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zweiterbass

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151

Donnerstag, 19. Mai 2016, 22:39

Das Ergebnis zunächst in der ersten Symphonie ist eine rhythmisch wie dynamisch grandiose Aufführung, in der jeder einzelne Musikant bis in die Haarspitzen konzentriert war

Hallo William B .A.,

war das nun eine CD oder eine DVD, welche du gehört hast?

Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

Maurice

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  • »Maurice« ist männlich

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152

Donnerstag, 19. Mai 2016, 23:18

Irgendwo im Forum habe ich dieser Tage eine Meinung über die Neuaufnahme der neun Symphonien Beethovens der Berliner Philhamroniker unter Sir Simon Rattle gelesen, ich weiß nur nicht mehr wo.

@ William B.A.: Du meinst sicher diesen Beitrag: Neuerscheinungen: Gehört und kommentiert – Beitrag No 2
Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

William B.A.

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  • »William B.A.« ist männlich

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153

Freitag, 20. Mai 2016, 00:51

Zitat

Hallo William B .A.,

war das nun eine CD oder eine DVD, welche du gehört hast?

Lieber Zweiterbass,
natürlich war das eine Blu Ray-Viedo von exzellenter klanglicher und bildlicher Qualität.

Zitat

@ William B.A.: Du meinst sicher diesen Beitrag: Neuerscheinungen: Gehört und kommentiert – Beitrag No 2


Danke, lieber Maurice, jezt bin ich wieder vollstänig im Bilde.

Liebe Grüße

Willi
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

William B.A.

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154

Samstag, 8. Juli 2017, 21:06

Herbert Blomstedt, Gewandhausorchester Leipzig, AD: März 2017

Heute kann ich von einer weiteren neu erworbenen Box berichten, die heute bei mir eingetroffen ist und aus der ich soeben die Erste gehört habe:

Spielzeiten: 8:46-7:36-4:02-5:45 --- 26:09 min.;
Vorausschicken möchte ich einen Passus aus dem Booklet, den ich heute Nachmittag gelesen habe:

Zitat

Herbert Blomstedt: "Wenn man die Ambiton hat, die Musik so darzustellen, wie der Komponist sie empfunden hat, dann hat man eine Verpflichtung", erklärt Blomstedt sein Ethos. "Furtwängler hat manchmal bei Beethoven glatt das halbe Tempo genommen von dem. das in der Partitur steht. Das klang manchmal fantastisch, aber man darf das nicht. Wenn man das Tempo auf diese drastische Weise verändert. dann hat das weitreichende Konsequenzen für den gesamten Ausdruckscharakter des Stückes. Denn beim Tempo geht es nicht nur um schnell oder langsam. Am Tempo hängen viele weitere Fragen, zum Beispiel die des Bogenstrichs. Davon, welchen Bogenstrich man wählt, hängt dann wiederum unmittelbar die Artikulation einer Phrase ab, und diese formt den musikalischen Charakter".

In seiner Einspielung folgt Blomstedt seiner Erkenntnis, dass man Beethovens Metronomzahlen durchgehend ernst nehmen müsse. Eine Flexibilität des Tempos, unmerkliche Modifikationen, bewahren seine Interpretation dennoch davor, mechanisch zu klingen. (Vgl. Booklet, S. 21/22, Julia Spinola, Zitate aus ihrem Buch: Herbert Blomstedt - Gespräche mit Julia Spinola, Henschel Verlag/Bärenreiter, 2017)
Im Weiteren geht Blomstedt darauf ein, dass Manche Dirigenten, z. B. im Kopfsatz der "Eroica", die Exposition nicht wiederholen, weil sie insgesamt ein zu niedriges Tempo wählen (siehe S. 24, ebenda)
Als ich nun die Satzzeiten der 1. Symphonie las, wusste ich sofort, dass Blemstedt die Exposition im Kopfsatz wiederholt, und so war dem auch.
An anderer Stelle sagt Blomstedt, dass er die Einlassung, mit den Original-Metronomzahlen seien Beethoven Symphonien nicht spielbar, für eine Ausrede halte: "Es ist alles spielbar. Und auch dort, wo es fast unspielbar wird, ist genau das sicherlich so gewollt." (siehe S. 22, ebenda).
Das Leipziger Orchester wusste sicherlich auch sofort, wovon Blomstedt sprach, hatte es doch wenige Jahre zuvor unter dieser Prämisse schon unter ihrem derzeitigen Kapellmeister Riccardo Chailly die 9 Symphonien schon höchst erfolgreich aufgenommen.
Wenn man unvoreingenommen die Erste hört, denkt man unwillkürlich: welch eine frische, jugendliche, mitreißende Aufnahme. Aber dann denkt man: Mein Gott, der Dirigent wird am Dienstag 90 Jahre alt! Und dennoch bleibt man bei der Einschätzung.
Das Gewandhausorchester, das sicherlich seit 1998 zuerst unter Blomstedts Leitung (als Nachfolger Masurs) und seit 2005 unter Chaillys Leitung einen weiteren Schritt in Richtung Weltspitze gemacht hat (wovon aus meiner Sammlung die GA Chaillys und die bisher erschienen 7 Mahler-Symphonien Zeugnis ablegen), spielt hier mit einem begeisternden Sturm- und Drang-Brio, aber gleichzeitig mit einer mozartinischen Leichtigkeit und gleichzeitig mit einer Transparenz, dass das Hören eine tief empfundene Freude ist. Jede Instrumentengruppe gibt m. E. ihr Bestes, und zum Erscheinen dieser neuen Einspielung ist zu sagen, obwohl ich schon eine so große Anzahl von Gesamtaufnahmen habe, dass mir diese wirklich noch gefhelt hat. Und da ich von einem Mann mit der Verlässlichkeit und Integrität Blomstedts annehmen kann, dass die übrigen acht Symphonien gegen die Erste nicht abfallen werden, kann ich schon hier und jetzt eine dicke Kaufempfehlung abgeben.

Liebe Grüße

Willi :thumbsup:
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
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Norbert

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155

Samstag, 8. Juli 2017, 21:23

Lieber Willi,

meine Box hat mich auch heute erreicht, aber ich habe noch nichts hören können.

Danke für Deinen Bericht. Vor knapp 40 Jahren hat Blomstedt schon einmal alle Beethoven Sinfonien aufgenommen, damals mit der Staatskapelle Dresden.



Sei der Zeit hat sich Blomstedts Einstellung zu Beethoven geändert. Bei der "Eroica" z.B. wiederholte er damals nicht die Exposition im Kopfsatz. Auch sind seine Tempi schneller geworden und er präferiert inzwischen die deutsche Orchesteraufstellung.

Ich bin gespannt. Ich kenne einige seiner neuen Beethoven Interpretationen als Konzertmitschnitte verschiedener Orchester und gehe ebenfalls davon aus, dass die neue Gesamtaufnahme vorzüglich sein wird, wenngleich, bei aller Euphorie, der "Prüfstein" für die Qualität der Interpretation nicht die 1. Sinfonie sein wird... ;)
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

William B.A.

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156

Samstag, 8. Juli 2017, 22:36

Ich komme gerade von meiner Abend-Fitnessrunde zurück, lieber Norbert.

Die Aufnahmen mit der Staatskaepelle Dresden, von der du sprachst, habe ich auch seit vielen Jahren in meiner Sammlung, damals als Bestandteil einer 60-CD-Box "The Complete Masterworks" von Brilliant Classics. Ich habe aber noch eine zweite Box von Brilliant "The Complete Works", 85 CD, also eine Gesamtaufnahme Beethoven, in der ist Kurt Masur, der Vorgänger von Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester vertreten . Ich habe beide Boxen, weil es da so gut wie keine Doubletten gibt, so spielt in der einen Box z. B. Friedrich Gulda die Klaviersonaten, in der anderen John Lill. Und weil beide Boxen spottbillig waren, habe ich beide.
Du sprachst davon, dass der "Prüfstein" für die Qualität der Interpretation nicht die 1. Sinfonie sein würde. Aber wer die Erste schon so herausragend interpretiert wie hier Blomstedt, dem darf man zutrauen, auch die anderen Symphonien auf dem Niveau abzuliefern, und im Umkehrschluss: wer die Erste schon nicht gescheit dirigieren kann, der ...

Mir kam es so vor, als ich die Erste hörte, als wenn ich einen Wald beträte, der voller natürlicher Wohlgerüche und herrlichster Naturlaute wäre. Da nimmt man auch nicht an, dass um die nächste Biegung sich eine leere, trostlose Sandwüste erstreckt. ^^
Vielleicht höre ich mir gleich noch die Zweite an, aber gleich ist erst das 5. KK Beethovens mit Andras Schiff vom Verbier Festival 2016 an der Reihe.

Liebe Grüße

Willi :)
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Norbert

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157

Samstag, 8. Juli 2017, 23:50

Lieber Willi,

Deine Argumentation ist nicht ganz von der Hand zu weisen, aber die Wahrheit liegt nun mal, wie so oft, in der Mitte. ;)

Ich kenne wenig Gesamtaufnahmen, bei denen alle Sinfonien auf dem gleich hohen Niveau dargeboten wurden. Mit schnellen, "werkgetreuen", Tempi alleine legt man noch keine mitreißende Interpretation hin.

Bei der noch nicht beendeten Gesamtaufnahme des Herrn Haselböck z.B. gefallen mir die ersten beiden Sinfonien außerordentlich gut, bei der 3., 7. und 9. Sinfonie empfinde ich nicht die gleiche Hörfreude.
Okay, die kann man nicht direkt vergleichen, weil Martin Haselböck auf Originalinstrumenten spielen lässt, aber es gibt auch andere Beispiele. Bei der ansonsten sehr gelungenen Gesamtaufnahme von Paavo Järvi fällt für mich die 7. Sinfonie ab, weil ich sie als "nur schnell" empfinde.

In sofern bin ich gespannt darauf, Blomstedts neue Gesamtaufnahme zu entdecken und würde mich freuen, wenn Du recht behieltest.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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Gustav Mahler

William B.A.

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158

Sonntag, 9. Juli 2017, 00:55

Zitat

Norbert: Bei der noch nicht beendeten Gesamtaufnahme des Herrn Haselböck z.B. gefallen mir die ersten beiden Sinfonien außerordentlich gut, bei der 3., 7. und 9. Sinfonie empfinde ich nicht die gleiche Hörfreude.

Ich glaube, ich weiß, was du meinst, lieber Norbert.
Ich habe mal bei Amzon Music die Eroica gestreamt

und in den Kopfsatz (bis zum e-moll-Seitenthema) und in die Marcia funebre hineingehört. Das war mir seinerzeit schon bei der Chambre Philharmonique unter Emanuel Krivine aufgefallen, die ich mir damals aufgrund der Diskussion im Forum angeschafft hatte, dass an verschiedenen Stellen, u. a. im Kopfsatz die Streicher in den mezza-voce-Sequenzen oft, so auch hier, wie Strreichquartette klingen, dünn und als Hip-Ensembles gänzlich ohne Vibrato noch dünner und an anderen Stellen durch die in solchen Hiporchestern immer sehr potenten Naturblechbläser und die Pauken oft zugedeckt werden.
Zudem war mir die Marcia funebre als "Adagio assai" auch zu schnell. Ich habe eine ganze Reihe von HIP-Gesamtaufnahmen der Beethoven-Sinfonien, die strotzen alle von sehr schnellen "Adagios". Die Wiener Akademie macht da m. E. keine Ausnahme. Außerdem klingen manche Hornstellen mir etwas zu ruppig und unsauber.

Liebe Grüße

Willi :)
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159

Sonntag, 9. Juli 2017, 03:15

Zitat

"Zudem war mir die Marcia funebre als "Adagio assai" auch zu schnell. Ich habe eine ganze Reihe von HIP-Gesamtaufnahmen der Beethoven-Sinfonien, die strotzen alle von sehr schnellen "Adagios"."


Das dürfte daran liegen, daß sich die Aufnahmen mehr oder weniger an Beethovens eigener Tempovorschrift (Metronomangabe) orientieren.
Gast - KleinerFrosch

Norbert

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160

Sonntag, 9. Juli 2017, 10:07


Mir kam es so vor, als ich die Erste hörte, als wenn ich einen Wald beträte, der voller natürlicher Wohlgerüche und herrlichster Naturlaute wäre.


Lieber Willi,

ich habe eben gerade die 1. Sinfonie gehört und finde Dein beschriebenes Bild so schön, dass ich es zitiere...

Beeindruckend ist die Vitalität, mit der Blomstedt die Sinfonie behandelt. Sie ist nicht nur "einfach schnell" gespielt, sie hat "Leben", sie wirkt "organisch", sie beinhaltet Spielfreude und macht tatsächlich "Appetit auf mehr".
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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Gustav Mahler

Norbert

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Sonntag, 9. Juli 2017, 10:21

Dann kurz zur "Eroica": Sie ist in der Tat einer der "Prüfsteine" für mich, denn nach meinem Empfinden (das sich mit Deinem zu decken scheint) gelingt es mit "hippen Mitteln" viel zu selten, den "revolutionären Geist" der Sinfonie herauszuarbeiten.
Hier genügt es nicht, den Metronomangaben mehr oder minder deutlich zu folgen, hier muss man, gerade im "Marcia funebre", Emotionen und "Größe" vermitteln, also das berühmte, schwer fassbare "das, was hinter den Noten steckt".
Das gelingt bei den Dirigenten, die mit Originalklangensembles arbeiten, Jordi Savall exemplarisch, aber nicht u.a. Martin Haselböck.

Aber das ist ein anderes Thema... ;)
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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