagner hat sehr viel publicity unabhängig von seiner Musik, das trifft auf Strauss nicht zu.

Das ist wohl zweifellos richtig. Vor allem das Denver- und Dallas-Potential seiner Familie und Nachkommen bis heute - die Atriden der Gegenwart...

Ein Grund mehr, da etwas bewusster entgegenzusteuern...
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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  • »Johannes Roehl« ist männlich

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13

Donnerstag, 12. Juni 2014, 14:53

Also dass heuer in Fachzeitschriften und Feuilletons "nicht viel" zu Strauss steht, glaube ich nicht so recht, auch wenn ich das nicht intensiv verfolge und mich persönlich Strauss nicht so besonders interessiert, weswegen ich vermutlich einiges übersehe oder mir nicht gemerkt habe.

Nun ist aber das Feuilleton der meisten Blätter ein sehr allgemeiner Kulturteil, in dem klassische Musik und Oper heute nicht immer zentral ist. Jemand wie Wagner ist da nachvollziehbarerweise präsenter, weil der nicht nur "quantitativ" populärer ist, sondern im Ggs. zu Strauss wohl in einen minimalen Kanon gehört, den man als Kulturinteressierter selbst dann wahrnimmt, wenn man an Oper kein besonders großes Interesse hat.

Ich glaube eigentlich nicht, dass die Jubiläumspräsenz von Strauss in der Presse deutlich geringer ist als zB die von Haydn oder Schumann in ihren jeweiligen Jubiläumsjahren.
Wagner ist, was das Medienecho betrifft, aus unterschiedlichen schon genannten Gründen, ein anderes Kaliber. Nicht nur, aber auch innerhalb des Kulturteils.

Stimmenliebhaber

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  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

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14

Donnerstag, 12. Juni 2014, 14:56

auch wenn ich das nicht intensiv verfolge und mich persönlich Strauss besonders interessiert
Hm, das verstehe ich irgendwie nicht...
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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  • »Johannes Roehl« ist männlich

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15

Donnerstag, 12. Juni 2014, 15:12

Sorry, da fehlte ein "nicht". Ich habe das verbessert.
Letzte Woche war in der musikalisch eher unterbelichteten "Zeit" jedenfalls ein Text zu Strauss von dem Komponisten Trojahn. Und es war ziemlich sicher nicht der erste.
Wie gesagt, mein Punkt ist hauptsächlich, dass, egal wie hoch Strauss' Opern bei einigen Opernfreunden geschätzt sein mögen, sie erstens nicht annähernd so populär sind wie zB Mozart, Verdi, Puccini und zweitens die Person (obwohl da auch genügend Polarisierendes gefunden werden könnte), natürlich nicht so notorisch ist wie Wagner. Zu Wagner muss der Feuilletonredakteur vermutlich auch was schreiben, wenn er eigentlich gar keine Meinung dazu hat, bei Strauss ist das nicht nötig. Ich glaube eben, dass man gerade den Bekanntheitsgrad, der beim Jubiläum für den Unterschied zwischen eher verhaltener und übertriebener Öffentlichkeit, entscheidend ist, als "Fan" oder erfahrener Klassikhörer leicht falsch einschätzt. Ein Werk wie die "Alpensinfonie" oder "Arabella" mag für altgediente Hörer ein Standardwerk sein, aber sie sind nicht annähernd so verbreitet bekannt und beliebt (einschl. Gelegenheitshörern) wie Beethovens 5. oder Tosca.

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16

Donnerstag, 12. Juni 2014, 15:26

Trotzdem sind doch gerade die Jubiläen von Komponisten, die nicht dauerhaft ohnehin populär und in aller Munde sind, besonders wichtig, um dies zumindest temporär mal zu ändern...
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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hami1799

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17

Donnerstag, 12. Juni 2014, 15:40

Trotzdem sind doch gerade die Jubiläen von Komponisten, die nicht dauerhaft ohnehin populär und in aller Munde sind, besonders wichtig, um dies zumindest temporär mal zu ändern...

Aber Richard Strauss gehört doch wirklich nicht zu diesen!!!

Sonst könnte man auch meinen, Wagner sei nur dehalb so bekannt, weil er im gleichen Jahre wie Verdi geboren ist.

Stimmenliebhaber

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18

Donnerstag, 12. Juni 2014, 15:42

Gerade wurde hier erklärt, dass Richard Strauss nicht zu den populären Komponisten wie Mozart, Verdi und Puccini gehört - ja, was denn nun?
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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hami1799

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19

Donnerstag, 12. Juni 2014, 15:54

Gerade wurde hier erklärt, dass Richard Strauss nicht zu den populären Komponisten wie Mozart, Verdi und Puccini gehört - ja, was denn nun?

Einfach nicht hinhören!

Übrigens sind unter meinen Bekannten nicht so wenige, die Strauss höher einschätzen als Wagner.

  • »kurzstueckmeister« ist männlich

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20

Donnerstag, 12. Juni 2014, 16:25

Wie schaut es aus, wenn man mit Debussys Jubiläum vergleicht?

Stimmenliebhaber

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21

Donnerstag, 12. Juni 2014, 17:00

Wie schaut es aus, wenn man mit Debussys Jubiläum vergleicht?

Das ist was für die Franzosen! ;)

Nein, mal ehrlich: Bei aller Globalisierung sollte man sich nicht schämen, die Kunst und die Künstler, die das eigene Land hervorgebracht hat, hochzuhalten, anstatt zu verstecken.

Mir ist viel lieber, die Deutschen sind stolz auf Goethe und Beethoven - und eben auch auf die Opern von Wagner und Strauss, als wenn sie sich wegen eines Tores mehr bei einer Fußball-WM aufspielen, als seien sie die Größten. "Wir sind Weltmeister!".

Naja, dazu wird es eh nicht kommen! ;)

Aber wenn man die eigenen "Meister" generell mehr achten würde, dann bräuchte es tatsächlich keine Jubiläen...
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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hami1799

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Registrierungsdatum: 6. Februar 2012

22

Donnerstag, 12. Juni 2014, 17:07

Wie schaut es aus, wenn man mit Debussys Jubiläum vergleicht?
Wie war es denn?
Wie auch immer, so enthebt das Urteil einer ehrbaren, hochgelahrten Versammlung weiser Kapazitäten uns Taminos der Verpflichtung, selbst böse zu werden:

Monsieur Debussy scheint gegenwärtig von dem Wunsch besessen, etwas Bizarres, Unverständliches, Unaufführbares zu schaffen. Wenn auch einige Stellen einen gewissen persönlichen Charakter aufweisen, so bietet doch die Vokalpartie nichts Interessantes, weder in melodischer noch in deklamatorischer Hinsicht. Die Akademie will hoffen, dass Zeit und Erfahrung in den Ideen und Werken des Herrn Debussy heilsame Veränderungen bewirken werden.“

Bevor man mich jetzt rauschmeißt, ich mag Debussy sehr, falls er der Mann mit dem Bart ist, der Pelléas und Mélisande geschrieben hat.

  • »Joachim Schneider« ist männlich

Beiträge: 531

Registrierungsdatum: 31. Dezember 2013

23

Donnerstag, 12. Juni 2014, 17:08

Wie schaut es aus, wenn man mit Debussys Jubiläum vergleicht?


Diese Frage ist durchaus gerechtfertigt.
Ich denke, daß man einer Diskussion über die musikgeschichtliche Bedeutung von Strauss, eben im Vergleich mit seinen Altersgenossen (cum grano salis), kaum ausweichen kann.
Der Vergleich von Aufführungszahlen zwischen z.B. Wagner und Strauss hilft hier doch kaum weiter. Muß man aus der Tatsache, daß Puccini sicher häufiger ausfgeführt wird als Schoenberg schließen, daß ersterer der "bedeutendere" Komponist sei?
Ein persönliches Bekenntnis zu einem Komponisten ist aller Ehren wert, aber es ist doch ebenso wichtig, seine Stellung in der Musikgeschichte so objektiv wie irgendmöglich zu bestimmen, und da birgt der Vergleich z. B. mit Debussy erheblichen Sprengstoff, zumindest wenn man der Auffassung ist, daß die Musik sich auf einem permanenten Weg der Innovation befindet... diese Diskussion hatten wir ja schon!

Viele Grüße

J.Schneider
"Die Musik steht hinter den Noten" (Gustav Mahler)

  • »Joachim Schneider« ist männlich

Beiträge: 531

Registrierungsdatum: 31. Dezember 2013

24

Donnerstag, 12. Juni 2014, 17:15

Zitat von »kurzstueckmeister«



Wie schaut es aus, wenn man mit Debussys Jubiläum vergleicht?
Wie war es denn?
Wie auch immer, so enthebt das Urteil einer ehrbaren, hochgelahrten Versammlung weiser Kapazitäten uns Taminos der Verpflichtung, selbst böse zu werden:

Monsieur Debussy scheint gegenwärtig von dem Wunsch besessen, etwas Bizarres, Unverständliches, Unaufführbares zu schaffen. Wenn auch einige Stellen einen gewissen persönlichen Charakter aufweisen, so bietet doch die Vokalpartie nichts Interessantes, weder in melodischer noch in deklamatorischer Hinsicht. Die Akademie will hoffen, dass Zeit und Erfahrung in den Ideen und Werken des Herrn Debussy heilsame Veränderungen bewirken werden.“



...erstaunlich, daß hier die sonst so vielgeschmähten "Akademiker" einmal zustimmend zitiert werden! ;)
Solche Urteile erinnern an Sätze selbst eines so bedeutenden Künstlers wie Glenn Gould, der meinte Mozart sei nicht zu früh sondern zu spät gestorben. :no:

Viele Grüße

J.Schneider
"Die Musik steht hinter den Noten" (Gustav Mahler)

Helmut Hofmann

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  • »Helmut Hofmann« ist männlich

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Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

25

Donnerstag, 12. Juni 2014, 17:16

Zu...- Zit: "ja, was denn nun?"

Strauss ist der meistgespielte Komponist klassischer Musik des zwanzigsten Jahrhunderts. Das ist ein schlichtes Faktum. (Ich habe es von Eleonore Büning, und die muss es ja wissen)
Aber warum ich es so gut finde, dass zu diesem Komponisten ein Thread gestartet wurde: Nicht das Geburtstagsjubiläum ist für mich der eigentliche Anlass gewesen, ihn gleichsam zu "reklamieren" (Pardon!). Es ist Strauss als Komponist selbst. In seiner Musik steckt viel Widersprüchliches, und sie ist auch auf allerlei Widerspruch gestoßen. Wer sich über die höchst widersprüchlichen "Strauss-Bilder" informieren möchte, dem empfehle ich das gerade im Bärenreiter-Verlag erschienene "Strauss-Handbuch", herausgegeben von Walter Werbeck.

Strauss hatte an der Musik der beginnenden Moderne einen sehr wesentlichen Anteil. Und er lehnte sie zugleich vehement ab. Man hat ihn ja als regelrechten "Verräter an der Moderne" verunglimpft.
Einerseits erkennt man in der Strauss-Rezeption die handwerkliche Meisterschaft seiner Kompositionen an, auf der anderen Seite gab es von jeher den Vorwurf, seine Musik sei vorwiegend auf Wirkung angelegt und darauf, dass sie gut beim Publikum ankomme. Ihr hafte a priori etwas von kompositorischem Unernst an.
(Bevor ich hier Prügel beziehe: Ich vertrete diese Auffassung in keiner Weise. Ich referiere nur.)

Gerade lese ich unten drunter die Feststellung (Zit): "Richard Strauss verkörpert für mich den Begriff der "Kapellmeistermusik" in all seinen positiven und negativen Aspekten."
Na bitte, da haben wir´s doch!

  • »Joachim Schneider« ist männlich

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Registrierungsdatum: 31. Dezember 2013

26

Donnerstag, 12. Juni 2014, 17:28

Hallo,

wie es so schön im Faust heißt:
"Verzeih, ich kann nicht hohe Worte machen,
Und wenn mich auch der ganze Kreis verhöhnt..."

deshalb sage ich hier ganz frech: Richard Strauss verkörpert für mich den Begriff der "Kapellmeistermusik" in all seinen positiven und negativen Aspekten.

Viele Grüße

J.Schneider
"Die Musik steht hinter den Noten" (Gustav Mahler)

Misha

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27

Donnerstag, 12. Juni 2014, 17:41

Strauss hat das Pech gehabt, während der NS Zeit zu leben. Sein Verhalten will ich nicht bewerten, aber es macht ihn für das linkslastige Feuilleton angreifbar. Er gilt vielen Intellektuellen als etwas anrüchig. Mahler ist unverdächtig; bei Wagner bedarf es immerhin einiger argumentativer Kunstgriffe, um ihn wenigstens indirekt mit den Nazis in Verbindung zu bringen. Bzgl. Strauss war Thielemann gestern auf arte sinngemäß so zu hören, dass ihm die Kenntnis von dessen Haltung in brauner Zeit nicht für eine Erhellung beim Verständnis seiner Partituren nützt.
res severa verum gaudium

Herzliche Grüße aus Sachsen
Misha

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28

Donnerstag, 12. Juni 2014, 17:47

Hallo,Misha,

Du kannst mir glauben, daß ich der Anhängerschaft des "linkslastigen Feuilletons" gänzlich unverdächtig bin.
Mir geht es nur um Straussens Platz in der Musikgeschichte. In Bezug auf die Bewertung von Straussens Verhalten in der NS-Zeit hat Thielemann im Prinzip recht.

Viele Grüße

J.Schneider
"Die Musik steht hinter den Noten" (Gustav Mahler)

hami1799

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29

Donnerstag, 12. Juni 2014, 17:47

seine Musik sei vorwiegend auf Wirkung angelegt und darauf, dass sie gut beim Publikum ankomme.


"Auf Wirkung" kann ich kaufen, aber "gut beim Publikum ankommen" ist eher als Nebenprodukt gedacht. Eine Salome und eine Elektra schreibt man sicher nicht nur, um sich zu produzieren.
Aber wie dem auch immer sei, die Erkennungsszene zwischen Orest und Elektra, um nur ein Beispiel zu bringen, ist ein musikalischer Höhenflug und hat auch eine psychologische Glaubwürdigkeit, die jedenfalls in mir keinen Zweifel über das ganz persönliche Engagement des Komponisten aufkommen lässt.

Natürlich, Strauss war eine rätselhafte Persönlichkeit, wohl ähnlich wie Tschechov. Was war bei denen Handwerk, was Mission?
Erfahren werden wir es nie, aber ich frage mich auch, ob es so wichtig ist.
Ohne sie wäre die Welt um Vieles ärmer.

hami1799

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30

Donnerstag, 12. Juni 2014, 17:50

Bzgl. Strauss war Thielemann gestern auf arte sinngemäß so zu hören, dass ihm die Kenntnis von dessen Haltung in brauner Zeit nicht für eine Erhellung beim Verständnis seiner Partituren nützt.

Eher für eine Verdunkelung müsste man logischerweise annehmen. :D