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Joseph II.

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Mittwoch, 8. Februar 2017, 00:39

"Katerina Ismailowa" (Zweitfassung von "Lady Macbeth von Mzensk")

Im Falle der "Lady Macbeth von Mzensk" steht man, was authentische russische Aufnahmen anbelangt, vor einem gewissen Dilemma. Es gibt aus Sowjetzeiten keine Aufnahmen dieser Oper in der Originalfassung. Überhaupt hat ja erst Mstislaw Rostropowitsch diese Erstfassung im Exil neu ausgegraben und 1978 in seiner berühmten Londoner EMI-Aufnahmen erstmals eingespielt. So hoch man diese Pioniertat auch bewerten muss, ist das Ergebnis dann doch nicht völlig befriedigend. Das liegt weniger an den Sängern als vielmehr am viel zu westlich klingenden Orchester (Chung soll da ja angeblich noch ärger sein, so dass ich mir das ganz ersparen werde).



Bleibt also nur die verschmähte Zweitfassung namens "Katerina Ismailowa", die Schostakowitsch, soweit ich weiß, am Ende seines Lebens als die bessere eingestuft hat (vermutlich war da der Druck der Partei dahinter). Wie dem auch sei: Ich hörte mir heute die Melodia-Einspielung von Gennadi Prowatorow mit dem Chor und Orchester des Stanislawski-und-Nemirowitsch-Dantschenko-Musiktheaters Moskau von 1964 an. Es dürfte sich scheinbar sogar um die allererste Studioaufnahme dieser Oper, ob nun Erst- oder Zweitfassung, handeln. Fangen wir bei der Klangqualität an: sehr gut für dieses Alter. Da ist Melodia wirklich eine überzeugende Überspielung auf CD gelungen. Kein Rauschen oder sonstige Nebengeräusche, allenfalls bei den ganz expressiven Stellen kommt die Tontechnik ein wenig an ihre Grenzen. Ärgerlich ist bei der Cover- und Bookletgestaltung, dass bei den Solisten nur die Vornamen angegeben sind. Eleonora Andrejewa ist eine tolle Katerina, Eduard Bulawin ein erschreckend boshafter Boris, Gennadi Jefimow ein tadelloser Sergei und Wiatscheslaw Radsijewski erinnert beim schwächlichen Sinowi fast an Mime. Regelrecht sensationell ist die orchestrale Seite der Aufnahme. Prowatorow holt wirklich alles heraus und sein sowjetischer Klangkörper kann ihm tadellos folgen. Besser geht's nicht. Die Entschärfungen in der zweiten Fassung fielen mir als Nichtmuttersprachler nicht wirklich auf. Ich denke, man sollte diese Aufnahme keinesfalls von vornherein aussortieren, nur weil nicht die heute bevorzugte Originalfassung gespielt wird.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid