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Alfred_Schmidt

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1

Mittwoch, 31. Oktober 2012, 00:42

Die großen Schallplattenaufnahmen des 21. Jahrhunderts

Klingt eigentlich recht hochtrabend der Name des Schwesternthreads von:
Die großen Schallplattenaufnahmen des 20. Jahrhunderts
Dabei hat das 21. Jahrhundert doch soeben erst begonnen ?
Na ja ganz so ist es auch nicht,immerhin 12 Prozent sind schon vorbei
Gibt es eigentlich "Große Aufnahmen des 21, Jahrhunderts"? oder hat sich alles in der 2. Hälfte des 20 Jahrhunderts abgespielt ?
Im Parallelthread durften (nach Intervention einiger Mitglieder - ursprünglich waren es nur drei) SECHS Aufnahmen pro Mitspieler nominiert werden, die als die "Grossen " betrachtet wurden. Dennoch hat der Thread (von 2004 - Mitte 2012) bis dato nur 35 Beiträge, und kaum eine Schellackplatte wurde nominiert. Alles spielt sich vorzugsweise im Stereo-Zeitalter ab. Soweit - so gut.

Hier darf jeder Mitspieler maximal DREI Aufnahmen nominieren, welche er für "großartig" oder als "temporäre Referenz" betrachtet - mit "Lieblingsaufnahmen" hat das kaum was zu tun. Es kann auch eine Aufnahme nominiert werden, die schon ein anderer User genannt hat.
Die Beschränkung auf DREI sollte keine Probleme verursachen, weil der Zeitraum ja relativ kurz ist.
ABER: Eine Operngesamtaufnahme oder (als Beispiel) ein Zyklus der Beethoven-Sinfonien wird als EINE Aufnahme gewertet, da man in vielen Fällen Aufnahmen ja gar nicht mehr einzeln erwerben kann.

Gibt es überhaupt "große Aufnahmen" im 21. Jahrhundert ?
Und natürlich sind CDs - gemeint - das sind in letzter Konsequenz auch "Schallplatten"

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

Milletre

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2

Mittwoch, 31. Oktober 2012, 13:52

Ich würde besonders hervorheben:


Schubert: Die Klaviertrios (+ Triosatz + Notturno)
Jess-Trio-Wien (Gramola)


Brahms / Haydn / Schubert: Brahms-Trio Wien (arteviva)

(hat nichts mit Lokalpatriotismus zu tun, diese Aufnahmen, die zumindest satzweise ungeschnitten produziert wurden, sind tatsächlich ausserordentlich! - habe sie bereits a.a.O. beschrieben.)
Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

T con brio

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3

Donnerstag, 1. November 2012, 08:28

Hm, offenbar möchte fast niemand mitspielen?

Ich würde mal vermuten, das liegt zum einen daran, daß 12 Jahre womöglich doch ein wenig kurz sind, um wahre 'Größe' von der Mode abgrenzen zu können. Der ohnehin recht schwammige Begriff der 'Referenz' birgt ja auch schon die allgemeine Wertschätzung einer Mehrheit der Hörer in sich, deren Entwicklung und Feststellung eben Zeit braucht. Der Brite würde sagen, daß der 'Test of Time' erst noch bestanden sein will. Zum anderen dürfte es die Vielzahl der schon verfügbaren Einspielungen zumindest des Kernrepertoires den Interpreten schwer machen, heute noch eine Interpretation vorzulegen, die - vor einer älteren - von der Öffentlichkeit als 'allgemeingültig' angesehen wird.

Bei mir persönlich kommt noch hinzu, daß die meisten meiner derzeigen Lieblingskünstler bereits tot oder zumindest im Ruhstand sind, so daß es mir reichlich schwerfällt, hier überhaupt etwas beizutragen. Zwei Aufnahmen kamen mir aber doch unmittelbar in den Sinn: Daniel Hopes Einspielung einiger Violinkonzerte von Antonio Vivaldi und die an anderer Stelle schon kurz erwähnte Pollini-Platte mit den Chopin-Nocturnes:


Beide verhalfen zumindest mir zu einem ganz neuen Zugang zu den gespielten Werken. Das gilt für Pollini und seinen 'unromantischen' aber ungemein tiefen und kraftvoll leuchtenden Chopin, insbesondere aber auch für Hopes frischen Blick auf Vivaldi, der der meinem Eindruck nach gern über-lieblich interpretierten Musik des Barockmeisters völlig neue Konturen und Spannungsmomente verleiht.
Prima con brio || Plattenschrank

SchallundWahn

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4

Donnerstag, 1. November 2012, 09:19

Hm, offenbar möchte fast niemand mitspielen?

Ich würde gerne, aber der einzige Kandidat, der mir einfällt, schrammt mit 1999 knapp am erhobenen Zeitraum vorbei :D
"Die Glücklichen sind neugierig."
(Friedrich Nietzsche)

Alfred_Schmidt

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5

Donnerstag, 15. November 2012, 23:25

Zitat

Hm, offenbar möchte fast niemand mitspielen?
So, wie man nicht "nicht kommunizieren" kann, kann man auch nicht "nicht mitspielen" - weil "NICHT mitgespielt" ist AUCH mitgespielt.
Wie das zu verstehen ist wurde bereits von "Schall und Wahn" vortrefflich demonstriert mit den Worten:


Zitat

Ich würde gerne, aber der einzige Kandidat, der mir einfällt, schrammt mit 1999 knapp am erhobenen Zeitraum vorbei
Wenn ich diesen Satz nun interpretiere - und ich hoffe, dass ich hier ins Schwarze treffe - so ist die Aussage so zu verstehen, daß er der Meinung ist, daß die letzten 12 Jahre KEINE EINZIGE Schallplattenaufnahme (bzw auf CD) zu den "großen" des 21. Jahrhunderts zu zählen sei.
Und offenbar sehen das die meisten so.

"T con brio" meinte, das Jahrhundert sei noch zu jung für solche Aussagen. - Mag sein.
Aber 100 Jahre früher also 1912 waren schon wichtige Aufnahmen mit Caruso, Nelly Melba, Adelina Patti gemacht und die Erstaufnahme der fünften Sinfonie von Ludwig van Beethoven unter Nikisch folgte 1913 - vielleicht hätte ich den Thread erst 2013 starten sollen ?

Egal - ich werde noch ein wenig nachdenken, und dann meine Auswahl treffen.

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

Joseph II.

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6

Freitag, 16. November 2012, 00:53

Die "Beteiligung" hier spricht eigentlich Bände. Aber es ist auch schwierig, irgendetwas wirklich Hochkarätiges zu benennen in den letzten zwölf Jahren. Im Opernbereich (zumindest in dem mich primär interessierenden) finde ich da kaum etwas. Irgendeine Referenzaufnahme des Fliegenden Holländers, Tristan oder Rings? Nicht, dass ich wüsste. Bei den Barockopern und -oratorien wird man sicher fündiger, aber da kenne ich mich wieder zu wenig aus. Am ehesten finde ich da etwas im symphonischen Bereich. Wobei, ehrlich gesagt, meine favorisierten Aufnahme auch fast alle vor 2000, oft sogar sehr deutlich davor, entstanden sind. Dennoch ein Versuch:


Bruckner: Symphonie Nr. 5
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Bernard Haitink
2010

Diese Aufnahme braucht sich echt nicht zu verstecken. Sensationelles Orchesterspiel, sehr gute Tempowahl, wunderbarer Klang. Und das unter Haitink, der sonst weniger zu meinen Lieblingsdirigenten zählt (recht mäßiger Tannhäuser etwa), aber hier: alle Achtung! Der Finalsatz — für mich natürlich das Wichtigste — gelingt hier auf einem Niveau mit, sagen wir: Celibidache oder Jochums letzter Aufnahme, und das ist ein wirklich großes Kompliment. Sehr wuchtig und majestätisch, wie es sich für dieses "monumentalste Finale der Weltgeschichte" (Furtwängler) auch geziemt.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

William B.A.

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7

Freitag, 16. November 2012, 01:14

Die großen Schallpalttenaufnahmen des 21. Jahrhunderts

Vielleicht wird man fündig, wenn man sich nicht nur für die Oper interessiert. Ich kann mich erinnern, dass im Beethoventhread kräftig über maßstäbliche Interpretationen aus dem 21. Jahrhunderts der neun Symphonien (z.B. Chailly, Krivine, Järvi, Herreweghe, Thielemann) diskutiert hat, und das hat man ja nicht getan, weil diese Aufnahmen unbedeutend sind. Als Chorsänger, aber auch als Liebhaber der Klassischen Musik allgemein, interessiere ich mich auch sehr für Vokalwerke, und da wir uns jetzt endlich wieder mit Bach beschäftigen, und zwar mit einem seiner drei "Achttausender", dem Weihnachtsoratorium BWV 248, möchte ich hier die folgende m.E. bedeutende Aufnahme aus Ende 2006/Anfang 2007 vorstellen:

mit dem Arnold Schoenberg Chor, dem Concentus Musicus Wien unter Nikolaus Harnoncourt, Christine Schäfer, Sopran, Bernarda Fink Alt, Werner Güra, Tenor, Gerald Finley und Christian Gerhaher, Bass.


Liebe Grüße

Willi :thumbsup:
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

operus

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8

Freitag, 16. November 2012, 10:20

Ein provozierende These: Die wirklich großen, maßstabsetzenden Aufnahmen werden heute nicht mehr produziert. Natürlich gibt es immer wieder sehr beachtenswerte Neuerscheinungen, aber der Markt ist mit hervorragenden Aufnahmen, die im 20. Jahrhundert besonders in der Nachkriegsära geschaffen wurden, geradezu übersättigt. Alle großen Werke werden in bester Qualität mit "Traumbesetzungen" und bereits in technischer Perfektion mehr- und vielfach angeboten. Welches Schallplattenlabel wagt es da z. B. einen Beethoven-Zyklus, eine "Zauberflöte", eine "Aida" - vom Ring ganz zu schweigen usw. im Studio neu aufzunehmen. Deshalb wird auf Mitschnitte bedeutender Musikevents ausgewichen. Ausserdem haben sich die Konsumgewohnheiten der Klassikfreunde durch Internetangebote, YouToube usw. geändert.
Wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht gravierend ändern werden wir lange auf die tatsächlich bedeutenden neuen Produktionen warten müssen. Eventuell ändert die DVD, also die Wiedergabe in Bild und Ton, das Konsumverhalten und löst nach und nach die reine Tonaufzeichnung auf CD ab.

Herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

Norbert

Moderator

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9

Freitag, 16. November 2012, 12:10

Die "Beteiligung" hier spricht eigentlich Bände. Aber es ist auch schwierig, irgendetwas wirklich Hochkarätiges zu benennen in den letzten zwölf Jahren. Im Opernbereich (zumindest in dem mich primär interessierenden) finde ich da kaum etwas. Irgendeine Referenzaufnahme des Fliegenden Holländers, Tristan oder Rings? Nicht, dass ich wüsste. Bei den Barockopern und -oratorien wird man sicher fündiger, aber da kenne ich mich wieder zu wenig aus. Am ehesten finde ich da etwas im symphonischen Bereich. Wobei, ehrlich gesagt, meine favorisierten Aufnahme auch fast alle vor 2000, oft sogar sehr deutlich davor, entstanden sind.

Lieber Joseph II,

okay, beim Holländer, Tristan oder gar beim Ring finde auch ich keine maßstabsetzenden neuen Aufnahmen, aber vielleicht "reicht" ja auch der Lohengrin?


Unterm Strich braucht sich diese Aufnahme vor keiner anderen zu verstecken; bei den Einzelstimmen mögen andere Einspielungen ein klein wenig besser besetzt sein, aber bei der Ensembleleistung und insbesondere beim Orchesterklang findet sich in meinen Ohren nichts besseres.

Seit Monaten liegt die Box auf einem Stapel der noch näher zu besprechenden Aufnahmen, aber die Zeit, die Zeit...

Zitat

Dennoch ein Versuch:

Bruckner: Symphonie Nr. 5
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Bernard Haitink
2010

Diese Aufnahme braucht sich echt nicht zu verstecken. Sensationelles Orchesterspiel, sehr gute Tempowahl, wunderbarer Klang. Und das unter Haitink, der sonst weniger zu meinen Lieblingsdirigenten zählt (recht mäßiger Tannhäuser etwa), aber hier: alle Achtung! Der Finalsatz — für mich natürlich das Wichtigste — gelingt hier auf einem Niveau mit, sagen wir: Celibidache oder Jochums letzter Aufnahme, und das ist ein wirklich großes Kompliment. Sehr wuchtig und majestätisch, wie es sich für dieses "monumentalste Finale der Weltgeschichte" (Furtwängler) auch geziemt.
Diese CD höre ich von mal zu mal lieber, und allmählich schafft sie es auch bei mir, einen Spitzenplatz einzunehmen.

Apropos Haitink: Eltliche seiner "späten Aufnahmen" sind für mich unglaublich gut und strafen das Bild des "hemdsärmligen Kapellmeisters" eindrucksvoll Lügen.

Deswegen nominiere ich:

und zwar deswegen

Gleichberechtigt nebeneinander stehen dann noch:

und
(lieber eine zu viel als eine zu wenig ;) ), was hier und dort näher begründet wurde.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Joseph II.

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10

Freitag, 16. November 2012, 12:11

Lieber Operus,

ich kann dir eigentlich nur beipflichten, besonders, was das klassisch-romantische Repertoire angeht. Im Bereich der Alten Musik (also bis etwa 1750) hingegen wurden nach der Jahrtausendwende gewisse Werke überhaupt erstmals aufgenommen bzw. lösten eine uralte Aufnahme, die nicht der historischen Aufführungspraxis verpflichtet war, ab.

Dass die Bild-und-Ton-Wiedergabe langfristig die reine Tonaufzeichnung ablösen wird, glaube ich gar nicht. Wer Musik nebenbei hören will, braucht kein Bild. Ich höre wohl über 90 % reine Tonaufnahmen. Allerdings ist die Tendenz, dass heute viel mehr DVDs herauskommen, natürlich absolut richtig beobachtet. Bei Bühnenwerken mit angemessenen Inszenierungen ist das ja auch sehr interessant. Bei rein symphonischen Werken brauche ich das Bild nicht unbedingt, wobei es natürlich spannend ist, einen großen Dirigenten auch mal "live" dirigieren zu sehen.

Zum Schluss noch eine weitere Empfehlung von nach 2000, die durchaus Referenzcharakter hat:


Haydn: Symphonien Nr. 91 & 92 "Oxford"
Freiburger Barockorchester
René Jacobs
2004

Die 92. ist sicher einer der meistgespielten Haydn-Symphonien. Entsprechend groß ist natürlich die Konkurrenz. Dennoch gelingt es Jacobs, hier eine Weltklasse-Einspielung vorzulegen. Danach erscheinen fast alle anderen Aufnahmen seltsam "behäbig", selbst wenn man sonst wenig an ihnen aussetzen kann. Noch mehr als für die 92. gilt das Gesagte für die sträflich vernachlässigte 91., die hier noch unumstrittener als wohl beste Aufnahme des Werkes gelten kann.

Beste Grüße
Joseph
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

operus

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11

Freitag, 16. November 2012, 13:09

Lieber Joseph II.,

völlig richtig, dort wo versucht wird bei den Werken und in der Aufführungspraxis das Neue zu finden und zu gestalten, wird wenn dies gelingt auch Neues produziert. Der von Dir zitierte René Jacobs und auch Nicolaus Harnoncourt sind dafür gute Beispiele.

Herzlichst Operus
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12

Freitag, 16. November 2012, 13:17

Bild+Ton-Aufnahmen wurden seit knapp 30 Jahren mit VHS und insbesondere dann der kurzlebigen Laser-Disc versucht zu vermarkten. Die werden aber immer tendenziell teurer in Produktion und Anschaffung sein. Da außer bei Opern viele Hörer nicht bereit sind, erheblich mehr dafür zu zahlen, jemanden mit dem Stöckchen wedeln zu sehen..

Zum Thema ist das mindestens der dritte thread, ein recht ausführlicher findet sich schon ab 2005:

Referenzen ab 2000

An bislang noch nicht genannten Einspielungen würde ich zB nennen:



Ich habe aus Geld, Platz- und Zeitmangel keine Chance, mit den neu erscheinenden Sachen mitzuhalten, zumal ich bei etlichem Repertoire auch keinen Sinn darin sehe, immer mehr Aufnahmen anzuschaffen (daher kenne ich zB keine der Beethoven-Aufnahmen mit Krivine, Chailly, Thielemann, Vänskä usw.)
Sofern es nicht gerade um "Tosca" usw. (d.h. 08/15-Opern, für die es früher tendenziell bessere Sänger gab) geht, besteht kein Mangel an referenzwürdigen Aufnahmen aus den letzten 12 Jahren.

Wie schon mal angedeutet, finde ich das durchaus erstaunlich, da ja Ende der '90er der CD-Boom endgültig vorbei war, SACD eine Nische geblieben ist und keines der Jubiläen (Bach 2000, Mozart 2006, Haydn/Händel/Mendelssohn 2009, Chopin/Schumann 2010 usw.) so einen impact gehabt haben dürfte wie seinerzeit Mozart 1991 (passenderweise am Höhepunkt des Digital-Booms). Die für die Labels goldenen 1980er und frühen 90er, in denen man eine wohlsituierte Kundschaft davon überzeugen konnte, auf CD a) Standardrepertoire in DIGITAL -Aufnahmen, b) ältere Aufnahmen in DIGITALEN REMASTERINGS und c) außer bekannter oder bislang wenig eingespielter Barockmusik (das fing natürlich schon in den 60ern an) nun auch Mozart, Beethoven, Schubert auf alten Instrumenten sich zuzulegen, sind endgültig vorbei. Aber trotz Fusionen und Billig-Boxen ist der Zusammenbruch ausgeblieben, es gibt auch im Standardrepertoire nach wie vor sehr gute Neuaufnahmen.

Alfred_Schmidt

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13

Freitag, 16. November 2012, 13:21

Und hier nun meine erste von drei Nominierungen......

Die hier abgebildete und verlinkte CD steht für den gesamten Zyklus
Das AURYN-QUARTETT legt mit dieser Einspielung eine Aufnahme vor, welche ohne Zweifel nicht nur hochkarätig ist, sondern ohne Zweifel in jeder Hinsicht mit den großen Aufnahmen der Vergangenheit mithalten kann. Tontechnisch wird hier sowieso alles in den Schatten gestellt, aber das nur nebenbei. Für Liebhaber von Haydns Streichquartetten ein muss.

Aufnahmen: 2009-2011

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

mucaxel

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14

Freitag, 16. November 2012, 15:21

Für mich
mucaxel

Felix Meritis

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15

Freitag, 16. November 2012, 15:25

Ich nominiere Madroszkiewiczs Bach:


Felix Meritis

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16

Freitag, 16. November 2012, 15:40

Weiters eine grandiose Aufnahme der Mendelssohn Cellosonaten:


Felix Meritis

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17

Freitag, 16. November 2012, 15:43

Und schließlich noch das Artemisquartett mit Schubert und Beethoven:


Alfred_Schmidt

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18

Freitag, 16. November 2012, 16:12

Na - da landet inzwischen schon einiges auf meiner Wunschliste........

Mein Vorschlag Nr 2 ist wieder links vom Text abgebildet.
Sehr mutig - wird mancher sagen, ein hundertfach gespieltes Standardwerk von einer hier in Europa nicht allzu bekannten Geigerin als "große" Aufnahme zu deklarieren. Daher möchte ich meine Wahl begründen. Zum einen handelt es sich bei dieser Box auch um die Ersteinspielung des Violinkonzerts von Franz Clement, eines bekannten Violinvirtuosen (der übrigen der Auftraggeber von Beethovens Violinkonzert war.) Zum anderen finde ich auch die eigenen (relativ langen) Kadenzen der Interpretin Rachel Barton Pine für hörenswert. Ich ziehe sie eindeutig der einst hochgepriesenen - aber vermutlich wenig gekauften(?) - Aufnahme von Gidon Kremer mit den Schnittke-Kadenzen vor......

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

operus

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19

Freitag, 16. November 2012, 17:50

Ich weiß nicht, ob es eine der ganz großen Aufnahmen ist. Für mich ist diese Einspielung jedoch eine der interessantesten:

Gerhard Oppitz - Japanese Piano Works (erschienen bei Haenssler Classic)

Wieder verläßt der Pianist ausgetretrene Pfade und bietet Neues. Bis auf ein Stück sind die japanischen Komponisten Toru Takemitsu, Shin-Ischro Ikebe, Saburo Moroi und Keiko Fuhjiie offensichtlich doch prägend vom europäischen Stil beeinflusst. Oppitz widmet sich diesen Werken mit großer Sorgfalt und kann selbst im ungewohnten Genre seine bekannten Tugenden, wie hoher Ausdruck, technische Perfektion und einfühlsame Anschlagskultur eindruckvoll demonstrieren. Insgesamt eine Begegnung, die sich lohnt.

Herzlichst
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Alfred_Schmidt

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20

Samstag, 17. November 2012, 16:21

Es ist gar nicht so leicht - Alles hat man nicht im Kopf - und dann ist die Gefahr gegeben, dass man eine CD, die einen grade erst begeistert hat nominiert - und dabei übersieht man anderes. und das wäre mir auch BEINAHE passiert. Eine sehr markante Aufnahme stellt zweifelos das Projekt aller Beethoven Klavierkonzerte (Inkl der Transkription des Violinskonzerts) dar, Welches der Pianist und Enesmbleleiter Artur Schoonderwoerd mit seiner Gruppe "Christofori" für das Label "Alpha" eingespielt hat. Anders als die andern und dennoch nicht verstörend - so würde ich mit einem Satz diese Aufnahme beschreiben, wobei hier natürlich unterschlagen würde, wie stimmig hier alles zusammenpasst. Obwohl man sich vom "gigantischen" symphonischen Beethoven-Stil verabschiedet hat, strahlen die Konzerte eine Harmonie und Würde aus, die man bei anderen HIP - Einspielungen oft schmerzlich vermisst. Hier ist nichts Schrilles, nichts allzu Kantiges zu vernehmen und dennoch hat die Aufnahme Furore gemacht.
Sie ist aufgefallen, hat Flagge gezeigt, und Orchester und sein Gründer, welcher gleichzeitig der Pianist ist haben sich in der Tonträgerszene profiliert..
Also eine Aufnahme die "ANDERS" ist, eine die man sich wird merken müssen....


Aufnahmedaten der Serie: zwischen 2004 und 2010

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

teleton

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21

Samstag, 17. November 2012, 18:17

Hm, offenbar möchte fast niemand mitspielen?

Man kann ja fast nicht mitspielen, weil es zu wenig gibt.

Aber wenn Norbert den Chailly-Beethoven-Zyklus und mucaxel sogar den für meine Begriffe viel zu konservativen Thielmann-Zyklus hier anfügt, dann kann ich ja ganz locker sein:


Der Beethoven - LIVE - Zyklus vom Beethovenfest 2010 aus der Beethovenhalle Bonn mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter Paavo Järvi gehört für mich auf jeden Fall zu den herausragensten Schallplattenaufnahmen des 21.Jhd.

SONY, Live 2010, DVD-DTS 5.1
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Alfred_Schmidt

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22

Samstag, 17. November 2012, 18:38

Zitat

Aber wenn Norbert den Chailly-Beethoven-Zyklus und mucaxel sogar den für meine Begriffe viel zu konservativen Thielmann-Zyklus hier anfügt, dann kann ich ja ganz locker sein

Natürlich kann man ganz locker sein. Die heute als "legendär" gehandelten Aufnahmen waren es zur Zeit ihres Entstehens auch nicht. Irgendwann tritt dann ein Ereignis ein, welches die Realität verzerrt. Fritz Wunderlich wurde mitten aus seinem Zenit "abberufen", was seine hervorragenden gesanglichen Leistungen dann schon in die Höhe des "überirdischen" katapultierte. Hätte er noch 30 Jahre weiter gesungen, so wäre er zwar berühmt , aber vermutlich nicht zur Legende geworden. Dies nur am Rande.
Der Thielemann Zyklus (ich hätte ihn nominiert, wenn es nicht schon mucaxel getan hätte) ist gerade DESWEGEN von Bedeutung - WEIL er so konservativ ist - oder zumindest im Ruf steht, es zu sein. Er signalisiert die Möglichkeit einer Umkehr - und zwar einer, die unter dem Jubel des Publikums stattfindet. Nicht ganz so ausgeprägt, aber dennoch jeder auf seiner speziellen Linie laufen, sind die beiden anderen Zyklen. Jeder von ihnen stellt eine "Extremposition" dar. somit ist es durchaus möglich (auch wenn ich persönlich nicht dieser Überzeugung bin), dass wir hier DREI "große" (im Sinne von "prägenden" und über lange Zeit im Katalog verbleibenden) Aufnahmen vor uns haben. Die Zukunft wird es weisen.

Es muss uns klar sein, dass wir in solch einem Thread mehrheitlich mit LEBENDEN Interpreten zu tun haben - und dass diese nicht als "Legende" gelten können - wie die Verstorbenen. Gesucht werden lediglich Aufnahmen die mit den "Klassikern" der Schallplattengeschichte mithalten können - nicht solche, die "besser" sind.

und damit ist mein kleiner Einschub schon wieder zu Ende

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

Maurice

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23

Samstag, 17. November 2012, 22:16

Man kann ja fast nicht mitspielen, weil es zu wenig gibt.

Hoppla, mal nicht so bescheiden … ganz so dünn sind die Rosinen nicht gewachsen.

Meine Empfehlungen sind – zwar alles Beethoven, aber TOP … (auch alles ganz locker …) :pfeif:



Den Beethoven LIVE-Zyklus vom Beethovenfest 2010 hat teleton bereits genannt – zu Recht …
Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

William B.A.

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24

Sonntag, 18. November 2012, 01:47

Die großen Schallplattenaufnahmen des 21 Jahrhunderts

Zitat

teleton:Man kann ja fast nicht mitspielen, weil es so wenig gibt. Aber wenn Norbert den Chailly-Beethoven-Zyklus und mucaxel sogar den für meine Begriffe viel zu konservativen Thielemann-Zyklus hier anfügt, dann kann ich ja ganz locker sein:
Der Beethoven-Live-Zyklus vom Beethovenfest 2010 aus der Beethovenhalle Bonn mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter Paavo Järvi gehört für mich auf jeden Fall zu den herausragendsten Schallplattenaufnahmen des 21. Jhd.
Diesem Urteil ist wenig hinzuzufügen, lieber Wolfgang. Was Järvi betrifft, sogar gar nichts, denn ich war gerade drauf und dran, etwas Ähnliches zu posten, als ich deinen Beitrag las. Aber vielleicht eine Bemerkung: hat ein "viel zu" konservativer Zyklus hier weniger Berechtigung? Ist statt "konservativ" oder "modern" nicht die berechtigtere Entscheidung "gut" oder "schlecht"? Und gut ist die Einspielung Thielemanns m.E. allemal, auch so gut, hier genannt zu werden. Zu dem Ergebnis bin ich gekommen, als ich die Symphonien und auch die Gespräche wieder und wieder auf Classica gehört und gesehen habe. Es war ja mit dem Thielamnn-Zyklus genauso wie mit dem Järvi-Zyklus. Auch er wurde live in Wien im Musikverein gespielt und auf DVD aufgenommen, und wie in Bonn zeugte die Reaktion des Publikums von der Qualität des Vortrags. Es kann ja sein, dass die aufgenommenen CD's nicht so überzeugend wirken, deshalb werde ich mir auch nur den DVD-Zyklus anschaffen (wenn er etwas billiger geworden ist). Desgleichen habe ich es bei Järvi gemacht, und ich greife immer wieder zur einen oder anderen Symphonie aus der Box, um sie zu hören.
Gerade habe ich meine Besprechung des dritten Karajan-Zyklus fortgesetzt, und morgen ist die Vierte dran. Bis jetzt halte ich den Zyklus für mindestens so stark wie den Ersten, er hat nur einen Fehler: er ist nicht aus dem 21. Jahrhundert, aber er wird im 21. Jahrhundert immer noch konkurrenzfähig sein.

Liebe Grüße nach Bonn

Willi :thumbsup:
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2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

William B.A.

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25

Sonntag, 18. November 2012, 02:06

Die großen Schallplattenaufnahmen des 21. Jahrhunderts

Ich möchte hier natürlich auch noch eine Box anfügen, die mir sehr am Herzen liegt, schon, seit sie vor 15 Jahren im Reitstadel in Neumarkt mit der Schlusstrias op. 109-11 ihren Anfang nahm. Alle anderen Aufnahmen stammen aus diesem Jahrhundert. Der Zyklus wurde erst im August 2003 im Congresszentrum Pforzheim mit dem op. 53 und dem op. 106 fortgesetzt. Alleine schon diese CD
wäre es wert, hier genannt zu werden, ist sie doch Ausdruck von Korsticks besonderer Lesart, nämlich keine besondere, neue Lesart vorzulegen, sondern einzig und allein dem Willen des Komponisten verpflichtet zu sein. Außerdem zeugt sie, wie auch die anderen 9 CD's, von der großen Klavierkunst Korsticks, seiner durch keine Grenzen festgelegten Technik, seinem phänomenalen Anschlag und seiner tiefen Ernsthaftigkeit. Die Waldsteinsonate und die Hammerklaviersonate sind übrigens in der Gesamtaufnahme auf zwei verschiedenen CD's zu finden.


Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Theophilus

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26

Sonntag, 18. November 2012, 02:28

Alleine schon diese CD wäre es wert, hier genannt zu werden, ist sie doch Ausdruck von Korsticks besonderer Lesart, nämlich keine besondere, neue Lesart vorzulegen, sondern einzig und allein dem Willen des Komponisten verpflichtet zu sein.

So unterschiedlich können die Meinungen sein! Korstick liefert bei der Platte mit op.53 und op.106 in meinen Augen sehr wohl Einspielungen, die "anders" sein wollen. Das gilt für beide Sonaten, aber vor allem für den Bandwurm von Adagio bei der Hammerklaviersonate. Dabei liefert Korstick im Begleitheft das Kunststück, sein Schneckentempo aus der Partitur heraus kausal abzuleiten und damit Generationen von Pianisten vor ihm als dumme Jungs dastehen zu lassen, die nicht Partitur lesen können (Pianistinnen sind da nicht ausgenommen! ;) ). Die CD hat durchaus ihre Meriten und ist hörenswert, ich käme aber nie auf die Idee, sie zu den bemerkenswerten Einspielungen dieses Jahrtausends zu zählen. Die Sätze wirken wie zufällig zusammen gewürfelt. Korstick versucht, jedem Satz einen sehr ausgeprägten Charakter zu geben (prinzipiell gut), verliert aber völlig den Blick auf den großen Rahmen, der mehrere Sätze zu einem Gesamten werden lässt (prinzipiell ganz schlecht).

:hello:

Ciao

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William B.A.

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27

Sonntag, 18. November 2012, 03:31

Die großen Schallplattenaufnahmen des 21. Jahrhunderts

Ich glaube, so ganz abwegig kann das nicht sein, was ich geschrieben habe. Ich habe während meiner noch andauernden Beschäftigung mit den Beethoven-Symphonien solche Beispiele gefunden, und auch in der Klaviermusik tauchen sie anderweitig auf. So ist ein bekanntes Beispiel die unterschiedliche Tempogestaltung namhafter Pianisten des Kopfsatzes der Sonate Nr. 18 Ga-dur op. 78 (D.894) von Franz Schubert. Für diesen Satz brauchen folgende drei Pianisten/Pianistinnen folgende Spielzeiten:
1. Wilhelm Kempff (Hannover 1965): 10:55 min.,
2. Elisabeth Leonskaja (Berlin 1988): 20:56 min.,
3. Swjatoslaw Richter (?? 1978): 26:18 min.;

Wie kann das sein? Drei der größten Schubert-Pianisten aller Zeiten brauchen für den gleichen Satz so unendlich unterschiedlich viel Zeit. (Mitsuko Uchida braucht 18:29, Radu Lupu 16:56, Christian Zacharias 17:01). Hat nun Swjatoslaw Richter völlig daneben gelegen, oder Wilhelm Kempff? Immerhin hat Richter die 2,4fache Zeit gebraucht wie Kempff. Was heißt molto moderato e cantabile?

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
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  • »Johannes Roehl« ist männlich

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28

Sonntag, 18. November 2012, 11:49

Korstick nähert sich im Kopfsatz von op.106 mehr als irgendjemand seit Schnabel der umstrittenen Metronomziffer an. Das adagio spielt er dafür ziemlich genau im HALBEN Tempo. Kein Wunder, dass der Satz bei ihm m.E. komplett auseinanderfällt. An die Waldsteinsonate habe ich keine Erinnerung mehr; insgesamt war ich von der CD jedenfalls nicht so begeistert, wie ich aufgrund der angemessen "radikalen" Ecksätze des op.106 erwartet hatte.

Die Schubert-Sonate haben wir schon einmal in einem anderen Thread diskutiert; Kempff lässt die Wdh. aus. Richter ist viel zu langsam (weit extremer als bei D 960, das auch zu langsam ist, aber noch funktioniert). Bei Richter wirkt der zweite Satz SCHNELLER als der erste; was immer Schubert mit "molto moderato" meinte (m.E. (allegro) molto moderato) Ein vernünftiges Tempo scheint mir in etwa Lupus.
Das gehört aber nicht unbedingt in diesen thread.

Nachdem ich das Eröffnungsposting gelesen habe, will ich zu den drei von mir genannten CDs noch sagen, dass das eher spontane Nennungen waren, bei denen ich mit Absicht gängiges Repertoire gewählt habe. Bei Händel, Vivaldi oder erst recht weniger bekannter Musik vor 1800 wäre es beinahe zu leicht.
Ich halte die alle locker für ebenso "referenzwürdig" wie vorgebliche Klassiker der LP-Ära, aber wenn ich länger überlegen würde, fielen mir seit 2000 vielleicht auch drei noch maßgeblichere Einspielungen ein.

farinelli

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29

Sonntag, 18. November 2012, 12:14

Ich habe:

Kempff DGG 1965 [10´:55´´]
Brendel Philips 1972 [11´:58´´]
Schuchter RCA 1976 [13´:43´´]

Also, ohne die Entwicklung der Zeitlupenaufnahme hätten wir den Flug eines Kolibris nie begriffen. Aber fliegen können wir damit nicht, leider. - Die Entdeckung der Langsamkeit gab es in vielumstrittenen Beispielen, von denen nicht alle in diesen Ehrentempel gelangen dürften. Mir fallen leider nur zwei aus dem späten 20. Jh. ein, Bernsteins Brahms Nr. III und eine Chopineinspielung von Benedetti Michelangeli, die in der Presse unter "die Mazurken als Trauerfälle" rezensiert wurde.

Interessant wäre für mich die Frage - um zum Thema zurückzukehren -, ob diese Tendenz zur Tempoverbreiterung in der Absicht, Strukturen zu verdeutlichen, heute noch fortwirkt? Ist Langsamkeit auch heute noch Referenz?

:hello:
Zerging in Dunst das heilge römsche Reich

- uns bliebe gleich die heilge deutsche Kunst!

hasiewicz

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30

Sonntag, 18. November 2012, 14:03

weit extremer als bei D 960, das auch zu langsam ist, aber noch funktioniert
Wie kann etwas "zu" langsam sein und zugleich "funktionieren"? Es gibt offenbar etliche Klaviermusikliebhaber, für die Richters Einspielung von D. 960 das Nonplusultra ist. Alles Ignoranten und Niedrigfrequenzpulsler? Oder führen hier doch mehrere Wege nach Rom und die berühmte "Referenzeinspielung" ist doch eher eine persönlich subjektive Angelegenheit?

Was Langsamkeit heute betrifft: Valery Afanassiev zelebriert sie, und auch seine Interpretationen scheinen für viele zu "funktionieren".


Zurück zum eigentlichen Thema - meine drei Einspielungen, die ich hier nennen möchte sind:

Die Mozart-Klavierkonzerte mit Christian Zacharias und dem Lausanner Kammerorchester (mittlerweile liegen 9 "Volumes" vor)




Nochmal Mozart: Klarinettenkonzert und Klarinettenquintett, Solistin Sharon Kam



Schuberts "Große" C-Dur Symphonie in der Einspielung mit Phillip Herreweghe und dem Royal Flemish Orchestra (die ja auch Sagitt laut seiner Amazon-Rezension für "eine der ganz grossen Aufnahmen der letzten Schubert-Sinfonie" hält).




Kurzum: Auch wenn wir Deutschen dazu neigen, Krise allenthalben zu sehen - die Angst, dass es irgendwann einmal keine Klassikeinspielungen auf allerhöchstem Niveau mehr geben könnte, scheint mir gänzlich unbegründet. Was heute halt fehlt, ist die Legendenbildung früherer Zeiten als Nimbus um eine Aufnahme. Dafür sind wir und die vermittelnden Medien einfach zu nahe am Geschehen. Aber ganz ehrlich: Bei einer 1A-Aufnahme brauche ich keine Legenden, um vor ihr im übertragenen Sinne auf die Knie zu gehen.

Christian

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