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Dr. Holger Kaletha

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31

Donnerstag, 25. Juni 2009, 15:11

Habe Alfred Brendel (nach)gehört, Aufnahme Philips 1972. Meine Meinung: Eine schlicht meisterhafte, exemplarische Interpretation! Großes Schubert-Spiel, hintersinnig, vielschichtig und mit einer wahrlich ungewöhnlichen pianistischen Kultur. Meine Meinung: Brendel wird hier eindeutig unterbewertet, das kann man nicht so stehen lassen! Er gehört eindeutig und unverzichtbar in die allervorderste Reihe!

Im Vergleich mit Kempff phrasiert er den 1. Satz deutlich schärfer. Auch Kempffs Aufnahme ist großartig, wirkt aber etwas >verwaschener< und nicht so feinsinnig im Detail. Aber selbstverständlich steht auch diese Aufnahme unvergleichlich für sich.

Der "schwächste" Satz bei Kempff ist vielleicht das Andante sostenuto - sehr schön, aber zu flüssig und nicht getragen genug für meinen Geschmack. Dieser Satz ist Pollinis stärkster, eindeutig. Ansonsten fehlt bei Pollini etwas die lyrische Intimität bei aller überlegenen und äußerst klangschönen Gestaltung wirkt er ein bischen unpersönlich.

Andras Schiff habe ich vor Jahren mal gehört. Mir gefiel seine etwas pauschalierende Art nicht. Ich fand, bei ihm klangen sämtliche Schubert-Sonaten wie mit einer Einheitssoße gewürzt, irgendwie alle gleich! Aber das ist schon sehr lange her - es kann sein, daß ich dieses Urteil revidieren muß!

Beste Grüße
Holger

Frank Georg Bechyna

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32

Donnerstag, 25. Juni 2009, 15:53

Brendel und Schuberts B-Dur-Sonate D 960

Lieber Holger :


der Aufsatz , auf dessen Inhalt Du Bezug nimmst ist in der hier vorliegenden Form von "Zelenka" ( = Manfred Voss ) .

Soweit Du WILHELM KEMPFF ansprichst sind Du und ich einer Meinung .

Grundlage für alle Hörvergleiche ist der Versuch einer Objektivität .

Und natürlich des eigenen Klangbildes , das wir uns davon machen , wie eine Komposition zu klingen habe ; vosichtiger formuliert : klingen könnte .

ALFRED BRENDEL . Im Ergebnis sind Manfred ( Voss 9 und ich unabhängig voneinander schon in der ersten Hörrunde zu demselben Höreindruck gekommen . Persönlich würde ich heute genau s o entscheiden . Es ist zu dozentenhaft ; kaum Spontaneität ( falls überhaupt ) . Eher trocken - steril . Da kann ich nur Sviatoslav Richter in seine Ausführungen aus 1955 , Moskau , Konservatorium : So kann Schuberts Sonatenkosmos n i c h t wirklich klingen .
Von Brendels Schubert spingt

Brendel hat bei mir auch in seinen mir zugänglichen schriftlichen Ausführungen zu Franz Schubert ( etwa auch zu den Interpretationen durch Artur Schnabel ) keinen bleibenden Eindruck hinterlassen .

Wilhelm KEMPFF war für Manfred , gut begründet , s e i n Pianist schlechthin . An seinen guten Tagen war Kempff einer der grössten . Dafür gibt es wundervolle Aufnahmen als "Beweis" .


Beste Grüsse


Frank
Frank Georg Bechyna
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Dr. Holger Kaletha

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33

Donnerstag, 25. Juni 2009, 19:59

RE: Brendel und Schuberts B-Dur-Sonate D 960

Zitat

Original von Frank Georg Bechyna
ALFRED BRENDEL . Im Ergebnis sind Manfred ( Voss 9 und ich unabhängig voneinander schon in der ersten Hörrunde zu demselben Höreindruck gekommen . Persönlich würde ich heute genau s o entscheiden . Es ist zu dozentenhaft ; kaum Spontaneität ( falls überhaupt ) . Eher trocken - steril . Da kann ich nur Sviatoslav Richter in seine Ausführungen aus 1955 , Moskau , Konservatorium : So kann Schuberts Sonatenkosmos n i c h t wirklich klingen .
Von Brendels Schubert spingt


Lieber Frank,

reden wir überhaupt über dieselbe Aufnahme? Die B-Dur Sonate hat Brendel ja nicht nur einmal eingespielt! Die alte 1972iger Aufnahme in der Eloquence-Box jedenfalls klingt sehr sinnlich-sonor, überhaupt nicht trocken und gar nicht dozentenhaft! Brendel erlaubt sich z.B. an verschiedenen Stellen erhebliche Temporückungen, um die Harmonie- und Stimmungswechsel zu unterstreichen - sehr klug eingesetzt übrigens. Das ist nun wirklich unakademisch! Dazu erzählt mein Pianistenfreund F.-J., daß ihm solche Tempowechsel an der Kölner Musikhochschule bei Schubert >verboten< wurden und erwähnt immer lobend Brendel., der sich so etwas gegen den Zeitgeist erlaubt! Wie gesagt, Brendel kann sehr akademisch-trocken sein, aber hier finde ich das überhaupt nicht!

Beste Grüße
Holger

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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34

Freitag, 26. Juni 2009, 11:55

RE: Oppitz und Schubert

Lieber Frank,

gerade lese ich fast euphorische Berichte über eine Asien-Tournee (Schwerpunkt Japan) von Gerhard Oppitz. International scheint er weit mehr beachtet zu werden.Die vielleicht mangelnde Popularität im deutschsprachigen Raum finde ich ebenfalls unverständlich, weil Oppitz ja als Repräsentant der deutschen Klaviertradition in moderner Form gilt.
Falls es denn eine solche wirklich gibt. Vielleicht ist es auch ein Vorurteil, welches ihm durch die enge Verbindung zu seinem Mentor Wilhelm Kempff übergestülpt wurde. Auf jeden Fall ist Deine Feststellung richtig, dass kaum ein anderer Pianist solche Riesenprojekte bei Gesamteinspielungen gleich reihenweise absolviert wie Gerhard Oppitz.
Herzlichst
Operus
:hello:
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

Frank Georg Bechyna

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35

Freitag, 26. Juni 2009, 14:18

RE: Oppitz

Lieber Operus :


gerne wiederhole ich es , dass bei den Abenden von Gerhard OPPITZ in der "Alten Oper" Frankurt / Main jeder Abend mehr als ausverkauft gewesen ist .

Dein Hinweis auf seine enge Verbindung zu Kempff ist deswegen interessant , weil Afred Brendel diese ( in Positano ) eben nicht eingehen wollte , obwohl Kempff mit Edwin Fischer Brendel "Pianistengott" gewesen ist .

Auch darüber muss man nachdenken .

Auch natürlich über den "Musikstandort Deutschland "

a) nach 1945 u n d

b) nach der Vereinigung BRD & DDR 1989 / 1990 .


Sehr empfehlenswert sind übrigens die beiden BRAHMS - Klavierkonzerte in der Interpretation durch Oppitz .

Oppitz höre ich auch nicht als Nachfolger von kempff . Er hat seinen ganz persönlich Stil .


Herzliche Grüsse

Frank
Frank Georg Bechyna
Musik & Medizin

Theophilus

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36

Samstag, 27. Juni 2009, 01:07

Zitat

Original von Dr. Holger Kaletha
Habe Alfred Brendel (nach)gehört, Aufnahme Philips 1972. Meine Meinung: Eine schlicht meisterhafte, exemplarische Interpretation! Großes Schubert-Spiel, hintersinnig, vielschichtig und mit einer wahrlich ungewöhnlichen pianistischen Kultur. Meine Meinung: Brendel wird hier eindeutig unterbewertet, das kann man nicht so stehen lassen! Er gehört eindeutig und unverzichtbar in die allervorderste Reihe!
...


Ich habe mir jetzt die Einspielung von 1988 angehört und kann auch bei ihr die Beurteilung Brendels überhaupt nicht nachvollziehen. Für mich eine großartige Interpretation und alles andere als akademisch...

:hello:

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

  • »Walter.T« ist männlich

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37

Freitag, 3. Juli 2009, 20:48

"Licht und Schatten" (1)

Manfreds großer Beitrag baut nicht nur mit dem Titel "Licht und Schatten" eine große Spannung auf: Da ist im Motto mit Carl Fuchs von dem "Zeug" die Rede, dass "einen ... noch in der Imagination unglücklich machen" kann, und dann mit Schnabel von einem Werk, das besser ist, als es jemals gespielt werden kann. Dennoch hofft er bis zum Schluß "auf die ultimative Aufnahme".

Während die ersten beiden Sätze der Sonate für sich sprechen, entscheidet sich an den beiden letzten, welche Deutung ein Interpret wählt. Manch einer würde sie am liebsten ganz weglassen. Manfred verstand sie so: "Schubert holt uns wohl doch ins Diesseits zurück (oder hält uns auf der Erde zurück)."

Nach dieser weit ausgreifenden Einleitung werden die Erwartungen an die bestmögliche Einspielung jedoch fast rein technisch gesehen, er wünscht "einen schönen Anschlag, ein sauberes Spiel voll Geist und Empfindung und Finger, die den Tasten nicht wie Stoßvögel zu Leibe rücken". Wie im Fluge ziehen die Kurzcharakteristiken der verschiedenen Aufnahmen dahin, bis schließlich ganz am Ende ein Ruhepunkt gefunden wird: "Zhu (2004) steigt in die Sonate etwas zögerlich ein, überwältigt dann allerdings mit einem geradezu unglaublich schönen Spiel, das eher nicht mehr von dieser Welt ist."

Sicher besteht die Gefahr, auf die 's.bummer' zurecht hingewiesen hat, dass sich im Verlaufe eines monatelangen Vergleichshörens die inneren Maßstäbe allmählich verändern. Manfred hat nach meinem Eindruck aber von Anfang an intuitiv sehr genau gewußt, was er gesucht hat, hat daran festgehalten und es schließlich bei Zhu gefunden. Damit war das Ende dieses Projekts erreicht. Im Klassik Akzente Forum lehnte er in einem Diskussionsbeitrag einen weiteren Artikel über die nicht von ihm gehörten Aufnahmen als "Strafarbeit" ab.

Wie steht das im Einklang mit dem Motto von Carl Fuchs, das dem Beitrag vorangestellt ist? Der Brief von Carl Fuchs an Nietzsche ist bei Google Books in großen Teilen online verfügbar (Colli, Montinari (Hg.) "Briefe an Nietzsche Mai 1872 - Dezember 1974", S. 437-442, S. 440 ist ausgelassen). Nietzsche hatte soeben sein erstes Buch "Die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik" veröffentlicht und ein Exemplar an Fuchs gesandt. Fuchs ist sichtlich aufgewühlt und hat ganze Kapitel geradezu auswendig gelernt, so oft hat er sie gelesen. Das regt ihn an zu Gedanken über die richtige Interpretation als Klavierspieler. Er will den richtigen Ausgleich finden zwischen subjektiver Empfindung und objektiver Darstellung.

"Ich glaube nun, daß der Fehler, sich subjektiv, mit dem persönlichen, empirisch erlebenden Empfinden den Musikstücken zu überlassen, die Musiker so liederlich, untauglich, zerfahren macht, denn das übt eine geradezu verderberische, diluirende Wirkung auf das 'Gemüth' aus. Von mir weiß ich, daß auf mich die 'Winterreise' von Schubert in dieser Art ganz entschieden untergrabend eingewirkt hat, während der halbjährigen Abwesenheit meiner Frau vom Hause. Auch die Sonaten in A-moll und B-dur. Das Zeug kann Einen auf diesem Wege noch in der Imagination unglücklich machen. Ich weiß noch, wie Bürgl und ich eines Abends beisammen saßen und kamen auf die Winterreise und kamen auf den letzten Satz der B-dur-Sonate mit diesem schrecklich klagenden, immer wiederkehrendem Einsatz wie eines Horn-Tones, und die folgenden leicht schluchzenden oder zuckenden Phasen zu sprechen." (S. 439) Hier folgt bei Google Books leider die Auslassung.

Von diesem Zitat her beginne ich zu verstehen, warum Manfred gerade bei diesem Stück, das ihm persönlich so nahe ging, die Interpretationen überwiegend technisch beurteilt hat. Es ist auch klar, warum ihm eine Aufnahme wie die von Maria Yudina zwar faszinierte, aber regelrecht gegen den Strich ging, die ich ganz anders bewerten würde. Seine Begeisterung für die Aufnahme durch Zhu Xiao-Mei kann ich jedoch gut nachvollziehen. Geradezu traumwandlerisch nimmt und meistert sie die Ausdruckswelten dieser herrlichen Sonate.

Viele Grüße,

Walter

Frank Georg Bechyna

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38

Samstag, 11. Juli 2009, 23:28

RE: Intuitition bei Schuberts D 960 ?

Lieber Walter :


Wer an diesem wundervollen Artikel wie immer beteiligt gewesen ist , der weiss , dass Manfred Voss ( = "Zelenka" ) keinesfalls etwas bei seinen Hörvergleichen dem Zufall überlassen hat ( 2006 / 2007 ) .


Wer Manfreds Scjluss aufnerksam kiest , der liest , nicht ohne Überraschung, dass Zhu Xiao - Mei mi ihrer grendiosen IOnterpretetaioen dann doch nicht Manfred Interpretation auf dem Olymp gebleiben ist . Leider ist es mir nicht mehr möglich gewesen ,
die Frage nach der approximativ besten , schubertnächsten Interpretation ausführlich zu dikutieren .

Jednefalls hat Manfred Vos s die Aufnahme durch Zhi Xiao - Mei für mich nicht einmalo unter die Top 2 aller Einspielungen eingestuft . Dies mag daran leigen , adss Zhu die Schubertsonate auf der CD direkt hinter beethovens Opus 11 aufgenommen hat . Diese c-Moll-Klaviersonate von Beethoven steht vor der B - Dur - Sonate von Schubert und hat bei Manfred ein interpretatorisches Minus ( im direkten Vergleich ) erlebt .

Die "inneren Massstäbe" haben sich weder bei Manfred noch bei mir und meiner Pertnerin in den sechs Monaten v erschoben . Diese Vergleichmasstäbe sin d i gegetuel deutlich klarer geworden .


Die bdeiden ersten Sätze haben ihre Hauptgegensätze in den Interpretationen durch Sviatoslav Richter , dern Interpretatioen Manfre d für falsch erachtet hat ( etwa im Gegensatz zu mir , 204 f. ) .

Auch die beiden letzten Sätze spielen für die deutung der Sonate nicht die entscheidenede Rolle . Die Frage lautet doch vielmehr : wie ist ein organischer Zusammenhang in dieser Sonate zwischen den Saätzen 2 und 3 hörbar . Gibt es eine kompositoriswche schlüssige brücke ? Ich meine , ja . Diese Klaviersonate geht nach dem "Andnate sostenuto" weiter . Es gibt auch bei Franz Schubert keioerlei Hinweis dafür , dass es gar einben Abbruch nach dem zweite Satz hätte geben können . Auch seitenb sder Interpreten gibt es meinss Wissens keinen Hinweis , adssx Schubert je daran gedacht hatte, diese Sonate nach dem zweiten Satz abzubrechen . Es gibt auichg keine theoretischen Überlegungen hierzu . In meinem eigenen nicht veröffentlichten Beitrag zu der Sonate ( 2004 /2005 ) ist es für mich überzeugend gewesen anhand der mir vorliegenden etwa 30 Aufnahmen , dass es sehr wohl einen sehr engen Zusammenhang zwischen den erstenbeiden Sätzen und den letzten beiden Sätzen gegeben hat . Dies ist beonders deutlich hörbar in den Interpretationen durch Clifford Curzon , Clara Haskil oder Rafael Orozco sowie Anna Malikova oder Zhu Xiao - Mei , wobei die gehörten Unterschiede erheblich sein mögen . Nicht jedoch , adss die Einheitb der Sonate nicht deutlich interpretiert gewesen ist .

Darum gehjt es entscheidend bei der Weertung einer der Interpretationen .

Manfred Voss , wie ich , hatten eigene Vorstellungen , wie diese Somaten möglicherweise bestmögloch zu klingen habe .

In der sehr internsiven und langen Phase des vergleichenden Hörens
erfüllenden Hörnes gab es keine veränderneden Masstäbe .

Manfred wandte siuch , nachden er für sich Eduard Erdamann entdekcjt ahtte , diesen zu , ich dagegen vermhrtb Curzon , Lupu , Zhui und Malikova .

Interessnazterweis e führte uns dies nicht auseiennader , sondern im Eregnbnis zusammen . Ganz zwanglos .

Der "technische Ansatz " bei Manfred Vos s bezoig sich ausschliesslich auf die Interpretatioen von Eduard Erdmann ., die in der von der Substanz des schubvertschen Schaffens immer irgendwie fremd gelieben waren . Diese eher streffen Tempi waren für mioch immer eher gehen Schuberts Kompositionsstil gerichtet gewesen .

Dass Robert Schumann keine Zugang zu den letgzten drei Schubert- Klaviersonaten gefunden hat , das schmnaläert deren Wert keineswege s. Chopin fand seinerseits keinen Zugang zu den Komposotionen Schumanns . Ich kann jetzt nicht darauf eingehen .

Manfred Voss , wie auch ich , haben diese Somnate nmiemals übeweigende "technisch" beurteilt .

Wir habe von einer unterschiedlichen primären Hörerfahrung uns ganz persönlioch auch in dieser wundervollen Klaviersonaten wiedergefudnen !

Manfred Voss hat nicht nach einer "fast rein technischen " Aufnahme gesehnt . Sowenig wie nach einer idealisierten
Idealinterpretation .


Schnabel , wie der technisch beserre Eduard Erdmann , haben Manfred Voss zu Beginn immens geprägt. ABer er verlangte auch nach einer Auflösung , welche Interpretazion seinem wirkichen Empfinden tatsächlich nahegesstanden hat .

Da blweiben eben :

> Anna Mailikova
> Orozco

vor allem.


Beste Grüsse ,


Frank
Frank Georg Bechyna
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Frank Georg Bechyna

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39

Mittwoch, 5. Mai 2010, 16:55

Schuberts letzte Klaviersonate . Weitere Gedanken .

Liebe Freunde der Sonaten von Franz Schubert !



Walter T. hat in seinem beitrag vom 03. Juli 2009 so etwas eine Zusammenfassung von " Zelenkas " Intentionen niedergeschrieben . Walter hat selbst die Sonate auch in Zusammenhang mit nachlesbaren publikationen verglichen und auf den Satz von artur Schnbele hingewiesen .

Alfred Brendel hat inzwischen , gefragt, was den von Franz Schubert zu erwarten gewesen sei in Hinblick auf die Klavierkompositionen , dass dieser länger gelebt hätte , gesagt , dass er selbst nicht glaube , dass Schubert eine bedeutendere Sonate für Klavier hätte schaffen können als diese B - Dur - Sonate D 960 .

Gibt es neue wichtige Aufnahmen ?

(1) Friedrich Wührer , der in einer sehr schlechten Aufnahme in der ' British Library London ' zu hören ist und ein zu seinen Lebzeiten hoch angesehener Interpret von Werken Beethovens , Brahms' u d auch Franz Schuberts gewesen ist , hatte diese Klaviersonate seinerzeit auf LP eingespielt . *

Wehmütig beginnt Wührer den ersten Satz . Die Dramtik und die dem ersten Satz immanenten Stimmungen meisselt der interpret mit einem fast beängstigenden vorwärtfrängen in die Einsamkeit des Zuhörers . Anders als bei Edurd erdmann ist sein Spiel aber nicht vor allem einem davon fliehen ähnlich , sondern Wührer vermittelt und in scharf kontrastierenden Tonfarben Schuberts Innenwelten . Kein Zeifel : Diese Interpretation nimmt uns gefangen ! immer weider hält Wührer inne , um dann den Spannungsbogen neu aufzubauen und den Satz als Einheit darzutsllen .
Wührer betont die mit den letzten beiden Takten noch einmal besonders hervorgehoben die düstere Schicksalsseite .

Den zweiten Satz leitet der pianist ein als ob er eine neue Sonate beginne . Doch dann greift er den Sonatenbogen weider auf , was man vor allem in dem düsteren Schicksalsklang hören kann . Dies wird immer intensiver zu einem sich ausbreitenden und sich tief in die Seele des Hörers bohrenden tragischen Ereignis .
So spielt diesen zweiten Satz keiner der anderen Interpreten !
Schubert und Friedrich Wührer lassen uns mit dem ende des zweiten Satzes alleine zurück . Ich bin erinnert an den zweiten Satz der h - moll - Symphonie von Schubert .

In dieser Wiedergabe beginnt der 3. Satz sehr zügig , unaufgeregt . Dann folgt konsequent das Schubertsche Gedanke der inneren Traurigkeit , einer nie versiegdnen Melancholie in Tönen . Dieses rasche Spiel hat dann immer stärker etwas gehtztes . Am Schluss dann noch einmal pointiert die Hervorhebung von dreri Schicksalsschlägen in Tönen . Auch dies spielt sonst kein anderer Pianist so . Warum ?

Wührer spielt die Zerrissenheit des 4. Satzes beispiellos im Vergleich zu seinen Kollegen . Wieder ist es das Ende des Satzes , das so berührt und beeindruckt . ührer hält kurz inne und nimmt das von den meisten Pianisten immer stärker forcierte Tempo , das eine Spannungssteigerung erzielen soll ( man höre etwa Clifford Curzon in Salzburg oder im Studio ) , völlig zurück , um die Sonate in einer geradezu ruhigen Ausweglosikeit enden zu lassen .

Einer der bewegensten und beeindruckensten Aufnahmen , die ich kenne .


(2) Hinweisen möchte ich auf die inzwischen vollständig erschienenen Live - aufnahmen der auch von " Zelenka " hoch geschätzten Imogen C o o p e r . Sie hat nach 1988 im Dezember 2009 in der ' Queen Elizabeth Hall ' in London auch die B - Dur - Klaviersonate D 960 gespielt .

Label : AVR - AVIE Records ; 2 CD .

Dieser Teil 3 der neuen Schubert - Aufnahmen durch Imogen Cooper
ist auch inzwischen- wie die Teile 1 und 2 - in Deutschland unter anderem via amazon.de erhältlich .

Diese Aufnahmen haben grösste Zustimmungen erfahren durch rezensionen in der BBC , der New York Times , Gramophone , BBC Music Magazine und NPR .


Beste Grüsse



Frank


* Mein herzlicher Dank gilt Thomas Pape , dass er mir die Originalquelle der Interpretation durch Friedrich Wührer zur Verfügung gestellt hat , um diesen Beitrag schreiben zu können .
F.
Frank Georg Bechyna
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Frank Georg Bechyna

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40

Freitag, 7. Mai 2010, 14:10

IMOGEN COOPER : D 960 . XII.2009

" Das Hoffen auf die ultimative Aufnahme geht weiter , ebenso wie das Hoffen auf eine bessere lichte Welt , die es vielleicht geben mag und nach der sich Schubert so sehr gesehnt hat " .

"Zelenka" / Manfred Voss . London : 7. Juli 2007

* * * * *

Dieser Satz von manfred Voss über diese Sonate , seine philosophische Hinwendung und seine persönliche Sicht auf Franz Schubert waren für ihn 2006 / 2007 ( und bis zu seinem Tod )
Zugang wie Sehnsucht und Reflexion auf und über die ihm bekannten Interpretationen dieser gewaltigen letzten Klaviersonate von Franz Schubert , wobei darauf hinzuweisen ist, dass die Arbeitsweise Schuberts in den letzten drei Klaviersonaten auch Rückschlüsse auf seine früheren werke zulässt ( Andreas Krause , 2007 ,422 ) .

Auch wenn Schubert eigenhändig über dei B - Sonate geschreiben hat " 3. Sonate " , so sind doch Verzahnungen zwischen den Kompositionen festzustellen ( A. Brendel . " Musik beim Wort genommen " , 1992 , 109 - 135 ) .

Schubert hatte für die letzten drei Klaviersonaten zunächst das Thema des ersten Satzes niedergeschreiben, dann die weiteren Sätze entworfen , bevor er zu dem ersten Satz zurückgekehrt ist . Daraus ergibt sich auch, dass jede der sonaten ein Ganzes ist und ein interpret oder Musikwissenschaftler kaum folgern kann anhand des vorliegenden Quellenmatariales , das Schuberts B - Dur - Sonate D 960 schon nach dem 2. Satz beendet werden könne .

" Zelenka " / Manfred Voss hatte in seiner umfangreichen Zusammenstellung der zugänglichen Aufnahmen aus meiner Sicht zu recht auf die frühe Aufnahme durch Imogen C O O P E R ( 1988 ) hingewiesen , die er sehr schätzte . Ms. Cooper war zeitweise Schülerin von Alfred Brendel wie Clifford Curzon gewesen .

2009 hat sie dann in mehreren Doppel - CDs die Werke Franz Schuberts unter " BBC recording " im Rahmen von ihren Konzertmitschnitten in London aufnehmen lassen . Darunter im Dezember 2009 in der " Queen Elizabeth Hall " unter anderem die Klaviersonate B - Dur D 960 .

Die musikalische Fachwelt war sofort und übereinstimmend begeistert :

" The most wonderful Schubert - playing I have ever heard .....held me spellbound " ( Gramophone , Editor's choice )

" Celestial chubert ....second to none " ( BBC Music Magazine )

" Perfection ...(a) natural Schubert player ....she really makes the piano sing 2 ( NPR, all things considered )

Die ' New York Times ' feiert dies e Aufnahme als interpretatorische Sternstunde .


IMOGEN COOPER beginnt den ersten Satz , ähnlich Zhu Xiao - Mei , mit einer zurückhaltenden lyrischen Melancholie . Bei ihr fliesst Schuberts Medlodie ! Die dramtischen Takte spielt sie völlig organisch und mit einem nie gewollt klingenden Ton . Ihr Klangfarben sind dann wie jeder einzelne Ton darin überwältigend schön und berührend . Für mich ist dies gegenüber ihrer rund 20 jahre alten Aufnahme tatsächlich die Wiedergebe einer Künstlerin , die us Neues zu sagen hat ! Sie spielt leider keine Wiederholung . Wer die Wiederholungen mit den den darin enthaltenen steigerungsmöglichkeiten im Ohr hat , der wird sie möglicherweise vermissen . Dennoch : es handelt sich dennoch um einen interpretatorischen lücksfall . Eine Sternstunde der Schubertinterpretation .

Den 2. Satz spiel Cooper ebenfalls im tempo ruhiger als in der früheren Aufnahme . Sie spielt die melodien aus . Sie baut dadurch eine Spannung auf, die wir so nur selten im direkten Vergleich bisher hören konnten . Nichts wird forciert . Jede Pathos bleibt fern . Der Vortrag ist sehr organisch gestaltet . Vom interpretatorischen Ansatz her erinnert manches an Radu Lupu .

Der oft als schwierig und heikel bezeichnete Übergang zu dem 3. Satz gelingt ihr , weil sie eben offensichtlich die derzeit bekannten Quellen sehr genau studiert hat , als eine zwingende Fortsetzung der Sonate .
Hier erleben wir nicht einen meist willkürlich erscheinenden " Neubeginn " der komposition . Auch hier ist der Satz in sich geschlossen und Teil einer grösseren , umsoannenderen einheit . Wie in den beiden anderen Klaviersonaten aus 1828 hat Franz Schubert allles genau bedacht und durchdacht . Erinnerungen an D 946 werden deutlich . ( Sehr empfehlenswert zu lesen dazu sind die Ausführungen in den textbeiträgen zu den Aufnahmen durch Richard Goode ) .

Den Schlussatz spielt imogen cooper eher im tempo zurückhaltend ; dabei berücksichtig sie die Anweisungen Schuberts aber sehr genau !

Diese Interpretation gehört zu den mich am meisten überzeugende überhaupt !

Ich bin sicher, dass " Zelenka " = Manfred Voss in dieser Interpretation seine erhoffte Idealaufnahme dieser Klaviersonate gefunden hätte ; zumnidest ist Imogen Cooper " Zelenkas " ästhetischen ideal sehr, sehr nahe gekommen .

Eine beeindruckende Aufnahme . Ein Muss für jeden Liebhaber dieser so aussergewöhnlichen komposition , wie Alfred Brendel das Werk analysiert hat .


Beste Grüsse


Frank
Frank Georg Bechyna
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Dr. Holger Kaletha

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41

Freitag, 7. Mai 2010, 20:39

RE: IMOGEN COOPER : D 960 . XII.2009

Lieber Frank,

schön, daß Du dieses Projekt einer Interrpetationsgeschichte weiterführst. Das lese ich wirklich sehr gerne. Meine letzten Begegnungen mit der B-Dur-Sonate waren die Aufnahmen von Vladimir Sofronitzky und eine Fernsehaufnahme von Leon Fleisher - er spielt sie inzwischen wieder mit beiden Händen. Imogen Cooper hat ja den Ruf, sehr Brendel-ähnlich zu spielen. Das würde ich mir auch gerne einmal anhören! Das Problem der Wiederholungen ist ein heikles - wenn es schon in der Musikwissenschaft keine klare Meinung dazu gibt, dann kann man den Interpreten da wohl keinen Vorwurf machen. Bei den Chopin-Sonaten, mit denen ich mich beschäftige, gibt es auch viele, welche die Expositionswiederholungen auslassen.

Beste Grüße
Holger

Frank Georg Bechyna

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42

Freitag, 7. Mai 2010, 20:51

IMOGEN COOPER : D 960 . XII.2009 ; Keine Wiedrholungen .

Lieber holger ,

Danke für Deinen Beitrag .

Ich finde eben, dass imogen Cooper n i c h t brendelähnlich spielt ( und auch entfernt davon ist, wie Clifford Curzon , ja auch einer ihrer Lehrer , zu spielen ) .

Was mich s e h r interessiert ist die Frage bezüglich der Aussagen von " zelenka " / Manfred Voss , die ich hier vorangestellt habe .

Sie ist in seinem umfangreichen Text wohl untergegangen.

K o n k r e t : Meinst Du aus Deiner Erfahrung heraus , dass man eine ggf. ständige Wechselwirkung zwischen einer eigenen philosophischen Meinung und dem möglichen Gedankengut des komponisten einen engen Zugang zu Werk wie Hörer finden kann ?

Beste Grüsse

Frank
Frank Georg Bechyna
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Titan

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43

Freitag, 7. Mai 2010, 23:50

RE: IMOGEN COOPER : D 960 . XII.2009

Zitat

Original von Dr. Holger Kaletha
Lieber Frank,

schön, daß Du dieses Projekt einer Interrpetationsgeschichte weiterführst. Das lese ich wirklich sehr gerne. Meine letzten Begegnungen mit der B-Dur-Sonate waren die Aufnahmen von Vladimir Sofronitzky und eine Fernsehaufnahme von Leon Fleisher - er spielt sie inzwischen wieder mit beiden Händen. Imogen Cooper hat ja den Ruf, sehr Brendel-ähnlich zu spielen. Das würde ich mir auch gerne einmal anhören! Das Problem der Wiederholungen ist ein heikles - wenn es schon in der Musikwissenschaft keine klare Meinung dazu gibt, dann kann man den Interpreten da wohl keinen Vorwurf machen. Bei den Chopin-Sonaten, mit denen ich mich beschäftige, gibt es auch viele, welche die Expositionswiederholungen auslassen.

Beste Grüße
Holger


Hallo Frank und Holger und andere SCHUBERT-Taminoeaner/innen
Clifford Curzon kam um 1970 zusammen mit seiner damaligen Schülerin Imogen Cooper nach Kiel, (wenn ich mich richtig erinnere).....

zumindest gab es unter dem damaligen GMD hans Zender das 1. Brahms Konzert mit Curzon und 1 oder 2 Wochen später Köchel 453 mit Frau Cooper.
Ich habe sie bis jetzt stilistisch immer ähnlich wie Ingrid Haebler empfunden....aber das ist wirklich ganz subjektiv und kann ich nicht näher begründen, da ich weder Pianist noch Musikwissenschaftler bin.

Curzons Interpretationsstil, der mich in Punkto "Zugriff" schon ein bisschen an Sofronitzky erinnert, gefällt mir bei Schubert wesentlich besser als das doch ein wenig gleichmäßig "zart-romantische" Spiel von Frau Cooper, deren Dynamik Skala im Vergleich zu Sofronitzky für mich fast flach klingt. Als Alternativen zu den "Russen" (auch Richter) gibt es schon etliche "elegischere" , weniger "dramatische" Alternativen, die ich aber nicht bei Werner Haas, Ingrid Gaebler, Imogen Cooper, Gilbert Schuchter, Endres, Stadtfeld (sehr enttäuschend) ....sehe

sondern z.B. bei FLEISHER..... vorallem aber komme ich seit 40 Jahren immer wieder zu Geza Anda's DG Aufnahme zurück. In ihrer Schlichtheit und Natürlichkeit, die der "Stürme" nicht entbehrt und immer "klassisch" und "schlank" klingt und niemals "romantisierend"....................ich liebe zwar die "VIELFALT" bei diesem einmaligen OPUS....

ganz sicher aber hat Anda einen "Spitzenplatz" bei mir.


Gruß............"Titan"

Gustav

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44

Freitag, 7. Mai 2010, 23:53

Zitat

K o n k r e t : Meinst Du aus Deiner Erfahrung heraus , dass man eine ggf. ständige Wechselwirkung zwischen einer eigenen philosophischen Meinung und dem möglichen Gedankengut des komponisten einen engen Zugang zu Werk wie Hörer finden kann ?


Lieber Frank, lieber Holger!

Entschuldigt, dass ich mich hier einmische. Ich kenne D960 nicht so gut, als dass ich konkret, vor allem was Interpretationen angeht, mitmischen könnte. Mir fehlt im Moment die Zeit, dies nachzuholen, auch wenn dieser Thread und die interessanten Beiträge sozusagen auf meiner Liste stehen.

Aber zu obigen Zitat: Ich glaube nicht nur, dass man sie finden kann, man muss es geradezu. Ich verstehe eine Kunstwerk, vor allem eines, das durch Künstler interpretiert werden soll, immer als eine Art Diskussionsgrundlage, als ein Thema, das weitergeführt werden soll. Daher habe ich auch nichts gegen Eingriffe in den Notentext, wenn sie denn ernsthaft vorgenommen werden und nicht, um eigene Schwächen zu verdecken. Was ich erwarte ist ein Gespräch zwischen Interpret und Komponist.

Ob der Zuschauer dadurch einen engen Zugang findet, ist von Fall zu Fall sicherlich verschieden. Mit Sicherheit gewinnt er einen anderen Zugang, einen erweiterten Zugang. Und in diesem Fall, wie gesagt, sind mir Auslassungen nicht so wichtig.

Was ich als Hörer erwarte, ist ein Ernstgenommenwerden, d.h. ich möchte selber entscheiden, ob ich den Umgang des Künstlers mt dem Werk noch goutieren kann oder nicht. Das bedeutet aber auch, dass ich vom Interpreten nicht verlange, dass er sich von Beginn an Zwängen des Notentextes unterwirft, nur um den Intentionen des Komponisten, so weit überhaupt erkennbar, gerecht zu werden.

Aber auch hier kommen wir natürlich zu dem Problem, das bei den Chopin - Sonaten schon angesprochen wurde. Inwieweit ist ein Kunstwerk, so es denn veröffentlicht wird, Allgemeingut und einer freien Auslegung preisgegeben?

:hello: Gustav
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Frank Georg Bechyna

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45

Samstag, 8. Mai 2010, 21:24

Imogen cooper 2009 : Neue Sicht auf D 960 .

Lieber " Titan " !


Der folgende Satz stammt nicht von mir ; er hat aber viel an Wahrheit in sich : Man soll ein Werk nur neu Aufnahmen, wenn man auch etwas neu zu sagen hat .

Dies ist hier bei Imogen C o o p er eindeutig der Fall .

Die frühe Aufnahme ( 1988 ) ist anders als die vom Dezember 2009 .

ich danke Dir ausdrücklich für Deine Live - Höreindrücke, weil es in deutschland nicht sehr viele Musikkenner gibt, die imogen Cooper kennen oder gar präsent haben .

Zu Geza A n d a : Ich habe Anda immer sehr geschätzt und dies hier in TF auch früher mehrfach geschreiben .

Er ist zurecht in der Edition " Great Pianists of the Century " !

H i n w e i s : geradezu eine Referenzaufnahme ist das B - dur - Klavierkonzert von Johannes Brahms ( EMI ) mit Karajan .

Sein etwas kühler Schumann hat durchaus seine spezifischen Reize .

Angesichts seiner musikalisch - interpretatorischen Bedeutung findet Anda bedauerlicherweise nicht die Beachtung, die er verdient hat .

Beste Grüsse



Frank
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Frank Georg Bechyna

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46

Samstag, 8. Mai 2010, 21:29

Einmischung in grundsätzliches .

Lieber Gustav :

es ist sehr erfreulich , wenn Du Dich " einmischst " . Das ist doch die Grundlage der Diskussiion .

Wenn du es möchtest , dann werde ich dir exemplarisch einige wenige Aufnahmen zusenden 8 ohne eine willkütlich Auswahl zu treffen ) , die Dir einen hoffenltich sehr unterschiedlichen Höreindruck vermitteln mögen .

Ich würde mich sehr über eine Rückmeldung hier freuen .

Beste Grüsse


Frank
Frank Georg Bechyna
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Gustav

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47

Samstag, 8. Mai 2010, 22:05

Lieber Frank!

Natürlich würde ich mich darüber freuen. Auch wenn ich einige Aufnahmen von D 960 besitze, ist sie mir bisher immer eher fremd geblieben. Deshalb fand ich deinen Link zu dem Artikel von Manfred Voss sehr hilfreich. Aber wie gesagt, fehlt mir im Momewnt die Zeit, ihn ausgiebig zu studieren und daraufhin Aufnahmen anzuhören. Aber du verfügst ja über einen großen Schatz von Aufnahmen, die für ein weiteres Verständnis meinerseits sehr hilfreich sein können.

:hello: Gustav
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48

Samstag, 8. Mai 2010, 22:21

RE: Imogen cooper 2009 : Neue Sicht auf D 960 .

Zitat

Original von Frank Georg Bechyna
Lieber " Titan " !


Der folgende Satz stammt nicht von mir ; er hat aber viel an Wahrheit in sich : Man soll ein Werk nur neu Aufnahmen, wenn man auch etwas neu zu sagen hat .

Dies ist hier bei Imogen C o o p er eindeutig der Fall .

Die frühe Aufnahme ( 1988 ) ist anders als die vom Dezember 2009 .

ich danke Dir ausdrücklich für Deine Live - Höreindrücke, weil es in deutschland nicht sehr viele Musikkenner gibt, die imogen Cooper kennen oder gar präsent haben .

Zu Geza A n d a : Ich habe Anda immer sehr geschätzt und dies hier in TF auch früher mehrfach geschreiben .

Er ist zurecht in der Edition " Great Pianists of the Century " !

H i n w e i s : geradezu eine Referenzaufnahme ist das B - dur - Klavierkonzert von Johannes Brahms ( EMI ) mit Karajan .

Sein etwas kühler Schumann hat durchaus seine spezifischen Reize .

Angesichts seiner musikalisch - interpretatorischen Bedeutung findet Anda bedauerlicherweise nicht die Beachtung, die er verdient hat .

Beste Grüsse



Frank


Hallo Frank und Freunde/innen von D 960

Ich muß bekennen nur die alte Aufnahme von Imogen Cooper zu kennen.......................sorry habe ich wohl nicht ausführlich und sorgfältig genug gelesen....sondern nur Eure letzten Beiträge.

Gruß................."Titan"

Dr. Holger Kaletha

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49

Samstag, 8. Mai 2010, 22:55

RE: IMOGEN COOPER : D 960 . XII.2009

Zitat

Original von Titan

sondern z.B. bei FLEISHER..... vorallem aber komme ich seit 40 Jahren immer wieder zu Geza Anda's DG Aufnahme zurück. In ihrer Schlichtheit und Natürlichkeit, die der "Stürme" nicht entbehrt und immer "klassisch" und "schlank" klingt und niemals "romantisierend"....................ich liebe zwar die "VIELFALT" bei diesem einmaligen OPUS....

ganz sicher aber hat Anda einen "Spitzenplatz" bei mir.


Hallo Titan,

auch ich schätze die Anda-Aufnahme wirklich sehr! Ich bin überhaupt ein großer Bewunderer von ihm. Ich erinnere mich - es muß aber schon bestimmt 20 Jahre her sein - daß im Radio mal ein Anda-Portrait lief, wo er in seiner Meisterklasse mit seinen Studenten die B-Dur-Sonate durchnahm und die Phrasierung zu Beginn des Finales erklärte. Das fand ich ungemein erhellend - habe es noch heute im Ohr!

Beste Grüße
Holger

Dr. Holger Kaletha

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50

Samstag, 8. Mai 2010, 23:09

RE: IMOGEN COOPER : D 960 . XII.2009 ; Keine Wiedrholungen .

Zitat

Original von Frank Georg Bechyna
K o n k r e t : Meinst Du aus Deiner Erfahrung heraus , dass man eine ggf. ständige Wechselwirkung zwischen einer eigenen philosophischen Meinung und dem möglichen Gedankengut des komponisten einen engen Zugang zu Werk wie Hörer finden kann ?


Lieber Frank,

solche Wechselwirkungen gibt es zweifellos. Bei den Schubert-Sonaten sind es die Ausdehnungen, die berühmten "himmlischen Längen". Da kann man sich fragen: Was ist das für eine Zeiterfahrung? Hat die etwas mit der romantischen Entdeckung der Unendlichkeit zu tun? Auch die Frage der Wiederholungen gehört hierher. Über das Fromalistische hinaus haben sie offenbar einen Sinnaspekt. Das romantische Unendlichkeitsgefühl hebelt die Finalität aus - es gibt keinen wirklichen Anfang noch eine Ende, bzw. wo es sie noch gibt werden sie entwertet. Wiederholungen werden da zu einer Art ewigen Wiederkehr des Gleichen. Deshalb würde ich intuitiv die Expositionswiederholung in der B-Dur-Sonate nicht auslassen wollen. Aber auf solche Gedanken bringt einen die Musik - wen man sie nicht nur konsumiert, sondern versucht, sich ihren Sinn zu erschließen. Musik ist eine Art Denken in Tönen - die Philosophie steckt in ihr gewissermaßen drin, man braucht sie nicht von außen hinzuzutun. Bei der Romantik ist das für mich evident. Das war z.B. die Auffassung von Adolf Bernhard Marx, einem der bedeutendsten Musiktheoretiker des 19. Jahrhunderts. Er war Hegelianer und die musikalische Form für ihn Ausdruck einer geistigen Idee. Viele musikwissenschaftliche Analysen heute dagegen vermitteln diese geistige Dimensoion leider oft nicht mehr. Da werden dann nur positivistisch die Fliegenbeine gezählt - wo fängt Periode X an und hört Periode Y auf. Davon hat man reichlich wenig - und kann im Prinzip darauf verzichten.

Beste Grüße
Holger

Gustav

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51

Sonntag, 9. Mai 2010, 20:41

RE: IMOGEN COOPER : D 960 . XII.2009 ; Keine Wiedrholungen .

Zitat

Original von Dr. Holger Kaletha
Musik ist eine Art Denken in Tönen - die Philosophie steckt in ihr gewissermaßen drin, man braucht sie nicht von außen hinzuzutun.


Lieber Holger!

Einmal wieder, ganz theoretisch, weil ich, wie gesagt, D960 zu wenig kenne:

Ist es nun die Aufgabe einer vernünftigen Interpretation die romantische Philosophie herauszuarbeiten bzw. neu zu interpretieren. Oder ist es auch möglich und erlaubt D960 zu nehmen und sie, meinetwegen, aus einer existenziellen Weltsicht heraus zu deuten? Ist das dann eine Vergewaltigung oder nur eine Fortschreibung einer Wirkungsgeschichte in einem anderen Jahrhundert? Wie würde sie klingen, wenn man in einer eher säkularisierten Welt den Ewigkeitscharakter umdeuten würde, um sie den Sinnerfahrungen vieler heutiger Menschen näherzubringen? (In welche Richtung auch immer.) Wäre das erlaubt? Wäre es auch erlaubt, wenn man dafür Eingriffe in den Notentext vornehmen würde?

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich denke, es ist erlaubt. Andererseits würde ein Kunstwerk doch zu sehr auf einem einmal erzielten Rang stehenbleiben und mit der Zeit womöglich doch altern. Dies ist übrigens das Problem, dass ich mit HIP habe oder auch mit einem reinem Vollzug der Regieanweisung von Komponisten bei Inszenierungen.

:hello: Gustav
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Frank Georg Bechyna

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52

Montag, 10. Mai 2010, 14:35

Notentexttreue vs. interpretatorische Willkür .

Lieber Gustav :


Auch wenn ich nicht persönlich angeschrieiben bin , so doch einige Anmerkungen zu Deinem Text aus meiner langen Beschäftigung gemeinsam mit Zelenka " über diese Sonate .

(1) Wahrscheinlich habe alle Interpreten der Sonate , die ich kennengelernt habe , ihre Interpretation für " vernünftig " angesehen .

Persönlich denke ich , dass es eine " vernünftige Interpretation" nicht gibt .

Wir können Interpretationen an ihrer Übereinstimmung mit dem Notentext orientieren , an den möglichen Zielen, die Franz Schubert mit seiner Komposition verbunden hat ( Frage der Wirkungsästhetik ) .

Oder auch Fragen : Kann man die Sonate so spilen , wie dies viele Pianisten auf sehr unterschiedliche Art gemacht haben ?

Welche persönlichen Erwartungen hatten wir an eine Interpretation b e v o r wir diese analysiert haben . Was bleibt nach dem Hören und insbesondere einem Hörverglieich ?

(2) " Die romantische Philosophioe " scheint es mir ganz allgemein betrachtet nicht zu geben . Um so weniger dann eine spezifisch musikalische Philosophie .

Und ausgehend von der Entwicklung in " Zelenkas " Text und Hörzugang zu verschiedenen Interpretationen ( er kannte über 100 verschiedene subjektive interpretatorische Deutungen ) und hat dann in seinem - vorläufigen - Schlusstext auch seine ganz subjektiven Erfahrungen beschrieiben ( wenn auch weit weniger ausführlich als in seiner Korrespondenz mit mir ab 2006 ) .

Kurz vor der Niederscharift am 7. Juli 2007 hat er dann die von ihm so sehr geliebte Wiedergabe durch Zhu Xiao - Mei aus seinen absolut bevorzugten Interpretationen herausgenommen , leider ohne dies näher zu begründen .

(3) Ich denke, dass Franz Schubert selbst zumindest diese Sonate - er hat sie selbst halböffentlich gespielt - nicht aus einer " existentiellen Weitsicht " heraus komponiert und auch gespielt hat .

Die von " Zelenka " untersuchte Rezeption dieser Sonate ( wie anderer Sonaten Schuberts ) hat auf einer breiteren Ebene nicht stattgefunden ( anders als die der Sonaten beethovens , Chopins oder der h-Moll-Sonate von Franz Liszt . Selbst die grossen Klavierkompositionen von Robert Schumann haben da zu einer viel intensiveren Auseinandersetzung unter den bedeutenden Pianisten ab der Zeit ihrer Veröffentlichung geführt ) .

Es waren ja erst Artur Schnabel mit seinem Lehrer Theodor Leschatitzky und dann vor allem Eduard erdmann , die die Schubertsonaten aufgenommen und öffenltich gespielt haben ( Erdmann noch sehr viel mehr als Schnabel ! ) .

Die breite Auseinandersetzung mit mehreren (!) Sonaten Schuberts für Klavier solo haben für die breitere öffentlichkeit erst durch mehrere Aufführungen in der UdSSR nach dem Zweiten Weltkrieg ( vor allem durch Svjatoslav richter ) und dann durch Radu Lupu in seinem berühmten Londoner Schubert - Zyklus ab 1970 sowie durch Clifford Curzon und Alfred Brendel stattgefunden .

Dabei halte ich die frühen Aufnahmen durch Curzon wie auch durch Radu Lupu für herausragend .

Später gab es vor allem bei der Sonate in B - Dur D 960 immer weider Versuche , in einer Deutung (!) eher die eigenen Vorstellungen zu realisieren als die Vorgaben Schuberts zu befolgen .

Die enormen Unterschiede der Interpretationen kann auch der nicht geübte Hörer deutlich wahrnehmen .

Somit bleiben dann - jedenfalls für mich - einige herausragende interpretationen , die ich für unverzichtbar halte sie genauer zu kennen :

Zhu Xiao - Mei

Anna Malikova ( o. W . )

Rafael Orozco

Clifford Curzon ( frühe Aufnahme . O. W. )

Radu Lupu

Friedrich Wührer

Imogen Cooper ( 2009 ) ( o. W. =

Schnbael und Erdmann ( allleine aus interpretationsgeschichtlichen Gründen )

Richter ( besonders Prag & Anif . Nicht alle seine erhaltenen Aufnahmen höre ich " gleich " ! Dies ist gerade bei Richter vergleichbar seinen Aufnahmen der letzten drei Klaviersonaten Beethovens . ) .


(4) Eingriffe in die Vorgaben Schuberts halte ich für höchst problematisch . Dies gilt schon für das Weglassen der Wiederholungen .

Durch " Eingriffe 2 in den notentext bringt man menschen dies e Sonate ( wie andere auch ) nicht näher .

Sie werden dadurch eher bis zur Unkenntlichkeit in ihrem Sinn verstümmelt .

Das für mich schlimmste Beispiel ist Ivo Pogorleichs Aufnahme der b - Moll - Klaviersonate von Frédéric Chopin ( DGG / Universal ) .

Beste Grüsse


Frank
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Gustav

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53

Dienstag, 11. Mai 2010, 20:52

Lieber Frank!

Dank für deine sehr ausführlichen Erläuterungen. Ich merke immer mehr, dass ich mich in der nächsten Zeit wirkich einemal mit dem "Zelenka" - Artikel befassen muss.

Sehr interesant finde ich die Wirkungsgeschichte der Sonate. Hast du eine Erklärung, warum die breitamngelegte Rezeption erst relativ spät begann? War das beginnende 20 Jhrdt. noch zu sehr von der Romantik und natürlich dem Titanen Beethoven geprägt? Vielleicht weißt du da Näheres.

Was die Eingriffe in den Notentext angeht, bin ich da nicht so entschieden wie du. Ich vergleiche das mit der Oper. Die Callas hat meist verkürzte Fassungen, vor allem der Cabaletta gesungen, und was hat sie daraus gemacht. Manch Aussage kann deutlicher werden oder im Falle der Klaviermusik vielleicht zu ganz anderen Aspekten führen. Oberstes Gebot ist natürlich das Verantwortungsbewusstsein dem Komponisten gegenüber.

Aber dies kannst du, gerade auch was die Notwendigkeit der Wiederholungen angeht, mit Sicherheit besser beurteilen.

:hello: Gustav
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Frank Georg Bechyna

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54

Mittwoch, 12. Mai 2010, 12:17

Schubert : Rezeption der Werke für Klavier solo.

Lieber Gustav :

Wenn wir das nähere Umfeld von Wien beiseite lassen ( als vor allem Mähren , Böhmen , Ungarn ) so spielte jeder Pianist Beethoven , der als " Übervater " , als " Titan " galt .

Von Clara Schumann , die al pianistin ihren männlichen kollegen wie Liszt , chopin , Kalkbrenner , Thalberg etc. als ebenbürtig galt , spielte immer weider beethovens " Appassionata" . Aber Schubert ? Dies mag mit daran gelegen haben, das Robert Schumann wohl nie eine wirklichen Zugang zu den Klaviersonaten Schuberts finden konnte oder finden wollte .

Franz Liszt hatte 55 Lieder von Schubert für Klavier bearbeitet und somit bis heute sehr populär gemacht . Seltsamerweise ist Liszt seiner neigung gefolgt und hat die " Wanderer - Fantaise2 "Orchester bearbeitet , was mehr als überflüssig war .
Debei waren Schubert und Liszt durch den gemeinsamen Lehrer Antonio Salieri verbunden gewesen ohne isch aber musikalisch nahe zu kommen .

Deutlich mehr hat sich Johannes Brahms in seiner frühen Zeit mit den kompositionen Schuberts befasst - nicht ohne einflus s von Robert Schumann .
So hat er sich zunächst auch für das Sonatenschaffen Schuberts interessiert und die 3 Klavierstücke D 946 anonym (!) 1868 , 40 jahre nach schuberts Tod , herausgegeben. Brahms wandte sich dann immer stärker dem Liedgut zu , das die überragende bedeutung in Schuberts Rezeptionsgeschichte bestimmte . Ebensi der grossen C - Dur - Symphonie . Daneben der kammermusik . Die geplante Edition der gesamtwerke von Schubert kam niemals zustande , weil Brahms für diese tätigkeiten wohl nicht den langen Atem hatte .

Zwischen 1871 und 1900 erfolgte dann die Edition Peters auch mit den bekannten Klaviersonaten und Werken für Pianoforte zu vier Händen ( diese Werke waren damals sehr in Mode gewesen ) .

Erst Charles Hallé ( eigentlich Carl Halle ) spielte 1868 in der St. James's hall sämtlich damals bekannten Klaviersolowerke von Schubert .
John Reed spricht 1990 (!) von " zehn prachtvollen Sonaten " ( 1990, 48 ) .

Etwa parallel zu der umfangreichen wissenschaftlichen Aufarbeitung der bekannten Schubert - Kompositionen in grossbritannien entwickelte sich diese langsam in Deutschland .

Anlässlich des Schubert - jahre 1928 gabes eine Werkausgabe in Frankreich , das wohl als erstes Land systematisch Schuberts Kompositionen zusammenfasste und publiziert hat .

Man muss festhalten , dass selbst Artur Schnabel oder Alfred Brendel nie alle bekannten Schubertsonaten für Klavier eingespielt haben ! Warum nicht ?

Eduard E r d m a n n war diesbezüglich d e r grosse Pionier . " Zelenka " hat dies wohl auch dargestellt ; jedenfalls in seiner umfangreichen privaten Korrepondenz mit mir 2006 / 2007 . Wir haben seinerzeit alle s zugängliche Material bezüglich der Rezeption der Schubert - Klaviersonaten zu erreichen versucht ( inklusive der British Library London , 2007 ) .

Der österreichische Pianist G o t t l i e b kann für sich beanspruchen , dass er in Zusammenhnag mit seine rn Aufnahmen der Klaviersonaten Schuberts auch umfabgreiche eigene Forschungsergebnisse vorgelegt hat ( Naxos ) . Gottliebs Interpretationen bleiben dagegen doch sehr dem üblichen Schubertbild verhaftet .

In den beiden Schubert - Handbüchern wird interessanterweise nichts von Bedeutung über die letzten drei Klaviersonaten geschrieben .

Angesichts der Bedeutung der Klaviersonaten muss dies sehr verwundern !

Anders als bei Beethoven hat es auch nie ein halbwegs einheitliches oder kontrovers diskutiertes " Schubert - Bild " gegeben im Hinblick auf die Interpretationen seiner Sonaten für Klavier solo .

Herausragend - auch als Interpreten - bleiben daher zu nennen : Erdmann , Richter , Lupu , Goode ( dazu noch mit hervorragenden Booklets ) , Deyanova .

Es ist müssig und rein spekulativ zu überlegen, warum etwa Emil Gilels ausser seiner Masstab setzeden Interpretation von D 784 , keine anderen Schubertsonaten eingespielt hat ( Gilels bei : ORFEO , live , Salzburg ) .

S. Richter hat z.B. nie die Klaviersonate D 959 aufgenommen . Dieses Weglassen von bestimmten Sonaten oder Klavierkonzerten ist geradezu typisch für Richter . Angesichts des 3. Klavierkonzertes von S. Rachmaninov hat es dies mit dem Satz in " Gramophone 2 kommentiert : Andere haben das Konzert aufgenommen . gemeint war Yakov Flier ( dessen Aufnahme freilich nicht mehr zugänglich ist ) .

Andere grosse Pianisten habe in ihrer späten aktiven zeit , etwa Alexis Weissenberg , mehrere Klaviersonaten unter grosser Beachtung der Fachwelt ( zusammenfassend etwa E. Büning in der "FAZ" ) öffenltich gespielt .

Modern formuliert : Franz Schubert hat bis heute keine Lobby .

Beste Grüsse


Frank

PS.: " Zelenka " und ich hatten vor , die Klaviersonaten D 959 ( er ) und D 958 ( ich ) ausführlicher zu besprechen .
Frank Georg Bechyna
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Gustav

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55

Mittwoch, 12. Mai 2010, 21:53

Lieber Frank!

Erneut Dank für deine ausführliche Antwort mit vielen für mich neuen Informationen.

Und dann dieser Satz:

Zitat


Modern formuliert : Franz Schubert hat bis heute keine Lobby .


Sicherlich richtig und daher sehr ärgerlich. Und erneut die Frage: Was meinst du, warum ist das so??

Es ist doch erstaunlich, dass ein Komponist wie Schubert, immer in einem Atemzug mit den Großen genannt, mit einem wesentlichen Teil seines Oeuvre eher ein Randdasein führt. Wobei natürlich gesagt werden muss, dass seine Opern auch nie wirkiche Popularität erlangt haben, von seinen Sinfonien eigentlich nur zwei ein wirklicher Repertoirebestandtteil sind und von seiner Kammermusik auch recht wenig wirklich populär ist. Gilt er vielen als zu brav, zu wienerisch - gemütlich? Traut man ihm also tiefgründige Inhalte in vielen seiner Werke nicht zu? Oder ist die "Hochromantik" mit ihren Formulierungen menschlicher Abgründe zu sehr "out" und sucht man eher das Biedermeierliche bei ihm?

Vielleicht möchte man ihn in der Mehrzahl seiner Werke eher als kleinen Bruder Mozarts sehen, sozusagen eine Art "Schubertkugel", eher Ludwig Richter als ETA Hofmann.

Ich weiß es selber nicht, es ist aber. wie gesagt ärgerlich, dass er als Künstler immer noch so verkannt wird.

Aber vielleicht hast du eine ganz andere Antwort darauf.

:hello: Gustav
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Dr. Holger Kaletha

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56

Mittwoch, 12. Mai 2010, 23:28

RE: Schubert : Rezeption der Werke für Klavier solo.

Zitat

Original von Frank Georg Bechyna
Franz Liszt hatte 55 Lieder von Schubert für Klavier bearbeitet und somit bis heute sehr populär gemacht . Seltsamerweise ist Liszt seiner neigung gefolgt und hat die " Wanderer - Fantaise2 "Orchester bearbeitet , was mehr als überflüssig war .
Debei waren Schubert und Liszt durch den gemeinsamen Lehrer Antonio Salieri verbunden gewesen ohne isch aber musikalisch nahe zu kommen .

Modern formuliert : Franz Schubert hat bis heute keine Lobby .


Lieber Frank,

Franz Liszt liebte Schubert über alles - hat ihn immer wieder im Konzert gespielt, vor allem natürlich seine Liedtranskriptionen. Liszts ausführlicher Beschäftigung mit Schuberts Wanderphantasie ist letztlich die Konzeption der großen einsätzigen h-moll-Sonate entsprungen: die formale Idee, einen Sonatensatz und die Sätze einer ganzen Sonate übereinanderzublenden, die Form damit mehrdeutig zu machen.

Bei Schubert war immer das Problem, das man vor allem den Liedkomponisten beachtet hat - alles andere stand im Schatten. Die Unkenntnis war sehr verbreitet. So gibt es die Anekdote, wo Alexander Scriabin sich gegenüber Strawinsky äußerte, der ein großer Schubert-Verehrer war: "Auch, sieh an, Schubert? Aber das ist doch gerade gut genug, um von jungen Mädchen auf dem Klavier geklimpert zu werden!" Sehr lesenswert die Darstellung von Wilhelm Kempff "Die Klaviersonaten. Schuberts verborgene Schätze". Er bekennt, daß ihm Schuberts Sonaten in seiner Jugendzeit bis auf wenige Ausnahmen ein "Buch mit sieben Siegeln" blieben. Kempffs Versuch, den Unterschied von Beethoven und Schubert zu fassen, finde ich sehr bedenkenswert:

"Ein Naturgeist ist Schubert gewesen, eng dem Atmosphärischen verschwistert. Das Eckige, Kantige war nicht seine Art. Das Fließende, unaufhörlich Quellende, von dem so viel in seinen Liedern gesungen wird, war ein Teil seines Wesens. Darum konnte nur er, zum zweiten Orpheus geworden, Goethes >Gesang der Geister über den Wassern< vernehmen:

Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd."

Kempff spricht hier bemerkenswert klug von einem "Teil" von Schuberts Wesen - er verabsolutiert dieses nicht. Denn dieses Flußprinzip hat sich Schubert gegen den übermächtigen Geist Beethovens regelrecht erkämpft. Die Interpreten sollten deshalb nicht den Fehler machen, einen um jeden Preis einheitlichen Schubert-Stil zu spielen. In der Sonate D 664 kann man sehr schön dieses Flußprinzip, eine unendliche Melodie, wahrnehmen: Das Hauptthema ist melodisch fließend und das Seitenthema einer Steigerung der Flußgeschwindigkeit gewissermaßen. Ganz anders dagegen Schuberts erste vollendete Klaviersonate D 537. Da gibt es durchaus "Ecken und kanten", da werden noch sehr Beethoven nah scharfe Kontraste gesetzt. Viele Interpreten mildern diese Kontraste ab mit Blick auf den späteren Schubert. Einzig Benedetti Michelangeli spielt die Kontraste so drastisch, wie sie im Notentext notiert sind - was so manchen Kritiker irritiert hat. Aber so hat er gezeigt, daß der Schubert-"Stil" nicht einfach da ist, sondern etwas, das sich Schubert in einem Art Kampf gegen den übermächtigen Übervater Beethoven ertrotzt hat - das hat Zeit gebraucht und führt oft zu einer gewissen Heterogenität. Michelangeli hat übrigens auch die Sonate D 959 im Konzert gespielt - leider gibt es davon keinen Mitschnitt.

Wenn man die Zahl der Gesamteinspielungen aller Sonaten von Beethoven und Schubert vergleicht, dann zeigt sich in der Tat immer noch, daß Beethoven die weitaus größere "Lobby" hat auch heute noch. Allerdings gibt es in den letzten Jahrzehnten kaum einen namhaften Interpreten, der nicht eine oder mehrere Schubert-Sonaten in seinem Repertoire bereit hielte. Insgesamt hat es die romatische Sonate offenbar schwerer, als die klassische, sich zu behaupten. Wer spielt überhaupt oder gar komplett die Sonaten von Schumann, Brahms oder Chopin? Obwohl die Genannten nur 3 Sonaten jeweils komponiert haben!

Beste Grüße
Holger

Frank Georg Bechyna

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57

Donnerstag, 13. Mai 2010, 17:14

Schubert - Verständnis .

Lieber Gustav und lieber Holger :


Liszts Verständnis für Franz Schubert erschöpfte sich regelrecht in den Liedern , seine nicht unumstrittenen Transkrptioen von Liedern für Klavier und der ganz schrecklichen Bearbeitung der " Wandererfantasie " für Klavier . Man stelle sich vor , Liszt hätte seine h - Moll - Sonate mit dem berühmten Lento - Schluss ähnlich bombastisch aufgedonnert enden lassen . Kaum jemand würde sie mögen können .
Klang- und Wirkunsästhetisch geradezu eine Katastrophe .
Ob die Liszt - Sonate , bekanntlich eine meiner Lieblingskompositionen , einsätzig , jedoch mannigfach unterteilt , ist oder aus drei oder gar vier einzelnen Teilen besteht , ist umstritten geblieben und kann hier nicht Gegenstand der Diskussion sein . Es geht um Franz Schubert .

Soweit nachprüfbar war es das Ansinnen des jungen Schnbael an seinen Lehrer Theodor Leschetitzky gewesen, Schubert spielen zu dürfen sowie leschetitzkys grosses pädagogisches geschcik , seine sehr vielen überragenden Schülern zu erlauben , sich frei mit ihrem musikalischen wie menschlichen Potenzial zu entwickeln, dass wir überhaupt einen Anfang zumindest mit dem " späten Schubert erleben durften .

festhalten muss man unbedingt, dass Artur Schnabel , immerhin der sog. " Übervater " der Beethoven - Interpreten ( was , betrachtet man die usführungen bei alter Niemann 1921 nicht richtig ist ) , ja keineswegs sich auch wissenschaftlich um mehr als die sog. grossen Schubertsonaten für Klavier gekümmert hat . Danaben vor allem en e sehr hörbare Interpretation der Impromptus ( EMI ) aufgenommen hat .
Alfred Brendel , der sehr bewusst eine eigene useinandersetzung mit dem gesamten Sonaten - kosmos von Schubert vermieden hat und auch nur wenige der Sonaten aufgenommen hat , hatte sich nachvollziehbar krtiisch mit Schnbaels schubertsicht auseinandergesetzt .

Sehr viel überzeugender bezüglich der Werke für Klavier solo sind für mich die Ausführungen in den vorzüglichen Booklets zu den Aufnahmen durch Richard Goode . Diese sind auch wissenschaftlich fundiert geschreiben . Und Richard Goode ( derzeit mit M. uchida Leiter in Tanglewood ) hat gerade das gespielt , was etwa Brendel nicht vermochte oder nicht wollte . Brendel hat uns keine neue Sicht auf Schubert hinterlassen . Gerade das, was Du, lieber holger im Hinblick auf die wunderschöne Sonate in A D 664 , zunbrecht beschreibst fehlt jeder Aufnahme durch Brendel .
Man muss allerdings dann hinzufügen, welche Aufnahme wir dem geneigten Leser dieser Beiträge und dem , der sich den Schubertsonaten zuwenden möchte , als zumindest dem Ideal nahekommend , als referenzaufnahme empfehlen möchten .
Für mich ist dies mit deutlichem Abstand - daher auch Referenzaufnahme - nna Malikova mit ihrem sicheren Gespür für das Essentielle in Franz Schuberts Kompositionen : Das Fliessende , das die feinsten Schattierungen wohl seines eigenen seelischen glücklichen Seins in Noten beschreibenden Gefühlserlebens mitzuteilen . Falls er dies überhaupt wollte . Eher war es so, dass Schubert solche Werke für sich selbst und seinen engsten Freundeskreis komponiert hat .

es war eindeutig Edurd Erdmann , dem das verdienst zukommt , zu den gemeinsamen Zeiten von ihm und Schnbael Schuberts Klaviersonaten in die elt hinaus zu tragen , öffentlich zu spielen . Erdmann war leider nicht so extrovertiert gewesen, dass er seine Interpretationen unbedingt aufgenommen haben wollte . Sie waren zeitweise fast nicht zugänglich . Ich habe mir das Material , das " Zelenka " und ich in der Diskussion 2006 / 2007 verwendet haben , an dem Beispiel von Eduard Erdmann noch einmal genau angehört seit Gustav hier sich in die Diskussion dankenswerterweise " eingemischt " hat es wäre höchst erfreulich , wenn dies mehrere der hier registrierten Nutzer täten ) .
kein Zweifel : " Zelenka " hat die grosse Bedeutung von Erdmann für die ( ieder- ? ) Belebung der schumannsonaten richtig analysiert und seinem sehr zügig gespielten Interpretationen auch den Rang zukommen lassen, den sie verdient haben .

Michelangeli , wir , lieber Holger , und ich hatten uns darüber schon ausgetauscht , hat eine grossartige Interpretation aufgenommen , die du auch erwähnt hast ( DGG ) . Auch wegen solcher Aufnahmen bin ich sehr, sehr vorsichtig, einen Pianisten zum " Spezialisten für.... " zu etikettieren .

Deine Schilderung über Wilhelm Kempff ist zutreffend ; auch wenn ich Kempff - anders als " Zelenka " dies bei seinem Leibelingspianisten tat - nicht für den idealen Schubertinterpreten halte . Wobei die Formschwankungen bei Kempff wohl besonders gross gewesen sind .
Die für mich hörneswerteste seiner Aufnahmen finden wir in konzertmitschnitten bei BBC Legends und seinem Aufnahmen vor allem der Spätwerke für Klavier solo von Johannes Brahms . Kempff gelingt hier diese Rückbesinnung anhand von lange liegengebliebenem Material an seine frühen Jahre . Kempff spielt einen nie gewollten Brahms . Alles klingt aus sich heraus . Anders aber doch ähnlich vom Werkanalyseansatz her wie bei Claudio arrau . Der Satz ist hier im TF einmal geschrieben worden , dass die drei Klaviersonaten von Brahms " modern " seien . Es bleibt erstaunlich , wie der ganz junge Brahms dies e drei Klaviersonaten fern von dem Übervater Beethoven , entfern t von Robert Schumann , komponiert hat . Er muss gespürt haben, dass er damit zumindest für einmige Zeit seine Möglichkeiten im Bereich Klavier solo erschöpft hatte .
Und seit seiner zeit bei den Schumanns in Düsseldorf sind über 15 Jahre vergangen bevor sich Brahms erstmals über Franz Schuberts Klavierwerke, die er inwischen ( 1868 ) wohl intensiv studiert hatte wie desen lieder , die ihn sehr bewegt haben , geäussert hat . Auch hier ist er nicht auf eine Modeströmung aufgesprungen, sondern ganz er selbst geblieben .

Zwei Tatsachen haben eine angemessene Verbreitung des Werkes von Franz Schubert verhindert :

(1) Die seichte, wahrheitswidrige Beschreibung Schuberts in " Biographien " und Filme . Das Drei-Maderl-Haus-Denken ist so unsinnig wie eine Klischeebedienung nur sein kann .
Das kam für die Industrie gewinnbringend gut an . Schubert wurd e genau so geschildert wie er n i c h t war . Weich , " schwammerlhaft " , weibisch . So eine Art Komponist für eingängige melodien ohne tieferen Wert .
Dann wird er noch heute (!) in die ecke der " kapaunliebhaber " gesteckt . Vulgo . Schubert war eindeutig schwul . Selbst wenn . Horowitz war endeutiog homosexuell wie Sviatoslav Richter , orozco, Egourov u.v.am. . Habe richter oder horowitz " homosexuell 2 Klavier gespielt ? Nein . Haben Leonard Bernstein oder Mitropoulos " homosexuelle Mahlerinterpretationen " hinterlassen ? Natürlich ist alleine solch eine Behauptung unsinnig .

Dass Franz Schubert seinen Wohnort oft wechselte und bei Freunden, dier zweifelsfrei hatte , wohnte , ist doch völlig normal . Wer würde einen Freund nicht bei sich aufnehmen, wenn dieser in Not und Sorge ist ?

Wer käme ernsthaft auf den gedanken, nicht mehr Tausende von kilometern auf sich zu ehmen, um einmal in seinem Leben etwa die " mona Lisa 2 in dem Pariser louvre für einige Sekunden " bstaunen" oder gar " erfassen " zu können . Dabei war leonardo da vici doch nicht nur der Homoerotik zugewandt , sondern sogar noch Linkshänder gewesen .

Oder Michelangelos genie zu verneinen , weil dieser wie sehr viele der Genialischen homosexuell war ?
Franz Schubert war eines mit Sicherheit . Genie !


(2) Schubert im Musikunterricht .

Sehr viele Schüler/-innen mussten zumindest zwei, drei Strophen aus d er " Winterreise " oder der " Schönen Müllerin " auswendig lernen .

Wegen des " lernzieles ud lehrerfolges " wurden Kompositonen möglichst nach C - Dur umgeschreiben . Wer wäre je auf den gedanken gekommen , etwa die " Hammerklaviersonate " , 2. Satz , oder die sehr populäre " schicksalssymphonie " von beethoven nach C - Dur zu transponieren, damit dieser lehr- und Lernerfolg viellicht noch maximiert werden könnte ? Niemand .

Beethoven war eben der geradezu unantastbare " Titan " . iese sinnlose Bild prägte dann mehrere vor allem deutscxhe generation leider fast bedingungslos .

In mehrern Threads im Tamino-Klassikforum.at hat Walter T. sehr verdienstvoll kluge Sätze dazu geschrieben . Sehr lesenswert .

Dann der Klavierunterricht für " höhere Töchter " als Ehevorbereitung : Schubert durfte nie fehelen so wie Beethovens "Elise" für das sog. Bildungsbürgertum und den überflüssigen Adel .

Schubert bot , worauf erneut Brendel hingewiesen hat , noch viel mehr : Klavierspiel zu vier Händen . Aber nicht wie Radu Lupu und Murray Perahia ( SONY ) , sondern das berüchtigete " Klavierlehrerfräulein " sass da mit Hohlkreuz neben ihren Élèven - auf zwei Höckerchen am Pianoforte .

Schubert missbraucht als Komponist für Klavierunterricht !

Sollte Schubert denn überhaupt s o komponiert haben ?
Nein . Sviatoslav Richter hat dies in der ersten hälfte der 1950er Jahre i m Moskauer konservatorium , wo keine " Klavierlehrerfräuleins 2 in den Meisterklassen spielen durften , in sich anhand des aus seiner Sicht sehr schelchten Spiels der dortigen Hochbegabten. Richter, ausgestattet mit einem überragenden Gedächtnis ging nach Huase und übte stunden- , tage- und wochenlang Sonaten von Schubert ! Er übte .

Das , was er gespielt und sich erarbeitet hatte, war das in ihm Vorgestellte , innerlich Gehörte .

Unabhängig von grossen Einzelinterpretationen etwa durch Friedrich Wührer , den beethovennahem Ansatz durch Rudolf Serkin , Dame Myra Julia Hess , Solomon und mehrere andere wie Clara Haskil vor allem , war es doch Sviatoslav Richter gewesen , der in weitaus mehr Sonaten Schuberts auch Interpretationsgeschichte gespielt hat !


Beste Grüsse


Frank - Teil II folgt -
Frank Georg Bechyna
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Theophilus

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Donnerstag, 13. Mai 2010, 18:05

RE: Schubert - Verständnis .

Zitat

Original von Frank Georg Bechyna
...
Alfred Brendel , der sehr bewusst eine eigene useinandersetzung mit dem gesamten Sonaten - kosmos von Schubert vermieden hat und auch nur wenige der Sonaten aufgenommen hat , hatte sich nachvollziehbar krtiisch mit Schnbaels schubertsicht auseinandergesetzt .
...

Nein, so wenig war das nicht. Brendel hat nur einige Jugend-Sonaten nicht aufgenommen. In einer Eloquence-Box finden sich u.a. 11 Sonaten und die Wanderer-Phantasie.

:hello:

Ciao

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Dr. Holger Kaletha

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Donnerstag, 13. Mai 2010, 23:03

RE: Schubert - Verständnis .

Zitat

Original von Frank Georg Bechyna
Liszts Verständnis für Franz Schubert erschöpfte sich regelrecht in den Liedern , seine nicht unumstrittenen Transkrptioen von Liedern für Klavier und der ganz schrecklichen Bearbeitung der " Wandererfantasie " für Klavier . Man stelle sich vor , Liszt hätte seine h - Moll - Sonate mit dem berühmten Lento - Schluss ähnlich bombastisch aufgedonnert enden lassen . Kaum jemand würde sie mögen können .
Klang- und Wirkunsästhetisch geradezu eine Katastrophe .
Ob die Liszt - Sonate , bekanntlich eine meiner Lieblingskompositionen , einsätzig , jedoch mannigfach unterteilt , ist oder aus drei oder gar vier einzelnen Teilen besteht , ist umstritten geblieben und kann hier nicht Gegenstand der Diskussion sein . Es geht um Franz Schubert .


Lieber Frank,

ich habe noch in lebhafter Erinnerung, wie Cyprien Katsaris nun schon vor sehr vielen Jahren in der Düsseldorfer Tonhalle u.a. Liszts Transkription von Beethovens 6. Symphonie spielte. Daraufhin war in der"Rheinischen Post" zu lesen: Das sei ein Skandal. So etwas gehöre nicht in den Konzertsaal - worauf dann ein älterer Kritiker den Kritiker per Leserbrief zurechtwies. Man müsse diese Liszt-Transkription nicht mögen, aber könne auch nicht bestreiten, daß sie sehr gut gemacht sei. So ist es auch mit den Schubert-Liedtranskriptionen. Die Vorbehalte oder Vorurteile richten sich mehr gegen die Gattung Transkription und Paraphrase an sich als die jeweilige Komposition. Man kann wohl kaum bestreiten, daß Liszt ein Meister des Klaviersatzes ist und nicht zufällig gerade von Sängern immer wieder bewundert wird, wie er die Gesangsstimme auf dem Klavier zum Klingen bringt. Spaßige Nebenbemerkung: Die ganze Aufregung über diese Literaturgattung kommt vom neusachlichen Geist der Nachkriegsjahre her und erinnert mich ein wenig an die Orgelbewegung, die auch vom Purismus und Moralismus getragen die schön barock-verspielten Orgenlregister alle einfach abschraubte umd die Reinheit der "absoluten (Orgel-)Musik" wiederherzustellen.

Liszts Virtuosen- und Konzertkariere endete im Revolutionsjahr 1848 und die Konzertprogramme von Liszt in Wien z.B. sind sehr genau dokumentiert. Man kann wenn man will also nachprüfen, welche Werke Schuberts Liszt wirklich spielte und kannte. Die Frage ist aber letztlich: Welche der Klavierwerke Schuberts konnte Liszt in dieser Zeit überhaupt kennenlernen? Von den Sonaten erschienen zu Schuberts Lebzeiten lediglich 3 im Druck (D 845, D 850 und D 894). Die erste Gesamtausgabe der Klavierwerke Schuberts erschien überhaupt erst ab 1884 (!) bei Breitkopf & Härtel.

Ich habe von Liszt die Transkription der "Wanderer-Fantasie" für Klavier und Orchester in der Liszt-Box von Jorge Bolet, sowie von Brendel, mich damit aber nicht näher beschäftigt. Man kann natürlich darüber diskutieren, ob diese Transkription gelungen ist. Aber sie paßt in den Geist der Romantik, welche das öffentlich-weltliche Konzert und die große Symphonie zum Ideal der Musik erhob. Ein Instrumentalstück für großes Orchester zu transkribieren bedeutet im romantischen Kontext, die Musik zu entprivatisieren, ihr eine "weltliche" Dimension zu geben. In diesem Geiste hat noch Gustav Mahler Schuberts Streichquartett "Der Tod und das Mädchen" für großes Orchester transkribiert.

Liszts h-moll Sonate dreiteilig oder vierteilig: Das Problem nicht weniger musikwissenschaftlicher Analysen ist ein fast schon bürokratischer Positivismus, der ästhetische Fragen nicht in die Analyse einbezieht. Das ist ein typisches Beispiel dafür. Was sich in der positivistischen Interpretation als "umstritten" herausstellt (weil man eindeutig wissen will, ist es nun so oder so?) gehört vielleicht einfach zur Sache: Die Mehrdeutigkeit und Unentscheidbarkeit kann vom Komponisten gerade gewollt sein. Auch das ist fester Bestandteil des Geistes der Romantik, das Eindeutige mehrdeutig zu machen und dadurch zu verrätseln. Novalis: "Alles Poetische muß märchenhaft sein!"

Zitat

Original von Frank Georg Bechyna
Alfred Brendel , der sehr bewusst eine eigene useinandersetzung mit dem gesamten Sonaten - kosmos von Schubert vermieden hat und auch nur wenige der Sonaten aufgenommen hat , hatte sich nachvollziehbar krtiisch mit Schnbaels schubertsicht auseinandergesetzt .


Brendel hat doch zwei zyklische Einspielungen der Schubert-Sonaten bei Philips gemacht, oder nicht? Zwar nicht auf einen Schlag - aber das machen bzw. machten Gilels oder Pollini bei Beethovens Sonaten ja auch nicht.

Zitat

Original von Frank Georg Bechyna
Zwei Tatsachen haben eine angemessene Verbreitung des Werkes von Franz Schubert verhindert :

(1) Die seichte, wahrheitswidrige Beschreibung Schuberts in " Biographien " und Filme . Das Drei-Maderl-Haus-Denken ist so unsinnig wie eine Klischeebedienung nur sein kann .

(2) Schubert im Musikunterricht .

Sehr viele Schüler/-innen mussten zumindest zwei, drei Strophen aus d er " Winterreise " oder der " Schönen Müllerin " auswendig lernen .

Dann der Klavierunterricht für " höhere Töchter " als Ehevorbereitung : Schubert durfte nie fehelen so wie Beethovens "Elise" für das sog. Bildungsbürgertum und den überflüssigen Adel .


Tolle Satire - aber leider allzu wahr! Dieser Schubert-Kitsch ist wirklich unerträglich!

Beste Grüße
Holger

Frank Georg Bechyna

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Freitag, 14. Mai 2010, 12:11

Schubert & Liszt : Eine Annäherung .

Lieber Holger :


Wie immer habe ich Deine Ausführungen mit Freude und Gewinn , miot Skepsis gegenüber dem tradierten Offiziösen gelsen .

Und dann der bewegende Satz von Novalis !

ir müssten uns überhaupt einmal darüber - ganz allgemein - darüber klar werden , wie wir Franz Schubert in seiner stellung in der Musikwelt " einordnen " .
Ich denke, dass er , Chopin und Schumann als beide als fertige Komponisten für das Klavier die Musikszene betraten , eine Sonderstellung einnimt . Chopin blieb immer er selbst . Und auch der frühe Scriabin ist eher eine Reflexion in Tönen über Chopin , aber nicht die Fortsetzung eines kompositionsstils . Schumann hatte seine bleibende Bedeutung mit dem Abschluss seiner Kompositionen für Klavier solo erreicht .
Robert Schumanns überschwänglichen Äusserungen über Frédéric Chopin kann ich sehr gut nachvollziehen . Es war wohl eher so, dass Chopin , der , um Arthur Rubinstein aufzugreifen , doch eher ein " klassischer Komponist war in der Tradition von Bach über W A Mozart gewesen ist . Schumann war ganz im Sinne der Romantik Chopin mit seinen Kompositionen schon aus dem Selbstverständnis dessen , was wir dann später leider zu pauschal als " Romantik " bezeichnet haben und so lernen mussten (!) , nicht zugänglich und auch nicht vermittelbar . Clara Schumann spielte in Chopis Gegenwart bezeichnenderweis e auch keines der Hauptwerke ihre darunter sehr leidenden Ehemannes Robert . Sie war da ganz Traditionalisten : " ppassionata " von Beethoven . Der eher feinsinnige , , ja esoterische Chopin hätte sich Clara Schumanns Wiedergabe etwa der C - Dir - Fantasie Opus 17 oder der " Études symphoniques " Opus 13 sicherlich - und nicht nur aus Gründen der von ihm so sehr geschätzten gesselschaftlichen Usancen - aufmerksam angehört . Zudem Clara wie später Guiomar Novaes oder in unserer Zeit Martha Argerich eine laut Zeitzaeugen Chopin ebenbürtige Pianistin gewesen war .

Johannes Brahms war für Robert Schumann , den grossen Literturkenner und führenden Musikrezensenten seiner zeit , mit seine drei Klaviersonaten wie ein " Neuerer " !

Franz Liszt und seine eigenen Liedkompositionen halte ich für kostbar !
Seine Transkriptionen sind , so im Original gespielt , wie Cyprien Katsaris dies etwa 1984 im Echternach Festival vermochte , gerade im falle der schubert - kompositionen einzigartig . Hier finden wir das Fliessen der Melodien ! Diesen melodienreichtum hatte Franz Schubert aus der grossen tradition des böhmischen wie mährischen Liedgutes .
Es besteht in der deutschsprachigen Rezensionskultur leider die durchgehende tendenz zu vieles in bestimmt Schubladen zu stecken und dort möglichst für alle Zeiten zu konservieren . Dies gilt auch für die Literatur wie Du weisst .
In meiner meinung war Friedrich schiller keineswegs neben J W Goethe " der Klassiker " unter den Dichtern . Schiller hatte ganz andere Stoffe in seine Dramen wie seine gedichten besetzt als Goethe . Goethe kann man , cim grano salis , auf Faust I , seine Lyrik und dann noch Troquato Tasso und seine iphigenie reduzieren . Das früher so populräre Werk " Die Leiden des jungen Werthers " ( es ist tatsächlich hier ein Genitiv ! ) ist mindestens im Mittelteil eher schwach .

Ich möchte ja zu Franz Schubert noch einen Teil II verfassen , um " Gustavs " Fragen zu beantworten ( aus meiner Sicht ) .

Abschliessend darf ich noch einmal meine meinung zu Arturo Benedetti Michaelangeli in Erinnerung bringen : Michelangeli hat mit seine Interpretationen von Ludwig van Beethovens c - Moll - Klaviersonate Opus 111 das gesamte Beethoven - Spiel aus deutscher ( nicht richtiger ! ) Sicht völlig verändert , geradezu revolutioniert . Dürfte ich ein einziges Cd - Set zusammenstellen, so wären bei michelangeli dabei : Debussy " Images " , die von Dir erwähnte Schubert - Klaviersonate und auch - natürlich - Beethovens Opus 111 . Michelangeli eröffnet uns, Du hast ihn ja auch im konzert erleben können , neue Welten . Auch gerade mit seinem philosophische Ansatz über das Leben selbst und unsere Erlösung daraus !

Beste Grüsse


Frank
Frank Georg Bechyna
Musik & Medizin