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Alfred_Schmidt

Administrator

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Beiträge: 18 435

Registrierungsdatum: 9. August 2004

1

Montag, 21. September 2009, 20:34

Aufbewahren von Tonkonserven - Eine Zukunftsperspektive

Etwa 130 Jahre ist die Geschichte der Tonaufzeichnung alt, etwa seit 80 Jahren kann man in brauchbarer Qualität, seit etwa 55 Jahren in guter Qualität musikalische Darbietungen (und nicht nur das) für die Nachwelt aufzeichnen.
Allein - irgendwann wird das Angebot an guten - und ich rede hier nuir von den guten - Konzertereignissen derhart überhand nehmen, daß man sich die Frage stell wird: Was werfen wir aus den Archiven - was bunkern wir für die Ewigkeit ?

Oh Gott - wird so mancher rufen - das sind unverzichtbare Kunstwerke - wohl wert, daß man sie der Nachwelt erhält - aber gibt es nicht schon heute genug einst von Kritik und Publikum vergötterte Künstler, deren Aufnahmen - wegen angeblicher Verstaubtheit - heute keiner mehr hören will ?
Wird man vielleicht dereinst doch eine Auswahl treffen müssen - oder weiter Neuaufnahmen unterlassen (weil sowieso schon alles in wunderbaren Interpretationen existiert) - oder wird es "Phonothekebn mit hunderttausenden Aufnahmen geben - die letztlich dann don niemand nutzt - vergleichbar mit alten Klosterbibliotheken ?

In den nächsten Jahren wird das vermutlich keine Frage sein.
Derzeit wird relativ wenig aufgenommen und alte Aufnahmen bestimmen das Angebot - weil die Sammler entsprechende Wünsche haben.
Aber in 30-40 Jahren - einige werden es noch erleben ist dann irgendwann Schluss mit lustig - ich fürchte dann wird einiges im Orkus landen. (??)

mfg
aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Ulli

Erleuchteter

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Beiträge: 17 130

Registrierungsdatum: 16. Januar 2005

2

Montag, 21. September 2009, 21:13

RE: Aufbewahren von Tonkonserven - Eine Zukunftsperspektive

Zitat

Original von Alfred_Schmidt
In den nächsten Jahren wird das vermutlich keine Frage sein.
Derzeit wird relativ wenig aufgenommen und alte Aufnahmen bestimmen das Angebot - weil die Sammler entsprechende Wünsche haben.
Aber in 30-40 Jahren - einige werden es noch erleben ist dann irgendwann Schluss mit lustig - ich fürchte dann wird einiges im Orkus landen. (??)


Keine Panik auf der Titanic... zum Glück gibt es das Deutsche Musikarchiv der DNB. Da werden seit 1976 alle deutschen Tonträger verewigt. Außerdem gibt es eine Sammlung historischer Tonträger und Abspielgeräte. Oton: Die Sammlung umfasst derzeit 200.000 Schellackplatten aus der Zeit von 1896 bis etwa 1958.

Alle Tonträger sind auch zugänglich. Ich habe mich allerdings nicht besonders intensiv damit beschäftigt, da ich bisher alles, was ich suchte, noch auf dem Markt erhalten habe.

Für Österreich gibt es bestimmt etwas Vergleichbares.

:hello:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

gueze

Anfänger

  • »gueze« ist männlich

Beiträge: 28

Registrierungsdatum: 10. März 2007

3

Donnerstag, 24. September 2009, 18:01

Für mich stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, wie lange die Inhalte unserer Archive überhaupt halten werden.

Alles, was analog ist, hat gute Chancen (und das nicht nur bei Musik im engeren Sinne), mit Jahrhunderte alten Handschriften können wir noch etwas anfangen, auch die Schellacks laufen nach 60, 70 Jahren noch ... aber Datenformate von 1990 oder 1995 machen heute meist schon Probleme; von der physischen Haltbarkeit von magnetischen und optischen Datenträgern mal ganz abgesehen.

Irgendwer hat einmal (sinngemäß) gesagt „... von unserer digitalen Generation wird nichts dauerhaftes zurückbleiben ..." und genau betrachtet betrifft das ja tatsächlilch alle Lebensbereiche, denn vieles von Kommunikation bis Kunst ist ja nur mehr "virtuell" vorhanden, unkörperlich, gespeichert, archiviert, oder nach dem nächsten Systemcrash für immer im digitalen Nirwana ...

Grüße aus der Kulturhauptstadt 09,
Günter
Ja ja, nicht jeder, der die Bretter, die die Welt bedeuten, betritt, merkt, dass er auf dem Holzweg ist. (Heinz Erhardt)

Schneewittchen

Prägender Forenuser

  • »Schneewittchen« ist männlich

Beiträge: 2 414

Registrierungsdatum: 5. Oktober 2010

4

Donnerstag, 24. September 2009, 20:38

Ein Blick in die Zukunft ist leider nicht möglich.
Wie haben Zukunftsforscher vor 50 Jahren vorausgeschaut?
Das läßt sich leicht feststellen,wenn man die Werke der Forscher aus den 60er Jahren zur Hand nimmt und liest,wie die Welt des Jahres 2000 -von 2010 war noch kaum die Rede- vorausgesehen wurde.Ausgehend von den Themen Atomkrieg,Ost-West-Konflikt u.a.mehr, kommt einem das heute etwas befremdlich vor,bei den Nachgeborenen stoßen diese Themen wahrscheinlich auf Unverständnis.
Wie wird die Welt in 40 Jahren sein? Welche Bedeutung wird die klassische Musik dann haben? 13 Milliarden Menschen werden ums Überleben kämpfen,Erderwärmung,Hungersnöte,Seuchen,Pandemien,Arbeitslosigkeit suchen die Menschheit heim.
Wer hört dann noch klassische Musik?
Sollten dennoch einige wenige Klassikliebhaber vorhanden sein,werden sie auf Tonkonserven unserer Zeit zurückgreifen,weil es keine Klassik-Neuaufnahmen mehr geben wird,da die großen Musikkonzerne damit keine Gewinne einfahren können.
Vielleicht sieht (dreidimensionales Hologramm) und hört man (Surround mit 50 Folienlautsprechern) Live-Klassik-Konzerte aus aller Welt via Internet?
Natürlich kann alles auch ganz anders kommen....
mfG
Michael

Ulli

Erleuchteter

  • »Ulli« ist männlich
  • »Ulli« wurde gesperrt

Beiträge: 17 130

Registrierungsdatum: 16. Januar 2005

5

Donnerstag, 14. Januar 2010, 01:30

Also wenn ich meine heutige Entdeckung richtig interpretiere, dann sind die mp3-Downloads doch deutlich auf dem Vormarsch: Zwecks Einstellen einer Empfehlung suchte ich nach einer CD, die ich dann bei jpc nur mit sehr viel Aufwand finden konnte. Als ich die Bestellnummer kopieren wollte, stand ich vor einem Problem... es gab keine:



Diese CD gibt es - sowohl bei jpc als auch bei amazon (wenn nicht gebraucht) nur noch als mp3-Download - und zwar z.B. hier (bei jpc).

Interessant ist der Hinweis:

Zitat


Rechte für den privaten Gebrauch: unbegrenzt kopieren, unbegrenzt brennen, unbegrenzt abspielen


Besonders letzteres ist ja sehr gnädig... alles andere wurde in weiser Voraussicht bereits umgesetzt :D

Weiters auch der Hinweis weiter unten, daß die Daten im kopierschutzfreien MP3-Format (Qualität: 320 kbit/s) angeboten werden!

Offenbar wird das nun mit älteren Einspielungen in dieser Weise gehandhabt werden. Ich schätze mal, daß einige der Recycling-Label damit in Zukunft Probleme bekommen werden, wenn die Majors nämlich diese etwas älteren Aufnahmen auf diese Weise selbst vertreiben.

Wie ist das zu sehen?

Ich persönlich finde das natürlich äußerst praktisch, da es platzsparend ist und mir zudem das Grabben und Präparieren für die Festplatte einspart (ich muß mir dann wohl ein anderen Hobby suchen...)

:hello:
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

Glockenton

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Beiträge: 1 951

Registrierungsdatum: 27. Juli 2006

6

Donnerstag, 14. Januar 2010, 09:36

Zitat


Original von gueze
Irgendwer hat einmal (sinngemäß) gesagt „... von unserer digitalen Generation wird nichts Dauerhaftes zurückbleiben ..." und genau betrachtet betrifft das ja tatsächlilch alle Lebensbereiche, denn vieles von Kommunikation bis Kunst ist ja nur mehr "virtuell" vorhanden, unkörperlich, gespeichert, archiviert, oder nach dem nächsten Systemcrash für immer im digitalen Nirwana ...


Man könnte das so sehen oder aber optimistisch sein.
Wenn ich mir überlege, wie viele Leute geradezu den durch Computerversagen verschuldeten Weltuntergang ("Y2K") beim Jahrtausendwechsel voraussagten, und dass man da tatsächlich schon mit Hamsterkäufen anfing, dann erstaunt mich diese Hysterie nachträglich immer noch.
Passiert ist nämlich nichts, und das Leben ging normal weiter.

Statistisch gesehen sind der grösste Teil unserer Ängste eher unbegründet.
Also will ich auch einmal versuchen daran zu glauben, dass die Tonträger mit klassischer Musik generationsübergreifend irgendwie verfügbar sein werden.
Wenn etwas verschwindet, dann wohl leider aufgrund irgendwelcher Marktanalysen.
So will JPC seine Klassikabteilung in Bielefeld schliessen, weil der Markt angeblich "gesättigt" sei.
Klassikfreunde wie z.B. mein Vater, die nicht "online" sind, müssen nun zusehen, ob sie in Kaufhäusern wie Media-Markt oder Saturn rein zufällig fündig werden.
Zum Glück hat mein Vater ja mich, aber es mag ja auch andere ältere Menschen geben, deren Situation anders ist.


Zur Geschichte mit den mp3-Downloads: Das ist für mich uninteressant, und ich hoffe, dass das nicht die Zukunft sein wird.
Vielmehr wünsche ich mir Tonträger mit einer potentiellen Klangqualität, die besser als CD`s klingen können und auch mehrkanalig sind.
Nachdem die DVD-A eingestampft wurde, bleibt da noch die (Hybrid)SACD als Übergangslösung und hoffentlich bald als neuer Standard die Audio-Blueray mit unkomprimierten HD-Tonformaten und eventuell zusätzlichem Videomaterial.

In einer gegenüber der CD (16Bitrate und 44,1kHz Samplingfrequenz) verbesserten Tonqualität, und nicht in einer Verschlechterung sähe ich
also die Zukunft für neue Aufnahmen( und damit auch für die Archivierung alter Aufnahmen), wenn ich denn Optimist wäre.

Auf eine Blueray würde sehr viel mehr historische Furtwängler-Aufnahmen passen als auf eine CD.
Sollten die Tonkonserven zukünftig nur noch auf Servern liegen, dann müsste das Internet wesentlich schneller und stabiler geworden sein - und zwar für alle.

Aber selbst wenn man sich Dolby-True-HD-Files selber downloaden könnte, hielte ich nicht besonders viel davon.
Ich habe selbst schon erlebt, dass für mich wichtige Daten auf einer externen Festplatte verloren gingen, weil diese aus mir unerfindlichen Gründen plötzlich ihren Geist aufgab. Wer mit Festplatten arbeitet, muss ständig Backups auf andere Platten machen, wenn er auf der halbwegs sicheren Seite sein will.
Eine Blueray ( auch eine Kauf-CD) ist bei sachgemässem Umgang von der Datenbeständigkeit her wesentlich sicherer und langlebiger als eine Harddisk.
Selbstgebrannte CDs etc. behalten die Daten oft nur einige Jahre...

Ausserdem bestünde ja immer die Möglichkeit, dass einem irgendwer aus irgendwelchen Gründen den Internetanschluss kappt. Und dann? Vom Netz möchte ich nicht zu sehr abhängig werden.

Mittelfristig hoffe ich also auf die Blueray als Massen-Medium für die Archivierung klassischer Musik. Was langfristig kommt, kann man nicht absehen.
Wer weiss, vielleicht werden die Daten auf hauchdünnen Folien gespeichert? Vielleicht wird man solche Datenträger sogar unsichtbar in die Kleidung einbauen?
Die streamen dann ihre Musikdaten in die Anlage ( egal ob zu Hause oder im Auto) und schon erklingt die schönste klassische Musik...


Zitat


Original von Schneewitchen
Vielleicht sieht (dreidimensionales Hologramm) und hört man (Surround mit 50 Folienlautsprechern) Live-Klassik-Konzerte aus aller Welt via Internet?


...oder man geht gleich auf`s Holodeck und kann eine computergenerierte Klassik-Musikaufführungen nicht mehr von einer realen unterscheiden....so etwas wünschte ich mir schon jetzt ;) :yes:
Dann könnte man mit Holofiguren wie Komponisten oder Interpreten sogar interagieren und sich von denen auf Wunsch unterrichten lassen. :D

Leider kommt das wohl erst im 24. Jahrhundert ;)

Gruss :hello:
Glockenton
"Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

7

Donnerstag, 14. Januar 2010, 11:13

Die Geschichte der physischen Tonträger Schellack, Vinyl, CD und SACD geht zu Ende. Blu-Ray Audio wird sich nicht mehr durchsetzen.

Mit der Einführung der Digitaliserung ( also der CD) gibt es nur noch Dateien. In den Zeiten von Hochgeschwindigkeits-Datenleitungen und preiswertem Datenspeichern in gigantischen Dimensionen werden downloads und streams die Zukunft bestimmen.

In meinen Augen sind auch die downloads nur eine Übergangslösung. Perspektivisch werden wir nur noch Zugriff auf Online Mediatheken zahlen.

In dem Maße wie (auch tragbarer) Speicher billiger, (drahtlose)Datenraten immer weiter steigen, werden auch die verwendeten Formate aufwändiger werden.

Am Ende wollen wir Musik hören und Information zu dieser Musik erhalten, dazu brauchen wir ein Ausgabegerät, eine Datenverbindung und einen entsprechenden Audio / Datenstram...aber eben keine pysischen Datenträger mehr...und auch keine riesigen privaten Datenspeicher.
marta

Oliver

Schüler

  • »Oliver« ist männlich

Beiträge: 147

Registrierungsdatum: 3. Dezember 2004

8

Freitag, 15. Januar 2010, 20:04

Hallo,

wie ein Individuum Musik konsumieren möchte, hat meiner Meinung nach mit dem Aufbewahrungsgedanken nichts zu tun.

Was heute ein MP3-Download ist, war früher das Platzkonzert.

Man kann nicht alles konservieren. Das Sterben gehört zum Menschsein.

Die über dem vergänglichen Individuum stehende Gesellschaft sollte versuchen, Primärquellen wie z.B. Handschriften eines Komponisten zu sichern. Ich glaube, das das schon sehr schwierig ist.

Viele Grüße,
Olli