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  • »Eric Hoffmann« ist männlich

Beiträge: 145

Registrierungsdatum: 4. Juli 2012

91

Samstag, 4. August 2012, 21:06

In meiner Jugend habe ich oft die langsamen Sätze klassischer Werke weggelassen, gleichgültig ob Klaviersonate, Konzert oder Sinfonie (Kammermusik hörte ich damals noch nicht). Ich fand sie einfach nur langweilig. Besonders "majestätische", "triumphierende" und "strahlende" Sätze - da fühlte ich mich wohl.
Irgendwann begann ich das Hören ganzer Werke zu "trainieren" Und heute kann ich mir ein herauspicken nur mehr unter ganz speziellen Bedingungen vorstellen, beispielsweise bei Interpretationsvergleichen fürs Forum. Aber selbst in diesem Zusammenhang ist es eigentlich ein Kunstfehler, weil ein gelungener 1. Satz eines Werkes, der anderen Interpretationen, die man kennt, scheinbar überlegen ist, nicht notwendigerweise auf das gesamte Werk zu übertragen ist. Aber manchmal muß man sich eben bescheiden und dem Diktat der knappen Zeit Tribut zollen.....

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

Ich hatte mich schon die ganze Zeit gefragt, ob ich der einzige bin der das so macht! Aber ich erkenne mich in diesem Beitrag von Alfred direkt wieder! Nur selten höre ich mir die Langsamen Sätze an, gleich ob es nun eine Klaviersonate, Konzert, Sinfonie oder bei Kammermusik ist! Mir geht es da so, wie es Alfred in seiner Jugend ging!
Wenigstens weiss ich es jetzt, dass ich nicht der einzige bin der die Langsamen Sätze Öde findet :P Joseph II. scheint es ja auch manchmal so zu ergehen!

hami1799

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  • »hami1799« ist männlich

Beiträge: 3 438

Registrierungsdatum: 6. Februar 2012

92

Samstag, 4. August 2012, 21:36

dass ich nicht der einzige bin der die Langsamen Sätze Öde findet Joseph II. scheint es ja auch manchmal so zu ergehen!
das würde mich doch etwas wundern. Was könnte an den langsamen Sätzen in Beethovens 5-tem Klavierkonzert oder seiner 5. Sinfonie öde sein?

  • »Eric Hoffmann« ist männlich

Beiträge: 145

Registrierungsdatum: 4. Juli 2012

93

Samstag, 4. August 2012, 21:38

Die 2. Sätze aus Beethovens Symphonischen schaffen, als auch die aus den Klavierkonzerten sind seltsamer Weise die einzigen die ich mir auch gerne anhöre, wenn auch seltener als die Ecksätze! Aber gerade der 2. Satz Beethovens 5.er ist ein Meisterwerk das ich mir auch gelegentlich als "Rosine" herauspicke!

  • »Johannes Roehl« ist männlich
  • »Johannes Roehl« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 11 480

Registrierungsdatum: 12. August 2005

94

Samstag, 4. August 2012, 21:53

Stimmt, häufig haben langsame Zwischensätze die Tendenz zu langweilen; insbesondere Zusammenstellungen für längere Autofahrten, wenn ich überhaupt Musik im Auto hören will, beschränken sich auf fetzige Sätze.

Von der Englische Suite Nr. 1 A-dur BWV 806 mit Gould kämen z.B. auf so eine CD:
- Präludium (erster Stück)
- Sarabande (siebstes Stück)
- Bouree 1 (achtes Stück)
und dann ginge es weiter mit BWV 1007, Sarabande etc.
Die Sarabande ist in allen diesen Suiten der langsamste Satz... ;) wenn eine barocke Suite so etwas wie einen langsamen Satz hat, ist es normalerweise die Sarabande.


Zitat

Für die besten Stücke des gesamten bachschen Klavieruniversums halte ich übrigens (nach der Liszt-Transkription von BWV 543) die Canzona (Fuge) aus WTK II, 12, BWV 881, und zwar so, wie sie von Gould geschmettert wird (Sokolov und Demidenko spielen sie auch ganz gut)
f-moll aus WTK II ist ganz nett, aber keine meiner Favoriten. Das sind beim WTK tatsächlich eher die langsamen (oder mittelschnellen) Fugen wie cis-moll und b-moll aus I, E-Dur aus II u.a. Von den schnellen vielleicht e-moll aus I. Viele dieser Stücke werden ja in ziemlich unterschiedlichen Tempi gespielt (weil unmittelbar meistens keine angegeben sind) und funktionieren für mich meist auch in einem gewissen Spektrum. Allerdings ist es sicher fragwürdig, Fugen im Zweifel möglichst breit und feierlich darzubieten (sehr verbreitet bei der Kunst der Fuge).

hami1799

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  • »hami1799« ist männlich

Beiträge: 3 438

Registrierungsdatum: 6. Februar 2012

95

Samstag, 4. August 2012, 21:57

Lieber Eric,

lass Dir die Rosinen wohl bekommen, die sind wirklich köstlich. Wie Du siehst, Tempo ist nicht alles, außer bei Michael Schumacher.

Sei gegrüßt
hami1799

  • »Johannes Roehl« ist männlich
  • »Johannes Roehl« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 11 480

Registrierungsdatum: 12. August 2005

96

Samstag, 4. August 2012, 22:00

Dass (relative) Anfänger häufig schnelle Sätze mitreißender finden, ist wohl keine Seltenheit. Obwohl andererseits nicht wenige langsame Stücke oder Sätze zu den "Wunschkonzertrosinen" gehören, zB Mondscheinsonate, 1. Satz, Mozarts Konzert KV 467, 2. Satz, "Morgenstimmung", "Händels Largo" (Ombra mai fu), "Bachs Air" usw.

chrissy

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  • »chrissy« ist männlich

Beiträge: 3 694

Registrierungsdatum: 20. Oktober 2010

97

Samstag, 4. August 2012, 22:13

Mondscheinsonate, 1. Satz, Mozarts Konzert KV 467, 2. Satz,

... und Beethoven, 2. Satz, Es- Dur Nr.5... Alle drei Stücke zum Niederknien einmalig schön.
CHRISSY
Jegliches hat seine Zeit...

Joseph II.

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  • »Joseph II.« ist männlich

Beiträge: 11 668

Registrierungsdatum: 29. März 2005

98

Samstag, 4. August 2012, 22:33

Wenigstens weiss ich es jetzt, dass ich nicht der einzige bin der die Langsamen Sätze Öde findet :P Joseph II. scheint es ja auch manchmal so zu ergehen!

Stimmt, lieber Eric. :D
Anfangs- und Finalsätze sind mir meistens auch lieber. Die sind einfach in aller Regel effektvoller. Natürlich gibt es Ausnahmen. Man denke an Tschaikowskijs 6. Symphonie, wo zweifellos der 3. Satz der "Knaller" ist (kann ich dir bei dieser Gelegenheit übrigens ans Herz legen, auch mit deinem Liebling Karajan). ;)
Natürlich höre ich auch die langsamen Sätze heute gerne, wobei die Vorlieben nach wie vor eher bei den schnelleren Sätzen sind.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Schneewittchen

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  • »Schneewittchen« ist männlich

Beiträge: 2 507

Registrierungsdatum: 5. Oktober 2010

99

Samstag, 4. August 2012, 22:58



Den langsamen Mittelsatz von Ravels Klavierkonzert höre ich immer im Verbund mit den anderen Sätzen. Erst durch den Kontrast der drei Sätze - schnell-langsam-schnell - wirkt der langsame Mittelsatz noch schöner, als wenn man ihn allein hören würde.
Dasselbe gilt für mich auch bei den Klavierkonzerten von Mozart.
Ich will nicht ausschließen, in jungen Jahren mir einzelne Sätze herausgepickt zu haben, aber schon seit langer Zeit höre ich komplette Werke. Nicht immer am Stück, aber mit Fortsetzung bei Unterbrechung.
Bei Opern-CDs höre ich auch Querschnitte.
mfG
Michael

  • »Johannes Roehl« ist männlich
  • »Johannes Roehl« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 11 480

Registrierungsdatum: 12. August 2005

100

Samstag, 4. August 2012, 23:14

Spätestens ab der "Hochklassik" hat sich ein Komponist normalerweise bei der Satzreihenfolge was gedacht und die Stücke sind im Zusammenhang am wirkungsvollsten.
Abgesehen davon, dass es kein besonderer Favorit von mir ist, ist zB beim langsamen ersten Satz der Sonate op.27,2 ganz sicher nicht unwichtig, dass er der sehr ungewöhliche Beginn einer "Sonata quasi una fantasia" ist, kein Einzelstück oder kein zweiter Satz wie eher üblich. Bei seinem Violinkonzert und beim 4. u.5. Klavierkonzert hat Beethoven die Finalsätze ja direkt an die langsamen Sätze angeschlossen, wobei der "magische" Übergang beim 5. Klavierkonzert der berühmteste ist. Aber beim 4. Konzert ist eher noch deutlicher, dass der Mittelsatz nur als Mittelsatz wirklich seinen Sinn ergibt, nicht als Einzelstück. (Natürlich gibt es viele mehrsätzige Stücke, die lockerer aufgebaut sind und bei denen es weniger weh tut, einen Satz herauszulösen.)

La Roche

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  • »La Roche« ist männlich

Beiträge: 2 671

Registrierungsdatum: 21. Februar 2012

101

Sonntag, 5. August 2012, 13:45

Klar, so ein richtiger Kracher wie die Schlußsätze von Schostakowitsch`s 5. oder 7. , der 4. der 1. von Mahler, der Schluß der Auferstehungssinfonie, die reizen immer wieder zu eupohrischem Beifall. Da haben es die langsamen Sätze schwerer, schon weil sie nicht applauswürdig sind.

Aber beim Hören z.B. des 2. Satzes (Ständchen) des 1. Klavierkonzertes von Chopin mit Pollini denke ich, was da vielleicht gerade in seinem Kopf (Chopin) vorgegangen sein mag. Sein Polen wieder mal besetzt, kein Glück in der Liebe, dazu die Kenntnis, unheilbar krank geworden zu sein - also alles schlechte Nachrichten. Und dann diese Musik! Chrissy würde sagen: Schön wie Boheme mit Freni! So ist es!

La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


Gerhard Wischniewski

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  • »Gerhard Wischniewski« ist männlich

Beiträge: 4 468

Registrierungsdatum: 7. April 2011

102

Sonntag, 5. August 2012, 16:35

Normalerweise höre ich Musikwerke am liebsten im Gesamtzusammenhang. Aber im Gegensatz zu vielen Mitgliedern, die hier geschrieben haben, höre ich persönlich die langsamen Sätze (Andante, Adagio) aus allen Werken, die ich vom Barock bis in die Moderne besitze, am liebsten. Da hat wohl jeder seine persönliche Empfindung. Auch in meinen Filmen verwende ich eher ruhig fließende Musik.

Lieb Grüße
Gerhard
Ich mache dringend darauf aufmerksam, dass die szenischen Vorschriften, wie sie in der Partitur mit großer Genauigkeit angegeben sind, mit skrupulöser Treue befolgt werden.
(Wagner in einem Brief zu seinem "Tannhäuser" an Stocks 1841)