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operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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1

Dienstag, 11. Juni 2013, 20:00

Sehnsucht nach der Tradition

Morgen findet in Berlin im Beisein von Bundespräsident Joachim Gauck die Grundsteinlegung für das neue "alte Schloss" statt. Mit diesem Neubau erhält Berlin seine verlorengegangene Mitte und ein Stück seiner geschichtlichen Identität zurück - Und Berlin ist nur die Fortsetzung dieser Rückbesinnung auf traditionelle Werte, die geradezu einer Flucht in die Vergangenheit gleich kommt. Dresden hat seine Frauenkirche wieder. Wismar seine Georgenkriche, Frankfurt baut seine Altstadt neu auf, Braunschweig, Potsdam und jetzt Berlin erhalten ihre Schlösser zurück - die Sehnsucht nach den alten Werten ist allerorts ausgebrochen und zwar so stark, dass alle finanziellen Hürden überwunden werden. In diesen schwierigen Entscheidungen für die verlorengegangene Pracht äußert sich auch tiefes Misstrauen gegen die moderne Architektur. Die gesichtslosen und austauschbaren Glas-Beton-Würfel, die in unseren Städten entstanden sind, können nicht die Atmosphäre stiften, nach der sich auch oder gerade moderne Menschen sehnen. Barocke Bauten hingegen, mit ihren Säulen, Erkern und Prachtfassaden vermitteln ein Gefühl von Wärme, Geborgenheit, Frieden - eine beseelte Tradition, die in unserer schwieirigen, technokratischen, hektischen, seelenlosen Zeit zur Fluchtburg, zum Rettungsanker werden kann.
Diese Entwicklung hat frappierende Parallelen zu dem, was uns hier im Tamino-Klassik-Forum bewegt und eint. Suchen wir in der Oper nicht ebenfalls sehnsüchtig die verlorengegangene Tradition? Drehen sich unsere Diskussionen - egal von welchem Standpunkt aus sie geführt werden - nicht um die Frage, wie kann Oper die Erwartungen, Wünsche Sehnsüchte, Träume des modernen Menschen in unserer Zeit erfüllen. Ist wie in der modernen Architektur die Oper gesichts- und seelenlos geworden, durch immer neue Versuche ,sie zu modernisieren und zwanghaft dem Stil der Zeit anzupassen.
Brauchen wir auch im Musiktheater die Rückbesinnung auf die bewährten Werte? Die Sehnsucht nach der Tradition auf vielen Gebieten signalisiert diesen Trend. Die Zeit und die Entwicklung arbeitet also an der allenthalben erkennbaren Erneuerung der Oper. Wir als Tamino-Klassik-Forum sollten aktive Entwicklungshelfer sein. Ich glaube, wir sind in dieser Richtung auf einem guten Weg - gehen wir ihn gemeinsam konsequent weiter.

Herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

Milletre

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2

Dienstag, 11. Juni 2013, 20:33

Dem kann ich nur mit vollem Herzen und glühender Seele zustimmen.
Danke, lieber Hans, für diese großartigen Worte!
Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

Rheingold1876

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3

Dienstag, 11. Juni 2013, 20:53

Der Wiederaufbau zerstörter Architektur ist nach meiner Überzeugung weniger Ausdruck der Sehnsucht nach Vergangenheit als vielmehr das Eingeständnis eines Scheitern. Es hat ja gerade in Berlin, das hier den Ausgangspunkt bildet, viele Versuche gegeben, Altes durch Neues zu ersetzen. Auch der Palast der Republik, der einst große Teile des Schlossplatzes einnahm, war so ein Versuch, der aber ins Leere ging, weil er schon im Ansatz leer und hohl - und ideologisch war. Allenfalls gut gemeint, was für Architektur dieses Ausmaßes nicht genügt. Das alte Hohenzollernschloss war nicht so sehr dem Aussehen nach genial sondern hinsichtlich seiner Anlage. Schräg hingewuchtet, gigantisch in den Ausmaßen und doch mit menschlichen Dimensionen hat dieser Bau das Zentrum der Stadt zusammengehalten. Und Ehrfurcht verbreitet. Alles war auf ihn gerichtet. Die flankierenden Gebäude schienen nur einen Sinn gehabt zu haben, nämlich die Beziehung zum Schloss. Das war nicht nur von oben nachzuvollziehen wie historische Luftaufnahmen verdeutlichen, das müssen auch die Menschen am Boden so erfahren haben. Dieser große Gedanke, der natürlich auch politisch determiniert war, kann durch einen beliebigen Neubau nicht ersetzt werden. Alle Modell des Architektenwettbewerbs waren eitel, fanden keine Verbindung zur Umgebung, wirkten kalt und sinnlos. Hinzu kommt wohl auch, dass die Erfahrungen mit spektakulären Neubauten in anderen Ländern auch gemischt sind. Man denke nur ans Centre Pompidou in Paris, das vor sich hin rostet und seine spektakulären Rang längst verloren hat. Mit Wiederaufbau ist man auf der sicheren Seite. Für mich ist der Wiederaufbau des Berliner Schlosses vor allem eine pragmatische Entscheidung, die ich persönlich unterstütze und mit einer Spende bedacht habe, weil ich überzeugt bin, dass eine moderne Lösung nicht gelingen kann.

Einen Zusammenhang zur Oper herzustellen, wie das Freund operus sehr klug versucht, halte ich für schwierig, wenn nicht gewagt. Der gravierende Unterschied bei diesem Gedankenspiel ist der: die Opern waren immer da, ewig und unzerstörbar, die Architektur war zertrümmert. Der Stein ist also das empfindliche Element, nicht die Note, nicht das Wort. In der Oper sehne ich mich nicht nach irgendetwas zurück. Allenfalls ärgere ich mich, dass oft so belanglos gesungen wird und dass die Regisseure keine Ahnung haben. Ich gehe in die Oper, weil ich Oper liebe.

Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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4

Mittwoch, 12. Juni 2013, 21:37

Lleber Rheingold1876,

danke für Deine qualfizierte Stellungnahme zu meinem Beitrag "Sehnsucht nach der Tradition". Kein langer Kommetar zu Deinen wie immer klugen Gedanken. Nur so viel, ich befürchte, die Oper ist beschädigt worden und es spricht für die Genialität dieser Kunstform, wenn sie die Eingriffe, die Verdrehungen, die Provokationen, die Verhöhnungen, die Verunstaltungen - ja gezielten "Mordabsichten" überstanden hat und weiterlebt. Im Sinne des berühmten Wortes von Gutav Mahler: "Tradition ist nicht Anbetung der Asche, sondern Bewahrung des Feuers". solllte uns deshalb die Traditon wie in der Architektur die Chance bieten, auf und mit Bewährtem Neues zu schaffen. Ein naiver Vergleich: "Die herrliche Fassade sollte als unvergängliches Kulurgut erhalten bleiben, dahinter kann und muss der Neubau entstehen". Meines Erachtens ist das "Provokationstheater" überstrapaziert und liegt bereits in Agonie. Die kluge Einbeziehung der Tradition in alle Bestrebungen zur notwendigen Erneuerung des Opernschaffens schafft die Möglichkeit, das Gesamtkunstwerk mit dem Brückenschlag von Bewährtem zu Neuem zu schlagen.

Noch eine ganz andere Frage: Vermute ich richtig, das sich Dein Pseudonym aus Wagners Rheingold und dem Erstaufführungsdatum am 13. August 1876 herleitet?

Herzlichst
Operus
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9079wolfgang

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5

Mittwoch, 12. Juni 2013, 22:10

Zitat Operus:

Zitat

Noch eine ganz andere Frage: Vermute ich richtig, das sich Dein Pseudonym aus Wagners Rheingold und dem Erstaufführungsdatum am 13. August 1876 herleitet?

Mein lieber Hans!

Du bringst mit deinem Scharfsinn unseren Rüdiger in Verlegenheit. :jubel:
W.S.

Strano Sognator

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6

Mittwoch, 12. Juni 2013, 22:49

Für mich ist der Wiederaufbau des Berliner Schlosses vor allem eine pragmatische Entscheidung, die ich persönlich unterstütze und mit einer Spende bedacht habe, weil ich überzeugt bin, dass eine moderne Lösung nicht gelingen kann.
Stimmt, wobei ich meine, dass der Wiederaufbau der herrlichen Garnisonkirche in Potsdam auch gut wäre, denn damit könnte der dringend benötigte Kontrast zur schreiend hässlichen, sozialistischen Einheitsarchitektur, die leider viel vom Stadtbild prägt, geschaffen werden.


Einen Zusammenhang zur Oper herzustellen, wie das Freund operus sehr klug versucht, halte ich für schwierig, wenn nicht gewagt. Der gravierende Unterschied bei diesem Gedankenspiel ist der: die Opern waren immer da, ewig und unzerstörbar, die Architektur war zertrümmert. Der Stein ist also das empfindliche Element, nicht die Note, nicht das Wort. In der Oper sehne ich mich nicht nach irgendetwas zurück
Operus' Vergleich ist nicht von der Hand zu weisen. Ja, natürlich waren Opern immer da, und in ihrer Substanz bleiben sie unzerstörbar, was konzertante Aufführungen beweisen. Wenn aber die so wichtige szenische Komponente und die Dramaturgie immer wieder bewusst enstellt bzw. negiert werden, wird die Oper zumindest arg verstümmelt. Keine Frage, weiterleben wird sie, aber eher als Invalidin, nicht als glanzvolle Heldin, die sie einst war.
"Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

9079wolfgang

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7

Mittwoch, 12. Juni 2013, 23:45

Hallo!

Hier bin ich ausnahmsweise mal nicht eurer Meinung. Hier bei uns im Rheintal (Weltkulturerbe) gibt es viele sehenswerte und restaurierungswürdige Schloß- und Burgruinen, die mit weniger Geld wieder hergestellt werden könnten. Hier wird nichts getan. Dafür wird für eine Menge Geld für etwas ausgegeben, das nicht mehr vorhanden ist, und erst wieder neu errichtet werden muß. Für mich unverständlich! Ein unwiederbringliches, selbsttragendes Gewölbe der Burg Ehrenfels bei Assmannshausen stürzt ein, niemanden kümmert das. Eine der größten Festungen Deutschlands, Burg Rheinstein, ist Ruine und wartet auf Restaurierung. Und erst das Heidelberger Schloß! Dafür ist kein Geld da! Es gäbe noch eine ganze Reihe anderer Verwendungsmöglichkeiten wie Schul-Renovierungen und Kindergärten. Aber nein, dafür fehlt das Geld! :love:
W.S.

Rheingold1876

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8

Donnerstag, 13. Juni 2013, 07:29

Frage von operus: "Vermute ich richtig, das sich Dein Pseudonym aus Wagners Rheingold und dem Erstaufführungsdatum am 13. August 1876 herleitet?"

Es ist so, lieber operus. Große Bedeutung und Symbolkraft würde ich dem aber nicht beimessen, es war so ein plötzlicher Einfall. Allerdings habe ich seit frühester Jugend eine tiefe Neigung zum Vorabend des "Ring des Nibelungen", die nie erschüttert wurde. Die erste Begegnung war der berühmte Querschnitt unter Rudolf Kempe, den ich heute noch gern höre.

Lieber Wolfgang, Du siehst, ich bin gar nicht verlegen. ;)


Herzlich grüßt euch beide Rheingold (Rüdiger)
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Rheingold1876

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9

Donnerstag, 13. Juni 2013, 09:39

Hier bin ich ausnahmsweise mal nicht eurer Meinung. Hier bei uns im Rheintal (Weltkulturerbe) gibt es viele sehenswerte und restaurierungswürdige Schloß- und Burgruinen, die mit weniger Geld wieder hergestellt werden könnten. Hier wird nichts getan. Dafür wird für eine Menge Geld für etwas ausgegeben, das nicht mehr vorhanden ist, und erst wieder neu errichtet werden muß. Für mich unverständlich! Ein unwiederbringliches, selbsttragendes Gewölbe der Burg Ehrenfels bei Assmannshausen stürzt ein, niemanden kümmert das. Eine der größten Festungen Deutschlands, Burg Rheinstein, ist Ruine und wartet auf Restaurierung. Und erst das Heidelberger Schloß! Dafür ist kein Geld da! Es gäbe noch eine ganze Reihe anderer Verwendungsmöglichkeiten wie Schul-Renovierungen und Kindergärten. Aber nein, dafür fehlt das Geld!

Lieber Wolfgang, Ruinen sind doch auch sehr schön. Sie sind besungen worden und gemalt. Denk an die vielen Gedichte und Balladen und Sagen, denk an die Gemälde. Das Heidelberger Schloss ist für mich wieder aufgebaut gar nicht vorstellbar. Es wurde doch schon Ende des 17. Jahrhunderts zur Ruine. Und Heidelberg lebt sehr gut damit.

LG Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

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operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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10

Donnerstag, 13. Juni 2013, 09:40

Liebe Strano,

volle Zustimmung - Oper muss strahlen. Nimmt man dieser Kunstform den Glanz, raubt man ihr die Seele. In der Tat kann Oper - die als Gesamtkunstwerk und Gesamterlebnis konzipiert ist - dann nur noch als amputierter Invalide dahin vegetieren. Deshalb solten wir uns konsequent weiter dafür einsetzen, dass Öde, Leere, Stumpfsinn, Gedankenlosigkeit, Verunstaltungen, Provokationen, Sexismus und Gewaltverherrlichungen durch lebendiges, schlüssiges, mitreissendes, emotional berührendes Musiktheater möglichst rasch entprechend den Wünschen einer überwältigenden Mehrheit der Musikfreunde von den Bühnen verschwinden.

Herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

9079wolfgang

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11

Donnerstag, 13. Juni 2013, 10:11

Zitat von »Rheingold1876«

Lieber Wolfgang, Ruinen sind doch auch sehr schön. Sie sind besungen worden und gemalt. Denk an die vielen Gedichte und Balladen und Sagen, denk an die Gemälde. Das Heidelberger Schloss ist für mich wieder aufgebaut gar nicht vorstellbar. Es wurde doch schon Ende des 17. Jahrhunderts zur Ruine. Und Heidelberg lebt sehr gut damit.
Ja, Rüdiger!

Aber Ruinen existieren und warten auf Restauration, wie das meine älteste Tochter und ihr Mann mit der Familie von Baumbach mit der Tannenburg getan haben. Aber das Stadtschloß existiert nicht mehr und wird neu aufgebaut! Das ist der Unterschied!

Gruß Wolfgang
W.S.

Harald Kral

Erleuchteter

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12

Donnerstag, 13. Juni 2013, 12:43

Was dieses lächerliche Berliner Stadtschloß betrifft, gebe ich Wolfgang recht.
Ich gehe mal davon aus, dass wir über 60-jährigen das Bauwerk nie vollendet erleben werden - es wird Milliarden verschlingen wie der Berliner Flughafen, der Stuttgarter Bahnhof, die Elbphilharmonie, die Drohnen .... usw.
Irgendwie müssen unsere Steuergelder ja verpulvert werden!

LG
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)

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13

Donnerstag, 13. Juni 2013, 13:45

Dass das Centre Pompidou vor sich hin rostet und keinen Reiz mehr besäße, finde ich nicht, das ist schon ein sehr markanter und faszinierender Bau. Dennoch freue ich mich über alle Wiederaufbauten.

Strano Sognator

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14

Donnerstag, 13. Juni 2013, 16:37

Deshalb solten wir uns konsequent weiter dafür einsetzen, dass Öde, Leere, Stumpfsinn, Gedankenlosigkeit, Verunstaltungen, Provokationen, Sexismus und Gewaltverherrlichungen durch lebendiges, schlüssiges, mitreissendes, emotional berührendes Musiktheater möglichst rasch entprechend den Wünschen einer überwältigenden Mehrheit der Musikfreunde von den Bühnen verschwinden.
Ja, allerdings sollten wir das. :hello: Franco Corelli hat mal über die Oper gesagt: "L’opera lirica mai morirà. È troppo bella.” Ich denke, dazu muss man nichts mehr sagen, und eine Übersetzung kann ich mir auch sparen. :)

@ Wolfgang: Du hast recht! Ich bemerke da auch eine sehr ungleiche Verteilung von Geldern, bei der ich mich frage, wie das sein kann und wer solche Entscheidungen trifft. Als Ostdeutsche bin ich natürlich glücklich über jede positive Veränderung, die ich in meiner alten Heimat wahrnehme, über jedes restaurierte Gründerzeithaus, jede Kirche, die aufgebaut wird etc, das Steuergeldgrab Berliner Flughafen einmal ausgenommen. Aber ich sehe auch, dass im Westen dafür vieles brachliegt, an Straßen nur Flickwerk betrieben wird, notwendige Sanierungen nicht ausgeführt werden, und ich verstehe sehr gut, wenn dabei Unmut aufkommt.
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9079wolfgang

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15

Donnerstag, 13. Juni 2013, 16:49

Zitat Strano Sognator:

Zitat

Aber ich sehe auch, dass im Westen dafür vieles brachliegt, an Straßen nur Flickwerk betrieben wird, notwendige Sanierungen nicht ausgeführt werden, und ich verstehe sehr gut, wenn dabei Unmut aufkommt.

Hallo, Strana!

Du hast genau den Punkt getroffen, worauf ich hinaus wollte. Ich habe Leute von der Burgen-Vereinigung gekannt, die um jeden Euro betteln mußten. Auch auf anderen Gebieten, die du aufgeführt hast, liegt hier Vieles im Argen. Aber Berlin braucht ja noch ein Prestige-Projekt, koste es was es wolle!
W.S.

chrissy

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16

Donnerstag, 13. Juni 2013, 18:53

Was dieses lächerliche Berliner Stadtschloß betrifft...
Irgendwie müssen unsere Steuergelder ja verpulvert werden!
Lieber Harald
Wie recht Du hast. Gerade lese ich in der heutigen Presse, Zitat:

Gestern legte der Bundespräsident den Grundstein für den Wiederaufbau. 590 Mill. € !

Wir können doch jetzt schon ganz sicher sein, daß diese geplante und veranschlagte Summe erfahrungsgemäß niemals reichen wird. Über Sinn und Unsinn über dieses Vorhaben ist ja hier schon geschrieben worden.
Du siehst und sagst es völlig richtig, Zitat...

"es wird Milliarden verschlingen wie der Berliner Flughafen, der Stuttgarter Bahnhof, die Elbphilharmonie, die Drohnen .... usw".

Herzliche Grüße
CHRISSY
Jegliches hat seine Zeit...

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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17

Donnerstag, 13. Juni 2013, 20:31

Liebe Freunde,

Beim Start dieses Threads ging es mir weniger um die Frage, ob der Berliner Schlossbau gerechtfertigt ist oder nicht. Am Beispiel Berlin und der anderen genannten Städte - wie Dresden, Wismar, Frankfurt, Brauschschweig, Potsdam usw. - wollte ich mit Euch diskutieren und herausarbeiten, wie stark der Trend der Rückbesinnung auf traditionelle Werte ist und ob diese Entwicklung, die sich u. a. im Wiederaufbau historischer Architektur maifestiert, auch die Oper erfasst und die Krise, den Niedergang und das Ende des "tot inszenierten" Provokationstheaters beschleunigt. Hilft die Sehnsucht nach der Tradition mit, eine Ära einzuleuten, wo der Brückenschlag von Bewährtem zu Neuem angestrebt wird und gelingt?

Herzlichst
Operus
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hasiewicz

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18

Samstag, 15. Juni 2013, 17:53

Ein aus meiner Sicht unterstützenswertes Projekt ist der Plan für ein Deutsches Romantikmuseums in Frankfurt am Main.

FAZ-Artikel über das Romantik-Museum

Hier kann man spenden, und hier eine Petition zeichnen.

Was den generellen Stellenwert der Romantik betrifft, hat es der Autor Michael Ende sehr schön gesagt:

Zitat

»Ich bin der Meinung, dass die Romantik die bisher einzig original deutsche Kulturleistung war. Alles andere haben wir in Deutschland mehr oder weniger aus dem Ausland übernommen. In der Romantik ist zum ersten Mal etwas gelungen, das auch das Ausland interessiert hat. Deswegen habe ich versucht, dort anzuknüpfen, weil ich mich durchaus als deutscher Autor verstehe und weil ich der Überzeugung bin, dass diese Stimme, die eben typisch deutsch ist, nicht im Konzert der Nationen untergehen sollte.«

Christian