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zweiterbass

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Beiträge: 4 066

Registrierungsdatum: 2. Juni 2010

1

Samstag, 29. Dezember 2012, 00:10

Französische Orgelmusik Boellmann

Hallo,

es gibt in diesem Forum bereits eine Thread "Leon Boellmann - Das Orgelwerk".

Um die Systematik im Thread "Französische Orgelmusik" beizubehalten, starte ich nun diesen neuen Thread, unter ausdrücklichem Hinweis auf den o. g. Thread, der sehr aufschlussreiche Beiträge enthält.

Zum Lebenslauf von Boellmann wie stets der Verweis auf Wikipedia.

Nachdem zur "Suite Gothique…" bereits mehrfach Stellung genommen worden ist, werde ich zu diesem Werk nicht posten und verweise dazu auf den Beitrag Nr. 5 in o. g. Thread. Dabei mögen die Entgegnungen darauf aus unterschiedlicher Perspektive durchaus berechtigt sein, was aber die musikalische Qualität des Stückes betrifft, stimme ich dem Beitrag Nr. 5 voll zu; außerdem mein Verweis auf den hervorragenden Beitrag Nr. 12.
Als kleine Ergänzung: Die Suite wurde ursprünglich für eine 2-manualige Orgel komponiert/konzipiert und später, der besseren Registrierungsmöglichkeiten wegen, auf eine 3-manualige Orgel umgeschrieben.

Ein kurzer Interpretationsvergleich zur "Suite Gothique":


J. Bate und die Orgel habe ich bei Franck schon vorgestellt.


Die Disposition der Cavaille-Coll-Orgel von Azkoitia (im franz. dominierten Teil des span. Baskenlandes) ist bei Wikipedia nachzulesen.

Guggenmos wählt langsamere Tempi, besonders beim "Menuet" wird daraus kein Menuett mehr und "Priere" gerät zum Trauerstück und nicht zur Andacht/Gebet. Bate wählt die insgesamt leichter klingenden Register, was in Verbindung mit den schnelleren Tempi das Werk nicht ganz so ernst klingen lässt wie bei Guggenmos. Allerdings hat Guggenmos mehr Dynamik, was vor Allem in den Pianostellen durch die Art der Registrierung erreicht wird.





"Versets aus Heures Mystiques op. 30"; dieses Werk besteht aus 23 kleinen Stücken durch (fast) alle Tonarten. (Nachdem es sich um durchwegs sehr kurze Stücke handelt, ist ein Vergleich der unterschiedlichen Registrierung besonders einfach.)

3 Tonarten fehlen: dis-Moll, Fis-Dur, gis-Moll
2 Tonarten sind doppelt: D-Dur, A-Dur
23 Stücke Boellmann minus 2 Tonarten doppelt plus 3 fehlende Tonarten = 24.

Ein Vergleich (nur auf die verwendeten Tonarten bezogen!) mit dem "Wohltemperierten Klavier" von Bach bietet sich an: 24 Stücke in allen Dur- und Molltonarten, chromatisch aufsteigend angeordnet von C-Dur bis h-Moll.

Fortsetzung folgt.

Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

zweiterbass

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Beiträge: 4 066

Registrierungsdatum: 2. Juni 2010

2

Sonntag, 6. Januar 2013, 12:57

Französische Orgelmusik Boellmann

Hallo,

Nachsatz zum vorherigen Beitrag: Leider gibt es bei den mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten keine Noten für die 23 Versets aus op. 30, sodass ich zu den Registrierungsvorschriften keine Angaben machen kann.



Deuxieme Suite pour Grand Orgue op. 27, C-Dur

1. Satz, Prelude Pastoral, Allegretto, 9/8, Viertel =100
(Registrierung: Große Orgel und Positif Flöte 8-Fuß, Solostimme Gambe und Bordun 8-Fuß, Pedal Fagott 8- und 16-Fuß)
Rechts das 1. Thema, Solostimme, in aufsteigenden Terzen bis 0.05 /1-3/, gleichzeitig aber bis 0.09 /1-4/ links ein 2. Thema, Große Orgel. 0.10 bis 0.14 /5-7/ links das 1. Thema, Solostimme, aber in Quinten und gleichzeitig rechts das 2. Thema Große Orgel 0.10 bis 0.16 /5-8/ - bis dahin im Pedal ein kurzer Orgelpunkt . Das gespiegelte einstimmige 1. Thema erscheint im Pedal 0.17 bis 0.23 /9-12/. Ab 0.17 /9/ beginnt rechts die Themenverarbeitung - mit vielfältigem Harmonikwechsel - dergestalt, dass aus einem verkürzten und leicht veränderten 2. Thema und Bruchstücken des gespiegelten einstimmigen 1. Themas ein 3. Thema gebildet wird, das nun bestimmend für den weiteren Fortgang ist und der Registerwechsel zwischen rechts und links immer wieder stattfindet Das 1. Thema und das 3. Thema ist meist rechts vorbehalten, ab und zu auch links, während dem Pedal das gespiegelte einstimmige 1. Thema und Bruchstücke daraus zugeordnet sind.
Der Satz klingt aus mit einem über 5 Takte ausgehaltenen 4-stimmigen Orgelpunkt rechts, zu dem in den letzten beiden Takten auch 4-stimmige Akkorde links kommen, das Alles in pp, was dem insgesamt mit warmen Registern versehenen und pastoral klingenden Satz noch eine besonderer Entrücktheit gibt.

2. Satz, a-Moll, Allegretto con moto, 2/4, Viertel=92
(Registrierung: Große Orgel Flöte lieblich 4-Fuß + Bordun 8-Fuß, Positif Weidenflöte/Schwebung, Solostimme Trompete, Pedal Fagott lieblich 8-bis 16-Fuß)
Über 8 Takte, bis 0,08, überfällt eine einstimmige Sechszehntel-Flut den Hörer, was gegenüber dem 1. Satz, selbe Tempobezeichnung und weniger MM, ein sehr gesteigertes Tempogefühl entstehen lässt. Ab 0.09 /9/ kommt links mit Solostimme das Thema dazu und auch das Pedal ergänzt die Harmonik. Aber rechts geht es unentwegt weiter mit Sechszehntelläufen, zeitweise in der Oberstimme mit Achtelfiguren nicht wirklich unterbrochen und in Verbindung mit dem 2/4-Takt und den Achtelnoten je Takt im Pedal entsteht für mich ein für ein Orgelwerk ungewöhnlicher/s Rhythmus (-gefühl). (Irgendwie erinnert mich das an mechanische Orgeln, die man vor 50/60 Jahren auf Volksfesten - auch kleineren - u. ä. hören konnte - heute sind das selten zu bestaunende "Exoten" auf großen Events - "Münchner Wies'n" z. B.) Also von 0.09 bis 0.23 /9-22/ wird links, Solostimme, das Thema vorgestellt, rechts die Sechszehntelläufe. Ab 0.24 /22/ wechselt das Thema in die Oberstimme rechts, in der Unterstimme rechts ohne Pause Sechszehntelläufe und links Halbenoten als Akkordstütze und das Pedal erzeugt, wie schon ab 0.09 /9/, den "Volksfestrhythmus"; das Alles ohne Wechsel der Register, das Thema erklingt nun also auf der Großen Orgel und die Halbenoten links in der Solostimme. Ab 0.42 /36/ beginnt die Verarbeitung des Themas - wieder mit wechselnder Harmonik - dabei werden die Register, das Thema, die Sechszehntelläufe, der "Volksfestrhythmus", die Halbenoten auf rechts, links je Ober - und Unterstimme und Pedal gewechselt.
Bei 2.14 / 114/ Tongeschlechts- und Tonartwechsel nach Paralleltonart A-Dur, die Themenverarbeitung wird wie vor fortgesetzt und der Satz endet sehr unspektakulär in A-Dur.

3. Satz, B-Dur, Andantino, ¾, Viertel=69
(Registrierung: Große Orgel Weidenpfeife und Gambe 8-Fuß, Positif Flöte 8-Fuß Bordun, Solostimme Gamben-Schwebung, Pedal Fagott lieblich 8- und 16-Fuß)
Der 1. Satz in diesem Werk, der viele Vorschriften für Dynamik, p, pp, cresc., dim. ausweist, ebenso Tempoanpassungen acc. rall.
Von 0.00 bis 0.12 /1-4/ wird über eine ungewöhnliche Akkordfolge, in pp mit großem cresc. und decresc. und Bindebögen (sozusagen als Einleitung) zu B-Dur hingeführt. Von 0.13 bis 0.23 /5-8 / Solostimme das Thema in der rechten Oberstimme, die Unterstimme links intoniert den Terzsprung in den ersten 3 Tönen der rechten Oberstimme. Dann erfolgt sofort eine Modulation des Themas in der rechten Oberstimme und dann beginnt auch schon eine vorläufige Verarbeitung des Themas mit sequenzierten Akkorden. Bei 1.11 /25/ wiederholt das Thema in der Oberstimme rechts um dann bei 1.37 /33/ in ein einstimmiges Solo links, Große Orgel und Solostimme, zu münden, was dann bei 1.45 /37/ zur tatsächlichen Verarbeitung überführt. Nach einer kurzen Generalpause 3.02 /68/ setzt in 3.04 /68/ jeweils einen Takt versetzt in Oberstimme rechts, Unterstimme recht und links das verkürzte Thema ein, was dann bei 3,25 /75/ zur Wiederholung des Themas Oberstimme rechts führt und nach weiteren Modulationen der Satz in pp, rall. und einem lang ausgehaltenen Akkord in hoher Lage endet. (Ein äußert ruhiger, meist leise dahin fließender Satz in überschaubaren, tonalen Akkordfolgen.)

4. Satz, C-Dur, Final-Marche, Allegro con brio, Allabreve, Halbe=104
(Registrierung: Manual und Pedal Große Orgel mit Sperrventilen zu unterschiedlichen Windkästen, 4- bis 16-Fuß)
Auch hier wie im 2. und 3. Satz eine Einleitung in ff von 0.00 bis 0.14 /1-12/, die zu C-Dur überleitet. (Man könnte auch im 1. Satz bis 0.16 /8/ von einer Einleitung sprechen, ich habe es als Entwicklung des Themas verstanden?)
Ab 0.15 /13/ wird nun in C-Dur das Thema, auch in ff, vorgestellt und mehrmals moduliert wiederholt, dabei intonieren links und Pedal Bruchstücke des Themas. Bei 1.15 /67/ wird über dim. nach pp der Tongeschlecht- und Tonartwechsel vorbereitet nach Es-Dur und c-Moll bei 1.28 /76/. Es folgt nun die Verarbeitung des Themas in p, anfangs mit häufigem Wechsel zwischen Es-Dur und c-Moll, im weitern Verlauf wird auch in andere Tonarten und -geschlechter moduliert, wobei auch mehrmals ein Wechsel zwischen p und ff erfolgt. Der Übergang zur Grundart C-Dur und der Wiederholung des Themas wird durch den Wegfall der Pedalstimme und bei 3.20 /173/ durch einen erneuten Wechsel von p nach ff vorbereitet, was dann bei 3,34 /185/ erfolgt. Der Satz endet in einer großen Steigerung von Dynamik, das volle Orgelwerk, die Sperrventile zu den getrennten Windladen werden geöffnet und das Pedal unterstützt durch kurze Orgelpunke in Oktavabstand, dann durch Halbenoten, was im Allabrevetakt sehr "flott" wirkt und dann wieder mit Orgelpunkt im Oktavabstand. (Ein sehr markanter, temporeicher und äußerst prächtiger Abschluss dieser Orgelsuite.)

Viele Grüße
zweiterbass

Nachsatz: Der nächste Komponist in dieser Reihe der franz. romat. Orgelschule ist Vierne.
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

AH.

Profi

Beiträge: 248

Registrierungsdatum: 10. Juli 2006

3

Dienstag, 13. Januar 2015, 00:51

Leon Boellmann - Suite Gothique: Eine der schönsten Orgelkompositionen

Hallo,

schon lange begleitet mich eine CD mit Peter Hurford an der Orgel im Razeburger Dom. Besonders bemerkenswert ist bei dieser Aufnahme die "suite gothique" von Leon Boellmann. Das Stück ist ertaunlich unbekannt, es hat sehr eingängige Themen und eine schöne Harmonik. Die Sätze haben einen teils heiteren, teil ernsten Charakter und das Finale ist eine wunderschöne Toccata, die das Zeug zum Welthit hat. Peter Hurford artikuliert und phrasiert musikalisch sinnvoll und die Orgel paßt zur Musik. Der Rhythmus ist sehr schwebend. Besonders hervozuheben ist das sehr laute Subkontra-C im Finale (16 Hz), das eine Gefahr für Baßreflexlautsprecher darstellt. Hört man die CD, sollte man das Baßreflexloch verschließen.
Auch das Präludium und die Fuge über BACH von Franz Liszt findet man auf dieser CD in einer sehr gelungenen Aufführung. Ich empfehle, zuerst Titel 13 auf der CD 2 anzuhören, die Toccata von Boellmann und dann Titel 11 auf CD 1, Liszt:



Die Zusammenstellung der CD hat sich leider geändert, die "Hymne de action de grace te Deum" von Jean Langlais, die ich sehr gerne gehört habe, ist leider nicht mehr darauf. Aber einige andere Stücke, einfach mal reinhören!

Liebe Grüße

Andreas
De gustibus non est disputandum (über Geschmäcker kann man nicht streiten)

zweiterbass

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Beiträge: 4 066

Registrierungsdatum: 2. Juni 2010

4

Dienstag, 13. Januar 2015, 10:42

Hallo,

"Über Geschmäcker kann man nicht streiten" - es wurde auch nicht das Gegenteil behauptet.
Nebenbei: Es gibt einen eigenen Thread zu Boellmann - bei der dort vorgestellten CD wird auf einer besser geeigneten (über Geschmack...) Orgel gespielt.
VG
zweiterbass

Ich habe die threads zusammengefügt, JR
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler