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Joseph II.

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  • »Joseph II.« ist männlich
  • »Joseph II.« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 10 997

Registrierungsdatum: 29. März 2005

1

Samstag, 16. Januar 2010, 16:04

Vorbildliche Live-Aufnahmen

Zunächst muß man klären, was eine "vorbildliche Live-Aufnahme" überhaupt ist. Für mich ist das eine Live-Aufnahme, bei der man quasi nicht merkt, daß sie live ist (keine Publikumsgeräusche, Huster etc.). Dagegen muß der Schlußapplaus m. E. keinesfalls geschnitten werden. Der Vorteil von live ist ja auch, daß (angeblich) viele Dirigenten besser sind als im Studio.

Ich habe eine ganze Reihe Live-Aufnahmen, die ich hier aufzählen würde. Hier nur mal eine Auswahl:



Hier hervorragend gelungen, quasi eine Studio-Aufnahme mit Live-Atmosphäre – und zum Glück mit Applaus am Ende.



Hier dasselbe. Keine Nebengeräusche. Wie die DGG das immer wieder schafft, bleibt ein Rätsel.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 242

Registrierungsdatum: 12. August 2005

2

Samstag, 16. Januar 2010, 16:44

live ist fast nie komplett live. Selbst wenn ein exaktes Datum dabei steht, kann man nicht sicher sein.
Bernsteins DG-Aufnahmen (auf fast allen steht "live", sehr gut gefallen mir davon Mahlers 6. und die Schumann-Sinfonien, die Beethovensinfonien sind mir ein wenig zu "philharmonisch" verglichen mit den rauheren New Yorker Aufnahmen) sind meines Wissens immer aus einer Reihe von Konzerten zusammengemixt; so ähnlich dürfte das in den meisten anderen Fällen auch sein.
Was es sonst noch für Möglichkeiten gibt, ggf. Nebengeräusche rauszufiltern, weiß ich nicht.

Dass es wirklich Live ist, merkt man bei einer Aufnahme wie dem Böhm/Vickers/Nilsson-Tristan aus Orange, wenn sich im Vorspiel Leute im Publikum laut anmeckern und zischen (weil jemand zu spät kam oder anderweitig störte?) und man den Wind hört, der über die Freilichtbühne heult... Selbst da bin ich aber nicht sicher, ob es nicht mehrere Aufführungen gab.

Mein spontaner Kandidat wären die Beethovensinfonien mit Harnoncourt und dem COE
(den Rest der Box kenne ich nicht so gut)



Wie "live" (s.o.) das alles ist, weiß ich auch nicht genau. Aber in vielen Sätzen hat man wirklich den Eindruck, dass die Musiker auf der Stuhlkante sitzen; es wirkt sehr frisch, lebendig und spontan.

:hello:

JR
Struck by the sounds before the sun,
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Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

teleton

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  • »teleton« ist männlich

Beiträge: 4 958

Registrierungsdatum: 10. Dezember 2004

3

Montag, 18. Januar 2010, 11:15

RE: Vorbildlich sind die DG-LIVE-Aufnahmen

Hallo Joseph,

das die DG bei ihren LIVE-Aufnahmen den Applaus fast immer abschneidet finde ich angemessen für eine CD-Aufnahme. Darüber kann man geteilter Meinung sein. Manchmal sind die Bravorufe ja noch ganz unterhaltsam ...
Kürzlich bei Strawinsky´s Petruschka mit Swetlanow (Aufn.1999) sind 4:10 Beifall auf der WARNER - CD :faint: die erfolgten Bravorufe resultierten aus der LIVE-Athmosphäre die so ein Konzert mit Swetlanow natürlich auslöst - als CD-Hörer sieht man das dann differenzierter.

JohannesR. hat es bereits erwähnt - die DG-Aufnahmen mit Bernstein sind fast alle LIVE und ohne Schußapplaus.
:angel: Es sind IMO große Dokumente eines Ausnahmekünstlers, die wir nie wieder in dieser Form erleben werden. Was DG hier an sauberer Feinarbeit geleistet hat ist für mich durchweg als vorbildlich zu bezeichnenen. Eine große Menge CD´s von diesem "Stoff" den die DG anbietet, erfreuen sich meiner CD-Sammlung.

Absolut Klasse mit Bernstein (neben zig Anderen) auch seine Sibelius-Aufnahmen:

DG, 1986-1990, DDD

Hier ist mit den 4 Seebildern von Britten auch ein Ausschnitt seines allerletzten Konzertes mit dem Boston SO enthalten.


**** Bernstein - LIVE ist oft der Wahnsinn. Hier auch bei CBS LIVE in Tokyo mit Schostakowitsch´s Fünfter.
Dort ist die Vorbildlichkeit der Klangqualität nur gering eingeschränkt (im Vergleich zu sonstigen Aufnahmen aus der Zeit), aber insgesamt eine saubere Analogaufnahme. Der Schußapplaus ist hier ebenfalls "gecancelt". Aber die Vorbildlichkeit ist hier durch Bernstein gegeben, der mit den New Yorker PH alles gibt um den "Japsen einzuheizen":

CBS, Tokyo 2-3.Juli 1979, ADD
(Bei mir noch als CBS-CD mit gleichem Cover; heute SONY-Japan Importservice --- zu Megapreisen)



*** Karajan - LIVE ist eigendlich nicht so oft zu finden. Da greife ich gerne auf das zurück was ich an Aufnahmen im TV für meine Festplatte oder auf DVD gebannt ergattern kann und habe dann gleich noch die "Bildinfo" dabei.
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Agon

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  • »Agon« ist männlich

Beiträge: 1 662

Registrierungsdatum: 22. Mai 2008

4

Montag, 18. Januar 2010, 12:34



Nachdem ich nahezu alle verfügbaren Einspielungen der "Alpensinfonie" gehört habe, bin ich für mich zu dem Schluß gekommen, daß dies meine Aufnahme für die Ewigkeit ist.

Dies ist eine DG-Liveaufnahme (4D) aus der Dresdner Semperoper.

Tonmeister Klaus Hiemann hat eigentlich alle DG-Sinopoli-Aufnahmen betreut, und die Zusammenarbeit zwischen Beiden hat m.E. fast ausschließlich Referenzaufnahmen hervorgebracht.

Agon
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. (Theodor W. Adorno)

Theophilus

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  • »Theophilus« ist männlich

Beiträge: 10 823

Registrierungsdatum: 1. Dezember 2004

5

Montag, 18. Januar 2010, 16:53

Zitat

Original von Johannes Roehl
...
Dass es wirklich Live ist, merkt man bei einer Aufnahme wie dem Böhm/Vickers/Nilsson-Tristan aus Orange, wenn sich im Vorspiel Leute im Publikum laut anmeckern und zischen (weil jemand zu spät kam oder anderweitig störte?) und man den Wind hört, der über die Freilichtbühne heult... Selbst da bin ich aber nicht sicher, ob es nicht mehrere Aufführungen gab.
...


Das war schon wirklich live und eine Rundfunkübertragung. Außerdem hörte man nicht einfach einen Wind, sondern der Mistral blies durch das Rhône-Tal (Orange liegt etwas westlich davon). Noch schlimmer war es ein Jahr später bei einer geplanten Aufzeichnung. Da war der Mistral so stark, dass an eine Aufführung nicht zu denken war. Aber man wartete geduldig ab und wenige Minuten vor dem allerspätesten Aufführungsbeginn ließ er so weit nach, dass man sich getraute, mit der Norma-Vorstellung zu beginnen. Da waren auch Filmkameras dabei und man erhielt ein unvergleichliches Dokument gallischer Priesterinnen in wallenden Gewändern - der Mistral blies zwar fast noch die ganze Vorstellung über, aber in einem Maße, dass es nachgerade zu einem inszenatorischen Element wurde.

Bei den Styriarte-Konzerten von Nikolaus Harnoncourt hängt es von den Werken ab. Bei Konzerten, die mehrmals wiederholt wurden (z.B. Beethoven) liefen die Bänder ständig mit und man hatte die Möglichkeit, das beste Konzert auszuwählen und dieses bei Bedarf sanft zu editieren.

:hello:

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 242

Registrierungsdatum: 12. August 2005

6

Montag, 18. Januar 2010, 22:47

Zitat

Original von Theophilus

Bei den Styriarte-Konzerten von Nikolaus Harnoncourt hängt es von den Werken ab. Bei Konzerten, die mehrmals wiederholt wurden (z.B. Beethoven) liefen die Bänder ständig mit und man hatte die Möglichkeit, das beste Konzert auszuwählen und dieses bei Bedarf sanft zu editieren.


So ähnlich dürfte das auch bei den Bernstein-Aufnahmen bei der DG gewesen sein.

(Ich bin normalerweise sehr dafür, Applaus wegzuschneiden.)

Was mir gerade noch einfällt, ist folgende (wohl echte) Live-Aufnahme mit einem Wahnsinnsprogramm, das hier von einem Ausnahmepianisten mit geradezu unheimlicher Perfektion dargeboten wird:

Pletnev live at Carnegie Hall



(Die DG ist ja bei manchem Repertoire, etwa Haydn, ziemlich unterbelichtet, aber zwei der besten Aufnahmen von Chopins Scherzi überhaupt, nämlich die hier und Pogorelichs :faint: :jubel: :jubel: :jubel: )

:hello:

JR
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teleton

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  • »teleton« ist männlich

Beiträge: 4 958

Registrierungsdatum: 10. Dezember 2004

7

Dienstag, 19. Januar 2010, 11:23

Manfred mit Swetlanow

Die japanische Metropole Tokyo zieht offenbar im Konzertsaal nicht nur Bernstein in den Bann, sondern auch Swetlanow:

Seine LIVE-Aufnahme der Tschaikowsky - Manfred-Sinfonie ist ein packendes Beispiel dafür.
Die Aufnahme wurde am 7.Okober 1992 in der Orchard Hall Tokyo aufgenommen.
Die Aufnahme erfolgte im letzten Satz in der Fassung ohne Orgel. Damit ist seine Melodiya-Aufnahme aus den 70ern zwar vorzuziehen, aber den "Wahnsinn" mit an die Grenzen der Belastbarkeit getriebenen Musikern produziert er hier.


Staatliches SO der UDSSR / Swetlanow
WARNER, 1992, DDD


Johannes erwähnte im Vorbeitrag Pletnev als Pianist. Tolle Aufnahme !
Ganz nebenbei sei erwähnt das Pletnevs Aufnahme als Dirigent der Manfred-Sinfonie (DG, 1994) dagegen nur ein "lasch laues Lüftchen" darstellt.
Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • »Luis.Keuco« ist männlich

Beiträge: 429

Registrierungsdatum: 16. Juni 2009

8

Dienstag, 19. Januar 2010, 12:18

Das soll ja jetzt hier kein Lobes-Thread auf Pletnev werden; ich habe aber letzte Woche bei 2001 folgende CD erworben



und die hat mich wirklich umgehauen. Wusste nicht, dass Tschaikowsky so toll für das Klavier solo komponiert hat. Die Aufnahme ist aus Zürich und klanglich trotz Publikum sehr gut. Die Musik ist wirklich fesselnd. Beifall ist mit drauf, ein wenig zusammengeschnitten. Ich weiß ja nicht, ob man den Applaus auf CD braucht. Aber rein von der Musik her eine tolle Live-Aufnahme.

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

Beiträge: 18 357

Registrierungsdatum: 9. August 2004

9

Dienstag, 19. Januar 2010, 22:05

Kurzer Einschub:

Ich war lange Zeit ein erklärter Feind von Liveaufnahmen

Heute sehe ich das anders, aber Applaus darf meiner Meinung nach nicht weggeschnitten werden, es gelten andere Reglen als bei der Studiaufnahme, Wärend bei letztere die Perfektion der eigentliche Bonus ist, so sollte eine Liveaufnahme auch Livecharakter aufweisen, und es sollte der Nachhall des entsprechenden Saales, ebens wie der Beifall eingefangen werden.....

mfg aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Reinhard

Moderator

  • »Reinhard« ist männlich

Beiträge: 2 151

Registrierungsdatum: 11. August 2004

10

Dienstag, 19. Januar 2010, 23:10

Zitat

Original von Alfred_Schmidt
Heute sehe ich das anders, aber Applaus darf meiner Meinung nach nicht weggeschnitten werden, es gelten andere Reglen als bei der Studiaufnahme, Wärend bei letztere die Perfektion der eigentliche Bonus ist, so sollte eine Liveaufnahme auch Livecharakter aufweisen...



Einschub auf den Einschub: grundsätzlich einverstanden. Dies funktioniert (für mich) aber nicht mehr, wenn ich mir Liveaufnahmen öfter anhöre. Es gibt eine Neunte von Dvorak mit Kubelik und der Tschechischen Philharmonie, die ich mir öfter einmal angehört habe und wo es mich ziemlich nervt, daß ich quasi jeden Huster aus dem Publikum "mitdirigieren" könnte.
Leiste guten Menschen Gesellschaft, und du wirst einer von ihnen werden. Miguel de Cervantes

Bernward Gerlach

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  • »Bernward Gerlach« ist männlich

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Registrierungsdatum: 19. November 2009

11

Mittwoch, 20. Januar 2010, 07:27

Vorbildliche Live-Aufnahmen

Hallo Forianer,

der von mir hochgeschätzte Günter Wand hat Beethoven, Brahms und Schubert
(um nur diese drei zu nennen) mehrmals mit verschiedenen Orchestern aufgenommen.
Ich habe ihn mehrmals in der Hamburger Musikhalle (die inzwischen umbenannt wurde)
live erlebt.

Er selbst gibt in seinem Buch "So und nicht anders" darüber Auskunft, dass er
der live-Aufnahme (z.B. Schleswig-Holstein-Festival) den Vorzug gibt. Wenn
es passt, klingt dort alles wie aus einem Guss und kann so in einem Studio nicht
wiederholt werden.

Ich kann ihm nur beipflichten.

Grüße aus Burgdorf

"Nicht weinen, dass es vorüber ist
sondern lächeln, dass es gewesen ist"
Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • »Luis.Keuco« ist männlich

Beiträge: 429

Registrierungsdatum: 16. Juni 2009

12

Mittwoch, 20. Januar 2010, 08:25

Ich habe grundsätzlich nichts gegen Applaus auf CD. Aber ich finde es irgendwie doof, wenn der "zurecht geschnitten" wird, wenn man also merkt, der wurde verkürzt o. ä. Ganz fies ist es beim Neujahrskonzert mit HvK von 1987, da wurde anscheinend immer der gleiche Applaus zwischen die Stücke geschnitten. Das finde ich blöd. Gilt bspw. auch für die Traviata mit Muti von 1992 (?) aus der Scala. Da laufen immer die gleichen Leute zur gleichen Zeit durchs Bild, wenn man das Publikum zwischen den Akten beim Klatschen zeigt. Das ist dann schlicht nicht mehr authentisch und das könnte man sich dann sparen, finde ich.