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lutgra

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1

Donnerstag, 19. September 2013, 19:30

Hörenswerte Britische Symphonien des 20. Jahrhunderts

Britische Symphonien des 20. Jahrhunderts, fast ein Oxymoron, denn britische Symphonien aus anderen Jahrhunderten gibt es kaum, mir fallen gerade mal Stanford (7) und Parry (5) ein.

Es ist schon erstaunlich, dass ein Land, das im 18. und 19. Jahrhundert praktisch keine eigene Musikentwicklung hatte, im 20. ein derart große Zahl an Symphonikern hervorgebracht hat. Und die haben reichlich komponiert. Nur ein paar Beispiele:

Arnold - 9
Alwyn - 5
Brian - 32 (!)
Lloyd- 13
Rubbra - 11
Simpson - 11
Vaughan Williams - 9

Um diese Symphonien soll es hier gehen, vor allem die, die Taminos für kennen- und hörenswert halten. Es gibt dabei sicher gewisse Überschneidungen mit dem Thread Britische Komponisten des 20. Jahrhunderts. Aber hier soll es ausschließlich um Symphonien gehen. Und bitte nicht nur Auflistungen, sondern zu jeder genannten Symphonie eine kurze Charakteristik, so dass der Leser weiß, ob er sich das mal anhören sollte oder nicht.

lutgra

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2

Donnerstag, 19. September 2013, 19:42

William Mathias - Symphonie Nr. 3

Dieser Komponist (1934-1992) ist neu für mich. Er hat drei Symphonien geschrieben. Hier geht es um die 3., kurz vor seinem frühzeitigen Tod geschrieben.


Drei Sätze: Allegro moderato, Lento appassionato, Allegro non troppo e risoluto; 31:24

Es geht gleich gut los, auch wenn der Anfang ein wenig an den von Lutoslawskis Orchesterkonzert erinnert. Aber es gibt schlechtere Vorlagen. Der erste Satz ist jedenfalls recht bewegt und erinnert an andere englische Komponisten wie Robert Simpson. Der zweite Satz ist elegisch-tragisch mit starken Anleihen beim mittleren Schostakowitsch, Englischhorn-Solo etc. Sehr schön, davon kann ich nie genug bekommen. Der letzte wieder bewegt, zwischen Simpson und z.B. George Lloyd. Also komplett tonal, aber ordentlich mit Dissonanzen gewürzt. Einige originelle orchestrale Effekte und insgesamt eine runde Sache. Werde ich sicher noch öfter hören, die ersten beiden Symphonien werden bestellt.

Alfred_Schmidt

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3

Freitag, 20. September 2013, 00:14

Hörenswert ? Das wird vermutlich ein jeder anders empfinden, speziell im Falle von Musik des 20. Jahrhunderts. Als Spezialist für Sinfonien der Wiener Klassik - von eher unbekannten Komponisten - ist die Gefahr groß, daß ich hier danebentippe.
Aber das Attribut "interessant" würde ich den Sinfonien von Robert Simpson (1921-1997) - bisher kenne ich nur wenige - mindestens zugestehen.
Ich beziehe mich hier ganz kurz auf die 3. Sinfonie, weil ich an sich plane Simpson mittelfristig einen eigenen Thread zu widmen.
Das zweisätzige Werk entstand 1962 im Auftrag des "City of Birmingham Orchestra" Klänge sind stets schwer zu beschreiben, speziell jene des 20. Jahrhunderts. Grundsätzlich erinnert mich die Sinfonie entfernt an "The Planets" von Gustav Holst...
Geheimnisvolle raunende Stellen wechseln sich mit infernoartigen Klanggebilden ab, dazwischen Choräle , rhytmisches Stampfen und kurze lyrische Einschübe, Sphärenkänge..... - Ja - doch hörenswert......

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred Schmidt
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WolfgangZ

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4

Freitag, 20. September 2013, 00:24

Simpson

Die vierte Sinfonie erinnert auf recht erstaunliche Weise an die Tonsprache Beethovens. Nachhören empfohlen!

Einen Thread gibt es auch:

Kennt jemand Robert Simpson?

:hello: Wolfgang

PS: Ich dachte eigentlich, schon gezielt zu Simpson angefragt und geschrieben zu haben. Gibt es noch einen Thread in diese Richtung? :huh: (Wahrscheinlich zu britischer Sinfonik. Ich muss aber jetzt in die Falle. ;( )
Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

teleton

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5

Freitag, 20. September 2013, 22:58

Simpson, Britten und andere grosse britische Sinfonien des 20.Jhd

Die Sinfonien Nr.9 von Robert Simpson empfinde ich als - den Hammer - quasi eine Über-Brückner-Sinfonie, die es absolut in sich hat.
Nachzulesen im Simpson-Thread.

Die von Lutgra aufgezeigten Komponisten kenne ich gar nicht alle -
aber die Arnold-Sinfonien finde ich (bis auf die langweilge Nr.9 ) alle sehr hörenswert. Die Tonsprache Arnolds ist sympatisch, fast unverwechselbar und macht Laune. Die Schlüsse sind in ihrer fetzigen Art fast vorhersehbar.

Die Rubbra-Sinfonien habe ich auch komplett als GA - ehrlich gesagt ist das für mich "Romantikkram" der mich nicht wirklich anspricht. (So wie die Gade-Sinfonien von den Nordlichtern !)

Vaughan-Williams, keine Frage - Top-Sinfonien. Aber auch da habe ich bei dem sehr kontrastreichen Programm meine Vorlieben - es wird kaum einen wundern, dass die Sinfonie Nr.1 mich weniger goutiert, aber der Rest ist Klasse ! Besonders schätze ich die Sinfonien Nr. 2, 4, 6, 7 und 8 - am liebsten mit Handley (EMI) ... wem sonst !
Die weiteren britischen Sinfonien, laut Lutgra-Liste kenne ich nicht.

*** Aber mein absoluter Favorit von den Briten ist die
:angel: :thumbsup: Britten: Sinfonia da Requiem . Das ist Musik, die mich wirklich umhaut und dermassen packt, dass man es kaum in Worte fassen kann. Da stimmt alles - Hochspannung pur ! Solche Musik des 20.Jhd würde ich mir zahlreicher wünschen.
Davon habe ich 4-5 Aufnahmen --- Brittens eigene Aufnahme mit dem LSO (Decca), ist dabei schwer zu übertreffen.

Ich habe im Britten - Thread und an anderen Stellen schon mehrfach darüber begeistert berichtet ... leider wenig bis keine Resonanz.
:D Hat Britten die Sinfonie nur auf meinen Geschmack zugeschnitten und für mich geschrieben ? :D


Decca, 1960, ADD
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Alfred_Schmidt

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6

Samstag, 21. September 2013, 00:43

Ich habe die Anregung aufgegriffen - meine 500 ungehörten Neuzugang-CDs liegen gelassen - und Malcolm Arnolds Sinfonie Nr 3 gehört - und zwar konzentriert - mit Kopfhörer. Ich habe vorerst versucht etwas in meinen drei Konzertführern über die Einschätzung des Komponisten zu lesen - Fehlanzeige (aber immerhin auch eine Einschätzung)
Das Hörerlebnis war in die Richtung, dass der Komponist zwar im Bereich der Tonalität bleibt, aber mit der Richtung "Spätromantik" nicht unbedingt in Verbindung gebracht werden sollte, wie uns das Booklet glauben machen will. Ich konnte - mit Ausnahme des letzten Satzes - kaum so etwas wie "Themen" ausmache - lediglich "Stimmungen", wobei in den beiden ersten Sätzen (die Sinfonie ist dreisätzig) ein bedrohlicher Unterton herrscht, Daß Arnold einst Trompeter war ist nicht zu überhören, die brucknerischen Klangmassen auch nicht (jedoch anders eingesetzt als bei Bruckner, nämlich aggressiver) Im dritten Satz gibt es so etwas wie Humor - oder habe ich da was mißverstanden? - und ein effektvolles Finale.
Ich bin bei meiner anschliessenden Recherche auf einen bereits seit 2005 bestehenden Arnold-Thread gestoßen, an dem ich mich sogar beteiligt habe - ebenso mit der Sinfonie Nr 3. (ich besitze derzeit nur 3 und 4 - aber jetzt wird zumindest um 2 Sinfonien erweitert) Interessant für mich, daß ich damals einen ähnlichen Eindruck hatte, wie heute (was durchaus nicht selbstverständlich ist),
wobei ich heute der Sinfonie zumindest bescheinigen möchte, daß sie "interessant" ist - und daß sie Liebhabern der gemässigten Moderne durchaus empfohlen werden kann. Die ebenfalls auf diese CD - die übrigen tontechnisch makellos ist - enthaltene Sinfonie Nr 4 wartet übrigens mit einer exotischen Orchestrierung auf. Sie soll dann im "Arnold-Thead" vorgestellt werden

Malcolm Arnold, der Trompetenspieler - ein großer?

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred Schmidt
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Gerhard Wischniewski

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7

Samstag, 21. September 2013, 11:19

Einen der britischen Komponisten vermisse ich noch in der bisherigen Aufzählung: Arnold Bax, von dem ich sämtliche Sinfonien und eine Reihe seiner Tondichtungen habe. Ich entdeckte ihn eher zufällig mit einer Sinfonie und auf derselben CD einer Tondichtung (ich weiß nicht mehr, welche es war) zu einem günstigen Preis, der ein Hineinhören lohnte. Zugegeben, ich musste mich tatsächlich erst hineinhören, aber beim zweiten Hören (ich höre meine CDs ohnehin mehrfach und habe keine in Schrank, die ich noch nicht in Ruhe gehört hätte) fand ich Zugang zu dieser Musik,die ich als spätromantisch bezeichnen möchte, so dass ich mir nach und nach auch die anderen CDs gegönnt habe. Je nach Stimmungslage lege ich mir heute auch häufiger mal wieder eine CD mit seinen Werken auf. Auch bei ihm sind es in erster Linie Stimmungen, die ich beim Hören empfinde.
Von Sir Malcolm Arnold habe ich leider noch keine CD und kenne ihn eigentlich nur aus der Filmmusik zu "Die Brücke am Quai". Von den anderen Erwähnten muss ich gestehen, dass ich nur Britten und Vaughan Williams kenne. Vom letzeren besitze ich auch sämtliche Sinfonien, die ich immer wieder gern höre.

Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

Alfred_Schmidt

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8

Samstag, 21. September 2013, 12:56

Zitat

Einen der britischen Komponisten vermisse ich noch in der bisherigen Aufzählung: Arnold Bax,

OH, da fehlen noch viele !!

Es ist ja nicht so, daß es im 20. Jahrhundert nur wenige englische Komponisten gegeben hätte - beileibe nicht !!
Aber sie werden in unseren Breiten weitgehend ignoriert.
Ich mache da keine Ausnahme, um mich an diesem Thread ein wenig beteiligen zu können, was ich will, da ich über jeden neuen Themenkreis erfreut bin, werde ich jetzt trotz Regen das Haus verlassen und mir ein paar Aufnahmen zu diesem Bereich zulegen - ein wenig habe ich ja....
Auch wenn es hier wenig "Lieblingsaufnahmen geben wird (wer weiß - vieles ist möglich?) so habe ich gestern im Netz doch einiges gefunden, das mich zumindest so interessiert, daß ich nicht die nöchste Monatsbestellung (ca um den 5. Oktober) abwarten möchte - zumal meine letzten Pakete nun bereits über eine Woche unterwegs sind.....

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred Schmidt
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teleton

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9

Samstag, 21. September 2013, 13:46

Hörenswerte Britische Komponisten des 20. Jahrhunderts

OH, da fehlen noch viele !!

Jeder hat ja seine Schwerpunkte. In Lutgras Anfangsbeitrag sind ja schon ein Paar wichtige genant worden, die ich selber gar nicht mal alle kenne.

Meine Schwerpunkte liegen da eher bei Britten, Arnold, Vaughan-Williams, Simpson, Bax - und die bisher noch nicht genannt wurden -

William Walton - mit seinen Sinfonien Nr.1 und 2, Sinfonia Concertante; nicht zu vergessen die Hindemith-Var, Violakonzert, Violinkonzert und Cellokonzert u.a.

Gustav Holst - der hat auch noch mehr zu bietren als "nur" die Planeten - die Sinfonie in F zum Beispiel.

Edward Elgar - der fällt mit seinen Sinfonien auch schon ins 20.Jhd - Sinfonien Nr.1(1908) und 2 (1911); die Ouvertüren und die exqusiten Enigma-Variationen; Pomp and Circumsdances (ansonsten ist Elgar mit seinem "Romantikgedudel" (sorry) nicht so meine Welt)

Artur Bliss - A Colour Symphony(1921/2); sowie ganz excellente Orchesterwerke in Form von div Suiten, Ballett-Adam Zero, Klavierkonzerte, Cellokonzert.

Granville Bantock - Celtic Symphony (1940), Hebribian Symphony (1913) um nur die Sinfonien zu nennen.

Ernest Moeran - Sinfonie in g-moll (1937), neben weiteren wichtigen Konzerten (VC und CC) und O-Werken. Das war eine ehemalige und ganz wichtige Empfehlung von M.Schlechtriem, der als Kenner der britischen Szene gilt.

John Foulds - hat nun keine Sinfonien zu bieten, aber hochinteressante sinfonische O-Werke. Die Three Mantras sind quasi eine verkappte Sinfonie.


:!: Es gibt da eine ganz ausgezeichnete 10CD-Box unter D.Bostock mit den Münchener Sinfonikern und Royal Liverpool SO:
THE BRITISH SYPMPHONIC COLLECTION

membran, 80er und 90er, DDD

Hier sind Sinfonien und sinf Werke von Elgar, Cowen, Delius, Bax, Vaughan-W., Holst (mit der Sinf in F), Bush, Butterworth, Arnold (mit der Sinf. Nr.5), Hodinot, und Gregson mit dem fantastischen Concerto for Orchestra.
:thumbup: Das war eine TOP-Empfehlung von WolfgangZ, die ich hier gerne nochmal allgemein weiter gebe !
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Caruso41

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10

Samstag, 21. September 2013, 16:16

Schotten sind auch Briten!

Gefragt ist ja nicht nach englischen sondern nach britischen Komponisten.

Deshalb darf ich vielleicht auf den Schotten Frédéric Archibald Lamond hinweisen.
Gerne habe ich früher aber seine Klavierstücke op. 1 gespielt (so gut es jedenfalls ging, denn die sind nicht eben leicht!).

Da mich seine Biografie früh interessiert hat - er hat ja einen engen Bezug zu meiner Heimatstadt Berlin gehabt - habe ich mich auch mit seinen Schallplattenaufnahmen beschäftigt. Er hat Klavierkonzerte und Klavierwerke u. a. von Beethoven, Liszt und Brahms aufgenommen! Sehr bemerkenswert!!!
Irgendwann war ich dann natürlich auch neugierig, mal Sinfonische Werke von ihm zu hören. So ganz viel gibt es da nicht. Und es klingt weniger nach schottischer Musik als nach Brahms! Den 4. Satz seiner Sinfonie in A-dur könnte man glatt als Brahms vorspielen. Aber es gibt dann doch sehr schöne melodische Einfälle, die vielleicht - ich weiss es nicht und habe es nicht geprüft - schottischer Volksmusik abgelauscht sind. Im Aufbau und dem stilistischen Profil ist sie allerdings doch noch ziemlich klassizistisch. Da hört man einfach mal wieder wie prägend Mendelssohn in der Zeit gewesen ist!
In jedem Fall: eine höchst hörenswerte Musik!!

Ein ganz besonderes Vergnügen ist auch die Ouvertüre aus dem Schottischen Hochland. Natürlich ist das keine Sinfonie und insofern passt der Hinweis hier nicht recht in den Thread! Aber mir kommt das Werk eher als Sinfonische Dichtung denn als Ouvertüre vor.
Und: Das klingt hier alles schon sehr schottisch!
Teilweise wirklich ungemein melodisch und in der harmonischen Faktur unheimlich schön!

Mir ist bisher nur diese Aufnahme bekannt. Aber gegen die ist nicht viel einzuwenden!

Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Alfred_Schmidt

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11

Samstag, 21. September 2013, 18:50

Es ist schön, daß dieser Thread auf Interesse stösst, das hätte ich eigentlich nich erwartetr, den die meisten britischen Komponisten sind mit unserem Geschmack nicht so recht kompatibel - sie konnten sich - zumindest im deutschen Sprachraum nicht durchsetzen. Ich habe gestern in diversen Wikipedia Eintraägen nachgelesen und habe in viele Werke bei jpc hineingehört. Dabei habe ich festgestellt, daß vieles doch interessanter ist als ich ursprünglich gedacht habe. Vor allem dann, wenn man ein wenig Hintergrundwissen dazu mischt.
Dieser Thread wird mit Sicherheit dazu beitragen, einige englische Komponisten bekannter zu machen, weil man hier vielleicht auch ein wenig über den "geistigen Überbau" schreiben kann. Allerdings sehe ich solche Sammelthreads aus vielerlei Gründen in erster Linie als "Sprungbrett" für Einzelthreads von Komponisten, beispielsweise Alwyn: Sinfonien und Konzerte, Alwyn: Kammermusik etc....
Aber das sind derzeit noch unerfüllbare Träume. Wir haben aber keine Eile.

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred Schmidt
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lutgra

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12

Sonntag, 22. September 2013, 13:55

Cyril Scott - 1. Symphonie

Bei meinen derzeitigen Erkundungen des Nischenrepertoires (fast täglich lerne ich gerade neues kennen) bin ich nun bei Cyril Scott angelangt. Das wesentliche zu Leben und Wirken findet man hier .
Und wieder der gleiche Befund: wieso ist diese Musik so unbekannt? Die englische Firma Chandos ist offensichtlich seit einiger Zeit dabei, diesem abzuhelfen und ich bin ein weiteres Mal sehr dankbar.
Mir liegt die 4. Folge vor mit der 1. Symphonie von 1899 und dem Cellokonzert von 1937.



Die Symphonie ist das Werk eines 20-Jährigen, der aber bereits alle Tricks des Komponierens perfekt beherrscht. Der Ton ist überwiegend leicht und beschwingt und die Orchestrierung sehr abwechselungsreich und gut durchhörbar. Auch das sehr viel später entstandene Cellokonzert gefällt durch seine zahlreichen lyrischen Momente. Scott wurde u.a. als englischer Grieg und Debussy bezeichnet, mich erinnert die Musik am ehesten an Delius. Aus dieser CD-Serie werde ich sicher weitere Folgen ordern.
An anderer Stelle in diesem Forum (WHIJG) wurde bereits ebenfalls positiv über diese Musik geurteilt.

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13

Sonntag, 22. September 2013, 16:13

Zu den hörenswerten britischen Komponisten des 20. Jahrhunderts zählt auf jeden Fall auch Sir Michael Tippett (1905 bis 1998), der in verschiedenen Gattungen bleibende Werke hinterlassen hat. Besonders bekannt ist sein Oratorium "A Child of Our Time". Da es hier aber primär um sinfonische Musik geht, möchte ich auf seine Sinfonien hinweisen, die es unter führenden Dirigenten bei unseren Partnern zu erwerben gibt.

Beispielhaft nenne ich hier die CD mit seiner 2. und 4. Sinfonie von ihm selbst dirigiert:




LG

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Alfred_Schmidt

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14

Sonntag, 22. September 2013, 17:46


William Alwyn (1985-1985) schrieb neben jeder Menge Filmmusik auch klassische Werke, wie Sinfonien, Konzerte , Kammermusik, Werke für Klavier Solo - und sogar Opern. Uns interessieren hier indes nur die 5 Sinfonien (entstanden zwischen 1949 und 1973) auf die ich gern hinweisen möchte, ein Spezialthread über Alwyns Sinfonien, Sinfonische Dichtungen und Konzerte wird noch heuer folgen.
Im Augenblick höre ich die Sinfonie Nr 1, welche Sir John Barbirolli gewidmet ist, der sich auch bei der Uraufführung 1950 dirigierte. Alwyn hat zu seiner ersten Sinfonie auch eine kurze Beschreibung in englischer Sprache verfasse, welche im Naxos Beiheft abgedruckt ist. Die Machart verleugnet an keiner Stelle den Komponisten von Filmmusik.Interessant ist, daß die gar nicht schlechte Naxos Aufnahme die Effekte besser bringt, die kurz nach der Uraufführung enstandene Mono- Einspielung unter Barbirolli indes (man hört es sogar in den kurzen Soundsamples) "geschlossener" und "musikalischer" klingt.....(?)

Welche Bedeutung dem Komponisten in seiner Heimat beigemessen wird mag daraus hervorgehen, daß es nicht weniger als vier Einspielungen der Ersten - in diversen Koppelungen gibt - in meinen Konzertführern indes scheint nicht einmal sein Name auf......

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred Schmidt
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HINWEIS: Seit 1. Juni 2014 gibt es auch einen Thread über William Alwyn
William ALWYN – Sinfonien, Konzerte und Orchesterwerke

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Gerhard Wischniewski

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15

Montag, 23. September 2013, 18:13

Den Namen Bax findet man in deutsche Konzertführern nur selten, und meist sind es dann nur kurze Notizen. Als ich ihn kennen lernte und mir dann seine 7 Sinfonien sowie einen Großteil seiner sinfonischen Dichtungen zulegte, schuf ich mir eine Art eigenen Konzertführer, indem ich mir Einführungen aus den ergiebigeren englischen Texten der Begleitheft übersetzte und in einer Datei zusammenstellte.
Ich will versuchen im Laufe der Zeit in diesem Thema einige seiner Sinfonien mit eigenen Worten vorzustellen.

Die erste Sinfonie aus den Jahren 1921/22, die wie alle seine Sinfonie dreisätzig ist, mag auf manchen Höre zunächst verstörend wirken. Sie beginnt schrill, bedrohlich, was vor allem dem großen Bläser- und Schlagzeugapparat zu verdanken ist, den die Sinfonie erfordert. Man vermutet, dass die Sinfonie, die er zunächst als Klaviersonate entwarf, aber schon im darauffolgenden Jahr instrumentierte, unter dem Eindruck des zuende gegangenen 1. Weltkriegs, vor allem aber auch der Zerschlagung des Osteraufstands 1916 in Irland stand. So verläuft der erste Satz, Allegro moderato e feroce, auch meist kriegerisch, enthält aber auch kurze lyrische Passagen.
Der zweite Satz, Lento solenne, beginnt leise, geheimnisvoll. Er steigert sich dann zu einem düsteren Trauermarsch und endet so leise, wie er begann. Bax selbst hat ihn als musikalische Darstellung eines militärischen Begräbnisses beschrieben.
Der dritte Satz, Allegro maestoso - Allegro vivace ma non troppo - Tempo di marcia trionfale, vermag die düstere Stimmung nicht ganz aufzuheben. Er wiederholt zum Teil die Attacken des ersten Satzes und endet nach einer etwas lyrischeren Passage in einem Triumpmarsch, durch den das Bedrohliche der gesamten Sinfonie dennoch durchschimmert.
Die beiden sinfonischen Dichtungen auf der vorgestellten CD sind vielfarbige Naturgemälde, die auf irischen Legenden beruhen.

Liebe Grüße
Gerhard
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Dienstag, 24. September 2013, 11:28

Ich habe im Britten - Thread und an anderen Stellen schon mehrfach darüber begeistert berichtet ... leider wenig bis keine Resonanz.
Hat Britten die Sinfonie nur auf meinen Geschmack zugeschnitten und für mich geschrieben ?
Nein, hat er nicht. Auch ich finde diese Sinfonie hervorragend. Ich habe drei Aufnahmen.

Die vom Komponisten (als Original SXL gehütet)


dann die mit Andre Previn



und eine neuere mit Libor Pesek

lutgra

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17

Dienstag, 24. September 2013, 14:58

Britische Symphoniker - eine Übersicht

OH, da fehlen noch viele !!
Hier mal eine etwas vollständigere Liste (Fettgedruckte habe ich komplett, * mindestens eine Aufnahme)

Hubert Parry(1848-1918): 5*
Charles Villiers Stanford(1852-1924): 7*
Frederic H. Cowen(1852-1935): 4
Edward Elgar(1857-1934): 2
Edward German(1862-1936): 2
Granville Bantock(1868-1946): 4
Ralph Vaughan Williams(1872-1958): 9
Cyril Rootham(1875-1938): 2
Havergal Brian(1876-1972): 32*
Rutland Boughton(1878-1960): 3*
Joseph Holbrooke(1878-1958): 10
Cyril Scott(1879-1971): 3*
Edgar Bainton(1880-1956): 3
Arnold Bax(1883-1953): 7
York Bowen(1884-1961): 4
Cecil Armstrong Gibbs(1889-1960): 3
Arthur Bliss(1891-1975): 2*
Eugene Goossens(1893-1962): 2*
Ernest J. Moeran(1894-1950): 1
Gordon Jacob(1895-1974): 2
Alan Bush(1900-95): 4*
Edmund Rubbra(1901-86): 11
William Walton(1902-83): 2

Lennox Berkeley(1903-89): 4*
Erik Chisholm(1904-65): 2
Michael Tippett(1905-98): 4
Alan Rawsthorne(1905-71): 3
William Alwyn(1905-85): 5
Benjamin Frankel(1906-73): 7
Arnold Cooke(1906-2005): 6*
Grace Williams(1907-77): 2*
William Wordsworth(1908-88): 8*
Robin Orr(1909-2006): 3
Stanley Bate(1911-59): 4*
Daniel Jones(1912-93): 13
George Lloyd(1913-98): 12
Robert Still(1910-71): 4
Humphrey Searle(1915-82): 5
Bernard Stevens(1916-83): 2
Richard Arnell(1917-2009): 7*
John Gardner(1917-2011): 3
Geoffrey Bush(1920-98): 2
Peter Racine Fricker(1920-90): 6*
Ruth Gipps(1921-99): 2
Robert Simpson(1921-97): 11
Malcolm Arnold(1921-2006): 9

Arthur Butterworth(1923-): 7
Kenneth Leighton(1929-88): 3*
Alun Hoddinott(1929-2008): 10
Alexander Goehr(1932-): 4
William Mathias(1934-92): 3*
Sir Peter Maxwell Davies(1934-): 9*
Richard Rodney Bennett(1936-): 3
Patric Standford(1939-): 5
John McCabe(1939-): 7
David Matthews(1943-): 7*
Oliver Knussen(1952-): 3
James MacMillan(1959-): 3

Die Aufstellung ist modifiziert von hier übernommen.

Portator

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18

Dienstag, 24. September 2013, 15:52

Wenn wir schon eine Vollständigkeit der britischen Symphoniker anstreben, möchte ich auch noch auf Sir George Dyson (1883 bis 1964) hinweisen, dessen Symphony in G immerhin Richard Hickox mit dem LSO eingespielt hat:



LG
Portator

lutgra

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19

Dienstag, 24. September 2013, 16:31

Ergänzung

Britische Komponisten, die nur eine Symphonie geschrieben haben:

Arthur Sullivan
William Wallace
Arthur Somervell
John B. McEwen
Gustav Holst
Samuel Coleridge-Taylor
Donald Tovey
Thomas Dunhill
George Dyson
Arwel Hughes
Ronald Stevenson
Hugh Wood.

Danke für den Hinweis, Portator!

Gerhard Wischniewski

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20

Dienstag, 24. September 2013, 19:05

Danke Lutgra für die Liste. Bisher kenne ich daraus nur Parry, Elgar, Vaughan-Wiiliams, Bax und Bantock (den ich selbst hier als vermisst gemeldet habe und von dem ich versuche, einige der Sinfonien hier vorzustellen), und aus der Ergänzungsliste Holst.
Von Elgar nennst du 2 Sinfonien. Ich kenne noch eine dritte, die aber nur in Klavierskizzen vorlag und die Elgar vor seinem Tod verbrennen lassen wollte. Das ist nicht geschehen. Nachdem der britische Komponist Anthony Payne ( * 1936), den ich in der Liste nicht gefunden habe, diese Skizzen 1995 für ein Werkstattkonzert der BBC eingerichtet hatte, bekam er von den Erben Elgars die Einwilligung, die Rekonstruktion der Sinfonie zu Ende zu führen.

Von Parry habe ich bisher nur die Sinfonie 2 und die Sinfonischen Variationen
Von Elgar besitze ich außer den drei Sinfonien noch zahlreiche andere Werke. (Elgar hat mir bei einem Preisrätsel dazu verholfen, den dicken Musik-Brockhaus zu gewinnen)
Vaughan-Williams begeisterte mich von Anfang an (ich weiß nicht mehr, welches das erste Werk war, das mir in die Hände gelangte), so dass ich mir alle 9 Sinfonien und einige weitere Werke zulegte
Bax hatte ich bereits in vorhergehenden Beiträgen erwähnt.
Von Bantock habe ich lediglich die Hebridean Symphony und von Holst lediglich die Planeten und In the Bleak Midwinter.
Nun bin ich begierig, in diesem Thema über die Aufzählung der Werke auch etwas mehr über die Musik dieser Komponisten zu erfahren.

Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

Harald Kral

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21

Dienstag, 24. September 2013, 21:28

Hörenswerte Britische Symphonien des 20. Jahrhunderts

Arthur Sullivan

Sir Arthur Seymour Sullivan (* 13. Mai 1842 in London; † 22. November 1900 in London) war ein englischer Komponist, Musikwissenschaftler, Organist und Dirigent.
...nur 11 Monate im 20.Jh.? Letzte Komposition The Rose of Persia (Komische Oper; 1899)
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)

lutgra

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Freitag, 27. September 2013, 19:42

Richard Arnell Symphonie Nr.3 (1944-45)

Wenn man mich bitten würde, die m.E. fünf besten britischen Symphonien zu nennen, wäre eine auf jeden Fall dabei, die 3. von Richard Arnell. Geboren 1917, Schüler von John Ireland, lebte er in den Jahren des 2. Weltkriegs in New York, wo er sich mit Virgil Thomson und Mark Rothko anfreundete und zur Greenwich Village Scene gehörte. Dirigenten wie Thomas Beecham, Norman del Mar und John Barbirolli haben sich für seine Musik eingesetzt, letzterer hat diese Symphonie in gekürzter Form 1953 auf dem Cheltenham Festival dirigiert. Mit dem Aufkommen der Darmstadt Avantgarde geriet auch seine Musik zunehmend in Vergessenheit.

Das Jahr der Komposition sagt es, dies ist eine Symphonie, die stark vom zu Ende gehenden Weltkrieg geprägt ist, also dramatisch in den schnellen Sätzen und tragisch im grandiosen Andante. 60 min, 6 Sätze, wobei der 1. und der 5. als Prologe für die jeweils nachfolgenden angesehen werden können. Die Tonsprache von Arnell ist fortschrittlich tonal. Ich würde sie so auf halbem Weg zwischen Nielsen (4. + 5.) und Robert Simpson ansiedeln, mit einer kleinen Prise Mahler dabei. Sie ist aber wesentlich zugänglicher als die von Simpson. Im Hollywood der 50er Jahre wäre Arnell auch nicht arbeitslos gewesen. Die Symphonie ist voll mit melodischen Einfällen, auch einigen Fast-Zitaten, aber das ganze ist zu einem überzeugenden Ganzen zusammen gewoben. Die Orchestrierung dürfte die jeder anderen britischen Symphonie in den Schatten stellen. Wer auf Blechbläser steht, hier gibt es die volle Dröhnung. Dirigat und Sound 10/10.

Im Booklet steht, dass die etwas älteren Kollegen Edmund Rubbra, William Alwyn und Benjamin Frankel das Werk gut geheissen aber an verschiedenen Einzelheiten herumgekrittelt hätten. Da kann ich nur sagen, Jungs, lasst mal die Kirche im Dorf, ihr habt so etwas nicht hingekriegt.

Wer sich für die Symphonie des 20. Jahrhunderts in seiner ganzen Breite interessiert, kommt m.E. an diesem Werk nicht vorbei. Die anderen Symphonie (es gibt 7) sind auch hörenswert, aber diese ist das Meisterstück.

Für die Skeptiker: Hier gibt es ein halbes Dutzend Reviews

lutgra

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Sonntag, 29. September 2013, 21:20

Thomas F. Dunhill - Symphonie (1915)


Thomas F. Dunhill war Schüler von Standford und Zeitgenosse von Elgar und genauso klingt seine einzige Symphonie auch. 3 Jahre nach Elgars 2. komponiert, enthält sie diverse Referenzen an diesen Komponisten, ist aber nicht so pathetisch und imperial. Hörenswert, wenn auch sicher kein erstklassiges Werk, aber das sind die Symphonien von Standford und Elgar auch nicht.

lutgra

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25

Donnerstag, 3. Oktober 2013, 14:48

Matthew Taylor - Symphonie Nr. 1 - Sinfonia brevis



Da die Symphonik in GB keine 150 Jahre alt ist, hat sich erst spät eine Art "Tradition" herausgebildet. Aber es gibt sie inzwischen, Matthew Taylor ist ein gutes Beispiel dafür. 1964 geboren hat er seine 1. Symphonie (es gibt bisher 3) 1985 geschrieben, also mit 21 Jahren. Matthew Taylor war mit dem über 40 Jahre älteren Robert Simpson befreundet und hat auch dessen letzte Symphonie (Nr. 11) eingespielt. Und er trägt sozusagen dessen symphonische Fackel weiter, die dieser wiederum vor allen von Carl Nielsen übernommen hat. Die 17-minütige Sinfonia brevis bezieht aus beiden Oeuvres deutliche Einflüsse, auch wenn im Booklet als Bezugspunkt vom Komponisten Haydns 49. Symphonie genannt wird. Das bezieht sich aber nur auf den rein formalen Aufbau, die Tonsprache hat mit Haydn m.E. nichts zu tun. Die Musik ist etwas gefälliger als die von Simpson und dürfte Verehrern dieses Komponisten und der Vorbildern Nielsen und Sibelius ansprechen.

Die längere 3. Symphonie muss ich noch ein-zweimal hören, bevor ich darüber schreiben mag. Die 2. ist gerade erschienen.


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26

Donnerstag, 3. Oktober 2013, 15:06

Da die Symphonik in GB keine 150 Jahre alt ist, [...]

Stimmt nicht.

Auf die Schnelle habe ich mal Folgende gefunden:

Samuel Wesley (1766 – 1837): 6 Sinfonien
George Alexander Macfarren (1813 – 1887): 9 Sinfonien
William Sterndale Bennett (1816 - 1875): 2 Sinfonien

aber es gibt sicher eine größere Zahl weniger berühmter Komponisten.
:hello:

lutgra

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27

Donnerstag, 10. Oktober 2013, 13:55

O.k. Hast Recht, gibt auch noch Cipriani Potter (1792-1871) mit 9 Symphonien.

Die Rezeption englischer Symphonik beginnt bei mir allerdings erst mit Stanford und Parry.

lutgra

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Freitag, 11. Oktober 2013, 20:10

Matthew Taylor - Symphonie Nr.2



Mit dieser Symphonie wird gang klar, dass sich Matthew Taylor als DER Nachfolger der britischen Symphonik begreift. Bei dieser Symphonie haben nicht nur Robert Simpson und dessen großes Vorbild Carl Nielsen (natürlich kein Brite) Pate gestanden, sondern in mindest gleichem Maße Benjamin Britten (Peter Grimes Musiken) und Malcolm Arnold. Herausgekommen ist ein sehr eigenständiges Werk, dass sich neben den Schöpfungen der genannten Komponisten sehen besser hören lassen kann.

Die Symphonie wurde 1991 komponiert, aber vom Komponisten zweimal überarbeitet, so dass die vorliegende vermutlich finale Form von 2008 stammt. Vier Sätze. 1. Moderato e maestoso 2. Vivaciccimo 3. Lento Sereno 4. Allegro fluente. 36:46 Spieldauer Die Musik im einzelnen zu beschreiben ist wie häufig schwierig, die Referenzpunkte sind oben genannt und ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand, der die genannten Komponisten mag, diesen hier nicht mag.

Der Symphonie ist im Booklet eine Art Programm beigegeben, das man besser erst liest, wenn man die Symphonie gehört hat. Ich weiß nicht, warum Komponisten uns damit behelligen glauben zu müssen. Ich finde es meist hinderlich und spektakuläre Reinfälle wie der der Sinfonia domestica von Strauss sollten doch eine Warnung sein. Das Werk wird bis heute wegen dem idiotischen Programm verhöhnt, obwohl es m.E. eins seiner besten ist. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das Violakonzert wurde bereits an anderer Stelle besprochen. Eine passende Ergänzung.

Christian Biskup

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29

Samstag, 9. November 2013, 06:18

Hamilton Harty - Irish Symphony

Hallo Taminos,

zum Glück kommt der Komponist der nun vorgestellten Sinfonie aus Nordirland, sodass es noch als Brite in diese Kategorie gehört.
Es handelt sich bei dem Werk um die Irish Symphony des wohl mehr als Dirigent bekannten Komponisten Hamilton Harty (1879-1941).
Das viersätzige Werk von 1904 ist eine Programmsinfonie. Die Sätze tragen folgende Titel:

  1. On the Shores of Lough Neagh - allegro molto
  2. The Fair-Day - vivace ma non troppo presto
  3. In the Antrim Hills - lento ma non troppo
  4. The Twelfth Night - con molto brio
Der erste Satz beginnt mit einem eindrucksvollen Hornruf, welcher bereits die irische Herkunft des Komponisten offenbart bevor mit großem Melodiegespür die irische Landschaft gezeichnet wird. Dabei kann der Zuhörer wahrlich in herrlichen Melodien schwelgen, seien es cantabile Cello - oder Flötenlinien. Für den einen mags vielleicht schon an Kitsch grenzen, aber ich liebe von Volksmusik inspirierte Musik ( siehe Skandinavien ) sehr. Besonders wenn sie so gut verarbeitet wird, wie hier. In diesem Satz zeigt sich auch schon gut Hartys dramatisches Gespür und leitet geschickt von einer Stimmung zur nächsten.

Der zweite Satz stellt einen Jahrmarktstag dar, der mit Schlagwerk und raschen Violinfiguren "spaßig" anzuhören ist. Sehr effektvoll wird hier die Volksmelodie The Boyne Water als Hauptthema verwendet und bis zum humorvollen Schluss variert.

Der wohl schönste Satz malt die Hügel von Antrim nach. Die Volksmelodie Draherin o'machree ist das Grundmotiv diesen gewichtig langsamen Satzes, bei dem die majestätisch grünen Berge vorm Auge des Hörers entstehen. Herrliche Holzbläserpassagen, Harfenklänge und breite Streicherphrasen sorgen für wirklich stimmungsvolle Minuten. Ihr merkt, ich kann die ganze Schönheit kaum in Worte fassen.

Der letzte Satz fasst alle Themen nochmal zusammen und bringt das Werk brilliant orchestriert nach einer Wiederkehr in die Hügel von Antrim effektvoll zu einem gelungenen Ende. Wer möchte kann auch auf youtube in die Sinfonie reinhören.

Die Sinfonie ist bei unserem Werbepartner JPC erhältlich, allerdings kenne ich die Aufnahme nicht ( was sich ändern wird )


Wer sich gleich an fast alle Orchesterwerke Hartys heranwagen möchte, kann die folgende CD erwerben, die sich auch in meiner Sammlung befindet. Vom Orchester wäre hier manchmal bestimmt mehr möglich, im ganzen ist es jedoch eine sehr befriedigende Aufnahme seiner Werke. Mein persönlich liebstes Werk ist die "Ode to a Nightingale" für Sopran und Orchester, aber diese stelle ich vielleicht nochmal an anderer Stelle vor.


Beste Grüße
Christian

lutgra

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30

Donnerstag, 2. Januar 2014, 19:29

Robin Hollway - 3. Concert for Orchestra

Robin Holloway ist Jahrgang 1943. Er hat zwar auch eine Symphonie (2000 BBC Proms) geschrieben, die ist aber m.W. noch nicht aufgenommen worden. Dafür gibt es 5 Konzerte für Orchester, die lassen wir mal als Quasi-Symphonien durchgehen. Zumal das 3. auch noch aus vier Sätzen besteht. Die Komposition hat eine lange Genese. Sie begann mit vielen Skizzen während einer Südamerikareise, die Skizzen sind aber durch einen Diebstahl unwiederbringlich verloren gegangen und so entstand die Komposition wesentlich später als Erinnerung an diese Skizzen.



Die vier Sätze sind Klangbilder 1) des großen brasilianischen Sumpfes 2) des Silberbergs bei Potosi 3) des Titicacasees und 4) von Feiern zu Land und zu See.

Wer jetzt hier musikalische Postkarten erwartet, wird enttäuscht. Zu keinem Zeitpunkt klingt hier irgendetwas südamerikanisch, sondern die Eindrücke sind durch einen europäischen Geist zigfach gefiltert und in eine zeitgenössische Tonsprache überführt. Die Musik ist irgendwie weitgehend tonal, aber kaum klar strukturiert und es gibt auch keine melodischen Linien zu verfolgen, das ganze ist eher eine Klangfarbenkomposition, nicht unähnlich von Dingen, die auch Magnus Lindberg und Esa Pekka-Salonen tun. Wer so etwas mag (ich!), dem wird die Komposition vermutlich gefallen (s.a. Rezension beim Werbepartner). Dass sie bei Michael Tilson Thomas und dem London SO in guten Händen ist, war zu erwarten.