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musikwanderer

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Beiträge: 4 314

Registrierungsdatum: 20. Januar 2010

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Freitag, 22. Oktober 2010, 17:01

HÄNDEL, Georg Friedrich: ALESSANDRO

ALESSANDRO
Opera seria in drei Akten
Libretto von Paolo Antonio Rolli nach einer Vorlage von Ortensio Mauro

Uraufführung am 5. Mai 1726 im King's Theatre am Haymarket, London

DIE PERSONEN DER HANDLUNG

Alessandro/Alexander, König von Mazedonien (Original: Altkastrat)
Roxane, persische Prinzessin (Sopran)
Lisaura, skythische Prinzessin (Sopran)
Tassile, König in Indien (Original: Altkastrat)
Clito, Feldherr, Adeliger aus mezedonischem Geschlecht (Baß)
Cleone, Kerkermsiter (Alt)
Leonato, Feldherr (Tenor)

Das Geschehen ereignet sich um das Jahr 320 v. Chr.

INHALTSANGABE

ERSTER AKT
Vor der Stadt Sidrach.

Auf seinem Feldzug durch Asien ist Alexander der Große bei der Eroberung von Sidrach in Bedrängnis geraten. Er kann sich aber durch einen Sprung von der Mauer der Stadt retten und wird vom mazedonischen Feldherrn Clito gerettet. Alexander beschwert sich über das Zaudern seiner Soldaten und fordert sie auf, wie er selber mutig zu kämpfen.

Im Feldlager ängstigen sich die skytische Prinzessin Lisaura und Prinzessin Roxane aus Persien um das Leben des Königs. Der verbündete indische König Tassile, der Alexander Thron und Leben verdankt, kommt zu den beiden Rivalinnen um die Gunst des Königs und zeigt seinen Kummer, weil er Lisaura liebt, aber auch erkennt, daß er gegen Alexander keine Chance hat. Lisaura antwortet auf Tassiles Rede hin zwar freundlich, zeigt aber auch deutlich Verärgerung über Roxane. Diese kommentiert, für sich gesprochen, daß Lisauras Liebe ihre Pein sei, ihre Gefühle für Alexander gehen viel tiefer.

Als Alexander auftritt, wird er von den Prinzessinnen und Tassile freundlich begrüßt. Es kommt zu einem Liebesgeplänkel zwischen Alexander Lisaura und Roxane, unter dem Tassile leidet. Lisaura bemerkt aber die Unbeständigkeit des Königs. Sie geht mit Tassile ab. Alexander und Roxane tasten sich hinsichtlich ihrer Gefühle zueinander ab. Roxane ist sich der Liebe Alexanders nicht sicher, obwohl dieser ihr seine Liebe beteuert. Er bittet Roxane, über diese Liebe zunächst zu schweigen. Roxane ist aber so schnell nicht zu überzeugen.

Verwandlung: Der Tempel des Jupiter.

Während die Krieger und Hauptleute aus Alexanders Heer in den Jupiter-Tempel ziehen, unterhalten sich Clito und Cleone über den König. Sie zeigen, daß sie ihm als König und Feldherrn treu ergeben sind, aber keine Schmeicheleien zu sagen bereit sind. Im Tempel läßt sich Alexander dann nicht nur als Welteroberer, sondern auch als Sohn Jupiters feiern. Allein Clito widerspricht ihm, Cleone jedoch, aller eben noch abgegebenen Schwüre zum Trotz, huldigt ihm. Alexander, von diesen Worten ganz berauscht, richtet seinen Zorn gegen Clito, den die anderen Anwesenden zu beruhigen versuchen. Tatsächlich läßt der König, bereits von neuen Taten erfüllt, von seinem Zorn gegen Clito ab.

ZWEITER AKT
Ein königlicher Garten.

Alexander hat sich noch für keine der beiden Prinzessinen entscheiden können, macht aber, wenn sie sich begegnen, beiden Hoffnungen für eine gemeinsame Zukunft. Roxane, durch den Garten spazierend, ist angesichts der unklaren Situation verzweifelt. Als sie den König mit Lisaura kommen sieht, stellt sie sich schlafend. Sie hört, daß Alexander von ihrer Konkurrentin einen Kuß fordert. Ihre ablehnende Reaktion kränkt ihn und sie gehen zu unterschiedlichen Seiten ab. Dabei kommt Taxiles Lisaura entgegen und hält sie fest. Er versucht, ihr klar zu machen, daß Alexander sie nicht liebt.

Verwandlung: Eine Galerie.

Roxane philosophiert über Alexanders Unentschlossenheit, der sie selber ihre eigene Entschlossenheit entgegensetzen will. Als Alexander ungestüm erscheint, fragt sie, ob er sie oder den Ruhm mehr liebt. Zunächst weicht er ihr aus, worauf sie ihn bittet, sie aus ihrer Sklavenschaft zu entlassen. Nach kurzem Zögern willigt er ein. Roxane nimmt das froh und gelassen auf, ist sie doch entschlossen, ihm als Freie seine Liebe besser beweisen zu können. Nach ihrer Arie geht sie ab und läßt Alexander sinnend zurück. Die in diesem Moment auftretende Lisaura entlockt dem König, daß er für den Ruhm der Liebe ganz entsagen will. Lisaura verlangt jedoch nicht die Freiheit von ihm.

Der Feldherr Leonatus und seine Anhänger wollen Alexander wegen seines Hochmutes stürzen oder sogar beseitigen. Der König kommt ihnen jedoch durch sein Erscheinen zuvor und verteilt in seinem Palast an alle Freunde (und Verschwörer) die eroberten Länder. Er teilt mit, daß er nur noch von seinem Ruhm leben wolle. Die Verschwörer lehnen jedoch mit fadenscheinigen Gründen Alexanders Angebot ab. Roxane durchschaut das Spiel und beschließt, die verbündeten Inder einzuschalten, um den Sturz des Herrschers zu verhindern. Bevor sie jedoch davoneilen kann, kommt Leonatus und teilt triumphierend mit, daß sich das eroberte Volk mit Waffen gegen Alexander erhoben hätte. Dieser ruft alle Getreuen zur Abwehrschlacht auf und wünscht Roxane Erfolg bei den Bemühungen um die Inder. Roxane kommentiert mit einer Arie die immer noch bestehender Ungewißheit.

DRITTER AKT
Eine Gefängniszelle.

Clito, der einzig stark gebliebene Verschwörer gegen Alexander sitzt im Gefängnis: Der ihn besuchende Cleon spricht sehr abschätzig mit ihm. Dabei geht es um die Tapferkeit, um Mut, Treue, Standhaftigkeit und Ehrgefühl. Clito wird wankend und ändert seine Meinung. An Stelle von Leonatus will er in offener Schlacht angetanes Unrecht rächen. Cleon klagt, daß Clito als Gefangener wohl kaum dabei sein kann.

Verwandlung: Ein festlicher Saal.

Im königlichen Saal reden Lisaura und Roxane über ihre Liebe zu Alexander. Lisaura fragt ihre Rivalin, ob sie als Freigelassene Alexander jetzt verlassen will. Roxane antwortet ausweichend und schlägt stattdessen vor, dem König die Entscheidung zu überlassen. Beide beschließen, sich zu versöhnen.

Nachdem Roxane abgegangen ist, kommt Alexander auf die Szene und versucht in einem Gespräch mit Lisaura, ihr seine Entscheidung klarzumachen, daß er nicht der richtige Mann für sie sei. Außerdem wolle er seinen Freund Tassile, von dem er weiß, daß er in sie verliebt sei, nicht unglücklich machen. Lisaura gibt daraufhin eine indirekte Verzichtserklärung ab. Alexander bekennt dann, daß er Roxane liebe. Nach Lisauras Abgang kommt Taxiles und Alexander sagt ihm, daß er alles tun wolle, um ihm Lisaura zuzuführen.

Als Roxane zurückkehrt, wird die Rücktritts- und Kampflage besprochen. Taxiles bie-tet Alexander seine Truppen an und man beschließt, gemeinsam in den Kampf zu ziehen. Als beide Männer abgetreten sind, bleibt Roxane mit zagendem Herzen und Zweifeln zurück.

Verwandlung: Feldlager der Mazedonier.

Die Aufständischen ziehen mit einem kriegerischen Gesang in die Schlacht; der Kampf geht für Alexander siegreich aus. Für die Besiegten zeigt er sich überraschend großmütig. Nach dieser großen „Verzeihungsszene“ folgt das „Glücksfinale“; dabei verbindet der Alessandro Lisaura und Taxiles zu einem Paar.

ZUSATZINFORMATIONEN ZUM WERK

Nach Vollendung der Partitur am 11. April 1726 führte Händel die Oper erstmalig am 5. Mai des gleichen Jahres im King's Theatre am Londoner Haymarket auf. Das Werk ist eine der Opern, die Händel für die „Royal Academy of Music“ schrieb. Und hier stand ein außergewöhnliches Sängerensemble zur Verfügung: Neben Senesino und der Sopranistin Francesca Cuzzoni, die schon mehrere Jahre für die Akademie gearbeitet hatten, wurde auch noch die berühmte Sopranistin Faustina Bordoni (die 1730 Johann Adolf Hasse heiratete) engagiert. Um alle Sänger angemessen präsentieren zu können, war die Verteilung der Arien unter ihnen sorgfältig ausbalanciert. Beide sangen ein Duett mit Senesino, ein Duett miteinander und die gleiche Anzahl von Soloarien.

Das Libretto stammt von Paolo Antonio Rolli und ist abgeleitet von dem Textbuch „La superbia d'Alessandro“, das Ortensio Mauro 1690 für Agostino Steffani geschrieben hatte. Die Oper kam in der Saison 1726 auf elf Vorstellungen und mußte nur abgebrochen werden, weil Senesino erkrankte. Sie wurde 1727 und in der zweiten Opernakademie 1732 noch einmal aufgenommen, da allerdings unter dem Titel „Rossane“. Nachdem Händel sich nach „Deidamia“ von der Oper abwandte, wurden mehrere Vorstellungen in den 1740er Jahren nicht mehr unter seiner Leitung durchgeführt. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang noch, daß die Oper bereits im Herbst 1726 in Hamburg aufgeführt worden ist. Dabei wurden die Rezitative jedoch in deutscher Sprache und aus dem Werk von Agostino Steffani gesungen, die Arien Händels in italienischer Sprache.

Das Autograph und die verschiedenen Änderungen liegen in der „British Library“, die Direktionspartitur dagegen in der Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek "Carl von Ossietzki". Mehrere Abschriften sind in den verschiedendsten Sammlungen vorhanden.

Die Komposition und Uraufführung fiel in eine arbeitsreiche Zeit, denn neben dieser Oper schrieb Händel noch an „Scipione“ und „Admeto“. Trotz der großen Erfolge gab es für den Komponisten auch Mißerfolge, die sich sowohl finanziell und psychisch negativ auswirkten: Die erste Ära der "Royal Academy of Music" ging zu Ende und außerdem starb König Georg I., vormals Kurfürst von Hannover. Dessen Sohn gleichen Namens wurde dann mit seiner Frau Caroline von Ansbach zum Herrscherpaar gekrönt. Die für den Anlaß der Krönung komponierten „Coronation Anthems“ gehören zum Besten, was Händel geschrieben hat.

Über Händels ALESSANDRO kann man sagen, daß sie paradoxerweise zu jenen Opern gehört, die unter ihrer besonderen Qualität leiden. Es gilt nämlich zu bedenken, daß Händel im Jahre 1726 neben Senesino zwei der berühmtesten Sopranistinnen ihrer Zeit zur Verfügung standen, nämlich Faustina Bordoni und Francesca Cuzzoni. Insofern konnte Händel musikalisch aus dem Vollen schöpfen. Und das soll hier heißen, daß Händel in ALESSANDRO eine wahre „Arien-Orgie“ veranstaltete. Das aber bedeutete für die Nachwelt eine Verurteilung dieser Oper zu einer nur beschränkten Aufführbarkeit.

ALESSANDRO kam in der 1726er Saison auf elf Vorstellungen und mußte dann abgebrochen werden, weil Senesino erkrankt war. Sie wurde aber 1727 und nochmals später, 1732, in der zweiten Opernakademie in den Spielplan aufgenommen. Nachdem Händel sich nach seiner letzten Oper „Deidamia“ von der Opernbühne abwandte, wurden mehrere Vorstellungen in den 1740er Jahren nicht mehr unter seiner Leitung durchgeführt.

© Manfred Rückert für TAMINO-Opernführer 2010
unter Hinzuziehung von
Albert Scheibler: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel
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Sonntag, 31. Oktober 2010, 15:46

In einer preiswerten 8-Opern-Box von Sony ist auch "Alessandro" enthalten (bei jpc erhältlich):



Als US-Import gibt es bei Amazon folgende Einspielung:



und die Aufnahme von DHM (1990) mit René Jacobs, Sophie Boulin, Isabelle Poulenard, und Jean Nirouet
unter der Leitung von Sigiswald Kuijken

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