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Yorick

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1

Dienstag, 8. Januar 2013, 18:49

Persönliche Schicksalsaufnahmen oder Wie man wurde, was man ist: ein fanatischer Klassikliebhaber!

Ich hatte in meiner Vorstellung hier im Forum Mitglieder stellen sich vor ja recht ausführlich meinen Weg zur Klassik beschrieben und nachdem ich heute auf dem Dachboden meine kleine Plattensammlung aus den 80ern gefunden habe, muss ich zum einen einiges relativieren, was ich schrieb (das dann in einem eigenen Thread zu Plattenaufnahmen der letzten Jahrzehnte); zum anderen aber drängt es mich, hier kurz auf die Aufnahmen zu verweisen, auf die ich in dem einführenden Text Bezug genommen habe und die mich zum Klassikliebhaber machten; Aufnahmen also, die Epoche gemacht haben bei mir. Und ich bin gespannt auf eure epochalen Initiationsaufnahmen; es ist allerdings gar nicht so leicht, diese zu finden, vor allem mit Bild.


1. Phase: Alles begann wie beschrieben mit der elterlichen, wild zusammengelaufenen Platten- und MC-Sammlung; die mehr Qualiität hatte, als ich dachte (viel Richter und Rubinstein u.v.a.m.):

Richter unter Mrawinski mit der Leningrader Philharmonie (nicht mit Karajan in Wien)



Mozart - Ein kleine Nachtmusik/ Serenata notturna/ Sinfonie A-dur, Erscheinungsjahr wohl 1972, Staatskapelle Dresden - Dirigent: Otmar Suitner




Antonio Vivaldi: "Die vier Jahreszeioten", MC, Felix Ayo (Violine), Kammerorchester Berlin - Vittorio Negri





2. Phase: Dann zu Beginn der Studentenzeit mit den beiden Violinkonzerten von Tschaikowski und Beethoven, beide Aufnahmen sind nicht mehr erreichbar, jedenfalls nicht mit meinem Cover








3. Phase: Dann der letzte Schock mit nur einer einzigen CD, der 81er Einspielung der Bachschen Goldbergvariationen mit Glenn Gould




Natürlich könnte ich noch viele andere nennen, etwa den Parsifal-Querschnitt oder den Beethovenzyklus unter Herbert Kegel, aber diese hier waren wirklich ausschlaggebend und prägend und vermögen meine Erklärungen im Vorstellungsthread anschaulich zu illustrieren. Auch die Live-Erlebnisse wie die Matthäuspassion in der Jenaer Stadtkirche habe ich hier ausgeklammert, obwohl die natürlich zum Kontext gehören; aber hier soll es vor allem um Aufnahmen gehen.

P.S. Ich hoffe, der Thread ist am richtigen Platz und existiert in dieser Art noch nicht! Ansonsten bitte verschieben oder löschen.

Yorick

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2

Mittwoch, 9. Januar 2013, 21:10

Ihr wollt mir also allen Ernstes erzählen, es gäbe keine persönlichen Schicksalsaufnahmen in eurem Leben, die euch auf den rechten Klassikweg geführt oder euren Klassikgeschmack geprägt haben? :) Oder seid ihr alle so in Jahren, dass ihr euch nicht erinnern könnt oder man keine Bilder mehr dazu findet? 8-) Da ist mit einem Handy oder einer Digicam schnell ein Foto geschossen und im Internet hochgeladen. Interessant fände ich auch, in welchem Verhältnis diese Aufnahmen zu den sich entwickelnden Interessen und Vorlieben stehen: Mit Ausnahme von Glenn Gould habe ich etwa eine ganz andere Richtung eingeschlagen. Oder schriebet ihr solches schon in einem anderen Thread? Fragen über Fragen ... :D

rodolfo39

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3

Mittwoch, 9. Januar 2013, 21:22

Ich glaube ich war 6 Jahre alt und meine Eltern waren im Bertelsmann Club. Da durfte ich mir dann immer was aussuchen. Und dann nahm ich eine Klassik LP aus dem Regal heraus: Beethovens 5. unter Bernstein . Von da ab hab ich mich für klassische Musik interessiert. Und dann haben mich meine Eltern in die Oper mitgenommen und meine erste Oper die ich in Duisburg gesehen habe war La Boheme.

Yorick

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4

Mittwoch, 9. Januar 2013, 21:36

Beethovens 5. unter Bernstein . Von da ab hab ich mich für klassische Musik interessiert. Und dann haben mich meine Eltern in die Oper mitgenommen und meine erste Oper die ich in Duisburg gesehen habe
Mit den New Yorkern 1961 oder den Wienern 1980? Ich weiß gar nicht, wie oft Bernstein die Beethovensinfonien eingespielt hat.

rodolfo39

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5

Mittwoch, 9. Januar 2013, 21:43

Hallo Yorick,
es war die Aufnahme von 1961. Ich kann mich noch ganz genau dran erinnern wie die Verkäuferin meine Eltern gefragt hat ob das denn das richtige für mich wäre. Aber ich bin standhaft geblieben.

Yorick

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6

Mittwoch, 9. Januar 2013, 21:45

Dann sah das Bild deiner Erweckung so aus? :)


rodolfo39

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7

Mittwoch, 9. Januar 2013, 21:54

Ich kann mich nur noch erinenrn das die LP von der Deutschen Grammophon war. da der Bertlsmann Club nur LPs von dem Lable hatte.

Alfred_Schmidt

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8

Mittwoch, 9. Januar 2013, 22:22

Nein - von "Schicksal " würde ich nicht sprechen wollen. Aber es gab "Eindrücke" die vermutlich prägend waren.
Sie kamen von der Schallplatte her - nicht vom Konzert - und es war immer "schöne" Musik, die mich begeisterte, also zumeist "Wiener Klassik" mein Großmutter sang gelegentlich vor sich hin. Ich erinnere mich an "Das Wandern" - aber es war nicht von Schubert sondern von Wenzel Müller(?), das war der Schubertschen Komposition ziemlich ähnlich, verzichtete aber auf die Moll-Eintrübungen, dann war da noch so etwas, mit dem Text "..wie glücklich da der Reiter war" Erst Jahre später war mir klar, daß es der Teil eine Loewe Ballade gewesen war, die ich da gehört hatte. Mit elf sah ich den nun wirklich nicht als Kunstwerk einzustufenden Film "Fra Diavolo" (In Wien lief er mit dem Titel "Hände hoch oder nicht" -warum auch immer) Ich ärgerte mich über die beiden Komiker Stan und Ollie, welche den eleganten hübschen Räuber Fa Diavolo durch ihre Dummheit immer in Gefahr brachten. Ich entdeckte damals meine Vorliebe für Schönheit gepaart mit böser Seele - für das Rokkoko und noch einiges mehr.

Hier die große Arie des "Marquis von san Marco" -alias Fra Diavolo (dargestellt von Dennis King)
An diesem Film passte eigentlich gar nichts - Weder die englische Sprache (das Original ist in französisch - noch die Zeit - nocgh die simplifizierte Handlung). Einige Jahre später klapperte ich alle Schallplattenläden Wiens ab und die Oper auf Platte zu bekommen - aber ich fand sie damals nirgends. Erst Ende der sechziger Jahre war dann eine Aufnahme erhältlich in Italienischer Sprache. Aber der Zauber war wie weggeblasen - er kehrte erst Jahre später wieder...
Dennoch - auch dieses wirklich banale Erlebnis war ein Schritt zur klassischen Musik.
Am 1. September 1964 begann mein Lehrvertrag bei Donauland zu laufen, welches damals noch in rein österreichischer Hand war (Kremayr und Scheriau, waren die Besitzer, welche auch einen Verlag gleichen Namens betrieben. Bei Donauland Neubaugasse fing ich an. Es war damals die modernste Filiale und sie besass eine eigene Schallplttenabteilung im Keller vollklimatisiert aber ohne Tageslicht. Vier Abhörkabinen und ebensoviel Stehpulte zum Abhören waren hier vorhanden. Da kaum jemand da unten arbeiten wollte - die meisten Kollegen bevorzugten den im Erdgeschoss gelegenen Buchshop - durfte ich relativ oft in meiner Lieblingsabteilung sein, wo ich selbst (auch als Lehrling) das Programm machen durfte. Es gab vorzugweise Mainstream im Programm (und natürlich Schlager und Volksmusik) aber das reichte völlig und die wichtigsten Werek der Klassik kennenzulernen. Bald war ich die unangefochtene Kapazität in Sachen Schallplattenreklamation, fällte meine Urteile über Fabrikationsfehler oder Kundenverschulden, konnte Nadeln bei den Plattenspielern tauschen - und war ziemlich unbarmherzig gegenüber jenen die mich täuschen wollten. Ich wurde gerne von solchen Kunden heimgesucht, weil mein (damaliges!!) Engelsgesicht ihnen vorgaukelte, ich wäre leicht zu beeinflussen und weichherzig. Welche Fehleinschätzung !!!
So war ich bald als Schallplatten - und Klassikkapazität berühmt.
Da es huier ja doch ziemlich persönlich zugeht - eine kleine Anektote die den geschätztwen Taminos mehr über mich verrät.
In einer anderen Filiale (Donauland versetzte die Lehrlinge etwa alle 6 Monate) benutzte der Filialleiter meine Liebe zur Musik daz, eine "Strafe" über mich zu verhängen. "Hier ist eine unsichtbare Grenze - Da ist die Schallplattenabteilung - Bis auf weiteres ist es Dir verboten diese Grenz zu überschreiten" Das war bitte - aber ich rächte mich. Eines Tages - es war Mittagspause - kam ein Kunde, der die Nadel eine Plattenspielers getauscht brauchte - Die Kollegin aus der Schallpattenabteilung war auf Mittagspause - ausser Haus. "Das ist eine Sache des Filialleiters - ich darf das nicht machen - ich hol ihn für Sie" Ich rief ihn und er kam mit zitterneden Knien. Er durfte sich keine Blösse geben - sondern musste da durch - bitter - da er es nicht konnte. Er ruinierte zwei Ersatznadeln - und ich sah mit unbewegtem Engelsgesicht - einen leicht staunenden Ausdruck vortäuschend zu - wie er sich blamierte.Ich lächelte nicht, machte keine spitze Bemerkung. Er hatte verloren. Ab sofort war meine "Strafe" beendet und ich durfte wieder Klassik hören -soviel ich wollte.....
Bald hatte ich meinen eigenen Plattenspieler - ich erinnere mich an meine ersten beiden Platten - es waren Opernchöre - und ein Opernquerschnitt (Gesamtaufnahmen kostete fast ein Monatsgehalt eines Lehrlings) meiner Lieblingsoper, "Der Barbier von Sevilla" - Italienische Opern wurden damals noch vorwiegend deutsch gesungen - wenn auch nicht ausschliesslich.....
Ich höre heute italienische Opern stets in der Originalsprache, finde aber, daß es kein Fehler ist, wenn Einsteiger die Oper auf deucht kennenlernen - anstatt sich vorher über den Inhalt informieren zu müssen - was viele Überraschungseffekte in der Handlung zerstört.

Das wärs mal fürs erste
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

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9

Mittwoch, 9. Januar 2013, 22:38

"Schicksalsaufnahmen" kann ich nicht unbedingt nennen. Es müsste schon irgendwo threads zu den ersten drei LPs/CDs o.ä. geben.
Genau kann ich das nicht mehr rekonstruieren, aber zu den ersten klassischen Musikstücken, die mich mit ca. 14-15 begeisterten, gehörten das 1. Tschaikowsky-Konzert in der Aufnahme mit Sokolov/Järvi, Dvoraks Sinfonie aus der neuen Welt (weiß die Interpreten nicht mehr), Tschaikowskys Ouverture 1812 (in einer Sowjetversion mit der geänderten Hymne), sowie Capriccio Italienne und Slawischer Marsch, dann auch die 5. und 6. Sinfonie.



Und natürlich Moldau, Peer Gynt Suite usw. Ich hatte als Kind zwar schon einige Klassikstücke gehört (Peter und der Wolf, Nussknackersuite, große Opernchöre usw.), aber nie viel Musik gehört oder mich besonders dafür interessiert. Mein Vater hatte immer ein gewisses Interesse für Klassik, allerdings hauptsächlich leichte Muse, d.h. die bekanntesten Opern und Operetten, sowie "Wunschkonzert"-Repertoire, gehabt und es befanden sich einige derartige Platten im Haushalt. Die eingangs genannten Kassetten und Platten wurden dann etwas später angeschafft, u.a., weil mein Vater bizarrerweise als Nichtmusiker einige Stunden Musikunterricht erteilen musste, der dann entsprechend mit Komponistenanekdoten und -biographien, sowie eingängiger, anschaulicher programmhaltiger Musik bestritten wurde. Jedenfalls lernte ich auch einige Haydn-Sinfonien (Paukenschlag) kennen und von Beethoven 3,6,9. Einzelne Schicksals-Aufnahmen kann ich nicht nennen. Ich weiß allerdings noch, dass mich Beethovens 5. Klavierkonzert auf Anhieb extrem fasziniert hat (eine billige Platte mit, glaube ich, der ganz alten Vox-Einspielung Brendels). Obsessiv wochenlang gehört habe ich Kleibers Einspielung von Beethovens 5. (es war Zufall, dass ich gerade diese Aufnahme, vermutlich zum 16. Geburtstag geschenkt bekam). CD-Player waren damals nicht mehr so teuer, daher schafften es mein Bruder und ich mit einiger Überzeugungsarbeit, dass zu Weihnachten 1988 ein gemeinsamer für die Familie angeschafft wurde... meine ersten drei selbstgekauften CDs (noch kurz bevor der Player da war), waren Beethovens Klavierkonzerte 3+4 (Ashkenazy/Solti (Decca), Klavierkonzert 5 + op.111 sowie die "Sturm" und die "Hammerklavier-Sonate" (Kempff (DG)). Zu Weihnachten bekam ich Kegels Beethovensinfonien (der einzige preiswerte auf CD) und Bernsteins DG-Aufnahme der Missa solemnis (von jemandem, der nicht auf den Preis schaute)

Yorick

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10

Mittwoch, 9. Januar 2013, 22:48

Zu Weihnachten bekam ich Kegels Beethovensinfonien (der einzige preiswerte auf CD)
Ich wusste gar nicht, dass es die auch auf CD gab!

Ansonsten sehr spannend, deine Ausführungen; wie auch die von Alfred. Besonderen Dank auch für die Bilder, das macht die Angelegenheit erst so richtig anschaulich. Und ich denke schon, dass man auch bei dir von Schicksal sprechen kann ...

John Doe

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11

Mittwoch, 9. Januar 2013, 23:04

Hallo miteinander,

mein erster Kontakt mit Klassik in ansonsten klassikfreier Umgebung war die Eurovisionsfanfare, die hab' ich immer heimlich bis diskret mitdirigiert. Dann hab ich mir im zarten Teeniealter für teueres Geld, sehr teueres Geld Beethovens 9. und 5. aus der ersten GA von Karajan zugelegt. Ja und eine Strawinsky-Aufnahme von der Sacre ist auch noch da gewesen, Deutsche Grammophon - aber wer's eingespielt hat: keine Ahnung.

Ja und dann hat das Schicksal zugeschlagen und zwar durch diesen Film:



Ein (Alp-)Traum aus Sex, Gewalt und Beethoven - Alex, ich danke dir heut' noch dafür! :angel:

Gepriesen sei die aufgezogenen Orange, möge ihr Uhrwerk in alle Ewigkeit nie aufhören zu schlagen.

John Doe

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12

Mittwoch, 9. Januar 2013, 23:07

Zu Weihnachten bekam ich Kegels Beethovensinfonien (der einzige preiswerte auf CD)
Ich wusste gar nicht, dass es die auch auf CD gab!

Die wurde damals von Capriccio/Delta Music als erst volldigitale Aufnahme angepriesen und war etwas später eine der preiswertesten Aufnahmen. Meine Ausgaben hatten dieses Design:


Zitat


Ansonsten sehr spannend, deine Ausführungen; wie auch die von Alfred. Besonderen Dank auch für die Bilder, das macht die Angelegenheit erst so richtig anschaulich. Und ich denke schon, dass man auch bei dir von Schicksal sprechen kann ...

Die Cover habe ich allerdings nicht nach Schicksalhaftigkeit ausgewählt, sondern die genommen, die ich schnell gefunden habe. Aus der blauen Reihe hatten wir 4 oder 5 Scheiben und von der "Family library" (ich frage mich, wo mein Vater die aufgetan hatte, mit englischen Beiheften, wenn ich recht erinnere) außer der abgebildeten noch Rachmaninoffs 2. KK, Händel Feuerwerksmusik, Beethovens 5. KK und Ouverturen und evtl. noch mehr. Die Qualität der Platten war teils nicht so toll.
Ein wichtiges Werk, eines der ersten von Beethoven, die ich gehört habe und das mich hellauf begeisterte, habe ich noch vergessen: Wellingtons Sieg (Karajan, auf der B-Seite die unvermeidliche Ouverture 1812)

moderato

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13

Donnerstag, 10. Januar 2013, 06:47

Eine Kindheitserfahrung, die sich tief in mein Gedächtnis eingegraben hat. Ich bin neun Jahre alt. Unter der Bettdecke mit meinem orangen Mitsubishi-Transistor-Radio, das in einem Lederetui steckt, höre ich mit dem cremefarbenen Kopfhörerstöpsel im linken Ohr das nächtliche Wunschkonzert, das immer montags zu hören ist. Ich sollte eigentlich schlafen. Ich warte, bis der letzte Teil nach volkstümlicher Musik, Schlager und Pop endlich, endlich kommt: Klassik. Der Sprecher kündigt ein Werk an, die Namen klingen fremd, ich kann sie mir nicht merken. Der Klang dieser Musik nimmt mich gefangen. Flöten höre ich, ein eigenartiges Instrument wirbelt hohe Töne durcheinander, dann tönt etwas von weit her, zum Schluss ein Stück das mit vollem Orchester, so wehmütig und doch mit Schwung in mein Ohr dringt. Es sind mehrere kürzere Stücke, die zusammengehören, was im Wunschkonzert selten ist, die hintereinander erklingen. Die Musik ist verklungen. Schade. Wie heisst diese Musik? Wer hat sie geschrieben? Ich möchte sie wieder hören.

Jahre später, als Teenager, der sein spärliches Taschengeld in Schallplatten investiert, begegne ich wieder dieser Musik. Ich kaufe mir LPs, die als Restposten billig zu erwerben sind. Ich kaufe, ohne die Werke je gehört zu haben. Ich nehme eine schwarze Scheibe aus der Hülle und lege sie auf den Plattenteller. Diese Musik kenne ich doch? Es ist die gleiche, die ich unter der Bettdecke gehört hatte. Endlich habe ich sie gefunden! Es ist Peter Tschaikowskys Nussknacker-Suite. Tanz der Rohrflöten, Tanz der Zuckerfee, Arabischer Tanz und Blumenwalzer hörte ich im Wunschkonzert.
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Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer

Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
.

Rheingold1876

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14

Donnerstag, 10. Januar 2013, 07:17

Zitat aus dem Beitrag von Johannes Roehl: "Tschaikowskys Ouverture 1812 (in einer Sowjetversion mit der geänderten Hymne)"

Das höre ich zum ersten Mal und finde es total spannend. Könntest Du bitte mehr dazu sagen, gibt es die Aufnahme noch? Wer hat gespielt? Ich bekenne freiwillig: Ich liebe dieses Ungetüm auch seit Kindertagen. Eine sehr treue Angelegenheit ohne jeden Zweifel. :)

Dank om Voraus und schönen Gruß von Rheingold

P.S. Und könnte mich mal jemand aufklären, warum ich auf meinem MacBookPro (OS X Version 10.6.8.) die Zitatfunktion nicht so schön hinbekommen wie auf meinem PC?
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

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15

Donnerstag, 10. Januar 2013, 09:39

Ich höre mir das Werk heute nicht mehr freiwillig an und kann die LPs auch momentan gar nicht abspielen. Aber es war in der blauen eurodisc-Reihe eine Aufnahme aus der SU, bei der statt der üblichen Zarenhymne auf dem Höhepunkt irgendetwas geändert wurde. Genauer kann ich es nicht sagen, jedenfalls hörte es sich erheblich anders an als bei Karajan. Kann sein, dass eine entsprechende Information in den Tiefen des Forums schlummert (Edwin Baumgartner könnte so etwas mal erwähnt haben). Vielleicht mal threads zur 1812 durchschauen.

Rheingold1876

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16

Donnerstag, 10. Januar 2013, 10:13

Danke. Dann werde ich mal recherchieren.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Gerhard Wischniewski

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17

Donnerstag, 10. Januar 2013, 12:35

Meine Schlüsselerlebnisse, über die ich zur klassischen Musik gekommen bin, habe ich bereits in meiner Vorstellung geschildert und will sie hier nicht im Einzelnen wiederholen. Mit primitivsten Mitteln, einem alten, in dem damals kleinen Gymnasium in Bernkastel-Kues noch vorhandenem Konzertflügel und seiner eigenen Stimme sowie der eines weiteren Amateursängers aus dem Städtchen wusste der engagierte Musiklehrer in einigen von uns die Liebe zur klassischen Musik zu erwecken. Die spätere Einweihung eines damals noch nicht stereophonen Radios und zweier Schallplatten in einem sonntäglichen Festakt unter Beisein der Honoratioren der Stadt, an dem von den Schülern nur ein Freund von mir, mit dem ich mich heute noch über klassische Musik austausche, und ich teilnahmen, war ein weiteres großes Erlebnis.
In einem sehr lieben Ersatzelternhaus, in denen aber niemand etwas von klassischer Musik verstand, hatte ich nur im Sommer die Chance, aus einem alten Dampfradio, das ich mir über Nachhilfestunden zusammengespart hatte, Klassik zu hören, denn wir waren als Heimatvertriebene in einem alten Schloss ohne Heizung untergebracht und mussten im Winter in einem Zimmer zusammenrücken, wo ich die neunköpfige Familie mit Klassik nur störte.
Ich kann natürlich manche Erlebnisse im Zusammenhang mit klassischer Musik beschreiben. Hier nur einiges:
Mit meiner lieben Schwester hatte ich nur in einem Punkt Auseinandersetzungen. Sie schwärmte für Schlager und ich für Klassik. Noch vor kurzen hat sie meiner Frau lächelnd erzählt: "Ja mein Bruder wollte doch immer nur 'und die Hälse schnüren zu' hören, während ich ihm das Radio häufig auf Elvis umgestellt habe."
Meine erste Oper hatte ich mir noch in der Gymnasialzeit aus Nachhilfestunden zusammengespart. Mit meinem Schulfreund besuchte ich damals im Trier "Tannhäuser". Verglichen mit späteren Aufführungen mag diese Aufführung kaum nennenswert gewesen sein. Für mich blieb sie jedoch ein unvergessliches Erlebnis.
In meiner Ausbildungszeit, in der ich das erste halbe Jahr in Opladen, das damals noch nicht zu Leverkusen gehörte, verbrachte, fand auf einer kleinen Bühne in der Stadthalle ab und zu auch schon mal eine Oper statt. Hier war meine erste Begegnung mit Puccini (Madame Butterfly), mit dem ich bis dahin nichts Rechtes anzufangen wusste.
Für meinen Nachhilfeunterricht bei der Tochter der adligen Familie, die im neuen Trakt des Schlosses wohnte, bekam ich ein Tefiphon geschenkt. Das war ein Gerät, das mit einer Nadel von einem Pastikband Melodien abspielte, aber wenig später vom Markt verschwunden ist. Hierzu bekam ich zwei Bänder mit einer bunten Zusammenstellung klassischer Melodien. Wie oft dieses Band bei mir gelaufen ist, vermag ich nicht mehr zu sagen
Ein weiteres - weniger musikalisches - aber im Zusammenhang damit stehendes Erlebnis wird mir auch immer im Gedächtnis bleiben. In der Zeit meiner Ausbildung, in der ich damals wenig verdiente, lernte ich auch meine liebe Frau kennen. Sie kam aus ganz armen Verhältnissen und ich habe sie langsam an die klassische Musik herangeführt. Dann hatte ich den Preis für zwei billige Plätze in der Trierer Oper zusammengespart (Troubadour), das erste Erlebnis einer Oper für meine damalige Verlobte. Da wir noch Zeit zwischen der Ankunft der Eisenbahn und dem Beginn der Vorstellung hatten, wollten wir noch etwas trinken. Als der Kellner uns die Rechnung präsentierte, fehlten uns 5 Pfennige. Zum Glück war ein Nachbar meiner Frau in dem Lokal, der uns diese 5 Pfennige auslieh.
Meinen ersten Plattenspieler, den ich mir leisten konnte, kaufte ich mit etwa 30 Jahren. Operngesamtaufnahmen konnte ich mir damals noch nicht leisten, aber es kamen doch ein paar Zusammenstellungen von Opernmelodien und -querschnitten zusammen.
Sonst blieb nur das Radio. Erst später konnten wir uns auch Abonnements leisten, und eine größere Plattensammlung erst, als die CD erschwinglicher wurde.
Heute umfasst meine Sammlung an CDs und DVDs ein großes Repertoire an Aufnahmen von Musik der verschiedensten Richtungen und Jahrhunderte.

Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

La Roche

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18

Donnerstag, 10. Januar 2013, 14:50

Zunächst einmal eine persönliche Korrektur des Threadtitels: Ich bin keinesfalls ein fanatischer Klassikliebhaber, das fanatisch kann bei mir in den Müll. Ich liebe Klassik, sie spielt eine große Rolle in meinem Leben. Aber um Klassik zu hören, brauche ich Ruhe und Konzentration dazu, keinesfalls im Auto, bei der Zeitungslektüre morgens oder beim Frühstück Klassik im Hintergrund. Da kann es auch gerne mal Elvis sein, überhaupt der gute alte Rock der 50-er Jahre, ebenso die Schlager der 50-er und 60-er, der gehört auch jetzt noch zu meinem Leben. Aber nach des Tages Arbeit (auch Rentner haben noch zu tun), so nach 17.00 Uhr kommt bei entsprechender Stimmung und Vorbereitung die Klassik zu ihrem Recht, so 10-15 Stunden in der Woche. Also - ich bin nicht fanatisch.

In der 7. Klasse im Musikunterricht hatten wir einen Musiklehrer, Robert Hanell (sein Sohn war mal Chefdirigent der Komischen Oper). Er spielte uns mitunter auf dem Flügel klassische Stücke vor, z.B. die Melodie aus dem Forellenquartett, Beethoven, die Träumerei u.a. Während viele meiner Mitschüler darüber lachten und den Unterricht störten, war ich ganz Ohr. Mir gefiel die Musik. Darüber hinaus war mein Vater in einem "Schrammelquartett" Mandolinen- und Gitarrenspieler und darüber hinaus mit einer ganz angenehmen Stimme ausgestattet. Bei uns war noch Hausmusik zu hören, wenn das Schrammelquartett bei uns übte, mein Vater dazu Wiener Lieder sang. Darüberhinaus war er bei der freiwilligen Feuerwehr und ließ sich immer zum Dienst ins Theater einteilen. Er hatte Interesse an Musik. Deshalb war unser Volksempfänger abends auch auf Oper- und Operette aus. Ich habe schon darauf gewartet.

In der 8. Klasse, im Rahmen der Jugendweieh, gingen wir auch erstmals in die Oper. mein erstes Erlebnis war da ausgerechnet "Der fliegende Holländer", Danach der "Troubadour" und der "Wildschütz". Seitdem war ich Opernfreund, meine Erlebnisse mit Helge Rosvaenge (die ich anderswo schon ausführlich geschildert habe), haben mich darin noch bestärkt. Eigentlich bin ich - mit Pausen durch zwischenzeitlich nachlassendes Interesse - mein Leben lang Opernfan gewesen, bis mich die Regietheatermafia davon gezwungen hat, Oper zu vergessen, zumindest im Theater.

Zum Glück gint es ja noch das Konzert. Und auch da spielten die Jugendkonzerte in der Oberschulzeit von 1957 bis 1961 eine bildende Rolle, und da die Erinnerung an meinen alten Lehrer Robert Hanell.

La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


Dr. Holger Kaletha

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19

Donnerstag, 10. Januar 2013, 18:23

Die erste Platte, die ich in meiner Jugend kaufte von eigenem Geld, war diese hier - allerdings die LP sah anders aus, mit hellblauem Rand und ABMs Kopf drauf zu sehen. Gekauft habe ich sie, nachdem im Radio ein ABM-Portrait lief, wo ein kurzer Ausschnitt, der Anfang des ersten Satzes - gesendet wurde. Wie ich mich dunkel erinnere, war das ziemlicher Blödsinn, was darüber gesagt wurde. Aus Nostalgie habe ich sie noch heute im Schrank (ich besitze längst keinen altmodischen Plattenspieler mehr!) - tausend Mal gehört und noch immer kein bisschen müde dabei. Einmal "mein" Pianist geworden ist es ABM immer geblieben. Es ist merkwürdig, auch ohne es zu wollen kommt man im Leben auf die prägenden Anfänge immer wieder zurück.



Beste Grüße
Holger

Yorick

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20

Donnerstag, 10. Januar 2013, 18:34

Bezüglich Posting 18: Ich möchte sehr sachlich und höflich darauf hinweisen; dass es in diesem Thread ausschließlich um AUFNAHMEN gehen soll, die für einen persönlich mehr oder weniger schicksalhaft den Weg zur klassischen Musik bahnten und die in diesem Zusammenhang genauer zu benennen und im günstigsten Fall auch mittels Bild zu veranschaulichen wären. Andere Fragen der musikalischen Sozialisation werden ja in anderen Threads zur Genüge behandelt. Dessen unerachtet danke ich für den Hinweis bezüglich der Wortwahl im Titel, die für mich zweifelsohne zutrifft; aber Außenstehenden möglicherweise fremd und unpassend anmuten mag. Vielleicht ersetzt die Forenleitung das Wort "fanatischer" durch "begeisterter" oder "leidenschaftlicher" ...

harry

Schüler

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21

Donnerstag, 10. Januar 2013, 23:12

Zwei Begriffe im Thread-Titel haben mich zögern lassen, hier etwas zu schreiben: 1. das Wort „fanatisch“, das aber mittlerweile etwas relativiert wurde. Obwohl ich zurzeit fast ausschließlich klassische Musik höre, würde ich mich nicht als „fanatischen“ Klassik-Hörer bezeichnen, denn aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass sich Vorlieben und Abneigungen je nach Tagesform oder momentanem Befinden durchaus ändern können. So hörte ich vor einiger Zeit mit großer Begeisterung auch z.B. die Beatles, Queen oder REM, aber auch Carole King, Joan Baez oder Jimi Hendrix, und ich kann nicht ausschließen, dass diese und andere Interpreten irgendwann einmal wieder verstärkt in meinen Horizont rücken. 2. das Wort „Schicksals“-Aufnahme. Also es gab da schon so etwas wie ein „Schlüsselerlebnis“, aber das gleich als Schicksals-bestimmend zu bezeichnen, würde mir schon etwas zu weit gehen. Ich habe das schon einmal in irgendeinem anderen Thread erwähnt, wiederhole es aber hier noch einmal: Mein Elternhaus war in Sachen Musik sozusagen zweigeteilt; mein Vater war Klassik-Liebhaber, während meine Mutter eher die Unterhaltungsmusik bevorzugte. So kam es, dass es in unserem Haus in der Zeit, an die ich mich noch bewusst erinnern kann – nämlich Mitte der 50er Jahre – erst ein minimaler Bestand an klassischer Musik vorhanden war, und die erste Aufnahme, die mir unvergesslich bleiben wird, war „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ mit den Berliner Philharmonikern unter Wilhelm Furtwängler. Aber vielleicht war es gar nicht so sehr die Musik, die mich faszinierte, sondern eher die Technik; das war nämlich eine 45er Aufnahme, bei der man nach der Hälfte des Stücks die Platte umdrehen musste, und ich machte mir einen Sport daraus, den Tonarm des Plattenspielers immer an der genau richtigen Stelle aufzusetzen. Etwas später war es dann ein weiteres Erlebnis zu sehen, wie sich der Tonarm wie von Geisterhand selbst auf die richtige Stelle der Platte bewegte. Ich habe die Platte vor gar nicht so langer Zeit entsorgt; sie war durch das häufige Abspielen mit den ca.8 Gramm Auflagegewicht des Tonarms nicht mehr anhörbar.
All diese Dinge mögen für mich durchaus hilfreich oder auch bestimmend gewesen sein, aber ich glaube, dass es wohl mein „Naturell“ war, das mich zum vorwiegenden Klassikhörer gemacht hat. So konnte ich schon in früher Jugend mit dem ganzen Schlagerkram einfach nichts anfangen.
Obwohl Yorick darauf hingewiesen hat, dass es hier um Aufnahmen und nicht um Erlebnisse gehen soll, möchte ich doch noch ein Erlebnis anfügen, weil es eine Auswirkung auf meinen Musikgeschmack und damit auch auf meine Sammlung von Aufnahmen klassischer Musik hatte. Mein wohlmeinender Vater schleppte mich als damals vielleicht Zehnjährigen nämlich mit in eine Aufführung von „Tristan und Isolde“. Dieses Erlebnis hinterließ eine nachhaltige Abneigung sowohl gegenüber dem Namen Wagner als auch der Gattung Oper als solcher, weshalb meine Musiksammlung auch nur wenige Opern enthält. Obwohl ich mit zunehmendem Alter der Sache etwas gelassener gegenüberstehe und mich sogar an einigen Live-Erlebnissen (Troubadour, Rosenkavalier, Lohengrin, Traviata, Vanessa, Meistersinger) regelrecht begeistern konnte, ist mein Verhältnis zur Oper immer noch ein gespaltenes.

Viele Grüße,
harry

Gerhard Wischniewski

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22

Freitag, 11. Januar 2013, 10:52

Lieber Yorick,

da passt mein Beitrag natürlich auch nicht zu deinen Intentionen, rein von Aufnahmen zu lesen, die die Liebe zur Klassik geweckt haben. Da habe ich das Thema falsch verstanden. Aber zu meiner Jugendzeit gab es eben noch kaum die Möglichkeit, die Liebe zur Klassik durch entsprechende Aufnahmen zu erwerben. Wie schon geschildert, bekam unser Gymnasium erst kurz vor meinem Abitur einen Plattenspieler, zwei Schallplatten und ein Radio, was auch zu der geschilderten Einweihungszeremonie führte. Und in der Familie war ohnehin kein Geld für solche Dinge vorhanden. Ich selbst besaß außer dem genannten Tefiphon mit zwei Bändern, die ich im Alter von 22 Jahren geschenkt bekam, erst etwa mit 30 Jahren die erste Langspielplatte. Die große Liebe zur Klassik aber wurde viel früher geweckt. Heute hat man natürlich sehr viele Chancen, Klassik kennen und lieben zu lernen.

Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

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23

Freitag, 11. Januar 2013, 12:21

Da viele Beitragende, mich eingeschlossen, "Schicksalsaufnahmen" deutlich relativiert haben, sehe ich keine Probleme mit Gerards interessantem Beitrag, zumal eben als Einblick in eine Zeit, als Schallplatten ein Luxusgut gewesen sind. Auch wenn es schon andere threads mit derlei Erlebnisberichten gibt.
Auch vor 25 Jahren war man als Schüler, sofern nicht sehr wohlhabend oder in der Lage, auf eine elterliche Sammlung zurückzugreifen, oft erst einmal auf Radiomitschnitte und MC-Überspielungen angewiesen. Weil CDs so teuer und ein Player erst einmal außer Reichweite habe ich noch etliche MCs und LPs gekauft als die Medien eigentlich schon im Schatten der CD standen.

@Rheingold: Die Aufnahme der modifizierten 1812, die ich auf Eurodisc-LP hatte, ist unter Konstantin Iwanow/Staatl. Sinfonieorchester d. UdSSR (Aufnahmedatum unbekannt, vermutl. 1970er). Es scheint sich bei der Ersatzhymne um eine aus Glinkas Oper Iwan Susanin/Ein Leben für den Zaren zu handeln, die wohl als weniger explizit zaristisch aufgefasst wurde. Es gibt noch diverse andere sowjetische Einspielung dieser modifizierten Fassung; ich werde eine unter Golovanov, die ich auf CD habe, überprüfen (die LPs kann ich z Zt. nicht abspielen).

Yorick

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24

Freitag, 11. Januar 2013, 12:38

Lieber Yorick,

da passt mein Beitrag natürlich auch nicht zu deinen Intentionen, rein von Aufnahmen zu lesen, die die Liebe zur Klassik geweckt haben. Da habe ich das Thema falsch verstanden. Aber zu meiner Jugendzeit gab es eben noch kaum die Möglichkeit, die Liebe zur Klassik durch entsprechende Aufnahmen zu erwerben.
Überhaupt kein Problem, lieber Gerhard; ich hatte ja auch eingangs darauf verwiesen, wie schwer es schon mir gefallen ist; diese Aufnahmen wiederzufinden und mit Bildern vorzustellen, und ich musste nur in die 70er und 80er zurück.


Da viele Beitragende, mich eingeschlossen, "Schicksalsaufnahmen" deutlich relativiert haben
Ich habe manchmal das Gefühl, ihr seid alle der deutschen Sprache gegenüber nicht mehr naiv und unvoreingenommen genug! :) Hinsichtlich "fanatisch" sehe ich Einwände durchaus ein, aber das uralte germanisch wurzelnde und weise Wort "Schicksal", dessen weites Bedeutunmgsspektrum den wenigstens noch geläufig scheint, ist doch nun wirklich kein Freibrief für irrationalen Mystizismus; sondern die schlichte Beschreibung eines Sachverhalts. Ich glaube kaum, dass die meisten von euch derart nüchtern von bestimmten Aufnahmen beeinflusst wurden, wie sie es hier glauben machen wollen; die eigentlichen Berichte sprechen ja auch eine andere und deutlichere Sprache. Es gibt Dinge, die wir nicht in der Hand haben; so sehr sich unser Verstand auch weigert, das anzuerkennen.

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25

Freitag, 11. Januar 2013, 13:17

Ich wurde nicht von spezifischen Aufnahmen als solchen beeinflusst. Es war purer Zufall, in welcher Aufnahme mir ein Stück begegnet ist und es war fast immer ziemlich irrelevant. Kaum eine dieser frühen Aufnahmen, mit eventueller Ausnahme von Karajans Aufnahme der 9. und Kleibers der 5. von Beethoven, würde ich aus heutiger Sicht als herausragend sehen. Und selbst diese nicht als bewusst prägend. Ich habe eh fast keine Unterschiede wahrgenommen, von extrem offensichtlichen wie Sänger-Timbres oder der geänderten Hymne mal abgesehen. (Allein aus dem praktischen Grund, dass es LPs oder Kassetten waren, habe ich viele davon, sobald ich dann einen CD-Player hatte, jahrelang gar nicht mehr gehört.)

Das erste Stück, das mir spontan einfällt, bei dem eine Einspielung relevant gewesen sein könnte, aber *negativ*, war Karajans Aufnahme der C-Dur-Sinfonie von Schubert. Die hat mir aufgrund ihres blechlastigen, grellen und überbrillanten Charakters den Zugang eher erschwert. (Und das war wohl 1-2 Jahre nach der allerersten Zeit, jedenfalls schon eine CD)

Aus der ersten Anfangszeit könnte ich auch kaum einzelne Stücke hervorheben. Vermutlich hatte ich erheblich längere Durststrecken bei der Eroica als bei der Pastorale oder der Sinfonie mit dem Paukenschlag, aber ich kann nicht behaupten, dass eines dieser Stücke wichtiger gewesen wäre. Die Obsession mit der 5. (etwas später) war eher eine Ausnahme, die aber die Faszination für andere Stücke nicht wesentlich in den Hintergrund gedrängt hat.

Accuphan

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26

Freitag, 11. Januar 2013, 13:59

...dass es in diesem Thread ausschließlich um AUFNAHMEN gehen soll, die für einen persönlich mehr oder weniger schicksalhaft den Weg zur klassischen Musik bahnten...

Den Weg zur klassischen Musik allgemein oder zum Sammler?
Nur an Aufnahmen ist mein Weg zur Klassik bestenfalls ansatzweise festzumachen, und das auch eher am Rande des Phänomens.
Auch der fanatische Sammler verdankt sein Schicksal in meinem Fall sicher einer Gemengelage vieler Einflüsse.
Ok, ich schaue mal, was ich an Aufnahmen beisteuern kann, die mein Hören und Sammeln beeinflusst haben:
1.
Schumann 4. (?)/ Mendelssohn 4., Berliner Philharmoniker, Karajan; hallige Aufnahme der DGG, aufgenommen in der St. Hedwigs-Kathedrale; eine KASSETTE, die ich bis zum Ausleiern (wortwörtlich) genudelt hatte. A.a.O. schon mal erzählt: das Leiern an bestimmten Stellen "erwarte" ich noch heute, wenn ich die Werke höre... ;)
2.
Schumann: Fantasie c-Moll und Sonate Nr. 1, Pollini; Radio-Mitschnitt meines Vaters auf Kassette; musste ich später auf CD haben. (DGG)

3.
Brahms-Sinfonien, Bernstein; die entdeckte ich irgendwann zwischen Ende '86 und Sommer '88 im CD-Regal meines Vaters. Prägend! (DGG)
Wer die nicht mehr bekam kaufte diese hier oder diese ,
später diese
4.
Mahler-Zyklus, RSO Frankfurt, Inbal, Denon. Live erlebt und vom Vater auf CD gesammelt; meine Initiation mit Mahler; häusliches Einrichten in "meinem" Wohnzimmer, dem Großen Saal der Alten Oper.
Stellvertretend:
5.
Zemlinsky, Lyrische Sinfonie, RSO Berlin, Chailly; meine erste eigene CD zum ersten eigenen CD-Player (Spätsommer 1989)

Das Sammeln von CDs über trug sich von meinem Vater auf mich. Schallplatten waren bei mir schon durch. Die ersten eigenen Käufe kamen dann z.B. mit Soltis digitalem Chicagoer Beethoven-Zyklus, den ich nach und nach zusammengekauft hatte. Stellvertretend:

Angefixt von dieser Bruckner-CD, mit der ich die Achte zufällig entdeckt hatte (beim Bügeln, ich weiß es noch wie heute - ich bin schier durchgedreht)

wollte ich eine eigene Aufnahme und kaufte dann auch Soltis Bruckner:

Mir fiele bestimmt noch einiges ein, aber das sind mal die vielleicht wichtigsten Details meiner Sammelinfektion in Kürze. :hello:
"mit Bravour"

La Roche

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27

Freitag, 11. Januar 2013, 14:20

Bezüglich Posting 20. Meine ersten Schallplatten konnte ich mir erst Mitte der 70-er Jahre zulegen, mangels Kaufkraft. Da war mein Musikgeschmack schon geprägt, durch persönliche Erlebnisse. Da die hier nicht gefragt sind, bitte ich den Moderator, meinen unpassenden Beitrag zu entfernen.

Dem Verfasser des Postings 20 ist aber entgangen, daß ich in meinen Beitrag 18 einen Stolperstein eingebaut habe, den zu korrigieren er versäumt hat. Es geht um die Anzahl der Personen, welche die Forelle spielen. Ich verkneife mir sogar ein Smiley.

La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


Yorick

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28

Freitag, 11. Januar 2013, 14:47

Mit dieser Erklärung passt es wie Gerhards Posting durchaus auch hier rein! Auch die Gründe, warum man lange keine eigenen Aufnahmen hatte, zählen.

chrissy

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29

Freitag, 11. Januar 2013, 15:13

Da die hier nicht gefragt sind, bitte ich den Moderator, meinen unpassenden Beitrag zu entfernen.

Lieber La Roche
Eigentlich wollte ich mich auch hier zu dem aufgeworfenen Thema äußern, aber wie Du richtigerweise feststellst, ist das wohl nicht gefragt. Abgesehen davon, daß ich früher schon mal in einem anderen Thread von meinem Werdegang zur klassischen Musik berichtet habe und das hier nur eine Wiederholung ist, scheinen wir das Thema "... wie man wurde, was man ist: ein fanatischer Klassikliebhaber!" wohl gänzlich falsch zu verstehen. Außerdem sind wir wohl " alle der deutschen Sprache gegenüber nicht mehr naiv und unvoreingenommen genug!" Gegenüber gewissen Leuten, die hier dominant moderierend die Vorgaben erstellen, scheint uns also einiges zu fehlen. Ich verzichte also auf einen Beitrag und danke Dir, daß Du mir Zeit und Mühe damit erspart hast. Es wäre ja wohl auch sowieso falsch gewesen. Irgendwie merke ich, vergeht einem langsam die Lust am Schreiben.
Dir herzliche Grüße ins bestimmt winterliche Thüringen aus dem ebenfalls stark verschneiten Sachsen.
CHRISSY
Jegliches hat seine Zeit...

Felix Meritis

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30

Freitag, 11. Januar 2013, 15:45

Meine Eltern sind Klassikliebhaber, weshalb es wegen der Dauerpräsenz von klassischer Musik für mich wenige, klar definierbare Schlüsselerlebnisse gab. Allerdings gibt es nur wenige Werke, die meine Bindung zur Klassik während der Pubertät aufrecht erhalten haben - und diese waren praktisch ausschließlich Klavierwerke von Bach, gespielt von Glenn Gould, am liebsten die Toccaten wegen der fetzigen Fugen:




Wenn man die Fragestellung etwas weiter fassen darf: zum fanatischen (ja, durchaus 8o ) Mendelssohnverehrer wurde ich durch diese CD:


Mit Mendelssohn hatte ich mich vor 20 praktisch nicht beschäftigt und das, was ich kannte war mir gleichgültig (IVte Symphonie z.B) aber dann entdeckte ich in einem CD-Geschäft in Wien unter den - damals - sehr günstigen Naxos-CDs diese Streichquartette von Mendelssohn. Erst dachte ich mir: "was, dieses Leichtgewicht hat Streichquartette komponiert?", aber das war nach den ersten 5 Sekunden des f-moll Quartetts weggeblasen.