Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

Free counters!

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Tamino Klassikforum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Joseph II.

Prägender Forenuser

  • »Joseph II.« ist männlich
  • »Joseph II.« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 10 997

Registrierungsdatum: 29. März 2005

1

Dienstag, 24. März 2009, 19:00

Wagner: Das Liebesmahl der Apostel

Ein wenig bekanntes Werk Richard Wagners ist sicherlich Das Liebesmahl der Apostel. Eine biblische Szene für Männerstimmen und großes Orchester, 1843 in Dresden uraufgeführt.

Zitat

Wikipedia
Das Liebesmahl der Apostel ist ein der Kantatenform vergleichbares Werk für Männerchor und Orchester von Richard Wagner. Es basiert auf einer biblischen Szene der Apostelgeschichte und ist unter den wenigen Chorwerken Wagners das einzige geistliche.

Der Komposition des Werkes ging Wagners Übersiedlung von Paris nach Dresden 1842 voraus. Am 2. Februar 1843 wurde Wagner Königlich Sächsischer Hofkampellmeister und erklärte sich bereit, bei dem für Juli vorgesehenen großen Sängerfest in Dresden die Stelle des Chefdirigenten der Dresdner Liedertafel zu übernehmen. Wagner wurde mit der Komposition eines neuen, knapp halbstündigen Werkes beauftragt, das am Gesangsfest durch alle sächsischen Männerchöre aufgeführt werden sollte. In der Folge unterbrach Wagner seine Arbeit an der Oper Tannhäuser und verfasste einen Text auf der Grundlage einer Passage aus der Apostelgeschichte, in welcher die Pfingstgeschehnisse um die Erscheinung des Heiligen Geists nacherzählt werden. Im Frühling erfolgte die rasche Vertonung; als Besetzung legte Wagner drei Männerchöre (je TTBB), zwölf Apostel (12B), einen Himmelschor (16T, 12Bar, 12B) sowie ein großes Orchester mit vierfachem Holz, einem großen Blechkontingent inklusive Serpent, großes Streicherensemble, vier Pauken und zwei Harfen fest. Am 6. Juli 1843 wurde das Werk in der Frauenkirche in Dresden unter Mitwirkung von 1200 Sängern und 100 Orchestermitgliedern uraufgeführt.

Das Werk wurde vom Publikum begeistert aufgenommen und in der Folge von den Verlagen Breitkopf & Härtel und Novello mehrfach herausgegeben. Während das Stück sich bis zur Jahrhundertwende im Repertoire vieler deutscher Männergesangsvereine hielt, war Wagner selbst von der Uraufführung des Werkes nicht sonderlich erfreut, sprach später nur geringschätzig über das Werk und führte es selbst nicht mehr auf. Von der Dresdner Liedertafel konnte er sich lösen, indem er das Dirigat an seinen Freund Ferdinand Hiller weitergab.

Als bemerkenswerter Effekt ist der verspätete Orchestereinsatz zu erwähnen. Die ersten etwa 25 Minuten singen die Chöre praktisch a cappella (nur in Begleitung der beiden Harfen), bis das Orchester bei der Erscheinung des Heiligen Geistes einsetzt. Die geheimnisvolle Wirkung der mehrfach in die Höhe der Kirche auf verschiedenen Emporen bis in die Kuppel hinein verteilten und zum Teil unsichtbar postierten Chöre versuchte Wagner später in Parsifal erneut zu erzielen.


Bis heute liegen bedauerlicherweise nur relativ wenige Aufnahmen vor:







»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Edwin Baumgartner

Prägender Forenuser

  • »Edwin Baumgartner« ist männlich

Beiträge: 5 585

Registrierungsdatum: 17. Dezember 2005

2

Dienstag, 24. März 2009, 19:39

Lieber Joseph,
buddelst Du jetzt den ganzen unbekannten Wagner aus?
Recht so!

Also "Das Liebesmahl": Ein kurioses Werk. Zuerst Männerchor a cappella, dann ein bisserl Orchester - und aus.
Aber wenn Pierre Boulez so etwas dirigiert, muß was dran sein, denn Boulez führt nur Werke auf, die seiner Meinung nach von musikhistorischer Bedeutung sind. Das "Liebesmahl" hat er dirigiert.

Wenn man das Werk (vor allem in der Boulez-Einspielung) hört, begreift man, warum: Wagner gewinnt dem Männerchor verblüffende Wirkungen ab. Altertümelnde Polyphonie verästelt sich, verwandelt sich zu romantischem Wohllaut, dann wieder ist der Klang flächig und statisch. Immer wieder ein neues Klangexperiment mit Farbe und Dichte. Wenn dann das Orchester einsetzt, wird's konventioneller und klingt stark nach "Tannhäuser", während der erste Teil auf "Parsifal" und eventuell sogar darüber hinausweist.

Was die Aufnahmen betrifft: Sowohl Boulez als auch Plasson sind empfehlenswert: Boulez kühler, sehr genau ausgehört und durchsichtig, eine Idealaufführung des Werks. Plasson ist wärmer, aber auch konventioneller im interpretatorischen Ansatz.
Spannend sind die Kombinationen: Boulez ist hier am konventionellsten, Plasson bietet eine erfreuliche Palette an Wagner-Raritäten, die er glänzend aufführt. Wyn Morris legt eine glänzend einstudierte und emotional wunderbar ausbalancierte Aufführung hin - mit dem Vorteil, als Ergänzung die meiner Meinung nach beste "Helgoland"-Einspielung zu bieten.

:hello:
...

Joseph II.

Prägender Forenuser

  • »Joseph II.« ist männlich
  • »Joseph II.« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 10 997

Registrierungsdatum: 29. März 2005

3

Dienstag, 24. März 2009, 20:05

Hallo Edwin,

Zitat

Lieber Joseph,
buddelst Du jetzt den ganzen unbekannten Wagner aus?
Recht so!

danke, ja, ich versuche es zumindest. :D

Es sind also die drei älteren Einspielungen allesamt zu empfehlen? Schön zu hören - dumm nur, daß sie derzeit schwer erhältlich sind.

Ich las gerade zu der Neueinspielung von Bosch, daß der nur ein Chor von ca. 10% der Uraufführung (1.200 Sänger) einsetzt.
Weißt Du, wie es sich bei den anderen drei Aufnahmen verhält?

:hello:
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

BigBerlinBear

Prägender Forenuser

  • »BigBerlinBear« ist männlich

Beiträge: 1 660

Registrierungsdatum: 11. August 2004

4

Dienstag, 24. März 2009, 21:36

Mir sagt die Aufnahme unter Morris ganz besonders zu, nicht zuletzt schon deshalb, weil hier zwei nicht unumstrittene Werke in maßstabsetzenden
Interpretationen gereicht werden, wie man sie sonst für dieses "Randrepetroire" gemeinhin nicht erwartet. Es grenzt wirklich an das "Un-Erhörte" was Wagner hier dem sonst eher Liedertafeln
assoziierendendem Männerchor an irisierenden Klangfarben abgewinnt, aber auch das 2. Werk dieser beachtlichen Scheibe, Bruckners vielgeschmähtes "Helgoland" auf einen Text, bei dem sich mir, zugegeben, ob seiner Inferiorität, die Fußnägel kringeln, ist alles andere als ein Leichtgewicht, komponiert von einem Anton Bruckner, der sich ebenso wie der Dichter Grillparzer als Deutscher empfand, und bei dem das "Österreicher-Sein" auf verbale und emotionale Ablehnung stiess.
Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Joseph II.

Prägender Forenuser

  • »Joseph II.« ist männlich
  • »Joseph II.« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 10 997

Registrierungsdatum: 29. März 2005

5

Samstag, 29. August 2009, 11:51

RE: Wagner: Das Liebesmahl der Apostel



Ich kann mich den positiven Kommentaren zu dieser Aufnahme nur anschließen. Die stetige Steigerung bis hin zum feierlichen Finale ist atemberaubend. :jubel:

Zitat

Am 6. Juli 1843 wurde das Werk in der Frauenkirche in Dresden unter Mitwirkung von 1200 Sängern und 100 Orchestermitgliedern uraufgeführt.

Das Wagner-Jahr 2013 wäre doch eine ideale Gelegenheit, dieses pompöse Werk in der wiederaufgebauten Frauenkirche in voller Pracht erklingen zu lassen, wie zuletzt 2008:

Zitat

"http://www.frauenkirche-dresden.de/222+M5008a383a7c.html"
Richard Wagners "Das Liebesmahl der Apostel" wieder in der Frauenkirche

Samstag, 14. Juni 2008

20 Uhr, Frauenkirche

Anton Bruckner: Sinfonie d-Moll („Nullte“)
Richard Wagner: „Das Liebesmahl der Apostel“, Biblische Szene -uraufgeführt 1843 in der Dresdner Frauenkirche

Herren
des Chores der Sächsischen Staatsoper Dresden
des Sinfoniechores Dresden e. V.,
des Philharmonischen Chores Dresden,
des Dresdner Kreuzchores,
des Körnerschen Sing-Vereins, des Philharmonischen Chores Prag,
des Tschechischen Philharmonischen Chores Brünn und
des Rundfunkchores Berlin
Einstudierung: Peter Kopp
Sächsische Staatskapelle Dresden
Leitung: Marc Minkowski

Richard Wagner hat die Uraufführung dieser "Biblischen Szene" in der Dresdner Frauenkirche selbst dirigiert am 6. Juli 1843 anlässlich des 100. Jahrestages der Vollendung des Gotteshauses. Er hatte im Januar den "Fliegenden Holländer" in Dresden uraufgeführt, war neuer Königlich Sächsischer Hofkapellmeister, hatte im April die Urschrift des "Tannhäuser" beendet und organisierte zur Uraufführung von "Das Liebesmahl der Apostel" in der Frauenkirche das wohl am meisten beeindruckende Chorkonzert, das es bis dahin in Deutschland gegeben hatte. Mit dabei: die Sächsische Hofkapelle.

Das Werk ist ein grandioses Fresko: drei- und vierstimmige Chorpartien antworten einander über weite Strecken zunächst a cappella und deuten die Verwirrung der Jünger an, die schließlich gemeinsam und einmütig den Heiligen Geist erflehen. Himmlische Stimmen erklingen dann aus dem Hauptkuppelraum: "Seid getrost, ich bin euch nah", worauf das Orchester mit Sphärenklängen einstimmt und die Ausgießung des Heiligen Geistes begleitet. Wagner wird vierzig Jahre später bei der Gestaltung der Gralstempel-Chöre im "Parsifal" auf seine lebenslangen Eindrücke aus der Dresdner Frauenkirche zurückgreifen.

"Das Liebesmahl der Apostel" wurde seit der Uraufführung bisher nur vier Mal in der Frauenkirche wiederholt, zuletzt im Mai 1913, anlässlich des 100. Geburtstages von Richard Wagner, mit der Hofkapelle unter der Leitung von Ernst von Schuch. Die diesjährige Wiederaufführung ist eine echte Sensation. Gemeinsam mit der Staatskapelle Dresden singen über 150 Männerstimmen aus dem Chor der Sächsischen Staatsoper, dem Dresdner Kreuzchor, dem Philharmonischen Chor Prag und anderen. Die künstlerische Leitung wurde dem französischen Dirigenten Marc Minkowski anvertraut. Das Konzert ist eine Veranstaltung der Sächsischen Staatsoper Dresden.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

BigBerlinBear

Prägender Forenuser

  • »BigBerlinBear« ist männlich

Beiträge: 1 660

Registrierungsdatum: 11. August 2004

6

Samstag, 29. August 2009, 15:07

Michel Plassons schön dirigirte Aufnahme leidet unter der mangelnden Transparenz und Durchhörbarkeit des Chores, der nun einmal hauptsächlicher Träger des musikalischen Geschehens ist und dieser Mangel stuft die Einspielung leider herunter.

Mark Minkowski, der Barockspezialist, geht das Werk so an, wie es von Wagner gedacht ist: fulminant zwar aber geprägt von den sächsischen Chortraditionen aus Leipzig und Dresden, in die Wagner dank seines Lehrers Weinlig hineinwuchs . Eine Veröffentlichung des Konzertes hätte die Chance, die Morris-Aufnahme , die noch immer 1. Wahl ist, abzulösen.
Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Felix Meritis

Prägender Forenuser

  • »Felix Meritis« ist männlich
  • »Felix Meritis« wurde gesperrt

Beiträge: 2 208

Registrierungsdatum: 8. Juli 2012

7

Sonntag, 9. Dezember 2012, 18:08

Angeregt durch diesen Thread, der nicht mit Empfehlungen geizt (z.B. "Es grenzt wirklich an das "Un-Erhörte" was Wagner hier dem sonst eher Liedertafeln assoziierendendem Männerchor an irisierenden Klangfarben abgewinnt" oder "der erste Teil auf "Parsifal" und eventuell sogar darüber hinausweist") habe ich mir das "Liebesmahl der Apostel" in folgender CD-Box zugelegt:

Als ich mir das Werk anhörte staunte ich nicht schlecht! Das ist reinster Mendelssohn. Sowohl Melodie- als auch Stimmführung, und vor allem Harmonik (!!), sind praktisch 1:1 aus Mendelssohns "Antigone" Op. 55, einem damals sehr bekannten Werk, übernommen. Das Liebesmahl weist also nicht auf die Zeit nach "Parsifal" voraus, sondern eher zwei Jahre auf die "Antigone" zurück (1843 vs. 1841). Es verwundert daher überhaupt nicht, dass sich Wagner später von dem Werk distanzierte (er schimpfte später übrigens auch auf Mendelssohns "Antigone", was auch nicht eben verwunderlich ist bei Wagners Charakter). Wenn das "Fliegende Holländer"-Orchester im letzten Drittel einsetzt, wird's natürlich richtig wagnerisch (auch wenn das Ende wieder auf die Schlussfuge aus Mendelssohns Psalm 42, Op. 42, zurückgreift - dabei allerdings homophon bleibt).