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lutgra

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  • »lutgra« ist männlich

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31

Dienstag, 26. September 2017, 21:53

Bernard Zweers - Symphonie Nr. 3

Die dritte Symphonie von Bernard Zweers gilt als sein Meisterwerk; 1886/90 komponiert, trägt sie den Titel "An mein Vaterland". Das erinnert an Smetana und die erste Symphonie von Raff und stilistisch ist Zweers 3. davon auch nicht allzu weit entfernt. In erster Linie denkt man bei der Tonsprache aber an Tschaikowsky mit einem gehörigen Schuss Liszt/Wagner. Das Werk ist üppige 62 min lang und hat viele interessante Einzelheiten. Ob es insgesamt als Symphonie funktioniert oder doch eher eine Sammlung von vier Orchesterfantasien ist, müssen weitere Hördurchgänge ergeben. Durchaus hörenswert auf jeden Fall.


Alfred_Schmidt

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  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

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32

Dienstag, 26. September 2017, 22:51

Interessant. Ich habe mir seinerzeit die erste und zweite Sinfonie von Zweers auf Grund einer Nomininierung durch das Ex-Mitglied "Oranje" vom 6. September 2012 gekauft. , die dritte aber " auf später" verschoben. Am 2. Dezember 2012 habe ich die erste dann offensichtlich gehört und durchaus positiv beschrieben. Desungeachtet liegt die zweite Sinfonie noch ungehört und originaöversiegelt im "Wartebereich" meiner Sammlung. Die Dritte fehlt noch immer. Damit sie mir nicht entgeht habe ich sei heute auf die Bestelliste für Oktober gesetzt. Eigentlich wollte ich die Bestllung erneut verschieben, eine kurze Hörprobe hat mich indes überzeugt, daß es JETZT sein muß.
Mir ergeht es beim Hören von holländidchen Komponosten so, daß ich sie durchaus als angenehm, zugleich aber als ein wenig "bedeutungslos" empfinde, orgendo nicht als wirchl "klassische Musik" (??)
Hier mag sich vermutlich das zu Buche schlagen, was ich im (von den Taminos verworfenen) Thread "Projektionen in der klassischen Musik" ansprechen wollte....

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

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33

Mittwoch, 27. September 2017, 14:30

Früher als geplant habe ich mir nun doch die 2 Sinfonie von Zweers angehört. Der auslöende Faktor, war Lutgras Bemerkung, daß - allerdings in Bezug auf die Dritte - eine gewisse Nähe zu Raff zu hören sei. Das könnte doch - so dachte ich - auch auf die zweite Sinfone zutreffen ? Und in der Tat- es gibt ZUMINDEST EINE Gemeinsamkeit, und die wäre ein GesamteindrucK von eher einfacher eingängiger Melodik. Und auch hier hat man oft den Eindruck, man kenne einiges bereit, es ist irgenwie vertraut. Es gibt keine überzogene Dramatik, keine vorgetäuschte "Bedeutung" oder in Musik gesetzte "Weltanschauung"- nur schöne Musik

Die Sinfonie stammt von 1882/82. bei ihrem Erscheinen wurde sie zwiespätig aufgenommen, während sie beim Publikum auf Anhieb beliebt war, gabe es doch einwände von seiten der Kritik. Die beiden Ecksötze wurden als gelungen betrachtet, die Sätze 2 und 3 wären wie ein Fremdkörper in der Sinfonie. Dieser Auffassung kann ich mich nicht anschliessen.
Der erste Satz kommt geradezu überschäumend von Lebensfreude daher, was natürlich die ruhigeren Sätze ein wenig in den Hintergrund drängt und sie vielleicht "Blasser" erscheinen lässt als sie sind, ich war eigentlich zufrieden. Der vierte Satz ist dann quasi der Garant für die Symmetrie dieser Sinfonie.

Durch Zweers dritte Sinfonie, die angeblich alles bislang von Zweers komponierte überragt wurde die zweite, ebenso wie die erste Sinfonie (IMO zu unrecht) in den Hintergrund gedrängt.

Insgesamt ein klangschönes, eingängiges und vorwiegend fröhliches Werk

mfg aus Wien
Alfred

PS im Finalsatz höre ich immer wieder Fanfaren, die mich entfernt an den Beginn eines bekanntes Weihnatslied erinnern - vermutlich Einbildung......

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Alfred_Schmidt

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  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

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34

Sonntag, 1. Oktober 2017, 18:45

Auf der schon im vorigen Beitrag gezeigten CD mit Bernard Zweers 3. Sinfonie befindinden sich weitere Werk, daunter die über 7 Minuten dauernde Konzertouvertüre "Saskia" Saskia van Uylenburgh (1612 -1642) war Rembrandts erste Ehefrau (es gab eigentlich keine zweite, denn Hendrijke Stoffels war - wenngleich von ihm als seine Frau bezeichnet, formal nur eine Lebensgefährtin) aus einer niederländischen Patrizierfamilie. ihr Vater war einst sogar Bürgermeister ihrer Geburtsstadt Leeuwarden.
Die Ouvertüre wurde 1906 anlässlich des 300. Geburtsags von Rembrandt geschrieben.
Im Beiheft der Cds findet sich eine Auslegung des Werks als "Charakterportrait" (wie sie früher in Mode waren) und es wir hier erklärt durch welche kompositorischen Kunstkniffe Zweers den bescheidenen und frommen Charakter dieser Frau dargestellt haben will. Abgesehen davon, daß ich von derartigen komponierten Charakterbildnissen nicht allzuviel halte, dürfte zumindest der Begriff "bescheiden" nicht zutreffend sein, wie wir anhand einer überlieferten Geschichte wissen. Zitat aus WIKIPEDIA:

Zitat

1638 verklagte Rembrandt Saskias Verwandten Albertus van Loo und dessen Schwester, weil diese gesagt haben sollten, dass Saskia „mit Prunken und Prangen das Erbe ihrer Eltern vergeudet“ habe. Rembrandt hielt dagegen, dass er und seine Frau nun einmal „reichlich und über die Maßen begütert“ seien. Er verlor den Prozess

Abgesehen davon ist Zweers farbig und kräftig auftrumpfende Ouvertüre - auch ohne "Biographischen Hintergrund" hörenswert.
Da wir solche Personen und Geschichtsbeschreibungen bei vileen Komponisten finden, dürften sie der Tatsache geschuldet sein, daß Werke mit Beinamen scheinbar generell mehr Interesse hervorrufen......

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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Alfred_Schmidt

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35

Dienstag, 28. November 2017, 23:57

Soeben höre ich Die erste Sinfonie von Gilse, seinerzeit mit Sicherheit auf Grund dieses Thread gekauft. DIe erste Sinfonie erinnert mich an Raff. Soeben habe ich gesehen, daß dies teilweise auch Lutgras Eindruck war. Bei holländischen Komponisten habe ich immer den Eindruck einer gewissen unverkrampften Natürlichkeit, wobei ich vermute, daß es gerade diese ist, warum sie in der internationalen Klassikszene von heute eigentlich kaum Beachtung finden, es fehlt (mir nicht !!) das progressive Moment , wie wir es bei Gustav Mahler in Ansätzen finden, die Musik (ich beziehe mich auf die 1. Sinfonie !!) ist eingängig und gut gemacht. Ihr fehlt indes jener genialistische Zug, den man heute so liebt, und wo man alle mögliche hineininterpretieren kann.....

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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Alfred_Schmidt

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  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

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36

Donnerstag, 30. November 2017, 15:21

Gilse: Sinfonie Nr. 2

In meiner Begeisterung fpr Jan van Gilse habe ich gester darüber naschgedacht ob wir ihm umd ein paar anderen holländischen Komponisten nicht einen eigenen Thresd spendieren sollten: Ich habe micxh dann letztlich dagegen entschieden, und heute sehe ich, daß es richtig war; 2507 Seitenaufrufe in 5 Jahren bei DIESEM Tread - das ist wahrlich kein Indiz dafür, daß es irgendein größeres Interesse an holländischen Komponisten gibt.
Und da sind wir bereit wieder bei Jan van Gilse angelangt: Seine Musik ist schwer zuordenbar, zumindest wenn es und die neulich gehörte 1. Sinfonie und die soeben gehörte 2. geht. Sie sind beide gut gemacht, effektvoll, eher rückwärts gewandt als progressiv, obwohl der junge Jan van Gilse Von den Sinfonien Gustav Mahlers ganz hingerissen gewesen sein soll, so hört man in seinern Sinfonien 1 und 2 eigentlich nichts davon. die Zweitem sie ist dreisätzig , entstand 1902 , Gilse war da gerade mal 21. Ein zeitgenössischer Kritiker lobte sie sehr, wegen ihrer Vielseitgkeit an Stimmungen und ihrer Insrumentierung. So würde ich das auch sehen, allerdings ist dan eher schwer zu verstehen, warum Gilse 1928 die Sinfonie einer Revision in Sachen Instrumentierung unterzog...

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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orsini

Schüler

  • »orsini« ist männlich

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Registrierungsdatum: 9. Juli 2017

37

Donnerstag, 30. November 2017, 19:14

Johann Gottfried (eig. Godfried) Hendrik Mann

ist ein weiterer, hierzulande kaum bekannter niederländischer Komponist und auch Dirigent. Geboren im Jahre 1858, gestorben 1904, ist sein Kompositionsstil im wesentlichen der Spätromantik verpflichtet. Er besuchte 1874-1878 die Königliche Musikschule in Den Haag, bereiste danach Deutschland und Frankreich, traf in Paris mit Sain-Saens, Delibes und Massenet zusammen. Die moderne französische Schule übte eine große Faszination auf ihn aus. Sein Werkverzeichnis umfasst ca. 100 Opusnummern. Er dirigierte an verschiedenen niederländischen Theatern und Orchestern. G. Mann wurde nur 45 Jahre alt, seine drei letzen Lebensjahre waren von einer Nervenkrankheit gezeichnet - er verbrachte sie zum großen Teil in Heilanstalten.
Eine Auflisting des recht ansehnlichen Werks von Mann findet sich auf der niederländischen Wikipedia-Seite: https://nl.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Mann

auf der CD sind enthalten
Feest preludium für Orchester op. 95 (1890)
Klarinettenkonzert op. 90 (1885)
Violinkonzert op. 101 (1901)
Troisieme Suite op. 98 (1889-1896)

Sebastian Manz, Klarinette
Akiko Yamada, Violine
Osnabrücker Symphonieorchester
Hermann Bäumer, Diririgent

Sehr klangschöne, melodienreiche Werke. Besonders die Festouvertüre, das Violinkonzert (2. Satz Intermezzo. Andante amoroso) und die Suite betonen den romantischen Aspekt. Das Klarinettenkonzert wirkt insgesamt kraftvoller, burschikoser. Virtuose Interpretationen der Solisten, ausdrucksstark begleitet von einem von CD-Aufnahmen eher unbekannten Orchester. Aufnahmedatum: August 2010

jpc schreibt auf der Homepage:
"Es mag etwa vor 6 Jahren gewesen sein, als mir Dieter Klöcker in einer unserer regelmäßigen Repertoirebesprechungen die Noten eines Klarinettenkonzertes auf den Schreibtisch legte: »das ist ein absoluter Geheimtip. Ein Klarinettenkonzert aus der Spätromantik von 1885 (schon das eine kleine Sensation), hochvirtuos, hochmelodiös als wärs vom Lehar, und dann noch aus...Holland!« So waren Klöckers Worte, als er mir das Konzert von Gottfried Hendrik Mann präsentierte. Wir nahmen es natürlich in die Planung auf. Klöckers baldige Krankheit und Tod vereitelten eine eigene Einspielung. Er selbst hat aber noch den jungen Shooting Star der Klarinettenszene Sebastian Manz mit dem Werk vertraut gemacht. Es ist die Wiedergeburt eines wirklichen Meisterwerks, das ursprünglich große Bekanntheit hatte und von Rußland bis Amerika gespielt wurde. Aus unerfindlichen Gründen verschwand es irgendwann aus dem ja eh nicht besonders breit gefächerten Repertoire der Klarinettenvirtuosen. Bei der Gelegenheit haben wir dann auch andere Werke des leider vollkommen vergessenen Komponisten wieder ans Licht gehoben..."

Es grüßt
orsini
Man soll nicht lügen. Es sei denn, daß man mit der Wahrheit noch schlechter führe.
Curt Goetz