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  • »Thomas Knöchel« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 470

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

1

Freitag, 8. Oktober 2010, 09:11

Mahler 2010 - Die Sinfonien - Emil Tabakov

Ich möchte heute gern mal eine kleine Lanze für den
Gustav-Mahler-Zyklus von Emil Tabakov brechen. Diese Aufnahmen stehen ja weit
im Schatten der großen Namen und finden kaum recht Beachtung. Da die Münchner
Stadtbibliothek überaus gut sortiert ist, konnte ich mich in den vergangenen
Tagen/ Wochen ohne finanzielle Abenteuer bisserl in diese Aufnahmen einhören.
Und siehe da, da ist doch einiges, was höchst hörenswert ist…

Eingespielt wurde dieser Zyklus mit dem Sofia Philharmonic
Orchestra in den 90ern von Capriccio. Die 15 CD-Box aller Sinfonien für ca 38
Euro erhältlich, die Downloads der einzelnen Sinfonien für je 10 Euro. Allen
Aufnahmen ist gemein, dass das Klangbild nicht ganz die Brillanz der bekannten großen
Aufnahmen hat und die Bläser meist erst bei höheren Lautstärken so richtig zu
funkeln beginnen. Aber es gibt sehr wenige Aufnahmen, wo die Pauken so stimmig
ins Klangbild eingebettet sind wie bei diesen Produktionen. Was sind nun die
herausragenden Momente dieses Zyklus? Ich versuche eine kleine (persönliche)
Zusammenfassung:

S1: Verblüffend leiser Beginn; wirklich aus dem Nichts
heraus, was der Dynamik des Werkes so gut tut. Die Bläser des Fernorchesters
klingen auch hier leider wie Vuvuzelas – scheint eine Eigenart von Orchestern
aus dem Osten zu sein (bei Roegners Aufnahme der 3. ist das auch extrem zu
hören). Der zweite Satz punktet mit überaschenden Temporückungen und wunderbar
wienerischer Klangpracht. Ein echte Bereicherung der dritte Satz: je nach persönlicher
Gemütslage wähne mich 11 Minuten an einem Lagerfeuer mit Hirtengesang in der Steppe,
oder, wenn der eigene
Biorhythmus gerade etwas anderes vorgibt, auf einem Ball, das ganze vorgetragen
von einem „Salonorchester“. Beides mag nun von Mahler so nicht gemeint sein –
unglaublich spannend ists allemal und m. E. einer der besten 3. Sätze des
gesamten Kataloges. Das „stürmisch bewegt“ kommt unglaublich kraftvoll und sehr
rhythmisch daher – die sehr zart und lyrisch vorgetragenen leisen Passagen
bilden einen zauberhaften Kontrast dazu. Tabakovs Rhythmusgefühl im
Finalschluss ist phänomenal; so pointiert hab ich das noch nicht gehört.
Erinnert bisserl an den Schluss von Beethovens Fünfter.

S2: Im ersten Moment
dachte ich, ich hätte Klemperers Philharmonia Aufnahme erwischt, aber dann
merkte ich doch den Unterscheid durch sehr matte hohe Streicher, dafür aber
tolle Kontrabässe. Der zweite Satz kommt herrlich „unbeteiligt“ daher (Mahler
hat ja glaub ich als Anweisung gegeben, das Orchester „sehr zurückzunehmen“) –
Tabakov setzt dies genial um. Auch der dritte Satz wird sehr zurückhaltende
gespielt, was den Dynamikrelationen des Werkes gut tut und dem Finale seinen
Raum und die entsprechende Wucht lässt. Das Urlicht ist zauberhaft gespielt,
aber sängerisch gibt’s schon Defizite; mangelndes Sprachverständnis auch Klangfarbe
der Stimme passen nicht so recht. Das Finale beginnt auch eher „leise“ und
steigert sich dynamisch absolut stimmig. Auch der Gesang und vor allem der Chor
finden sich hier hervorragend ins Geschehen ein.

S3: Der Beginn der Dritten enttäuscht erst mal mit einem in
den mittleren und unteren Lagen eher matten und geglätteten Klangbild. Die
fabelhaften Holzbläser machen das aber schnell wieder wett. Die
Posthorn-Passage wird leider „nur“ auf einem Flügelhorn gespielt und – nochmal
leider – auch nicht als Fernorchester vorgetragen (das nimmt den Passagen schon
ganz erheblich ihren Charme); dafür ist es aber vom Vortrag her eine der
schönsten Passagen überhaupt. Absolut überraschend dann das „Oh Mensch, gib acht“ …
hinreisender Gesang
mit einem phänomenal „gespenstischem“ Timbre, das sich hervorragend in das
Orchester einfügt und dadurch der textlichen „Stimmung“ des Satzes am nächsten
kommt. Tabakov lässt in diesem Satz auch die Mahlersche Anweisung „Klarinetten
hochziehen“ umsetzen; da passt alles – eine außergewöhnliche Stimmung Toll und
für mich eine der schönsten Interpretationen dieses Satzes überhaupt.. Das
Bimm-Bamm im folgenden Satz ist freundlich zurückhaltend und wird einem nicht –
wie so oft – förmlich um die Ohren gehauen. Das Finale wird sehr sonor
vorgetragen und besticht durch seine tollen Dynamikrückungen. Barbers „Adagio
for strings“ lässt über weite Strecken grüßen. Auch in diesem Finale (mit 24
Minuten auch eher langsam) zeigt sich wieder Tabakovs Meisterschaft für Timing
und Rhythmus: der Finalschuss hat Brucknersche Dimensionen und haut einen echt
vom Sessel. Auch hier wieder toll ins Klangbild eingebundene Pauken. M.E. auch
einer der besseren Sätze des Kataloges.

S4: Diese Aufnahme besticht erst mal durch ihr tolles
Klangbild – das beste des Zyklus – unglaublich räumlich. Durch die Betonung
einiger Nebenstimmen und die fabelhaften Holzbläser ergibt sich ein streckenweise
vollkommen neuer Höreindruck. Toll. Der dritte Satz fällt wieder durch das
enorme Timinggefühl und seine sangliche und zurückhaltende Art auf. Die hier
sehr dunkel timprierten Pauken fügen sich gänzlich anders, aber auch hochinteressant
ins Klangbild ein. Der Gesang im vierten Satz hat mich dann doch wieder etwas
enttäuscht: mangelndes Textgefühl, eigenartiges Timbre und starkes Vibrato
machen es mir nicht leicht. Eigenartigerweise hab ich den Satz trotzdem bis zum
Ende durchgehört – was selten genug vorkommt. ;-)

S7: Eine spannende Angelegenheit: Von Anfang an wird durch
ein eigenartig „fieses“ Orchesterspiel klar gemacht, was diese Sinfonie sein
soll. Quasi eine Fortsetzung des Hexensabbat aus Berlioz‘ Symphonie
Fantastique. Faszinierend. Die beiden Nachtmusiken bilden hierzu einen
herrlichen Kontrast, ohne die Eigenart
des Orchesterspiels aufzugeben. (Für eine detailiertere Beschreibung hab ich
diese Sinfonie zu wenig im Ohr).

S8: Das Veni Creator
Spiritus kommt ausgesprochen sakral daher, was der Stimmung gut tut. Die
Aufnahme ist extrem durchhörbar, was einem die Strukturen leicht erschließt.
Interessant wird’s auch zum Schluss: das (erste) „Alles Vergängliche“ erklingt
ganz leise aus der Tiefe und Weite des
Raumes, das verleiht der Passage eine ganz eigene Struktur und einen
interessanten Kontrast zum präsenten Gesang. Das Finale kommt recht knackig daher
und nach dem Schlussakkord vernimmt man noch lange den (natürlichen) Hall des
Raumes. Da macht einem die Dimension des Vortrages gewahr. Insgesamt leider
bisserl belegter, aber ungemein durchsichtiger Klang.

S9: Hier wird wieder mit dem eigenartigen Klangbild der 7.
gespielt … und das tut diesem Werk und seiner Eigenart auch sehr gut. Der
zweite Satz ist ein wunderschöner
Reigen, der sich langsam in einer Raserei
bis zum Tumult steigert. Die Themen in der Rondo-Burleske werden auch
herrlich kontrastreich gespielt. Das Adagio ist mit 29 Minuten das längste des
Kataloges (wenn man mal von Levines außergewöhnlichem 32-minüter absieht) und
Tabakov kann die Spannung trotzdem bis zum Schuss halten (Levine machts aber
trotzdem noch einen Tick eindringlicher).
M.E. auch eine der besseren Aufnahmen des Kataloges.

Die 5., die 6. sowie die (für mich uninteressante) 10 hab
ich leider noch nicht hören können.

Jetzt kam doch einiges an Text zusammen; aber die
Uninteressierten haben sicher schon weiter oben aufgegeben. ;-) Es lohnt sich
allemal, sich diesen m. E. völlig unterschätzten Zyklus zu öffnen und sich
darauf einzulassen. Vielleicht können ja
meine (fachlich sicher unzureichenden) Ausführungen bisserl dazu beitragen.

Grüße aus München
Thomas

tom

Prägender Forenuser

  • »tom« ist männlich
  • »tom« wurde gesperrt

Beiträge: 687

Registrierungsdatum: 17. November 2005

2

Samstag, 16. Oktober 2010, 10:31

Von Thomas zu Thomas:

Vielen Dank für Deine allles andere als "unzureichenden" Höreindrücke. Den Zyklus habe ich mir gestern bei Saturn in H für schlappe 18,99 EUR abgegriffen. Tat mr irgendwie leid, dass die Box in der wenig gut sortierten Klassikabteilung zwischen Bach und Beethoven ein wenig unmotiviert herumstand.

Theophilus

Administrator

  • »Theophilus« ist männlich

Beiträge: 10 824

Registrierungsdatum: 1. Dezember 2004

3

Montag, 18. Oktober 2010, 12:46

Damit man auch sieht, worum es geht:


Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

  • »Thomas Knöchel« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 470

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

4

Montag, 18. Oktober 2010, 13:24

@ Tom: 19 Euro sind wirklich ein guter Preis. Bin mal gespannt, was Du zu diesen Interpretationen sagst; auch wenn es 'nur" ein Mitleidskauf war ;-)

@ Theophilius: Danke, im "alten" Forum hatte ich das Cover noch drin; hier im Neupost hatte ich es vergessen.

Kennt noch jemand diesen Zyklus? Wäre neugierig, was ihr davon haltet.

rolo betman

Prägender Forenuser

  • »rolo betman« ist männlich

Beiträge: 9 101

Registrierungsdatum: 5. Mai 2006

5

Freitag, 29. Oktober 2010, 21:32

hallo miteinander,

als ich das erste mal diesen Thread sah, da dachte ich 'Was soll das? Ein weiterer Mahler-Thread, dazu mit einem unbekannten Dirigenten? Überflüssig !(?)'. Nun, es hörte sich ja recht positiv an, was Thomas hier schrieb. Dann schaute ich mal neugierigerweise bei Amazon nach, was die Box da kostet. Und dann las ich dort zwei Rezensionen, und die klangen schon fast überschwänglich. Naja, was dann kam wisst Ihr, ich kaufte mir diese Box.

Inzwischen habe ich mir daraus die Symphonien Nr 1, 4, 6, 9 und 10 angehört, und ich muss sagen - na hoppla! Insbesondere, was das Interpretatorische angeht, haben mich die Aufnahmen überzeugt. Tabakov weiß besonders in den langsamen Sätzen zu beeindrucken, er hat den langen Atem und lässt auch die Musik atmen. In den flotten Sätzen zeigt er Biss, ich hatte nichts auszusetzen.

Was den Klang betrifft - naja, es ist eben nicht das Concertgebouw oder die Berliner Philharmoniker. Nicht falsch verstehen, das Orchester spielt gut, aber der Klang eben, es klingt etwas muffig und verfärbt; ich meine, die Mitten sind zu stark betont und geben dem ganzen einen 'quäkenden' Klang, was mir besonders in der Nr 1, 4 und 10 auffiel. Aber das kann ich verschmerzen, es ist nicht so dramatisch, wie es vielleicht klingt.

Jedenfalls habe ich den Kauf dieser Box nicht bereut, und irgendwann kommen auch noch die anderen Symphonien dran.

rolo :hello:
Der Mutter die mich nie geboren, habe ich heute Nacht geschworen,
ich werde ihr eine Krankheit schenken, und sie danach im Fluss versenken.
Rammstein

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

Beiträge: 19 100

Registrierungsdatum: 9. August 2004

6

Montag, 8. November 2010, 13:49

Ich freu mich, daß man diese Serie (2010 Mahler Sinfonien) - nachdem ich sie aufgegeben habe - weiterführt. Ich hatte eher den Eindruck, das Interesse hielte sich in Grenzen.... Soeben habe ich durch einen Zufall - im Rahmen der Threadrestaurierung - diesen Thread entdeckt und hab mir ein paar Minuten Zeit genommen in die Tonbeispiele hineinzuhören. Es ist mir bewusst, daß man in jungen Jahren besonders auf brilliante Höhenwiedergabe wert legt - was man ja im Alter leider nicht mehr so gut hören kann. Aber aus meiner persönlichen Sicht (bin jetzt 61) muß ich sagen, daß die Tonqualität guter Durchnitt ist, vielleicht ein Live-Aufnahme . ungeschönt und ohne dramatische Effekte für "Audiophile", jedoch mit besonders natürlichem Eindruck -ohne aufgesetzte Effekte. Ich habe dies erst in späteren Jahren meines LEbens zu schätzen gelernt - und möchte an dieser Stelle explizit darauf hinweisen. Der Gesamteindruck - und um den geht es ja letztlich - ist - zumindest über Kopfhörer - hervorragend, mit freundlichen Grüßen aus Wien Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Rheingold1876

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7

Freitag, 8. Januar 2016, 17:38

Da ich diesen Zyklus nicht kenne, kann ich nur mit einer Anfrage kommen, eine Anfrage, die sich auf eine Sängerin bezieht. Für mich ist es ganz wichtige, wer die entsprechenden Passagen in den Vokalsinfonien wie vorträgt. Oft lauern hierbei die Schwachpunkte. In der Mehrzahl ist das zum Glück nicht so. Also, wer kann mir bitte bestätigen, dass die Dresdener Altistin Brigitte Pfretzschner tatsächlich das Solo in der 3. Sinfonie dieses Zyklus unter Tabakov singt. Wenn das so ist, schreite ich - zusätzlich animiert - zur Abschaffung dieses sehr wohlwollend besprochenen Zyklus, vom dem ich auch nicht genau weiß, wann genau er produziert wurde. Im Eingangstext ist von den 1990er Jahren die Rede.

Ganz herzlichen Dank sagt im Voraus Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

lutgra

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8

Freitag, 8. Januar 2016, 18:03

Lieber Rheingold
auf der Naxos Website ist es jedenfalls so angegeben:

http://www.naxos.com/catalogue/item.asp?item_code=C49048

Liebe Grüße
lutgra

Bertarido

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9

Freitag, 8. Januar 2016, 18:06

Wenn das so ist, schreite ich - zusätzlich animiert - zur Abschaffung dieses sehr wohlwollend besprochenen Zyklus

Dass Du den Zyklus deswegen gleich abschaffen willst... 8o

lutgra

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10

Freitag, 8. Januar 2016, 18:12

Auch der Review im Gramophone bestätigt, dass Frau Pfretzschner das Altsolo singt, bei itunes kann man die ersten 90 sec mit ihr hören.

Rheingold1876

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  • »Rheingold1876« ist männlich

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11

Freitag, 8. Januar 2016, 18:37

Ich danke euch ganz herzlich. Und ich habe es mir anders überlegt. Ich werde den Zyklus doch nicht ab- sondern anschaffen. Jetzt hätte ich ja noch Gelegenheit, die kleine Verwirrung in meinem Text zu beseitigen. Ich werde es aber nicht tun, weil ich ersten bereits erwischt wurde und zweitens auch mal in dem entsprechenden Thread stehen möchte, wo solche Sachen gern ausgestellt werden. :P

Liebe Grüße schickt euch Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

  • »Thomas Knöchel« ist der Autor dieses Themas

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12

Freitag, 8. Januar 2016, 19:12

Tabakovs Mahler steht seit meines Eröffnungs-Beitrages vor gut fünf Jahren bei mir ganz hoch im Kurs.
Meine persönlichen Eindrücke von damals kann ich heute noch voll unterstreichen.

Zu den Sängern:
Das "Urlicht" der zweiten Sinfonie singt Vessela Zorova mit sehr vielen Diphtongen, und das hört sich dann halt an, als wenn die deutschen Vokale nur aus ÖÖs und ÄAs bestehen ("der Mönsch", "größtör Pein", "Öch nein") . Eigentlich schön innig gesungen, aber halt schon an der Sache vorbeigehend. Die orchestralen Sätze (einschließlich Schlutzsatz) sind mE überdurchschnittlich gut gelungen.

In der 3. Sinfonie singt tatsächlich Brigitte Pretschner, und zwar ein einer Art, die für mich(!) die beste Interpretation dieses so heiklen Satzes darstellt. Ihr Timbre passt sich wunderbar in die ('fiese' hab ichs damals genannt) Stimmung des Satzes. Nahezu alle anderen Sängerinnen sind mir hier zu aufdringlich, zu laut, zu "geschwätzig". Extraklasse (wie immer ... für mich). Lediglich meinen Hinweis auf die Mahler'sche Anweisung "Klarinetten hochziehen" würde ich heute nicht mehr so sehen.

Das "Wir genießen die himmlischen Freunden" der 4. Sinfonie wird von Lyudmila Hadzhieva aus ??? gesungen. Hier merkt man halt dann doch irgendwie, dass deutscher Liedgesang in deutschen Kehlen am besten aufgehoben ist. Schwer zu verstehen und mit "falschem" Timbre sperrt sich das mit dem Orchesterklang. Schade, denn der Satz ist famos dirigiert.

Auch das Sänger-Oktett der 8. ist durchwegs nicht deutcher Muttersprache (man muss mit solchen Phrasen ja heute aufpassen) und sie machen in Summe einen durchwegs sehr ordentlichen Job. Die Vorteile dieser Eiinspielung (gute Durchhörbarkeit, treffliche Dynamikabstufungen und tolles Rhythmusgefühl des Dirigenten machen die kleinen Nachteile (insgesamt leicht belegter Klang, Textunverständlichkeit) mehr als wett. Eine "runde" Sache.

Dieser Zyklus ist sicher keiner, der es im Reigen der großen Einspielungen leicht hat ... und doch hat er seine Meriten, die ganz stark für sich sprechen. Ich liebe ihn ...

Aufnahmedaten:
1. 1989
2. 1987
3. 1990
4. 1990
5. 1688
6. 1993
7. 1989
8. 1991
9. 1991
10. 1987

Viel Spaß damit :-)

Rheingold1876

Prägender Forenuser

  • »Rheingold1876« ist männlich

Beiträge: 4 701

Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

13

Freitag, 8. Januar 2016, 20:25

Lieber Thomas, Deine Antwort ist mehr als erschöpfend, und ich danke auch Dir sehr. Nun bin ich gewappnet. Es ist für mich nach all den Jahren einer eigenen Mitgliedschaft immer noch ganz erstaunlich, dass sofort kenntnisreiche Reaktion kommen, wenn bestimmte Themen angeschnitten oder - wie in diesem Fall - nach fünf Jahren wieder hervorgeholt werden. Es liegt so vieles brach an guten Gedanken in diesem Forum.

Grüße von Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."